Reisebericht: Single-Aktivreise in Estland

27.08. – 03.09.2017, 8 Tage Aktivreise für Singles mit Kurort Haapsalu - Naturbeobachtungen in der Bucht von Matsula - Insel Kihnu - Insel Saaremaa - Moorwanderung - Kanutour im Soomaa-NP - Tallinn

Estland aktiv erleben .. das war das Anliegen dieser Reise! Nicht nur mit dem Bus durch nahezu unberührte Natur rauschen, sich dabei die Nase an der Scheibe plattdrücken .. NEIN! .. wir wollten dieses Kleinod hautnah erleben und entdecken .... und eines gleich vorweg .. unsere Vorstellungen von Land und Leuten wurden weit übertroffen, darüber waren sich am Ende der Reise alle Mitreisenden einig ..

Sonntag, 27.08.2017: Flug nach Tallinn und Weiterfahrt in den Kurort Haapsalu


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Früh am Morgen flog ich von Berlin diesmal ganz allein zunächst nach Frankfurt, um mich dort mit meinen Gästen zu treffen. Eine kleine Gruppe nur sollten wir werden und so hatte ich meine 10 Mitreisenden recht schnell gefunden. Pünktlich gegen Mittag landeten wir in Tallinn, ein recht kleiner und übersichtlicher Flughafen. Meine Gäste hatten Ihr Gepäck auch bald an der Frau oder am Mann, nur meine Tasche wollte nicht kommen. Aber wenn man nur ordentlich Geduld hat, wird dies schließlich auch belohnt, gefühlt kam meine Tasche als LETZTE .. ach wie erleichtert ich war! Im Ankunftsbereich erwarteten uns bereits Dagmar, unsere örtliche Reiseleiterin für die kommenden Tage, sowie Adrian, der Chef unserer Agentur vor Ort. Begrüßt wurden alle Damen mit einem kleinen Sträußchen der Nationalblume Estlands .. mit Kornblumen. Ich, als Reisebegleiterin, leistete mir auch gleich einen riesen Fauxpas .. erkundigte ich mich doch nach Geldtauschmöglichkeiten .. naja .. auch Estland hat inzwischen den EURO als Zahlungswährung. Ich hatte die Tage vor der Abreise allerdings mit so vielen verschiedenen Währungen in Vorbereitung anderer Reisen handtiert .. Thailändische Baht, Laotische Kip, Myanmarische Kyat und Kroatische Kuna .. ganz klar, da musste es auch noch die Estnische Krone geben! Aber auch das konnten wir umgehend klären und so begaben wir uns zu unserem kleinen gemütlichen Bus. Tiit .. so hieß unser überaus charmante Chauffeur, den wir in den kommenden Tage alle in unser Herz schließen würden. Flink, trotz seiner nicht mehr ganz jungen Jahre, was man ihm natürlich absolut nicht ansah, hievte er unsere Taschen und Koffer in den Bus. Dagmar, unsere Reiseleiterin .. soll ich hier schon mit dem Loblied beginnen? .. nein das hebe ich mir noch für später auf .. , begrüßte uns schließlich nochmals im Bus und übergab jedem Reisegast eine umfangreiche Informationsmappe mit Karten- und Prospektmaterial. Trinkwasser gab es auch an Bord und so konnten wir unsere Aktivreise durch Estland zunächst in Richtung Westküste, in das ehemalige Zarenbad Haapsalu starten. Einen ersten Stopp legten wir zuvor an der Ruine der KLOSTERBURG PADISE ein, einst Wohnsitz der Mönche von Dünamünde. Steile Stiegen klettern wir hinauf, um einen besonders schönen Blick über die Baumgrenze hinweg in das Umland und auf den „Ascheberg", der eigentlich aus Kalksandstein besteht, zu genießen. Von dort noch knapp 45 Minuten Fahrtzeit und schließlich erreichten wir unser kleines Hotel "PÄEVA VILLA", mit Blick auf eine Ostsee-Bucht vor Haapsalu. Wir bezogen unsere Zimmer, klein aber fein, jedes mit eigener Note. So wohnte ich zum Beispiel im Zimmer „Sowjetunion", total russisch eingerichtet mit vielen „Stehrümmchen", Anbauwand und sowjetischen „Heldenbildern" .. sehr BESONDERS! Wir verschnauften ein wenig und genossen den Blick auf die See, bevor Dagmar sich mit uns auf einen kleinen Spaziergang durch das Heilbad Haapsalu begab. Wir spazierten durch seine engen Straßen, vorbei am Rathaus welches heute ein Museum ist und passierten romantische Wohnhäuser aus Holz. Im Hof der Bischofsburg mit Domkirche (erstmals im Jahre 1279 erwähnt) erfuhren wir etwas über die seit Jahrhunderten bestehende Legende von der „Weißen Dame", allerdings begegnete uns dort nur eine Dame in Schwarz. Schließlich kehrten wir in den Kursaal ein, der an der Ufer-Promenade liegt und eines der schönsten Holzgebäude ganz Estlands ist. Innen urig eingerichtet, wurde uns hier ein 3-Gänge-Menü serviert vom Allerfeinsten. Überraschende Geschmackskompositionen allerliebst dekoriert und angerichtet, für mich ein absolutes Highlight! So gut gestärkt und inzwischen auch etwas müde, gelang es Dagmar noch, uns für einen Heimspaziergang zu überreden .. die angekündigten 2 Kilometer wollten allerdings kein Ende nehmen, entweder lag es an unserer Müdigkeit oder aber in Estland sind die Kilometer länger?! Jedenfalls stand einem ruhigen Schlaf nun nichts mehr im Wege, naja fast nichts mehr. Es soll doch tatsächlich Schläfer geben, denen man im Nebenzimmer noch bei nächtlichen Waldarbeiten lauschen kann.

Montag, 28.08.2017: Naturbeobachtungen an der Bucht von Matsalu


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Gut gefrühstückt verlassen wir am Morgen bereits wieder die charmante Unterkunft an der See und begeben uns auf erste Naturerkundungen in Estland. Auf dem Programm steht die Bucht von Matsalu, eine Bucht die tief ins Land hinein ragt, beinahe wie ein Fjordarm. Das Mündungsgebiet des Kasari-Flusses mit ca. 50 Inseln und einem breiten Uferstreifen ist seit 1957 Naturschutzgebiet. Seitdem hat sich ein einzigartiges Nebeneinander von Strandwiesen, Heideflächen, Auenlandschaften und Röhrichten entwickelt. Es zählt außerdem zu den bedeutendsten Vogelreservaten im Ostseeraum. Aber bevor wir Haapsalu verlassen müssen wir unbedingt noch am ehemaligen Bahnhof halten. Wir fühlen uns in eine andere Zeit versetzt, 100 Jahre zurück oder so .. Ein mondänes Bahnhofsgebäude gut erhalten, davor stehen monströse Eisen-Dampfloks von gigantischem Ausmaß und technischer Schönheit, die nicht nur die Männerherzen höher schlagen lassen. Und schon geht es auf zur ersten Erkundungswanderung im Landschaftsgefüge der Matsalu-Bucht. Wir starten unsere Wanderung in einer für Estland typischen Streusiedlung, zunächst entlang des Küstenschilfgürtels nördlich der Matsalu-Bucht. Dabei passieren wir das eine oder andere Bauerngehöft oder auch Weiler, begleitet werden wir von plageartigen Mückenschwärmen. Aber wir sind tapfer und versuchen dennoch die ursprüngliche Landschaft zu genießen und die dort herrschende Ruhe aufzusaugen. Verschiedene Anzeigetafeln erklären Flora und Fauna, Dagmar übersetzt diese und weiß noch viel mehr zu berichten .. denn ... und jetzt muss ich doch langsam mit dem Loblieb auf Dagmar beginnen .. diese junge, unaufgeregte, bescheidene, fröhliche, ständig gut gelaunte und charmante Frau weiß einfach alles über Estlands Naturschätze zu berichten. Es gibt kaum ein Pflänzchen, über welches sie keine Geschichte zu erzählen weiß und das mit einer Begeisterung, die uns nur so an ihren Lippen hängen ließ, voll der Faszination und Bewunderung. Schließlich besteigen wir einen Aussichtsturm, dies sei vorweggenommen .. es wird nicht der Letzte sein, um die faszinierende Landschaft aus der Vogelperspektive zu erleben. Weiter chauffiert uns Tiit um den Matsalu Fjord herum an dessen Südküste, in die Nähe des Kasari-Fluss-Deltas. Dort stärken wir uns zunächst bei einem Picknick und besuchen danach das Informationszentrum von Matsalu. In einem Film, der sogar in deutscher Sprache gezeigt wird, erklärt man uns die Flora und Fauna des Nationalparks .. äußerst imposante Bilder beeindrucken uns. Und Dagmar erklärt im Anschluss noch viele andere spannende Details anhand der ausgestopften Tierpräparate, die es im Informationszentrum zu bewundern gibt. Ein weiterer Höhepunkt ereilt uns bei einer Bootstour durch das Schilfgebiet im Mündungsdelta des Kassari. Eine Idylle, eine Ruhe und eine grandiose Landschaft .. wir sind einfach alle nur total verzückt und genießen in vollen Zügen. Unser Bootsmann legt dann noch einen Stopp ein, an einer Stelle, die auf uns zunächst wie eine Schrotthalde wirkt .. aber ganz falsch. Wir haben die einzigartige Möglichkeit mitten im OFF eine ehemalige Künstler-Kreativstätte zu bestaunen. Der Künstler der bis zu seinem Tode dort aktiv war, verbaute jeglichen Schrott und alte Gebrauchsgegenstände zu einer Oase des Entdeckens. In Worte kleiden kann ich das nicht, das muss man einfach gesehen haben. Und natürlich gab es auch hier einen Turm, den man besteigen konnte, ganz schön abenteuerlich, aber wir haben uns getraut und wurden belohnt mit einem wunderschönen Ausblick über die Schilflandschaft bis hin zur offenen Meeresküste. Am Abend bezogen wir unsere neue Unterkunft für die kommenden 3 Nächte an der Westküste, das Landhotel "VARBLA PUHKEKÜLA RANNA MOTELL" mit ausgezeichneter Küche und einer unmittelbaren Lage am Meer. Jedes unserer Zimmer bot Meerblick (es gibt natürlich auch landseitige Zimmer), ein wahres Kleinod für Naturliebhaber und Ruhesuchende. Die Zimmer waren sehr komfortabel und großzügig eingerichtet, jedes Zimmer mit ganz eigenem Charme. So hatte W. das Glück die Suite mit eigener Saune zu beziehen, S. wiederum kämpfte mit der Technik ihrer Hightech-Wellnessdusche. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und genossen den Aufenthalt dort sehr. Ach ja .. fast hätte ich es vergessen: begrüßt wurden wir an unserer Unterkunft von einem handzahmen Fuchs, geheuer war uns dies allerdings nicht so ganz!! Schließlich verwöhnte uns die Gastgeber-Familie mit einem äußerst schmackhaften 3-Gänge-Menü aus regionalen Zutaten. Unsere Bäuche waren rappel voll und so entschieden wir uns für einen anschließenden Spaziergang an die Badebucht. Dieses schöne Örtchen bei Sonnenuntergang nutzten wir für eine kleine Vorstellungsrunde. Jeder traute sich, etwas von sich preis zu geben und nach einem kleinen Kräuterschnaps, der nicht nur die Verdauung anregte, hatten wir das Gefühl, uns schon ewig zu kennen. Ein wunderschöner Tag ging so zu Ende und ließ uns tief in den Schlaf sinken.

Dienstag, 29.08.2017: Die Insel Kihnu


Der Wecker schellte bei Zeiten, der Tag brach gerade erste an, das Meer vor unserem Fenster lag noch ganz ruhig und die aufgehende Sonne verlieh dem Schilfgürtel einen goldenen Anstrich. So darf ein Tag beginnen, der uns schließlich auf eine Zeitreise in eine Region mitten in Europa führen würde, in der sich der Lebensrhythmus der Einheimischen noch nach den Jahreszeiten richtet, wo estnische Traditionen gepflegt werden und ländliche Architektur unverfälscht erhalten geblieben ist – die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes noch langsamer zu ticken scheinen. Weitab vom Festland und nur mit einer Fähre zu erreichen, befindet sich die Kleininsel Kihnu, ein UNESCO-Weltkulturerbe mitten in der Rigaer Bucht gelegen. Dieses Kleinod war unser heutiges Tagesziel. Mit der Fähre setzten wir am frühen Morgen vom Festland über. Unsere Gastwirtin stattet uns zuvor jedoch mit einem umfangreichen Mittagsimbiss aus, welchen wir in Stiegen mit auf die Fähre nahmen. Auf Kihnu angekommen, erwartete uns bereits die freundliche Schwester der Wirtin (wie aus dem Gesicht geschnitten, nicht zu verkennen) und nahm den Mittagsimbiss in Empfang, denn diesen konnten wir schlecht auf dem Fahrrad transportieren, aber dazu später mehr. Fahrrad .. das ist das Stichwort, denn gleich noch am Fährhafen statteten wir uns mit einem flotten Damenrad (auch die Herren) aus, drehten eine Proberunde, um Bremsen zu checken und ein Gefühlt fürs Gefährt zu bekommen. Und schon konnte es losgehen. Gemütlich radelten wir dahin, und es dauerte gar nicht lang, ein erster Stopp musste eingelegt werden. Ein kleines buntes Häuschen mit vielen hübschen Dingen lockten uns, vor allem aber ein merkwürdiges Gefährt .. ein uraltes Motorrad mit Beiwagen erweckte unsere Neugierde. Ein Foto musste unbedingt gemacht werden, und nochmal so schön wurde es mit 2 meiner mitreisenden Damen darauf. Wir hatten unseren Spaß und am Ende ein tolles Foto. Eine Inselbewohnerin bot im kleinen Laden viele lokale Handwerksarbeiten feil. Und so langte der eine oder andere ordentlich zu. Ich fand wunderschöne Wollhandschuhe für die Tochter und einen Seemannspullover für den Mann, andere entdeckten tollen Schmuck. Souvenirs, wie man sie heute nur noch selten findet, keine „Stehrümchen" aus China, sondern wirklich gute Gebrauchsgegenstände aus lokaler Produktion. Wir radelten weiter ins Inselinnere, durch einen märchenhaften Wald und erreichten schließlich das Kihnu Museum, wieder ein überaus buntes Häuschen. Die Kinder der Insel haben sich hier mit ihren Zeichnungen verewigt, wunderhübsch und unbedingt ein nächstes Foto wert. Im Museum erfuhren wir viel Interessantes über die Traditionen und Bräuche der Inselbewohner, Dagmar erklärte uns alles sehr detailliert und vermittelte uns somit einen umfassenden Eindruck vom Inselleben. Interessiert folgten wir ihren Ausführungen und bevor wir weiter radelten stärkten wir uns mit einem Schokoriegel oder einem Stück Obst. Die Sonne stieg langsam höher, es wurde angenehm warm und weiter ging es nun zum Leuchtturm. Gegen Mittag erreichten wir diesen, am Inselende. Mutige Mitreisende erfreuten sich an einem Bad in der Ostsee und alle anderen nahmen die Mühe auf sich, die 280 Stufen (oder waren es mehr??) zu überwinden, um mit einem großartigen Blick über die Insel und die See belohnt zu werden. Und da kam auch schon das Auto der Schwester unserer Gastwirtin vorgefahren, um uns unseren Mittagsimbiss zu bringen. Wir konnten es kaum glauben, was hier alles aufgetischt wurde. Heiße Soljanka, selbstgebackener Kuchen, Kaffee und Saft statt .. wir genossen es und wurden begeistert gesättigt. Ein „Verdauerli" (Kräuterschnäpschen) spendierte ich noch, denn schließlich wollten wir trotz vollem Bauche nun noch weiter radeln. Wir passierten ein hübsches Dörfchen, unternahmen einen Abstecher in die Küsten-Heidenlandschaft und radelten schließlich gemütlich Richtung Hafen. In einem Waldabschnitt machte uns Dagmar auf das besonders weiche Moos aufmerksam. Die Schuhe also ausgezogen und wie Waldzwerge über das Moos gehopst, ein wahres Vergnügen und große Freude. Natürlich entstand dabei der eine oder andere Schnappschuss. Wieder zurück am Ausgangspunkt unserer Tour gönnten wir uns ein handgemachtes Eis, bevor uns die Fähre auf das Festland zurück brachte. Am Abend erreichten wir unsere gemütliche Unterkunft und wurden abermals mit einem opulenten Abendmahl verköstigt, ein Traum und Genuß .. hhhmmm .. mir läuft noch jetzt das Wasser im Munde zusammen. Ein großartiger Tag geht bei einem Gläschen Wein oder Bier auf der Terrasse unterm Sternenhimmel zu Ende.

Mittwoch, 30.08.2017: Erkundungstour auf der Insel Saaremaa


Heute stand die Insel Saaremaa auf unserem Programm. Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm, also auch für uns hieß es wieder Morgenstund hat Gold im Mund. Tiit fuhr uns munter zum Fährhafen von Virtsu, wo wir mit der Fähre nach Kuivastu auf die Insel Muhu übersetzten. Die Insel ist klein, dennoch hat sie mit einigen Sehenswürdigkeiten aufzuwarten, so z.B. mit der Katharinenkirche aus dem 12. Jahrhundert mit steinernen Grabkreuzen aus Wikingerzeiten auf dem Kirchhof. Hier gab es einen kurzen Stopp für eine Außenbesichtigung und Tiit überraschte uns mit einem leckeren Butterbrot ... handbeschmiertes noch warmes Bäckerbrot mit einem ordentlichen Schwung frischer Butter und Salz ..  wow .. manchmal können so einfache Dinge so gut sein! Sehenswert war dann auch das Museumsdorf Koguva, in dem die Bewohner noch heute so leben, wie es vor 100 Jahren und früher für die Fischerdörfer auf den estnischen Inseln typisch war. Und schließlich passierten wir mit dem Bus den Damm, der die Insel Saaremaa mit der Insel Muhu verbindet. Saaremaa bietet landschaftlich sehr viel - Heide- und Wald-Sumpf-Landschaften wechseln einander ab, dazu viele schöne Sandstrände, im Inselinnern einige Seen, im Norden die imposante Steilküste. Aber zunächst besuchten wir den Meteoritenkrater von Kali, eine besondere Attraktion und sehr beindruckend dieses riesen "Loch". Gegen Mittag erreichten wir die Windmühlen von Angla, wo man fünf alte Stabwindmühlen, wie sie früher typisch für ganz Saaremaa waren, auf einer Stelle finden kann. In jede dieser Mühlen kann man hineingehen und sich einen Eindruck verschaffen. Tolle Motive für das Fotoalbum bieten diese allemal. Bei einem eigens im Supermarkt eingekauften Picknick stärkten wir uns mit Blick auf die Mühlen, bevor wir Richtung Steilküste weiterfuhren. Hier blies eine ordentliche Briese und so hielten wir uns nicht gar so lang an diesem Ort auf, aber unbedingt musste jetzt einmal eine der typischen estnischen Dorfschaukeln ausprobiert werden. Dagmar und 3 lebensfrohe Gäste schwangen sich auf dieses Ungetüm und ließen es ordentlich krachen, sorry schwingen, eine Freude auch für den Zuschauer. Schließlich besuchten wir am Ende des Tages die Insel-Hauptstadt Kuressaare (dt. Arensburg) mit ihrem historischen Stadtkern aus dem 17. - 19. Jahrhundert und der alten Bischofsburg, die heute ein Museum beherbergt. Hier wird man sehr anschaulich mit auf eine Geschichtsreise genommen und durch die Tier- und Pflanzenwelt Estlands geführt. Nun schon recht müde von einem langen und spannenden Tag, vor allem aber hungrig, kehrten wir noch auf der Insel in ein Restaurant ein, welches liebevoll in eine ehemalige Windmühle eingebunden wurde. Und schwärm .. abermals wurden wir überrascht und verzaubert mit einem gaumenumschmeichelnden Abendmenü, ein Kracher.. Tiit chauffierte uns dann wiederum bequem zurück in unsere Unterkunft, wo wir müde und zufrieden in unsere Betten fielen. 

Donnerstag, 31.08.2017: Moorwanderungen und Meeresfrische in der „Sommerhauptstadt" Pärnu


Heute unternahmen wir einen Ausflug an die Westküste. Eine kleine Wanderung durch einen stillen Wald führt uns zunächst zum weltweit ersten Schiller-Denkmal (1813). Dagmar erklärt uns abermals die hier anzutreffenden Pflanzen und Besonderheiten. Hier treffen wir auch wieder auf das Meer und um unser Reiseglück weiterhin zu begünstigen, lassen wir zahlreiche Steinpuppen am Strand entstehen. Weiter geht es zur ersten Moorwanderung. Auf Holzbohlen maschieren wir durch eine unwirklich erscheinende Landschaft, flach, weit und breit kein Baum, nur vereinzelt hier und das ein Strauch, und Dagmar erklärt uns alles über die Entstehung von solchen Feuchtgebieten und deren Bedeutung für das Ökosystem sowie den Unterschied zwischen Hoch- und Niedermoor. Hier finden wir Moosbeere und Co. und verkosten diese gleich vor Ort. Wir erfreuen uns an einem Rundumblick auf einem Aussichtsturm über diese Moorlandschaft, wie sie in dieser Größe in Mitteleuropa sonst nicht mehr existent ist. Am frühen Nachmittag erreichten wir die „Sommerhauptstadt" Pärnu. Hier wurde uns eine delikate Eiskomposition kredenzt mit Blick auf den Yachthafen. Wir ahnten noch nicht, was wir als nächstes erleben würden. Eine Ausfahrt mit einer Yacht stand im Programm beschrieben, aber dass es eine Segelyacht sein würde, damit habe selbst ich nicht gerechnet. Mich, als Freundin des Segelsports begeisterte dies sofort und auch alle anderen schienen ihre Freude an diesem besonderen Ausflug zu haben. Der Wind blies recht kräftig, die See war rauh, dennoch schmeckten uns Sekt und Fruchthäppchen an Bord der Yacht. Beim Segel bergen, durfte ich dann auch mit Hand anlegen, eine große Freude. Wieder festen Boden unter den Füßen spazierten wir abschließend über den langen Sandtsrand von Pärnu, die Füße im kühlen Nass und die Nase zur Sonne gerichtet, Erholung pur! Schließlich endet die Tagestour landeinwärts im Soomaa-Nationalpark. Der mit 370 km2 größte Nationalpark Estlands ist ein zusammenhängendes Sumpfgebiet, das in einem Durchmesser von 25 km durch keine Straße zerschnitten wird. Seit 1993 unter Schutz, ist Soomaa der einzige PAN-Park Estlands. PAN-Parks sind europäische Wildnis-Schutzgebiete, in denen vorrangig Naturschutz und nachhaltiger Tourismus kombiniert werden. In dem liebevoll eingerichteten Landhotel mit dem klangvollen Namen "Klaara-Manni" beziehen wir unsere Zimmer. Umgeben von einer großen und überaus gepflegten Gartenanlage, bietet die Unterkunft neben gemütlichen Zimmern mit Kamin vor allem familiäre und herzliche Atmosphäre sowie eine grandiose Küche, mit Produkten zumeist aus eigenem Anbau. Alle Mitglieder der Familie sind hier eingebunden und zaubern uns ein Abendmahl vom Allerfeinsten. Das kann man nicht in Worte kleiden, das muss man gespeist haben. Dazu wurde Cidre aus eigener Herstellung gereicht und der Heidelbeersenf könnte nahezu legendär werden. Der war so lecker, dass wir eine Großbestellung bei der Cheffin aufgaben. 

Freitag, 01.09.2017: Kanutour im Soomaa-Nationalpark


Der heutige Tag sollte einen weiteren aktiven Höhepunkt bringen. Eine Kanutour auf den Fließen des Nationalparks steht auf dem Programm, natürlich selbstgepaddelt. Die meisten meiner Gäste haben dies zuvor noch nie getan, aber alle waren bereit für dieses Abenteuer. Zunächst gab es eine Trockeneinweisung an Land durch Dagamr, für alle ein riesen Spaß. Und schon gleich ging es auch los. In die Schwimmweste reingeschlüpft starteten wir mit den Einstiegsversuchen in die Boote. Aber was soll ich sagen, alle landeten trocken im Boot und nicht nass im Wasser. Die ersten Vorwärtsbewegungen wandelten sich auch mal ungewollt in Rückwärtsbewegungen, aber so nach und nach fanden sich alle recht gut zurecht und wir starteten unsere Tour in einer idyllische Flusslandschaft durch den Nationalpark. Soomaa nämlich eignet sich großartig für Kanutouren, da es über ein verzweigtes Bach- und Flussnetz verfügt. Die Gewässer sind langsam fließend und eignen sich also auch für „unerfahrene" Paddler. Nach den ersten 6 Kilometern gehen wir an Land .. auch das Aussteigen klappt hervorragend, auch wenn die Knochen nun etwas unbeweglich erscheinen. Und so begeben wir uns zusammen mit Dagmar nochmals auf eine Moorwanderung. Diesmal führt Sie uns ins Hochmoor. Hier finden wir Moorseen, in denen man sogar baden kann. Und 3 Mutige wagen den Sprung in das kühle Nass, die Nichtschwimmer zollten ihnen ihre Hochachtung. Nach der Wanderung stärkten wir uns an einem Picknick. Unsere Gastgeberfamilie hat wiedermal gezaubert: es gibt in Brot eingebackenes Spiegelei, dazu frischen Gurkensalat an Dill und Fleischklops, zum Nachtisch Jogurt und Obst, Kaffee und Tee. So gestärkt, wagen wir einen weiteren Paddelabschnitt. Nach weiteren 4 Kilometern haben wir dann allerdings genug gepaddelt und fereuen uns, als wir am Uferrand Tiit, unseren Chauuffeur winkend entdecken.  Es fährt uns dann auch wieder zurück in unsere gemütliche Unterkunft, in der wir abermals mit einem schmackhaften und sehr reichhaltigen Essen verwöhnt werden. 

Samstag, 02.09.2017: Tallinn – alte Hanse- und neue Hauptstadt


Nach dem Frühstück verlassen wir nun die reizvollen Natur-Landschaften und machen uns auf, zurück in die Zivilisation. Zuvor verabschieden wir mit dem einen oder anderen Tränchen im Auge unsere Dagmar, die uns in den letzten Tagen allen sehr ans Herz gewachsen ist. Ich habe viele gute Reiseleiter erleben dürfen, aber Dagmar führt für mich die gesamte Riege an. Ein wirklich ganz großes Dankeschön für unvergessliche Eindrücke und Tage möchte ich an dieser Stelle auch im Namen meiner Gäste nochmals sagen .. CHAPEAU .. LIEBE DAGMAR! Auf dem Weg nach Tallinn steigt Adrian Gerloff bei uns zu, der Chef unserer Agentur vor Ort und nun  Reiseleiter für die letzten Stunden unserer Reise. In Tallinn angekommen, zeigt er uns die wichtigesten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Estland und gewehrt uns einen ganz eigenen Blick auf die Geschichte des Landes und den Umgang der Esten damit. Sehr interessant und wie ich finde sehr mutig. Verwöhnt von der Stille aus der wir kommen, wirkt dieses eher beschauliche Tallinn doch recht laut auf uns, aber wohl auch den vielen Touristen geschuldet, die zu Tausenden von Kreuzfahrtschiffen strömen, die in Tallinns Hafen festgemacht haben. Schade! Aber Adrian gelingt es, uns auch an Orte zu führen, wo wir noch genießen können. Wir spazieren durch den Park von Schloss Kadriog und bestaunen die Sängerbühne des legendären Sängerfestivals. Dabei entwicklen wir zusammen bereits die nächste Reiseidee. Am Nachmittag beziehen wir dann unser kleines gemütlich Hotel St. Barbara, direkt an der Altstadt gelegen. Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben, führt uns Adrian in ein Restaurant in der Altstadt aus, welches mit einer modernen, veganen Küche uns überzeugt. Und wer auf Fleisch so garnicht verzichten kann, auch dem kann dort geholfen werden. Ein Absacker im rustikalen Gewölbekeller unseres Hotels verlieh dem Tag eine schönen Abschluss.

Sonntag, 03.09.2017: Abschied und Heimreise


Bis zum frühen Nachmittag haben wir noch Freizeit. Ein ausgedehntes und sehr reichhaltiges Frühstück bietet das Hotel in eben diesem rustikalen Kellergewölbe, bevor wir uns nochmals in die Altstadt von Tallinn begeben. Ganz individuell, jeder kann tun worauf er Lust hat. Einige Gäste folgen mir in die russisch-orthodoxe Alexander Njewsky Kathedrale, denn am Sonntag findet dort ein öffentlicher Gottestdienst statt, den wir uns gern ansehen wollten. Aber diesen Plan haben wir ohne die tausenden Touristen der Kreuzfahrtschiffe gemacht, die heute noch zahlreicher unterwegs sind als am Vortag. Respektlos den Gläubigen gegenüber, was sich hier abspielt. Wir ergreifen die Flucht. Stattdessen überwinden wir mehr als 200 Stufen, um auf die Besucherplattform der St. Olaikirche zu gelangen und einen grandiosen Ausblick über die Dächer Tallinns zu genießen. Am Nachmittag bringt uns schließlich Tiit zum Flughafen und  nun müssen wir auch von íhm Abschied nehmen. Sehr herzlich wird er von uns geärmelt und er beschenkt uns wiederum mit einem riesen Pralinenkasten, auch Tiit werden wir ein kleines Plätzchen in unserem Herzen reservieren. Schießlich geht unser Flieger zurück nach Deutschland, in Frankfurt haben wir noch reichlich Aufenthalt bevor alle Gäste wieder zufrieden in ihre Heimatorte erreichen. Eine wunderschöne Reise findet ihr Ende. Ich bin begeistert, dieses Land macht Lust auf mehr! 

Und einen riesen Dank zuguterletzt möchte ich meinen Mitreisenden sagen, die mit einer großen Begeisterung und Offenheit diese Reise mitgetragen haben, und sie zu dem gemacht haben, was es am Ende war, ein RUNDUMZUFRIEDENPAKET. Ich danke Euch und freue mich auf ein Wiedersehen, wenn Ihr wollt, 2019 zum Sängerfestival wieder in Estland! Eure Conny




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