Farbenfrohes London mit ABBA und Trooping the Colour
Reisebericht: 12.06. – 15.06.2026
Bericht von unserer Kurzreise nach London, die ganz im Zeichen der Farben stand, nicht nur aber auch wegen ABBA. Das zweite Highlight der Reise war die Truppenparade zum Geburtstag des Königs.
Ein Reisebericht von
Andreas Böcker
Freitag, 12. Juni 2026 – Anreise nach London
Aus Berlin, München und Hamburg kamen wir in London zusammen. Als erstes landeten wir "Berliner", ohne große Verzögerungen weder im Flugverkehr noch beim Transfer von Stansted nach London. Trotz unserer frühen Ankunft im Hotel konnten die meisten von uns auch gleich ihre Zimmer beziehen.
Die "Hamburger" und "Münchener" sollten sich in Heathrow treffen, daraus wurde aber nichts, weil in Hamburg jemand unautorisiert in den Sicherheitsbereich vorgedrungen war. Da der ältere Herr nicht sogleich gefunden wurde, musste der gesamte Sicherheitsbereich geräumt und durchsucht werden, innerdeutsche Flüge wurden abgesagt, internationale Flüge warteten teilweise nicht. Unsere Mitreisenden, die schon längst durch die Sicherheit waren, mussten also mit vielen tausend anderen die Prozedur ein zweites Mal über sich ergehen lassen. Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.
Indes genossen die "Berliner" bei milden, regenfreien Wetter ihren ersten Tag in London. Einen Viertel-Marathon liefen dabei zwei Mitreisende, dass zunächst zum Victoria and Albert Museum für Design fuhr und dieses besichtigte und dann von dort 16 Kilometer bis zum Hotel zurücklief, sie "nahmen" dabei Buckingham Palace, das Regierungsviertel und die Themse schon mal "mit".
Samstag, 13.6.2026 – Trooping the Colour, Teatime im Doppeldecker–Oldtimer und ABBA
Heute war der Tag der Highlights dieser Reise: Trooping the Colour und ABBA. Wobei ein paar Gäste mir sagten, dass es gewissermaßen Zufall sei, dass sie diesen Termin gebucht hätten. Wir starteten mit einer Fahrt zum St. James Park, wo wir zunächst in Richtung des Buckingham Palace gingen. Die Mall war schon voller Leute. Wo positioniert man sich beim Trooping the Colour am besten? Oder ist es besser von links nach rechts zu wandern? Das sind so Fragen, die sich woh kaum mit richtig oder falsch beantworten lassen. Das Trooping the Colour ist gewissermaßen die Geburtstagsparade des Königs, also wie der mehrmals wöchentlich stattfindende Wachwechsel am Buckingham Palace, nur viel, viel größer. Und die Geburtstagsparade findet gar nicht am Geburtstag des Königs statt. Das war aber auch schon zu Zeiten der Queen so.
Was passiert nun? Über verschiedene Wege kommen Infanterie- und Kavallerie-Einheiten unter Marschmusik am Buckingham Palace vorbedefiliert und marschieren entlang der Mall, der Straße die vom Buckingham Palace in Richtung Trafalgar Square führt bzw. reiten entlang des Birdcage Walk (warum die Straße Vogelkäfig-Allee heißt, weiß ich leider auch nicht) in Richtung des rückwärtigen Platzes hinter den Horseguards. Wenn dort schon eine ganze Reihe Truppen eingetroffen sich bzw. sich entlang des Weges positioniert haben, wo sie dann bis zu zweieinhalb Stunden in der prallen Sonne unter ihren Bärenfellmützen stehen. Zum Schluss kommen dann mit großem Tam-tam die hohen Damen und Herren, Charles Windsor mit Gattin Camilla, Schwiegertochter Kate und Enkelkindern in ihren Kutschen vorbeigefahren - der Thronfolger war sicher in dem Reiterpulk mit dabei, wurde aber - sofern ich weiß - von niemandem aus der Gruppe erkannt. Aber vielleicht taucht er ja doch noch auf dem ein oder anderen Foto auf.
Die eigentliche Action passiert dann auf der Horse Guards Parade: Hier wird dann die Regimentsfahne ausgerollt und am König "vorbeigetroopt" (die Einheit marschiert stolz ihr Panier präsentierend am Monarchen vorbei).
Dann ist doch die Antwort auf die Frage eindeutig, oder? Man positioniert sich am besten an der Horse Guards Parade, da wo die ganze Action stattfindet. Hier ergibt sich aber ein Problemchen...: Man steht als nichtgeladener Gast zwischen 60 und 180 Metern vom Geschehen entfernt, während an der Mall die ganze königliche Bagage zehn bis fünfzehn Meter an einen vorbeifährt - und das mehrfach: Da Charles und Camilla, anders als damals Elizabeth, nicht im Buckingham Palace wohnen, werden Sie zunächst mit dem Auto vom St. James Palace, der von Charles bevorzugten Residenz, dorthin gefahren, um dann mit der Kutsche von dort zum Paradeplatz und am Ende wieder zurückgebracht zu werden. D.h. wer brav an der Mall stehen bleibt, hat die Chance die königliche Familie drei Mal vom Nahen zu sehen, am besten natürlich, wenn man einen Platz in vorderster Reihe ergattert hat. Wer hingegen seinen Platz wechselt, bekommt vielleicht mehr vom Geschehen insgesamt mit, aber eben nicht wie bie ARD und ZDF (bzw. wie bei BBC und BBC2) aus der ersten Reihe.
Als also Königs zum dritten Mal an uns vorbeigezogen waren, begaben wir uns in Richtung Regierungsviertel und über die Westminster Bridge zum London Eye, wo uns der Bus von Birgits Bakery erwarten würde. Aber wir hatten Zeit.
Schließlich saßen wir im klassischen Londoner Doppeldecker, genossen Tee (oder Kaffee), Sandwiches und Scones und Süßgebäck (die Windbeutel waren etwas gemein, wenn man keine Schokoladenfinger haben wollte) und sahen die Umgebung von Westminster, Knightsbridge, Kensington, Notting Hill und Mayfair, kamen an den Gärten des Buckingham Palace vorbei an Harrods und Albertopolis, mit dem Victoria and Albert-Museum, dem Science-Museum, dem Natural History Museum und der Royal Albert (Music) Hall. Albertopolis mit seinen Museen, Veranstaltungsorten Kunstschulen und Konservatorien wurde aus dem Geld finanziert, dass die Krone durch die Londoner Weltausstellung eingenommen hatte. Das alles war Alberts Idee gewesen, aber er erlebte die Umsetzung nicht mehr.
Gemeinsam ging es dann zurück zum Hotel, wo wir uns für ABBA vorbereiteten. Einige stilecht im Kostüm der Siebziger.
Abends holte uns Busfahrer Andri ab und wir fuhren durch White Chapel und das East End zur großen ABBA-Live-Show. Wie, das ist keine Live-Show? Aber die stehen doch auf der Bühne, alle vier Agneta, Björn, Benny und Anni-Frid! ... Ach so, Avatare. Und dennoch ist es eine Live Show, denn natürlich werden die vier Künstler von einer Live-Band und zuletzt auch von einem Chor begleitet.
Also die Avatare, alles nur computergeneriert? Ganz so einfach ist es nicht. Der Computer hat sich ein Bild von den vier Musikern gemacht, wie sie zu ihren aktiven Zeiten als Künstler von 1974 bis 1979 aussahen, in all ihrer jugendlichen Schönheit. Damit aber die Bewegungen echt wirken, hat man die vier Künstler - die Originale - am ganzen Körper und im Gesicht mit Elektroden versehen, singen, tanzen, Klavier und Gitarre spielen lassen, so dass die Avatare sich bewegen, wie die Originale sich bewegen würden.
Sonntag, 14.6.2026 – Camden Market, Regierungsviertel und Borough Market
Der Camden Market liegt in Camden Town beiderseits des Regent's Canal. Der bekannteste Teil in einem ehemaligen Militärkrankenhaus für Pferde. Dies war unser erstes Ziel heute. Zunächst gingen wir an einem Drehort von James Bond 007 Spector vorbei, dann zur Statue von Amy Winehouse, die in einem Pub in der Nähe ihre Karriere als Sängerin startete. Dann verteilten wir uns für anderthalb Stunden auf dem Markt, bevor wir wieder in Richtung des Regierungsviertels fuhren. Es war der Wunsch an mich herangetragen worden, noch mal zum Buckingham Palace zu gehen, dorthin gingen wir, wobei ein Teil der Gruppe im St. James Park den Schatten eines Baumes aufsuchte. Andere hatten sich schon früher verabschiedet. Wir sammelten die Schattensucher wieder ein, zumindest teilweise und gingen durch die Horseguards ins Regierungsviertel, warfen einen Blick in die Downingstreet - aber Number 12 ist einfach viel besser zu erkennen, als Number 10, da muss man schon sehr um die Ecke schauen. Von Westminster aus fuhren wir zum Monument, dem Denkmal für den großen Brand von London 1666, das in einer nahen Bäckerei ausgebrochen war. London musste danach wieder aufgebaut werden, federführend war dabei Christopher Wren. Es hatte sich bei einigen Hunger eingestellt und wir gingen über die London Bridge in Richtung der Southwark Cathedral und des Borough Marktes. Die London Bridge ist nicht zu verwechseln mit der Tower Bridge, wie das mal der amerikanische Kettensägen- und Motorbootmotorhersteller Robert McCulloch tat. Als der hörte, dass die London Bridge zum Verkauf stünde (der Vorgängerbau der heutigen), dachte er, dass die Tower Bridge gemeint sei und erwarb die Brücke, um sie an seinem Motorboottestgelände am Lake Havasu (Arizona) wider aufzubauen. Dort steht die alte London Bridge heute und ist ein Tourismusmagnet vor allem während des verlängerten Labor Day Weekend im September.
Am Borough Market trennten wir uns und den Rest des Nachmittags nutzte jeder nach seinem Gusto.
Montag, 15.6.2026 – Abreise
Montag ist bei dieser kurzen Reise Abreisetag. Wir "Berliner" waren (fast) als erstes gekommen, wir mussten auch als erstes wieder fahren. Nur die beiden, die mit dem Zug durch den Kanaltunnel angereist waren, waren bereits früher da gewesen, durften aber auch noch ein wenig länger bleiben. Die "Hamburger" hatten nur wenig länger Zeit und die "Münchener" hatten vielleicht noch ein wenig Zeit für einen kurzen Spaziergang.
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