Auf Kurs ins arktische Abenteuer
Reisebericht: 22.06. – 07.07.2026
14 Tage Norwegen, Hurtigruten und Spitzbergen: Eine Reisegruppe folgt den Fjorden bis weit über den Polarkreis – mit grandiosen Landschaften, spannenden Begegnungen und unvergesslichen Abenteuern.
Ein Reisebericht von
Marcus Hasselhorst
Montag, den 22. Juni 2026 – Bergen begrüßt uns mit Sonnenschein
Es geht los! Während Deutschland bei hochsommerlichen Temperaturen schwitzt, machen wir uns aus allen Himmelsrichtungen auf den Weg nach Frankfurt. Die Vorfreude ist groß, die Koffer sind hoffentlich nicht zu schwer und spätestens am Gate wird klar: Jetzt beginnt das Norwegen-Abenteuer.
Der Flug nach Bergen verläuft angenehm ruhig und pünktlich – ganz so, wie man sich einen Reisestart wünscht. Am Flughafen angekommen empfängt uns überraschend freundliches Wetter. Nicht mehr ganz so heiß wie daheim, aber angenehm sonnig. Offenbar hat Bergen beschlossen, seinen Ruf als regenreichste Stadt Europas heute einfach einmal zu ignorieren.
Für unsere kleine Reisegruppe rollt ein Bus vor, der locker auch eine Fußballmannschaft samt Ersatzbank hätte transportieren können. Elf Gäste in einem 50-Sitzer – luxuriöser kann man kaum reisen. Nach dem schnellen Check-in in unserem zentral gelegenen Hotel hält es niemanden lange im Zimmer. Schließlich wartet schon der Fløyen.
Tickets sind schnell gekauft, Warteschlangen gibt es keine und wenige Minuten später schweben wir mit der Standseilbahn dem Aussichtspunkt entgegen. Oben angekommen verschlägt es selbst den Vielreisenden kurz die Sprache. Bergen liegt uns zu Füßen, eingerahmt von Fjorden, Bergen und glitzerndem Wasser. Die Sonne setzt die bunten Holzhäuser perfekt in Szene – Postkartenmotiv nach Postkartenmotiv.
Doch wir sind nicht allein. Neben unzähligen Touristen haben auch die vierbeinigen Bewohner des Fløyen ihren großen Auftritt. Die frechen Ziegen kennen offenbar keine Berührungsängste. Eine von ihnen entdeckt einen Kinderwagen samt süßem Inhalt und startet blitzschnell eine kleine Nasch-Attacke. Der überraschte Nachwuchs behält seine Süßigkeiten zwar gerade noch, doch die Ziege zieht mit einem Blick davon, der eindeutig sagt: "Beim nächsten Mal bin ich schneller."
Wieder unten angekommen erkunden alle Bergen ganz nach Lust und Laune. Die engen Gassen, der historische Hafen, kleine Boutiquen und gemütliche Cafés laden zum Bummeln ein. Überall herrscht entspanntes Sommerleben, Straßenmusiker sorgen für Stimmung und die farbenfrohen Häuser von Bryggen zeigen sich von ihrer allerschönsten Seite.
Zum Abend locken die berühmten Fischstände mit frischen Meeresfrüchten aller Art. Andere zieht es lieber in eines der zahlreichen Restaurants der Altstadt. Ob Lachs, Kabeljau oder einfach nur ein kühles Getränk in der Abendsonne – der erste Urlaubstag schmeckt ausgezeichnet.
Am Abend treffen schließlich auch unsere Mitreisenden aus München ein. Jetzt ist die Gruppe komplett, Norwegen kann kommen. Zufrieden fallen alle ins Bett – gespannt auf das, was die kommenden Tage entlang der norwegischen Küste bereithalten.
Dienstag, den 23. Juni 2026 – Von Bergen aufs Meer
Der Tag beginnt so, wie Urlaubstage beginnen sollten: mit einem Frühstück, das kaum Wünsche offenlässt. Frische Beeren, duftendes Brot, regionaler Fisch in allen Variationen und dazu ganz viel norwegische Gelassenheit. Kein Gedränge, kein Kampf um das letzte Croissant – jeder findet etwas Leckeres. So könnte jeder Morgen starten.
Doch irgendwann hilft alles nichts: Koffer schließen, Zimmer räumen und Abschied vom Hotel nehmen. Das Gepäck darf im Gepäckraum auf uns warten, während wir noch einmal Bergen erkunden.
Pünktlich erscheint unsere Stadtführerin Guede. Mit einem Lächeln begrüßt sie uns und nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch ihre Heimatstadt. Der Himmel scheint heute etwas unentschlossen zu sein. Er lacht nicht ganz so strahlend wie gestern, hält sich mit dem berühmten Bergen-Regen aber erfreulich zurück. Ein paar Tropfen gehören hier schließlich fast zum guten Ton.
Wir spazieren durch das moderne Bergen, vorbei an gepflegten Parks, historischen Gebäuden und lebhaften Straßen. Immer wieder bleibt Guede stehen, erzählt Geschichten über die Stadt, ihre Bewohner und ihre Vergangenheit. Dabei bleibt es nie nur bei trockenen Fakten. Mit viel Humor und kleinen Anekdoten sorgt sie regelmäßig für Gelächter. Nach kurzer Zeit fühlt sich Bergen gar nicht mehr wie eine fremde Stadt an, sondern eher wie ein Ort, den man schon lange kennt.
Natürlich führt uns der Weg auch durch das historische Bryggen mit seinen schiefen Holzhäusern, engen Gassen und versteckten Innenhöfen. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Fotomotiv, und langsam verstehen wir, warum Bergen für viele als eine der schönsten Städte Norwegens gilt.
Gegen elf Uhr verabschieden wir uns herzlich von Guede. Ein kurzer Transfer bringt uns zum Hurtigruten-Terminal, wo bereits unser neues Zuhause auf uns wartet.
Die Koffer verschwinden wie von Zauberhand auf dem Schiff – herrlich unkompliziert. Beim Check-in gibt es allerdings einen kurzen Schreckmoment: Ein Reisepass befindet sich noch im bereits abgegebenen Koffer. Für einen Augenblick sehen einige schon den Urlaub auf hoher See ohne Besitzer beginnen. Doch die Crew bleibt gelassen, der Koffer wird gefunden, geöffnet und die wertvollen Dokumente tauchen wieder auf. Ein großes Aufatmen geht durch die Gruppe.
Nach der Sicherheitseinweisung ist es Zeit für das erste Mittagessen an Bord. Schon jetzt wird deutlich: Hungern wird hier niemand. Besonders erfreulich ist die Organisation im Restaurant. Statt auf mehrere kleine Tische verteilt zu werden, erhalten wir ein eigenes Separee. Der Restaurantmanager zeigt sich ausgesprochen charmant und sorgt dafür, dass unsere Gruppe während der gesamten Reise gemeinsam speisen kann – ein echter Glücksgriff.
Am Nachmittag heißt es dann endlich: Leinen los!
An Deck versammeln sich die Passagiere zur Sail-away-Zeremonie. Langsam gleitet unser Hurtigrutenschiff aus dem Hafen von Bergen hinaus. Die bunten Häuser werden kleiner, die ersten Schären ziehen vorbei und ein malerischer Leuchtturm verabschiedet uns hinaus auf das offene Wasser. Die Kameras klicken ununterbrochen, denn hinter jeder Kurve wartet schon das nächste Postkartenmotiv.
Im Laufe des Nachmittags folgen erste Informationen über die Reise, die Route und das Leben an Bord. Alles wirkt bestens organisiert, und schon nach wenigen Stunden fühlt es sich erstaunlich vertraut an.
Am Abend genießen wir unser erstes gemeinsames Dinner auf See. Anschließend lockt für viele noch die Bar zu einem kleinen Absacker. Draußen wird es zwar langsam dämmrig, doch richtig dunkel möchte es Ende Juni in Norwegen einfach nicht werden.
Irgendwann siegt dennoch die Müdigkeit. Mit sanftem Schaukeln des Schiffes und der Vorfreude auf die kommenden Tage verschwinden nach und nach alle in ihren Kabinen. Die Reise entlang der norwegischen Küste hat nun wirklich begonnen.
Mittwoch, den 24. Juni 2026 – Trollstigen, Gipfelglück und Mitternachtshunger
Die erste Nacht an Bord war erstaunlich ruhig. Die See zeigt sich von ihrer freundlichen Seite und wiegt die meisten sanft in den Schlaf. Nur das Wetter scheint noch etwas Anlaufzeit zu brauchen. Die Wolken halten sich hartnäckig, doch das stört an Bord kaum jemanden. Schließlich beginnt der Tag mit einem ausgezeichneten nordischen Frühstücksbuffet. Frisches Brot, Lachs, Hering, Rührei und vieles mehr – wer hier hungrig aufsteht, ist selbst schuld.
Am Vormittag erreichen wir Åndalsnes. Einen kleinen Dämpfer gibt es allerdings schon beim Einlaufen: Unser eigentlich vorgesehener Liegeplatz ist bereits von der AIDAbella besetzt. Kreuzfahrtschiffe sind eben wie Autofahrer – wer zuerst da ist, parkt vorne. Für uns heißt das: Shuttlebus statt kurzer Fußweg.
Im beschaulichen Ortszentrum angekommen, machen wir zunächst einen kleinen Spaziergang. Viel Zeit braucht man dafür allerdings nicht. Der City Walk endet fast dort, wo er begonnen hat. Dafür entschädigt die beeindruckende Natur ringsum umso mehr.
Weiter geht es für andere mit dem Bus auf der berühmten Trollstigen-Straße. Kurve um Kurve windet sich die Strecke durch die spektakuläre Bergwelt. Anschließend steigen weitere Gäste in den Golden Train, der gemächlich durch das Romsdal fährt und dabei herrliche Ausblicke auf Flüsse, Felsen und schneebedeckte Gipfel bietet.
Der eigentliche Star des Tages wartet jedoch hoch über der Stadt. Mit der modernen Gondel schweben wir auf den Romsdalen, den über 700 Meter hohen Hausberg von Åndalsnes. Und als hätte jemand den Wetterbericht ausgetrickst, reißt pünktlich zur Auffahrt der Himmel auf. Plötzlich liegen Fjorde, Täler und schroffe Bergketten in bestem Licht vor uns. Jeder sucht sich sein Lieblingspanorama, Kameras klicken im Dauertakt und selbst diejenigen, die sonst lieber fotografieren als fotografiert werden, stehen freiwillig fürs Gruppenbild bereit. Solche Ausblicke vergisst man nicht so schnell.
Zurück auf Meereshöhe wartet bereits das nächste Highlight: das Mittagsbuffet an Bord. Auch heute überzeugt die nordische Küche mit frischen Zutaten und reichlich Auswahl. Langsam gewöhnen wir uns daran, dass auf dieser Reise ständig irgendwo etwas Leckeres angeboten wird.
Der Nachmittag vergeht entspannt. Einige besuchen interessante Vorträge über Norwegen und die kommenden Reiseziele, andere genießen einfach die vorbeiziehende Küstenlandschaft vom Panoramadeck. Natürlich füllt sich auch die Bar, während Kaffee und Kuchen serviert werden. Irgendwo findet sich immer ein gemütlicher Platz mit Aussicht.
Am Abend wird es dann kulinarisch noch einmal besonders festlich. Ein feines Drei-Gänge-Menü mit Wild und Fisch begeistert praktisch alle am Tisch. Die Küche sammelt weiterhin Bestnoten, und man beginnt sich ernsthaft zu fragen, ob die Hose diese Reise bis Spitzbergen überstehen wird.
Doch damit ist der Tag noch lange nicht vorbei. Die 1893-Bar entwickelt sich immer mehr zum beliebten Treffpunkt unserer Gruppe. Bei einem guten Getränk wird gelacht, gefachsimpelt und natürlich der Tag noch einmal Revue passieren gelassen.
Und wer nach all den Mahlzeiten tatsächlich noch Hunger verspürt – oder einfach neugierig ist –, wird bei der Mitternachtsverköstigung belohnt. Frischer Tatar wird direkt vor den Gästen zubereitet. Irgendjemand stellt die berechtigte Frage, ob man auf einem Hurtigrutenschiff eigentlich jemals hungrig sein kann. Die einstimmige Antwort lautet: Nein.
Irgendwann gewinnt dann doch die Müdigkeit. Draußen gleitet die norwegische Küste still vorbei, das Schiff schaukelt sanft und schon kurz darauf verschwinden nach und nach alle in ihren Kabinen. Ein weiterer wunderschöner Tag im hohen Norden geht zu Ende.
Donnerstag, den 25. Juni 2026 – Polarkreis, Neptun und ein etwas eigenwilliges Steak
Heute darf tatsächlich einmal ausgeschlafen werden. Auf einem Hurtigrutenschiff ist das fast schon Luxus. Doch wer früh genug an Deck steht, wird bereits vor dem Frühstück belohnt. Am Horizont taucht Torghatten auf – der berühmte Berg mit dem riesigen Loch mitten im Felsen. Zumindest theoretisch. Praktisch hat der Nebel beschlossen, selbst Sehenswürdigkeit spielen zu wollen, und verhüllt das Naturwunder fast vollständig. Mit etwas Fantasie lässt sich das berühmte Loch dennoch erahnen. Manche erkennen es sofort, andere behaupten später, sie hätten es ganz deutlich gesehen. Der Nebel wird sich dazu wohl nicht mehr äußern.
Nach dem gemütlichen Frühstück wartet schon das nächste Highlight. Die Crew schlüpft in Kostüme und erzählt mit viel Witz und schauspielerischem Talent die Sage der Sieben Schwestern. Die eigentlichen sieben Berggipfel halten sich allerdings genauso bedeckt wie Torghatten zuvor. Stattdessen zeigen sich nur die kleineren Hügel davor. Heute ist eindeutig der Tag der versteckten Berühmtheiten.
Kurz darauf umrundet unser Schiff eine gewaltige Bohrplattform. Selbst aus einiger Entfernung wirken die Dimensionen beeindruckend. Ein schwimmendes Industriegebäude mitten auf dem Meer – ein Anblick, den man nicht alle Tage erlebt. Anschließend geht es hinaus auf offeneres Wasser, während sich die Landschaft langsam verändert.
Nach dem Mittagessen wird es auf dem Schiff angenehm ruhig. Einige genießen die Aussicht vom Panoramadeck, andere schließen Bekanntschaft mit ihrem Kopfkissen. Schließlich muss man Kräfte sammeln – der Tag hat noch einiges vor.
Am Nachmittag erreichen wir den kleinen Archipel von Træna, einen der ältesten bewohnten Inselorte Norwegens. Wer keinen organisierten Ausflug gebucht hat, schließt sich kurzerhand unserer gemeinsamen Inselwanderung an. Schnell wird klar: Hier geht es nicht um Hektik, sondern um Natur, frische Luft und nordische Gelassenheit.
Unser Rundgang führt zunächst zum Aloha Café, das seinem Namen alle Ehre macht und trotz arktischer Temperaturen ein wenig Südsee-Flair versprüht. Weiter geht es zum Globus am Hafen, zur kleinen Kirche und schließlich hinauf zum Seefahrerdenkmal, das stolz über den Ort wacht.
Der Wind erinnert uns dabei regelmäßig daran, dass wir uns langsam dem Polarkreis nähern. Es ist frisch, manchmal pustet es ordentlich, doch immerhin bleibt es trocken. Zwischendurch lässt sich sogar die Sonne blicken und taucht die bizarre Inselwelt in ein wunderschönes Licht.
Ein besonderer Fotostopp wartet an der Peter-Brass-Kapelle. Der kleine Aufstieg lohnt sich, denn von hier oben schweift der Blick weit über Meer, Inseln und schroffe Felsen. Wieder einmal klicken die Kameras im Dauertakt.
Zurück an Bord lockt bereits das Abendessen. Der Heilbutt mit feiner Vanillesauce überrascht viele positiv und entwickelt sich zum Favoriten des Abends. Daneben sorgt das legendäre "Gammelsteak" für Gesprächsstoff. Während einige mutig zugreifen und begeistert sind, betrachten andere das Gericht lieber aus sicherer Entfernung. Geschmäcker sind eben verschieden.
Nach dem Essen füllt sich die Bar, denn alle wissen: Das eigentliche Highlight kommt erst noch.
Spät am Abend überqueren wir feierlich den Polarkreis. Natürlich bleibt dieses Ereignis nicht unbemerkt. Mit viel Humor, Neptun, einer ordentlichen Portion Seemannstradition und der berühmten Polarkreistaufe wird jeder, der möchte, offiziell in den Kreis der Arktisfahrer aufgenommen. Aquavit fließt in erstaunlich respektablen Mengen, Gelächter hallt über die Decks und selbst hartgesottene Nordlandfahrer lassen sich das Spektakel nicht entgehen.
Irgendwann stellt sich dann die entscheidende Frage: Fußball-WM verfolgen oder doch lieber schlafen? Beide Lager sind am Ende zufrieden. Schließlich wartet morgen schon das nächste Kapitel unserer Reise weit oberhalb des Polarkreises.
Freitag, den 26. Juni 2026 – Lofotenzauber zwischen Fisch, Fjorden und Regenwolken
Der Tag beginnt für viele ungewöhnlich früh. Wer den großen Lofoten-Ausflug gebucht hat, stärkt sich bereits zeitig am Frühstücksbuffet, denn pünktlich um acht Uhr macht die Trollfjord im malerischen Reine fest. Schon die Einfahrt in den kleinen Hafen ist ein Erlebnis. Steile Berge, rote Fischerhütten und spiegelndes Wasser – selbst graue Wolken schaffen es nicht, dieser Kulisse ihren Zauber zu nehmen.
Die meisten unserer Gruppe starten von hier aus zur großen Lofotenrundfahrt. Die spektakulären Landschaften wechseln sich beinahe im Minutentakt ab. Hinter jeder Kurve wartet das nächste Postkartenmotiv, und der Fotoapparat bekommt heute Überstunden verordnet. Mittags sorgt eine leckere Fischsuppe für neue Energie – schließlich macht frische Meeresluft bekanntlich hungrig.
Wer lieber individuell unterwegs ist, entdeckt Reine auf eigene Faust. Der kleine Fischerort wirkt beinahe wie gemalt. Entlang der Straßen teilen sich Reisebusse, Wohnmobile und geduldige Autofahrer den knappen Platz, doch das stört kaum jemanden. Immer wieder laden kleine Aussichtspunkte dazu ein, einfach stehen zu bleiben und den Blick über die Fjorde schweifen zu lassen.
Das Wetter zeigt sich dabei typisch norwegisch. Mal blinzelt die Sonne durch die Wolken, dann ziehen wieder feine Regenschauer über die Landschaft. Hier lernt man schnell: Es gibt kein schlechtes Wetter – höchstens die falsche Jacke.
Unübersehbar sind überall die gewaltigen Holzgestelle, auf denen der berühmte Stockfisch trocknet. Je nach Windrichtung verrät die Nase bereits von Weitem, was hier produziert wird. Nicht jeder Duft schafft es auf Anhieb in die Kategorie "Lieblingsparfüm", doch Stockfisch gehört zu den Lofoten wie die Berge und das Meer.
Zur Mittagszeit lockt an Bord wieder das Restaurant Arran. Die Küchencrew beweist erneut, dass nordische Küche weit mehr kann als Lachs und Kartoffeln. Jedes Gericht gleicht einem kleinen Kunstwerk, bei dem fast schade ist, es zu essen – fast.
Am Nachmittag nimmt die Trollfjord wieder Kurs nach Norden. Während draußen die beeindruckende Lofotenwand langsam vorbeizieht, genießen viele die gemütliche Atmosphäre an Bord. Interessante Vorträge wechseln sich mit entspannten Stunden in der Bar oder der Panorama-Lounge ab. Leider bleibt die gewaltige Bergkette heute etwas geheimnisvoll. Regenwolken legen sich wie ein Schleier über die Gipfel und verleihen der Landschaft eine fast mystische Stimmung.
Am Abend trifft sich unsere Runde wieder zum gewohnt hervorragenden Drei-Gänge-Menü. Inzwischen kennt man sich an Bord, es wird viel gelacht und natürlich werden die schönsten Erlebnisse des Tages noch einmal ausgetauscht.
Spät am Abend wartet eigentlich noch eine spektakuläre Fjorddurchfahrt. Eigentlich. Denn pünktlich zu diesem Höhepunkt beschließt der norwegische Himmel, sämtliche Schleusen zu öffnen. Wind und Regen liefern sich eine beeindruckende Vorstellung, die allerdings nur die Hartgesottensten an Deck verfolgen. Der größere Teil unserer Gruppe entscheidet sich für die deutlich trockenere Variante und lauscht lieber dem sanften Brummen der Motoren in den kuscheligen Kojen.
Morgen wartet schließlich schon das nächste Abenteuer – und der Norden rückt immer näher.
Samstag, den 27. Juni 2026 Paris des Nordens, Robben, Regenbogen und große Kreuzfahrer
Heute begrüßt uns Tromsø, das selbstbewusst als „Paris des Nordens“ bezeichnet wird. Und schon die Einfahrt in den Hafen zeigt, warum sich die Stadt nicht verstecken muss. Strahlender Sonnenschein, schneebedeckte Gipfel und eine Kulisse, bei der selbst die Kameras kaum hinterherkommen. So darf ein Tag nördlich des Polarkreises gerne beginnen.
Nach einem gemütlichen Frühstück wartet bereits unser Bus. Durch den spektakulären Unterwassertunnel geht es hinüber aufs Festland. Allein die Fahrt ist schon ein Erlebnis – besonders der Kreisverkehr tief unter dem Meer sorgt für erstaunte Gesichter. Man fragt sich unweigerlich, wer wohl auf die Idee gekommen ist, einen Kreisverkehr unter Wasser zu bauen. Die Norweger eben.
Unser erster Halt ist die berühmte Eismeerkathedrale. Eigentlich ist sie gar keine Kathedrale, sondern eine Kirche, aber ihre außergewöhnliche Architektur mit den markanten Dreiecksformen macht mächtig Eindruck. Schlicht, modern und irgendwie typisch skandinavisch.
Danach schweben wir mit der Fjellheisen-Seilbahn hinauf auf den Storsteinen. Oben wartet ein Panorama wie aus dem Bilderbuch. Tief unten liegt Tromsø mit seinen Brücken, Inseln und Fjorden, daneben unsere Trollfjord. Fast wolkenlos präsentiert sich die Stadt von ihrer allerbesten Seite. Als wäre das nicht genug, liegen auch noch zwei prominente Kreuzfahrtschiffe im Hafen – die Mein Schiff und die Queen Anne geben sich heute ebenfalls die Ehre. Kreuzfahrt-Treffen auf höchstem Niveau.
Wieder unten angekommen geht es zurück durch den Tunnel zur Polaria-Ausstellung. Hier dreht sich alles um die Arktis und ihre faszinierende Tierwelt. Besonders die Robbenfütterung sorgt für Begeisterung. Die flinken Tiere hören erstaunlich gut auf ihre Trainer und präsentieren ihre kleinen Kunststücke mit sichtbarer Freude – vermutlich in Erwartung des nächsten Fisches.
Nun bleibt Zeit für eigene Entdeckungen. Die Fußgängerzone ist voller Leben. Ein Oldtimer-Treffen sorgt für zusätzliche Hingucker, blitzender Chrom trifft auf norwegische Gemütlichkeit. Vor der Tromsø Domkirke herrscht festliche Stimmung, denn gerade findet eine Hochzeit statt. Die Braut strahlt mit der Sonne um die Wette, und natürlich wünschen wir ihr im Vorbeigehen alles Gute.
Am frühen Abend heißt es dann wieder: Leinen los. Die Vorratslager werden noch einmal aufgefüllt, schließlich wartet nun die lange Strecke hinauf nach Spitzbergen. Nach dem gewohnt hervorragenden Abendessen verteilen sich die Gäste auf Bar, Außendeck oder gemütliche Aussichtslounge.
Und sie werden belohnt. Die Lyngenalpen zeigen sich in voller Schönheit. Schnee, schroffe Gipfel und dazwischen ein Himmel, der sich nicht entscheiden kann. Sonne, dunkle Wolken und plötzlich ein leuchtender Regenbogen – fast wirkt es, als wolle Norwegen zum Abschied noch einmal seine gesamte Wetterpalette präsentieren.
Mit einem letzten Schlummertrunk endet ein weiterer großartiger Tag. Morgen wartet schon das nächste Kapitel unseres Abenteuers – und wir kommen Spitzbergen wieder ein gutes Stück näher.
Sonntag, den 28. Juni 2026 Ganz oben in Europa – Treppen, Rentiere und ein König aus dem Meer
Heute steht für viele der absolute Höhepunkt der Reise auf dem Programm. Entsprechend gut gestärkt starten wir nach einem ausgiebigen Frühstück in den Tag, denn Honningsvåg – das Tor zum Nordkap – wartet bereits auf uns.
Kaum festgemacht, verteilen sich die Gäste auf ihre verschiedenen Abenteuer. Für einige geht es direkt zum Nordkap, wo nach der Besichtigung eine ganz besondere Spezialität wartet: Im traditionellen Samizelt wird exklusiv frische Königskrabbe serviert. Wer schon einmal King Crab probiert hat, weiß: Danach schaut man auf unsere Nordseekrabben mit ganz neuen Augen.
Andere entscheiden sich zunächst für die sportliche Variante. Die berühmten Nordkapptreppen mit ihren rund 900 Stufen wollen bezwungen werden. Anfangs noch locker plaudernd, werden die Gespräche mit jeder Stufe etwas kürzer und das Schnaufen etwas lauter. Oben angekommen sind alle Anstrengungen vergessen. Der Blick über den Hafen, die vorgelagerten Inseln und unsere Trollfjord ist jede Schweißperle wert. Natürlich werden fleißig Fotos gemacht, bevor es ebenso tapfer wieder bergab geht.
Ein kleiner Spaziergang durch Honningsvåg darf ebenfalls nicht fehlen. Der Ort wirkt gemütlich, entspannt und typisch nordnorwegisch. Gerade noch rechtzeitig stehen wir wieder am Hafen, um die Teilnehmer der spektakulären Quad-Tour zu verabschieden. Mit Helm und breitem Grinsen geht es für sie staubig Richtung Nordkap.
Für den Rest der Gruppe beginnt nun die klassische Fahrt mit dem Bus. Schon unterwegs sorgt die Natur für Unterhaltung. Immer wieder tauchen Rentiere direkt neben der Straße auf. Offenbar kennen sie den Fahrplan der Reisebusse ganz genau und übernehmen bereitwillig die Rolle des Begrüßungskomitees.
Dann ist er endlich da – der wohl berühmteste Felsen Europas. Bei herrlichem Wetter erreichen wir das Nordkap. Der ikonische Globus thront majestätisch über dem Meer und wird aus allen erdenklichen Blickwinkeln fotografiert. Heute hält sich der Besucherandrang erfreulich in Grenzen. Kein Gedränge, keine Ellenbogen – stattdessen jede Menge Zeit für Erinnerungsfotos, stille Momente und den Gedanken: Weiter nördlich wird es auf dem europäischen Festland nicht mehr.
Natürlich besuchen wir auch die interessante Ausstellung und das beeindruckende Panoramakino tief im Besucherzentrum. Die spektakulären Aufnahmen machen Lust, irgendwann einmal auch den Winter hier oben zu erleben – allerdings vielleicht lieber gut eingepackt.
Auf der Rückfahrt sorgt ein letzter Fotostopp noch einmal für Begeisterung. Die weite Landschaft, das klare Licht und die endlose Tundra zeigen sich von ihrer schönsten Seite.
Am Abend erwartet uns an Bord ein besonderes Sami-Menü. Authentisch, regional und ausgesprochen lecker – ein gelungener kulinarischer Abschluss eines außergewöhnlichen Tages. Dazu ein gutes Glas Wein oder ein Cocktail an der Bar, viele Gespräche über die Erlebnisse des Tages und zufriedene Gesichter überall.
Dieser Sonntag hatte wirklich alles: Bewegung, Natur, gutes Essen, traumhaftes Wetter und einen Ort, den viele schon lange einmal mit eigenen Augen sehen wollten. Besser kann ein Highlight kaum aussehen.
Montag, den 29. Juni 2026 , Wal–Watching statt Fernsehen – unterwegs durch die Barentssee
Heute heißt es: Kurs Spitzbergen! Wir durchqueren die gewaltige Barentssee. Der Wellengang zeigt sich dabei erfreulich freundlich. Ganz ohne Bewegung geht es zwar nicht, und bei einigen meldet sich der Magen vorsichtig zu Wort, doch mit einer kleinen Tablette und einem ausgedehnten Frühstück ist das Thema schnell wieder erledigt. Die meisten genießen den Seetag ganz entspannt.
Schon am Vormittag gibt es die erste große Überraschung. "Wal an Backbord!" – kaum ist die Durchsage verklungen, tauchen mehrere Grindwale aus den Wellen auf. Fotoapparate, Handys und Ferngläser sind blitzschnell einsatzbereit. Kaum sind diese Tiere wieder abgetaucht, erscheinen schon die nächsten Fontänen am Horizont. Wer heute keinen Wal gesehen hat, muss vermutlich genau in diesem Moment beim Nachtisch gewesen sein.
Etwa auf halber Strecke erreichen wir die Bäreninsel, auf Norwegisch Bjørnøya. Von Bord aus wirkt sie schroff, einsam und geheimnisvoll. Tatsächlich ist sie ein wahres Paradies für Seevögel. Tausende Trottellummen, Papageientaucher, Möwen und viele weitere Arten bevölkern die steilen Felsen. Ein einziges großes Vogelkonzert begleitet unsere Vorbeifahrt.
Doch damit nicht genug. Im Laufe des Tages nimmt die Waldichte tatsächlich immer weiter zu. Irgendwann gibt die Brücke die Sichtungsmeldungen auf. Der Grund ist einfach: Es sind mittlerweile so viele Wale unterwegs, dass man sie praktisch in jeder Richtung entdecken kann. Dazu gesellen sich immer wieder verspielte Delfine, die scheinbar mühelos vor dem Bug durchs Wasser schießen und das Schiff ein Stück begleiten.
Zwischendurch lockt das Mittagessen, denn auch begeisterte Walbeobachter müssen irgendwann einmal auftanken. Am Nachmittag stehen interessante Vorträge über Spitzbergen, die Tierwelt der Arktis und das Leben im hohen Norden auf dem Programm. Wer möchte, lauscht den spannenden Geschichten, während draußen schon wieder die nächste Wasserfontäne auftaucht.
Am Abend verwöhnt uns die Küche erneut mit einem hervorragenden Drei-Gänge-Menü. Es ist beeindruckend, mit welcher Konstanz hier auf höchstem nordischen Niveau gekocht wird. Selbst auf hoher See bleiben keine kulinarischen Wünsche offen.
Später klingt der Tag gemütlich an der Bar oder draußen an Deck aus. Die Mitternachtssonne versteckt sich zwar immer wieder hinter einigen Wolken, verabschiedet sich aber natürlich nicht. Sie schickt stattdessen ein sanftes, goldenes Licht über das Meer und erinnert uns daran, dass wir inzwischen weit jenseits des Polarkreises unterwegs sind.
Und als wir schließlich in unsere Kabinen zurückkehren, freuen sich alle über eine kleine Erfindung mit großer Wirkung: Verdunklungsrollos. Denn so schön die Mitternachtssonne auch ist – zum Schlafen darf es ruhig ein kleines bisschen Nacht sein.
Dienstag, den 30. Juni 2026 Spitzbergen voraus – Gletscher, Geisterstadt und Huskys im Café
Heute ist es endlich so weit: Wir erreichen die Hauptinsel des Svalbard-Archipels. Bereits beim Frühstück richten sich die Blicke nicht mehr auf den Frühstücksteller, sondern hinaus auf den Isfjord. Die Landschaft verändert sich mit jeder Minute. Schroffe Berge, schneebedeckte Hänge und tiefblaue Fjorde machen schnell klar: Wir sind in der Arktis angekommen.
Gemächlich durchquert die Trollfjord den Isfjord und biegt anschließend in den Billefjord ein. Der gesamte Vormittag gehört der Natur. Links Gletscher, rechts steile Bergflanken und dazwischen immer wieder kleine Eisstücke, die gemächlich durchs Wasser treiben. Kamera wegpacken? Heute unmöglich.
Schließlich erreichen wir den mächtigen Nordenskiöldbreen. Lange bleibt unser Schiff direkt vor der beeindruckenden Gletscherfront liegen. Das Knacken des Eises, das leuchtende Blau der Abbruchkante und die gewaltigen Dimensionen sorgen für Staunen. Entsprechend heiß laufen die Kameras. Manche fotografieren, andere filmen, wieder andere genießen einfach den Moment. Wahrscheinlich haben wir heute mehr Bilder gemacht als Kilometer zurückgelegt.
Auf dem Rückweg wartet bereits das nächste Highlight. Vor uns erscheint Pyramiden – die berühmte sowjetische Bergbausiedlung, die Ende der 1990er-Jahre aufgegeben wurde. Der Ort wirkt wie eingefroren in einer anderen Zeit. Verlassene Gebäude, ein Kulturhaus, Wohnblöcke und sogar das Denkmal von Lenin stehen noch immer dort. Ganz verlassen ist Pyramiden allerdings nicht. Einige wenige Menschen halten den Ort am Leben und betreiben ein Hotel für Abenteuerlustige, die einmal in einem echten "Lost Place" übernachten möchten.
Nach dem Mittagessen legen wir schließlich in Longyearbyen an – der nördlichsten Stadt der Welt mit dauerhaftem Leben. Und sie hat deutlich mehr zu bieten, als ihre rund 2.000 Einwohner vermuten lassen.
Die Ausflügler starten in alle Richtungen. Einige besuchen das Camp Barentz und erfahren Spannendes über das Leben in der Arktis. Andere steigen in rasante RIB-Boote oder besuchen die Huskys, die im Sommer statt Schlitten eben Rollwagen ziehen dürfen. Auch ohne Schnee scheinen die Vierbeiner ihren Beruf sehr ernst zu nehmen.
Wer individuell unterwegs ist, entdeckt schnell die Besonderheiten des Ortes. Longyearbyen besitzt den nördlichsten Golfplatz der Welt, die nördlichste Tankstelle, eine Universität, mehrere Museen und natürlich zahlreiche kleine Cafés. Besonders beliebt ist das inzwischen legendäre Husky Café. Dort übernehmen die Hunde einen Teil des Service – allerdings ausschließlich die Kuschelabteilung. Streicheln ist ausdrücklich erwünscht, und manche Huskys scheinen genau zu wissen, wie man Gäste um den Finger wickelt.
Überall am Ortsrand fallen die bekannten Verkehrsschilder auf: Waffen verboten – allerdings nur innerhalb der Siedlung. Außerhalb sieht die Sache anders aus. In den Geschäften werden ganz selbstverständlich Gewehre verkauft, Schneemobile besitzen entsprechende Halterungen, und jeder versteht sofort warum: Eisbären haben hier schließlich Vorfahrt.
Überraschend groß präsentiert sich auch der Supermarkt. Das Warenangebot könnte problemlos mit vielen kleineren Städten auf dem Festland mithalten. Natürlich werden außerdem noch reichlich Souvenirs eingekauft – schließlich kommt man nicht jeden Tag bis nach Spitzbergen.
Am frühen Abend heißt es wieder: Leinen los. Nach einem ausgezeichneten Abendessen nimmt die Trollfjord Kurs auf den Grötfjord. Dort werfen wir vom Schiff aus einen Blick auf die noch aktive russische Bergbausiedlung Barentsburg, bevor wir weiter durch den Forlandsund gleiten. Links und rechts ragen die schroffen Bergketten der Arktis empor, während das ruhige Wasser in der Mitternachtssonne glitzert.
Mit einem Cocktail, einem Glas Wein oder einem kühlen Bier endet dieser außergewöhnliche Tag. Und die Vorfreude steigt bereits auf morgen – denn dann wartet der nördlichste Punkt unserer gesamten Reise. Ganz weit oben auf der Landkarte. Und gefühlt noch ein Stück näher am Ende der Welt.
Mittwoch, den 1. Juli 2026 Eisbären, Mitternachtssonne und ein Bad für ganz Mutige
Heute klingelt der Wecker etwas früher als sonst. Bereits um 7.00 Uhr machen wir in Ny-Ålesund fest – der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlung der Welt. Und diesen besonderen Ort möchte natürlich niemand verpassen.
Noch bevor die ersten Gäste von Bord gehen dürfen, wird die Crew aktiv. Einige Mitarbeiter sichern die Wissenschaftlersiedlung ab und markieren die eisbärenfreie Zone, damit sich Mensch und Tier möglichst nicht in die Quere kommen. Andere pflegen eine alte Hurtigruten-Tradition und springen bei gerade einmal fünf Grad Wassertemperatur beherzt ins arktische Meer. Während an Deck respektvoll applaudiert wird, stellen sich viele die gleiche Frage: Warum eigentlich freiwillig? Die Antwort bleibt wohl ein Geheimnis der Besatzung.
Die meisten von uns bevorzugen eindeutig die wärmere Variante und erkunden dick eingepackt den kleinen Ort. Ny-Ålesund wirkt fast wie ein Freilichtmuseum. Das interessante Museum erzählt von der harten Zeit des Kohlebergbaus, gleichzeitig aber auch von den großen Polarexpeditionen, die von hier ihren Ausgang nahmen.
Besonders beeindruckend ist der historische Ankermast des Luftschiffes „Norge“, mit dem Roald Amundsen und seine Begleiter 1926 den Nordpol überflogen. Da sich dieser Mast außerhalb der gesicherten Zone befindet, werden wir von einem bewaffneten Sicherheitsmann begleitet. Hier oben ist das Gewehr eben keine Dekoration, sondern eine durchaus sinnvolle Versicherung gegen ungebetene Besucher auf vier Pfoten.
Von Eisbären fehlt zunächst allerdings jede Spur. Dafür begegnen uns Polarfüchse, die völlig unbeeindruckt zwischen den Häusern umherstreifen und nach einer Mahlzeit Ausschau halten. Wesentlich temperamentvoller präsentieren sich dagegen die Küstenseeschwalben. Wer ihrem Nest etwas zu nahe kommt, wird lautstark und im Sturzflug darauf hingewiesen. Manche Mütze dürfte heute einen kleinen Schreckmoment erlebt haben.
Natürlich darf auch ein Besuch im kleinen Laden nicht fehlen. Dieser ist gleichzeitig die nördlichste Poststation der Welt. Viele nutzen die Gelegenheit, Postkarten mit den begehrten Eisbären-Briefmarken auf die Reise zu schicken. Ob diese wohl schneller zu Hause ankommen als wir selbst?
Im Hafen sorgt währenddessen ein neugieriger Seehund für Unterhaltung. Immer wieder taucht er direkt neben dem Schiff auf, während seine Artgenossen lieber auf respektvollem Abstand bleiben.
Nach dem sanften Ablegen wartet bereits das nächste Naturkino. Die Trollfjord fährt durch den Kongsfjord und nähert sich dem mächtigen Blomstrandbreen. Gewaltige Eisflächen leuchten in unzähligen Blautönen, das Wasser ist spiegelglatt und überall herrscht diese besondere Ruhe, die man nur in der Arktis erlebt.
Doch dann passiert etwas, womit wohl niemand gerechnet hat.
Auf einer Anhöhe wird zunächst zwischen einer Gruppe Rentiere ein kleiner weißer Punkt entdeckt. Erst glaubt man an einen Schneefleck. Dann bewegt sich der Fleck. Ferngläser wandern von Hand zu Hand, Kameras klicken hektisch – und plötzlich besteht kein Zweifel mehr: Ein Eisbär!
Langsam wird aus dem weißen Punkt die unverwechselbare Silhouette des Königs der Arktis. Was für ein Moment! Selbst die zahlreichen Wale, die wir im weiteren Tagesverlauf noch beobachten dürfen, geraten dadurch fast ein wenig in den Hintergrund. Beim Mittagessen gibt es ohnehin nur noch ein Gesprächsthema. Wer den Bären zuerst entdeckt hat, bleibt allerdings bis zum Dessert umstritten.
Am Nachmittag lädt Barchef Nikolai zum norwegischen Biertasting ein. Mit viel Charme, Humor und Fachwissen erklärt er die Besonderheiten der verschiedenen Brauereien, während draußen bereits wieder die nächsten Wale auftauchen.
Am Abend verwöhnt uns die Küche erneut mit einem hervorragenden Drei-Gänge-Menü, bevor viele noch einmal an Deck strömen. Im Windschatten wird es überraschend angenehm warm. Die Mitternachtssonne scheint unermüdlich weiter, und tatsächlich muss man eher an Sonnencreme als an Taschenlampen denken.
Einige genießen noch lange einen Cocktail oder ein Glas Wein und erleben den Wechsel zum nächsten Kalendertag ganz ohne Dunkelheit. Ein außergewöhnlicher Tag geht zu Ende – doch die Nacht macht heute einfach keine Pause.
Donnerstag, den 2. Juli 2026 Wellen, Wale und wackelige Schritte
Der Tag beginnt für viele mit einem etwas mulmigen Gefühl. Die Barentssee zeigt heute, dass sie auch anders kann. Offiziell werden Wellen von rund 2,5 Metern gemeldet – auf dem Papier klingt das recht harmlos. An Bord fühlt es sich allerdings deutlich eindrucksvoller an. Die Trollfjord hebt und senkt sich spürbar, und so mancher Gang über den Flur erinnert eher an einen eleganten Tanzkurs als an einen gemütlichen Spaziergang.
Trotzdem lassen sich die meisten das Frühstück nicht entgehen. Schließlich reist es sich mit vollem Magen – zumindest meistens – angenehmer. Kaffee, frisches Brot und nordische Spezialitäten helfen dabei, den Seebeinen etwas mehr Selbstvertrauen zu geben.
Gegen Mittag passieren wir erneut Bjørnøya, die Bäreninsel. Heute zeigt sie sich etwas großzügiger als auf der Hinfahrt. Zwar liegen noch einige Wolken über den steilen Felsen, doch die markante Insel ist deutlich besser zu erkennen. Rundherum kreisen unzählige Seevögel, die den kräftigen Wind scheinbar mühelos ausnutzen und unser Schiff ein Stück begleiten.
An Deck wird inzwischen die norwegische Outdoor- und Survival-Ausrüstung vorgestellt. Beeindruckend, was man alles benötigt, um in der arktischen Wildnis zu überleben. Für unsere aktuelle Situation auf hoher See hilft allerdings weder das Spezialzelt noch der Expeditionskocher besonders viel – gegen Seegang wurde leider noch keine Thermohose erfunden.
Beim Mittagessen merkt man, dass die Barentssee noch immer das Kommando führt. Einige Plätze bleiben leer, denn nicht jeder möchte heute Bekanntschaft mit dem Dessert machen. Mancher zieht die waagerechte Position in der Kabine vor und hofft auf ruhigere Zeiten.
Und tatsächlich: Im Laufe des Nachmittags wird die See immer friedlicher. Langsam kehren Farbe und Appetit zurück, sodass zum Abendessen wieder die komplette Reisegruppe versammelt ist. Das ist doch ein deutlich besseres Zeichen als jeder Wetterbericht.
Der Nachmittag vergeht mit interessanten Vorträgen, einer gemütlichen Kaffeepause und einer kleinen Verkostung an Deck. Die Stimmung steigt mit jedem ruhiger werdenden Seemeilen.
Am Abend trifft man sich wie gewohnt an der Bar. Die angekündigte Schiffsauktion fällt diesmal zwar überraschend aus – warum, bleibt das kleine Geheimnis der Besatzung –, doch Ersatz ist schnell gefunden.
Ein Spaziergang über Deck 6 entwickelt sich plötzlich zur nächsten Wal-Safari. Überall am Horizont tauchen mächtige Rücken und Wasserfontänen auf. Finnwale, Grindwale und weitere beeindruckende Meeresriesen begleiten unsere Fahrt. Kaum jemand schaut noch aufs Handy – heute spielt das größte Kino wieder draußen vor dem Schiff.
So klingt ein Tag aus, der etwas schwankend begann, aber mit einem Lächeln und jeder Menge Walbeobachtungen endet. Die Barentssee scheint sich mit uns versöhnt zu haben.
Freitag, den 3. Juli 2026 Mitternachtssonne, Aquavit und Mücken mit Durst
Die Mitternachtssonne meint es heute besonders gut mit uns. Bereits am frühen Morgen strahlt sie vom Himmel, und wer um vier Uhr einen Blick nach draußen wirft, könnte glatt meinen, der Nachmittag sei schon angebrochen. Ein Sonnenbad zu dieser Uhrzeit? Theoretisch problemlos möglich. Praktisch entscheiden sich die meisten doch lieber erst nach dem Frühstück dafür.
Dieses fällt wie gewohnt üppig aus und lässt keine Wünsche offen. Währenddessen laufen wir in Tromsø ein. Für uns bedeutet das eine kurze Pause, für die Crew hingegen echte Arbeit. Vorräte werden gebunkert, Waren aus Spitzbergen entladen und alles für die nächsten Seemeilen vorbereitet.
Auf dem Sonnendeck herrscht inzwischen Hochbetrieb. Liegestühle sind gefragt wie selten zuvor, Sonnenbrillen werden geschniegelt, und so mancher fragt sich schmunzelnd, ob Sonnencreme am Polarkreis tatsächlich notwendig ist. Die Antwort lautet eindeutig: Ja!
Gegen Mittag erreichen wir den berühmten Rystraum, einen mächtigen Gezeitenstrom, der mit bis zu vier Knoten gegen unser Schiff arbeitet. Unser Expeditionsteam erklärt die Besonderheiten dieses Naturphänomens und berichtet auch von historischen Schiffen, deren Maschinen dieser Kraft einst nicht gewachsen waren. Unsere Trollfjord nimmt die Herausforderung dagegen ganz gelassen und pflügt souverän durch die Strömung.
Nach dem Mittagessen setzt sich das entspannte Bordleben fort. Einige genießen die Sonne auf den Außendecks, andere gönnen sich ein kleines Nickerchen oder beobachten die vorbeiziehende Küstenlandschaft. Ein besonderes Highlight ist am Nachmittag die Aquavit-Verkostung mit Barchef Nicolai. Mit viel Humor, spannenden Geschichten und noch mehr Fachwissen führt er durch die Welt des norwegischen Nationalgetränks. Ob alle Geschmacksrichtungen am Ende noch auseinandergehalten werden konnten, bleibt allerdings offen.
Da am Abend spannende Ausflüge auf Senja auf dem Programm stehen, wird das Abendessen heute etwas früher serviert. Gut gestärkt verlassen wir schließlich in Torsken das Schiff.
Die Auswahl fällt nicht leicht. Einige gehen mit dem Boot auf Wildtier- und Fototour und hoffen auf Adler, Robben oder vielleicht sogar einen Wal. Andere entdecken mit dem Bus die spektakulären Aussichtspunkte und die wilde Natur Senjas, die nicht ohne Grund als eine der schönsten Inseln Norwegens gilt. Die Sportlichen schwingen sich sogar aufs E-Bike und erkunden die Landschaft auf zwei Rädern.
Zurück im kleinen Hafen lockt der örtliche Pub viele von uns auf seine Terrasse. Das regionale Senja-Bier schmeckt hervorragend und passt perfekt zum langen Sommerabend. Allerdings haben offenbar auch die Mücken von diesem Treffpunkt erfahren. Sie erscheinen zahlreich und äußerst kontaktfreudig – leider ganz ohne Einladung.
Kurz vor Mitternacht geht es noch einmal in die 1893-Bar an Bord auf einen letzten Absacker. Während draußen die Sonne sich einfach nicht zum Untergehen entschließen kann, legt die Trollfjord wieder leise ab und nimmt Kurs auf das nächste Abenteuer. Ein weiterer arktischer Sommertag geht zu Ende – jedenfalls laut Kalender. Die Sonne sieht das etwas anders.
Samstag, den 4. Juli 2026 Vom Trollfjordtanz bis zum endlosen Sonnenuntergang
Heute heißt es früh aufstehen, denn Stokmarknes wartet auf uns – und damit die Wiege der Hurtigruten. Nach einem schnellen, aber stärkenden Frühstück geht es an Land. Für viele steht zunächst das Hurtigruten-Museum auf dem Programm, wo die Geschichte der legendären Postschiffe lebendig wird. Andere nutzen die Zeit für einen Spaziergang über die Sundbrücke hinauf zum Aussichtspunkt mit dem Kunstwerk "White and Black" – oder ist es doch "Day and Night"? Die Meinungen gehen auseinander, schön anzusehen ist das Marmorhäuschen auf jeden Fall, und der Blick über Hafen und Inselwelt lohnt den kleinen Aufstieg allemal.
Pünktlich um 10 Uhr heißt es wieder: Leinen los! Die Trollfjord verlässt ihren Geburtsort, und mit jedem Kilometer wird auch das Wetter freundlicher. Der morgendliche Nebel verzieht sich, die Wolken reißen auf, und als wir in den Raftsund und schließlich in den Tengelfjord einfahren, zeigt sich Nordnorwegen von seiner allerbesten Seite.
Doch der eigentliche Star des Tages wartet noch.
Mit einer scharfen Rechtskurve gleiten wir in den berühmten Trollfjord. Links und rechts ragen die steilen Felswände fast senkrecht aus dem Wasser empor. Die Passage wird immer enger, bis schließlich kaum noch Platz zu sein scheint. Und genau hier zeigt unser Kapitän sein ganzes Können.
Mit beeindruckender Präzision lässt er die Trollfjord gleich zweimal fast auf der Stelle drehen. Vorne nur wenige Meter bis zum Felsen, hinten kaum mehr Platz – und trotzdem wirkt alles spielend leicht. An Deck wird gestaunt, fotografiert und applaudiert. Spätestens jetzt versteht jeder, warum der Name unseres Schiffes so gut gewählt ist.
Beim anschließenden Mittagessen dreht sich das Gespräch natürlich fast ausschließlich um dieses außergewöhnliche Manöver. Selbst erfahrene Kreuzfahrer zeigen sich beeindruckt.
Am Nachmittag erreichen wir Svolvær – bei strahlendem Sonnenschein und fast schon kitschig schönem Wetter. Nun heißt es wieder: Ausflug oder eigene Entdeckungstour.
Einige wagen sich an die berühmten Teufelstreppen und geraten dabei mitten in den "Styrkeprøven" beziehungsweise einen anspruchsvollen Berglauf, bei dem die Sportler scheinbar mühelos die endlosen Stufen hinaufstürmen. Wir bleiben lieber bei unserem Tempo und genießen dafür die Aussicht etwas länger.
Im Hafen begrüßt uns die bekannte Fischersfrau auf ihrer Säule, die stolz über das Wasser blickt. Von der Mole aus kann man sie aus nächster Nähe betrachten. Gleich daneben hängen unzählige getrocknete Kabel- und Fischköpfe an ihren Holzgestellen. Ein Fotomotiv der besonderen Art – inklusive authentischer Duftkulisse, die garantiert kostenlos mitgeliefert wird.
Während wir Svolvær wieder verlassen, wird bereits das Abendessen serviert. Draußen zieht die zerklüftete Inselwelt der Lofoten langsam vorbei, und über dem Horizont beginnt ein Sonnenuntergang, der seinen Namen kaum verdient. Hier nördlich des Polarkreises nimmt sich die Sonne einfach unglaublich viel Zeit. Minuten werden zu Stunden, das Licht wechselt ständig seine Farben, und man schaut immer wieder nach draußen, obwohl man eigentlich längst ins Bett wollte.
Irgendwann – deutlich nach Mitternacht – gewinnt dann doch die Müdigkeit. Die Sonne leuchtet zwar immer noch irgendwo am Horizont, doch heute schließen wir einfach die Vorhänge und nehmen sie nicht mehr ganz so ernst. Ein weiterer traumhafter Tag im hohen Norden geht zu Ende.
Sonntag, den 5. Juli 2026 Fischöl, tausend Stufen und ein Dorf zum Verlieben
In der Nacht passieren wir noch einmal die berühmten Sieben Schwestern. Diesmal allerdings im schönsten Sonnenschein – zumindest für alle, die der Mitternachtssonne zuliebe noch nicht schlafen wollten. Gegen Morgen wird der Himmel etwas grauer, und beim Frühstück lässt sich der markante Torghatten mit seinem berühmten Loch nur noch erahnen. Die Wolken spielen heute Verstecken.
Der Vormittag gehört zunächst den informativen Vorträgen an Bord. Es geht unter anderem um die bevorstehende Ausschiffung – ein Thema, das niemand so richtig hören möchte. Langsam wird allen bewusst, dass sich diese außergewöhnliche Reise ihrem Ende nähert.
Zum Glück folgt direkt der nächste Höhepunkt. Auf dem Außendeck versammelt sich die gesamte Reisegesellschaft zur traditionellen Polarkreistaufe südwärts. Der Kapitän übernimmt höchstpersönlich die Zeremonie. Statt eiskaltem Wasser wartet diesmal jedoch eine ganz besondere nordische Delikatesse: ein Löffel Fischöl. Die Gesichtsausdrücke nach dem Probieren reichen von tapfer lächelnd bis "Braucht jemand meinen Kaffee?". Dazu gibt es den offiziellen Tauflöffel als Erinnerung. Währenddessen sorgt das Expeditionsteam mit Musik und Tanz für ausgelassene Stimmung – nach Fischöl hilft Bewegung offenbar besonders gut.
Kaum ist der letzte Schluck heruntergespült, folgt schon die kulinarische Wiedergutmachung. Der Chefkoch lädt zur Lachsverkostung ein und beweist eindrucksvoll, warum norwegischer Lachs weltweit einen so hervorragenden Ruf genießt. Da sind sich plötzlich wieder alle einig.
Nach dem Mittagessen taucht schließlich Bessaker an der Küste von Roan vor uns auf. Bereits beim Einlaufen wartet eine herzliche Überraschung. Zahlreiche Bewohner begrüßen uns mit einer Flaggenparade. Angesichts des kräftigen Windes ist das nicht nur eine freundliche Geste, sondern gleichzeitig eine kleine sportliche Meisterleistung. Die Fahnen flattern wild, doch die gute Laune bleibt standhaft.
Kaum an Land, verteilt sich die Gruppe durch den kleinen Ort. Bessaker besitzt diesen besonderen Charme, den man kaum beschreiben kann. Ruhig, verträumt, herzlich – hier scheint jeder jeden zu kennen, und jeder Gast wird mit einem ehrlichen Lächeln empfangen. Im Ortszentrum probt gerade das örtliche Theaterensemble. Mit sichtlicher Freude spielen die Darsteller ihre Szenen, und genauso viel Spaß haben offenbar die Zuschauer, die sich spontan dazugesellen.
Doch wir haben noch ein sportliches Ziel vor Augen. Es geht hinauf auf den Vetten. Knapp eintausend Stufen warten darauf, bezwungen zu werden. Schritt für Schritt arbeiten wir uns nach oben, begleitet von immer schöner werdenden Ausblicken. Oben angekommen liegt die Bucht von Bessaker wie ein Gemälde unter uns. Der Aufstieg hat sich mehr als gelohnt.
Für den Rückweg wählen einige Mutige allerdings eine etwas… kreative Variante. Statt brav über die Treppen abzusteigen, geht es querfeldein den Hang hinunter. Dabei wird mehrfach mit breitem Grinsen über kleine Bäche balanciert, über Felsen geklettert und gelegentlich etwas unfreiwillig Akrobatik betrieben. Trockene Füße sind am Ende eher Glückssache.
Wieder unten angekommen gönnen wir uns im gemütlichen Pub des Ortes noch einen Drink. Bei Musik und bester Stimmung fällt der Abschied von diesem liebenswerten Fleckchen Norwegen nicht leicht.
Zurück an Bord heißt es erneut: Leinen los. Während das Abendessen serviert wird, nimmt die Trollfjord Kurs Richtung Süden. Später gleiten wir noch am malerischen Kjeungskjær-Leuchtturm vorbei. Das kleine Leuchtfeuer mitten im Meer wäre eigentlich ein perfektes Fotomotiv – wäre da nicht der kräftige Wind. Für scharfe Bilder fehlen heute schlicht die freien Hände, denn Festhalten hat eindeutig Vorrang.
Also lieber zurück in die warme Bar, ein Glas Wein genießen und den Tag gemütlich ausklingen lassen. Draußen tobt der Wind, drinnen herrscht nordische Gemütlichkeit – und schon bald ruft wieder die Koje.
Montag, den 6. Juli 2026 Fjorde, Fähren und eine selbst ernannte VIP–Dame
Der letzte Ausflugstag beginnt früh. Ein schneller Happen zum Frühstück, dann laufen wir in Ålesund ein – der wunderschönen Jugendstilstadt, die sich mit ihren Türmchen und Fassaden wie aus einem Bilderbuch präsentiert. Nun heißt es entscheiden: gemütlich zu Fuß durch die Stadt schlendern oder auf große Rundfahrt gehen. Die meisten von uns wählen die zweite Variante, denn heute wartet noch einmal norwegisches Landschaftskino in Überlänge.
Kaum hat der Bus den Hafen verlassen, beginnt die Fjordhopping-Tour. Gleich zu Beginn geht es mit dem Bus auf eine Fähre. Auch nach vielen Tagen in Norwegen verliert diese Kombination aus Straße und Schiff nichts von ihrem Reiz. Hinter jeder Kurve wartet ein neues Panorama, und spätestens jetzt ist klar: Norwegen hebt sich seine schönsten Ansichten gern bis zum Schluss auf.
Die Straße windet sich hinauf in den Wintersportort der Region. Dort wartet bereits das Mittagessen – erstaunlich früh, denn um Punkt 11 Uhr heißt es schon: "Essen fassen!" Auf den Tisch kommt eine leckere Fischsuppe, genau das Richtige bei der frischen Bergluft.
Wir ergattern zu neunt einen großen Zehnertisch und freuen uns über reichlich Platz. Doch die Freude hält nur wenige Sekunden. Mit majestätischer Entschlossenheit steuert die wohl bekannteste Dame unseres Schiffes direkt auf uns zu. Unsere französische Mitreisende mit Rollator und einer bemerkenswerten Mischung aus Selbstbewusstsein und "Trump-Attitüde" erklärt unmissverständlich: "I am the first... always!"
Bevor der erste Löffel Suppe den Mund erreicht, prusten wir schon los. Nach den zahlreichen skurrilen Begegnungen der vergangenen Tage liefert sie auch heute wieder Stoff für beste Unterhaltung. Das Mittagessen entwickelt sich zur Mischung aus Fischsuppe, Lachanfall und heiterem Austausch über unsere gemeinsamen Erlebnisse mit der selbst ernannten VIP-Passagierin. Langweilig wird es mit ihr definitiv nie.
Gut gelaunt fahren wir weiter zum berühmten Geirangerfjord. Der Ausblick verschlägt selbst den Vielreisenden für einen Moment die Sprache. Steile Felswände, tosende Wasserfälle und tiefblaues Wasser – genau so sieht Norwegen auf den Postkarten aus. Natürlich werden unzählige Fotos gemacht, schließlich möchte jeder beweisen, dass dieser Anblick tatsächlich echt war.
Im kleinen Ort Geiranger bleibt noch Zeit zum Bummeln, für ein Souvenir oder einfach einen Kaffee mit Aussicht. Danach wartet bereits das nächste Naturwunder.
Das enge Tal, durch das unsere Straße nun führt, wirkt fast wie die Kulisse eines Fantasyfilms. Kleine Holzhütten kleben an den Berghängen, einst Unterkunft der Sennerinnen, die hier den Sommer verbrachten. Man erwartet fast, dass hinter dem nächsten Felsen ein Troll hervorschaut.
Am Ende des Tales bringt uns eine weitere Fähre nach Sæbø. Dort liegt unsere Trollfjord bereits auf Reede und wartet geduldig auf ihre Ausflügler.
Bevor wir zurück an Bord gehen, bleibt noch Zeit für einen kleinen Spaziergang durch den beschaulichen Ort. In der Kirche erleben wir sogar ein stimmungsvolles Folk-Konzert, das wunderbar zu diesem letzten Landgang passt.
Dann heißt es endgültig: Leinen los.
Während die Trollfjord gemächlich durch den Fjord gleitet und Sonne und Wolken im Minutentakt die Landschaft verändern, überrascht uns der Chefkoch noch einmal mit einer kleinen Verkostung. Norwegisches Lamm, begleitet von einem Schluck Aquavit – eine Kombination, die erstaunlich gut harmoniert und den Abschied kulinarisch einläutet.
Am Abend erwartet uns schließlich das festliche Finale: ein exquisites Vier-Gänge-Menü, das der Küche noch einmal alle Ehre macht. Als krönenden Abschluss stoßen Kapitän und Besatzung gemeinsam mit uns bei einem Glas Sekt auf die gelungene Reise an. Es wird gelacht, gedankt und so mancher merkt, dass der Abschied nun tatsächlich ganz nah ist.
Koffer werden gepackt und letzte Erinnerungsfotos werden ausgetauscht und die Gänge wirken plötzlich ungewohnt ruhig.
Eine letzte Nacht auf der Trollfjord beginnt – mit vielen Erinnerungen im Gepäck und dem Gefühl, dass diese Reise viel zu schnell vergangen ist.
Dienstag, den 7. Juli 2026 Abschied von der Trollfjord – und bis zum nächsten Abenteuer
Der letzte Reisetag beginnt früh. Noch bevor wir Bergen erreichen, lockt ein letztes Mal das reichhaltige Frühstücksbuffet. Die Koffer werden bereits vor den Kabinen eingesammelt und zwischengelagert, während wir noch einmal ganz entspannt Kaffee trinken und den Blick auf die norwegische Küste genießen. Langsam gleitet die Trollfjord ihrem Heimathafen entgegen.
Kurz darauf legen wir an. Überraschend gelassen verläuft die Ausschiffung. Keine Hektik, kein Gedränge – alles wirkt so entspannt und routiniert, wie wir es in den vergangenen zwei Wochen kennengelernt haben. Ein letztes Lächeln der Crew, ein herzliches "Takk" und dann heißt es tatsächlich: Bye bye, Trollfjord!
Auch im Terminal herrscht ungewohnte Ruhe. Kontrollen gibt es keine, die große Halle wirkt fast verlassen. Wir suchen uns noch ein gemütliches Plätzchen, plaudern über die schönsten Erlebnisse der Reise und stellen fest, dass zwei Wochen erstaunlich schnell vergehen können.
Schon rollt der große Tide-Bus vor und bringt uns in wenigen Minuten zum Flughafen Bergen.
Dort wartet das nächste kleine Abenteuer: der komplett automatisierte Check-in. Die Automaten möchten zunächst freundlich gefüttert werden, bevor sie Bordkarten und Gepäckanhänger ausspucken. Anschließend verschwindet der Koffer nach einem letzten Scan auf dem Förderband. Der Selbstversuch gelingt bei allen problemlos – und ein wenig stolz ist man schon, wenn die Technik einen nicht austrickst.
Bis zum Abflug bleibt noch etwas Zeit. Viele holen sich die norwegische Mehrwertsteuer für ihre Einkäufe zurück. Das Geld bleibt allerdings nur kurz im Portemonnaie, denn die Souvenirgeschäfte am Flughafen bieten noch genügend Gelegenheiten für den einen oder anderen spontanen Einkauf. Irgendwie muss schließlich noch ein Elch, ein Troll oder ein Stück Schokolade mit nach Hause.
Mit kleiner Verspätung hebt schließlich der Lufthansa-Jet Richtung Frankfurt ab. Unter uns verschwinden langsam die Fjorde, Berge und Inseln, die uns in den vergangenen Tagen so oft zum Staunen gebracht haben.
In Frankfurt folgt die herzliche Verabschiedung. Noch einmal werden Hände geschüttelt, Umarmungen verteilt und gute Wünsche ausgesprochen, bevor jeder zu seinem Anschlussflug eilt.
Am jeweiligen Zielort heißt es schließlich: Koffer vom Band nehmen, tief durchatmen und zurück in den Alltag. Im Gepäck befinden sich unzählige Fotos, viele schöne Erinnerungen, neue Bekanntschaften und Geschichten, die sicher noch oft erzählt werden.
Eine außergewöhnliche Reise von Bergen bis Spitzbergen und zurück geht zu Ende – voller beeindruckender Natur, herzlicher Begegnungen, kulinarischer Genüsse, Mitternachtssonne, Wale, Eisbären und unvergesslicher Momente. Norwegen hat uns einmal mehr gezeigt, dass die schönsten Souvenirs oft gar nicht in den Koffer passen.
Zwei Wochen Norwegen liegen hinter uns – voller großer Natur, kleiner Wunder und unvergesslicher Begegnungen. Von den Fjorden rund um Bergen über die Lofoten und das Nordkap bis hinauf nach Spitzbergen durften wir gemeinsam eine faszinierende Welt entdecken. Wale, ein Eisbär, Mitternachtssonne, eindrucksvolle Landschaften und viele herzliche Begegnungen haben diese Reise zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Ich möchte mich bei Euch allen ganz herzlich bedanken. Ihr wart eine wunderbare Gruppe – neugierig, pünktlich, humorvoll und immer füreinander da. Genau das macht eine Tour für mich als Reiseleiter erst richtig schön
Danke für Euer Vertrauen, die vielen gemeinsamen Lacher und die unzähligen besonderen Momente. Jederzeit wieder gerne und freue mich auf ein ev. Wiedersehen.
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