Paris für Neulinge und Fortgeschrittene
Reisebericht: 01.09. – 06.09.2026
„Das alte Paris ist nicht mehr" seufzte Baudelaire vor 200 Jahren. Gleich, ob man die Stadt das erste oder zum wiederholten Mal besucht, ist es daher immer ein besonderes Erlebnis.
Ein Reisebericht von
Antje Kahnt
Zu Fuß durch Saint–Germain–des–Prés
Ab der Mittagszeit treffen sie nacheinander ein, die Gäste unserer kleinen Reisegruppe. Die Zimmer sind bereits fertig, alle können direkt einchecken. Während ein Flieger noch in der Luft ist, nutzen einige die Zwischenzeit bereits für die ersten Schritte ums Hotel.
Am Nachmittag dann vollständig versammelt starten wir nach der Begrüßung mit unserem ersten Spaziergang direkt durch unser Viertel Saint-Germain-des-Prés. Inmitten des linken Seine-Ufers gelegen ist es schon seit Jahrhunderten als Quartier von Dichtern und Denkern bekannt. Die Vordenker der Revolution wie Danton und Marat begegnen uns auch direkt rund um den Cour du Commerce Saint-André. Wo sich heute Menschen zum Feiern treffen, testete der Arzt und Politiker Guillotin eine „Köpfmaschine“, die seinen Namen trägt, obwohl er sie nicht erfunden hat. Er gehörte schließlich auch zu den Tausenden Unglücklichen, die ihre Wirkungsweise während der Revolution ausprobieren mussten.
Gegenüber dem Hinterausgang des alten Procope, in dem bereits die Revolutionäre saßen, liegt ein schon seit Jahren nicht mehr zugänglicher weiterer Hof, der Cour de Rohan. Wir haben jedoch das perfekte Karma und „erflirten“ uns den Zugang in dieses private Refugium. Im Inneren atmet noch jeder Stein Geschichte – neben einem alten Brunnen gibt es auch den letzten „Pas de Mule“, einen dreibeinigen Metallschemel, über den die ungelenken Altvorderen aufs Pferd gehievt werden konnten. Nachdem alle (!) den Ausgangsknopf gefunden haben, pilgern wir weiter zum Furstemberg-Platz, der „Schlossstraße“ im französischen Monopoli. Das beschauliche Plätzchen gehört bereits zum Areal der vormaligen Abtei Saint-Germain, die dem Viertel später den Namen gab. In der mittelalterlichen Saint-Germain-des-Prés-Kirche, die mit ihrem 1000-jährigen Turm heute als ältester Kirchenbau von Paris gilt, bewundern wir die farbenfrohe Ausmalung und grübeln über ihren merkwürdigen Achsenknick. Ebenso abenteuerlich ist die Geschichte der Picasso-Skulptur im kleinen Gärtchen neben der Kirche, die vor einige Jahren auf eine unfreiwillige Reise ging. Picasso porträtierte seine damalige Muse und Ehefrau, die Fotografin Dora Maar. Beide lernten sich gegenüber im Literatencafé „Les deux magots“ kennen.
Über die Rue Bonaparte spazieren wir zur Kunsthochschule, wo die Künstler von morgen ausgebildet werden, aber auch der Vorgänger des Louvre beheimatet war. Kunst in Hülle und Fülle finden wir auch in den umliegenden Straßen – unzählige Galerien, den Ort der ersten Kunstaktion von Christo und die Künstlerkneipe La Palette. Die Crème de la Crème der Künstlerschaft bildet auch eine der ehrwürdigen Akademien, die unter der vergoldeten Kuppel des Institut de France tagen. Die berühmteste ist jedoch die Académie Française, die sich der Reinheit der französischen Sprache widmet.
Den Abend lassen wir etwas später in einem Lokal direkt um die Ecke ausklingen, wo sich unsere Reisegruppe noch etwas mehr „beschnuppern“ und ins Gespräch kommen kann.
Notre Dame, Marais und Moulin Rouge
Heute starten wir schon sehr früh, um nach einem kurzen Bummel durchs Quartier Latin der Kathedrale Notre Dame einen Besuch abzustatten. Dabei sehen wir das Hauptgebäude der Sorbonne, der berühmtesten Universität des Landes. Im Square Samuel Paty gegenüber entdecken wir eine Replik der kapitolinischen Wölfin, die die beiden Gründer Roms, Romulus und Remus, säugt. Die Bronzeskulptur ist ein Geschenk der einzigen Pariser Partnerstadt. Vor über 2000 Jahren waren es auch die Römer, die Paris, damals noch Lutetia genannt, aus der Taufe hoben. Ihre Spuren finden sich noch mancherorts im „Lateinischen Viertel“. In den Außenanlagen des Musée de Cluny können wir die soliden Mauern der antiken Thermen bewundern. An zwei Kirchen vorbei spazieren wir in den Square Viviani, der wegen seines Ausblicks auf die Kathedrale „der schönste Garten von Paris“ genannt wird. Mindestens genauso bemerkenswert ist jedoch eine Robinie, der älteste Baum der Stadt. Gezogen wurde er vor 425 Jahren von Jean Robin, dem Hofgärtner Heinrich IV., der diesen Bäumen auch seinen Namen gab: Robinie.
Nach dem perfekten Foto auf die Türme von Notre Dame brauchen wir dank unserm Führungsslot nur noch die Audiogeräte abholen und kommen dann ohne Anstehen direkt ins Innere und hören von den Kraftanstrengungen der Bauleute, die Kathedrale wieder auferstehen zu lassen und staunen über die „Wunder“ bei der Restaurierung“.
Nach einer kurzen Pause geht’s mit dem Blick auf das Rathaus hinüber zur Nachbarinsel Île Saint Louis, die für ihre vielen kleinen Geschäfte, gemütlichen Lokale und das berühmte Eis von Berthillon bekannt ist.
Der Pont Louis Philippe bringt uns dann an rechten Seineufer ins Marais, eines der ältesten Quartiere der Hauptstadt, das wegen einem trocken gelegten Seinearm „der Sumpf“ genannt wird. Im Marais findet man heute nicht nur die ältesten Häuser der Stadt – im Mittelalter bereits aus Stein gebaut – sondern auch noch einige Reste der früher üblichen Fachwerkbebauung. Rund um die Rue des Rosiers, das jüdische Herz des Viertels, durchstreifen wir einige versteckte Grünoasen, bevor alle vom Garten des Nationalarchivs aus in die Mittagspause ausschwärmen.
Nach der Pause bummeln wir zum Hôtel Carnavalet, einem der schönen Palais aus dem 17. Jahrhundert, das heute das Stadtmuseum beherbergt. Hier werfen wir einen Blick in den Garten und die einzig erhaltene größere Skulptur des Sonnenkönigs, die in der Revolution „vergessen“ wurde. Danach bleiben wir auf königlichen Spuren, denn uns erwartet nur wenige Schritte weiter der erste Königliche Platz, der uns in die Zeit der Musketiere entführt. Mit seinen für die Zeit um 1600 typischen Backsteinfassaden und Natursteinverzierungen gilt das Karree heute als „schönster Platz“ von Paris. Kein Wunder, dass hier immer wieder Filmteams die perfekten Kulissen für Mantel-und Degen-Filme finden. Über ein verstecktes Portal landen wir schließlich noch im Garten des Hôtel de Sully, das einst dem Finanzminister Heinrich IV. gehörte. Erbaut nach den dunklen Jahren der Glaubenskriege sieht man die Freude an den schönen Dingen auch im überbordenden Dekor der Fassaden. In den Räumen des typischen französischen Stadtschlosses hat heute die Verwaltung der Nationalmonumente ihren Sitz.
Mit einer der vollautomatisch fahrenden Metro gelangen wir anschließend noch entlang der historischen Achse zur Anhöhe des Étoile, auf dem sich seit 1836 der Arc de Triomphe erhebt. Er markiert heute den höchsten Punkt der Pariser Prachtstraße, die ursprünglich aus der Planung von Gartenmeister André le Notre hervorging. Bevor wir mit der schnellen RER zum Hotel zurückfahren, ist noch Gelegenheit für Fotos und einen Schaufensterbummel.
Am Abend erleben wir die Dinnershow im berühmten Moulin Rouge, dessen Flügel sich seit 1889 fast unermüdlich drehen. Damals war hier Toulouse-Lautrec Stammgast, der die Tänzerinnen in seinen Plakaten unsterblich machte. Nach einem exquisiten Menü erleben wir eine ebenso exquisite Show, die mit grandiosen Tänzern und Artisten und den opulenten Bühnenbildern und Kostümen für Abwechslung sorgt. Mit zwei organisierten Taxis geht es anschließend quer durch das nächtliche Paris wieder zurück ins Hotel.
Opernviertel und Louvre–Führung
Heute bringt uns die Metro am Morgen zunächst zur Opéra Garnier, benannt nach dem Architekten Charles Garnier, der als völlig unbeschriebenes Blatt mit seinem Entwurf 170 gestandene Konkurrenten aus dem Weg räumte. Weil der Auftraggeber Napoleon III bei der Einweihung des Hauses 1875 bereits im englischen Exil gestorben war, hatte man Garnier „vergessen“ und er musste sich eine Eintrittskarte für den Festakt kaufen. Um die Oper, die mit ihren opulenten Salons und der riesigen Bühne ranken sich unzählige Geschichten. Auch die Gerüchte um das Phantom der Oper haben einen wahren Kern. 1896 wurde der Operndirektor erpresst, kurz darauf löste sich in einer Vorstellung ein Gewicht des 7 Tonnen schweren Kronleuchters und erschlug eine Frau. Da zudem im Fundament der Oper von Garnier ein Becken zur Sammlung des Grundwassers eingeplant wurde, hatte Gaston Leroux den Plott für seinen Bestseller schon zusammen. Heute hat das „Phantom“ seine eigene Loge Nr. 5.
Über die Rue de la Paix, die Straße der Juweliere, spazieren wir zum Place Vendôme, der als Königlicher Platz von Jules Hardouin-Mansart für den Sonnenkönig angelegt wurde. Um die Staatskasse nicht überzustrapazieren, wurden die einheitlichen Fassaden wie Kulissen errichtet, dahinter konnte frei geplant werden. Anstelle des königlichen Reiters steht im Zentrum des Platzes heute eine Säule, die aus erbeuteten Kanonenkugeln der Schlacht von Austerlitz gegossen wurde. An der Spitze thront Napoleon I im Gewand eines römischen Kaisers.
Die achteckige Form des Platzes inspirierte Coco Chanel zur Form des Parfumflakons von Chanel No. 5, die damit ihre Lieblingszahl und ihre langjährige Adresse miteinander verband, schließlich wohnte sie viele Jahre im Ritz-Hotel, dem berühmtesten Hotel der Stadt. Ihr Appartement über ihrem Laden auf der benachbarten Rue Cambon nutzte Mademoiselle Chanel dagegen nur als Ort der Inspiration und Repräsentation.
Anschließend folgen wir der Rue des Petits-Champs ins 2. Arrondissement. Auf unserem Weg liegt die Passage Choiseul, die eine der längsten Galerien von Paris ist. Vor rund 200 Jahren angelegt gehört sie heute zu den wieder geschätzten und denkmalgeschützten architektonischen Kleinoden, die nach der Erfindung des ersten Kaufhauses der Welt in Paris lange Zeit in Vergessenheit gerieten. Weil die Nationalbibliothek in dieser Woche komplett geschlossen ist, können wir nur durch den Zaun in den schönen Garten schauen, wo die Landschaftsgärtner die Gelegenheit nutzen, Palmen und Blumen wieder in Form zu stutzen.
Direkt gegenüber erwartet uns die schönste Passage von Paris, die Galerie Vivienne, wo alle für eine Kaffeepause und das perfekte Foto ausschwärmen können. Anschließend bewundern wir die fotogene Feuertreppe des Palais Royal, die außen nachgerüstet wurde. Direkt daneben betreten wir den charmanten Garten des Palais Royal, wo Napoleon um die Gunst der späteren Kaiserin Josephine warb, Desmoulins zum Sturm auf die Bastille rief und Ludwig XIV. gegenüber dem Louvre seine Kinderstube hatte. Heute ist dort das Kultusministerium beheimatet. Der frühere Kultusminister Jacques Lang ist für die heutige Gestaltung des Ehrenhofs verantwortlich, in dem schwarz-weiße Säulen von Daniel Buren Touristen, aber auch die erst sehr kritischen Pariser zu allen möglichen und unmöglichen Foto-Posen animieren.
Nach der Mittagspause treffen wir uns vor der Passage Richelieu, über die wir als Gruppe direkt ins Foyer des Louvre-Museums gelangen. Nachdem die Taschen verstaut und die Kopfhörer getestet sind, können wir uns direkt ins Abenteurer Louvre stürzen und uns gemeinsam die Highlights des größten Museums erschließen. Zu Beginn entdecken wir, wie die mittelalterlichen „Graffitis“ der Steinmetze, die ihre Lohnrechnungen in die Quader der Grundmauern der ursprünglichen Festung geschlagen haben. Danach besuchen wir den schönsten Renaissancesaal des Louvre, in dem früher der Thron, später antike Skulpturen des Königs standen. Hier entdecken wir den bildhübschen, schlafenden Hermaphroditen, dessen Körper mit dem einer liebestollen Quellnymphe verschmolz. Direkt nebenan treffen wir auf seine Mutter, Aphrodite, die als Venus von Milo zu den drei berühmtesten Kunstwerken des Louvre gehört. Eine weitere hellenistische Berühmtheit des Museums erwartet uns am oberen Ende der Daru-Treppe, die die perfekte Kulisse für die Nike von Samothrake ist. Nach einer gewonnenen Schlacht landet sie auf den Planken eines Streitschiffes. Bei den Gemälden im Obergeschoss ist neben Leonardos Mona Lisa auch Veroneses Hochzeit von Kana bemerkenswert, in dem der venezianische Meister eine Fülle geheimer Botschaften versteckt hat. Voller Anspielungen ist auch Davids Krönungsbild, in dem Napoleon vor den Augen des verdatterten Papstes seiner Josephine die Krone aufs Haupt drücken wird. Im Nachbarsaal gruseln wir uns über das unfassbare Schicksal der gekenterten Insassen der Medusa und bewundern die ungestüme Marianne, die die Pariser Bürger gegen den König zum Sieg führen wird. Bei Amor und Psyche, dem halb göttlichen, halb menschlichen Liebespaar, finden wir zum Abschluss unserer Führung noch ein Happy End.
Führung im Musée d‘Orsay, Invalidendom und Dinner Cruise
Auch heute steht große Kunst auf dem Programm, nach dem Frühstück fahren wir direkt zum Musée d‘Orsay, dessen Sammlung 1986 aus dem Louvre ausgegliedert direkt an die dortigen Kunstwerke anschließt. Wegen der Baumaßnahmen im Empfangsbereich geht’s auf zwei Kleingruppen aufgeteilt in die Sammlung des 19. Jahrhundert oder parallel in die Tuilerien, um dort noch die bis Mitte September installierte olympische Feuerschale aus nächster Nähe zu betrachten. Für den Sommer 2027 wird sie noch einmal in die Tuilerien zurückkommen. Wenn dann das olympische Feuer nach Los Angeles wechselt, ist die Zukunft der von EDF entwickelten elektrischen Flamme und dem markanten Silberballon ungewiss.
Mit den beiden Führungsslots können wir „in verteilten Rollen“ jeweils ohne Umschweife ins Museum. Die Architektin Gae Aulenti hat behutsam die Aura des alten Bahnhofs erhalten, weshalb das Museum nicht nur wegen seiner Kunstwerke zu den beliebtesten in Frankreich zählt.
Im Erdgeschoss entdecken wir zunächst die Maler des Realismus, die erstmals Menschen „wie Du und ich“ auf riesige Leinwände brachten und damit manchen Kunstskandal auslösten. Im obersten Geschoss erblicken wir zunächst die große Bahnhofsuhr, durch die man über die Dächer von Paris bis zum Montmartre schauen kann. Danach tauchen wir ein in die flirrenden Farben und Lichtreflexe der Impressionisten, die im Grünen oder in der Stadtlandschaft die flüchtige Stimmung des Moments festhalten wollten. So können wir Renoirs Freunden beim Tanz zuschauen, müssen den frechen Blick von Manets Lieblingsmodell Victorine aushalten, sehen Berthe Morrisots kleine Nicht in der Wiege schlummern, können mit Edgar Degas hinter die Kulissen der Oper schauen und verlieren uns in den Wasserspiegelungen von Monets Seerosengarten. Zum Abschluss bekommen wir noch einen Überblick über seine letzten drei intensiven Lebensjahre, in denen er am Montmartre, in Arles und Auvers-sur-l’Oise über 400 Gemälde schuf. Mit seinen intensiven Farben, der expressiven Pinselführung und den ungewöhnlichen Perspektiven ist er der Urvater der modernen Kunst.
Nach den beiden Führungen bleibt noch Zeit für individuelle Entdeckungen in und ums Museum und eine Stärkung zur Mittagszeit. Danach wieder vereint geht es jetzt noch eine Runde durch den Faubourg Saint-Germain, in dem es neben dem Sitz des französischen Parlaments auch die größte Dichte an Ministerien und konsularischen Vertretungen gibt. Wir beschließen unsere Runde am Hôtel des Invalides, das Ludwig XIV. als Alterssitz für seine Soldaten errichten ließ. Heute wird der größte Teil der Anlage als Armeemuseum genutzt. Dazu gehört auch der Invalidendom, der mit seiner vergoldeten Kuppel eines der Pariser Wahrzeichen ist. Er dient als militärischer Pantheon, neben Kaiser Napoleons und einiger seiner Familienmitglieder sind hier auch bedeutende französische Militärchefs wie Maréchal Foch bestattet. Aus der angrenzenden „Soldatenkirche“, der Kathedrale St. Louis können wir auch ohne Museumseintritt auf den Barockaltar des Doms schauen, bevor wir die Metro zum Hotel nehmen.
Am Abend gehen wir zu Füßen des Eiffelturms an Bord eines der Restaurantschiffe von Bateaux Parisiens. Während wir unser Menü genießen, gleitet das Schiff gemächlich an den nach und nach angestrahlten Monumenten am Seineufer vorbei. Nach der Kehrtwende an der Schwaneninsel, an deren Spitze ein Modell von Bartholdis Freiheitsstatue steht, sind wir genau rechtzeitig wieder an Land, um den Eiffelturm noch kurz blinken zu sehen, ein Schauspiel, was zur vollen Stunde immer nur für 5 Minuten zu erleben ist.
Montmartre, Maison Élysées und Madame Brasserie
Heute geht es in die Höhe. Am Vormittag geht es mit der Metro zum Montmartre. Der Name des Quartiers geht auf den Heiligen Dionysius zurück, der als erster Bischof von Paris in der damaligen römischen Provinzstadt zum Märtyrer wurde. Der Legende nach ist er mit dem Kopf unterm Arm hierher bergauf gelaufen, hat sich an einer Quelle das Blut abgewaschen und machte sich dann noch weiter gen Norden auf den Weg. Die Stadt, in der er zusammenbrach und beerdigt wurde, trägt heute seinen Namen, Saint Denis.
Bevor wir dem Heiligen begegnen, sind wir auf den Spuren der fabelhaften Amelie unterwegs, stehen vor dem Haus der Sängerin Dalida und wissen, wo Picasso und Renoir gemalt haben. Außerdem lernen wir den Poeten Marvel Aymé, der von seinem Freund Jean Marais als Mann, der durch die Wand gehen konnte, porträtiert wurde. Ein paar Schritte weiter entdecken wir englische Vorgärten und in einer privaten Passage den verwunschenen „Hexenfelsen“, neben dem wir bei traumhaftem Licht bis zum Eiffelturm schauen können.
Die Rue de l'Abreuvoir trennt uns dann noch vom dem höchsten Plateau, auf dem das Wahrzeichen des früheren Künstlerviertels steht, die von den Parisern weidlich ignorierte Basilika Sacré Coeur. Nach dem obligatorischen Fotostopp spazieren wir über ruhigere Straßen wieder hügelabwärts. Nach einer kleinen Stärkung nehmen wir die Metro, mit der einige schon ins Hotel weiterfahren. Der „harte Kern“ ist jedoch unternehmungslustig, zusammen linsen wir in den Garten des Élysée-Palastes und besuchen das 2024 eröffnete Maison d’Élysée, das einige Ausstellungsräume zum Sitz des französischen Präsidenten auch ein kleines Café und einen Shop für schöne Dinge made in France bietet. Danach geht’s „im Galopp“ zum Hotel, um sich für den letzten Abend noch etwas herauszuputzen.
Mit der RER fahren wir zum Eiffelturm, wo wir auf 58 Metern im Restaurant erwartet werden. Nach dem vorzüglichen Menü unter der Ägide von Sternekoch Theirry Marx nutzen wir noch die Möglichkeit, den Sonnenuntergang von der zweiten Etage zu erleben. Im Garten des Trocadéro gegenüber beginnt am Abend eine Festveranstaltung zum 400. Geburtstag der Marine, daher wird die „Eiserne Lady“ dann zur Feier des Tages abwechselnd in den Farben der Tricolore angestrahlt. Zurück im Hotel lassen wir den letzten Abend noch in einer gemütlichen Runde im Kellergewölbe ausklingen.
Au revoir, Paris
Am Vormittag sind alle noch einmal auf eigene Faust unterwegs, um ganz gemütlich noch einmal im Café zu sitzen, noch ein Museum zu entdecken oder ein letztes Mal durch den Luxembourg-Garten zu schlendern. Einige geraten dort und auch am Louvre in die Proben der „Fête deParis“, bei der am folgenden Wochenende wieder über 1000 Darsteller in historischen Kostümen in den Straßen zu erleben sein werden. Die „glücklichen Verlängerer“ sind mit alle Infos ausgestattet nach Versailles unterwegs.
Ab dem Mittag stehen dann die bestellten Transfere pünktlich vor der Tür. Mit einer Fülle an Eindrücken und ein bisschen Wehmut, wie schnell die Zeit in Paris verflogen ist, geht es für die Gäste meiner kleinen Reisegruppe wieder zurück in die Heimat.
Der Pariskenner Hemingway hat einmal bilanziert, dass man nur zuhause und in Paris glücklich sein könne. Wenn Sie die Lust, nach einem Tapetenwechsel und die Sehnsucht nach Paris wieder erwischt, wissen Sie ja, wo Sie mich finden -inmitten der französischen Capitale bleibt noch viel zu entdecken, auch für „Wiederholungstäter“.
Ihre Antje Kahnt
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