Polen mit Bus & Eisenbahn – Tunnelparade in Schlesien (PL–EISEN)
Reisebericht: 08.10. – 12.10.2026
Niederschlesien - eine Reise in eine historisch geprägte Landschaft in all ihrer naturbelassenen Schönheit, mit ihren beeindruckenden Bauwerken, traditionellem Handwerk und literarischer Spurensuche!
Ein Reisebericht von
Dr. Liane Klein
Donnerstag, 08.10.2026 Anreise mit dem Bus nach Waldenburg in Polen
Unsere Hinreise verläuft ruhig und beschaulich durch eine noch grüne, sanft auslaufende Hügellandschaft. Mit leicht schimmerndem, sich golden verfärbendem Laub in den Baumkronen kündigt sich vorsichtig der Herbst an, in den wir in Richtung südschlesisches Land nach Polen fahren. Unsere Strecke führt uns über Jarow (dt. Jauer), unserem ersten Highlight der Reise. Hier besichtigen wir die uns überwältigende evangelische Friedenskirche „Zum Heiligen Geist“, die innerhalb nur einen Jahres 1655 erbaut worden war. Ihre außergewöhnliche Erscheinung wie auch ihre unglaubliche Geschichte erstaunen uns! Hier fühlen wir es bestätigt - der Glaube kann Berge!
Weiter geht es danach mit dem Bus nach Wałbrzych (dt. Waldenburg). Wir erreichen unser Urlaubsdomizil, das Ibis-Style-Hotel. Hier werden wir zünftig mit einem Glas des beliebten polnischen Cocktails "Tatanka" begrüßt. Dieser Drink, gemischt aus Bisongras-Wodka und Apfelsaft mit einer grasig-heuigen Note ist in Polen sehr beliebt und wurde international durch den Schauspieler Bruce Willis bekannt. Wir genießen also das "Büffel-Getränk“ und noch etwas Freizeit, um uns zu erholen oder noch einen ersten Gang in das hiesige Einkaufszentrum „Viktoria“ zu machen. Den ersten Tag lassen wir im Hotel mit einem gemeinsamen 3 Gänge Menü als Abendessen und fröhlichem Geplauder ausklingen.
Freitag, 09.10.2026 Erlebnis–Zugfahrt – Glatzer Kessel – Wallfahrtsort Albendorf, das schlesische Jerusalem – Spezialitätenessen
Nach dem Frühstück im Hotel beginnt der heutige Reisetag mit einer Zugfahrt vom Stadtbahnhof in Walbrzych (dt. Waldenburg). Für ca. 70 Kilometer führt die Bahnstrecke nach Klodzko (dt. Glatz) durch eine hinreißende Landschaft. Unterwegs fahren wir über Viadukte und durch einige Tunnel, die die Zugfahrt abwechslungsreich gestalten. Unser Ziel liegt im Herzen des Glatzer Berglandes, das für seine gepflegten Kurorte bekannt ist. Nach der Ankunft in Glatz führt uns unser heutiger polnischer Reiseleiter, Krzysztof, durch die Altstadt, zeigt uns u. a. die Miniaturausgabe der berühmten Prager Karlsbrücke, verweist aber auch auf die Schäden, die durch die Hochwasser entstanden sind.
Im Anschluss fahren wir mit dem Bus weiter durch den idyllisch gelegenen Glatzer Kessel in den Wallfahrtsort Wambierzyce (dt. Albendorf). Durch seine prächtige Basilika, die auch als "Schlesisches Jerusalem" bezeichnet wird, gilt der Ort als einer der wichtigsten polnischen Wallfahrtsorte. Unser Abendessen nehmen wir dann wieder im Hotel ein.
Samstag, 10.10.2026 Schloss Fürstenstein – Eisenbahnmuseum Jaworzyna Slaska – Friedenskirche in Schweidnitz – Wodka–Probe
Heute besichtigen wir das größte Schloss Schlesiens, auch Burg Fürstenstein, auf Polnisch Zamek Książ, genannt. Dieses ist direkt im Waldenburger Bergland gelegen und wartet mit interessanten Geschichten aus dem Leben seiner Bewohner auf. Diese bekommen wir auf einem Rundgang mit Audioguides zu erfahren. Manche Räume präsentieren sich wie ein aufgeschlagenes Familienalbum. Das prächtige Barockschloss ist ohne Zweifel eines der schönsten Bauwerke der Region und mit seinen mehr als 600 Räumen auch eines der größten. Es besitzt eine umliegende Parkanlage mit zwölf Terrassengärten. Ein tolles Fotomotiv stellt die von Statuen gesäumte Zugangsbrücke dar, hinter der sich das Schloss rosafarben erhebt. Nach der Pracht der fürstlichen Räume fallen wir aber schnell in die raue Wirklichkeit zurück. Ein Gang in die unterirdischen Stollengänge unter dem Schloss schließt sich an. In Videoaufzeichnungen wird uns die jüngere Vergangenheit dieser Gänge aus dem 20. Jahrhundert nahe gebracht. Ihre einstige Bestimmung im Rahmen des Projektes Riese im Zweiten Weltkrieg steht im krassen Gegensatz zu dem über der Erde liegendem Schloss. Das Sichtbare und das sich einem nicht sofort Erschließende an einem Ort, wo könnte es symbolisch markanter seinen Ausdruck gefunden haben als hier! Mit dem Bus geht es dann durch die niederschlesische Region nach Jaworzyna Śląska (dt. Königszelt), wo wir das überregional bekannte Eisenbahnmuseum besichtigen. Rund 50 historische Loks, restaurierte Eisenbahn-Waggons und weitere Schienenfahrzeuge bestaunen wir hier! Und nicht nur das – ausgerechnet just in diesem Moment fährt aus Anlass des 180. Jahrestages der Eröffnung der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahnlinie ein vollbesetzter Zug mit historischen Waggons von Breslau nach Berlin hier durch! Welch tolles Ereignis! Fotos, Videos und kräftiges Winken vom Zug wie von Land aus werden dies nachhaltig bezeugen!
Als letzten Höhepunkt des Tages besichtigen wir in Świdnica (dt. Schweidnitz) die zweite erhaltene evangelische Friedenskirche. Sie ist eine der größten Fachwerkkirchen der Welt und zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Leider ist die erste der drei evangelischen Friedenskirchen, die Schlesien mit dem Westfälischen Frieden zugestanden wurden, in Głogów (dt. Glogau), nicht mehr erhalten geblieben. Sie war im Jahre 1758 bei einem Stadtbrand zerstört und danach nicht wieder aufgebaut worden. Wie schade!
Im Hotel erwartet uns heute nach dem Abendessen eine zünftige Wodka-Probe drei verschiedener polnischer Wodkas, von denen wir nicht einen kennen. Also essen wir kräftig, um uns diesem polnischen Nationalgetränk gewachsen zu fühlen.
Sonntag, 11.10.2026 Stadtführung in Hirschberg – Besuch der Villa Wiesenstein in Agnetendorf – Isergebirgsbahn von Schreiberhau nach Harrachov – Glashütte – Bierverkostung
Heute erwartet uns zunächst eine Stadtführung mit unserem polnischen Gästeführer Grzegorz in Jelenia Góra (Hirschberg). Als eines der Zentren des Riesengebirges ist Hirschberg besonders für seinen malerischen Marktplatz mit den schönen Laubengängen bekannt. Auch die bunten Giebelhäuser in der Altstadt sind hübsch anzusehen und wir freuen uns immer wieder, wenn wir versteckt an einigen Gebäuden die kleinen Bronzestatuen entdecken, die auf Hirschberg verweisen. Da sich hier ganz in der Nähe auch der kleine Ort Jagniątków (Agnetendorf), ein Stadtteil von Jelenia Góra, befindet, besuchen wir die Villa Wiesenstein, das Wohnhaus des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann. Hier bestaunen wir die farbigen Bemalungen seiner Diele, der Paradies-Halle, lernen aber auch in einer Ausstellung den Zyklus „Schlesisches Bergvolk“ des Riesengebirgskünstlers Erich Fuchs kennen. Von hier aus fahren wir weiter in die naheliegende Stadt Szklarska Poręba (Schreiberhau), einem der bekanntesten Orte im Riesengebirge. Hier hat Gerhart Hauptmann eine Zeit lang mit seinem älteren Bruder Carl gewohnt, der dafür bekannt wurde, dass er die Rübezahl-Geschichten aufgeschrieben hat. Im Ort selbst findet gerade ein sportliches Event statt, wir sind beeindruckt! Die Menschen säumen den Straßenrand und applaudieren den Läufern! Wie wir später erfahren, handelt es sich um einen Ultramarathon, der auch als Staffellauf absolviert werden kann. Die Strecken betragen zwischen 33 km und 144 km, bis hin zum 36 Stunden Lauf! Das ringt uns Hochachtung ab und wir applaudieren mit! Der Ort scheint überhaupt sehr sportlich aufgestellt zu sein, ein Kletterwald sowie eine Sommerrodelbahn präsentieren sich unseren Blicken schon vom Zentrum aus!
Aber wir marathonisieren heute nicht, sondern steigen ein in die Isergebirgsbahn, die uns nun in das tschechische Harrachov fährt. Der Zug rumpelt herrlich durch die bewaldete Landschaft, an uns ziehen idyllisch gelegene Hügel und die üppige Natur des Isergebirges vorbei. In Harrachov angekommen, besuchen wir die Glashütte Novasad & Syn. Bei einer deutschsprachigen Führung wird uns das Handwerk der traditionellen Glasherstellung erklärt und uns die Geschichte dieser Manufaktur erzählt, wo alles noch in Handarbeit gemacht wird. Dabei können wir den Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen. Da sich direkt nebenan die Minibrauerei Pivovar Novosad befindet, kehren wir dort auf ein kleines Bier ein. Ob dunkel oder hell, mit oder ohne Alkohol, ganz nach Belieben! Aber es gibt auch etwas Besonderes, nämlich eine Mischung aus hellem und dunklem Bier! Den letzten Abend unserer Reise lassen wir gemütlich und kulinarisch in unserem Hotel ausklingen. Unser Hotelteam hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht, ein Lichter-Dinner mit eigens für uns angerichtetem Buffet! Wir dürfen den Raum im Lichterglanz auch nur alle zusammen betreten, unser Erstaunen erfreut das Hotel-Team! Die Überraschung ist gelungen!
Montag, 12.10.2026 – Abreise aus Schlesien zurück nach Deutschland
Am Morgen genießen wir noch einmal das üppige Frühstücksbuffet im Hotel. Wir alle sind fröhlich und guter Dinge, aber eines beschäftigt uns doch - was machen wir mit den restlichen Złoty? Da uns die Rückfahrt direkt über Bolesławiec (dt. Bunzlau) führt, legen wir noch einen Stopp an der dortigen Keramikmanufaktur ein. Seit dem 16. Jahrhundert stellen die Töpfer dort Gebrauchs- wie auch Kunstgegenstände aus Keramik mit wunderschönen und bald in ganz Europa bekannten Verzierungen her. Wir besuchen hier den Werkstattladen und erwerben noch das eine oder andere Andenken an unsere Reise, die uns mit vielen spannenden Erlebnissen und Gesprächen in Erinnerung bleiben wird. Das Abschiednehmen an den Ausstiegsorten, nun schon bereits wieder in Deutschland, ist herzlich! Wer weiß, vielleicht sieht man sich bald wieder, auf der einen oder anderen Reise mit Eberhardt-Travel!
Eine Reise geht zu Ende – wir haben die unterschiedlichsten Orte besucht, viel Neues über ihre Geschichte und ihre Bewohner erfahren, sind mit Bus und Bahn durch Berglandschaften und Tiefebenen gefahren, durch herrschaftliche Räume gewandelt und haben Glasbläsern bei ihrer Arbeit zugesehen. Das und viel mehr begegnete uns auf dieser Reise nach Südpolen! Mit herzlichem Dank an Euch, liebe Gäste, die Ihr diese Reise so farbig gestaltet habt, an Denis, unseren Busfahrer von Auerbachs-Reisen, der das Unmögliche möglich machte, und an unsere polnischen Gästeführer, Krzysztof und Grzegorz, die uns diese wundervolle Landschaft so nahe brachten! Und wer weiß, vielleicht wünschen wir uns ja bald wieder Szczęśliwej podróży! – Eine glückliche Reise! In diesem Sinne verbleibe ich – Eure Liane
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