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Flusskreuzfahrt von Amsterdam nach Berlin

Reisebericht: 18.08. – 28.08.2026

Eine außergewöhnliche Flusskreuzfahrt liegt vor uns: von den Grachten Amsterdams bis in das Herz von Berlin erleben wir eine beeindruckende Vielfalt von Kultur und Natur.

Sabine Letzybyll

Ein Reisebericht von
Sabine Letzybyll

Brücke ist angehoben – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Meyer Werft – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Meyer Werft – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Abendessen – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Rheine - Innenstadt – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Rheine - Innenstadt – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) St. Dionysius – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Abend am Fluss – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Wolfsburg Autowerk  – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Autostadt Wolfsburg Autotürme – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Abend an Bord – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Nikolaiviertel Schwalbennest – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL)

Dienstag, 18.08.2026 Busfahrt nach Amsterdam

Früh um halb sechs beginnt unsere Reise nach Amsterdam. Über die A4, von Sachsen nach Thüringen, Hessen und NRW führt unsere Strecke bis in die Niederlande. Unterwegs legen wir Pausen ein und erhalten interessante Informationen von unserer Reisebegleiterin. Gegen 18.30 Uhr erreichen wir mit etwas Verspätung die Anlegestelle der MS Johannes Brahms, die in den nächsten Tagen unser zu Hause sein wird. Hotelmanager und Kreuzfahrtleiterin Yvonne bereiten uns einen herzlichen Empfang und bald schon haben wir unsere Kabinenschlüssel, können uns kurz frisch machen und schon geht es zum ersten Abendessen an Bord. Nach der Vorspeise und einer warmen Suppe können wir zwischen gefüllter Paprikaschote mit Reis und Schweinefilet mit Gemüse und Kartoffeln wählen. Zum Nachtisch gibt es entweder Eis oder eine gemischte Käseplatte. Und für alle, die nicht müde sind, spielt der Musiker im Salon bis zum Mitternachtssnack.

Mittwoch, 19.08.2026 Stadtrundfahrt Amsterdam, Oranje Schleuse, Houtribdijk Schleuse

Für Frühaufsteher bietet die Crew der MS Johannes Brahms bereits ab 6.30 Uhr ein kleines Frühstück an. Das Buffet für alle öffnet um 07.30 Uhr. Bald darauf treffen unsere Guides für die Stadtrundfahrt ein und unsere Busse stehen am Kai bereit. Das Gefährliche ist der Fahrradstreifen vor den Busparkplätzen, auf dem von beiden Seiten Radfahrer angesaust kommen als gäbe es kein Morgen mehr. Zum Glück erreichen alle unverletzt ihren Platz im Bus. Unsere Stadtführerin Maja erklärt uns nicht nur die Gebäude, Brücken und Kanäle der Stadt, sondern geht auch auf das Leben und den Alltag in Amsterdam ein. Schon beim ersten Blick auf die Wasserwege berichtet sie über die erfinderische Raumnutzung: Über 2.500 Hausboote säumen die Grachten. Dass der Wohnraum in der Stadt extrem knapp ist, spüren die Amsterdamer jeden Tag. Fast vier von zehn Haushalten sind hier Single-Haushalte, was die akute Wohnungsnot massiv verstärkt. Vor ungewöhnlichen Umbauten macht man nicht halt: Ehemalige Kirchen, alte Speicherhäuser und sogar ein früheres Gefängnis werden mit zu modernen Wohnungen umgestaltet. Besuchern begegnet die Stadt mit beeindruckender Kreativität. Historische Brückenhäuschen, die früher den Brückenwärtern dienten, verwandeln sich heute in exklusive kleine Zimmer für Übernachtungsgäste – quasi ein Bett mit Frühstück direkt auf dem Wasser. Weil der historische Stadtkern aus allen Nähten platzt, erweitert sich Amsterdam einfach nach außen. Wir sehen, wie ganze Stadtteile auf künstlich aufgeschütteten Inseln im Wasser entstehen. Die Vernetzung der Stadtteile funktioniert dabei erstaunlich unkompliziert: Kostenlose Fähren verbinden das Zentrum im Minutentakt über das Gewässer IJ hinweg mit dem aufstrebenden Norden der Stadt. Bei unserer Fahrt durch die Region verstehen wir erst so richtig, wie dieses Land überhaupt entstanden ist. Polder sind Gebiete, wo vorher Wasser war. Das Land wurde der See durch geniale Ingenieurskunst abgetrotzt. Über Jahrhunderte wurde das Wasser mit Windmühlen geschöpft, um die trockengelegten Flächen nutzbar zu machen. Mit der Erfindung der Dampfmaschine wurden viele dieser Windmühlen abgerissen, da moderne Pumpwerke ihre Arbeit viel effizienter übernahmen. Heute gelten die verbliebenen Windmühlen als wertvolles Kulturgut und sind das wohl berühmteste Wahrzeichen des Landes. Im eleganten Museumsviertel sehen wir die prachtvollen Bauten rund um das Rijksmuseum und das Van Gogh Museum. Auch die politische Komponente kommt nicht zu kurz: Maja erklärt: zwar liegt der offizielle Palast der Königsfamilie am zentralen Dam-Platz in Amsterdam, doch der tatsächliche Regierungssitz der Monarchie und der Politik befindet sich im rund 60 Kilometer entfernten Den Haag. Amsterdam zeigt sich uns heute als eine Stadt, die ihre tief verwurzelte Geschichte meisterhaft mit modernem, urbanem Leben verbindet. Nach diesem eindrucksvollen Vormittag gehen wir wieder an Bord unseres Schiffes und genießen das Mittagessen. Während uns das Restaurant-Team kulinarisch verwöhnt, legt unser Schiff fast lautlos ab.
Wir verlassen das Stadtgebiet von Amsterdam über das imposante Schleusenensemble der Oranjeschleusen. Dieser historische Schleusenkomplex im Osten der Stadt wurde bereits im Jahr 1872 eröffnet. Er trennt das Süßwasser des Binnen-IJ und des Markermeers von der Nordsee. Die Schleusen sorgen nicht nur dafür, dass der Wasserstand in den Amsterdamer Grachten stabil bleibt, sondern verhindern auch das Eindringen von Salzwasser. Nach der Schleusung öffnet sich vor uns die weite Wasserfläche des Markermeers. Nach dem Mittagessen genießen wir eine entspannte Panoramafahrt über die offene Wasserfläche. Schließlich steuern wir auf den Houtribdijk zu – einen rund 26 Kilometer langen Eindeichungsdamm, der zwischen 1963 und 1976 im Rahmen der Zuiderzeewerke errichtet wurde. Hier passieren wir die Houtribschleuse bei Lelystad. Diese Schleusenanlage trennt das Markermeer im Westen vom nördlich gelegenen IJsselmeer. Während unser Schiff zügig abgeschleust wird und die Tore sich zur anderen Seite öffnen, verlassen wir das Markermeer und gleiten hinein auf das weite IJsselmeer – dem größten Süßwassersee der Niederlande. Schließlich erreichen wir bei Lelystad die Houtribschleuse. Während des Schleusenvorgangs erblicken wir direkt neben den Schiffskammern ein beeindruckendes technisches Bauwerk: Die mächtigen, weithin sichtbaren Betonpfeiler des Entwässerungssiels. Mit ihren riesigen Hubtoren reguliert diese Anlage passiv den Wasserstand zwischen dem Markermeer und dem IJsselmeer. Wenn der Wasserspiegel im Markermeer zu hoch steigt, werden die Tore angehoben, sodass das überflüssige Wasser kontrolliert abfließen kann. Gleich nach der Schleusung lohnt sich der Blick ans Deichufer: Im üppigen Gestrüpp und an den Steinpackungen spähen wir schneeweiße Löffler aus. Mit ihren charakteristischen, spachtelförmigen Schnäbeln, die sie wie Seihfilter durch das flache Uferwasser ziehen, sind diese faszinierenden Vögel eine echte Erfolgsgeschichte des niederländischen Naturschutzes. Doch nicht nur die Natur begeistert hier am Übergang der Gewässer. Auf einer Landzunge nahe den Schleusen ragt die gigantische, 26 Meter hohe Stahlskulptur „Exposure“ des britischen Künstlers Antony Gormley auf. Die im Volksmund scherzhaft als „der kauernde Mann“ bezeichnete Figur besteht aus fast 1.800 verzinkten Stahlelementen und blickt unentwegt über das Wasser hinaus. Beim Passieren der Werft- und Hafenanlagen von Batavialand zieht vollends die Geschichte der niederländischen Seefahrt an uns vorbei. Zunächst fällt der Blick auf die prächtig verzierte Heckpartie der „Batavia“, dem exakten Nachbau eines berühmten Ostindienfahrers der VOC aus dem Jahr 1628, der hier in zehnjähriger Handarbeit komplett aus Eichenholz rekonstruiert wurde. Gleich daneben fasziniert das mächtige hölzerne Gerippe der „De Zeven Provinciën“ – der im Bau befindliche Rumpf des historischen Flaggschiffs von Admiral Michiel de Ruyter, an dem die traditionelle Kunst des Holzschiffbaus wie in einem Freilichtmuseum sichtbar wird. Den modernen Kontrapunkt bildet das futuristische Hauptgebäude des Museums Batavialand, dessen langgestreckte, elliptische Glasfront auf Stelzen wie ein riesiges Fernrohr über den Deich auf das Wasser gerichtet ist. Sobald sich die Schleusentore vollends öffnen, gleiten wir schließlich hinaus auf das weite IJsselmeer – den größten Süßwassersee der Niederlande. Am Abend, während wir unseren Willkommenscocktail nachholen, erreicht unsere MS Johannes Brahms den Hafen von Lemmer.

Donnerstag, 20.08.2026 Lemmer – Schleuse Garkeuken – Oosterschleuse – Groningen

Im Morgengrauen, während die Welt noch schläft, heißt es an Bord der MS Johannes Brahms in Lemmer Abschied nehmen vom Liegeplatz. Die Fahrt beginnt in der frühmorgendlichen Atmosphäre der niederländischen Wasserstraßen. Während das Schiff gemächlich Kurs aufnimmt, versammeln wir uns zum gemeinsamen Frühstück im Restaurant, um gestärkt in den neuen Reisetag zu starten. Die Fahrt verläuft ruhig und bietet Gelegenheit, die weite, flache Landschaft der Niederlande zu bewundern. Entlang unserer Route prägen imposante Wasserbauwerke den Weg, allen voran die Schleusen, die als unverzichtbare maritime Nadelöhre den Höhenausgleich auf den Kanälen regeln. Gegen Mittag erreichen wir die Schleuse Garkeuken. Die Entstehung dieses Namens geht auf eine sehr bodenständige Überlieferung aus der Schifffahrtsgeschichte zurück: Einst gab es an dieser Stelle an den vielbefahrenen Wasserwegen eine einfache Gastwirtschaft oder Garküche, in der die hungrigen Schiffer auf ihren mühsamen Reisen mit warmen Mahlzeiten versorgt wurden. Aus diesem alten Treffpunkt für Fluss- und Kanalreisende entwickelte sich schließlich der Ortsname und späterierung auch die Bezeichnung für das heutige Schleusenbauwerk. Die Anlage sorgt dafür, dass die unterschiedlichen Wasserstände im System der niederländischen Kanäle sicher überwunden werden. Das Passieren erfordert stets navigatorisches Geschick und das präzise Manövrieren des Schiffes auf engem Raum, was für uns an Bord einen faszinierenden Einblick in die Feinheiten der Binnenschifffahrt bietet. Direkt im Anschluss an die Schleusung ist das Mittagessen vorbereitet, das wir in geselliger Runde einnehmen, während die Reise weitergeht. Am Nachmittag folgt das nächste technische Highlight: Wir passieren die Oosterschleuse direkt im Stadtgebiet von Groningen. Dieses bedeutende Schleusenbauwerk verbindet die verschiedenen Kanalebenen miteinander und fungiert als wichtiges und geschäftiges Tor in das Wasserstraßennetz der Region. Nach diesem reibungslosen Übergang legt die MS Johannes Brahms schließlich an, und wir brechen zu Fuß zu unserem Erkundungsgang auf. Nach einem Spaziergang von etwa zwanzig bis dreißig Minuten erreichen wir das Herz von Groningen, den Grote Markt. Die lebhafte Universitätsstadt empfängt uns heute in einem ganz besonderen Ausnahmezustand: Auf dem historischen Grote Markt herrscht ein bunter, fröhlicher Rummel, da ausgelassen der Unabhängigkeitstag gefeiert wird. Während unseres Aufenthalts fängt es plötzlich an zu regnen, ein dicker Schauer liegt über der Stadt. Auf dem Rückweg zum Schiff bleibt es zum Glück wieder trocken. Nach dem Abendessen lädt der Hotelmanager zu einem spannenden Mystery Quiz ein, bei dem scharfer Verstand, Teamgeist und eine Portion Neugier gefragt sind und das für zahlreiche heitere Momente sorgt. Den gelungenen Tag beschließen wir schließlich ganz entspannt mit einem spätabendlichen Mitternachtssnack, der den perfekten Ausklang für diesen erlebnisreichen Reisetag bildet.

Freitag, 21.08.2026 ab Groningen viele Schleusen – Besuch der Meyer Werft

Mitten in der Nacht, um halb Vier Uhr morgens, heißt es Leinen los in Groningen. Die ersten Höhepunkte des Tages verschlafen wir deshalb. Die erste markante technische Station ist die Schleuse Farmsum, die uns von 05.30 Uhr bis 06.00 Uhr sicher aus dem Kanalnetz in die offeneren Gewässer entlässt. Ein besonderes Erlebnis wäre für den, der wach ist, die Passage des Emssperrwerks, dessen gewaltige Ausmaße bei der nächtlichen Fahrt eine fast surreale Wirkung entfalten. Vor dem Mittagessen durchqueren wir die Schleuse Herbrum, ein wichtiges Nadelöhr, das uns tiefer in das deutsche Binnenland bringt. Während das Schiff seine Reise fortsetzt, genießen wir das Mittagessen an Bord und lassen die vorbeiziehende Uferlandschaft auf uns wirken. Gegen 13 Uhr erreichen wir die Schleuse Bollingfähr. Hier verlassen wir das Schiff und nutzen eine der Schleusenbrücken, um direkt an Land zu gelangen, wo uns bereits Busfahrer Fritz erwartet. Fritz ist ein echtes Kind der Region; seine Verbundenheit mit dem Emsland und sein Wissen über die lokale Geschichte machen schon die kurze Fahrt zum nächsten Ziel zu einer informativen Unterhaltung. Er führt uns sicher zur Meyer Werft in Papenburg, einem der weltweit renommiertesten Zentren des modernen Schiffbaus. Die Führung beginnt im Besucherzentrum, das uns eindrucksvoll die Geschichte der Werft vermittelt, von den Anfängen als kleine Familienwerft bis hin zum technologischen Giganten, der heute die luxuriösesten Kreuzfahrtschiffe der Welt baut. Das absolute Highlight ist der Blick in das riesige Baudock. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie gewaltig diese Hallen wirken, in denen wir die großen Stahlsektionen der im Bau befindlichen Ozeanriesen sehen können. Wir lernen Details über die komplexe Logistik und den hochpräzisen Ingenieurskunst-Prozess, der nötig ist, um diese schwimmenden Städte sicher zu konstruieren und später durch die schmale Ems in Richtung Nordsee zu überführen. Wir erhalten Einblicke in die Kabinen-Modulbauweise und staunen über die unglaubliche Planung, die hinter jedem einzelnen Deck steckt. Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis, das uns einen tiefen Respekt vor der handwerklichen Präzision und dem technologischen Fortschritt im Schiffbau abverlangt, bringt uns Fritz sicher zurück. Gegen 17:50 Uhr erreichen wir den Eurohafen, wo die MS Johannes Brahms bereits wartet und wir wieder an Bord gehen. Mit vielen neuen Bildern und Eindrücken im Gepäck lassen wir diesen Tag ausklingen.

Sonnabend, 22.08.2026 von Lingen nach Rheine

Obwohl unser Schiff gestern Abend nicht wie geplant ablegen konnte, hat der Kapitän es geschafft, uns pünktlich nach Lingen zu fahren. Heute steht ein Ausflug nach Rheine auf dem Programm. Am Bahnhof treffen wir unsere lokalen Gästeführer. Von hier aus machen wir uns auf den Weg, um die Geschichte der Emsstadt Rheine zu erkunden. Schon auf den ersten Metern begegnet uns ein prägnanter Kontrapunkt der Architektur: Wir passieren das sogenannte „neue“ Alte Rathaus aus den 1970er Jahren. Der markante Betonbau erinnert an ein bewegtes Kapitel der Stadtgeschichte, denn in einem Nachbarhaus, wohnte eine alte Dame, die immer sagte, auf ihrem Grundstück läge eine Fliegerbombe. Nachdem man nach drei Metern Grabungen nichts gefunden hatte, glaubte man ihr nicht. Die Bombe lag in sieben Metern Tiefe und als sie explodierte gab es mehrere Todesopfer. Ein ganz anderes Bild bietet uns das historische Alte Rathaus: Dieser Bau aus dem Jahr 1662 diente einst als Franziskanerkloster, bevor das Gebäude im 19. Jahrhundert als Schule, Gericht und schließlich ab 1910 als Sitz der Stadtverwaltung genutzt wurde. Über historische Gassen erreichen wir den belebten Marktplatz. Hier fällt unser Blick auf die liebevoll restaurierte Häuserfront, in der sich heute unter anderem die Lohner Landbäckerei befindet. Die schönen Bürgerhäuser spiegeln eindrucksvoll den Wohlstand der früheren Kaufmannsfamilien wider. Mitten im Zentrum erhebt sich die imposante spätgotische Hallenkirche St. Dionysius. Beim Rundgang um und in die Kirche entdecken wir faszinierende Details: Eine kunstvoll ausgearbeitete Mariendarstellung zeigt die Gottesmutter, wie sie siegreich ihren Fuß auf den Kopf einer Schlange setzt – das klassische Sinnbild für den Sieg des Guten über die Erbsünde und das Böse. Der Heilige Dionysius war der erste Bischof von Paris und erlitt laut der Legende im 3. Jahrhundert den Märtyrertod durch Enthauptung. Einer Überlieferung zufolge soll er nach der Hinrichtung sein abgeschlagenes Haupt aufgehoben haben und damit noch eine Strecke gelaufen sein. Daran erinnert heute ein modernes Kunstobjekt vor der Kirche: Ein plastisch gestalteter Betonkopf liegt hier auf dem Platz und greift die Legende des Kirchenpatrons auf aufmerksamkeitsstarke Weise auf. In der Kirche zeigt uns unsere Stadtführerin eine kleine Kapelle. Sie ist wunderschön bemalt, jedoch sind einige Bilder unvollendet. Die lokale Anekdote erzählt, dass die Malereien nicht vollendet wurden, weil sich die beauftragten Steinmetze und Künstler unheilbar zerstritten und das Werk schlicht liegen ließen. Nur wenige Schritte weiter stoßen wir auf das Kannegießerhaus. Es gilt als eines der ältesten erhaltenen Bürgerhäuser Rheines und wurde Ende des 15. Jahrhunderts direkt über dem ehemaligen ersten Stadtgraben errichtet. Schließlich erreichen wir den Ursprung der Stadt: den Falkenhof. Bereits im Jahr 838 von Kaiser Ludwig dem Frommen als karolingisches Hofgut „Reni“ urkundlich erwähnt, war dieser Gutshof die Keimzelle Rheines. Später gelangte das Hofgut an die adligen Verwalter von Valke, woraus sich der Name Falkenhof entwickelte. Heute beherbergt das Herrenhaus ein Museum für Kunst und Stadtgeschichte. Ein besonderes Highlight im Stadtmuseum Falkenhof erschließt sich erst beim Blick nach unten – oder besser gesagt, in den Untergrund. Lange Zeit hielten sich hartnäckige Legenden über ein geheimes Tunnelsystem unter dem ehemaligen Adelssitz. Als Ende der 1990er-Jahre Schächte und Gänge freigelegt und archäologisch untersucht wurden, zeigte sich ein faszinierendes Bild: Bei den unterirdischen Gewölben handelt es sich um ein ausgeklügeltes Kanal- und Gängesystem, das teils bis ins späte Mittelalter zurückreicht. Während die ältesten Abschnitte der Adelsfamilie von Morrien möglicherweise als geschützte Fluchtwege dienten, genoss das System ab dem 17. Jahrhundert vor allem einen sehr praktischen Nutzen: Es fungierte als Entwässerungskanal zur Ems – und als Schuttgrube. Was damals einfach entsorgt wurde, erwies sich für die Archäologie als wahrer Glücksfall. Im feuchten Milieu der unterirdischen Kanäle blieben Tausende Alltagsgegenstände exzellent erhalten: von feinem Porzellan und robustem Steinzeug bis hin zu historischen Glaswaren. Sie zeichnen heute ein erstaunlich detailliertes Bild vom Alltag, dem Wohlstand und der Tafelkultur der einstigen Burgherren. Ein Teil dieser Spektakulären Schätze lässt sich heute direkt in der stadtgeschichtlichen Ausstellung bewundern. Direkt am Flussufer beschließen wir unseren Rundgang an der historischen Emsmühle und dem Emswehr. Schon im 18. Jahrhundert ließ der Münstersche Fürstbischof Clemens August hier eine neue Mühle anlegen. Das tosende Wasser am Wehr verdeutlicht uns noch einmal die strategische Bedeutung der alten Emsfurt, die Rheine einst entstehen ließ. Voller neuer Eindrücke kehren wir zurück an Bord unseres Schiffes, um die Fahrt in Richtung Mittellandkanal fortzusetzen. Allerdings durchkreuzt eine Durchsage vom Kapitän unsere Pläne. Aus verschiedenen Gründen ist es unserem Schiff nicht erlaubt, die nächsten Schleusen zu durchfahren. Ursache ist das Niedrigwasser im Rhein, wodurch viele Schiffe umgeleitet worden sind und uns nun den Weg versperren.

Sonntag, 23.08.2026 Fluss–Tag

Schon am frühen Morgen empfängt uns im Panorama-Restaurant der Duft von frisch gebackenem Brot und feinem Kaffee. Während draußen die Uferlandschaft geruhsam an unseren Fenstern vorbeizieht, genießen wir das reichhaltige Frühstücksbuffet und stimmen uns gemeinsam auf den Tag auf dem Wasser ein. Der Vormittag steht ganz im Zeichen von Staunen und Kreativität: Die Kabinencrew bittet uns in die Lounge zur Demonstration des Handtuchfaltens. Mit faszinierender Fingerfertigkeit zeigt uns jemand aus der Crew, wie aus ganz einfachen Handtüchern im Handumdrehen grazile Schwäne, kleine Elefanten und kunstvolle Blüten entstehen. Wir lernen die Kniffe der textilen Faltkunst kennen und schmunzeln über die liebevollen Details, die unseren Kabinenservice täglich begleiten. Zur Mittagszeit verwöhnt uns das Küchenteam mit einem üppigen Fünf-Gänge-Menü. Auch der Nachmittag vergeht wie im Fluge. Unser Musiker Krysztof schenkt uns mit seinen stimmungsvollen Melodien den passenden musikalischen Rahmen für die Flussfahrt. Ob bei einem guten Buch, einer Tasse Kaffee oder beim Blick auf das glitzernde Wasser – die entspannte Atmosphäre an Bord wiegt uns sanft durch den Tag. Ein echter kulinarischer Höhepunkt erwartet uns am Abend: Die Küche zaubert ein reichhaltiges Asiatisches Buffet. Nach dem Essen geht es in der Lounge schwungvoll und unterhaltsam weiter. Unsere Kreuzfahrtleiterin Yvonne fordert unser Bauchgefühl heraus und bittet zum beliebten Ratespiel „Wahr oder erfunden?“. Mit viel Charme präsentiert sie uns kuriose Anekdoten und unglaubliche Geschichten. Wir tüfteln, rätseln und versuchen herauszufinden, wo die reine Wahrheit endet und wo echtes Seemannsgarn beginnt. Als Krysztof im Anschluss noch einmal aufspielt und die Tanzfläche eröffnet, lassen wir den Tag bei bester Stimmung, Musik und guten Gesprächen gemeinsam ausklingen.

Montag, 24.08.2026 Autostadt Wolfsburg

Der Tag beginnt auf die wohl schönste Art: Mit einem dampfenden Kaffee in der Hand stehen wir an Deck, während die frische Morgenluft über das Wasser streicht und die Uferlandschaft friedlich an uns vorbeizieht. Im Restaurant wartet bereits ein reichhaltiges Frühstücksbuffet auf uns, das mit frischen Brötchen, duftendem Kaffee und allerhand Leckereien keine Wünsche offenlässt. Bereits gegen zehn Uhr erreichen wir Wolfsburg. Da der Besuch der Autostadt erst am Nachmittag geplant ist, bleibt genügend Zeit, um noch kurz ins Outlet Center zu schlüpfen und schon mal zu schauen, was denn so in unsere Koffer wandern könnte. Im Laufe des Vormittags steigt uns an Deck ein köstlicher Duft in die Nase. Das Küchenteam ist fleißig im Einsatz und verwandelt das Sonnendeck in eine stimmungsvolle Freiluft-Küche. Der Grill wird angeheizt, und die Vorfreude auf das Mittagessen wächst. Zur Mittagszeit heißt es schließlich: Barbecue auf dem Wasser! Wir genießen unsere Grillparty unter freiem Himmel mit knackigen Salaten, frischem Brot, herzhaften Spezialitäten direkt vom Rost und kühlen Getränken. Bei bester Laune, fröhlichen Gesprächen und Blick auf die Autostadt lassen wir uns diesen kulinarischen Sommer-Höhepunkt an Deck schmecken. Anschließend steht nun der Besuch der Autostadt Wolfsburg auf unserem Programm. Freundliche Mitarbeiter zeigen uns das Zeit-Haus, den Porsche-Pavillon und schließlich die Autotürme. Im Anschluss daran haben wir zwei weitere Stunden Zeit, die Autostadt auf eigene Faust zu erkunden.

Dienstag, 25.08.2026 Otto–Stadt Magdeburg, Fahrt nach Brandenburg

Unser Ausflug beginnt bereits auf den ersten Kilometern mit bester Laune: Unser Busfahrer ist heute Eugen, der uns souverän und mit seinem sehr netten, herzlichen Wesen nach Magdeburg fährt. Zunächst kommen wir durch das Magdeburger Industriegebiet, später kommen wir am Eisenbahnmuseum vorbei, bevor wir Magdeburg erreichen.
Hier nehmen wir unsere örtliche Stadtführerin auf und starten zu einer beeindruckenden, einstündigen Stadtrundfahrt. Der Weg führt uns vorbei an majestätischen Kirchen und entlang der glitzernden Elbe. Im historischen Zentrum und der Altstadt von Magdeburg stehen gleich mehrere bedeutende und architektonisch faszinierende Kirchen: der Magdeburger Dom (Dom St. Mauritius und Katharina), das absolute Wahrzeichen der Stadt und der erste gotische Kathedralbau auf deutschem Boden. Er beherbergt das Grab Kaiser Ottos I. und beeindruckt mit seinen über 100 Meter hohen Türmen. Das Kloster Unser Lieben Frauen (Marienkirche), welches eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke in Deutschlands ist. Das ehemalige Prämonstratenser-Stift dient heute als städtisches Kunstmuseum und Konzerthalle. Die St.-Johannis-Kirche, eine historische Rats- und Kaufmannskirche unweit des Alten Marktes. Hier predigte 1524 Martin Luther. Heute wird die wiederaufgebaute Hülle als modernes Fest- und Tagungszentrum genutzt. Wir überqueren die Sternbrücke, die eine der wichtigsten und bekanntesten Elbquerungen der Stadt ist und die Altstadt direkt mit dem beliebten Rotehorn-Stadtpark auf der Elbinsel verbindet. An dieser Stelle gab es schon vor Hunderten von Jahren Elbquerungen. Ihre Vorgängerin – eine wunderschöne, im Jahr 1922 eingeweihte Bogenbrücke – wurde im April 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht gesprengt. Magdeburg hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem rein traditionellen Industriestandort zu einem der modernsten und dynamischsten Wissenschafts- und Forschungsstandorte Mitteldeutschlands entwickelt. Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde erst 1993 gegründet. Trotz ihrer jungen Geschichte zählt sie heute zu den Top-Adressen für Ingenieurwissenschaften, Informatik und Medizin. Der Name ist Programm: Ganz im Geiste des berühmten Physikers und Bürgermeisters Otto von Guericke steht hier der Pioniergeist im Vordergrund. Der ehemalige Handelshafen, der 1888 erbaut wurde, hat eine spektakuläre Verwandlung vollzogen. Wo früher Getreide und Kohle umgeschlagen wurden, arbeiten heute Wissenschaftler an den Technologien von morgen. Die Kombination aus historischen Backsteinspeichern, alten Ladekränen und hochmoderner Architektur macht das Areal zu einem architektonischen und inhaltlichen Highlight. In Magdeburg tüfteln nicht nur Studierende, sondern renommierte Spitzenforschungsinstitute Seite an Seite: das Fraunhofer-Institut, das Max-Planck-Institut und das Leibniz-Institut für Neurobiologie sind nur als Beispiele zu nennen. Magdeburg ist darüber hinaus ein internationales Zentrum der Hirnforschung. Hier wird erforscht, wie Lernen und Gedächtnis funktionieren und wie Erkrankungen wie Alzheimer behandelt werden können. Nach einer Stunde Rundfahrt wechseln wir die Perspektive und setzen unsere Entdeckungstour zu Fuß fort. Am Stadtmodell auf dem Fürstenwall veranschaulicht uns der Stadtführer eindrucksvoll die historische Entwicklung der Stadt. Wir passieren den alten Wachturm mit seinem weithin bekannten Namen „Kiek in de Köck“ und halten an der feinfühlig gestalteten Statue der Heiligen Mechthild von Magdeburg inne. Überall im öffentlichen Raum spüren wir die besondere Präsenz von Kunst und Geschichte. Unser Weg führt uns auch am Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen vorbei. Mit einem Augenzwinkern lernen wir die lokale Faustregel: „Wenn die Fenster auf sind, hat das Museum geöffnet!“ – Kunst eben. Zum Abschluss schlendern wir zur Grünen Zitadelle, dem leuchtenden Hundertwasserhaus. Mit seinen geschwungenen Formen, den goldenen Turmkugeln und den bunten Fassaden bildet dieses Bauwerk einen fantastischen, farbenfrohen Kontrast zur historischen Kulisse des Doms. Direkt am Dom erwartet uns Eugen bereits wieder mit dem Bus. Wohlbehalten, voller neuer Eindrücke und mit wunderbaren Erinnerungen an die Ottostadt treten wir gemeinsam die entspannte Rückfahrt an. Kurz vor dem Mittagessen nimmt unsere Johannes Brahms wieder Fahrt auf und am Abend erreichen wir Brandenburg.

Mittwoch, 26.08.2026 Stadtbesichtigung Potsdam

Am Vormittag nimmt unser Schiff Kurs auf in Richtung Potsdam. Schon kurz nach der Abfahrt erreichen wir die Vorstadtschleuse Brandenburg. Während unser Schiff in der Schleusenkammer auf das Potsdamer Wasserniveau angehoben wird, genießen wir von Deck aus den Blick auf die grünen Uferzonen, die die Stadt umrahmen. Gegen Mittag durchqueren wir die Glienicker Brücke, danach müssen wir das Oberdeck verlassen, weil die nächsten Brücken niedrig sind und somit eine Unfallquelle darstellen. Die Glienicker Brücke, die Potsdam und Berlin über die Havel verbindet, erlangte während des Kalten Krieges als Schauplatz für den Austausch verhafteter Spione und Dissidenten weltweite Berühmtheit. Nach dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wurde die Brücke für den regulären Publikumsverkehr gesperrt und lag fortan genau auf der Grenze zwischen West-Berlin und der DDR. Durch ihre abgelegene, aber gut kontrollierbare Lage eignete sie sich ideal für diskrete Übergaben. Insgesamt fanden hier zwischen 1962 und 1986 drei große Austauschaktionen statt. Nach dem Mittagessen unternehmen wir eine Stadtrundfahrt durch Potsdam. Unser Weg führt uns zunächst am Lustgarten vorbei, welcher die älteste Parkanlage der Stadt ist und weiter zum Alten Markt. Hier bewundern wir das imposante Ensemble rund um das wiederaufgebaute Landtagsschloss. In dessen ehemaliger Orangerie vom Stadtschloss liegt heute das Filmmuseum, während schräg gegenüber das Museum Barberini mit seinen hochkarätigen Kunstausstellungen lockt und auch die Universität Präsenz zu sehen ist. Ein Stück weiter begegnet uns das historische und architektonische Erbe der alten Garnisonstadt und Hohenzollern-Residenz. Wir passieren den neu errichteten Turm der Garnisonkirche und den benachbarten Langen Stall, von dem noch das beeindruckende Fachwerktor zeugt. Direkt an diesem historischen Ort entsteht das neue Kreativquartier – ein moderner Kontrast entlang des schrittweise freigelegten Stadtkanals. Dass Potsdam weit mehr als ein Freilichtmuseum ist, zeigt sich an seinen Straßen und Plätzen, die regelmäßig als Kulisse für Filmstadt-Produktionen dienen. Neben Fernsehformaten wie „SOKO Potsdam“ fasziniert die Stadt als weltbekannter Drehort: Filme wie Steven Spielbergs „Der Unterhändler“ wurden hier gedreht, während Hollywoodstars wie Tom Hanks (und im nahegelegenen Babelsberg auch Tom Cruise) diesen Kulissen internationales Flair verliehen. Über die historischen Vorstädte lassen wir das Zentrum hinter uns. Wir streifen die Jägervorstadt mit ihren eleganten Bürgerhäusern und gelangen in die Nauener Vorstadt am Heiligen See. Hier tauchen wir in ein dunkleres Kapitel der Zeitgeschichte ein: Das Areal rund um den Cecilienhof war zur Zeit des Kalten Krieges als Militärstädtchen Nr. 7 gesperrt und ging als „Verbotene Stadt“ in die Ortsgeschichte ein. Zum Abschluss umfahren wir den Park von Sanssouci und erhaschen durch das dichte Blätterdach immer wieder Blicke auf das grüne Refugium Friedrichs des Großen, bevor uns der Weg wieder zurück an die Havel bringt. Am Abend ist eine Gastmusikerin an Bord. Sie zaubert mit ihrem freundlichen Wesen und ihrem Geigenspiel allen Gästen ein Lächeln ins Gesicht. So geht ein weiterer wundervoller Tag an Bor der MS Johannes Brahms zu Ende.

Donnerstag, 27.08.2026 Stadtrundfahrt Berlin

Wir verlassen Potsdam und gleiten auf der MS Johannes Brahms hinein in die weite, glitzernde Fluss- und Seenlandschaft der Havel, wo sich preußische Gartenkunst und naturbelassene Ufer harmonisch verbinden. Über den Tiefen See und die Havelseenkette steuern wir vorbei an dicht bewaldeten Ufern, sanften Schilfgürteln und historischen Parkanlagen. Graureiher und Kormorane begleiten unser Schiff, während wir immer wieder Höckerschwäne und Stockenten beobachten, die ruhig durch das grüne Schilf gleiten. Schon am Vormittag erreichen wir die Anlegestelle Berlin Tegel und nutzen die Zeit, um bei schönstem Wetter an der Uferpromenade spazieren zu gehen.
Am Nachmittag starten wir unsere Stadtrundfahrt und steuern direkt das pulsierende Herz der City-West an: den berühmten Kurfürstendamm (Kudamm). Dieser einst als Reitweg angelegte Boulevard verwandelte sich in den Goldenen Zwanzigern zur glanzvollen Flaniermeile und zum Schaufenster des Westens. Hier passieren wir das ehemalige Café Kranzler, das mit seiner markanten rot-weiß gestreiften Dachmarkise Jahrzehnte lang das Symbol der West-Berliner Kaffeekultur war. Das ursprüngliche Stammhaus stand eigentlich Unter den Linden, doch nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Café zum unangefochtenen Treffpunkt der Prominenz. Direkt am Breitscheidplatz ragt die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche empor. Ihr zerstörter Turm steht als eindringliches Mahnmal gegen den Krieg. Gleich danach kommen wir am Europa-Center vorbei, früher eines der ersten modernen Einkaufszentren in Westberlin. Weiter geht vorbei am historischen U-Bahnhof Wittenbergplatz, einem der ältesten und prächtigsten Bahnhöfe der Berliner U-Bahn. Das 1913 errichtete Zugangsgebäude im neoklassizistischen Stil erinnert mit seiner imposanten Eingangshalle eher an einen kleinen Palast als an einen U-Bahnhof. Wir durchqueren den Großen Tiergarten und steuern auf den Großen Stern zu, in dessen Mitte die Siegessäule – von den Berlinern liebevoll „Goldelse“ genannt – thront. Die Vergoldung der 8,3 Meter hohen Victoria-Statue glänzt weithin sichtbar im Sonnenlicht. Ursprünglich stand die Säule vor dem Reichstag, doch die Nationalsozialisten ließen sie 1938 an ihren heutigen Standort versetzen und erhöhten sie dabei um eine komplette Trommel – was ihr wohl den Platz im Herzen des Tiergartens rettete.Unweit davon erblicken wir die Kongresshalle, die wegen ihrer kühn geschwungenen Dachkonstruktion im Volksmund nur „Schwangere Auster“ heißt. Das heutige Haus der Kulturen der Welt war ein Geschenk der USA und galt 1957 als architektonisches Symbol für die Freiheit des Westens. Wir steuern auf das Regierungsviertel zu und fahren am architektonisch beeindruckenden U-Bahnhof Bundestag vorbei. Direkt darüber erstreckt sich das futuristische Kanzleramt, der monumentale Sitz der Bundeskanzlerin bzw. des Bundeskanzlers. Wegen seiner markanten weißen Glas-Beton-Fassade und des runden Fensters nennen es die Berliner schnodderig „Waschmaschine“. Gleich nebenan erhebt sich das historische Reichstagsgebäude, der Sitz des Deutschen Bundestages. Seine gläserne Kuppel symbolisiert heute die Transparenz der Demokratie über dem historischen Sandsteinbau. Am Rande des Tiergartens passieren wir das Sowjetische Ehrenmal am Tiergarten, das 1945 zum Gedenken an die gefallenen Rotarmisten errichtet wurde. Zwei sowjetische T-34-Panzer flankieren die Anlage – sie gehörten zu den ersten Panzern, die 1945 das Stadtzentrum erreichten. Nun halten wir für einen ausgiebigen Fotostopp am Brandenburger Tor, dem weltbekannten Symbol der deutschen Einheit. Wo einst die Mauer die Stadt unerbittlich trennte, schreiten wir heute ganz frei durch das frühklassizistische Sandsteintor mit seiner Quadriga. In der Nähe sehen wir das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Das Feld aus 2.711 grauen Betonstelen soll beim Durchschreiten ein beklemmendes Gefühl der Orientierungslosigkeit und Erinnerung wecken. Über die belebte Friedrichstraße, eine der traditionellen Einkaufsmeilen Ost-Berlins, biegen wir ab auf den Prachtboulevard Unter den Linden. Hier reiht sich ein historisches Bauwerk an das nächste. Wir passieren die weltberühmte Humboldt-Universität, die älteste Hochschule Berlins. Vor ihrem Hauptgebäude blicken die Statuen der Gebrüder Wilhelm und Alexander von Humboldt auf das Treiben auf dem Boulevard. Unser Blick richtet sich immer wieder auf den weithin sichtbaren Fernsehturm am Alexanderplatz, das mit 368 Metern höchste Bauwerk Deutschlands. Wir erreichen Berlin Mitte und kommen am Roten Rathaus vorbei, dem Sitz des Regierenden Bürgermeisters. Seinen Namen verdankt das imposante Backsteingebäude schlicht den roten Klinkerziegeln seiner Fassade. Gleich dahinter liegt das malerische Nikolaiviertel, die historische Wiege Berlins rund um die Doppelspitztürme der Nikolaikirche. Hier am Spreeufer entdecken wir die beliebte Gaststätte „Schwalbennest“. Nur wenige Momente weiter passieren wir das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR. In seine moderne 1960er-Jahre-Fassade wurde exakt das historische Barockportal IV des zerstörten Berliner Stadtschlosses integriert – genau das Portal, von dem Karl Liebknecht 1918 die sozialistische Republik ausrief. Von hier aus geht es weiter zum Gendarmenmarkt, einem der schönsten Plätze Europas. Das Ensemble aus Deutschem Dom, Französischem Dom und dem zentralen Konzerthaus versprüht klassizistische Harmonie pur. Anschließend sehen wir den berühmten Checkpoint Charlie, dem einstigen militärischen Kontrollpunkt zwischen dem US-amerikanischen und dem sowjetischen Sektor. Im Oktober 1961 standen sich genau hier stundenlang US-amerikanische und sowjetische Panzer gefechtsbereit mit scharfer Munition gegenüber – die Welt stand für einen Moment am Rande des Dritten Weltkriegs. Fast schon auf dem Rückweg kommen wir zum Potsdamer Platz. Wo nach dem Mauerfall eine der größten Baustellen Europas entstand, bestaunen wir heute die kühne Hochhausarchitektur und das Glas überdachte Forum des ehemaligen Sony Centers, die das moderne Berlin repräsentieren. Nach dieser ausführlichen Rundfahrt durch unsere Hauptstadt kehren wir zurück nach Berlin Tegel, wo unser Schiff auf uns wartet. Am Abend werden wir mit einem Kapitänsdinner verabschiedet. Einige Glückspilze haben bei der Lotterie einen Platz am Kapitänstisch ergattert und freuen sich nun, den überaus attraktiven sympathischen jungen Mann kennenzulernen.

Freitag, 28.08.2026 Rückfahrt nach Hause

Bevor wir uns zum letzten Mal am Frühstücksbuffet bedienen, stellen wir unsere Koffer vor die Kabinentür. Fleißige Hände holen sie ab und bringen sie für uns direkt bis vor den Bus. Um neun Uhr sagen wir Auf Wiedersehen und Dankeschön zu der überaus freundlichen Crew, die wir in den letzten Tagen in unser Herz geschlossen haben. Unser Eberhardt Bus wird von einer jungen Frau gefahren, die uns sicher nach Hause bringt.


Liebe Reisefreunde, vielen Dank, dass Sie mit uns diese wunderschöne Reise unternommen haben. Es hat mich sehr gefreut, Euch wiederzusehen bzw. kennenzulernen. Auf Wiedersehen und bis bald! Eure Reisebegleiterin Sabine Letzybyll


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