Kanalinseln – unterwegs zwischen England und Frankreich
Reisebericht: 05.09. – 12.09.2026
Jersey, Guernsey und Sark entdecken: wilde Küsten, herrliche Gärten, malerische Inselorte und britisches Flair mit französischen Einflüssen erwarten uns auf den Kanalinseln.
Ein Reisebericht von
Monika Cortese
Anreise nach Jersey
Mit etwas Verspätung landete die Reisegruppe mit der Maschine aus München in Jersey. Nachdem ich die Gäste in der Ankunftshalle erwartet und begrüßt hatte, brachte uns Alex mit dem Bus zum Hotel nach St. Helier. Dabei stellten wir die Uhren bereits auf die Ortszeit um – auf Jersey gilt die britische Zeit.
Im Hotel angekommen, verlief der Check-in erfreulich schnell. Anschließend blieb nur kurz Zeit, bevor wir uns noch einmal trafen. Ich gab der Gruppe die wichtigsten Informationen zum Hotel und zu den kommenden Tagen und stimmte uns schon auf unseren ersten gemeinsamen Ausflug ein: Morgen geht es auf die autofreie Insel Sark. Auch ein Gezeitenplan durfte natürlich nicht fehlen – Ebbe und Flut werden uns auf den Kanalinseln immer wieder begleiten.
Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel lernten wir uns in gemütlicher Runde näher kennen und ließen den ersten Tag auf Jersey entspannt ausklingen.
Sark – eine Reise zurück in die Zeit
Unser erster Ausflug führte uns heute nach Sark – dafür hieß es früh aufstehen, um die erste Fähre auf eine der kleinsten bewohnten Kanalinseln zu nehmen. Sark ist eine Welt für sich, in der die Uhren scheinbar etwas langsamer gehen. Unsere örtliche Reiseleiterin Gaby erwartete uns bereits und versprach gleich zu Beginn: „Heute gehen wir 100 Jahre zurück.“ Vieles auf Sark wirkt tatsächlich, als hätte die Zeit hier einen kleinen Umweg genommen. Rund 500 Menschen leben auf der nur gut fünf Quadratkilometer großen Insel, Autos gibt es keine. Stattdessen begegnet man Fahrrädern, Pferdekutschen und den allgegenwärtigen Traktoren.
Mit dem Tractor-Bus ging es vom Hafen hinauf ins Inselzentrum. Dort zeigte uns Gaby das kleine Gefängnis, das im Guinness-Buch der Rekorde als kleinstes Gefängnis der Welt geführt wird. Das 1856 erbaute Gefängnis wurde bis vor Kurzem noch tatsächlich genutzt.
Dann machten wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung La Coupée. Die schmale Landbrücke verbindet Great Sark mit Little Sark und ist wohl einer der bekanntesten Orte der Insel. Der Weg führt über einen schmalen Grat, während links und rechts die Küste steil zum Meer abfällt.
Wie die anderen Kanalinseln wurde auch Sark während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen besetzt. Nach der Befreiung wurde La Coupée von deutschen Kriegsgefangenen wieder instand gesetzt und mit den heute noch vorhandenen Schutzgeländern versehen.
Sark hat aber noch eine ganz andere Besonderheit: Über Jahrhunderte wurde die Insel von einem Seigneur, einem feudalen Herrscher, regiert. Erst 2008 endete diese besondere Form der Herrschaft und Sark wurde zu einer demokratischen Gesellschaft. Damit verschwand das letzte Feudalsystem Europas.
Zurück im Inselzentrum legten wir eine Pause im Schokoladenhaus ein. Es war gut besucht, und die einzige Angestellte hatte ordentlich zu tun. Es dauerte deshalb eine Weile, bis alle ihr Heißgetränk in den Händen hielten, aber schließlich konnten wir gemütlich zusammensitzen und die Pause genießen.
Und auch für Literaturfreunde hat Sark inzwischen eine interessante Verbindung: J. K. Rowling besuchte die Insel für Recherchen zu ihrer Cormoran-Strike-Reihe. In ihrem neuen Roman spielen einige Kapitel auf Sark.
Auf unserem weiteren Weg kamen wir an der Methodist Chapel vorbei. Ihre Geschichte ist fast nicht zu glauben: Die Kapelle wurde in den 1920er-Jahren tatsächlich Stein für Stein an einen neuen Standort versetzt, weil sich der Bauer, der neben der Kirche wohnte, über den lauten Gesang bei den Gottesdiensten beschwert hatte. Heute steht die Kapelle direkt neben dem Friedhof, da dürfte sich wohl niemand mehr über den Gesang beschweren.
Anschließend ging es weiter zur Seigneurie, dem historischen Herrenhaus des Seigneur von Sark. Die von Mauern geschützten Gärten sind ein schöner Kontrast zur rauen Küstenlandschaft und überraschten uns mit ihrer Vielfalt und den liebevoll angelegten Beeten.
Bevor wir endgültig zum Hafen zurückkehrten, machten wir noch einen Abstecher zur St. Peter’s Church. Besonders beeindruckend waren hier die kunstvoll bestickten Sitzauflagen in den Kirchenbänken. Viele der farbenfrohen Arbeiten zeigen Motive aus den Wappen und Zeichen der historischen Landparzellen Sarks. Das Projekt entstand Ende der 1970er-Jahre und wurde von Menschen aus der Gemeinde mit viel Geduld und Handarbeit umgesetzt.
Anschließend schlenderten wir langsam zurück Richtung Hafen. Einige ließen sich für das letzte Stück noch einmal bequem mit dem Traktor zurückbringen. Unten angekommen blieb noch etwas Zeit für einen Spaziergang zum alten Hafen bevor wir wieder an Bord gingen.
Dann hieß es Abschied nehmen von Sark. Während die Fähre Kurs auf Jersey nahm, ließen wir die Eindrücke dieses ungewöhnlichen kleinen Inselreichs an Deck noch einmal Revue passieren. Zurück in St. Helier brachte uns der Bus zum Hotel, wo wir den erlebnisreichen Tag beim gemeinsamen Abendessen gemütlich ausklingen ließen.
Jersey – einmal rund um die Insel
Heute stand eine große Inselrundfahrt auf dem Programm. Während wir Jersey umrundeten, gab ich der Gruppe unterwegs Einblicke in die Geschichte, Landschaft und Besonderheiten der Insel – von den Jersey-Kühen und den berühmten Kartoffeln bis hin zum Stoff, der Jerseys Namen trägt.
Unsere Fahrt führte zunächst entlang der Südküste nach Le Hocq und weiter zur St. Clement’s Bay. Über St. Catherine’s Bay und das Hafenstädtchen Gorey ging es anschließend entlang der Ostküste. Immer wieder wechselten sich kleine Buchten, grüne Wiesen und die für Jersey typischen Granitmauern ab. Bei Rozel konnten wir sogar einige der berühmten Jersey-Kühe entdecken, bevor wir die Bouley Bay erreichten.
Hier haben wir einen Spaziergang am Strand unternommen. Dabei stürzte eine unserer Gäste und verletzte sich am Handgelenk. Ich begleitete sie ins Krankenhaus und unterstützte beim Übersetzen, während unsere Busfahrerin Jane die Rundfahrt mit der Gruppe fortsetzte.
Für die Gruppe ging es weiter zum Noirmont Point. Die dortigen Bunkeranlagen und Befestigungen erinnern an die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Anschließend führte die Fahrt zur Portelet Bay, wo eine gemütliche Mittagspause in einem Pub direkt am Strand auf dem Programm stand.
Danach ging es weiter zur St. Brelade’s Bay mit der kleinen Fisherman’s Chapel. Die beliebte Bucht zeigte Jersey wieder von einer ganz anderen Seite. Entlang der Westküste fuhr die Gruppe anschließend durch die weitläufige St. Ouen’s Bay bis zum Corbière-Leuchtturm. Den Abschluss der Rundfahrt bildete St. Aubin mit seinem hübschen Hafen und den charakteristischen Häusern entlang der Bucht.
Jane begleitete die Gruppe unterwegs mit ihren Erklärungen auf Englisch. Die Gäste fanden das ganz gut und konnten dabei gleichzeitig ihr Englisch wieder etwas auffrischen. Nach der Rückkehr unternahm ich mit der Gruppe noch einen kurzen Spaziergang zu einem Geschäft mit typischen Spezialitäten der Insel wie Black Butter, Fudge und Shortbread.
Vor dem Abendessen trafen wir uns noch einmal zu einer kurzen Besprechung für die kommenden Tage.
Beim gemeinsamen Abendessen ließen wir den abwechslungsreichen Tag auf Jersey wieder gemütlich ausklingen.
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