Reisebericht: Rundreise Ost-Kanada zum Indian Summer

19.09. – 01.10.2017, 13 Tage Städte- und Naturreise im Osten Kanadas: Toronto - Niagara-Fälle - Ottawa - Montreal - La Malbaie - Quebec

Wir hätten wohl alle nicht gedacht, dass wir Ende September zusammen einen herrlichen Sommerurlaub im wunderschönen Osten Kanadas verbringen und in Badesachen am Strand liegen würden.

1. Tag (Dienstag, 19.09.2017): Anreise nach Toronto


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Unsere Reise in das zweitgrößte Land der Erde beginnt für mich auf dem Flughafen Dresden, wo ich die ersten Gäste in Empfang nehme. Nach dem Check-In wartet eine kleine Stärkung auf uns, bevor wir nach Frankfurt fliegen. Hier stoßen alle anderen Gäste aus Deutschland zu uns, und gemeinsam fliegen wir mit Air Canada nach Toronto. Die Rückkehr in die größte Metropole Kanadas, in der ich eine Zeit lang gelebt und gearbeitet habe, ist für mich immer ein sehr emotionaler Moment. Am internationalen Flughafen von Toronto werden wir von unserem örtlichen Guide Bruno herzlich begrüßt und auch unseren Fahrer José lernen wir gleich kennen. Die beiden führen bzw. fahren uns und unser Gepäck ins Hotel mitten in der Innenstadt, und stellen sicher, dass wir alle gut angekommen sind. Auf der Fahrt führt uns Bruno auch schon ein bisschen in die Geschichte Torontos und Kanadas ein. Auch die Gäste aus der Schweiz sind gut gelandet und konnten die Stadt sogar schon etwas zu Fuß erkunden. Für alle war es aber Dank der Zeitverschiebung von 6 h ein langer Tag, und so fallen wir erschöpft und voller Vorfreude in unsere Betten.

2. Tag (Mittwoch, 20.09.2017): Toronto, Niagara-on-the-Lake, Niagara Falls


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Um einen Überblick über so eine große Stadt zu erhalten, wählt man am besten die Vogelperspektive. Daher wollen wir gleich nach dem Frühstück hinauf auf den berühmten CN Tower. Ein banger Blick nach oben: Noch liegt eine Wolkendecke über der Stadt. Ob sie wohl noch aufreißen wird? Der CN Tower ist mit Antenne 533 m hoch und zählt zu den sieben neuen Weltwundern. Bis zur Fertigstellung des Burj Khalifa war er zudem das höchste freistehende Gebäude der Welt. Nachdem uns der Fahrstuhl in weniger als einer Minute auf eine Höhe von 346 m gebracht hat, können wir beruhigt aufatmen, denn wir haben einen herrlichen Blick über die Innenstadt und die drei vorgelagerten Toronto Islands. Wieder am Boden machen wir einen kleinen Spaziergang entlang der Harbourfront und tanken ein bisschen Sonne. Heute und auch die nächsten Tage sollen es über 30 Grad werden! Wir haben ja mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem richtigen Sommerurlaub! Zum Glück ist der Bus angenehm kühl, als wir mit der kleinen Stadtrundfahrt beginnen. Sie führt uns durch Chinatown, das Stadtviertel „Kensington Market", an der Universität, am Royal Ontario Museum und am Parlament der Provinz Ontario vorbei. Gegen Mittag halten wir auch am Nathan-Philipps-Square, an dem sich sowohl das neue als auch das alte Rathausgebäude befinden. Von hier aus schlendern wir auch gleich hinüber ins Eaton Centre, das größte Shopping Centre von Kanada, zur Mittagspause. Hier haben meine Gäste die Auswahl zwischen griechischer, koreanischer, japanischer, vietnamesischer, italienischer und amerikanischer Küche und bekommen so zumindest einen kleinen Einblick in die kulinarische Vielfalt dieser tollen Stadt. Zurück am Rathaus steigen wir wieder in den Bus und müssen Toronto leider schon langsam verlassen. Wir fahren aber noch durch die King Street mit der Roy Thomson Hall, dem Sitz des Toronto Symphony Orchestra, und am alten Fort York vorbei, dem Ursprung der heutigen Stadt. Dann geht es auf die andere Seite des Ontariosees, in die größte Weinanbaugegend Kanadas. Oh, und es hängen soooo viele leckere Trauben an den Rebstöcken. Das kleine Örtchen Niagara-on-the-Lake war einmal die Hauptstadt der britischen Kolonie Upper Canada und lädt uns sorgfältig rekonstruiert zu einem kleinen Bummel ein. Bei diesen Temperaturen können wir uns auch ruhig mal ein Eis gönnen. Nach einem Photostopp am „Whirlpool", einer abrupten Biegung des Niagara River, erreichen wir dann schon bald unser nächstes Hotel in Niagara Falls, der selbsternannten Flitterwochen-Hauptstadt der Welt. Im Skylon Tower können wir uns am Abend mit einem herrlichen Blick auf die Wasserfälle am Buffet so richtig den Bauch vollschlagen. Damit wir nicht gleich am zweiten Tag schon an Gewicht zusetzen, machen wir zum Abschluss des Tages noch einen Spaziergang hinunter an die Wasserfälle und erleben nach Einbruch der Dunkelheit ein eindrucksvolles Farbenspiel.

3. Tag (Donnerstag, 21.09.2017): Niagarafälle, Sainte-Marie among the Hurons, Huntsville


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Wie die sieben Zwerge stehen wir in unsere roten Regenponchos eingehüllt kurz nach 9 Uhr morgens auf dem Boot auf dem Niagara River und ich frage mich für einen Moment, worauf ich mich hier bloß wieder eingelassen habe. Ich kann mich aber wieder hinter der Glasscheibe auf dem Unterdeck verstecken und das Schauspiel beobachten. Es dauert nicht lange, und alle, die draußen stehen, sind nassgespritzt vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Und da fahren wir gerade erst an den amerikanischen Wasserfällen vorbei. Das große Spektakel aber sind die Horseshoe Falls, an die wir so dicht heranfahren, dass man nur noch eine weiße Wand aus Gischt sehen kann. Und natürlich hinterher aussieht, wie ein begossener Pudel – es sei denn, man sitzt hinter der Glasscheibe auf dem Unterdeck. Für mich das schönste an dieser Bootsfahrt ist aber der Regenbogen, den wir auf der Rückfahrt zur Anlegestelle sehen. Der Fahrstuhl von der Bootsanlegestelle hinauf zum Parkplatz weist uns unmissverständlich darauf hin, dass wir als Gruppe gestern Abend im Skylon Tower insgesamt wohl zu viel gegessen haben, denn er weigert sich standhaft, uns alle zusammen hinaufzufahren, obwohl im Fahrstuhl eigentlich noch viel Platz ist. Uns bleibt nur, uns aufzuteilen, um erlöst zu werden. Es bleibt noch etwas Zeit, um ein Gruppenfoto in unseren tollen Regencapes zu machen und zum Besucherzentrum zu fahren, um uns die Fälle von oben anzuschauen, bevor wir Niagara Falls wieder verlassen müssen. Wir wollen ja den Indian Summer erleben, und dazu müssen wir erstmal ein ganzes Stück nach Norden fahren. Auf dem Weg nach Huntsville besichtigen wir das Museumsdorf Sainte-Marie among the Hurons. Nach einem reichhaltigen Mittagessen und einer Videoeinführung können wir erkunden, wie sich die ersten Europäer in diesem Teil Kanadas – Jesuiten aus Frankreich – in dieser Missionsstation inmitten der Nation der Wendat-Indianer eine Existenz aufbauten und für 10 Jahre überlebten, bevor sie in einen Konflikt mit den Irokesen gerieten und die Siedlung schließlich aufgeben mussten. Das angegliederte Museum entführt uns außerdem sehr anschaulich in das Zeitalter der vielen Entdeckungsreisen, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Europa aus starteten. Es ist kurz nach 18 Uhr, als wir das Hidden Valley Resort kurz hinter Huntsville erreichen, an einem malerischen See gelegen, unweit des Algonquin Provincial Parks. Wir lassen den Tag dann noch gemütlich im Restaurant ausklingen, auch wenn wir nach dem ausgiebigen Mittagsmahl immer noch nicht wieder richtig Hunger haben.

4. Tag (Freitag, 22.09.2017): Kanutour auf dem Oxtongue Lake


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Am Oxtongue Lake werden wir heute morgen von unseren Guides Dave, David und Chris mit ihren drei Kanus erwartet. Noch schnell nachgefragt, ob sich alle mit Sonnencreme eingeschmiert haben, dann kann es losgehen. Gemütlich paddeln wir die nächsten drei Stunden über den See und machen zwischendurch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Unterwegs kommen wir an einigen hübschen kleinen Sommerhäuschen vorbei und wir könnten uns gut vorstellen, hier zu leben. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Vom Kanu aus ist die Laubfärbung schon ein bisschen zu sehen, auch wenn der Indian Summer hier aufgrund der heißen Temperaturen gerade erst begonnen hat. Zwei Damen springen sogar nach der Kanutour in den See und baden, während uns anderen unsere Kanu-Guides zum Abschied ein Ständchen singen. Nach so viel harter Arbeit haben wir uns etwas zu essen verdient. Daher fahren wir zum alten Feuerwachturm in Dorset und machen dort unser Picknick. Wer mutig ist, kann sogar hinaufklettern. Vor der Abfahrt spendiere ich jedem heimlich hinterm Bus ein Glas kanadischen Whiskey mit Ahornsirup – das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit ist in Kanada eigentlich verboten! Und wir haben sogar großes Glück, denn als wir das Gelände im Bus verlassen, kommt gerade die Polizei! Jetzt aber schnell zurück ins Hotel und erstmal verstecken, bis die Luft wieder rein ist. Nach dem Abendessen versammeln wir uns hinter dem Hotel ums Lagerfeuer und ich bringe meinen Gästen bei, wie man Marshmallows röstet und daraus S'mores macht – ein süßes „Sandwich", dessen weitere Zutaten Kekse und Schokolade sind. Das ist genauso süß und lecker und kalorienhaltig wie es klingt, weshalb man selten mehr als eins davon schafft.

5. Tag (Samstag, 23.09.2017): Algonquin Park, Ottawa


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Wir müssen unser schönes Resort-Hotel am See heute leider verlassen. Daher verabschiede ich mich nach dem Frühstück noch von dem kleinen Streifenhörnchen, das unterhalb der Terrasse wohnt. Im Besucherzentrum des Algonquin Parks schauen wir ein Video mit wirklich tollen Bildern, das uns die Geschichte des Parks erläutert. Beim Spaziergang entlang des Logging Trails vertiefen wir unsere neu gewonnen Kenntnisse und lernen, unter welchen einfachen und gefährlichen Bedingungen die Holzfäller hier gearbeitet und gelebt haben. Mit einfachen Äxten und pferdebetriebenen Flößen wurde hier das Holz für den Schiffbau im Mutterland England geschlagen. Doch auch landschaftlich ist der Spaziergang sehr reizvoll und wir können einen Graureiher auf der Suche nach kleinen Fischen beobachten. Pünktlich 15 Uhr erreichen wir unser Hotel in Ottawa, vor dem schon unsere Stadtführerin Stephanie aus uns wartet. In den nächsten zwei Stunden fahren wir mit ihr durch die kanadische Hauptstadt und die benachbarte Stadt Gatineau auf der anderen Seite des Ottawa River, wo sich das imposante Museum of History befindet. Von hier aus haben wir einen tollen Blick auf das Parlamentsgebäude und das Château Laurier und machen auch gleich unser Gruppenfoto. Nach dem Abendessen im Hotel mache ich mit einigen Gästen noch einen schönen Spaziergang zum Château und Parlamentshügel, der bei Dunkelheit nicht minder beeindruckend ist.

6. Tag (Sonntag, 24.09.2017): Parc Oméga, Château Montebello, Montréal


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Heute wollen wir zunächst im Parc Oméga in die kanadische Tierwelt eintauchen und dann nach Montréal weiterfahren. Im privaten Wildpark sehen und füttern wir von einem umgebauten Schulbus aus Hirsche, Elche, Bisons, Wildschweine, Kojoten, Rentiere, Moschusochsen, Polarfüchse, Polarwölfe und natürlich – als Highlight ganz zum Schluss – Schwarzbären. Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass die Karotten auch für meine Gäste zum Mittagessen reichen würden, aber leider ist am Ende der Tour alles alle. So muss ich das Buffet im prächtigen Château Montebello mit allen teilen. Es gibt sogar einen eigenen Raum nur für Desserts! Wir können bleiben und essen so viel und so lange wir wollen. Ein bisschen enttäuscht war ich dann allerdings schon von meinen Gäste, denn ich dachte wir schaffen mehr. Das 1930 im kanadischen Blockhüttenstil erbaute Château Montebello war lange Zeit das größte von Menschen erbaute Holzgebäude der Welt. Der riesige Empfangsraum des Hotels mit seinem hohen Kamin in der Mitte ist sehr beeindruckend. Auf der Fahrt nach Montréal ist Zeit für einen kleinen Verdauungsschlaf. Von der zweitgrößten kanadischen Stadt verschaffen wir uns erstmal einen Überblick vom Turm des Olympiastadions aus (der aus Kostengründen übrigens zur Olympiade 1976 nicht fertig wurde). Die Aussicht ist fantastisch. Vor und unter uns erstrecken sich von links nach rechts die beiden Inseln Hélène und Notre-Dame, die Altstadt, die moderne Innenstadt mit ihren Wolkenkratzern und schließlich die drei Gipfel des Mont Royal. Die beiden Inseln bilden zusammen den Parc Jean-Drapeau, durch den wir als nächstes fahren, denn hier stehen nicht noch einige Gebäude der Weltausstellung von 1967, darunter das Habitat 67, die Biosphere, der ehemalige amerikanische Pavillon, und das Casino, der ehemalige französische Pavillon, hier befindet sich auch die Formel 1-Rennstrecke, die wir mit dem Bus entlang fahren. José legt sogar einen echten Formel 1-Rennstart hin, aber besonders schnell kommen wir mit dem Bus natürlich nicht weg und werden sogar in der ersten Kurve von einem Radfahrer überholt. Wir tragen es mit Fassung und fahren erhobenen Hauptes zum Hotel. Nach Sonnenuntergang fahren wir schließlich noch hinauf auf den Mont Royal und sehen als letztes Highlight des ereignisreichen Tages die beleuchteten Türme der Innenstadt bei Nacht.

7. Tag (Montag, 25.09.2017): Montréal, Fahrt zum Lac Taureau


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Gleich am Morgen nach dem Frühstück werden wir von unserem Stadtführer abgeholt und beginnen unsere Stadtführung mit einer Besichtigung der unterirdischen Stadt. Ganz so viel Schnee wie in Quebec soll in Montréal zwar im Winter nicht liegen, aber richtig kalt wird es trotzdem. Daher sind die meisten Gebäude in der Innenstadt über ein 33 km langes Tunnelsystem untereinander und mit der Metro verbunden. Natürlich hat man bei der Gelegenheit gleich riesige unterirdische Einkaufszentren mit gebaut, so dass man sich auch im Winter voll und ganz seiner Shopping-Lust hingeben kann. Bevor wir hier unten noch jemanden verlieren, gehen wir lieber wieder an die Oberfläche, wo es immer noch schön warm ist, und setzen unsere Entdeckungstour fort. Wir besichtigen das World Trade Centre und ein paar der alten Bankgebäude und erreichen dann schließlich den Place d'Armes, den Hauptplatz von Montréal, wo wir die wunderschöne neugotische Basilika Notre-Dame besichtigen. Die katholische Kirche wurde von 1824 bis 1829 von einem protestantischen Architekten aus New York errichtet – für das französische Kanada ein Kuriosum. Der fast vollständig aus Holz bestehende Innenraum mit seinem Sternenhimmel versetzt uns in Staunen. Wir schlendern noch ein wenig durch die historische Altstadt und beenden unseren Spaziergang dann am alten Zollhaus. Zum Mittagessen müssen wir dann schließlich noch die Spezialität von Montréal probieren: das berühmte „Montreal-style Smoked Meat" (geräuchertes Fleisch von der Rinderbrust). Zur Musik von Leonard Cohen fahren wir am Nachmittag über idyllische Landstraßen in Richtung Norden zu unserer Herberge am Lac Taureau, mitten im Nirgendwo.

8. Tag (Dienstag, 26.09.2017): Erholung am Lac Taureau


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Unser Fahrer José entspannt sich heute beim Angeln auf dem See und tankt neue Kraft, und auch wir genießen unsere Freizeit in der schönen Natur – bei mal wieder strahlend blauem Himmel und heute bis zu 35 °C. Sommerurlaub am Badesee in Kanada, wer hätte das gedacht. Mit der Hälfte der Gruppe treffe ich mich um 10 Uhr zu einer kleinen Wanderung durch den Wald. Wir stellen allerdings bald fest, dass es aufgrund des warmen Wetters immer noch ganz viele Mücken gibt, so dass wir die insgesamt 9 km mit einem neuen Streckenrekord beenden. Am Nachmittag machen wir dann zu sechst noch mit zwei Kanus und einem Kajak den See unsicher, während die anderen Gäste am Strand liegen oder im Wasser planschen. Auch die vier Whirlpools im Freien laden vor dem Abendessen zur Entspannung ein.

9. Tag (Mittwoch, 27.09.2017): Notre-Dame-du-Cap, Montmorency-Wasserfälle, La Malbaie


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Heute müssen wir zurück in die Zivilisation, was in Ostkanada bedeutet: zurück an den St.-Lorenz-Strom. Über Nacht hat es das erste Mal auf unserer Reise geregnet und merklich abgekühlt. Wir fahren durch einsame Wälder und nebelverhangene Täler. Erster offizieller Stopp ist an der Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Cap in Trois-Rivières. An diesem Ort sollen sich zwei mysteriöse Wunder ereignet haben – zuerst soll sich eine Brücke aus Eis über den Sankt-Lorenz-Strom geformt und später dann soll die Marienstatue in der alten Kirche (eine der ältesten Steinkirchen Nordamerikas) vor drei Zeugen ihre Augen geöffnet haben. Später wurde dann die moderne und auch sehr beeindruckende Basilika gebaut. Doch meine Gäste interessieren sich komischerweise viel mehr für die riesigen kanadischen Campervans, die am Ufer des Sees geparkt sind. Da nutze ich doch das Glockengeläut der Basilika um 12 Uhr gleich als Signal zum Einsteigen in den Bus, bevor noch jemand fremdgeht. Über den Chemin du Roi fahren wir immer nach Nordosten entlang des Flusses durch kleine Ortschaften mit hübschen kleinen Häuschen. Nach der Mittagspause bei Tim Hortons fahren wir weiter an Quebec vorbei zu den Montmorency-Wasserfällen. Diese sind vielleicht nicht so breit, aber nochmal 30 m höher als die Niagarafälle, stürzen sich also 87 m in die Tiefe. Am besten geht man hier über die Hängebrücke auf die andere Seite und dann die Treppe hinunter zu den drei Aussichtspavillons. Doch wir halten auch noch einmal unten am Fuß der Fälle für einen weiteren Photostopp. Später auf der Fahrt nach La Malbaie halten wir an der Touristeninformation der Region Charlevoix, in der wir erfahren, dass die ganze Region ein riesiger Einschlagskrater ist. Vor 350 Millionen Jahren, zu einer Zeit, als die Kontinente noch miteinander verbunden waren, hinterließ ein Asteroid einen Krater mit einem Durchmesser von 54 km, den Charlesvoix-Krater. Fast die gesamte Bevölkerung der Region lebt heute im Inneren des Kraters, denn hier ist das Land am fruchtbarsten. Kurz bevor wir unser Hotel in La Malbaie erreichen, fängt es wieder an zu regnen, ziemlich heftig sogar, aber wir müssen ja nur noch zum Abendessen.

10. Tag (Donnerstag, 28.09.2017): Tadoussac, Whale Watching


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Auf der Fahrt zum Whale Watching und zurück sehen wir die wohl schönste Laubfärbung auf dieser Reise. Da wir es heute nicht eilig haben, können wir einen Photostopp an einem See machen, der von einem wunderschönen Wald umsäumt ist. Den kleinen entenartigen Vogel auf dem See nehmen die meisten gar nicht sofort wahr, aber es ist ein Loon, ein Seetaucher, der Vogel, der die Rückseite der 1-Dollar-Münze ziert. Es freut mich besonders, dass wir diesen Vogel somit auch einmal in freier Wildbahn gesehen haben. Und es kommt noch viel besser: Wir sehen sogar schon vom Bus aus die Zwergwale im St.-Lorenz-Strom! Mit der kostenlosen Autofähre müssen wir dann den Saguenay-Fjord überqueren, um nach Tadoussac zu gelangen. Es herrscht ein kräftiger Wind, der uns fast von Bord wedelt. Im Marine Mammal Interpretation Centre werden wir in Tadoussac mit einer Videopräsentation und einer Ausstellung auf unsere 3-stündige Whale-Watching-Tour eingestimmt. An Bord ist es dann auch gar nicht so kalt und windig, wie ich befürchtet habe. Wir sehen Zwergwale und Belugas. Letztere leben das ganze Jahr über im St.-Lorenz-Strom und jagen in großen Gruppen zusammen. Eine dieser Schulen schwimmt sogar eine Weile parallel zum Boot und wir sehen immer wieder die Köpfe auf- und abtauchen. In Baie Sainte-Catherine gehen wir dann nach fast 3,5 Stunden zurück an Land und José nimmt uns freudig in Empfang. Am Abend genießen wir ein sehr leckeres 3-Gänge-Menü im Restaurant „Allegro".

11. Tag (Freitag, 29.09.2017): Canyon Sainte-Anne, Quebec City


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Auf dieser Reise haben wir uns die schönste Stadt Kanadas bis zum Schluss aufgehoben: das malerische Québec City! Es geht also wieder ein Stück stromaufwärts und nach Süden. Etwas außerhalb der Stadt befindet sind der Canyon Sainte-Anne. Durch diese versteckt liegende Schlucht rauscht ebenfalls ein Wasserfall über mehrere Stufen nach unten. Über drei Brücken, darunter eine Hängebrücke, deren Überquerung bei einigen etwas Mut erfordert, spazieren wir in gemütlichem Tempo die Schlucht hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf und können herrliche Photos machen. Nicht weit vom Canyon entfernt steht die gigantische Wallfahrtskirche Sanctuaire de Sainte-Anne-de-Beaupré. Die 91 m hohe und 105 m lange katholische Basilika im offenbar in Kanada äußerst beliebten neugotischen Stil wurde 1926 eingeweiht. Angesichts der vielen Wunderheilungen, die sich hier ereignet haben sollen, und von denen die unzähligen Geh- und Krückstöcke an den Säulen im Eingangsbereich künden, fragt man sich, wozu Kanadier eigentlich eine Krankenversicherung brauchen. Wir grübeln darüber nach, als wir zum letzten Mal einen Mittagsstopp bei Tim Hortons einlegen. Dann geht es endlich in die Stadt, deren Silhouette wir nun schon so lange von weitem vor uns gesehen haben. Unser Stadtführer Odo ist ein echtes Unikat und Urgestein und erklärt uns sehr anschaulich die Geschichte und Geologie der Stadt. Er geleitet uns zunächst durch die obere Altstadt, die natürlich vom berühmten Château Frontenac dominiert wird. Über die Halsbrechertreppe geht es dann schließlich auch in die pittoreske untere Altstadt, die eher an kleine mittelalterliche Städte in Europa erinnert, als an eine kanadische Großstadt. Für unsere Abschiedsabend fahren wir zur „Erabliere du Lac-Beauport". Vor dem Essen wird uns vorgeführt, wie der kanadische Ahorn-Sirup hergestellt wird; ein Verfahren, das die europäischen Siedler von den First Nations erlernt haben. Dann werden wir bei Live-Musik mit traditionellen Québecer Speisen verwöhnt. Essen und mitsingen tun wir zwar, vor dem Tanzen können wir uns jedoch erfolgreich drücken. Als zweiten Nachtisch können wir uns selbst Ahorn-Toffee zubereiten, bevor wir mit dem Bus zum Hotel zurückkehren.

12./13. Tag (Samstag/Sonntag, 30.09./01.10.2017): Québec City, Rückflug


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Der letzte Vormittag in Kanada steht allen zur freien Verfügung, um noch einmal gemütlich durch die Altstadt zu bummeln. Vom Hotel bis zum Château Frontenac ist es einfach nur die Straße runter, in vielleicht 15 min ist man da. Einige Gäste führe ich noch einmal ein bisschen durch die obere Altstadt, bevor wir uns dann unten aufteilen, da jeder noch die Stadt noch ein bisschen allein auf sich wirken lassen bzw. letzte Souvenirs kaufen will. Um 12 Uhr nehmen wir dann endgültig Abschied von Québec und José fährt uns zum Flughafen, wo wir uns herzlich von ihm verabschieden. Wir versprechen uns, in Kontakt zu bleiben, und ich werde unseren Latino-Sänger auch das nächste Jahr als Fahrer anfordern. Mit einer mittelgroßen Propellermaschine geht es dann zurück nach Montréal und nach ein paar Stunden Aufenthalt finden wir uns in den großen Flugzeugen wieder, auf dem Rückflug nach Europa, genauer nach Zürich bzw. Frankfurt, wo wir am nächsten Morgen eintreffen. Schritt für Schritt wird meine Gruppe immer kleiner, bis ich mich schließlich in Dresden von den letzten Gästen verabschiede. Aber wer weiß, wo wir uns wieder begegnen, man sieht sich schließlich immer zwei Mal im Leben. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn ich Sie, liebe Wetterengel, bald wieder als Gäste auf einer Eberhardt-Reise begrüßen darf.

Herzlichst, Ihr

Andreas Wolfsteller

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