Kanadas Westen und Kreuzfahrt Alaska
Reisebericht: 14.08. – 30.08.2026
Von den Rocky Mountains bis zu den Gletschern Alaskas führte uns diese Reise durch beeindruckende Landschaften, lebendige Städte und zu unvergesslichen Tierbeobachtungen.
Ein Reisebericht von
Leon Prinz
Auf nach Kanada!
Unsere gemeinsame Reise startete zunächst am Frankfurter Flughafen. Wir alle freuten uns, dass unser Abenteuer West-Kanada und Alaska endlich beginnt. Nunja, für den ein oder anderen war schon die Anreise zum Flughafen ein kleines Abenteuer, aber wir haben es alle pünktlich zum Gate geschafft, begrüßten uns herzlich und so hieß es auch schon wenig später, Abschied von Deutschland zu nehmen. Mit etwas Verspätung machten wir uns auf den Weg über den Atlantik und erreichten nach ca. neun Stunden Flugzeit Calgary in der kanadischen Provinz Alberta. Nachdem alle Koffer ihren Weg zu uns gefunden hatten und auch die Einreiseformalitäten erledigt waren, begrüßte uns unsere örtliche Reiseleiterin Dagmar, welche uns die nächsten Tage begleiten sollte. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg in die Stadt für eine kleine, orientierende Rundfahrt.
Calgary ist eng mit zwei Dingen verbunden, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Wintersport und Cowboy-Kultur. 1988 war die Stadt Gastgeber der Olympischen Winterspiele. Jeden Sommer rückt dagegen bei der Calgary Stampede für zehn Tage die Cowboy-Tradition in den Mittelpunkt. Unsere erste kleine Rundfahrt führte uns zunächst über den Bow River und hinein nach Downtown. Zwischen den modernen Hochhäusern fiel unser Blick immer wieder auf den Calgary Tower, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Etwas im Hintergrund konnten wir auch einen Blick auf den Saddle Dome erhaschen, der Austragungsort des weltweit größten Cowboy-Rodeos - das Highlight der Stampede Veranstaltung. Viel Zeit blieb uns zum Aussteigen an diesem ersten Tag zwar noch nicht, doch die Fahrt vermittelte uns einen Eindruck von einer Stadt, die doch eine ganz andere Architektur besitzt, als wir es in Europa kennen.
Bevor wir uns aber endgültig auf den Weg in die Rockies machten, stoppten wir noch am Canada Olympic Park. Die Anlage gehörte zu den zentralen Wettkampfstätten der Olympischen Winterspiele von 1988 und wird noch heute als Trainings- und Ausbildungszentrum für verschiedene Wintersportarten genutzt. Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen, einmal einen Blick in die Anlage zu werfen und hatten auch schon gleich unser erstes kleines kanadisches Erlebnis. In einer der Hallen lieferten sich Jugendliche auf dem Eis ein Eishockeyspiel. Kaum ein Sport wird wohl so sehr mit Kanada in Verbindung gebracht wie Eishockey. Dagmar überraschte uns allerdings mit einem kleinen Detail. Eishockey gilt offiziell als kanadischer Nationalsport im Winter, während Lacrosse der nationale Sommersport des Landes ist. Vor dem Zentrum erinnerte der originale Bobschlitten aus 1988 der jamaikanischen Bobmannschaft an die ungewöhnliche Sportgeschichte, welche später zur Vorlage für den Film Cool Runnings wurde. Nach dem kurzen Ausflug in die Geschichte führte uns die Reise weiter über den en Trans-Canada Highway hinein in die kanadischen Rocky Mountains. Am Abend erreichten wir schließlich Banff, wo wir die kommenden zwei Nächte verbringen würden. Im Hotel trafen wir auch die letzten beiden Gäste unserer Reisegruppe. Somit waren wir vollständig und unser gemeinsames Kanada-Abenteuer konnte nun richtig beginnen. Damit wir den Jetlag so gut es geht entgegenwirken und uns schnell an die neue Zeitzone gewöhnen konnten, haben einige von uns noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort unternommen.
Erkundung des Banff– und Yoho–Nationalparks
Der neue Tag begrüßte uns mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Bessere Voraussetzungen hätten wir uns für unseren ersten Programmpunkt, die Auffahrt auf den Sulphur Mounatin mit der Banff Gondola, kaum wünschen können. Bevor es hoch hinausging, stärkten wir uns aber erst einmal bei einem typisch kanadischen Frühstück mit Bacon, Eiern, Kartoffeln und allerlei weiteren Leckereien. Schon während der Auffahrt öffneten sich zwischen den Bäumen immer wieder fantastische Blicke auf Banff und die umliegenden Berge. Oben angekommen, wurde das Panorama noch einmal eindrucksvoller. Vor uns lag das breite Bow Valley, umrahmt von den Gipfeln der kanadischen Rocky Mountains. Auch die Tierwelt ließ nicht lange auf sich warten. Zwischen den Felsen entdeckten wir unsere ersten kleinen Streifenhörnchen und sogar einige Bergziegen. Sicher noch nicht die großen Tierbeobachtungen, auf die wir während unserer Kanada-Reise hofften, aber für den Anfang waren wir damit durchaus zufrieden.
Wieder im Tal angekommen, führte unser Weg zu den Bow Falls. Schon die Fahrt dorthin war sehenswert, denn wir passierten das imposante Fairmont Banff Springs Hotel. Mit seinen Türmen, dunklen Dächern und seiner Lage am Fuß der Berge erinnert es weniger an ein gewöhnliches Hotel als vielmehr an ein Märchenschloss mitten in den Rockies.
Einen noch besseren Blick darauf bekamen wir wenig später am Surprise Corner Lookout. Von hier aus zeigte sich das Banff Springs Hotel auf der gegenüberliegenden Seite des Bow River vor der Kulisse des Sulphur Mountain. Die Straße schlängelte sich weiter weiter um den Tunnel Mountain. Wir hielten noch einmal, um den Blick in das Bow Valley zu genießen und sahen dabei auch die Hoodoos. Diese bizarr geformten Gesteinssäulen sind das Ergebnis von Verwitterung und Erosion.
Die Mittagszeit verbrachten wir wieder in Banff. Schnell stellten wir allerdings fest, dass wir an diesem sonnigen Augusttag nicht die Einzigen mit dieser Idee waren. Die Banff Avenue war gut gefüllt, vor den Geschäften und Restaurants herrschte reges Treiben. Aber irgendwie gehört genau das auch zum Charme des Ortes. Wanderer, Reisende aus aller Welt und Einheimische treffen hier vor der Kulisse der Rocky Mountains aufeinander.
Am Nachmittag verließen wir Alberta vorübergehend und fuhren in den benachbarten Yoho Nationalpark in der Provinz British Columbia.
Unterwegs etablierten wir ein kleines Ritual, das uns von nun an durch die Reise begleiten sollte. Jeden Tag stand die Verkostung typisch kanadischer Snacks auf dem Programm.
Unser erstes Ziel in British Columbia war der Emerald Lake. Schon beim ersten Blick auf das smaragdgrüne Wasser wurde klar, weshalb der See diesen Namen trägt (Emerald = Smaragd). Nur wenige Fahrminuten entfernt wartete mit der Natural Bridge schon das nächste Naturphänomen. Hier hat sich der Kicking Horse River seinen Weg durch das Gestein gebahnt und heute rauscht das Wasser unter einer dadurch natürlich entstandenen Felsbrücke hindurch.
Am späten Nachmittag waren wir schließlich zurück in Banff. Das großartige Wetter hielt weiterhin an, und so nutzten einige die freie Zeit noch für einen Spaziergang durch den Ort. Andere wollten sich das imposante Banff Springs Hotel, das wir am Vormittag bereits von außen bewundert hatten, noch einmal aus der Nähe ansehen.
Unser Abendessen nahmen wir im italienischen Restaurant Lupo ein. Passend zu unserer inzwischen schon kleinen Reisefamilie wurde auch das Essen im Family Style serviert: Zahlreiche Gerichte kamen in die Mitte des Tisches und jeder konnte nach Lust und Laune probieren und nachnehmen. Und davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. Pasta, Pizza und allerlei weitere Köstlichkeiten wanderten über den Tisch und sobald man dachte, nun könne eigentlich nichts mehr kommen, tauchte schon die nächste Platte auf. Wer an diesem Abend noch hungrig ins Bett ging, hatte sich vermutlich beim Tisch geirrt.
Über den Icefields Parkway nach Jasper
Der heutige Tag vereinte einige der Landschaften, für die Westkanada wohl weltweit bekannt ist. Am Morgen erreichten wir zunächst den Lake Louise. Vor uns lag der türkisfarbene See, eingerahmt von dichten Wäldern und den steil aufragenden Bergen. Am Ende des Sees fiel der Blick direkt auf den Victoria Gletscher. Die auffällige Farbe des Wassers ist typisch für viele Gletscherseen der Rocky Mountains. Gletscher zermahlen bei ihrer Bewegung das darunterliegende Gestein zu feinsten Partikeln, dem sogenannten Rock Flour. Über das Schmelzwasser gelangen diese in die Seen und sorgen durch die besondere Streuung des Lichts für die intensiven Blau- und Türkistöne.
Anschließend folgte mit dem Moraine Lake bereits das nächste Postkartenmotiv. Nicht umsonst zierte das berühmte Panorama von 1969 bis 1979 die Rückseite der kanadischen 20-Dollar-Note. Über einige Steinstufen des Rockpile trail ging für uns hinauf zum Aussichtspunkt und was soll man sagen: es war ein richtiger WOW-Moment als wir zum ersten Mal den Blick über den See und das Valley of the Ten Peaks schweifen ließen.
Unsere Route führte weiter über den Icefields Parkway, eine der landschaftlich spektakulärsten Straßen Kanadas. Wir passierten den Bow Lake und erreichten schließlich den Peyto Lake. Auch hier führte uns ein kurzer Spaziergang zu der nächsten Aussichtsplattform mit spektakulären Blicken über das Tal. Am Sasketchewan River Crossing, auf circa der Hälfte des Weges nach Jasper, legten wir eine Pause ein.
Der Höhepunkt des Nachmittags wartete am Columbia Icefield. Das mehr als 300 Quadratkilometer große Eisfeld ist das größte der kanadischen Rocky Mountains und speist mehrere Gletscher. Einer davon ist der Athabasca-Gletscher, der als einer der am leichtesten zugänglichen Gletscher Nordamerikas gilt. Für uns ging es zunächst mit dem Bus hinauf und anschließend weiter mit den mächtigen Spezialfahrzeugen, den Snow Coaches, die eigens für Fahrten auf dem Eis eingesetzt werden. Wenig später standen wir tatsächlich mitten auf dem Athabasca-Gletscher. So beeindruckend dieser Moment war, so nachdenklich stimmt auch die Geschichte des Gletschers. Seit rund 125 Jahren zieht sich der Athabasca-Gletscher kontinuierlich zurück. Entlang der Zufahrtsstraße markieren Schilder frühere Positionen seiner Gletscherzunge und machen sichtbar, wie stark sich die Landschaft innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit verändert hat.
Nach unserem kleinen Ausflug aufs Eis setzten wir unsere Fahrt auf dem Icefields Parkway Richtung Jasper fort. Kurz vor unserem Tagesziel legten wir noch einen Stopp an den Athabasca Falls ein. Je weiter wir in den Jasper National Park hineinfuhren, desto deutlicher wurden allerdings auch die Spuren eines Ereignisses sichtbar, das die Region erst zwei Jahre zuvor schwer getroffen hatte. Der große Waldbrand von 2024 erfasste rund 33.000 Hektar im Athabasca Valley und hinterließ sowohl in der Natur als auch im Ort Jasper deutliche Schäden. Verkohlte Baumstämme und offene Flächen erinnerten entlang unserer Strecke noch immer daran, wie gewaltig das Feuer gewesen sein musste.
Umso überraschender wirkte schließlich unsere Unterkunft. Direkt am Athabasca River lagen die Becker's Chalets zwischen Bäumen und Bergen fast wie eine kleine Oase mitten im Nationalpark.
Ein Tag im Jasper–Nationalpark
Auch heute begrüßte uns der Morgen wieder mit strahlendem Sonnenschein. Unser erstes Ziel war der Pyramid Lake, nur wenige Kilometer außerhalb von Jasper. Im Gegensatz zu den bekannten Höhepunkten der vergangenen Tage waren wir hier am Morgen fast allein unterwegs und dies genossen wir sehr.
Wir unternahmen eine leichte Wanderung entlang des Ufers bis zur kleinen Pyramid Island, die über einen Steg mit dem Festland verbunden ist. An diesem Morgen lag das Wasser beinahe vollkommen still vor uns und verwandelte den See in einen riesigen Spiegel., auf welchem sich die umliegenden Wälder und die imposante Bergkulisse abzeichnete.
Von hier aus setzten wir unsere Fahrt durch das Maligne Valley fort. Bevor wir den Maligne Lake erreichten, legten wir noch einen kurzen Halt am Medicine Lake ein. Und dieser See ist geologisch alles andere als gewöhnlich. Zwar sieht er im Sommer wie ein ganz normaler Bergsee aus, doch im Winter ist fast kein Wasser mehr zu sehen. Das Wasser verschwindet nämlich durch sogenannte Sinkholes im Seegrund und fließt anschließend durch ein unterirdisches Höhlensystem im Kalkstein weiter. Rund 16 Kilometer flussabwärts tritt ein Teil des Wassers in der Gegend des Maligne Canyon wieder an die Oberfläche. Im Herbst und Winter fließt mehr Wasser unterirdisch ab, als durch den Maligne River nachkommt. Parks Canada zählt dieses System zu den größten bekannten versinkenden Flusssystemen der westlichen Hemisphäre.
Wenig später erreichten wir den Maligne Lake. Nach den sichtbaren Spuren des großen Waldbrandes, die uns am gestrigen Tag und zu Teil auch heute noch begleitet hatten, zeigte sich die Landschaft hier wieder in sattem Grün.
Wir nutzen die Zeit bis zu dem Beginn unserer Bootsfahrt individuell. Einige nutzten sie für einen Spaziergang auf den umliegenden Wanderwegen, andere stärkten sich bei einem kleinen Snack oder stöberten durch die Souvenirläden. Man konnte sich aber genauso gut einfach einen Platz am Wasser suchen und für eine Weile nichts weiter tun, als die Umgebung zu genießen.
Anschließend startete unsere Bootsfahrt über den Maligne Lake und brachte uns immer weiter hinein in die Bergwelt des Nationalparks. Der See erstreckt sich über rund 22 Kilometer und ist damit der größte natürliche See der kanadischen Rocky Mountains.
Unser Weg führte uns schließlich in eine Landschaft, die treffend als „Hall of the Gods“ – Halle der Götter – bezeichnet wird. Die mächtigen Berggipfel erheben sich hier auf beiden Seiten des Sees wie die Wände eines natürlichen Amphitheaters. Eine Erzählung, die wir vor Ort hörten, beschreibt es besonders schön: Würden sich die Gottheiten der verschiedenen Religionen an einem Ort versammeln, könnte es hier sein, denn jeder der umliegenden Gipfel wirkt beinahe wie ein eigener steinerner Thron.
Mitten in dieser Kulisse erreichten wir schließlich eines der bekanntesten Fotomotive der kanadischen Rocky Mountains: die Spirit Island.
Die kleine bewaldete Landzunge besitzt weit mehr als nur landschaftliche Bedeutung. Spirit Island gilt als kulturell und spirituell bedeutender Ort für indigene Gemeinschaften mit traditionellen Verbindungen zum Jasper National Park. Aus Respekt vor dieser Bedeutung darf Spirit Island selbst nicht betreten werden. Für uns führte stattdessen ein kurzer Rundweg zu verschiedenen Aussichtspunkten.
Schließlich brachte uns das Boot wieder zurück über den See. Da wir an diesem Nachmittag ausnahmsweise etwas früher in unserer Unterkunft waren, bot es sich an, einmal die Ruhe unserer Becker’s Chalets zu genießen. Wer Glück hatte und schnell genug war, hatte sogar auf dem Rückweg zur Unterkunft im hohen Gras zwei Bären gesehen.
Doch ein kleines Highlight hatte sich der Tag noch für den Abend aufgehoben. Während unseres gemeinsamen Abendessens spazierte plötzlich ein stattlicher Hirsch direkt vor den großen Fenstern des Restaurants vorbei.
Weiterreise nach British Columbia – Mount Robson – Kamloops
Am Morgen verabschiedeten wir uns von Jasper. Bevor wir die Rocky Mountains langsam hinter uns ließen, legten wir noch einen kurzen Halt am Bahnhof ein. Hier hält nicht nur der Luxuszug Rocky Mountaineer oder der Canadian, welcher Kanada einmal von Ost nach West durchquert, sondern auch die kilometerlangen Güterzüge, die durch das ganze Land fahren. Auch wir hatten die Möglichkeit einen solchen Zug bei seiner Fahrt zu beobachten. Wer das Ereignis jedoch filmen wolle, musste etwas Geduld und viel Speicherplatz mitbringen, denn so ein Zug braucht schon mal ein paar Minuten bis er an einem vorbeigefahren ist.
Anschließend überquerten wir die Grenze nach British Columbia und stellten unsere Uhren eine Stunde zurück. Am Mount Robson Visitor Centre hofften wir natürlich auf einen guten Blick auf den mit fast 4000 m höchsten Berg der kanadischen Rockies, dem gleichnamigen Mount Robson, dessen Spitze sich uns heute jedoch nur im Wolkenmantel zeigte.
Etwas Bewegung auf dem heute, etwas längeren Fahrttag, gab es anschließend an den Rearguard Falls, wo uns ein kurzer Weg hinunter zu den Stromschnellen führte.
Zur Mittagszeit machten wir es uns bei einem gemeinsamen Picknick gemütlich. Bei Sonnenschein, einigen kanadischen Spezialitäten und einem kleinen Schluck Ahornsirup-Whiskey ließen wir uns es gut gehen.
Gut gestärkt erreichten wir am Nachmittag dann noch den Wells Gray Provincial Park, welcher auch Wasserfall-Park genannt wird. Wir besuchten dort die Spahat Falls, welche aus 73 Meter Höhe imposant in eine Basalt-Schlucht stürzen.
Für Unterhaltung während der längeren Fahrt nach Kamloops sorgte schließlich unser Kanada-Quiz. Kurz vor Kamloops merkten wir dann aber langsam auch die Auswirkungen der Waldbrände die zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Kelowna wüteten. Zwar waren die Feuer mehrere hunderte Kilometer weit entfernt, dennoch war auch hier die Luft schon nebliger und schwerer, aber wir ließen uns unsere gute Stimmung nicht verderben und genossen unseren Abend bei einem BBQ-Abendessen auf unserer Hotel-Ranch am South Thompson River.
Reise von Kamloops nach Whistler
Auch am Morgen war der Rauch in der Luft noch spürbar. Bereits vor der Reise entschied sich Eberhardt TRAVEL aufgrund der aktuellen Situation dazu, dass wir die Hat Creek Ranch nicht anfahren werden und so schnell es geht den betroffenen Bereich in zentral Britisch-Kolumbien hinter uns zu lassen. Also luden wir nach dem Frühstück unser Gepäck in den Bus und setzten die Reise fort. Nach den vergangenen Tagen voller grüner Wälder und imposanter Bergketten, war die Natur heute wieder eine ganz andere. Wir wurden die nächsten Stunden von leichten Hügeln und trockener Steppenlandschaft begleitet. Dennoch ist die Region, keineswegs unfruchtbar. Immer wieder sehen wir bewässerte grüne Felder, Obstplantagen und vor allem Weinanbaugebiete, welche aufgrund des milden Klimas in der Region besonders gut gedeihen.
Wir legten zunächst einen kurzen Fotostopp mit Blick auf den Kamloops Lake ein. Anschließend führte uns die Strecke weiter Richtung Cache Creek, wo wir auf der kleinen Horstings Farm eine Pause einlegten. Immer wieder begleitete uns im weiteren Verlauf der Fraser River, einer der großen Flüsse British Columbias, während wir uns langsam, entlang tiefer Schluchten, weiter Richtung Westen bewegten.
Zur Mittagszeit erreichten wir Lillooet, wo wir uns kurz für den Rest des Tages stärkten. Nach Lillooet begann dann einer der landschaftlich reizvollsten Abschnitte des Tages: die Duffey Lake Road. Sie ist Teil des Highway 99 und verbindet Lillooet über die Coast Mountains mit Pemberton und schließlich Whistler. Der Abschnitt führt mitten durch die Pacific Ranges und markiert damit auch landschaftlich den Übergang vom trockeneren Landesinneren British Columbias zurück in eine zunehmend alpine und waldreiche Bergwelt.
Und genau diese Veränderung konnten wir während der Fahrt gut beobachten. Die Straße wurde kurviger, die Hänge steiler und die Vegetation zunehmend dichter. Aus den trockenen Bergen rund um Lillooet wurden wieder bewaldete Täler, hohe Gipfel und klare Bergseen. Die Straße schlängelte sich dabei teilweise eng durch die Coast Mountains. Am Duffey Lake legten wir schließlich einen kurzen Halt ein.
Am Nachmittag erreichten wir schließlich Whistler, Austragungsort der olympischen Winterspiele 2010 und besuchten zunächst das Squamish Lil’wat Cultural Centre, ein Zentrum, welches die hiesigen Ureinwohnervölker vorstellt.
Schon unsere Begrüßung machte deutlich, dass dies kein gewöhnliches Museum war. Mit traditionellen Gesängen und Trommeln wurden wir von willkommen geheißen. Solche Willkommensgesänge stammen aus den Traditionen der Squamish und Lil’wat Nations und werden bis heute gesungen.
Während unseres Besuchs erfuhren wir mehr über die Geschichte, Lebensweisen und Traditionen der beiden First Nations, auf deren traditionellen Gebieten sich Whistler befindet. Besonders interessant war dabei, wie stark ihre Kulturen von der jeweiligen Landschaft geprägt wurden. Während das traditionelle Gebiet der Squamish Nation stark mit der Pazifikküste und dem gemäßigten Regenwald verbunden ist, ist die Lil’wat Nation stärker in der Bergwelt des Landesinneren verwurzelt. Das Zentrum selbst entstand als gemeinsames Projekt beider Völker und wurde 2008 eröffnet, um ihre jeweils eigenständigen Kulturen zu bewahren und mit Besuchern zu teilen.
Nach diesem spannenden Einblick wurde es Zeit, dass wir Whistler selbst kennenlernten. Bei einem Spaziergang durch das weitgehend autofreie Whistler Village hätten wir uns stellenweise beinahe in einem europäischen Bergort wähnen können.
Auf dem Sea–to–Sky Highway nach Vancouver
Unseren letzten Morgen in Whistler begannen wir mit einem Frühstück mitten im Ort. Zu dieser frühen Stunde zeigte sich das sonst so lebendige Village noch einmal von einer ganz anderen Seite. Die Straßen waren ruhig, nur wenige Menschen waren unterwegs und über den umliegenden Bergen strahlte – wieder einmal – die Sonne. Besser hätte unser Abschied von Whistler kaum aussehen können.
Dann hieß es, die Coast Mountains langsam hinter uns zu lassen. Unser erster Halt führte uns zum Tantalus Lookout, von dem sich der Blick weit über die umliegende Bergwelt öffnete. Gleichzeitig war dies der Auftakt zu einer weiteren landschaftlich wundervollen Straße unserer Reise: dem berühmten Sea-to-Sky Highway.
Der Highway 99 verbindet die Region um Whistler mit Vancouver und führt dabei durch eine beeindruckende Mischung aus Bergen, Wäldern und Küstenlandschaft. Besonders südlich von Squamish verläuft die Straße unmittelbar am Howe Sound entlang. Auf der einen Seite steigen die Coast Mountains steil empor, auf der anderen öffnet sich immer wieder der Blick auf das Wasser und die vorgelagerten Inseln.
Wir schlängelten uns weiter Richtung Süden und hielten bei den Shannon Falls. Schon ein kurzer Spaziergang durch den Wald brachte uns zum Aussichtspunkt auf den Wasserfall. Das Wasser kommt aus den Bergen rund um Mount Habrich und Mount Sky Pilot und fällt insgesamt rund 335 Meter in die Tiefe.
Nach so vielen Tagen zwischen Bergen, Seen und kleinen Orten kündigte sich nun langsam wieder die Großstadt an. Die ersten Vororte tauchten auf und wenig später lag vor uns Vancouver. Über die Lions Gate Bridge fuhren wir direkt hinein in den Stanley Park, die grüne Lunge Vancouvers. Mit seinen rund 400 Hektar bildet der Park einen erstaunlich großen grünen Gegenpol zur unmittelbar angrenzenden Innenstadt. Von hier eröffneten sich uns erste schöne Blicke auf die Skyline, bevor wir ein Stück entlang der berühmten Seawall spazierten. Allein der Abschnitt rund um den Stanley Park ist etwa neun Kilometer lang und Teil eines noch wesentlich längeren Weges entlang der Küste Vancouvers.
Unsere Stadtrundfahrt führte uns anschließend weiter durch das West End, vorbei am Strand der English Bay und schließlich über die Burrard Bridge nach Granville Island. Was heute als Markt-, Kultur- und Künstlerviertel bekannt ist, sah vor einigen Jahrzehnten noch völlig anders aus. Granville Island entstand ursprünglich als Industriegebiet mit Fabriken, Lagerhallen und Werkstätten. Erst in den 1970er-Jahren begann die Umwandlung des ehemaligen Industrieareals in den öffentlichen Kultur- und Marktplatz, den man heute kennt. Viele der alten Industriegebäude wurden dabei erhalten und neu genutzt. Im großen Public Market fiel die Entscheidung, mit was wir uns zu Mittag verköstigen sollen, allerdings nicht gerade leicht. Mehr als 50 unabhängige Lebensmittelhändler bieten hier ihre Waren an. Von frischem Obst und Gemüse über Fisch, Käse und herzhafte Gerichte bis hin zu Kuchen, Gebäck und anderen süßen Versuchungen war eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei.
Mit etwas zu essen in der Hand suchten sich viele von uns draußen einen Platz am Wasser. Bei strahlendem Sonnenschein, Blick auf die Stadt und der Musik der Straßenkünstler hätte unsere Mittagspause kaum entspannter sein können. Anschließend tauchten wir noch einmal tiefer in Vancouver ein. Unsere Fahrt führte uns nach Chinatown, vorbei an Gastown und bis zum Harbour Centre und Canada Place , welches wir zu Fuß erkundeten.
Letzteren sollten wir schon zwei Tage später noch aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen. Unter den markanten weißen „Segeln“ befindet sich auch das Kreuzfahrtterminal, von dem aus unsere Reise nach Alaska beginnen würde. Noch aber standen wir an Land und konnten im Hafen beobachten, wie die für Vancouver so typischen Wasserflugzeuge auf dem Wasser beschleunigten, abhoben und wenige Minuten später die nächsten Maschinen wieder aufsetzten.
Am Nachmittag bezogen wir schließlich unser Hotel, das nur wenige Schritte von der English Bay entfernt lag.
Am Abend kamen wir im nahe gelegenen Sylvia Hotel noch einmal zum gemeinsamen Essen zusammen. Eigentlich hätte dieser sonnige Tag damit schon genügend schöne Eindrücke geliefert – doch Vancouver hatte sich offensichtlich noch etwas für uns aufgehoben.
Während unseres Abendessens begann sich der Himmel über der English Bay langsam zu rot-orange verfärben und bescherte uns einen wundervollen Sonnenuntergang über dem Pazifik.
Freizeit in Vancouver oder Ausflug nach Vancouver Island
Heute hieß es für einen Großteil unserer Gruppe früh aufstehen, denn unser Tagesausflug führte uns nach Vancouver Island. Einige andere entschieden sich dagegen, den zusätzlichen Tag noch einmal für eigene Erkundungen in Vancouver zu nutzen.
Mit dem Bus ging es zunächst zum Fährterminal in Tsawwassen. Die anschließende rund eineinhalbstündige Überfahrt nach Swartz Bay war fast schon eine kleine Einstimmung auf die bevorstehende Kreuzfahrt. Zwischen zahlreichen Inseln hindurch bewegte sich unsere Fähre durch die Gewässer der Salish Sea, während wir an Deck die frische Seeluft und die Aussicht genossen.
Auf Vancouver Island angekommen, führte uns die Fahrt weiter nach Victoria, der Hauptstadt British Columbias. Bei unserer Rundfahrt durch die Stadt merkten wir, dass Victoria einen ganz anderen Charakter besitzt als Vancouver. Statt moderner Hochhausschluchten prägen hier historische Fassaden, gepflegte Grünanlagen und viele Gebäude aus der viktorianischen Zeit das Stadtbild.
Natürlich durfte der Inner Harbour nicht fehlen. Rund um das Wasser liegen gleich mehrere Wahrzeichen der Stadt. Zum einen das imposante Fairmont Empress Hotel, das bereits seit 1908 Gäste empfängt, und zum anderen das mächtige Parliament Building, in denen die Provinzregierung British Columbias ihren Sitz hat.
Unsere Stadtrundfahrt führte uns außerdem durch Chinatown und weiter zum Fisherman’s Wharf. Dort entschieden sich einige von uns spontan auszusteigen und die farbenfrohe Seite Victorias etwas genauer zu erkunden. Auf den Stegen liegen hier nicht nur Fischer- und Freizeitboote, sondern auch zahlreiche kleine, bunt gestaltete schwimmende Häuser. Restaurants und kleine Verkaufsstände sorgen dafür, dass es auf dem Wasser fast wie in einem eigenen kleinen Stadtviertel wirkt.
Für den Rückweg zum Inner Harbour gab es gleich zwei Möglichkeiten. Einige machten sich zu Fuß auf den Weg, andere wählten die vermutlich unterhaltsamere Variante und stiegen in eines der kleinen Harbour Ferries, die wie winzige Wassertaxis durch den Hafen flitzen.
Anschließend blieb Zeit, Victoria auf eigene Faust zu entdecken. Und davon hatte die Stadt einiges zu bieten: kleine, liebevoll eingerichtete Cafés, Geschäfte entlang der historischen Straßen und immer wieder diese typische britisch anmutende Architektur, die Victoria eine ganz eigene Atmosphäre verleiht.
Wer sich mehr für die Natur und Geschichte British Columbias interessierte, konnte einen Blick in das Royal BC Museum werfen.
Nach unserer Freizeit verließen wir Victoria wieder. Unser nächstes Ziel lag etwas außerhalb der Stadt. Die heute noch familiengeführte Gartenanlage Butchart Gardens umfasst insgesamt rund 53 Hektar, davon sind etwa 22 Hektar als Schaugärten für Besucher zugänglich. Ihre Geschichte begann bereits 1904, als Jennie Butchart damit begann, das Gelände rund um den ehemaligen Kalksteinbruch ihres Mannes in eine Gartenlandschaft zu verwandeln. Heute gehören unter anderem ein Rosen-, ein japanischer, ein italienischer und ein mediterraner Garten zur Anlage. Besonders beeindruckend war der der versunkene Garten. Dort, wo früher tatsächlich Kalkstein abgebaut wurde, führen heute Wege hinunter in ein farbenprächtiges Gartenensemble. Rund neun Jahre dauerte allein seine Gestaltung, heute befinden sich in diesem ehemaligen Steinbruch mehr als 150 Blumenbeete.
Am späten Nachmittag hieß es schließlich Abschied nehmen von Vancouver Island. Wieder ging es mit der Fähre zurück aufs Festland.
Erst am Abend erreichten wir wieder Vancouver.
Leinen los Richtung Alaska!
Da unsere Einschiffung erst gegen Mittag vorgesehen war, konnten wir den Vormittag noch einmal ganz individuell gestalten. Einige aus unserer Gruppe nutzten die freie Zeit für letzte Erkundungen in Vancouver, während sich andere noch einmal der Reisebegleitung anschlossen und gemeinsam Richtung Gastown aufbrachen.
Durch die inzwischen vertrauten Straßen ging es zur berühmten Steam Clock in der Water Street. Die dampfbetriebene Uhr gehört längst zu den Wahrzeichen Gastowns und wurde 1977 vom kanadischen Uhrmacher Raymond Saunders gebaut. Alle 15 Minuten lässt sie ihre Pfeifen erklingen – mit der Melodie der sogenannten Westminster Chimes, die vielen wahrscheinlich eher vom Londoner Big Ben bekannt ist. Natürlich warteten auch wir einen dieser Momente ab und lauschten noch einmal dem charakteristischen Pfeifen.
Anschließend entdeckten wir in der Nähe des Bahnhofs noch eine kleine, etwas versteckte Besucherterrasse. Von hier hatten wir einen schönen Blick auf den Canada Place und den Hafen – und dort lag sie bereits: unsere MS Koningsdam, die für die kommende Woche unser neues Zuhause werden sollte.
Zurück im Hotel wurden die letzten Vorbereitungen für die Einschiffung getroffen, die Koffer geschlossen und die entsprechenden Anhänger befestigt. Dann hieß es endgültig Abschied nehmen von Vancouver – zumindest vorerst. Unser Bus brachte uns die kurze Strecke zum Kreuzfahrtterminal am Canada Place.
Auf dem Weg dorthin stand allerdings noch ein Abschied an, der uns deutlich schwerer fiel. Nach einer gemeinsamen Woche mussten wir uns von unserer örtlichen Reiseleiterin Dagmar verabschieden. Mit viel Wissen, Humor und vor allem einer großen Begeisterung für ihre Heimat hatte sie uns Westkanada in den vergangenen Tagen nähergebracht. Dabei beschränkte sie sich nicht nur auf Zahlen und Fakten, sondern erzählte immer wieder von ihrem eigenen Leben in Kanada und den kleinen Besonderheiten des Landes. Nach so vielen gemeinsamen Kilometern war sie längst ein Teil unserer Reisefamilie geworden – für uns auf dieser Reise wirklich ein kleiner Glücksgriff.
Dann begann ein vollkommen neuer Abschnitt unserer Reise.
Die Einschiffung am Canada Place verlief angenehm unkompliziert. Nach den notwendigen Kontrollen konnten wir schon bald an Bord der MS Koningsdam gehen. Zunächst bezogen wir unsere modern eingerichteten Kabinen, machten uns ein wenig mit dem Schiff vertraut und absolvierten die obligatorische Sicherheitseinweisung. Restaurants, Bars, Lounges und Außendecks wollten schließlich erst einmal gefunden werden. In den kommenden sieben Tagen würden wir dafür aber noch genügend Zeit haben.
Am späten Nachmittag war es dann endlich so weit: Leinen los!
Pünktlich zum Auslaufen versammelten sich viele von uns draußen an Deck. Langsam entfernte sich die Koningsdam vom Canada Place und die Skyline von Vancouver rückte Stück für Stück weiter in die Ferne. Noch einmal zogen die Hochhäuser von Downtown an uns vorbei, bevor wir uns der Lions Gate Bridge näherten. Erst kürzlich waren wir mit dem Bus über sie in die Stadt hineingefahren – nun glitten wir auf dem Wasser unter ihr hindurch.
Wir nahmen Kurs auf die Inside Passage und Alaska und ließen den Tag bei leckerem Essen (wovon es die nächsten Tage sehr sehr viel geben würde) gemeinsam ausklingen.
Ein Tag auf See
Der erste vollständige Tag an Bord gehörte ganz der MS Koningsdam. Nach den vielen Eindrücken unserer Rundreise war es durchaus angenehm, einmal keinen Koffer packen und kein neues Hotel beziehen zu müssen - und ausschlafen zu können.
Jeder konnte den Tag nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten: das Schiff erkunden, einen Platz mit Blick aufs Meer suchen, das Bordprogramm ausprobieren oder einfach die vorbeiziehende Landschaft genießen.
Gerade auf einer Alaska-Kreuzfahrt ist ein Seetag ohnehin nie nur ein Tag „auf dem Meer“. Immer wieder wanderte der Blick nach draußen, denn irgendwo zwischen Küstenlinie, Inseln und Wasser konnte jederzeit etwas auftauchen.
Am Nachmittag trafen wir uns im Grand Dutch Café um verschiedene Fragen zu klären und unseren ersten Landgang in Alaska zu besprechen.
Am Abend kamen wir wieder zum gemeinsamen Essen zusammen. Unsere reservierten Plätze waren für uns immer ein Ort, an denen wir als Gruppe zusammenkommen und uns austauschen konnten, auch wenn wir uns einmal nicht gesehen haben.
Tracy Arm Fjord – Juneau, Hauptstadt von Alaska – Eberhardt–Ausflug
Der Tag begann zunächst etwas verregne. Tief hängende Wolken und Regen begleiteten unsere Fahrt durch den Tracy Arm Fjord, sodass uns die Landschaft am Vormittag leider ein wenig verborgen blieb. Doch kaum näherten wir uns Juneau, schien das Wetter zu wissen, dass wir an diesem Tag noch einiges vorhatten. Die Wolken lockerten sich und plötzlich zeigte sich sogar die Sonne.
Gegen Mittag erreichten wir die Hauptstadt Alaskas und gingen zunächst von Bord, um selbst ein wenig auf Entdeckungstour zu gehen. Juneau empfing uns mit bunten Holzhäusern, kleinen Geschäften und einer Atmosphäre, die stellenweise tatsächlich ein wenig an die Alaska-Filme und Goldgräbergeschichten erinnerte, die man von zu Hause kennt. Einen ganz eigenen Charakter hatte dabei der Red Dog Saloon. Schon beim Betreten fühlte man sich mit seiner urigen Einrichtung für einen Moment in eine andere Zeit versetzt.
Viel Zeit zum Verweilen blieb uns allerdings nicht, denn nun begann unser heutiger Eberhardt-Ausflug. Unser gut gelaunter Busfahrer, der sich unterwegs zu unserer Überraschung auch noch als durchaus talentierter Jongleur entpuppte, brachte uns zunächst zum Mendenhall Glacier.
Der Gletscher gehört zum gewaltigen Juneau Icefield und ist einer von 38 größeren Gletschern, die von diesem rund 3.900 Quadratkilometer großen Eisfeld gespeist werden. Auf seinem etwa 21 Kilometer langen Weg bewegt sich das Eis langsam bis hinunter zum Mendenhall Lake.
Für uns blieb genügend Zeit, die Umgebung individuell zu erkunden. Einige besuchten zunächst das Visitor Center, andere machten sich direkt auf einen der Wanderwege. Je nach Lust und Laune konnte man verschiedene Aussichtspunkte ansteuern oder in Richtung der Nugget Falls spazieren, die unweit des Gletschers in den Mendenhall Lake stürzen.
Unser Bus brachte uns anschließend zum Hafen, denn nun wartete eines der Erlebnisse auf uns, auf das viele besonders gespannt waren: Whale Watching. Und das Beste daran; unser Boot hatten wir an diesem Nachmittag ganz für uns allein.
Kaum waren alle an Bord, ließen wir den Hafen hinter uns und fuhren hinaus in die Gewässer rund um Juneau. Diese Region ist in den Sommermonaten ein wichtiges Nahrungsgebiet für Buckelwale. Einige der Tiere, die den Sommer in Südostalaska verbringen, legen jedes Jahr enorme Entfernungen zurück und wandern im Winter bis in die wärmeren Gewässer Hawaiis. Hier im Norden nutzen sie die nahrungsreichen Gewässer, um sich vor allem von kleinen Fischen und Krill zu ernähren.
Und lange mussten wir tatsächlich nicht suchen. Schon bald tauchten die ersten Wale auf. Immer wieder durchbrach ein Blas die Wasseroberfläche, kurz darauf erschien der dunkle Rücken eines Tieres und schließlich hob sich die mächtige Schwanzflosse aus dem Wasser, bevor der Wal wieder in der Tiefe verschwand. Noch bevor man den Blick richtig abwenden konnte, wurde bereits an einer anderen Stelle der nächste Wal entdeckt. Je länger wir unterwegs waren, desto tiefer sank die Sonne über der Landschaft. Ein leichter Nieselregen setzte wieder ein, aber anstatt uns den Ausflug zu verderben, sorgte er am Ende für einen ganz besonderen Moment. Zwischen den dunkleren Wolken und den letzten Sonnenstrahlen spannte sich plötzlich ein riesiger Regenbogen über die Landschaft.
Am Abend kehrten wir mit unzähligen neuen Eindrücken zurück zur MS Koningsdam. Während Juneau langsam hinter uns verschwand, nahm unser Schiff bereits wieder Kurs nach Norden. Unser nächstes Ziel wartete am folgenden Morgen auf uns: Skagway.
Auf den Spuren des Goldrauschs in Skagway
Heute musste die Reisebegleitung leider krankheitsbedingt passen, sodass unsere Gäste Skagway auf eigene Faust beziehungsweise im Rahmen ihrer gebuchten Ausflüge erkundeten. Langweilig werden konnte es dabei allerdings kaum, denn der kleine Ort am Ende des Lynn Canal bietet erstaunlich viel – und an kaum einem anderen Ort unserer Reise ist die Zeit des großen Goldrausches noch so präsent.
Als 1897 die Nachricht von Goldfunden am Klondike um die Welt ging, entwickelte sich Skagway innerhalb kürzester Zeit von einer kleinen Ansiedlung zu einem geschäftigen Ausgangspunkt für Tausende Glückssucher. Von hier führte der White Pass Trail über die Coast Mountains ins kanadische Hinterland. Skagway wurde damit zu einem der wichtigsten „Tore zum Klondike“. Zeitweise hielten sich hier bis zu 10.000 Menschen auf, die auf dem Weg zu den Goldfeldern waren.
Noch heute lebt der Ort von dieser Geschichte. Entlang der Straßen erinnern restaurierte Holzhäuser an die Zeit des Goldrausches, historische Stadtführungen lassen die damaligen Bewohner wieder aufleben und wer selbst einmal sein Glück versuchen möchte, kann sich sogar im Goldwaschen probieren.
Ein besonderer Höhepunkt ist die White Pass & Yukon Route Railway. Einige unserer Gäste nutzten die Gelegenheit für eine Fahrt auf dieser historischen Eisenbahnstrecke und konnten die Landschaft rund um Skagway damit noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive erleben.
Die Bahn entstand ebenfalls als direkte Folge des Goldrausches. 1898 begannen die Arbeiten an der schmalspurigen Eisenbahn über den White Pass. Trotz des schwierigen Geländes mit steilen Berghängen, tiefen Schluchten und extremen Wetterbedingungen wurde die rund 110 Meilen lange Strecke bis Whitehorse im kanadischen Yukon bereits 1900 fertiggestellt – nach nur zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen Bauzeit. Heute erinnern die historischen Züge auf ihrer Fahrt durch die Bergwelt daran, unter welchen Bedingungen sich die Goldsucher einst ihren Weg ins Landesinnere bahnten.
Während einige also mit dem Zug den Spuren der Goldsucher folgten, blieb anderen genügend Zeit, durch Skagways historische Straßen zu schlendern und den ganz eigenen Charakter dieses kleinen Ortes zu genießen.
Am Abend hieß es schließlich wieder Leinen los. Die MS Koningsdam ließ Skagway langsam hinter sich und nahm Kurs auf einen weiteren großen Naturhöhepunkt unserer Reise: den Glacier Bay National Park. Nach dem Goldrausch sollte am nächsten Morgen wieder ganz die gewaltige Natur Alaskas im Mittelpunkt stehen.
Glacier Bay Nationalpark – Seetag
Schon am Morgen tauchten vor unserem Schiff die ersten kleineren Eisberge auf und kündigten an, wohin unsere Reise führen würde. Bei milden Temperaturen und bewölkten Himmel öffnete sich vor uns langsam die gewaltige Landschaft des Glacier Bay National Park.
Fast den gesamten Tag verbrachten wir innerhalb dieses geschützten Naturraums. Und seine Dimensionen sind beeindruckend: Der Glacier Bay National Park & Preserve umfasst mehr als 3,2 Millionen Acres, also rund 13.000 Quadratkilometer. Dabei sieht die Glacier Bay heute vollkommen anders aus als noch vor wenigen Jahrhunderten. Um 1750 füllte ein einziger großer Gletscher nahezu die gesamte Bucht aus. Seitdem hat sich das Eis knapp 100 Kilometer bis in die hinteren Bereiche der Bucht zurückgezogen. Wo damals noch eine geschlossene Eisfläche lag, fuhren wir nun mit unserem Kreuzfahrtschiff durch Fjorde, vorbei an bewaldeten Ufern und immer weiter hinein in die Berg- und Gletscherwelt Alaskas.
Je weiter wir in den Nationalpark vordrangen, desto mehr verlagerte sich das Leben an Bord nach draußen. Ferngläser und Kameras waren ständig griffbereit, denn neben den Gletschern gab es auch tierisch einiges zu entdecken.
Immer wieder sahen wir Seehunde, die auf den Eisschollen ruhten. Auch einige Seeotter ließen sich blicken. Sie verbrachten einen großen Teil ihrer Zeit scheinbar vollkommen entspannt auf dem Rücken treibend. Was dabei so gemütlich aussieht, hat einen guten Grund: Anders als viele andere Meeressäuger besitzen Seeotter keine dicke isolierende Fettschicht. Stattdessen schützt sie ein außergewöhnlich dichtes Fell vor dem kalten Wasser Alaskas.
Der landschaftliche Höhepunkt unseres Tages wartete schließlich tief im Nationalpark auf uns: der Johns Hopkins Glacier. Schon aus einiger Entfernung konnten wir die mächtige, zerklüftete Eisfront erkennen, eingerahmt von schneebedeckten Bergen.
Mit einer Breite von etwa 1,6 Kilometern und einer bis zu rund 90 Meter über das Wasser aufragenden Eisfront gehört der Johns Hopkins Glacier zu den eindrucksvollsten Gezeitengletschern der Glacier Bay. Vom Ursprung in den umliegenden Bergen zieht sich das Gletschersystem über mehr als 25 Kilometer bis zum Meer. Auffällig sind die dunklen Linien im Eis – sogenannte Moränen, in denen der Gletscher mitgeführtes Gesteinsmaterial transportiert.
Unser Schiff ließ uns genügend Zeit, diese gewaltige Landschaft zu betrachten.
Am Nachmittag ließen wir die Gletscherwelt langsam hinter uns. Im Grand Dutch Café trafen wir uns wieder als Gruppe. Bei Kaffee und dem einen oder anderen niederländischen Snack besprachen wir unseren letzten gemeinsamen Ausflug in Alaska, denn am nächsten Morgen sollte bereits Ketchikan auf uns warten.
Ketchikan in Alaska
Heute empfing uns Ketchikan zunächst mit etwas Regen und Nebel. Aber wie sagt man so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Und außerdem passte das Wetter eigentlich ganz gut zu unserem heutigen Reiseziel – schließlich befanden wir uns mitten im gemäßigten Regenwald Südostalaskas.
Mit den Gästen, die den heutigen Ausflug gebucht hatten, trafen wir uns am Morgen zunächst im Theater der MS Koningsdam. Gemeinsam fuhren wir anschließend mit den Tenderbooten an Land und von dort ein Stück aus Ketchikan hinaus nach Ward Cove. Hier befand sich einst die Ketchikan Pulp Mill, die 1954 ihren Betrieb aufnahm und mehr als vier Jahrzehnte lang zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region gehörte. 1997 wurde die Zellstofffabrik geschlossen; Teile des alten Industrieareals wurden später erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt.
Von Ward Cove starteten wir zu unserem Ausflug „Lighthouse, Totems & Eagles“ hinaus in die umliegenden Gewässer. Schon kurz nach dem Ablegen ließ sich einer der bekanntesten Bewohner Alaskas blicken: der Weißkopfseeadler, zugleich das Wappentier der Vereinigten Staaten. Einige saßen hoch oben in den Baumkronen, andere konnten wir direkt am Ufer bei der Nahrungssuche sehen.
Während unserer Fahrt erfuhren wir viel über die Region und den gewaltigen Tongass National Forest, der beinahe ganz Südostalaska prägt. Mit rund 6,8 Millionen Hektar, ist er der größte Nationale Wald der USA. Er umfasst eine Landschaft aus gemäßigtem Regenwald, Inseln, Fjorden, Bergen und Eisfeldern und erstreckt sich über einen Großteil des südöstlichen Alaska.
Ebenso spannend waren die Geschichten über die Tlingit, eine der indigenen Kulturen Südostalaskas. Ihr traditionelles Gebiet erstreckt sich bis in den Raum Ketchikan und so sahen auch wir einige Langhäuser und Totempfähle vom Wasser aus.
Auch kulinarisch bekamen wir einen kleinen Einblick in die Region. An Bord wurden unter anderem geräucherter Fisch, Cracker mit Lachsdip und eingelegte Seegurke gereicht. Als wir uns langsam wieder auf den Rückweg machten, schien unser Ausflug eigentlich schon genügend Eindrücke geliefert zu haben. Doch Alaska hatte noch eine Überraschung für uns. Plötzlich wurde ein Buckelwal entdeckt. Zunächst bemerkten wir Luftblasen an der Wasseroberfläche – ein Hinweis darauf, dass unter uns gerade etwas passierte. Wir konnten einen Wal beim sogenannten Bubble Feeding beobachten. Dabei stößt der Wal unter Wasser Luftblasen aus, mit denen ein Schwarm kleiner Fische konzentriert wird. Anschließend stößt das Tier mit geöffnetem Maul durch die zusammengetriebene Beute in Richtung Wasseroberfläche. Und genau diesen Moment durften wir miterleben: Vor uns durchbrach plötzlich der gewaltige Kopf des Wales die Wasseroberfläche. Mit diesem unerwarteten Highlight endete unsere Bootsfahrt und wir machten uns wieder auf den Weg nach Ketchikan.
Ganz ohne einen kleinen Rundgang wollten wir unseren letzten Landgang in Alaska natürlich nicht beenden. Gemeinsam spazierten wir durch die Stadt in Richtung der bekannten Creek Street. Die historische Straße ist eigentlich weniger eine Straße als ein hölzerner Boardwalk, dessen Gebäude auf Pfählen direkt über dem Ketchikan Creek stehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich hier das damalige Rotlichtviertel der Stadt. Heute ist von dieser Nutzung kaum noch etwas zu erkennen. In den farbenfrohen Holzhäusern befinden sich kleine Geschäfte, Galerien und Restaurants.
Anschließend blieb jedem noch etwas freie Zeit. Einige machten sich auf die Suche nach den letzten Souvenirs aus Alaska, andere nutzten die Gelegenheit, noch einmal frischen Lachs zu probieren oder einfach ein wenig durch die kleine Stadt zu schlendern.
Zurück an Bord erwartete uns am Abend noch ein ganz anderes Programm. Holland America Line lud zur berühmten Orange Party – der perfekte Anlass, die orangefarbenen Kleidungsstücke und Accessoires hervorzuholen, die bislang im Koffer auf ihren Einsatz gewartet hatten. Die Feier erinnert an die niederländischen Wurzeln der Reederei und ist vom niederländischen Koningsdag inspiriert. Orange steht dabei für das niederländische Königshaus, das Haus Oranien.
Fahrt durch die Inside Passage nach Vancouver
Unser letzter vollständiger Tag auf der MS Koningsdam begann noch einmal so, wie wir es uns für eine Alaska-Kreuzfahrt kaum besser hätten wünschen können, mit strahlendem Sonnenschein und einer großartigen Sicht auf die vorbeiziehende Küstenlandschaft.
Während wir weiter durch die Inside Passage Richtung Süden fuhren, zog es viele von uns immer wieder hinaus auf die Außendecks. Bewaldete Inseln, Berge und kleine Buchten glitten langsam an uns vorbei und boten noch einmal zahlreiche Fotomotive. Nach all den Ausflügen der vergangenen Tage tat es gut, heute keinen festen Zeitplan zu haben und die Landschaft einfach vom Schiff aus genießen zu können.
Für einige begann der Tag allerdings zunächst mit einer ganz anderen Art von Höhepunkt. Im Lido Market hatte die Küche zu einem großen Kuchenbuffet eingeladen – und groß war dabei fast noch untertrieben. Mehr als 100 verschiedene Kuchen und Torten standen zur Auswahl. Die eigentliche Herausforderung bestand weniger darin, etwas Passendes zu finden, sondern sich irgendwann für eine Auswahl zu entscheiden. Und was sollen wir sagen, geschmacklich blieb sich die Koningsdam auch an diesem Tag treu. Es war wieder einmal ausgesprochen lecker.
Am Nachmittag trafen wir uns noch einmal als Gruppe im Crow’s Nest. Für uns war ein eigener Bereich reserviert, von dem aus wir bei Getränken und kleinen Canapés weiterhin die vorbeiziehende Landschaft beobachten konnten. Ganz nebenbei mussten wir uns nun aber auch langsam mit einem Thema beschäftigen, das wir bis dahin gern verdrängt hatten. Unserer Ausschiffung am nächsten Morgen. Gemeinsam besprachen wir den Ablauf, die Kofferregelung und die notwendigen Formalitäten für unsere Rückkehr nach Kanada.
Nach unserer Besprechung kam allerdings plötzlich Bewegung in den Raum. Erst standen einzelne Gäste auf, dann zog es immer mehr von uns zu den großen Fenstern. Der Grund war schnell gefunden: Wale!
Und zwar nicht nur auf einer Seite des Schiffes. Links und rechts von uns tauchten immer wieder Tiere auf. Mal sahen wir nur den charakteristischen Blas, dann einen dunklen Rücken und wenig später eine große Schwanzflosse, bevor der Wal wieder in der Tiefe verschwand.
Am Abend trafen wir uns ein letztes Mal an unseren inzwischen vertrauten Plätzen im Dining Room.
Bei einem leckeren Drei-Gänge-Menü ließen wir die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Währenddessen sank draußen langsam die Sonne. Das Licht wurde immer wärmer, spiegelte sich auf dem Wasser und schließlich schien die strahlende Sonne regelrecht mit dem Horizont zu verschmelzen.
Morgen sollte die MS Koningsdam wieder in Vancouver einlaufen. Und auch wenn unsere Reise damit noch nicht ganz vorbei war, hieß es nun langsam Abschied nehmen von unserem Zuhause auf See.
Ausschiffung in Vancouver – Steveston – Rückflug
Nun war der Moment gekommen, den wir in den vergangenen Tagen gerne noch ein wenig hinausgeschoben hätten. Wir mussten unserer MS Koningsdam endgültig Goodbye sagen. Nach einem letzten Frühstück an Bord nahmen wir unsere Koffer und gingen von Bord. Damit endete nach sieben abwechslungsreichen Tagen unsere gemeinsame Alaska-Kreuzfahrt.
Am Canada Place wurden wir bereits von Anja, unserer örtlichen Reiseleiterin für den heutigen Tag, erwartet. Dass eine Ausschiffung mit mehreren Tausend Passagieren nicht immer ganz reibungslos abläuft, war zu erwarten. Hier und da mussten wir ein wenig Geduld mitbringen, insgesamt ging es dann aber doch schneller, als zunächst befürchtet. Kurz darauf saßen schließlich alle wieder mitsamt Gepäck im Bus.
Noch einmal führte uns unsere Fahrt durch Downtown Vancouver. Viele Straßen und Gebäude waren uns inzwischen vertraut. Direkt zum Flughafen sollte es aber natürlich noch nicht gehen. Eberhardt TRAVEL wäre schließlich nicht Eberhardt TRAVEL, wenn wir nicht noch einen kleinen Abschluss für unsere Gäste vorbereitet hätten.
Also machten wir uns zunächst auf den Weg nach Steveston, einem kleinen Fischerort an der Mündung des Fraser River. Abseits der großen Touristenströme konnten wir hier unsere letzten Stunden in Kanada noch einmal ganz entspannt genießen. Kleine Geschäfte, Fischerboote und Restaurants am Wasser verleihen dem Ort bis heute seinen maritimen Charakter.
Besonders lebendig ging es am Hafen zu. Auf dem Fischmarkt verkaufen Fischer ihren Fang teilweise direkt von den Booten – frischer kann Fisch eigentlich kaum auf den Teller kommen. Einige von uns ließen es sich deshalb nicht nehmen, ein letztes Mal kulinarisch Kanada zu genießen und frischen Fish and Chips zu probieren.
Andere nutzten die Zeit für einen Besuch der ehemaligen Gulf of Georgia Cannery (Fischkonservenfabrik). Die Anlage wurde bereits 1894 erbaut und erinnert heute als National Historic Site an die große Bedeutung der Fischerei und Fischverarbeitung für die kanadische Westküste. Steveston gehörte lange zu den wichtigsten Fischereizentren British Columbias. Das Museum ist dabei weit mehr als nur eine Ansammlung alter Fotos. Originale Maschinen, eine historische Lachs-Konservenstraße, Modelle, Tonaufnahmen und interaktive Stationen zeigen, wie der Fisch früher vom Fang über die Verarbeitung bis in die Dose gelangte. Auch die spätere Nutzung der Fabrik zur Verarbeitung von Hering und die Menschen unterschiedlichster Herkunft, die hier arbeiteten, spielen in der Ausstellung eine wichtige Rolle. So bekam man noch einmal einen ganz anderen Einblick in das Leben an der kanadischen Pazifikküste.
Doch irgendwann half alles nichts, nun ging es wirklich zum Flughafen von Vancouver. Nach Check-in und Sicherheitskontrolle blieb noch etwas Zeit, bevor schließlich unser Rückflug nach Frankfurt aufgerufen wurde.
Wer im Flugzeug einen Fensterplatz auf der rechten Seite erwischt hatte, durfte sich zum Abschied noch einmal besonders glücklich schätzen. Kurz nach dem Start präsentierte sich unsere Reise nämlich noch ein letztes Mal aus einer völlig neuen Perspektive. Unter uns lagen Vancouver und der Howe Sound, wenig später zogen die Coast Mountains vorbei und schließlich erstreckten sich die gewaltigen Bergketten Westkanadas unter uns.
Viele der Landschaften, durch die wir in den vergangenen zwei Wochen gefahren waren, lagen nun noch einmal weit unter unseren Tragflächen.
Und während Kanada langsam unter uns verschwand, blieb genügend Zeit, die Reise noch einmal Revue passieren zu lassen.
Nun hieß es endgültig: Goodbye Canada – bis hoffentlich ganz bald!
Ankunft in Deutschland
Nach unserem Nachtflug erreichten wir wieder Frankfurt. Hinter uns lagen mehr als zwei Wochen voller Gegensätze. Schroffe Rocky Mountains und ruhige Bergseen, trockene Landschaften im Landesinneren von Britisch Kolumbien sowie dichter Regenwald an der Pazifikküste, moderne Großstädte und kleine Goldgräberorte, Gletschereis und Walbeobachtungen.
Vor allem aber hatten wir diese Erlebnisse gemeinsam geteilt. Und so fiel der Abschied nach unserer Ankunft nicht ganz leicht.
Wenn ich auf unsere gemeinsame Reise zurückblicke, denke ich natürlich an die einzigartigen Landschaften wie die Rockies, Alaska und Vancouver. Mindestens genauso gern erinnere ich mich aber auch an die vielen kleinen Momente dazwischen. Wir hatten nicht nur großes Glück mit dem Wetter, sondern auch mit der Reisegruppe, mit welcher diese gut zwei Wochen besonders viel Freude gemacht haben. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit und die vielen schönen Erinnerungen, die ich mit euch gemeinsam von dieser Reise mit nach Hause genommen habe. Ich würde mich sehr freuen, den einen oder anderen von euch auf einer zukünftigen Reise wieder zu sehen!
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