Das Ohr der Dionysos

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Autor: Michael Krause
10.02.2017

Die größte Mittelmeerinsel Sizilien ist – aufgrund ihrer zentralen Lage - für verschiedene Völker, die in der Antike schon zur See fuhren, als Besiedelungsort von Interesse gewesen. Die Periode der Kolonisation begann schon um 800 v.Chr. durch die Phönizier, denen andere Völker folgten. Vor allem die Griechen, die von verschiedenen Stadtstaaten des hellenischen Festlandes starteten, haben hier zahlreiche Siedlungen gegründet und unübersehbare Spuren hinterlassen, vor allem einzigartige Tempelbauten und andere monumentale Kulturzeugnisse wie Theater, Stadtbefestigungen etc.  Eine der bedeutendsten und frühesten griechischen Siedlungen war das wohl schon im 8. Jh. v.Chr. an der Ostküste Siziliens gegründete Syrakus, das seit 2005 zu UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Eines der touristischen Highlights hier ist der Parco Archeologico della Neapoli, der „Archäologische Park der Neustadt“. Das in den Felshang regelrecht „eingepasste“ griechische Theater mit den Bäumen und dem Meer als Kulisse, ein römisches Amphitheater und der berühmte Altar Hierons II., auf dem hunderte Tiere gleichzeitig geopfert werden konnten, zählen zu den besonders sehenswerten Einzelheiten des Parks. 

Während man aber Tempel und Theater auch noch an anderen Stellen Siziliens und Süditaliens findet, gibt es hier bei Syrakus eine Besonderheit, die man anderswo vergeblich sucht:  Das sogenannte „Ohr des Dionysos“ ist eine künstliche, als Seinbruch entstandene Grotte – etwa 65 m tief in den Felsen geschlagen, 23 m hoch und bis zu elf Metern breit. Ihr Eingang ähnelt tatsächlich in seiner Form einem menschlichen Ohr, zudem gibt es in der Grotte das Phänomen, dass sich durch Form und Höhe der Schall verstärkt und eine besondere Akustik vorliegt.

Entstanden ist die künstliche Höhle beim Abbau von Kalkstein, denn das „Ohr des Dionysos“ ist Teil einer der zehn „Latomien“, der unterirdischen Steinbrüche, in denen das Material zum Aufbau der antiken Stadt gewonnen wurde. Die „Ohrengrotte“ ist Teil der „Latomia del Paradiso“, eines Steinbruchs, in dem wegen der Qualität des Gesteins überwiegend unterirdisch in Grotten stufenförmig abgebaut wurde. Stehengelassene Gesteinspfeiler hielten die Gesteinsdecke in der Schwebe, bis einige der Steinbrüche bei Erdbeben zusammenstürzten, so dass auch der Paradiessteinbruch heute eher wie ein tiefliegender Garten aussieht, in dem einige Steinsäulen stehengeblieben sind.

Zu der Grotte „Ohr des Dionysos“, in der man noch deutliche Bearbeitungsspuren am Gestein erkennt und in der immer wieder Gruppen auf unterschiedliche Weise die phänomenale Akustik ausprobieren, gibt es auch noch eine Legende, die die Anbindung an den Namen des Tyrannen von Syrakus, Dionysos, erklären soll. Das ist genau der, zu dem in der berühmten Ballade „Die Bürgschaft“ von Friedrich Schiller, der  Attentäter geht, der dafür zum Tode verurteilt wird und seinen Freund als Bürgen hinterläßt. Der syrakusanischen Legende nach soll Dionysos seine gefangenen Feinde im Steinbruch haben schuften lassen und ihnen die Grotte als Unterkunft gewährt haben, da er aufgrund ihrer besonderen Akustik abends ihre geflüsterten Gespräche belauschen konnte.

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