Südengland
Reisebericht: 30.05. – 08.06.2026
Eine unvergessliche Reise voller Kontraste: Von gotischen Kathedralen über mystische Moore und König Artus' Spuren bis zu subtropischen Gärten im wilden Cornwall.
Ein Reisebericht von
Sabine C. Seifert
30.05.2026 Themsemetropole – Von Londoner Kontrasten und verborgenen Winkeln
Die Vorfreude war riesig, als wir von unseren verschiedenen Heimatflughäfen abhoben, uns beim Umstieg am Flughafen Frankfurt schon sahen, aber noch nicht kannten und schließlich gemeinsam Kurs auf London-Heathrow nahmen. Kaum hatten wir britischen Boden unter den Füßen, wurden wir auch schon herzlich von unserer Reiseleiterin Sabine und der lokalen Stadtführerin Christina in Empfang genommen. Sie verloren keine Zeit und entführten uns direkt in das pulsierende Herz der Millionenmetropole.
Dass London eine Stadt voller Dynamik ist, spürten wir sofort am eigenen Leib: Da Teile der berühmten „Underground“ wegen Wartungsarbeiten stillgelegt waren, floss der ohnehin dichte Verkehr noch ein ganzes Stück gemächlicher als sonst. Doch genau das gab uns die perfekte Gelegenheit, uns entspannt zurückzulehnen und die vorbeiziehende Kulisse aufzusaugen. Christina nutzte die Zeit wunderbar, um uns bei der orientierenden Stadtrundfahrt die absoluten Ikonen der Stadt näherzubringen. Wir bestaunten die majestätische Tower Bridge und die historischen Mauern des Tower of London, blickten hoch zur mächtigen Kuppel der St. Paul’s Cathedral und passierten schließlich das geschichtsträchtige Viertel rund um Westminster Abbey und das britische Parlament, wo uns der legendäre Big Ben zuverlässig die Stunde schlug.
Nach dem Check-in im Holiday Inn London - Bloomsbury hieß es aber noch längst nicht Füße hochlegen. Vor dem Abendessen schnürten wir noch einmal die Schuhe, und Sabine führte einige Gäste, die Lust hatten, auf einen ersten, ganz persönlichen Erkundungsrundgang. Vom akademisch-eleganten Bloomsbury aus tauchten wir ein in das bunte Treiben von Covent Garden. Wir ließen uns von der lebendigen Atmosphäre der Straßenkünstler treiben und entdeckten die fast schon magisch versteckten Hinterhöfe der Stadt – allen voran das herrlich farbenfrohe Neal’s Yard. Diese bunte Mischung aus Londoner Tradition und modernem Flair brachte uns die Stadt abseits der großen Hauptstraßen auf eine ganz eigene, authentische Weise nahe.
Zurück im Hotel wartete bereits der kulinarische Ausklang dieses ereignisreichen ersten Tages auf uns. Das Abendbuffet im Hotelrestaurant bot die perfekte Stärkung nach den vielen ersten Eindrücken. Bei gutem Essen und den ersten gemeinsamen Gesprächen ließen wir den Abend gemütlich ausklingen – voller Vorfreude auf alles, was Südengland in den kommenden Tagen noch für uns bereithalten würde.
31.05.2026 Das römische Erbe von Bath und ein berauschender Gartentraum in Hestercombe
Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg in die elegante Stadt Bath, die mit ihren honiggelben Sandsteinfassaden im georgianischen Stil bereits seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Das Wetter meinte es heute besonders gut mit uns und verwöhnte uns immer mal wieder mit Sonnenschein. Dass zu einer Reise in die Sommersaison auch ein wenig britisches Abenteuer gehört, erfuhren wir auf der Anreise: Wegen einer Kombination aus Straßenbauarbeiten und einem Unfall auf der Hauptroute geriet der Zeitplan ins Wackeln. Über eine Stunde ging verloren, weil der Bus die gesamte Stadt einmal großräumig umrunden musste.
Doch die Geduld lohnte sich, als wir schließlich vor den weltberühmten Römischen Bädern standen. Es ist faszinierend zu bedenken, dass die Geschichte dieser Anlage bis in das 1. Jahrhundert nach Christus zurückreicht, als die römischen Besatzer die einzigen natürlichen heißen Quellen Großbritanniens einfassten. Die besterhaltene antike Badeanlage der Welt bot uns einen tiefen, lebendigen Einblick in das Alltagsleben und die hochentwickelte Badekultur vor fast 2.000 Jahren. Trotz der morgendlichen Verzögerung blieb nach dem beeindruckenden Museumsbesuch glücklicherweise noch ein ganz kleines bisschen Zeit, um auf eigene Faust durch die charmanten Gassen zu bummeln. Zurück im Bus wartete dann eine gelungene Überraschung auf die Gruppe: Riesige, herrlich leckere Cookies wurden verteilt und sorgten für die perfekte Stärkung und beste Stimmung auf der Weiterfahrt.
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der englischen Gartenkunst, als wir die Hestercombe Gardens in der Nähe von Taunton erreichten. Diese weitläufige Anlage ist ein wahres Meisterwerk, da sie drei völlig unterschiedliche Epochen – einen englischen Landschaftsgarten, einen viktorianischen und einen edwardianischen Garten – harmonisch vereint. Schon beim Betreten der Terrassen schlug den Besuchern ein überwältigender, intensiver Duft von Lavendel, Rosmarin und den verschiedensten blühenden Gewächsen entgegen. Zwischen den kunstvoll angelegten Wegen leuchteten die Blüten von Iris und Kalla um die Wette – ein absoluter Traum für jeden Gartenliebhaber, der die Sinne berauschte. Da die Anlage eigentlich pünktlich um 17:00 Uhr schließen sollte, mussten wir die Zeit bis zum späten Nachmittag voll ausnutzen.
Zum Abendessen erreichten wir schließlich unser heutiges Tagesziel in Exeter. Die Unterkunft bot einen spannenden Kontrast zur Historie des Tages: Das hochmoderne Exeter Science Park Hotel gilt als absolutes, nachhaltiges Leuchtturmprojekt der Hotelkette und beeindruckte uns mit seinem zukunftsorientierten Konzept. Bei einem gemeinsamen Abendessen ließen wir diesen erlebnisreichen Tag zwischen Antike, Blütenzauber und Moderne gemütlich Revue passieren.
01.06.2026: Von gotischer Pracht, roten Jacken und mystischen Mooren
Nach einem stärkenden Frühstück verließen wir unser modernes Quartier und machten uns auf den Weg ins Herz von Devon: nach Exeter. Das Wetter zeigte sich heute von seiner typisch britischen, leicht unentschlossenen Seite – es war wolkig mit gelegentlichem Nieselregen. Aber wir hatten das Timing im Griff: Die heftigeren Schauer schickte der Himmel glücklicherweise meistens genau dann, wenn wir gemütlich im Bus saßen.
Unser erster Stopp war das absolute Highlight des Vormittags: die beeindruckende Kathedrale von Exeter. Dieses Meisterwerk der Gotik, dessen Fundamente bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, faszinierte uns vor allem durch das längste ununterbrochene gotische Gewölbe der Welt. Beim anschließenden Stadtrundgang wandelten wir auf den Spuren der Geschichte, erkundeten die alten römischen Stadtmauern und bewunderten das historische Fachwerk von Mol’s Coffee House. Ein besonderes Schmankerl: Wir spürten den Ort auf, an dem Admiral Sir Francis Drake im 16. Jahrhundert angeblich gerne einen spanischen Wein genoss.
Am Nachmittag tauchten wir ein in das Dartmoor. Durch den einsetzenden Regen und dichten Nebel zeigte sich der Nationalpark von seiner absolut mystischen und legendenumwobenen Seite – die perfekte Kulisse für die Kriminalromane von Edgar Wallace oder Sir Arthur Conan Doyles Hund von Baskerville.
Unseren ersten Stopp im Moor machten wir im Örtchen mit den vielen Buchstaben: Moretonhampstead, um das historische Almshouse aus dem 17. Jahrhundert zu bestaunen. Hier kam es auch zum unumstrittenen Amüsement des Tages: Die Gruppe trottete – tief im Gespräch versunken – gut gelaunt einer roten Jacke hinterher. Das Problem? Die Reiseleiterin trug heute Blau! Es brauchte einen beherzten Sprint ihrerseits, um die “abtrünnige” Truppe wieder einzufangen und auf den rechten Weg zu leiten.
Weiter ging es tiefer ins Moor zu einer traditionellen Clapper Bridge – diese historischen Brücken aus riesigen, flachen Steinplatten trotzten auch heute stoisch dem Wetter. Eigentlich stand auch noch ein Stopp im geschichtsträchtigen Tavistock auf dem Plan, doch als der Regen dort endgültig alle Schleusen öffnete, beschlossen wir einstimmig, das gemütliche Trockene des Busses vorzuziehen und direkt weiterzufahren.
Gegen Abend erreichten wir schließlich unser Hotel im Küstenort Newquay in Cornwall. Nach dem gemeinsamen Abendessen zog es einige Unentwegte noch für einen wunderbaren, erfrischenden Verdauungsspaziergang an den Strand, um die erste cornische Seeluft zu schnuppern.
02.06.2026 Auf den Spuren von König Artus und dem Duft von Pasties
Der heutige Tag startete wie bestellt: Die Sonne meinte es gut mit uns und tauchte den Küstenort Bude in ein wunderbares Licht. Bude empfing uns mit weiten Sandstränden, einer entspannten Surfer-Atmosphäre und ausgesprochen netten Menschen. Bei unserem Aufenthalt warfen wir einen Blick in das geschichtsträchtige Castle, um zu sehen, wie der Erfinder Sir Goldsworthy Gurney damals wohnte. Diesen wohlklingenden Namen lies sich die Gruppe von Sabine lachend gleich mehrfach wiederholen. Danach blieb genügend Zeit für einen Spaziergang am Kanal und am Fluss entlang oder auch hinein in den kleinen Ort. Und natürlich gab es ein kulinarisches Pflichtprogramm, das wir endlich abhaken konnten: Das Probieren der ersten echten, traditionell kornischen Pasties – herrlich deftig und die perfekte Stärkung für den Vormittag.
Anschließend führte uns der Weg an der spektakulären Westküste entlang nach Boscastle. Der Ort überraschte uns mit einem weiten Ausblick auf die Bucht und den geschützten Naturhafen. Boscastle ist ja unter anderem für sein kurioses "Museum of Witchcraft and Magic" bekannt, das eine riesige Sammlung rund um Hexerei, Zauberei und alte Rituale beherbergt – von historischen Hexenpuppen bis zu magischen Amuletten. Aus unserer Gruppe zog es heute allerdings niemanden in die Ausstellung; wir zogen die frische Meeresluft bei einem Rundgang dann doch den getrockneten Krötenbeinen vor.
Der unumstrittene Höhepunkt des Tages war schließlich Tintagel Castle. Schon das Überqueren der modernen Fußgängerbrücke hoch über der tiefen Schlucht war ein echtes Erlebnis, das von uns allen vor allem eines forderte: absolute Schwindelfreiheit. Hier, an den rauen Klippen, ist die Sage um König Artus fast greifbar. Wurde der legendäre Herrscher tatsächlich hier im 6. Jahrhundert geboren? Wir gingen dem auf den Grund.
Schon kurz vor dem windigen Plateau teilte sich die Gruppe auf: Die ganz Unerschrockenen marschierten schnurstracks zur imposanten Bronzestatue „Gallos“. Genau dort überraschte uns ein kräftiger Schauer. Während die einen oben auf dem Plateau im Spaß überlegten, ob sie in einer der vielen kleinen Felshöhlen Unterschlupf suchen sollten, ergriffen die anderen die Flucht nach vorn und steuerten direkt den Rückweg in den Ort und eine gemütliche Teestube an. Typisch englisch war der Spuk aber so schnell vorbei, wie er gekommen war. So stiegen einige besonders Ausdauernde danach sogar noch die vielen Stufen ganz hinunter zum wilden Strand, wo sich die berühmte Höhle Merlins im Meer befindet. Es war der Chronist Geoffrey von Monmouth, der im 12. Jahrhundert Tintagel weltberühmt machte. Seiner Chronik nach verliebte sich der britische König Uther Pendragon unsterblich in die schöne Igraine, die Ehefrau des Herzogs von Cornwall. Da die Dame unerreichbar auf der uneinnehmbaren Burg Tintagel saß, half der Zauberer Merlin mit List nach: Er verabreichte dem König einen Zaubertrank, der Uther in die exakte Gestalt des Herzogs verwandelte. So passierte der falsche Schlossherr ungehindert die Wachen – und in jener Liebesnacht auf der Festung wurde der legendäre König Artus gezeugt.
Nach der Rückkehr nach Newquay war die Entdeckerlust einiger Gäste noch nicht gestillt. Ein Teil der Gruppe schloss sich Sabine spontan zu einem Spaziergang hinunter zum Hafen an. Zum Ausklang kehrten wir noch kurz im urigen Pub „The Red Lion“ ein, bevor wir – punktgenau im Zeitplan – wieder zum Abendessen im Hotel eintrudelten.
03.06.2026 Im Filmset von Rosamunde Pilcher und auf den Spuren von Elfen
Unser Tag stand ganz im Zeichen des typischen Cornwall-Flairs, auch wenn sich der Himmel heute großteils bewölkt zeigte. Davon ließen wir uns die Laune nicht verderben, denn das erste Highlight wartete bereits auf uns: das elisabethanische Herrenhaus Prideaux Place. Gleich zu Beginn der Besichtigung gab es eine wunderbare Überraschung, als wir durch die ehemalige Hausherrin persönlich begrüßt wurden. Anschließend geleitete uns ein unheimlich amüsanter Gästeführer durch die Räume, erzählte die Geschichte des Hauses, aber auch Anekdoten der Bewohner. Dabei erkannten wir sofort den Grund, warum dieses liebevoll restaurierte Haus mit seinem einzigartigen Stil so oft als Drehort für die Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen ausgewählt wird. Angesichts dieser echten Filmkulisse kam in der Gruppe schnell gute Stimmung auf und manch einer überlegte scherzhaft, welches wohl die beste Figur einer Cameo-Rolle wäre….
Anschließend steuerten wir die malerische Hafenstadt Padstow an. Hier genossen wir das maritime Flair der Stadt und bummelten ausgiebig durch die Gassen. Ein plötzlicher Schauer sorgte schließlich dafür, dass wir ganz unkompliziert den einen oder anderen hübschen Shop aufsuchten, um das Ende des Regens abzuwarten. Was den kulinarischen Teil angeht, gab es in Padstow ein klares Ziel: Viele von uns nutzten die Gelegenheit und probierten die berühmten Fish and Chips direkt bei Starkoch Rick Stein – ein echter Genuss.
Am Nachmittag hieß es dann umdisponieren. Den geplanten Abstecher zum Goldstrand von Harlyn Bay mussten wir leider streichen. Stattdessen steuerten wir kurzerhand die wunderschönen Pencarrow Gardens an – eine Alternative, die sich als absoluter Glücksgriff herausstellte. Wir wurden dort überaus herzlich empfangen und schlenderten durch die weitläufige Parkanlage. Neben beeindruckenden, jahrhundertealten Bäumen entdeckten wir am Wegesrand im grünen Moos, an Wurzeln und auf Baumstümpfen auch liebevoll versteckte kleine Elfen und Kobolde. Nach diesem märchenhaften Spaziergang machten wir uns auf den Rückweg nach Newquay, wo wir den Tag gemütlich ausklingen ließen.
04.06.2026 Vom Dschungelpfad zur Schmugglertaverne und einer königlichen City
Heute hieß es nach dem Frühstück Koffer packen, denn unser treuer Bus brachte uns weiter in den tiefen Süden Cornwalls. Die Ankunft bei den berühmten Lost Gardens of Heligan war zunächst recht feucht: Es regnete, und für einen Moment dachten wir schon mit Schrecken daran, dieses riesige Gartenparadies komplett unter dem Regenschirm entdecken zu müssen. Doch Cornwall wäre nicht Cornwall, wenn das Wetter nicht eine Überraschung parat hätte – kurz nach dem Beginn unseres Rundganges riss die Wolkendecke auf und die Sonne kam hervor. Wir begannen die Erkundung gemeinsam, und das war auch gut so, denn an den berühmten, lebenden Pflanzenskulpturen von Sue und Pete Hill – wie der im Boden schlafenden Mud Maid (Schlammmädchen) oder dem Giant's Head – wäre der eine oder andere ohne etwas Schützenhilfe vielleicht glatt vorbeigelaufen, so perfekt fügen sie sich in die Natur ein. Gleich im Anschluss zogen die gemütlichen, goldfelligen Tamworth-Schweine unsere Aufmerksamkeit auf sich. Doch dann zog uns der exotische „Dschungel“ mit seinen riesigen Farnen in seinen Bann, und wir bewunderten den prächtigen Blumen- sowie den historischen Gemüsegarten und so vieles mehr. Einige trauten sich auch über die Hängebrücke, über die sich schon Prinz Charles hangelte.
Beim anschließenden, traditionellen Cornish Cream Tea ging es dann sehr unterhaltsam zu, denn die Meinungen gingen ein wenig auseinander. Wer seine Scones im Steward’s House bestellte, musste mit Pappgeschirr vorliebnehmen, während im Hauptrestaurant feines Porzellan und die herrlich reichhaltige, echte Clotted Cream serviert wurden. Am Ende mündete die süße Pause in der großen, klassischen Debatte: Streicht man nun zuerst die Marmelade auf das Gebäck und setzt die Creme obenauf (nach Cornwall-Art) oder macht man es umgekehrt wie die Nachbarn in Devon? Eine Glaubensfrage!
Als wunderbaren Bonus schoben wir danach einen Stopp im alten Schmugglernest Mevagissey ein. Der kleine, authentische Fischerort mit seinen bunten Booten und den engen Gassen entlang des Hafenbeckens war einfach wunderschön anzusehen.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Truro, die offizielle und zugleich südlichste City des Vereinigten Königreichs. Hier besuchten wir die beeindruckende, neugotische Kathedrale von Truro, die mit ihren drei markanten Spitzen weit über die Stadt ragt. Besonders faszinierend im Inneren sind die riesigen, detailreichen Buntglasfenster, die feinen Steinmetzarbeiten und das prächtige Baptisterium. Kaum traten wir wieder vor das Kirchenportal, schlug das Wetter abrupt um: Es kühlte stark ab und ein kräftiger Regen setzte ein. Die gesamte Gruppe war sichtlich froh, als wir kurz darauf trocken unser neues Hotel erreichten. Der Tag fand schließlich bei einem exquisiten Abendessen und anregenden Plaudereien an der Hotelbar einen wunderbar gemütlichen Ausklang.
05.06.2026 Vom schwebenden Kloster auf dem Meer zum westlichsten Außenposten Englands
Der heutige Tag bescherte uns Cornwall-Wetter wie aus dem Bilderbuch: Strahlender Sonnenschein begleitete uns zumindest am Vormittag, was den Ausflug zu einem noch größeren Erlebnis machte. Da wir goldrichtig und sehr zeitig am Morgen aufbrachen, erreichten wir unser erstes großes Ziel fast ganz ohne die sonst üblichen Menschenmassen: das majestätische St. Michael’s Mount. Die Klosterfestung thront auf einem steilen Granitfelsen im Meer und ist das britische Gegenstück zum berühmten Mont-Saint-Michel in der Normandie. Die beiden Schwesterninseln kann man aufgrund der verblüffenden Ähnlichkeit im Namen und der Silhouette wahrlich leicht verwechseln, doch unser heutiges Ziel hatte seinen ganz eigenen, cornischen Charakter.
Da gerade Flut herrschte, setzten wir stilecht mit kleinen Booten zur Insel über. Beim anschließenden Aufstieg zur Burg hielten wir auf dem steilen, kopfsteingepflasterten Pfad alle fleißig Ausschau nach dem legendären „steinernen Herzen“ – dem Herz eines Riesen, den der Sage nach ein mutiger Junge namens Jack hier bezwungen haben soll. Oben angekommen, wurden wir mit einer fantastischen Aussicht auf die Bucht und den Ort Marazion belohnt. Besonders spektakulär war der Blick von den Burgmauern hinab auf die terrassierten Schlossgärten. Beim anschließenden Spaziergang durch eben diesen Garten erlebten wir einen krassen Kontrast zu den gestrigen Lost Gardens. Statt Dschungel und Nutzgärten klammern sich hier Sukkulenten, subtropische Pflanzen und farbenprächtige Blumen direkt an die nackten Steilhänge. Das milde Mikroklima der Bucht macht es möglich, dass diese exotischen Gewächse mitten im salzigen Seewind gedeihen.
Danach steuerten wir den buchstäblichen Höhepunkt unserer Reise an: Land’s End. Den etwas kommerziellen Themenpark ließen wir zügig hinter uns, um uns ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren – die rauen, von den Wellen des Atlantiks umtosten Granitfelsen an der wilden Westspitze Südenglands. Bei einem herrlichen Küstenspaziergang wanderten wir ein Stück an den Klippen entlang und blickten hinab auf die Überreste des Frachters MS Mülheim, der hier 2003 spektakulär auf Grund lief und dessen Wrackteile noch immer von den Naturgewalten geformt werden.
Um das Erreichen des westlichsten Punktes der englischen Hauptinsel gebührend zu feiern, gab es eine kleine Überraschung für die Gruppe: Wir stießen hier gemeinsam mit echtem cornischen Rum an und ließen uns dazu das herrlich süße, traditionelle Fudge auf der Zunge zergehen.
Zurück im Hotel in Truro ließen wir die cornischen Eindrücke für ein paar Stunden hinter uns und begaben uns beim Abendessen auf eine köstliche kulinarische Reise nach Italien – ein gelungener und schmackhafter Kontrast zu einem rundum perfekten Tag.
06.06.2026 Ein Tag voller Hindernisse – Flexibilität ist unsere größte Stärke
Manchmal zeigt sich das berühmte britische Wetter von seiner ganz unbarmherzigen Seite und wirft selbst die schönsten Pläne über den Haufen. Eigentlich stand heute unser großer Traumausflug auf die subtropischen Isles of Scilly inklusive des Fluges mit dem Skybus und dem Besuch der berühmten Tresco Abbey Gardens auf dem Programm. Doch ein heftiges Unwetter vor der Küste machte uns einen dicken Strich durch die Rechnung: Aus Sicherheitsgründen wurde die Fährüberfahrt für den Rückweg komplett gestrichen. Die Enttäuschung war natürlich im ersten Moment groß, doch als echtes, krisenerprobtes Reiseteam fackelten wir nicht lange und aktivierten sofort Plan B. Wie wäre es Mitte einem Besuch im Trelissick Garden? – Schade, doch dort war für den heutigen Tag bereits alles restlos ausgebucht. Also disponierten wir erneut um: Trebah Garden sollte nun unser neues Ziel werden. Dort erhielten wir eine Zusage und machten uns am Morgen im strömenden Regen auf den Weg, fest an die cornische Wetterweisheit glaubend, dass nach jedem Guss auch wieder Sonne folgt.
Doch Cornwall stellte unsere Geduld heute wirklich auf eine harte Probe. Bei der Ankunft in Trebah Garden teilte uns die Mitarbeiterin schweren Herzens mit, dass der Park wegen einer offiziellen Unwetter-Warnung (Alarmstufe Gelb) wegen Sturmwarnung bis zum Mittag komplett geschlossen bleiben müsse. Was also tun mit dem angebrochenen Vormittag? Wir steuerten kurzerhand das nahegelegene Hafenstädtchen Falmouth an. Während ein Teil der Gruppe gemütlich durch die Gassen bummelte, suchten andere Zuflucht vor dem nasskalten Wetter im hochmodernen National Maritime Museum. Doch das Pech blieb uns kurzzeitig treu: Drinnen war das gesamte Computersystem ausgefallen, sodass am Einlass ausschließlich Bargeld akzeptiert wurde. Aber auch diese Hürde wurde mit vereinten Kräften und gegenseitiger Unterstützung beim Geldwechseln im Handumdrehen gelöst.
Gegen Mittag wendete sich das Blatt schließlich zum Guten: Der erlösende Anruf von Trebah Garden traf ein – der Wind hatte nachgelassen, der Park durfte öffnen! Die Freude war riesig, und als wir den Garten betraten, belohnte uns der Himmel sogar mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen.
Trebah entpuppte sich als ein absolutes Naturwunder, das sich in einer steilen Schlucht bis hinunter zum Meer erstreckt. Neben der üppigen, subtropischen Pflanzenpracht begaben wir uns hier auch auf historisches Terrain: Ausgerechnet am heutigen 6. Juni dachten wir daran, dass genau von diesem friedlichen Strand aus im Jahr 1944 tausende alliierte Soldaten im Zuge des D-Day zur Befreiung Europas aufbrachen. Es war für uns kaum vorstellbar, dass dieser idyllische Strand für die schweren Panzer und Fahrzeuge damals komplett zubetoniert worden war.
Heute regiert hier glücklicherweise wieder die reine Natur. Eines der absoluten Highlights unseres Spaziergangs war der spektakuläre Gunnera-Tunnel – ein Pfad, der unter den riesigen, schirmartigen Blättern des Mammutblattes hindurchführt und uns für einen Moment wie Zwerge in einem prähistorischen Urwald fühlen ließ. Am Ende waren sich alle einig: Dieser Tag war zwar eine echte organisatorische Achterbahnfahrt voller Hindernisse, aber dank der fantastischen Laune und Flexibilität der gesamten Gruppe wurde er zu einem unvergesslichen Erlebnis.
07.06.2026 Eine Weltreise in vier Stunden und ein Hauch von Schmuggelromantik
Nach einer ereignisreichen Woche hieß es heute Abschied nehmen von der malerischen Westspitze, denn unsere Route führte uns allmählich wieder in Richtung Norden. Zuvor steuerten wir jedoch ein absolutes architektonisches und ökologisches Wunderwerk an: das berühmte Eden Project bei St. Austell.
Der Besuch entpuppte sich als ein echtes Erlebnis, bei dem wir in nur vier Stunden einmal um die ganze Welt reisten. Jeder erkundete die riesige Anlage, die in einer ehemaligen Kaolingrube (ehemaliger Tagebau für Porzellanerde) errichtet wurde, ganz im eigenen Tempo. Unter den gigantischen, futuristischen Membrankuppeln – den sogenannten Biomen – verbirgt sich eine eigene Welt. Im Regenwald-Biom kamen wir bei tropischer Luftfeuchtigkeit zwischen echten Kakaobäumen und Kautschukpflanzen ins Schwitzen, während das Mediterrane Biom uns mit dem Duft von Olivenbäumen und südafrikanischen Proteen empfing.
Hier vor Ort schloss sich für uns ein Kreis zu all dem, was wir in den vergangenen Tagen über Cornwall gelernt hatten: die tief verwurzelte Bergbaugeschichte der Region, die mutigen Pflanzenjäger, die einst exotische Gewächse in die cornischen Gärten brachten, aber auch die harten Zeiten der Auswanderungswellen. Das Eden Project ist nämlich weit mehr als nur ein botanischer Garten; es basiert auf der genialen Vision des Gründers Sir Tim Smit. Er wollte nach dem Niedergang des Bergbaus nicht nur ein Zeichen für den Umweltschutz setzen, sondern der Region neue Arbeitsplätze schenken und dafür sorgen, dass junge Menschen in Cornwall eine Zukunft haben. Nur eine Attraktion mussten wir schweren Herzens auslassen: Für einen Flug mit Englands längster und schnellster Zipline hoch über den Kuppeln reichte die Zeit dann doch nicht mehr.
Am Nachmittag setzten wir unsere Fahrt fort und durchquerten das wilde, karge Bodmin Moor. Mitten in dieser rauen Landschaft legten wir einen Zwischenstopp am legendären Jamaica Inn ein. Das historische Gasthaus aus dem Jahr 1750 verdankt seine Berühmtheit nicht nur echten, düsteren Schmugglergeschichten der Vergangenheit, sondern auch der Autorin Daphne du Maurier, die den Ort im 20. Jahrhundert unsterblich machte. Bei einer kleinen Einstimmung durch historische Anekdoten und Geschichten über die geheimen Machenschaften an der cornischen Küste schmeckte der Kaffee oder Bier im Gasthof gleich noch einmal so gut.
Gegen Abend erreichten wir schließlich unser Tagesziel: die lebendige Metropole Bristol. Wir bezogen das traditionsreiche Grand Hotel Bristol, das mit seiner eleganten Architektur perfekt mitten im Stadtzentrum liegt. Nach dem Check-in ließen wir den Tag entspannt ausklingen.
08.06.2026 Abschied von der Insel: Von Streetart zu den sanften Klängen der Erinnerung
Der letzte Tag unserer gemeinsamen Reise brach an, und bevor wir den Weg in Richtung London antraten, nutzten wir den Vormittag für einen kleinen Stadtrundgang durch die lebendige Metropole Bristol. Die Stadt zeigte sich von ihrer vielseitigen Seite und bot einen wunderbaren Kontrast zu den beschaulichen Fischerdörfern der letzten Tage. Unser Weg führte uns zuerst zur beeindruckenden Kathedrale von Bristol mit ihrer feinen gotischen/neugotischen Architektur. Direkt danach tauchten wir in die Moderne ein: Da Bristol als die Heimatstadt des weltberühmten, „anonymen“ Streetart-Künstlers Banksy gilt, ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, eines seiner gesellschaftskritischen Graffitis aus nächster Nähe zu bestaunen.
Ein wenig innehalten ließen uns die historischen Ruinen der St Peter’s Church im grünen Castle Park. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg bei schweren Luftangriffen zerstört und steht heute als Mahnmal und Ort des Gedenkens mitten im Park – ein berührendes Stück Zeitgeschichte. Zum Abschluss des Rundgangs wurde es noch einmal bunt und geschäftig: Wir besuchten den historischen St. Nicholas Market. Zwischen den vielen kleinen Ständen, Handwerksbetrieben und Düften internationaler Garküchen schnupperten wir nicht nur Marktluft, sondern auch echte Musikgeschichte. Genau hier, in der alten The Exchange, traten in den 1960er Jahren bereits die legendären Rolling Stones auf.
Am Mittag hieß es dann endgültig Abschied nehmen vom Westen Englands. Unser Busfahrer Keaton brachte uns zuverlässig zum Flughafen nach London. Die Fahrtzeit verging wie im Flug, denn wir nutzten die Stunden, um die unzähligen Erlebnisse dieser intensiven Woche noch einmal Revue passieren zu lassen: Von den römischen Mauern in Exeter über die Nebelschwaden im Dartmoor, die Suche nach König Artus in Tintagel und das rote Jacken-Abenteuer in Moretonhampstead bis hin zum prachtvollen Eden Project.
Am Flughafen angekommen, folgte eine sehr herzliche Verabschiedung. Mit vielen wunderbaren Erinnerungen, neuen Freundschaften und vielleicht der einen oder anderen Packung Fudge im Gepäck traten alle die Heimreise nach Deutschland an. Es war eine wahre Freude, Euch durch dieses magische Stück England begleiten zu dürfen!
Hinter uns liegt eine Woche voller unvergesslicher Momente, in der sich Cornwall von seiner packendsten und vielseitigsten Seite gezeigt hat. Wir haben stoisch dem typisch britischen Wetter getrotzt, organisatorische Hindernisse mit Bravour und Humor gemeistert und sind als echtes Reiseteam zusammengewachsen. Von den geschichtsträchtigen Gassen Exeters über die rauen Mythen in Tintagel bis hin zu den grünen Wundern der Lost Gardens und des Eden Projects haben wir die Seele des englischen Südwesens tief in uns aufgesaugt. Was bleibt, sind die wunderbaren Erinnerungen an dramatische Klippen, herzliche Begegnungen, den Duft frischer Pasties und das gemeinsame Lachen im Bus. Vielen Dank für diese fantastische Zeit – mind the gap und auf ein baldiges Wiedersehen!
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