Flusskreuzfahrt auf dem Rhein mit der MS Dutch Grace
Reisebericht: 09.09. – 16.09.2026
Eine außergewöhnliche Flusskreuzfahrt liegt vor uns: von den modernen Rheinpromenaden Düsseldorfs bis in das historische Herz von Mainz erleben wir eine beeindruckende Vielfalt von Kultur und Natur.
Ein Reisebericht von
Sabine Letzybyll
Mittwoch, 09.09.2026 Fahrt von Dresden nach Düsseldorf und Einschiffung auf der MS Dutch Grace
Unsere Reise beginnt am Morgen mit der gemeinsamen Busanreise ab Dresden über Chemnitz und Weimar. Während der Fahrt Richtung Westen zieht die abwechslungsreiche Landschaft an uns vorbei, und wir stimmen uns auf die kommenden Tage am Rhein ein. Gegen Nachmittag erreichen wir die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf. Am Schiffsanleger liegt die MS Dutch Grace für uns bereit. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Schiffscrew beziehen wir unsere Kabinen, richten uns gemütlich ein und erkunden das Schiff bei einem ersten Rundgang. Vor dem Abendessen versammeln wir uns zum Willkommens-Cocktail im Salon, wo uns die Schiffsleitung und die Crew vorgestellt werden und wir wichtige Informationen zum Programm der nächsten Tage erhalten. Anschließend genießen wir das erste gemeinsame Abendessen im Schiffsrestaurant.
Donnerstag, 10.09.2026 Von Düsseldorf nach Köln und Stadtbesichtigung
Schon um 04:00 Uhr lösen wir die Leinen in Düsseldorf und nehmen Kurs auf Köln. Während Frühaufsteher den ersten Kaffee in der Lounge genießen, stärken wir uns ab 07:00 Uhr beim ausgiebigen Frühstücksbuffet im Schiffsrestaurant. Um 10:00 Uhr legen wir in Köln an. Wer möchte, kann schon jetzt Köln auf eigene Faust besuchen. Nach dem Mittagessen an Bord starten wir unser Ausflugsprogramm in Köln. Die Bimmelbahn bringt uns zum Kölner Dom, wo bereits mehrere Stadtführer auf uns warten. Die echten Kölner Originale zeichnen sich durch viel Humor, fundierten Sachkenntnissen und einer großen Portion Stolz auf ihre Stadt aus. Und so verweilen wir erst einmal beim Kölner Dom und lauschen den spannenden Erzählungen. So stellt sich doch die Frage, warum der Kölner Dom überhaupt hier steht. 1164 brachte Erzbischof Rainald von Dassel die angeblichen Gebeine der Heiligen Drei Könige als Kriegsbeute aus Mailand nach Köln. Und plötzlich wollte ganz Europa hierher. Köln wurde über Nacht zur Pilgermetropole – das Mittelalter-Äquivalent zu einem gigantischen Freizeitpark. Der alte kleine Dom platzte aus allen Nähten. Also musste 1248 etwas Spektakuläres her: Die größte Gotik-Kathedrale der Welt! Nun geht es um die ewige Baustelle und die Legende vom Teufel. 1248 war Grundsteinlegung, aber 1560 ging das Geld aus. Der Dom blieb über 300 Jahre lang unfertig – mit einem riesigen hölzernen Baukran auf dem Südturm, der zum Wahrzeichen der Stadt wurde, bis im 19. Jahrhundert endlich weitergebaut wurde (Fertigstellung 1880). Die Kölner sagen: „Wenn der Dom fertig wird, geht die Welt unter!“ Deshalb bauen die Kölner bis heute ununterbrochen daran. Unser Stadtführer erzählt, dass der erste Dombaumeister Gerhard einen Pakt mit dem Teufel einging. Der Teufel wettete, er würde ein Aquädukt von Eifelwasser nach Köln bauen, bevor Gerhard den Dom fertigstellt. Als Gerhard verlor, stürzte er sich vom Gerüst – und der Teufel verfluchte die Baustelle, dass sie nie vollendet werden möge. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kölner Innenstadt zu über 90 % zerstört und lag in Trümmern. Der Dom bekam zwar etwa 14 Volltreffer ab und brannte mehrfach, blieb aber stoisch stehen. Und so erklärt es unser Guide: „Warum steht der Dom noch? Wissenschaftler sagen: Seine gotische Netzstruktur hat den Druckwellen der Bomben nachgegeben, statt zu brechen. Die Kölner sagen einfach: Der liebe Gott ist eben auch ein Kölner!“ Zudem diente der Dom den alliierten Piloten wegen seiner Größe als wichtiger Orientierungspunkt und wurde daher nicht gezielt pulverisiert. Die Glocke im Südturm ist mit rund 24 Tonnen eine der größten freischwingenden Kirchenglocken der Welt. Unser Stadtführer zeigt mit der Taschenlampe oder dem Finger nach oben an die Fassade: „Mittelalterliche Steinmetze hatten einen derben Humor. Schaut mal dort drüben: Das ist keine Heiligenfigur, sondern ein Wasserturm-Ureinwohner, der dem Betrachter blank seinen Allerwertesten entgegenstreckt!“ (Tatsächlich gibt es am Dom etliche groteske Wasserspeier und Neidköpfe). Mit einer Mischung von Herzlichkeit, Pragmatismus und Humor haben wir nun viele Informationen über den Kölner Dom erhalten, so dass es uns nicht langweilig wurde. Wir setzen unseren Stadtspaziergang fort und erreichen den Heinzelmännchenbrunnen. Dieser steht in der Kölner Altstadt unweit des Doms und ist der berühmtesten Kölner Sage gewidmet. Die fleißigen Heinzelmännchen erledigten nachts heimlich die Arbeit der Kölner Bürger, während diese schliefen – vom Bäcker bis zum Schneider. Die neugierige Frau eines Schneiders wollte die Wichtel unbedingt sehen. Sie verstreute Erbsen auf der Treppe, woraufhin die Heinzelmännchen im Dunkeln ausrutschten und polternd stürzten. Enttäuscht und verärgert verließen sie Köln für immer. Der Brunnen wurde 1899 zum 100. Geburtstag des Dichters August Kopisch errichtet, der die Sage in einem berühmten Gedicht verewigt hatte. Die Brunnenfigur zeigt die Schneiderin mit einer Laterne, die auf die gestürzten Heinzelmännchen blickt. Gegen 16:30 Uhr kehren wir aufs Schiff zurück und genießen in der Lounge ein Kaffeebuffet mit Leckereien, untermalt von Livemusik unseres Bordmusikers Delmar. Als Cocktail des Tages lassen wir uns einen Limoncello schmecken.
Freitag, 11. September 2026 – Koblenz mit Stadtrundgang und Freizeit
Mitten in der Nacht legen wir in Bonn ab und machen uns auf den Weg rheinaufwärts. Während wir morgens zum Frühstücksbuffet zusammenkommen, gleitet die MS Dutch Grace bereits durch das romantische Mittelrheintal. Nach dem Frühstück erreichen wir bereits Koblenz und legen am Peter-Altmeier-Ufer an. Die Stadtführer sind pünktlich am Schiff, wir teilen uns in drei Gruppen und schon geht es los. Erster Höhepunkt ist das Deutsche Eck, die weltberühmte Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein. Ihren Namen verdankt die Stätte dem Deutschen Orden, der sich hier im Jahr 1216 niederließ. Überragt wird die Flussmündung vom imposanten Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., das als Denkmal für die deutsche Einheit steht. Bei unserem Spaziergang durch die historische Altstadt besuchen wir außerdem den Rathaushof mit dem bekannten Schängelbrunnen. Der Begriff Schängel entstammt der französischen Besatzungszeit um 1800, als viele Koblenzer Jungen den Namen Jean erhielten – im lokalen Dialekt wurde daraus stolz der Schängel. Die Bronze-Statue des frechen Gassenjungen verkörpert bis heute den typischen Koblenzer Humor und überrascht unbedachte Betrachter alle paar Minuten mit einem spritzenden Wasserstrahl! Pünktlich zum Mittagessen kehren wir an Bord zurück. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung, die Sonne scheint und so lädt das Ufer der Mosel und des Rheins zu einem weiteren Spaziergang ein. Alternativ sitzt es sich gemütlich auf dem Oberdeck. Hier kann man sich von den freundlichen Kellnern verwöhnen lassen und nicht nur ein Aperol, ein Bier oder ein Glas Wein wird genossen. Mit Kaffee und Kuchen werden auch die Spaziergänger wieder an Bord begrüßt und können ihre müden Füße ausruhen lassen. Am frühen Abend verlassen wir Koblenz und nehmen Kurs auf Boppard. Während wir das Abendessen im Schiffsrestaurant genießen, zieht die abendliche Flusslandschaft an uns vorbei. Nach der Ankunft am Anlegeplatz in Boppard lassen wir den Tag bei Livemusik unseres Bordmusikers Delmar und einem späten Snack in der Lounge gemütlich ausklingen.
Tag 4: Samstag, 12. September 2026 – Boppard und der Mythos Loreley
Der Tag beginnt sonnig am Anlegeplatz in Boppard an der Rheinallee. Frühaufsteher genießen ihren ersten Kaffee in der Lounge, gefolgt von einem ausgiebigen Frühstücksbuffet im Schiffsrestaurant. Wer bewegt in den Tag starten möchte, trifft sich zur Morgengymnastik mit Manuela auf dem Sonnendeck. Am Vormittag unternehmen wir einen Ausflug zum berühmten Loreley-Felsen. Der 132 Meter hohe Schieferfelsen ragt steil an einer der engsten und gefährlichsten Stellen des Rheins empor. Geografisch bildete der Felsen mit seiner starken Strömung und den tückischen Felsenriffen unter Wasser über Jahrhunderte ein echtes Nadelöhr für die Schifffahrt. Die Romantiker machten daraus eine Legende: Der Dichter Clemens Brentano erfand Anfang des 19. Jahrhunderts die Figur einer wunderschönen Zauberin. Heinrich Heine verewigte sie schließlich in seinem weltberühmten Gedicht „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...“: Eine goldhaarige Nymphe sitzt oben auf dem Felsen, kämmt ihr goldenes Haar und zieht die Schiffer mit ihrem bezaubernden Gesang so sehr in den Bann, dass sie nicht mehr auf die Riffe achten und in den Fluten versinken. Zurück an Bord erwartet uns das Mittagsmenü im Restaurant. Am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen mit Musik in der Lounge. Die Sonne scheint und das kleine Städtchen Boppard lädt zum Spazieren gehen ein.
Besonders neugierig sind wir auf die Schnuggelelse, die zu den liebenswertesten Lokallegenden der Stadt Boppard zählt. Hinter dem Namen verbirgt sich sowohl eine historische Bopparder Persönlichkeit als auch eine Bronze-Skulptur und ein bekanntes traditionelles Fachwerkhaus im Herzen der Altstadt. Das „Schnuggelelsje“ war der Spitzname von Frau Else Heimburger, einer Bopparder Bürgerin, die in der Stadt einen klitzekleinen, altertümlichen Süßigkeitenladen führte. Im rheinischen Dialekt leitet sich der Begriff Schnuggel von schnuckeln oder schnubbeln ab, was so viel wie „naschen“ oder „Süßigkeiten essen“ bedeutet. Else Heimburger hatte ihren Laden voller großer Glasbehälter mit bunten Bonbons, Kaugummis und allerlei Leckereien. Bei den Bopparder Kindern war sie eine Berühmtheit, denn bei ihr konnte man selbst für wenige Pfennige kleine Naschereien erwerben. Obwohl sie manchmal etwas mürrisch wirkte, war ihr Laden der absolute Anziehungspunkt für die Jugend der Stadt. Das Andenken an die kultige Bopparder Ladenbesitzerin ist im Stadtbild bis heute lebendig: Um der Bopparder Kultfigur ein Denkmal zu setzen, schuf die Künstlerin Jutta Reiss eine lebensgroße Bronze-Plastik. Sie zeigt das Schnuggelelsje als ältere Frau, wie sie freundlich-mürrisch Bonbons an Kinder verteilt. Die Statue steht im öffentlichen Raum der Altstadt und ist ein beliebtes Fotomotiv bei Besuchern. In der Unteren Marktstraße, direkt an der Basilika St. Severus und nahe dem Rheinufer, befindet sich eines der ältesten Fachwerkhäuser Boppards. Es trägt bis heute den Traditionsnamen „Schnuggel Elsje“ und beherbergt heute ein urgemütliches Restaurant. Zurück an Bord erwartet uns heute zum Abendessen ein indonesisches Buffet, persönlich zusammengestellt von Küchenchef Kusmanadi. Im Anschluss genießen wir eine gesellige Weinverkostung mit musikalischer Unterhaltung im Salon. Ein später Late-Night-Snack bildet den perfekten Abschluss für diesen sagenumwobenen Tag im Mittelrheintal.
Sonntag, 13.09.2026 vorbei am Loreleyfelsen und Fahrt nach Rüdesheim
Der frühe Vogel fängt den Wurm oder macht Frühsport mit Manuela. Das tut nach der gestrigen Weinverkostung gut und bringt Schwung in den müden Körper. Noch vor dem Frühstück legen wir ab und fahren weiter stromaufwärts. Die Schiffspassage von Boppard bis zum Loreleyfelsen gilt als das Herzstück des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Auf dieser rund 15 Kilometer langen Strecke zeigt sich der Rhein von seiner spektakulärsten und romantischsten Seite. Direkt nach dem Ablegen in Boppard passieren wir den Bopparder Hamm. Hier macht der Rhein seine größte Schleife. Die steilen, sonnenverwöhnten Südhang-Lagen gehören zu den bekanntesten Weinbergen der Region – besonders der Riesling gedeiht auf den mineralischen Schieferböden hervorragend. Etwas weiter stromaufwärts tauchen auf der rechten Flussseite zwei Burganlagen auf: Burg Sterrenberg und Burg Liebenstein. Eine berühmte Sage erzählt von zwei Brüdern, die sich im Streit um die Liebe derselben Frau und das Erbe entzweiten. Eine dicke Grenzmauer trennt die beiden Anwesen bis heute voneinander. Entlang der linken Uferseite ziehen der Kurort Bad Salzig und malerische Fachwerktörfer vorbei. Auf den Rheinhöhen reiht sich nun eine Festung an die nächste: Über St. Goarshausen thront die elegant konstruierte Burg Gutenberg, die vom Volksmund wegen der Mächtigkeit der benachbarten Burg Katz spöttisch „Burg Maus“ getauft wurde. Auf der gegenüberliegenden linken Seite bei St. Goar ragt die mächtige Ruine der Burg Rheinfels empor – einst eine der gewaltigsten Festungsanlagen am gesamten Rhein. Direkt über St. Goarshausen setzt Burg Katz ein markantes Zeichen über dem Tal. Kurz hinter St. Goar und St. Goarshausen verengt sich das Rheintal drastisch. Der Strom wird hier bis zu 25 Meter tief und zieht in scharfen S-Kurven an den Schieferfelsen vorbei. Und nun heißt es: Fotoapparate und Handys bereithalten: auf der rechten Flussseite (für uns also links) ragt der 132 Meter hohe, steil abfallende Loreleyfelsen empor. Gestern standen wir dort oben und haben auf den Rhein herabgeschaut. Heute umfahren wir diesen mit der Dutch Grace, ohne dass der Gesang der Loreley unseren Kapitän bezirzt. Doch kaum haben wir den Felsen umrundet, öffnet der Himmel seine Schleusen und scheucht uns vom Oberdeck in die Lounge, wo bereits Delmar Musik aufspielt und Kaffee und Kuchen serviert werden.
Am Nachmittag erreichen wir Rüdesheim. Ein kurzer Spaziergang führt uns direkt in die berühmte Drosselgasse und in das Traditionsgasthaus Drosselhof. Der Drosselhof gehört zu den prägendsten Gaststätten der Region. Zudem ist hier eine der bekanntesten Spezialitäten des Rheingaus beheimatet: der Rüdesheimer Kaffee. Das historische Gasthaus blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück und gilt als das älteste Gasthaus in der Drosselgasse. Es verkörpert die klassische Rheingauer Gastfreundschaft und Weinkultur. Während wir unsere Plätze einnehmen, spielt bereits ein Musiker Stimmungsmusik. Kaum sitzen wir, werden wir schon zum Mitschunkeln aufgerufen. Der Wirt begrüßt uns, stellt sein Gasthaus vor und erklärt, wie der traditionelle Rüdesheimer Kaffee zubereitet wird. Der Rüdesheimer Kaffee ist ein aromatisches Spezialgetränk, das 1957 von Karl Adams für das Traditionshaus Asbach entwickelt wurde. Seine Servierung und Verkostung sind ein traditionelles Ritual. Der Kaffee wird in einer eigens dafür entworfenen, henkellosen Rüdesheimer Kaffeetasse serviert, die mit Rheingauer Motiven verziert ist. In die Tasse kommen drei Stück Würfelzucker und eine großzügige Portion erwärmter Weinbrand (Asbach Uralt). Die Mischung wird entzündet und etwa eine Minute lang flambiert, während gerührt wird, damit der Zucker karamellisiert und sich vollständig auflöst. Die Flamme wird mit heißem, starkem Filterkaffee gelöscht. Krönender Abschluss ist eine Haube aus frischer, ungesüßter Schlagsahne, die mit feinen Borkenschokoladen- oder Kakaostreuseln bestreut wird. Der Rüdesheimer Kaffee wird nicht umgerührt. Er wird direkt durch die kühle Sahnehaube hindurch getrunken, was ein geschmackliches Zusammenspiel aus heißem, mit Weinbrand verfeinertem Kaffee und kühler Sahne ergibt. Dazu gibt es einen frisch gebackenen Apfelstrudel. Anschließend teilen wir uns in Gruppen auf und spazieren mit regionalen Stadtführern durch Rüdesheim und zurück zum Schiff. Nach dem Abendessen ist spielt heute ein Gastmusiker im Salon.
Montag, 14.09.2026 Wiesbaden mit Stadtrundgang
Wir verlassen den Schiffsanleger in Rüdesheim und nehmen Kurs Richtung Südosten. Während Rüdesheim mit seinen Rebhängen und dem Niederwalddenkmal im Morgenlicht langsam hinter uns zurückbleibt, passieren wir die geografische Wende des Rheins: Hier macht der Fluss seine berühmte Biegung und verläuft auf fast 50 Kilometern nicht von Süd nach Nord, sondern von Ost nach West. Den Vormittag verbringen wir an Bord. Die Sonne lacht und es ist wunderbar auf dem Oberdeck zu sitzen, einen Kaffee oder einen Cocktail zu genießen und die Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen. Ein Blickfang am Ufer ist der historische Oestricher Kran aus dem 18. Jahrhundert, mit dem früher die schweren Weinfässer auf die Schiffstransporte verladen wurden. Etwas oberhalb in den Rebhängen thronen die traditionsreichen Adels- und Weingüter Schloss Johannisberg und Schloss Vollrads, die als Geburtsstätte der Spätlese Geschichte schrieben. Im 18. Jahrhundert gehörte Schloss Johannisberg dem Fürstabt von Fulda. Damals durften die Winzer vor Ort nicht einfach nach eigenem Ermessen mit der Weinlese beginnen. Sie mussten erst eine Probe der Trauben per Reitboten nach Fulda senden. Erst wenn der Fürstabt sein offizielles O.K. gab, durfte geerntet werden. Im Herbst 1775 war der Riesling am Johannisberg perfekt gereift. Der Traubenkurier wurde pünktlich nach Fulda geschickt – doch die ersehnte Rückkehr des Boten mit der Ernteerlaubnis verzögerte sich um Wochen. Über den Grund der Verspätung gibt es bis heute verschiedene Legenden: entweder ist der Bote in einer Gaststätte versackt oder er wurde von Räubern überfallen oder aber der Fürstabt war auf der Jagd unauffindbar, sodass das Siegel für das Schreiben fehlte. Während die Zeit verstrich, mussten die Mönche und Winzer tatenlos zusehen, wie die reifen Trauben an den Reben zu schrumpeln begannen und von einem gräulichen Pilzbefall überzogen wurden. Sie befürchteten, die gesamte Ernte des Jahres sei verloren. Als der Bote schließlich eintraf, kelterte man die unansehnlichen, rosinenartigen Trauben aus der Not heraus dennoch, um wenigstens noch etwas Fasswein zu gewinnen. Bei der ersten Verkostung im Frühjahr folgte die große Überraschung: Der Pilz war die sogenannte Edelfäule (Botrytis cinerea). Er durchlöcherte die Beerenhaut punktuell, sodass Wasser verdunstete, während sich Fruchtzucker, Säure und Aromen im verbliebenen Saft stark konzentrierten. Der fertige Wein war keineswegs verdorben, sondern von einer zuvor nie gekannten Süße, Milde und aromatischen Tiefe, einer Note von Honig und kandierten Früchten. Mit diesem Missgeschick erkannten die Winzer erstmals gezielt den unschätzbaren Wert der Edelfäule und der späten Ernte. Bis dahin hatte man möglichst früh geerntet, um Fäulnis zu vermeiden. Von nun an ließ man die Trauben bewusst länger am Stock hängen.
Nach dem Mittagessen erreichen wir Eltville. Hier steigen wir in unseren Reisebus und fahren nach Wiesbaden. Gemeinsam mit unserer örtlichen Stadtführerin erkunden wir die hessische Landeshauptstadt und tauchen ein in die mondäne Eleganz der einstigen Weltkurstadt. Wir starten unseren Rundgang direkt vor der imposanten Fassade des Kurhauses und der weltberühmten Spielbank Wiesbaden – einer der ältesten und traditionsreichsten Spielstätten Deutschlands, in der schon Fjodor Dostojewski sein Glück versuchte. Vorbei am benachbarten Hessischen Staatstheater spazieren wir zum beeindruckenden Denkmal Kaiser Wilhelms I. und schlendern weiter zur prachtvollen Villa Clementine. Das prachtvolle Gebäude zieht uns sofort in seinen Bann; unser Stadtführer erzählt uns von der bewegten Geschichte des Hauses, dass unter anderem als Schauplatz einer politischen Affäre Bekanntheit erlangte. Der sogenannte „Wiesbadener Prinzenraub“ aus dem Jahr 1888 ist ein royaler Skandal und ein echtes historisches Drama, das Wiesbaden damals schlagartig in den Fokus der internationalen Weltpresse und der europäischen Hochpolitik rückte. Schauplatz des Geschehens war die prachtvolle Villa Clementine. Im Zentrum des Dramas stand das serbische Königspaar: König Milan I. von Serbien und seine Frau, Königin Natalija. Die Ehe war zerrüttet – geprägt von Affären des Königs und tiefen politischen Differenzen (Natalija sympathisierte mit Russland, Milan orientierte sich an Österreich-Ungarn). Nach der Trennung zog die Königin im Frühjahr 1888 mit dem gemeinsamen, elfjährigen Sohn, Kronprinz Aleksandar, nach Wiesbaden und mietete dort die repräsentative Villa Clementine als Residenz. Wiesbaden bot mit seinen milden Gegebenheiten und einer russisch-orthodoxen Kirche den idealen Rahmen für die Erziehung des Prinzen. König Milan forderte die Ehescheidung und verlangte vehement die Herausgabe des Kronprinzen nach Belgrad. Königin Natalija weigerte sich standhaft, ihren Sohn aus der Hand zu geben. Da Milan eine Schwächung seiner Macht in Belgrad befürchtete, schaltete er die hohe Politik ein. Reichskanzler Otto von Bismarck und die deutsche Reichsregierung wollten politische Unruhen auf dem Balkan vermeiden und ergriffen die Partei des serbischen Königs. Am 13. Juli 1888 gipfelte der Streit in einer von höchster Stelle arrangierten Polizeiaktion: Der Wiesbadener Polizeipräsident und der serbische Kriegsminister erschienen mit einem Großaufgebot an Kräften an der Villa Clementine. Die Villa wurde umstellt. Gegen den dramatischen und tränenreichen Widerstand der Königin drangen die Beamten in das Gebäude ein. Der elfjährige Kronprinz Aleksandar wurde seiner verzweifelten Mutter entzogen, in eine Kutsche gesetzt und unter Polizeischutz zum Wiesbadener Bahnhof gebracht. Von dort aus wurde er per Sonderzug sofort nach Serbien abtransportiert. Die Aktion löste in der Bevölkerung und in der internationalen Presse großes Entsetzen aus. Dass die deutsche Polizei einer Mutter das Kind gewaltsam wegnahm, um es einem ungeliebten König zu übergeben, galt vielen Bürgern als skandalös. Für die Villa Clementine brannte sich das Ereignis für immer ins Gedächtnis ein – sie blieb fortan als der Ort des Wiesbadener Prinzenraubs bekannt. Über den belebten Schlossplatz erreichen wir das historische Zentrum. Hier stehen wir mitten im politischen und kulturellen Herz der Stadt: Wir bewundern das Alte Rathaus sowie das imposante Neue Rathaus am benachbarten Marktplatz. Direkt gegenüber blicken wir auf das Stadtschloss der Herzöge von Nassau, das heute den Hessischen Landtag beherbergt. Vorbei am glanzvollen ehemaligen Palast Hotel, einem Zeitzeugen der Blütezeit des europäischen Bäderwesens, spazieren wir zum dampfenden Kochbrunnen. Hier lassen wir uns das berühmte Wiesbadener Thermalwasser frisch aus der Quelle in den Becher füllen: Die Verkostung des 66 °C heißen, salzigen Heilwassers ist ein echtes Erlebnis. Zum Abschluss führt uns der Weg auf das prachtvolle Bowling Green, gerahmt vom Hessischen Staatstheater und dem majestätischen Kurhaus. Wir bestaunen die edle Architektur der Spielbank Wiesbaden – eine der traditionsreichsten und ältesten Spielbanken Deutschlands, in der schon Fjodor Dostojewski sein Glück versuchte. Ein entspannter Spaziergang durch den angrenzenden, idyllischen Kurpark rundet unseren erlebnisreichen Rundgang stilvoll ab. Mit dem Reisebus fahren wir nun zur Anlegestelle der Dutch Grace in Mainz. Nach dem Abendessen spielt Delmar in der Lounge auf. Der Mitternachtssnack signalisiert, dass es Zeit ist zu Bett zu gehen und die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen.
Dienstag, 15.09.2026 Stadtbesichtigung Mainz
Ein gemütlicher Spaziergang am Rheinufer entlang bringt uns zum Eberhardt-Bus, unser Fahrer André ist heute schon für uns da. Auch die örtlichen Guides stehen schon bereit, um uns ihre Stadt zu zeigen. Wir erleben die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt in zwei Etappen: Zunächst genügen uns spektakuläre Ausblicke vom Bus aus, bevor wir zu Fuß in die verwinkelten Gassen und die sakrale Geschichte eintauchen. Wir starten im Bus und überqueren die Theodor-Heuss-Brücke in Richtung Wiesbaden. Auf der hessischen Seite angekommen, setzt der Bus zum Wendemanöver an und nimmt sofort wieder Kurs zurück Richtung Mainz. Während der erneuten Überfahrt bietet sich uns das schönste Fotomotiv der Stadt: Das unverstellte Mainzer Stadtpanorama mit dem mächtigen Dom St. Martin, den Barockbauten und dem geschäftigen Rheinufer breitet sich imposant vor unseren Augen aus. Auf der Weiterfahrt durch die Innenstadt zieht das Wechselspiel der Architektur an unseren Fenstern vorbei. Unser Guide erläutert die dramatische Geschichte: Im Zweiten Weltkrieg wurde Mainz durch schwere Luftangriffe (besonders im Februar 1945) zu mehr als 80 Prozent zerstört. Wir betrachten die sorgsam rekonstruierten Fassaden im Zusammenspiel mit moderner Nachkriegsarchitektur – ein Zeugnis des enormen Wiederaufbauwillens der Mainzer Bürger. An einer roten Ampel schmunzeln wir gemeinsam: An ausgewählten Fußgängerüberwegen leuchten hier nicht die üblichen Ampelmännchen, sondern die berühmten ZDF-Mainzelmännchen in Rot und Grün. Faszinieren ist auch der am Schillerplatz befindliche Fastnachtsbrunnen. Über 200 bronzezeitliche Figuren, Narren und Fabelwesen spiegeln das rheinische Lebensgefühl wider. Nun geht es zu Fuß weiter. Vorbei an der bronzenen Statue des Heiligen Bonifatius, des einstigen Erzbischofs und „Apostels der Deutschen“, der die Bedeutung von Mainz als Moguntia maßgeblich prägte. (Moguntia ist der historische lateinische Name der Stadt Mainz aus der Römerzeit.) Entlang stattlicher Bürgerhäuser und historischer Fassaden spazieren wir über den Liebfrauenplatz. Hier pulsiert das Mainzer Leben zwischen dem Gutenberg-Museum und gemütlichen Weinstuben. Wenige Schritte weiter stehen wir staunend auf dem Domplatz direkt im Schatten der gewaltigen Kathedrale. Wir betreten die tausendjährige Sankt Martinskathedrale, deren roter Sandstein eine erhabene Ruhe ausstrahlt. Im Innenraum bewundern wir die prachtvollen Bischofs-Grabmäler, die über Jahrhunderte hinweg die Kunstgeschichte von der Gotik bis zum Barock dokumentieren. Im idyllischen, gotischen Kreuzgang und den umliegenden Nischen sind faszinierende Steinmetzarbeiten zu sehen: Frauenstatuen aus Stein: Wir betrachten feingearbeitete Steinfiguren, darunter das berühmte Denkmal für den Minnesänger Frauenlob (Heinrich von Meißen), das von Mainzer Frauen gestiftet wurde. Ein Steinbildnis sorgt für besonderes Erstaunen – eine Figur, die ihren eigenen abgeschlagenen Kopf in den Händen trägt. Unser Stadtführer löst das Rätsel auf: Es handelt sich um den Heiligen Alban von Mainz, einen Märtyrer aus dem 5. Jahrhundert. Der Legendenerzählung nach wurde er geköpft, hob seinen Kopf selbst auf und trug ihn an die Stätte seiner letzten Ruhe. Erfüllt von Geschichte, rheinischem Humor und sakraler Kunst schließen wir unseren erlebnisreichen Mainzer Rundgang ab. Am Abend nehmen wir mit einem Cocktail Abschied von der fleißigen Crew, deren Arbeit wir in den letzten Tagen schätzen gelernt haben, die uns täglich kulinarisch verwöhnten, unsere Kabinen reinigten und nicht zu vergessen: das Schiff steuerten. Es folgt der krönende Abschluss der Reise: das Kapitänsdinner.
Mittwoch, 16.09.2026 Abschied und Heimreise
Die Koffer sind gepackt und werden von der Crew an Land gebracht. Nach dem Frühstück heißt es nun Abschied nehmen. Ein letztes Winken und wir machen uns auf den Weg nach Hause. Pralinen und Servietten mit den berühmten Mainzelmännchen erinnern uns an unsere letzte Station der Flusskreuzfahrt auf dem Rhein, die wir nun für immer in unseren Herzen bewahren.
Liebe Reisefreunde,
herzlichen Dank für die wunderschöne gemeinsame Zeit auf unserer Reise. Kommen Sie nun gut im Alltag an und auf ein baldiges Wiedersehen! Mit herzlichen Grüßen Ihre Reisebegleiterin Sabine Letzybyll
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