Wie wir auszogen, um die echte Magie Schottlands zu finden
Reisebericht: 27.07. – 03.08.2026
Eine Gruppe Zauberlehrlinge möchte die Muggel-Welt für eine Weile hinter sich lassen und fährt quer durch den wildromantischen Norden Englands mitten hinein in das mystische Herz Schottlands.
Ein Reisebericht von
Heike Jack
Mo, 27.07.26 Leinen los in Richtung Zauberland
Sehr früh morgens in Dresden ging es los: Der Reisebus rollte Richtung Amsterdam. Die Vorfreude im Gepäck war riesig, denn unser Ziel war Schottland. Auf der langen Busfahrt mit Zwischenstopps und Zustiegen vertrieben wir uns die Zeit mit "Harry Potter und der Stein der Weisen".
Gegen Abend am Amsterdamer Hafen Ijmuiden hieß es dann „Leinen los“ auf der DFDS-Fähre nach Newcastle. Nach einem köstlichen Abendessen-Buffet an Bord und einem Drink mit Blick auf das offene Meer, schliefen wir in unseren gemütlichen Kabinen ein. Während das Schiff sanft durch die Nordsee glitt, träumten wir schon von schwebenden Kerzen und schottischen Burgen.
Di, 28.07.26 Hogwarts–Vibes in Durham & Hallo Edinburgh
Am Morgen kommen erst einmal die Zeitumkehrer zum Einsatz - bitte die Uhr eine Stunde zurück stellen!
Die Stadt Durham ist ein absoluter Traum. Sie wird vom Fluss Wear umarmt, über allem thronen die mächtige normannische Burg und die weltberühmte Kathedrale. Bunter Blumenschmuck dekoriert den Marktplatz. Als wir die Durham Cathedral betraten, bekamen wir sofort Gänsehaut. Kein Wunder: Die über 900 Jahre alten Mauern waren Drehort für die ersten Harry-Potter-Filme! Im Kapitelsaal (Chapter House) zeigte Professor McGonagall den Schülern, wie man Tiere in Kelche verwandelt. Und beim Gang durch die wunderschönen, kühlen Kreuzgänge fühlten wir uns, als würden wir direkt mit Harry, Ron und Hermine zu einer Zaubertrank-Lektion eilen. Auch die Legende von St. Cuthbert und dem Kuh-Wunder von Durham faszinierte uns. Nach einem Bummel durch die mittelalterlichen, kopfsteingepflasterten Gassen kehrten wir vorerst in die Muggel-Welt zurück. Der Bus brachte uns zur schottischen Grenze, wo eine Überraschung wartete. Heike und Jan luden uns auf einen Becher echten schottischen Whisky ein, Jans Favorit: ABERFELDY Highland Single Malt. Er konnte als Busfahrer ja nicht mittrinken, aber wir haben ihm einen Schluck aufgehoben. Als alkoholfreie Alternative gab es die knallorange, schottische Brause IRN BRU, deutsch eisenhaltiges Getränk. Begleitet wurde das Ganze von Alan, dem schottischen Dudelsack - Spieler, der uns auch mit allerlei Souvenirs beglückte. Besser kann ein Grenzübertritt nicht sein!
Weiter ging's nach Edinburgh, wo wir unser Moxy-Hotel bezogen und die noch hinzukommenden Fluggäste begrüßten.
Nun konnten wir den langen Tag bei einem leckeren Abendessen im Restaurant Montpeliers ausklingen lassen.
Mi, 29.07.26 Auf den Spuren der Royals, Inspirationen und noch mehr Magie)
Heute stand Edinburgh ganz im Rampenlicht! Am Morgen begrüßten wir Lydia, unsere örtliche Gästeführerin aus Österreich, die uns klug und charmant ihre Wahlheimat zeigte. Wir starten mit einem kleinen Aufstieg auf den Calton Hill, der mit einem herrlichen Ausblick über die Stadt, das Castle, den Hausberg Arthurs Seat bis hin zum Firth of Forth, dem langen Fjord, belohnt wird. Direkt neben der mystischen Altstadt liegt die elegante „New Town“ aus dem 18. Jahrhundert mit ihren breiten Straßen und georgianischen Prachtbauten – ein genialer Kontrast!
Eine ausführliche Stadtrundfahrt zeigte uns die zwei Gesichter dieser faszinierenden Metropole. Die berühmte Royal Mile verbindet hier das Edinburgh Castle auf dem Vulkanfels mit dem Holyrood Palace, dem schottischen Sitz des Königs. Neugierig spähen wir hier einmal durch den Zaun.
Die Royal Mile ist genau eine schottische Meile lang (ca. 1,8 Kilometer) und bildet das historische Rückgrat der Stadt. Dann tauchten wir zu Fuß in die mittelalterliche Altstadt (Old Town) ein. Die engen, steilen Gassen – hier „Closes“ genannt – verbergen unzählige Geschichten von Geistern, Königen und Schmugglern. Auf dem Greyfriars Kirkyard finden wir die Gräber, deren Namen wir aus den Harry Potter Geschichten kennen. Ob sich J.K. Rowling hier inspirieren ließ, während ihre Tochter in der benachbarten George Hariots School fleißig lernte? Und dann ging sie in das naheliegende Elephant Cafè, um dort ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen?
Der gepflasterte Innenhof der Edinburgh City Chambers beherbergt den Edinburgh Award, der seit 2007 jährlich an herausragende Persönlichkeiten verliehen wird, die sich um die Stadt verdient gemacht haben. Auch J.K. Rowling hat hier ihren Handabdruck hinterlassen. Am Nachmittag erkunden wir individuell die Stadt mit ihren Cafés, Souvenirshops, Straßenkünstlern und Museen. Von der Dachterrasse des schottischen Nationalmuseums hat man einen herrlichen Ausblick über die Stadt, auch wenn es zu regnen beginnt. Am Abend treffen wir uns zu einem großartigen schottischen Abendessen im Restaurant Ghillie Dhu, wo zu unserer Freude auch ein Live-Musiker spielt.
Do, 30.07.26 Durch das Tor der Highlands ins „Tal der Tränen“
Heute hieß es Abschied nehmen von der Großstadt und hinein in das wilde, ungezähmte Herz Schottlands! Ein Abstecher führt uns zunächst zum Firth of Forth, wo wir die drei Brücken sehen können. Leider verhindert die Kreuzfahrer-Invasion einen Ausstieg. Die weitere Fahrt nutzten wir, um unser Harry Potter Quiz zu machen, ganz schön knifflige Fragen waren dabei.
Unsere Route führte uns vorbei an den ca. 30 m hohen Kelpies - Stahl - Skulpturen und Stirling mitten in die schottischen Highlands – eine Landschaft wie aus einem epischen Fantasyfilm.
Erster magischer Stopp: Loch Lomond. Dieser gigantische See bildet die geografische Grenze zwischen den sanften Lowlands und den rauen Highlands und ist mit 71 Quadratkilometern der flächenmäßig größte See ganz Großbritanniens. Ein Spaziergang durch den malerischen Ort Luss führte uns zum Ufer, wo uns das berühmte Volkslied „The Bonnie Banks o’ Loch Lomond“ in den Sinn kam. Die melancholische Melodie passte perfekt zum 5-Minuten-Wetter und der einseitig nebligen, mystischen Stimmung über dem Wasser.
Danach änderte sich die Kulisse schlagartig. Die Berge wurden höher, die Natur wilder. Wir legten einen Fotostopp ein bei den schönsten Bergen in den Highlands, dem Glen Coe Gebirge (Gleann Comhann) mit drei fast identischen Hügeln, die man auch Three Sisters nennt.
Dann erreichten wir Glencoe, auch bekannt als das „Tal der Tränen“. Der traurige Name erinnert nicht nur an das oft regnerische Wetter, sondern auch an das historische MacDonald-Massaker von 1692. Doch für uns war es vor allem das Tal der Magie! Hier wurden zahlreiche Szenen für die Harry Potter-Filme gedreht. Genau in diesem monumentalen Tal wurde für den dritten Film Hagrids Hütte aufgebaut. Bei unserem Spaziergang durch das Tal wurden wir zunächst ganz passend von einem heftigen Regenschauer heimgesucht. Patschnass erreichten wir den Pub, wo einige ins Trockene flüchteten. Die anderen gingen weiter und siehe da - die Sonne schien wieder. So kletterten wir den Hügel hinauf, zu der Stelle Hagrids Hütte einst stand. Hier suchten wir den Horizont ab: Saß dort hinten nicht eben noch Seidenschnabel, der Hippogreif im Gras? Auch für den Feuerkelch und die Heiligtümer des Todes diente diese gewaltige Naturkulisse als filmischer Hintergrund. Bei unserer Rückkehr zum Bus erwartete uns erneut eine Runde Whisky für die innere Erwärmung. Wir besuchten noch das Besucherzentrum im Tal, wo wir u.a. eine Torf-Hütte besichtigten.
Gegen Abend erreichten wir unser Caledonian Hotel in Fort William. Die Stadt liegt am Ufer des Loch Linnhe und direkt am Fuße des Ben Nevis – dem König der britischen Berge. Wir beschlossen den Tag wiederum bei einem sehr leckeren Menü im Hotel.
Fr, 31.07.26 Dampfende Loks, Riesentreppen und der echte Hogwarts–Express
Happy Birthday! Happy Birthday, Harry Potter und J.K. Rowling! Der heutige Tag war das absolute Kronjuwel für alle Zauberlehrlinge an Bord!
Unser erstes Ziel war der See Loch Shiel, hier erkannten wir sofort den Hogwarts-See wieder, wo das Trimagische Turnier stattfand und über dem Harry auf dem Rücken von Seidenschnabel über das Wasser glitt. Das geschichtsträchtige Glenfinnan Monument am Ufer des Loch Shiel erinnert an den schottischen Prinzen „Bonnie Prince Charlie“ und den Beginn des Jakobitenaufstands von 1745.
Nach einem kurzen, knackigen Spaziergang passierte es: Da lag es vor uns, das weltberühmte Glenfinnan-Viadukt! 30 Meter hoch, 380 Meter lang und geschwungen wie ein Kunstwerk. Genau hier fliegt im zweiten Film der blaue Ford Anglia der Weasleys neben dem Hogwarts-Express her. Wir kletterten mit hunderten Gleichgesinnten auf den Berg und gegen 10:45 Uhr dampfte der Jacobite Steam Train über das Viadukt. Ein echter Gänsehaut-Moment.
Im Fischerdorf Mallaig hatten wir genügend Zeit für eine Portion Fish & Chips oder frische Muscheln oder eine Hafenrundfahrt. Leider fiel letztere aus, da das Schiff ein technisches Problem hatte.
Am Nachmittag stiegen wir selbst in den Zug. Als wir über das Glenfinnan-Viadukt ratterten, gab es im Waggon kein Halten mehr. Dazu trug auch die überaus freundliche und witzige Zugbegleiterin bei. Und aus Heikes "Bauchladen" gab es Süßigkeiten. Wir haben unsere Schokofrösche fest umklammert und uns wie Erstklässler auf dem Weg ins neue Schuljahr gefühlt.
Wir beschlossen den Tag mit einem Meisterwerk der Muggel-Technik: Neptune’s Staircase. Die längste Schleusentreppe Großbritanniens vom berühmten Ingenieur Thomas Telford im Kaledonischen Kanal überwindet mit acht hintereinander geschalteten Schleusenkammern einen enormen Höhenunterschied. Schiffe brauchen fast anderthalb Stunden, um sich hier „hochzuarbeiten“ – ein faszinierendes Schauspiel.
Ein unvergesslicher Tag, der bei einem tollen Abendessen im Hotel feierlich besiegelt wurde.
Sa, 01.08.26 Auf der Lauer am Loch Ness & Ruinen am See
Heute ging unsere Reise wieder Richtung Norden zum wohl geheimnisvollsten See der Welt: Loch Ness. Der See ist zwar nicht der größte, aber der tiefste und volumenreichste See Schottlands. Er enthält mehr Süßwasser als alle Seen in England und Wales zusammen! Unser Ziel war das charmante Örtchen Drumnadrochit, das Epizentrum der Nessie-Forschung.
Doch zuerst erkundeten wir die geschichtsträchtigen Ruinen von Urquhart Castle. Die Burgruine thront absolut majestätisch auf einem Felsvorsprung direkt über dem tiefschwarzen Wasser des Sees. Im Jahr 1692 wurde die Burg von den eigenen Truppen gesprengt, damit sie nicht in die Hände der Jakobiten fällt – seitdem ist sie eine Ruine. Beim Schlendern durch die uralten Mauern und beim Erklimmen des Grant Towers spürte man förmlich die Jahrhunderte der schottischen Unabhängigkeitskriege. Und natürlich wanderte der Blick immer wieder hinaus auf den See – in der Hoffnung, eine lange Seeschlange (oder vielleicht einen schottischen Wasser-Dämon, einen Kelpie?) zu entdecken.
Danach ging es ins hochmoderne Loch Ness Center. Die interaktive Ausstellung ist ein genialer Mix aus Legenden, Mythen und echter Wissenschaft. Wir lernten alles über die berühmtesten Expeditionen, die mit Sonar und U-Booten nach dem Ungeheuer gesucht haben. Ob Nessie nun ein Saurier, ein riesiger Aal oder einfach pure schottische Magie ist – wir halten die Augen offen. Wer weiß, vielleicht versteckt sich in den Tiefen des Sees ja auch ein norwegischer Stachelbuckel-Drache? Wir stöberten noch im großen Souvenirshop und dann traten wir mit jeder Menge Seemannsgarn und magischen Bildern im Kopf die Rückreise Richtung Süden an. Der zweite Harry Potter Film verkürzte die Fahrzeit. Und endlich konnten wir auch die echten Highländer sehen. Die gutmütigen, schottischen Hochlandrinder ließen sich sogar füttern und streicheln.
Gegen Abend konnten wir dann im sehr schönen MacDonald Houston Hotel bei Edinburgh unsere Zimmer für die letzte Nacht beziehen. Hier fand gerade eine Hochzeitfeier statt, die Herren waren natürlich traditionell im Kilt gekleidet. Nach dem Abendessen trafen wir uns noch auf ein letztes gemeinsames Getränk in der gemütlichen Bar.
So, 02.08.26 Die erste (für manche die zweite) Flugstunde auf Alnwick Castle & Abschied von der Magie
Ein letztes schottisches Frühstück und dann hieß es: Goodbye Scotland! Wir überquerten die Grenze zurück nach Nordengland, um einem der absolut größten Highlights dieser Reise einen Besuch abzustatten: Alnwick Castle.
Diese gigantische Schlossanlage ist nach Windsor Castle der zweitgrößte bewohnte Adelssitz Englands. Das Schloss ist seit über 700 Jahren im Besitz der Familie Percy (den Herzögen von Northumberland) und diente auch für Downton Abbey und Robin Hood als Kulisse. Doch für uns war es vor allem der originale Außenhof von Hogwarts! Schon beim Betreten des weiten, grünen Innenhofs erkannten wir sofort die Kulisse wieder. Genau hier fand die legendäre erste Flugstunde mit Madam Hooch statt, bei der Neville die Kontrolle über seinen Besen verlor. Auch die Regeln von Quidditch wurden Harry genau auf diesem Rasen von Oliver Wood erklärt. Unsere zwei Professoren sorgten für Riesenspaß bei unser Lektion, alle haben die Prüfung bestanden.
Natürlich konnten wir es uns dann nicht nehmen lassen, selbst für ein Erinnerungsfoto in die Luft zu fliegen - ähm springen – stilecht mit einem Besen zwischen den Beinen!
Nach diesem letzten großen Zauber-Abenteuer wurden die Fluggäste zum Flughafen gebracht, um von dort die Heimreise anzutreten. Mit dem Bus fuhren wir weiter zum nahegelegenen Fährhafen in Newcastle. Was für ein Roadtrip lag hinter uns!
Der britische Zoll ließ uns diesmal ohne Kontrollen passieren. Am späten Nachmittag legte unsere DFDS-Fähre ab, wir trafen uns bei bestem Wetter an der Sky Bar. Beim späten, aber wieder gigantischen Abendessen an Bord blickten wir auf die Wellen der Nordsee. Und dann gab es doch noch einen Höhepunkt. Wir verirrten uns in die Karaoke-Bar. Unser Busfahrer Jan griff zum Mikrophon, verwandelte sich in Robbie Williams und sang "Angels". Das machte nun auch anderen Mut, Kompliment an unsere Sänger!
In unseren Kabinen schliefen wir nun beseelt mit dem sanften Schaukeln des Schiffes ein.
Mo, 03.08.26 Zurück in der Muggel–Welt
Am Morgen blinzelte uns die Sonne entgegen, als unsere Fähre sicher im Hafen von Amsterdam anlegte. Ein letztes, reichhaltiges Frühstück an Bord stärkte uns für die letzte Etappe. Nach dem Verlassen des Schiffes rollte unser Reisebus gemütlich in Richtung Heimat. Den passenden Zeitvertreib brachten Harry Potter Filme.
Wir ließen die Erlebnisse der vergangenen Woche Revue passieren: die Kreuzgänge in Durham, die Gassen von Edinburgh, das wilde Glencoe und die Fahrt des Hogwarts-Express über das Glenfinnan Viadukt.
Im Gepäck hatten wir zwar keine echten Zauberstäbe, dafür aber unbezahlbare Erinnerungen, Hunderte von Fotos und das ganz klare Gefühl, dass wir der echten Magie Schottlands ein Stückchen näher gekommen sind.
Die Reise ist zwar vorbei, aber die Erinnerungen und die Sehnsucht nach den rauen Highlands werden bleiben.
Mischief managed – Missetat begangen - das Schabernack-Abenteuer ist hiermit offiziell beendet. B
Mein Dank gilt der tollen, harmonischen Reisegruppe - bis zum nächsten Mal, zauberhaftes Großbritannien und wunderbares Schottland, Land der Mythen!
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