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Die Hurtigruten Spitzbergen–Linie

Reisebericht: 10.08. – 25.08.2026

Von Bergen bis Spitzbergen folgen wir mit Hurtigruten der norwegischen Küste – vorbei an Fjorden, Lofoten & Nordkap und hinein in die faszinierende Welt der Arktis.

Christin Kuschka

Ein Reisebericht von
Christin Kuschka

2. Tag - Kaufmannshäuser. Bergen  – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 5. Tag - Reine, Lofoten  – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 6. Tag - Eismeerkathedrale, Tromsø – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 7. Tag - Fahrt über die Barentssee  – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 8. Tag - Spitzbergen in Sicht – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 9. Tag - Pyramiden, Spitzbergen – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 9. Tag - Alte Kohlemine, Longyearbyen, Spitzbergen – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 10. Tag - Ny-Ålesund – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 10. Tag - Amundsen-Turm, Ny-Ålesund – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 10. Tag - Kongsfjord, Ny-Ålesund – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 10. Tag - Ny-Ålesund – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL) 14. Tag - Hafen von Bessaker – © Christin Kuschka (Eberhardt TRAVEL)

1. Tag, 10.08.2026: Ankommen in Bergen

Aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands kommen wir heute in Frankfurt zusammen – noch sind wir eine Gruppe von Menschen, die sich kaum kennen, doch schon wenige Stunden später sitzen wir gemeinsam im Flugzeug Richtung Norden. In Bergen empfängt uns das Wetter standesgemäß: wechselhaft, immer wieder fällt Regen, und zwischen den Wolken zeigt sich doch hin und wieder ein Stück blauer Himmel. Typisch Bergen eben. Vom Flughafen geht es mit dem Bus direkt zu unserem Hotel Skostredet, wo wir unsere Zimmer beziehen und erst einmal in Ruhe ankommen. Wenig später treffen wir uns zu einem ersten kleinen Orientierungsspaziergang. Gemeinsam schlendern wir hinüber zur Fløibahn , dann hinunter zum Hafen und vorbei an den bunten Holzhäusern von Bryggen. Dabei bekommen wir nicht nur einen ersten Eindruck von Bergen, sondern auch voneinander – schließlich liegt eine gemeinsame Reise vor uns, die uns noch weit über die norwegische Küste hinaus bis in die Arktis führen wird. Anschließend bleibt Zeit, Bergen auf eigene Faust zu erkunden, bevor wir uns am Abend wiedersehen. Im Restaurant Olivia direkt am Hafen sitzen wir schließlich zum ersten gemeinsamen Abend zusammen. Bei einem Glas Prosecco stoßen wir auf die kommenden Tage an – auf neue Bekanntschaften, viele gemeinsame Erlebnisse und eine Reise, die gerade erst begonnen hat. Und weil sich das Wetter am Abend tatsächlich noch etwas auflockert, nutzen einige von uns die Gelegenheit, mit der Fløibahn auf den Fløyen hinaufzufahren. Von dort eröffnet sich ein erster weiter Blick über Bergen und die von Bergen umrahmte Küstenlandschaft. Ein stimmungsvoller Auftakt für unsere Reise, bevor wir die erste Nacht in Bergen verbringen.

2. Tag, 11.08.2026: Aufbruch in den hohen Norden

Nach einer erholsamen Nacht starten wir mit einem ausgiebigen Frühstück in den Tag. Gut gestärkt treffen wir uns anschließend mit unserer Stadtführerin Elisa, die uns bei einem abwechslungsreichen Rundgang durch Bergen begleitet und uns die Stadt mit vielen interessanten Geschichten näherbringt. Unser Weg führt uns zunächst zum Alten Rathaus und weiter zum Lille Lungegårdsvannet, dem kleinen Stadtweiher im Herzen Bergens. Hier entdecken wir auch den charakteristischen Musikpavillon, bevor wir schließlich den Hafen erreichen. Von dort ist es nicht mehr weit zu Bryggen, dem berühmten historischen Hanseviertel mit seinen dicht aneinandergereihten, farbenfrohen Holzhäusern. Während Elisa uns von der Geschichte der Stadt und ihrer Bedeutung als Handelszentrum erzählt, bekommen wir ein immer besseres Gefühl für Bergen – eine Stadt, die eng mit dem Meer und ihrer Lage zwischen Bergen und Fjorden verbunden ist. Nach unserem Rundgang geht es zurück zum Hotel, wo bereits unser Gepäck auf uns wartet. Gemeinsam verstauen wir die Koffer im Bus und fahren zum Hafen. Dort liegt sie bereits vor uns: die MS Midnatsol, unser Zuhause für die kommenden Tage. Nach dem Check-in und einer kurzen Sicherheitsunterweisung dürfen wir endlich an Bord gehen und unsere Kabinen beziehen. Um 14:30 Uhr heißt es dann „Leinen los!“ – und während Bergen langsam hinter uns zurückbleibt, stoßen wir mit einem Glas Sekt auf den Beginn unserer Seereise an. Vor uns liegt das Europäische Nordmeer und eine Route, die uns immer weiter nach Norden führen wird. Den Nachmittag nutzen wir, um unser Schiff in aller Ruhe zu erkunden. Zwischen den verschiedenen Bereichen an Bord entdecken wir unsere Lieblingsplätze für die kommenden Tage und hören bereits erste interessante Vorträge, die uns auf die bevorstehende Reise einstimmen. Am Abend treffen wir uns schließlich wieder zum gemeinsamen Abendessen. Während draußen die norwegische Küste vorbeizieht, wird uns langsam bewusst: Unsere Reise in Richtung Arktis hat nun wirklich begonnen.

3. Tag, 12.08.2026: Åndalsnes und die Welt der Trolle

Unsere erste Nacht an Bord vergeht erstaunlich ruhig. Nur ein leichter Wellengang erinnert uns daran, dass wir bereits unterwegs sind, und so starten wir entspannt in den neuen Tag. Beim Frühstück genießen wir nicht nur die erste Mahlzeit an Bord, sondern auch die Vorfreude auf das, was uns heute erwartet. Gegen 8:30 Uhr läuft die unser Schiff in Åndalsnes ein. Schon die Einfahrt ist ein Erlebnis, denn die kleine Küstenstadt liegt eingebettet zwischen Isfjord und Romsdalsfjord und wird von einer eindrucksvollen Bergwelt umrahmt. Von hier aus teilen wir uns für einige Stunden auf und entdecken die Region auf ganz unterschiedliche Weise. Während einige von uns mit dem Bus zum berühmten Trollstigen aufbrechen und die spektakuläre Bergstraße mit ihren engen Serpentinen und Wasserfällen erleben, steigen andere in den Golden Train und fahren durch das landschaftlich grandiose Romsdalen. Eine weitere Gruppe erkundet zunächst Åndalsnes zu Fuß und fährt anschließend mit der Gondel hinauf auf den Nesaksla. Dort oben eröffnet sich ein fantastischer Blick über die Stadt, den Fjord und die gewaltigen Berge ringsum – ein Panorama, das man wohl kaum schöner hätte erwarten können. Am Nachmittag sind wir wieder zurück an Bord und lassen die Eindrücke des Vormittags bei einem gemütlichen Mittagessen Revue passieren. Während draußen die norwegische Landschaft langsam an uns vorbeizieht, bleibt Zeit, das Schiff weiter zu erkunden, verschiedenen Vorträgen zu lauschen und bei einer Verkostung eine besondere norwegische Spezialität kennenzulernen: Fenalår, traditionell gesalzenes und getrocknetes Lammfleisch. So verbindet sich an diesem Tag das Erlebnis an Land mit den besonderen Momenten an Bord. Am Abend kommen wir erneut zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Vor den Fenstern ziehen weiterhin Fjorde und Berge vorbei, während wir es uns am Tisch gemütlich machen. Norwegen zeigt sich heute von seiner ganzen beeindruckenden Seite – und wir wissen schon jetzt, dass dieser Blick aus unserem fahrenden Zuhause noch viele Male ganz anders aussehen wird.

4. Tag, 13.08.2026: Træna – Inselwelt am Polarkreis

Nach einer erholsamen Nacht und einem gemütlichen Frühstück beginnt unser Tag zunächst ganz entspannt an Bord. Draußen zeigt sich Norwegen heute von seiner eher nordischen Seite: Der Himmel ist dicht bewölkt, immer wieder fällt Regen und die Landschaft verschwindet stellenweise im Dunst. Doch das kann unsere Stimmung nicht trüben – schließlich haben wir es an Bord warm und gemütlich und so lassen wir den Vormittag ganz entspannt verstreichen. Am Nachmittag erreichen wir schließlich Husøya, die Hauptinsel der kleinen Inselgemeinde Træna, die rund 65 Kilometer vor der norwegischen Küste liegt. Die Gemeinde besteht aus über 400 Inseln, Schären und Felsen, von denen allerdings nur vier dauerhaft bewohnt sind. Gerade diese Abgeschiedenheit macht den besonderen Reiz von Træna aus: Hier scheint das Leben noch ganz unmittelbar mit dem Meer verbunden zu sein. Fischfang und maritime Traditionen prägen die Inselwelt bis heute, während die karge Landschaft mit ihren schroffen Felsen und weiten Ausblicken einen faszinierenden Kontrast zum geschäftigen Leben auf dem Festland bildet. Einige von uns nutzen den Aufenthalt für eine Tour hinaus in die besondere Inselwelt, während andere Husøya zu Fuß erkunden. Unser Rundgang führt uns unter anderem zur Petter-Dass-Kapelle, zum Wasserturm, zum Træna Museum und zur Træna Kirche. Dabei entdecken wir immer wieder kleine Einblicke in das Leben der Menschen, die hier draußen, mitten im Nordmeer, ihre Heimat gefunden haben. Gegen 19 Uhr heißt es wieder Leinen los. Während Træna langsam hinter uns verschwindet, wissen wir, dass uns am Abend noch ein besonderer Moment bevorsteht: Wir überqueren den Nördlichen Polarkreis. Und natürlich lassen wir dieses Ereignis nicht einfach verstreichen. Mit einer zünftigen Polarkreistaufe feiern wir gemeinsam unseren Eintritt in die Arktis – ein Erlebnis, das bei aller Kälte für ordentlich gute Stimmung sorgt. So endet ein grauer und regnerischer Tag schließlich mit viel Lachen, Gemeinschaft und einem ganz besonderen Gefühl: Wir haben den Polarkreis überquert und sind nun endgültig im hohen Norden angekommen.

5. Tag, 14.08.2026: Inselwelt der Lofoten

Am Morgen erreichen wir endlich die Lofoten – jene Inselwelt, die wohl zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Landschaften Norwegens gehört. Unser Schiff gleitet in den Hafen von Reine, und schon bei der Einfahrt wissen wir, dass dieser Tag etwas Besonderes bereithält: Steile, zerklüftete Berge ragen unmittelbar aus dem Meer, dazwischen liegen kleine Fischerdörfer mit ihren roten und gelben Häusern. Das Wetter ist zwar nicht perfekt, aber zumindest bleibt es weitgehend trocken – und damit haben wir beste Voraussetzungen, die Lofoten zu entdecken. Für einen großen Teil unserer Gruppe beginnt das Abenteuer mit einer geführten Bustour über die Inselwelt. Wir verlassen Reine und folgen der Straße entlang der Innenküste, die sich zwischen gewaltigen Bergen und dem Meer hindurchschlängelt. Immer wieder eröffnen sich uns diese typischen Lofoten-Panoramen: kleine Fischerdörfer ducken sich unter steilen Bergflanken, Fischerboote liegen im Wasser und überall scheint das Meer ganz nah zu sein. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf den 448 Meter hohen Reinebringen, der direkt über Reine aufragt. Unser erstes Ziel ist Å, eines der besterhaltenen historischen Fischerdörfer Norwegens und zugleich das westliche Ende der Lofotenstraße. Hier bekommen wir einen besonders unmittelbaren Eindruck davon, wie eng das Leben der Menschen seit Jahrhunderten mit dem Fischfang verbunden ist. Im Fischereimuseum erfahren wir mehr über die Geschichte dieses für die Lofoten so wichtigen Wirtschaftszweiges, entdecken traditionelle Holzboote und werfen einen Blick in die alte Dorfbäckerei und in das Wohnhaus einer Fischerfamilie. Zwischen den historischen Gebäuden wird deutlich, dass Å weit mehr ist als ein hübsches Fotomotiv – der Ort bewahrt ein Stück der Lebenswelt, die die Lofoten über Generationen geprägt hat. Weiter geht es entlang der äußeren Küste. Bei der Flakstad-Kirche, einer der ältesten Kirchen der Lofoten, legen wir einen kurzen Fotostopp ein, bevor wir schließlich den Rambergstranda erreichen. Vor uns liegt ein rund 1,3 Kilometer langer, geschwungener Sandstrand mit hellem, fast karibisch wirkendem Sand. Dahinter ragen die Berge auf, während das Meer in verschiedenen Blautönen schimmert. Für einen Moment könnten wir tatsächlich vergessen, dass wir uns weit nördlich des Polarkreises befinden. Bei einem leckeren Mittagessen aus regionalen Zutaten lassen wir die Eindrücke auf uns wirken, bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Reine machen. Währenddessen hat sich ein kleiner, besonders mutiger Teil unserer Gruppe ein ganz anderes Ziel gesetzt: den Reinebringen. Knapp 2.000 Stufen und mehr als 400 Höhenmeter liegen vor uns. Der Aufstieg ist anstrengend und bringt uns ordentlich ins Schwitzen, doch oben angekommen, ist jede Mühe vergessen. Vor uns breitet sich die spektakuläre Landschaft der Lofoten aus – Reine liegt winzig unter uns, die Fjorde ziehen sich tief zwischen die Berge und das Meer scheint sich bis zum Horizont zu erstrecken. Dieser Augenblick gehört zweifellos zu den großen Höhepunkten unserer Reise. Am Nachmittag treffen wir wieder auf dem Schiff zusammen und setzen unsere Reise entlang der beeindruckenden Lofotenwand fort. Die markanten Berge begleiten uns noch lange, während die Inselwelt langsam hinter uns zurückbleibt. Am Abend erreichen wir den Tjeldsundet, eine rund 25 Seemeilen lange Meerenge zwischen Hinnøya und Tjeldøya beziehungsweise dem Festland. Schon seit den Anfängen der Hurtigruten spielt diese Wasserstraße eine wichtige Rolle für die Schifffahrt. Bis 1922 führte die Route regelmäßig durch den Tjeldsundet; mit der Eröffnung der Risøyrenna änderte sich die Streckenführung. Während draußen die Berge und Inseln langsam in der Dämmerung verschwimmen, lassen wir den Tag Revue passieren. Die Lofoten haben uns heute mit Fischerdörfern, weißen Stränden und spektakulären Gipfelblicken gezeigt, warum diese Inselwelt zu den faszinierendsten Landschaften Norwegens gehört.

6. Tag, 15.08.2026: Tromsø – im Herzen der Arktis

Am Morgen erreichen wir Tromsø, das sich heute zunächst ganz geheimnisvoll präsentiert. Tief hängen die Wolken über der Stadt und den umliegenden Bergen, während die Eismeerkathedrale auf der anderen Seite des Sunds aus dem grauen Schleier hervortritt. Gerade dieses mystische Licht verleiht der Ankunft ihren ganz eigenen Reiz. Unser Schiff liegt direkt im Zentrum, sodass wir Tromsø wunderbar zu Fuß entdecken können. Eine kleine Gruppe von uns macht sich gemeinsam mit unserer Reisebegleiterin auf den Weg und erkundet die Stadt bei einem Spaziergang vom Hafen aus. Wir überqueren die imposante Tromsøbrücke und erreichen die Eismeerkathedrale, bevor wir wieder ins Stadtzentrum zurückkehren. Durch die Fußgängerzone schlendern wir vorbei an einer der kleinsten Bars der Welt und entdecken anschließend die hübsche hölzerne Domkirche, die sich überraschend bescheiden zwischen den Häusern der Innenstadt versteckt. Unser nächstes Ziel sind die Ølhallen, Tromsøs traditionsreiche Bierhalle – doch zu unserem Pech stehen wir noch vor verschlossenen Türen. Macht nichts: Schließlich bleibt uns noch genügend Zeit, Tromsø später auf eigene Faust weiterzuentdecken. Während einige von uns gemeinsam zu Fuß unterwegs sind, erkunden andere die Stadt bei den verschiedenen Ausflügen, die direkt vom Schiff angeboten werden. Ob mit dem Bus, auf dem E-Bike oder bei einem weiteren Spaziergang durch die Stadt – jeder findet seine eigene Art, Tromsø kennenzulernen. So verteilen wir uns über den Tag, sammeln ganz unterschiedliche Eindrücke und treffen immer wieder mit neuen Geschichten und Erlebnissen aufeinander. Tromsø macht dabei seinem Ruf als „Paris des Nordens“ alle Ehre. Zwischen historischen Holzhäusern, moderner Architektur, lebendiger Innenstadt und der gewaltigen arktischen Landschaft wird spürbar, warum die Stadt seit jeher eine besondere Bedeutung für den hohen Norden besitzt. Als wichtigstes Zentrum Nordnorwegens ist Tromsø nicht nur Ausgangspunkt für Reisen in die Arktis, sondern auch ein Ort, an dem sich Forschung, Handel und das Leben in einer extremen nördlichen Lage verbinden.
Am späten Nachmittag heißt es schließlich wieder Leinen los. Tromsø bleibt hinter uns zurück, während die Midnatsol weiter nach Norden fährt. Vor uns liegen nun die nächsten Etappen unserer Reise – und damit rückt unser großes Ziel immer näher: Spitzbergen und die Welt der hohen Arktis.

7. Tag, 16.08.2026: Vom Nordkap Richtung Arktis

Der Morgen beginnt geheimnisvoll. Während wir durch den Magerøysund fahren, liegt dichter Nebel über dem Wasser und verschluckt die Landschaft ringsum. Nur schemenhaft tauchen die Felsen und Küstenlinien auf, bevor sie wieder im Grau verschwinden. Pünktlich erreichen wir schließlich Honningsvåg – und von hier aus beginnt für viele von uns ein ganz besonderer Teil des Tages. Die Ausflüge führen in unterschiedliche Richtungen. Viele nutzen die Gelegenheit, zum berühmten Nordkap zu fahren. Die 307 Meter hohe Felsklippe ragt weit über die Barentssee hinaus und gilt als einer der symbolträchtigsten Punkte des europäischen Nordens. Auch wenn das eigentliche geografische Nordkap nicht der nördlichste Punkt Europas ist, vermittelt der Blick über das offene Meer eindrucksvoll das Gefühl, am Ende des Kontinents angekommen zu sein. Für viele von uns ist dieser Moment deshalb weit mehr als ein gewöhnlicher Ausflug: Wir stehen an einem Ort, den wir bisher vielleicht nur von Bildern kennen. Ein kleiner Teil unserer Gruppe entscheidet sich für eine Wanderung auf den Storfjellet. Über die Nordkapptreppa steigen wir Schritt für Schritt hinauf, während unter uns Honningsvåg immer kleiner wird. Oben angekommen, wartet nicht nur ein beeindruckender Blick auf die Stadt und den Hafen auf uns – wir haben auch einen besonderen Moment vor Augen: Von hier beobachten wir, wie die MS Richard With in den Hafen einfährt. Leider hält der Nebel auch auf dem Gipfel an, sodass uns der ganz große Fernblick heute verborgen bleibt. Doch gerade diese geheimnisvolle Stimmung gehört zu unserem Aufenthalt im hohen Norden dazu. Wir nehmen es mit Humor und genießen stattdessen den Blick auf Honningsvåg und das Schauspiel im Hafen. Am späten Nachmittag heißt es wieder Leinen los. Während die Küste langsam hinter uns zurückbleibt, verändert sich auch das Gefühl unserer Reise. Wir lassen die Insel Magerøya hinter uns und nehmen Kurs auf Spitzbergen. Vor uns liegt nun vor allem eines: das offene Meer. Die Barentssee trennt uns noch von unserem großen Ziel – und mit jedem zurückgelegten Seemeilen wird spürbarer, dass wir nun tatsächlich auf dem Weg in die hohe Arktis sind.

8. Tag, 17.08.2026: Begegnungen auf hoher See

Heute lassen wir es bewusst etwas ruhiger angehen. Nach den ereignisreichen Tagen entlang der norwegischen Küste tut es gut, ausschlafen zu können, gemütlich zu frühstücken und einfach einmal den Blick über die Barentssee schweifen zu lassen. Die Überfahrt verläuft ruhig, und so genießen wir unseren Seetag ganz ohne Eile. Schließlich liegt unser eigentliches Ziel bereits vor uns: Spitzbergen. Am späten Vormittag nähern wir uns der Bäreninsel, norwegisch Bjørnøya, der südlichsten Insel des Svalbard-Archipels. Ihren Namen verdankt sie einer historischen Entdeckung: Als die niederländischen Seefahrer Willem Barents und Jacob van Heemskerk die Insel 1596 erreichten, beobachteten sie dort einen Eisbären. Heute ist von dem Namensgeber allerdings nichts zu sehen. Die Insel selbst präsentiert sich uns als karge, zerklüftete Landschaft, die sich steil aus dem Meer erhebt. Bäume gibt es hier nicht, auch Sträucher sucht man vergeblich – und dauerhaft leben außer den Mitarbeitern der norwegischen Wetterstation keine Menschen auf Bjørnøya. Dafür herrscht in den steilen Felswänden und an den Küsten ein erstaunlich reges Leben. Die Bäreninsel gehört zu den bedeutenden Brutgebieten für Seevögel in der Barentssee. Während wir mit hervorragender Sicht an der Insel vorbeifahren, begleiten uns Möwen und sogar Papageientaucher, die dicht über der Wasseroberfläche unterwegs sind. Immer wieder richten wir unsere Blicke und Kameras auf die Felsen und das Meer und versuchen, möglichst viele dieser besonderen Momente festzuhalten. Überhaupt steht dieser Tag ganz im Zeichen der Naturbeobachtung. Bei interessanten Vorträgen an Bord erfahren wir mehr über die arktische Welt, während wir gleichzeitig immer wieder hinausblicken und Ausschau halten. Vielleicht taucht irgendwo am Horizont ein Wal auf? Und tatsächlich haben wir Glück: Wir entdecken Wale in der Weite der Barentssee. Für einen Moment richtet sich die Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe nach draußen, Kameras werden gezückt und alle hoffen auf den nächsten Auftauchmoment. Dazwischen bleibt viel Zeit zum Entspannen, für Gespräche und einfach zum Genießen der ruhigen Seefahrt. Die Landschaft um uns herum wird zunehmend einsamer, der Horizont scheint grenzenlos. Während wir durch die Barentssee weiter nach Norden fahren, wächst die Vorfreude: Spitzbergen ist nun nicht mehr nur ein Ziel auf unserer Reiseroute – wir kommen der hohen Arktis tatsächlich immer näher.

9. Tag, 18.08.2026: Spitzbergen – endlich Arktis!

Heute geht es Schlag auf Schlag – schon am Morgen beginnt ein Tag, der uns mit immer neuen Höhepunkten überrascht. Während die Midnatsol durch den Isfjord gleitet, taucht vor uns der gewaltige Nordre Isfjorden auf, einer der großen Fjorde Spitzbergens. Besonders beeindruckend ist hier der Nordenskiöldbreen, ein mächtiger Gletscher, der sich vom Inlandeis hinunter zum Fjord schiebt. Immer wieder halten wir Ausschau nach Tieren, und tatsächlich scheint die arktische Natur heute besonders großzügig mit uns zu sein: Wir entdecken Papageientaucher, Wale und Rentiere an Land – und sogar einen Polarfuchs bekommen wir zu Gesicht. Kaum haben wir eine Beobachtung verarbeitet, wartet schon die nächste Überraschung. Dann taucht Pyramiden vor uns auf. Die ehemalige sowjetische Bergbausiedlung liegt spektakulär am Fuß der Berge und wirkt heute wie ein Ort zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Bis 1998 wurde hier Steinkohle abgebaut; danach wurde die Siedlung praktisch aufgegeben. Die verlassenen Gebäude, die stillgelegten Anlagen und die monumentale sowjetische Architektur erinnern noch immer an eine Zeit, in der hier mehrere hundert Menschen unter extremen arktischen Bedingungen lebten. Gerade dieser Kontrast zwischen der gewaltigen Natur und dem menschlichen Versuch, sie dauerhaft zu besiedeln, macht Pyramiden zu einem außergewöhnlichen Anblick. Um die Mittagszeit erreichen wir schließlich Longyearbyen, die größte Siedlung Svalbards und unser heutiger Ausgangspunkt für zahlreiche Entdeckungen. Von hier aus machen sich viele von uns zu den unterschiedlichsten Ausflügen auf und lernen Spitzbergen aus ganz verschiedenen Perspektiven kennen. Einige erkunden die arktische Landschaft auf dem Wasser, andere sind mit dem E-Bike oder auf Wanderungen unterwegs, während wiederum andere die Geschichte und Tierwelt der Inselgruppe näher kennenlernen. Ein kleiner Teil unserer Gruppe entscheidet sich dafür, Longyearbyen ganz entspannt zu Fuß zu erkunden. Mit dem Shuttlebus fahren wir zunächst in den Ort und schlendern anschließend durch die Straßen. Die bunten Häuser bilden einen überraschend fröhlichen Kontrast zur kargen Berglandschaft, die Longyearbyen umgibt. Wir schauen uns die Svalbard kirke an, entdecken die historische Taubanesentralen, die einst zentrale Schaltstelle für das umfangreiche Kohletransport-System war, und genießen immer wieder die beeindruckenden Blicke auf die umliegenden Berge und den Fjord. Natürlich bleibt auch Zeit für einen kleinen Einkaufsbummel. Zurück zum Schiff geht es schließlich zu Fuß – und kein Besuch in Longyearbyen wäre vollständig ohne das obligatorische Foto am berühmten Eisbären-Warnschild. Schließlich befinden wir uns hier in einer Region, in der Eisbären tatsächlich Teil der wilden Natur sind und außerhalb der Siedlungen besondere Vorsicht erforderlich ist. Mit vielen neuen Eindrücken kehren wir an Bord zurück und stärken uns beim Abendessen. Doch selbst dabei lässt uns die arktische Tierwelt nicht in Ruhe: Während wir essen, entdecken wir draußen im Fjord plötzlich eine große Gruppe Belugawale. Die weißen Wale ziehen durch das Wasser, tauchen auf und wieder ab – ein fantastischer Anblick und zweifellos einer dieser Momente, die man nicht planen kann und gerade deshalb besonders in Erinnerung bleibt. Doch der Tag ist noch nicht zu Ende. Am Abend passieren wir zunächst Grumant, eine ehemalige sowjetische Bergbausiedlung am Isfjord, die heute verlassen ist. Wenig später erreichen wir Barentsburg, die zweitgrößte Siedlung Svalbards und bis heute von einer russischen Bergbaugesellschaft betrieben. Zwischen den bunten Häusern, dem Hafen und den Spuren des Kohlebergbaus wird noch einmal deutlich, wie international und zugleich außergewöhnlich die Geschichte dieser abgelegenen Inselgruppe ist. Und während wir an Barentsburg vorbeiziehen, blicken wir auf einen Tag zurück, der kaum abwechslungsreicher hätte sein können. Gletscher, verlassene Siedlungen, Rentiere, Polarfuchs, Wale und schließlich Belugas – Spitzbergen zeigt uns heute seine ganze faszinierende Vielfalt. Bei angenehmen 9 °C erleben wir die Arktis dabei sogar überraschend mild.

10. Tag, 19.08.2026: Am Rand der bewohnten Welt

Schon früh am Morgen erreichen wir Ny-Ålesund, eine der nördlichsten dauerhaft betriebenen Siedlungen der Welt. Der kleine Ort liegt am Südufer des Kongsfjords, umgeben von gewaltigen Bergen und Gletschern. Einst wurde hier Kohle abgebaut, heute ist Ny-Ålesund vor allem ein internationales Zentrum der arktischen Klima- und Polarforschung. Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern arbeiten hier an Fragen, die weit über Spitzbergen hinaus von Bedeutung sind – insbesondere zur Entwicklung des arktischen Klimas. Ein ziemlich frischer Wind empfängt uns bei unserem Landgang, doch davon lassen wir uns nicht abschrecken. Die Siedlung ist überschaubar und gerade deshalb lässt sie sich wunderbar zu Fuß erkunden. Wir entdecken das kleine Museum, das Postamt und die Statue des berühmten norwegischen Polarforschers Roald Amundsen, der von Ny-Ålesund aus zu seinem Versuch aufbrach, den Nordpol mit einem Luftschiff zu erreichen. Auch der historische Amundsen-Turm gehört zu unserem Rundgang. Diesen dürfen wir allerdings nur gemeinsam mit einem bewaffneten Ranger betreten – schließlich befinden wir uns mitten im Eisbärengebiet. Natürlich gehört zu einem Besuch in Ny-Ålesund auch ein ganz besonderes Urlaubserlebnis: Wir schreiben Postkarten und geben sie im nördlichsten Postamt der Welt auf. So machen sich unsere Grüße von einem Ort auf den Weg nach Hause, der kaum weiter davon entfernt sein könnte.
Doch nicht nur historische Spuren und Forschungsstationen ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Rund um Ny-Ålesund begegnen wir auch der arktischen Tierwelt: Rentiere streifen durch die Landschaft, Polarfüchse zeigen sich und sogar Robben entdecken wir. Nur einer lässt sich auch heute nicht blicken: Der Eisbär bleibt uns weiterhin schuldig. Um die Mittagszeit heißt es schließlich wieder Leinen los. Die Midnatsol nimmt Kurs nach Süden und fährt erneut durch den Kongsfjord. Dabei genießen wir noch einmal die spektakuläre Landschaft mit ihren steilen Bergen und Gletschern. Kurz darauf werfen wir einen letzten Blick auf Ny-London, eine ehemalige englische Bergbausiedlung am gegenüberliegenden Ufer. Die verlassenen Überreste der alten Grubenanlagen erinnern daran, dass auch hier einst Menschen unter schwierigsten Bedingungen nach Kohle suchten. Den Rest des Tages lassen wir ganz entspannt an Bord ausklingen. Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage tut es gut, einfach einmal die Füße hochzulegen, durch die Fenster die vorbeiziehende arktische Landschaft zu betrachten und die Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Wir haben den nördlichsten Zipfel unserer Reise erreicht – und Spitzbergen wird uns mit Sicherheit noch lange begleiten.

11. Tag, 20.08.2026: Gänsehaut unter der Mitternachtssonne

Der gestrige Abend ist noch lange nicht vorbei, als wir an der Südspitze Spitzbergens plötzlich erneut Gesellschaft bekommen: Buckelwale tauchen auf und schwimmen teilweise so dicht neben unserem Schiff, dass wir sie beinahe aus nächster Nähe beobachten können. Über uns liegt die helle Mitternachtssonne, während die Barentssee fast spiegelglatt vor uns liegt. Es sind diese seltenen Momente, in denen selbst das Meer vollkommen stillzustehen scheint – und wir einfach nur staunend an der Reling stehen. Gänsehaut pur. Heute lassen wir es deshalb etwas ruhiger angehen. Wir schlafen ein wenig länger, frühstücken ganz gemütlich und genießen die entspannte Atmosphäre an Bord. Auch das Wetter passt zu unserem Vorhaben: Draußen ist der Himmel grau und verhangen, und so gibt es keinen Grund, irgendwohin aufzubrechen. Stattdessen entdecken wir die Midnatsol noch einmal ganz in Ruhe oder machen es uns in der Panorama-Lounge bequem und beobachten, wie das Meer an uns vorbeizieht. Über den Tag verteilt bietet das Expertenteam verschiedene Vorträge an. Wir erfahren beispielsweise mehr über das Leben auf Spitzbergen und darüber, wie Menschen unter den besonderen Bedingungen der hohen Arktis ihren Alltag gestalten. Zwischendurch wird es auch kulinarisch: Bei einer kleinen Vorführung lernen wir, wie man Garnelen richtig schält – natürlich nicht nur theoretisch. Anschließend dürfen wir das Ergebnis selbstverständlich auch probieren. So vergeht der Tag angenehm langsam. Wir führen Gespräche, lesen, lauschen den Vorträgen oder genießen einfach die Ruhe und das gleichmäßige Dahingleiten des Schiffes. Nach dem spektakulären Abend zuvor ist genau das heute das Richtige: ein Tag zum Durchatmen, Genießen und einfach einmal die Seele über der Barentssee baumeln zu lassen.

12. Tag, 21.08.2026: Senja – im Nebel der Inselwelt

Heute lassen wir den Morgen ganz entspannt angehen. Als wir aufwachen, ist die norwegische Küste bereits wieder in Sicht – ein vertrauter Anblick nach unserer Fahrt zurück vom hohen Norden. Am Vormittag passieren wir Tromsø, und zunächst meint es das Wetter noch gut mit uns. Doch je weiter wir Richtung Senja fahren, desto dichter wird der Nebel. Die Landschaft verschwindet nach und nach hinter einer weißen Wand, und plötzlich wirkt die Fahrt durch die Fjorde beinahe mystisch. Senja, Norwegens zweitgrößte Insel, gilt noch immer als eine Art Geheimtipp. Die Insel vereint auf kleinem Raum vieles von dem, was Norwegen so besonders macht: schroffe Berge, tiefe Fjorde, kleine Fischerdörfer und eine dramatische Küste, an der die Berge teilweise unmittelbar ins Meer abfallen. Nicht ohne Grund wird Senja gerne als „Norwegen im Miniaturformat“ bezeichnet.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Torsken – und wie bestellt klart es hier wieder etwas auf. Nun teilen wir uns erneut auf und entdecken Senja auf ganz unterschiedliche Weise: Einige sind mit dem E-Bike unterwegs, andere erkunden die Küste vom RIB-Boot aus, während eine weitere Gruppe mit dem Bus über die Insel fährt. Unsere Bustour führt uns über die Norwegische Landschaftsroute Senja, eine rund 102 Kilometer lange Strecke entlang der spektakulären Westküste. Hier wechseln sich Fjorde, Berge, kleine Küstensiedlungen und offene Meeresblicke ab. Unser Ziel ist unter anderem Tungeneset, ein Aussichtspunkt auf einer Landzunge zwischen Steinsfjord und Ersfjord. Ein Holzsteg aus sibirischer Lärche führt dort hinaus über die Felsen und eröffnet normalerweise einen fantastischen Blick auf das Meer und die markanten Gipfel des Okshornan. Heute allerdings müssen wir uns diese Landschaft ein wenig vorstellen. Der Nebel liegt weiterhin schwer über Senja und nimmt uns einen Großteil der spektakulären Ausblicke. Auch am Ersfjordstranda können wir nur erahnen, wie eindrucksvoll der Kontrast zwischen dem hellen Sandstrand, dem Fjord und den steilen Bergen bei klarer Sicht sein muss. Doch gerade der Nebel verleiht unserem Ausflug eine ganz eigene Atmosphäre. Die Konturen der Berge tauchen manchmal nur schemenhaft aus dem Grau auf, verschwinden wieder und lassen die Landschaft beinahe unwirklich erscheinen. Wir nehmen es gelassen – schließlich gehört zum Reisen im Norden auch dazu, dass die Natur ihre eigenen Vorstellungen davon hat, was sie uns zeigen möchte. Am späten Abend kehren wir schließlich wieder zur Midnatsol zurück. Gegen Mitternacht lösen wir uns von Senja. Während die Insel langsam hinter uns verschwindet, steigt bereits die Vorfreude auf den nächsten Tag: Vor uns liegen die Vesterålen und die Lofoten – und damit eine weitere der großen Landschaften des norwegischen Nordens.

13. Tag, 22.08.26: Zurück zu den Wurzeln

Am Morgen erreichen wir Stokmarknes, einen Ort, der für unsere Reise mit Hurtigruten eine ganz besondere Bedeutung hat. Hier gründet Richard With im Jahr 1893 die ursprüngliche Postschiffroute und legt damit den Grundstein für eine Verbindung, die bis heute untrennbar mit der norwegischen Küste verbunden ist. Was damals eine regelrechte Revolution für den Personen-, Post- und Güterverkehr darstellt, ist heute ein Stück norwegischer Verkehrsgeschichte. Viele von uns nutzen die Gelegenheit und besuchen das direkt am Hafen gelegene Hurtigruten-Museum, wo wir mehr über die Geschichte der Postschiffe und die Entwicklung der berühmten Küstenroute erfahren. Doch bevor wir anschließend weiter in Richtung Raftsund fahren, hält unser Kapitän Benny noch eine ganz persönliche Überraschung für uns bereit. Heute hat er Geburtstag – und weil er selbst in Hennes lebt, macht er mit der Midnatsol kurzerhand einen kleinen Abstecher. Vor dem Ort lässt er das Schiffshorn ertönen, um seine Familie und Freunde an Land zu begrüßen. Was zunächst wie eine kleine Geste wirkt, entwickelt sich zu einem der emotionalsten Momente unserer Reise: Nach und nach kommen immer mehr Menschen aus dem Ort an die Küste, winken uns zu und schwenken begeistert norwegische Flaggen. Auf dem Schiff wird zurückgewunken, gelacht und fotografiert – und für einen Augenblick fühlt es sich an, als würden wir selbst ein kleines Stück zu dieser persönlichen Geburtstagsfeier gehören. Anschließend setzen wir unsere Fahrt durch den Raftsund fort. Die schmale Meerenge zwischen den Inseln Hinnøya und Austvågøya gehört zu den landschaftlich beeindruckendsten Abschnitten der Hurtigrutenroute. Steile Berge ragen links und rechts aus dem Wasser, und je weiter wir in den Sund hineinfahren, desto eindrucksvoller wird die Szenerie. Schließlich folgt noch ein besonderer Höhepunkt: die Einfahrt in den Trollfjord. Der nur wenige Kilometer lange Fjord ist an seiner schmalsten Stelle gerade einmal rund 100 Meter breit und wird von steilen Felswänden eingerahmt. Unser Schiff gleitet tief hinein und lässt uns für einen Moment die gewaltige Dimension dieser Landschaft unmittelbar erleben. Am Nachmittag erreichen wir schließlich Svolvær, das Zentrum der Lofoten. Von hier aus starten wieder die unterschiedlichsten Ausflüge, sodass sich unsere Gruppe erneut in alle Himmelsrichtungen verteilt. Einige von uns, die keinen Ausflug gebucht haben, nutzen die Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Ein Besuch in der Magic Ice Bar sorgt für eine willkommene Abkühlung, während andere das nahegelegene Lofoten-Kriegsmuseum besuchen und sich mit der bewegten Geschichte der Inselwelt während des Zweiten Weltkriegs beschäftigen. Als am Abend schließlich wieder das Signal zum Ablegen ertönt, heißt es Abschied nehmen von den Lofoten. Die Midnatsol nimmt Kurs über den Vestfjord, und während Svolvær langsam hinter uns verschwindet, lassen wir einen Tag ausklingen, der auf besondere Weise gezeigt hat, was Hurtigruten bis heute ausmacht: große Landschaften, maritime Geschichte und manchmal auch ganz persönliche Begegnungen, die aus einer Schiffsreise ein gemeinsames Erlebnis machen.

14. Tag, 23.08.3026: Bessaker – Abschied vom hohen Norden

Am Morgen begleitet uns noch einmal die vertraute Landschaft der norwegischen Küste. Wir passieren den Torghatten, den markanten Berg mit seinem berühmten natürlichen Loch, bevor wenig später die Sieben Schwestern vor uns auftauchen. Die sieben Gipfel gehören zu den bekanntesten Bergformationen entlang der norwegischen Küste – und wir genießen noch einmal den Anblick dieser gewaltigen Landschaft vom Schiff aus. Am Vormittag steht dann ein besonderer Moment auf dem Programm: Unsere zweite Polarkreiszeremonie. Diesmal geht es kulinarisch durchaus gewöhnungsbedürftig zu, denn als arktische „Medizin“ gibt es einen kräftigen Schluck Lebertran. Begeisterung sieht bei einigen von uns vielleicht etwas anders aus, aber gemeinsam lachen lässt es sich darüber allemal. Am Nachmittag erreichen wir schließlich Bessaker, ein kleines Küstendorf in Trøndelag mit gerade einmal rund 200 Einwohnern. Schon bei der Einfahrt merken wir, dass wir hier nicht einfach nur anlegen: Die Bewohner stehen am Ufer, schwenken norwegische Flaggen und winken uns begeistert zu. Wir winken zurück – und so entsteht schon vor dem ersten Schritt an Land eine herzliche Verbindung zwischen Schiff und Dorf. Anschließend haben wir Zeit, Bessaker ganz in Ruhe kennenzulernen. Einige erkunden den kleinen Ort zu Fuß, andere nehmen an verschiedenen Ausflügen teil. Und natürlich darf auch eine typisch norwegische Pause bei Kaffee und einer leckeren Zimtschnecke nicht fehlen. Gerade die Überschaubarkeit des Ortes macht den Aufenthalt so sympathisch: Hier geht es nicht um große Sehenswürdigkeiten, sondern um die Landschaft, die Menschen und das Gefühl, für einen Nachmittag in einem kleinen norwegischen Küstenort angekommen zu sein. Als wir am Abend wieder an Bord sind, wartet noch ein letzter landschaftlicher Höhepunkt auf uns: Wir passieren den Leuchtturm Kjeungskjær, der auf einer kleinen Schäre vor der Küste steht und mit seiner charakteristischen roten Farbe schon von Weitem ins Auge fällt. Danach wird es noch einmal besonders feierlich. Kapitän Benny und seine Crew verabschieden uns offiziell, und während die Midnatsol ihren Kurs fortsetzt, wird uns bewusst, dass sich unsere Reise langsam dem Ende nähert. Hinter uns liegen die Lofoten, die Vesterålen, Spitzbergen und die arktische Welt – und vor uns nun die letzten Kilometer entlang der norwegischen Küste.

15. Tag, 24.08.2026: Ålesund & Hjørundfjord

Unser letzter großer Reisetag beginnt in Ålesund – und noch einmal zeigt sich Norwegen von seiner besonders schönen Seite. Am Morgen ist der Himmel zunächst etwas grau, doch im Laufe des Vormittags bessert sich das Wetter zusehends. So nutzen einige von uns die Zeit, Ålesund auf eigene Faust zu erkunden und steigen hinauf zum Aksla, von wo sich der berühmte Blick über die Jugendstilstadt, die vorgelagerten Inseln und das Meer eröffnet. Andere schließen sich dem geführten Stadtrundgang an und erfahren mehr über die bewegte Geschichte Ålesunds, das nach dem verheerenden Stadtbrand von 1904 im damals modernen Jugendstil wiederaufgebaut wurde. Eine weitere Gruppe ist auf einem Überlandausflug unterwegs – und so sammeln wir noch einmal ganz unterschiedliche Eindrücke, bevor wir uns am Nachmittag wieder in Sæbø treffen. Dorthin gelangen wir auf einem besonders schönen Abschnitt unserer Reise: Die Midnatsol fährt in den Hjørundfjord, der sich tief in die imposante Bergwelt der Sunnmøre-Alpen hineinzieht. Steile Felswände, grüne Hänge und Gipfel begleiten uns, während wir durch das tiefblaue Wasser gleiten. Und als wären die Landschaftsbilder nicht schon genug, bekommen wir unterwegs sogar noch Delfine zu sehen, die unser Schiff ein Stück begleiten. In Sæbø können wir nicht direkt anlegen, deshalb werden wir mit einem kleineren Boot an Land gebracht. Das gemütliche Dorf lädt dazu ein, einfach ein wenig durch die Straßen zu schlendern und die besondere Ruhe dieses Fjordortes zu genießen. Einige von uns besuchen auch die kleine Kirche, in der eigens für unsere Gruppe ein kleines Konzert stattfindet. Zwischen Musik, Fjordlandschaft und den umliegenden Bergen entsteht ein wunderbar stimmungsvoller Moment – vielleicht gerade deshalb, weil wir wissen, dass dies bereits einer unserer letzten Landgänge dieser Reise ist. Am späten Nachmittag heißt es schließlich wieder Abschied nehmen. Die Midnatsol nimmt Kurs auf Bergen, unseren letzten Zielhafen, von dem aus wir morgen die Heimreise antreten. Doch bevor unsere gemeinsame Reise zu Ende geht, wartet noch ein letzter besonderer Abend auf uns: Beim Captain’s Dinner sitzen wir noch einmal alle zusammen, stoßen auf unsere gemeinsame Zeit an und lassen die Reise Revue passieren. Anschließend zieht es uns noch auf Deck 8 in die Bar. Bei guten Gesprächen, dem einen oder anderen Getränk und viel Lachen lassen wir den Abend langsam ausklingen. Und während draußen die norwegische Küste an uns vorbeizieht, genießen wir noch einmal genau das, was diese Reise so besonders gemacht hat: die Landschaft – und vor allem die Menschen, mit denen wir sie erlebt haben.

16. Tag, 25.08.2026: Bergen – und ein leiser Abschied

Am Morgen erreichen wir wieder Bergen – und passend zu unserem letzten gemeinsamen Reisetag empfängt uns die Stadt mit strahlendem Sonnenschein. Nach den vielen Tagen zwischen Fjorden, Inseln und arktischer Landschaft fühlt es sich beinahe ungewohnt an, wieder hier anzukommen. Bis zu unserem Transfer zum Flughafen bleibt uns noch etwas Zeit. Einige von uns nutzen die Gelegenheit, noch einmal zu Fuß in die Stadt zu gehen, durch die vertrauten Gassen zu schlendern oder einfach bei schönstem Wetter einen letzten Blick auf Bergen zu genießen. Dann heißt es endgültig Abschied nehmen von Norwegen: Unser Bus bringt uns zum Flughafen, wo wir gemeinsam einchecken und wenig später den Rückflug nach Frankfurt antreten. Dort endet unsere gemeinsame Reise schließlich. Noch vor wenigen Stunden sitzen wir zusammen im Flugzeug und tauschen Erinnerungen aus, dann trennen sich unsere Wege wieder in alle Richtungen Deutschlands. Was bleibt, sind nicht nur die Bilder von Fjorden, Gletschern, Walen und der arktischen Landschaft, sondern vor allem die vielen gemeinsamen Momente, Gespräche und Begegnungen, die aus einer Reise eine ganz persönliche Erinnerung machen.


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