Rumänien – zwischen Karpaten und Donaudelta
Reisebericht: 09.10. – 18.10.2026
Von den Burgen Transsilvaniens bis zu den Wasserwegen des Donaudeltas: eine Reise durch Geschichte, Natur und ganz unterschiedliche Landschaften Rumäniens
Ein Reisebericht von
Monika Cortese
Ankommen in Rumänien – erste Eindrücke von Bukarest
Ankommen in Rumänien – erste Eindrücke von Bukarest
Am Frankfurter Flughafen treffe ich acht Gäste, bevor wir gemeinsam nach Bukarest aufbrechen. Unser Abflug verspätet sich leicht, doch schließlich landen wir in der rumänischen Hauptstadt. Am Flughafen treffen wir auf die sechs weiteren Gäste, die von München angereist sind. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht: Unsere Reise beginnt direkt mit einer Stadtrundfahrt durch Bukarest und unserem rumänischen Reiseleiter Doru.
Während wir uns durch den lebhaften Freitagnachmittagsverkehr der Hauptstadt schlängeln, bekommen wir bereits einen ersten Eindruck von der Stadt. Monumentale Gebäude und breite Boulevards wechseln sich mit kleineren Straßen und ganz unterschiedlichen architektonischen Epochen ab. Bukarest trägt nicht umsonst den Beinamen „Klein-Paris“ – vor allem die eleganten Bauten entlang der Calea Victoriei erinnern an die starken französischen Einflüsse, die das Stadtbild im 19. und frühen 20. Jahrhundert prägten.
Doru erweist sich schnell als ausgesprochen kenntnisreicher Begleiter. Seine Erzählungen führen uns weit zurück in die Geschichte Rumäniens, insbesondere zu den Königen des Landes. 1866 kommt der aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen stammende Karl nach Rumänien und regiert zunächst als Fürst Carol I. Nach dem Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich wird Rumänien 1881 zum Königreich erhoben und Carol I. zum ersten König des Landes gekrönt. Seine Herrschaft prägt Rumänien nachhaltig und legt wichtige Grundlagen für die Modernisierung des jungen Königreichs.
Auch sein Neffe Ferdinand spielt später eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit seiner aus Großbritannien stammenden Frau, Königin Maria, wird er zum Symbol der rumänischen Einigung. Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte ihrer Krönung: Am 15. Oktober 1922 werden Ferdinand und Maria in Alba Iulia zu den Herrschern des vereinigten Rumäniens gekrönt. Die Zeremonie steht ganz im Zeichen der territorialen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg und der Entstehung Großrumäniens.
Während unserer Rundfahrt begegnen uns aber nicht nur die Spuren der Monarchie. Wir fahren am Triumphbogen vorbei, der an den Sieg Rumäniens im Ersten Weltkrieg und die Vereinigung des Landes erinnert, und sehen weitere markante Gebäude und Plätze der Hauptstadt. Auch der rumänische Komponist George Enescu begegnet uns in Form eines Denkmals, passend zu einer Stadt, deren kulturelles Leben eng mit seiner Musik verbunden ist.
Besonders eindrucksvoll ist schließlich der Blick auf das Parlamentsgebäude, die ehemalige „Casa Poporului“, das Haus des Volkes. Der gewaltige Bau entstand während der Herrschaft Nicolae Ceaușescus und gehört bis heute zu den außergewöhnlichsten Bauwerken Europas. Mit seiner enormen Fläche zählt es zu den größten zivilen Verwaltungsgebäuden der Welt und gilt als das schwerste Gebäude der Welt. Seine Dimensionen lassen sich selbst auf Fotos kaum erfassen - vor Ort wirkt der Bau geradezu überwältigend.
An diesem Gebäude wird zugleich ein besonders dunkles Kapitel der jüngeren rumänischen Geschichte sichtbar. Die gigantische Anlage war Teil von Ceaușescus radikalem Umbau des Zentrums von Bukarest und steht bis heute sinnbildlich für die Macht und den Größenwahn des kommunistischen Regimes. Nur wenige Jahre nach Beginn der Bauarbeiten kam es zur Revolution von 1989 und zum Ende der Herrschaft Ceaușescus.
Dann lassen wir Bukarest hinter uns und machen uns auf den Weg in die Karpaten, nach Predeal, dem höchstgelegenen Ort Rumäniens. Auf rund 1.040 Metern Höhe liegt der Bergort am Übergang zwischen der Walachei und Siebenbürgen, wo wir die kommenden Tage verbringen werden. Doch zunächst heißt es Geduld haben: Der dichte Feierabendverkehr aus Bukarest zieht die Fahrt in die Länge, sodass wir unser Ziel erst am Abend erreichen.
Während der Fahrt erzählt Doru auch von den Braunbären, die in den Wäldern der Karpaten zu Hause sind. Mit geschätzten rund 10.000 Tieren beherbergt Rumänien den größten Braunbärenbestand der Europäischen Union. Immer häufiger zieht es die Tiere auf der Suche nach Nahrung auch in die Nähe von Ortschaften und Kurorten. Doru erzählt uns, dass man bei einem Abendspaziergang in den Karpaten mit einer Wahrscheinlichkeit von 51 % einem Bären begegnen könne. Sein Rat: laut sein! Manchmal werden sogar schrille Warntöne eingesetzt, wenn sich Bären in der Nähe aufhalten.
Bei der Ankunft im Hotel werden wir zunächst mit einem Glas Rotwein begrüßt. Nach einem flotten Check-in treffen wir uns gleich zum gemeinsamen Abendessen. Die Müdigkeit ist allen anzumerken, denn viele aus der Gruppe sind bereits seit der vergangenen Nacht unterwegs. Trotzdem ist es schön zu sehen, wie beim Essen die ersten Gespräche entstehen und sich die Gruppe langsam näher kennenlernt.
Wer noch Lust hat, schließt sich anschließend einem kurzen Abendspaziergang an, doch bleibt uns eine Bärenbegegnung erspart: 49 % - kein Bär gesichtet! ;-)
Ein langer Reisetag geht zu Ende, und schließlich wartet nur noch das Bett. Morgen beginnt unsere Reise durch die Karpaten dann richtig.
Honigberg, Kronstadt und Schloss Bran – Siebenbürgen im goldenen Herbst
Bei strahlendem Herbstwetter machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Honigberg zur Wehrkirche Harman. Ein blauer Himmel und bunt gefärbte Bäume begleiteten uns durch den ganzen Tag und ließen die Landschaft Siebenbürgens in besonders schönen Farben leuchten.
Schon von außen beeindruckte die mächtige Kirchenburg mit ihren hohen Ringmauern und Wehrtürmen. Sie erzählte von einer Zeit, in der die Bewohner der Region ihre Dörfer vor Angreifern schützen mussten, und vermittelte uns einen anschaulichen Eindruck vom Leben der Siebenbürger Sachsen in vergangenen Jahrhunderten. Hinter den Mauern entdeckten wir die Kirche, deren Turm auch bestiegen werden kann, sowie die historischen Räume der Anlage, in denen früher Vorräte für schwierige Zeiten gelagert wurden. Besonders der sogenannte Speckturm erinnerte daran, wie wichtig es war, sich für Belagerungen zu wappnen.
Anschließend fuhren wir nach Kronstadt, rumänisch Brașov. Malerisch am Fuße der Karpaten gelegen, empfing uns die Stadt mit einer lebendigen Altstadt und farbenfrohen Häuserfassaden. Gemeinsam mit Doru erkundeten wir die Gassen rund um den Marktplatz sowie die markanten Bauwerke wie das Katharinentor, die Synagoge und den weißen Turm oberhalb der Altstadt.
Besonders beeindruckte uns die Schwarze Kirche, eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Siebenbürgens. Ihren Namen erhielt sie nach dem großen Stadtbrand von 1689, bei dem die Mauern durch Rauch und Ruß geschwärzt wurden. Im Inneren beeindruckten die gewaltige Architektur, die wertvollen orientalischen Teppiche und die große Buchholz-Orgel.
Danach blieb Zeit für eine individuelle Mittagspause und einen Bummel durch die Altstadt. Bevor wir Kronstadt verließen, hielten wir noch einmal an, um den schönen Blick auf die Stadt festzuhalten. Bei dem klaren Himmel und dem sonnigen Herbstwetter entstanden natürlich besonders schöne Fotos.
Am frühen Nachmittag ging es weiter in Richtung Bran. Die Fahrt führte durch Poiana Brașov, einen bekannten Wintersportort. Bunte Baumkronen wechselten sich mit dunklen Nadelwäldern ab, dahinter erhoben sich die Berge der Karpaten. Immer wieder genossen wir schöne Ausblicke auf die herbstliche Landschaft.
Schließlich erreichten wir Schloss Bran, das als „Dracula-Schloss“ weltberühmt geworden ist. Hoch über dem Ort erhob sich die Anlage mit ihren Türmen, Mauern und verwinkelten Dächern. Ursprünglich wurde die Burg als Grenz- und Verteidigungsfestung errichtet. Später erhielt sie eine besondere Bedeutung für die rumänische Königsfamilie: 1920 ging sie in den Besitz von Königin Maria über, die das Schloss restaurieren und zu einer königlichen Residenz gestalten ließ.
Bei der Besichtigung erkundeten wir die kleinen Räume, engen Treppen und verwinkelten Gänge. Natürlich begegneten wir dabei auch der berühmten Dracula-Legende. Der irische Schriftsteller Bram Stoker machte den blutrünstigen Grafen zu einer der bekanntesten Figuren der Schauerliteratur. Dass Dracula tatsächlich auf Schloss Bran gelebt haben soll, ist allerdings nicht belegt. Die Verbindung zwischen der Burg und der Romanfigur entstand vor allem durch die Ähnlichkeit der Anlage mit den Schauplätzen aus Stokers Geschichte. Angesichts der besonderen Lage und des geheimnisvollen Erscheinungsbildes verstand man jedoch schnell, warum das Schloss so gut zu dieser Legende passte.
Rund um das Schloss blieb noch etwas Zeit, um über den Souvenirmarkt zu schlendern.
Am frühen Abend erreichten wir wieder Predeal. Das warme Abendlicht ließ die herbstlich gefärbten Hänge noch einmal besonders schön leuchten. Doru hatte spontan die Idee, mit uns noch den Berg hinter dem Hotel zur Drei-Tannen-Hütte hinaufzufahren. Oben angekommen, wurden wir mit einem herrlichen Blick im Abendlicht belohnt. Natürlich wurden noch einige Fotos gemacht, bevor wir schließlich zum gemeinsamen Abendessen zurück ins Hotel fuhren.
Hermannstadt und Mediasch – Siebenbürgens Geschichte und gelebte Tradition
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Predeal und fuhren weiter nach Hermannstadt, rumänisch Sibiu. Unterwegs stimmte uns Doru mit Geschichten aus der düsteren Welt des Mittelalters und den Legenden um Vlad den Pfähler auf die bewegte Geschichte Siebenbürgens ein. Ein kurzer Halt in Făgăraș nutzten wir für einen Blick auf die dortige Burg und die orthodoxe Kirche.
Die historische Altstadt Herrmannstadt empfing uns schließlich mit prächtigen Bürgerhäusern, schönen Plätzen und den charakteristischen Dachfenstern, "Ochsenaugen" genannt, die wie Augen aus den Dächern schauen. Wir fühlten uns fast beobachtet! Beim Rundgang mit Doru entdeckten wir den Großen Platz mit seinen stattlichen Fassaden und dem Brukenthal-Palais, bevor wir durch die Gassen zum Kleinen Platz gelangten. Hier wartete eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt auf uns: die Lügenbrücke.
Doru erzählte uns die Legende, die der Brücke ihren Namen gab. Angeblich stürzt sie ein, wenn jemand über sie geht, der noch nie gelogen hat. Da die Brücke bis heute fest an ihrem Platz steht, dürfte es wohl noch niemandem gelungen sein, diesen Beweis anzutreten! Tatsächlich wurde die schmiedeeiserne Brücke 1859 errichtet und gilt als die erste ihrer Art in Rumänien.
Ein weiterer Höhepunkt war die evangelische Stadtpfarrkirche, deren hoher Turm das Stadtbild prägt. Im Inneren erfuhren wir mehr über die lange Geschichte der Kirche und die Bedeutung Hermannstadts als Zentrum der Siebenbürger Sachsen. Anschließend besichtigten wir auch die wunderschöne orthodoxe Kathedrale mit ihrer eindrucksvollen Kuppel.
Danach blieb Zeit, Hermannstadt auf eigene Faust zu erkunden und eine Mittagspause einzulegen. Viele nutzten die Gelegenheit, durch die hübschen Gassen zu schlendern, in einem Café einzukehren oder die besondere Atmosphäre der Altstadt bei weiterhin freundlichem Wetter noch ein wenig länger zu genießen. Für den Nachmittag war eigentlich Regen angekündigt worden, doch zum Glück blieb es trocken.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Mediasch, rumänisch Mediaș. Schon beim Spaziergang durch das historische Zentrum fielen die schönen alten Gebäude auf, die von der einstigen Bedeutung der Stadt erzählten. Gleichzeitig begegneten uns immer wieder leer stehende Häuser und Geschäfte. Im Vergleich zum lebendigen Hermannstadt wirkte Mediasch stiller und weniger belebt - ein etwas wehmütiger Anblick angesichts der architektonischen Schönheit, die vielerorts noch zu erkennen war.
Unser Ziel war die evangelische Margarethenkirche, die im Zentrum einer historischen Kirchenburg liegt. Ihr markanter Trompetenturm aus dem 15. Jahrhundert ist eines der Wahrzeichen von Mediasch. Die befestigte Anlage erinnerte daran, dass Kirchen in Siebenbürgen früher nicht nur Orte des Glaubens waren, sondern den Bewohnern in unruhigen Zeiten auch Schutz boten.
In der Kirche wurden wir von Christa empfangen, die uns vom Leben der evangelischen Gemeinde und von der Geschichte der Siebenbürger Sachsen erzählte. Dabei wurde deutlich, wie stark sich die Gemeinschaft im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verändert hatte. Schon nach dem Ersten Weltkrieg verließen viele Menschen die Region. Die politischen Umbrüche und die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs verstärkten diese Entwicklung. Christa berichtete auch von den schwierigen Schicksalen jener Zeit, als Siebenbürger Sachsen nach Deutschland gingen, dort teilweise auf deutscher Seite kämpften und sich danach oft nicht mehr in ihre frühere Heimat zurückwagten.
Wie sehr die Gemeinde geschrumpft ist, zeigten auch die Zahlen: Vor der politischen Wende zählte sie nach Christas Angaben rund 10.500 Mitglieder, heute sind es etwa 600, darunter rund 500 Siebenbürger Sachsen. Dennoch wird die Tradition weitergeführt – jeden Sonntag findet ein deutschsprachiger Gottesdienst statt.
Auch die deutsche Sprache hat in Mediasch weiterhin ihren Platz. Auf dem Gelände der Kirchenburg befindet sich eine deutsche Grundschule, außerdem gibt es ein deutsches Gymnasium. Bemerkenswert ist, dass inzwischen rund 80 % der Schüler aus rumänischen Familien stammen. Viele Eltern schätzen es, wenn ihre Kinder von klein auf Deutsch lernen.
Christa berichtete außerdem von den Herausforderungen, vor denen die Gemeinde steht. Viele evangelische Kirchen der Region werden heute nicht mehr genutzt und verfallen. Wertvolle Kunstschätze wurden deshalb teilweise nach Mediasch gebracht, um sie zu bewahren.
Als wir die Kirchenburg verließen, kündigte der starke Wind bereits einen Wetterwechsel an. Bis dahin hatte das Wetter glücklicherweise gehalten. Trotzdem unternahmen wir noch einen kurzen Spaziergang durch das Zentrum, bevor wir zu unserem Hotel fuhren.
Beim gemeinsamen Abendessen zog schließlich ein Gewitter auf. So ließen wir den Tag mit vielen Eindrücken aus zwei ganz unterschiedlichen Städten ausklingen – aus dem lebendigen Hermannstadt und dem stilleren Mediasch, dessen Geschichte der deutschsprachige Gemeinde uns noch lange in Erinnerung bleiben würden.
Bazna, Biertan und Schäßburg: Kirchenburgen, Pferdekutsche und Wein
Der Tag begann mit einer Fahrt nach Bazna, einem traditionsreichen Kurort, der für seine salzhaltigen Quellen bekannt ist. Unterwegs erzählte unser Reiseleiter Doru von König Charles III., der sich seit vielen Jahren für Transsilvanien begeistert. Bereits 1998 hatte er die Region für sich entdeckt und setzt sich seither für den Erhalt der traditionellen Dörfer, der historischen Bausubstanz und der einzigartigen Natur ein. Mit dem Transylvania Florilegium wurde durch ihm zudem die vielfältige Pflanzenwelt der Region in aufwendigen botanischen Illustrationen festgehalten.
In Bazna wartete bereits ein besonderes Erlebnis auf uns: Mit Pferdewagen ging es durch die ländliche Landschaft in Richtung Boian. Das gemächliche Tempo, die Geräusche der Hufe und die alten Häuser entlang des Weges vermittelten den Eindruck, als sei die Zeit hier ein wenig stehen geblieben. In Boian besichtigten wir die alte Kirchenburg, die im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erlebt hat. Von der einst bedeutenden siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft lebt heute fast keiner mehr in der Gegend. Viele ausgewanderte Sachsen kehren jedoch regelmäßig zurück und helfen dabei, das kulturelle Erbe ihrer Vorfahren zu bewahren. Bevor wir wieder in die Kutschen stiegen, spendierte und unser Kutscher noch einen Becher Rotwein.
Anschließend führte uns die Fahrt nach Biertan, wo eine der eindrucksvollsten Kirchenburgen Transsilvaniens auf uns wartete. Die mächtige Anlage mit ihren mehreren Ringmauern und Wehrtürmen zeugt davon, wie wichtig der Schutz der Bevölkerung in früheren Jahrhunderten war. Im Inneren beeindruckte besonders der spätgotische Flügelaltar mit seinen 28 Bildtafeln. Ein weiteres Meisterwerk ist die kunstvoll verzierte Tür zur Sakristei. Ihr ausgeklügelter Schließmechanismus verriegelt die Tür gleichzeitig an mehreren Stellen und wurde auf der Pariser Weltausstellung von 1889 präsentiert.
In der Kirchenburg besichtigten wir auch das kleine sogenannte Scheidungshaus mit seinem einzigen Zimmer, dem Ehegefängnis. Wenn sich Ehepaare zerstritten und scheiden lassen wollten, schickte der Pfarrer sie für eine gewisse Zeit gemeinsam in diesen Raum. Dort mussten sie mit nur einem Teller, einem Löffel, einem Stuhl und einem Bett auskommen. Erst wenn sie gelobten, sich wieder zu versöhnen, durften sie das Ehegefängnis verlassen.
Am frühen Nachmittag erreichten wir Sighișoara, auf Deutsch Schäßburg. Die mittelalterliche Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, bunten Häuserfassaden und historischen Gebäuden gehört zu den schönsten Orten Transsilvaniens. Beim Rundgang entdeckten wir unter anderem den markanten Uhrturm, der einst als Sitz der Stadtverwaltung diente und heute das Wahrzeichen der Stadt ist. Von oben bietet sich ein schöner Blick über die Dächer und die umliegende Landschaft. Auch die Geschichte Vlad III. Drăculea, besser bekannt als Vlad der Pfähler und eine der historischen Figuren hinter der Dracula-Legende, gehört untrennbar zu Schäßburg. Sein Geburtshaus ist heute hauptsächlich ein Restaurant.
Ein weiteres bemerkenswertes Gebäude ist das sogenannte Venezianische Haus. Seinen Namen verdankt es den Fensterrahmungen, die an die Architektur Venedigs erinnern. Einer Legende nach ließ ein Schäßburger Bürgermeister das Haus im venezianischen Stil gestalten, weil sich seine Frau nach ihrer Heimatstadt sehnte.
Nach etwas Freizeit setzten wir unsere Fahrt nach Seuca fort. Dort wurden wir in einer Weinkellerei zu einer Verkostung erwartet. Drei Weine - ein Weißwein, ein Rosé und ein Rotwein - standen auf dem Programm. Dazu gab es verschiedene Kostproben, darunter Käse, weiße Trüffel und schwarzer Knoblauchhonig. Der lehmhaltige Boden der Region bietet besondere Voraussetzungen für den Weinbau. Die Verkostung kam bei unserer Gruppe sehr gut an und bildete einen genussvollen Abschluss unseres abwechslungsreichen Ausflugstages.
Kurz vor dem Abendessen kehrten wir ins Hotel zurück, wo wir die vielen Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren ließen - von der Kutschfahrt über die beeindruckenden Kirchenburgen bis hin zu den verwinkelten Gassen Schäßburgs und den Weinen Transsilvaniens.
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