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Der Camino Português: Mit Rückenwind, Wein & Meeresrauschen zum Ende der Welt!

Reisebericht: 21.09. – 29.09.2026

Wandern, genießen und den Kopf freipusten lassen: Unsere Reise auf dem portugiesischen Jakobsweg voller magischer Momente, echter Gastfreundschaft und unvergesslicher Küstenpanoramen!

Sabine C. Seifert

Ein Reisebericht von
Sabine C. Seifert

Spanien, Wanderetappe nach Baiona, Leuchttum Silleiro – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Wanderetappe nach Baiona – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Castelo do Soutomaior  – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Pazo Rubianes, leckere Weintrauben – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, portugiesischer Jakobsweg, Ruta da Pedra e da Auga – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, portugiesischer Jakobsweg, Ruta da Pedra e da Auga – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, portugiesischer Jakobsweg, Wegkennzeichnung – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Padrón, Museum für Rosalia de Castro – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Santiago de Compostela, Abendessen im Mesón 42 – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Portugal, Küstenwanderung  – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Portugal, Viana do Castelo, Basilika Heiligherzkirche Jesus – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Portugal, Viana do Castelo, Picknick zum Abschluss – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL)

21.09.2026 Hallo Portugal! Vom Koffer–Krimi zum Lichterglanz am Douro

Unser großes Abenteuer begann heute mit einem herrlich vertrauten Wiedersehen: Auf den Flughäfen in Dresden und Frankfurt trafen die ersten Reisegäste ein, und das Wiedersehen mit einigen Gästen fühlte sich direkt wie ein kleines Familientreffen an, denn wir kannten uns bereits von anderen Reisen. In Dresden wurde es allerdings erst einmal sportlich: Das neue, automatische System zur Kofferlabelierung stellte unseren Einfallsreichtum auf eine harte Probe. Als die Koffer dann schlussendlich auch noch auf dem Förderband streikten und einfach nicht fortrollen wollten, war der erste kleine Koffer-Krimi perfekt! Doch mit vereinten Kräften und Geduld meisterten wir auch diese Hüde. Über das Drehkreuz Frankfurt ging es schließlich gemeinsam weiter nach Porto.
In Porto empfing uns Portugal von seiner besten Seite: mit herrlich warmem Wohlfühlwetter! Ein kleiner Stau bei der Anfahrt konnte unsere Vorfreude nicht trüben, und kaum hatten wir unser B&B-Hotel erreicht, hielt uns nichts mehr auf den Zimmern. Wir brachen sofort auf, um zu Fuß die ersten Eindrücke dieser faszinierenden Stadt aufzusaugen. Schon der erste Blick auf die imposante Kulisse von Porto ließ unsere Herzen höherschlagen.
Der kulinarische Auftakt folgte sogleich im wunderbaren Restaurant Chez Lapin direkt am Ufer des Douro im historischen Altstadtviertel Ribeira. Hier erwarteten uns nicht nur traditionelle portugiesische Köstlichkeiten, sondern auch ein ganz besonderer Blickfang: Unsere Blicke wanderten immer wieder fasziniert an die Decke und die Wände, die mit zahllosen urigen Requisiten, Flaschen und Erinnerungsstücken über und über dekoriert sind.
Gestärkt und bester Laune bummelten wir im Anschluss durch die romantischen, abendlichen Gassen mit ihren typischen fliesenbedeckten Hausfassaden hinauf zur Kathedrale von Porto (Sé do Porto). Die im 12. Jahrhundert als wehrhafte Hallenkirche errichtete Kathedrale beeindruckt mit ihrer mächtigen romanischen Fassade, den Zinnen und der großen Rosette, während sie im Inneren barocke Schätze und einen wunderschönen Kreuzgang verbirgt. Direkt auf dem Vorplatz bewunderten wir die imposante Reiterstatue von Víama Peres, jenem galicischen Grafen und Kriegsherrn, der im Jahr 868 die Stadt von den Mauren zurückeroberte und als erster Graf der Grafschaft Portucale gilt, die einst der Namensgeber für das heutige Portugal wurde.
Von diesem geschichtsträchtigen Aussichtspunkt aus machten wir uns auf den Rückweg und überquerten die ikonische Ponte Dom Luís I., das stählerne Wahrzeichen der Stadt. Mit dem atemberaubenden Blick auf die glitzernden Lichter Portos, die sich sanft im Wasser des Douro spiegelten, spazierten wir entspannt hinüber zu unserem B&B-Hotel. So ging ein wunderschöner, erlebnisreicher erster Tag zu Ende, und wir waren voller Vorfreude auf die kommenden Wandertage!

22.09.2026 Vom Glücksbringer–Hahn zur schattigen Platanen–Allee

Der zweite Tag unserer Reise begann früh mit einem stärkenden Frühstück, bevor wir uns zeitig im Bus auf den Weg nach Norden machten. Unser Ziel war Barcelos, jene geschichtsträchtige Stadt am Fluss Cávado, die weit über die Landesgrenzen hinaus für die Legende des bunten Hahns bekannt ist, welcher heute als Glückssymbol ganz Portugals gilt.
Unsere Erkundung starteten wir an der erstaunlichen Kirche Igreja do Senhor Bom Jesus da Cruz. Von aussen wirkt der achteckige Barockbau aus dem frühen 18. Jahrhundert eher schlicht und unaufdringlich, doch sobald man das Innere betritt, offenbart sich eine prachtvolle Überraschung! Der Innenraum überwältigte uns mit kunstvoll vergoldeten Holzschnitzereien (Talta Dourada) und riesigen, historischen Azulejo-Wandbildern in den klassisch blauen und weissen Tönen.
Anschliessend schlenderten wir durch die noch herrlich verschlafene Altstadt hinunter zu den pittoresken Ruinen des Paço dos Duques de Bragança. Der einst mächtige Palast wurde im frühen 15. Jahrhundert (ab ca. 1420) von Afonso, dem 8. Grafen von Barcelos und späteren 1. Herzog von Bragança, errichtet. Das Haus Bragança stieg später ab 1640 zur herrschenden Königsdynastie Portugals auf und stellte bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1910 alle portugiesischen Könige und über Heiratsverbindungen beeinflusste die Familie die europäische Hochadelswelt entscheidend mit.
Bevor wir die Wanderschuhe schnürten, blieb noch etwas Zeit, um in einer traditionellen Bäckerei die lokalen Süßspeisen und Köstlichkeiten zu probieren.
Danach ging es voller Vorfreude zum eigentlichen Highlight des Tages: unserem ersten Wandertag auf dem Camino Portugués! Wir starteten nahe der bekannten Pilgerherberge Casa da Fernanda in Vitorino dos Piães. Bei sehr sommerlichen Temperaturen um die 30 Grad führte uns der Weg abwechslungsreich durch kleine, idyllische Dörfer und nicht mehr so grüne Weinberge. Umso mehr freuten wir uns über die schattigen Abschnitte, die durch kühlende Wälder führten. Immer wieder legten wir kleine Rastpausen an urigen Dorfbrunnen ein, um uns das erfrischende Wasser über die Hände zu giessen und den Durst zu löschen.
Vorbei an einer malerischen kleinen Kapelle erreichten wir schliesslich die eindrucksvolle Alameda mit ihren riesigen, schattenspendenden Platanen. Und dann lag sie endlich vor uns: die berühmte mittelalterliche Brücke von Ponte de Lima!
Hier kehrten wir im schattigen, erfrischenden Inneren der Bar Casa Terrazza ein. Sabine hatte es versprochen, und wir freuten uns alle riesig auf die wohlverdiente Abkühlung: den traditionellen Port Tonic! Der Erfrischungsmix aus weissem oder rotem Portwein, Tonic Water und Eiswürfeln: das war genau das Richtige nach den geschafften Kilometern. Bei diesem Erfrischungsgetränk oder alternativ einem kühlen Bier liessen wir den Wandertag entspannt Revue passieren.
Im Anschluss fuhren wir zu unserem Hotel, wo uns sogar ein schickes Schwimmbad erwartete. Da für einen Sprung ins Wasser allerdings Badekappen erforderlich gewesen wären, verzichteten wir jedoch auf den Sprung ins kühle Nass und genossen stattdessen die Ruhe der Hotelanlage. Den gelungenen Tag schlossen wir schliesslich bei einem gemeinsamen, schmackhaften Abendessen in fröhlicher Runde ab.

23.09.2026 Grenzgänge am Miño, Römerspuren und Meeresrauschen in Baiona

Am dritten Tag verabschiedeten wir uns vorerst aus Portugal und machten uns auf den Weg Richtung Norden zur spanischen Grenze. Unser erster Stopp führte uns nach Valença a do Minho. Die imposante, sternförmige Festungsanlage thront hoch über dem Fluss Miño. Bei einem Rundgang entlang der alten Wehrgänge genossen wir den spektakulären Panoramablick hinüber auf das spanische Ufer. Hier lauschten wir den Geschichten aus alten Zeiten, als der Grenzfluss noch Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen und waghalsiger Handelsrouten war.
Mit der Überquerung der alten eisernen Brücke, gebaut von Pelayo Mancebo y Ágreda, liessen wir nicht nur Portugal hinter uns, sondern stellten auch unsere Uhren um eine Stunde vor: Willkommen im spanischen Galizien! Drüben im traditionsreichen Wallfahrtsort Tui angekommen, tauchten wir in die romantischen Gassen der Altstadt ein. Unser Weg führte uns zur majestätischen Kathedrale Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert, die mit ihrer trutzigen, burgartigen Fassade eindrucksvoll die Geschichte dieser Grenzregion widerspiegelt.
Nach einer aussichtsreichen Küstenfahrt entlang der rauen Atlantiklinie erreichten wir den Ausgangspunkt unserer heutigen Etappe. Hier hielt der Tag für jeden Geschmack die passende Route bereit: Einige von uns wählten den knackigen Berganstieg über den alten Königspfad und folgten den spürbaren Spuren der Geschichte. Ein besonderer Gänsehautmoment erwartete sie auf dem uralten Römerpfad, wo sich in den massiven Granitfelsen noch heute die tief ausgefahrenen Rillen der antiken römischen Wagenräder abzeichnen. Eine andere Gruppe entschied sich für die flachere, herrlich entspannte Variante direkt an der Küste entlang. Wieder andere nutzten den Service unseres Busses, liessen sich bequem bis zum markanten Leuchtturm Cabo Silleiro fahren und liefen von dort aus eine entspannte, kürzere Etappe.
Ganz gleich, welche Variante gewählt wurde: Am Ende trafen sich alle Wanderer glücklich und voller neuer Eindrücke im geschichtsträchtigen Ambiente des Parador de Baiona wieder! Direkt innerhalb der mächtigen Festungsmauern gelegen, kehrten wir dort zu einem erfrischenden Kaffee ein und genossen gemeinsam den traumhaften Ausblick über die Bucht.
Baiona selbst ist ein Ort von welthistorischer Bedeutung: Genau hier landete im Jahr 1493 die Karavelle La Pinta unter dem Kommando von Martín Alonso Pinzón und brachte als erstes Schiff die sensationelle Nachricht von der Entdeckung der Neuen Welt nach Europa!
Da unser Hotel direkt am Ozean lag, nutzten einige Unentwegte im Anschluss die Gelegenheit, um die müden Wanderfüße im kühlen, salzigen Nass des Atlantiks zu erfrischen. Den Tag schlossen wir bei einem geselligen, köstlichen Abendessen in fröhlicher Runde ab.

24.09.2026 Ausruhtag voller Küstenzauber, Salutschüssen und dem Geheimnis der ewigen Jugend

Heute stand unser wohlverdienter Ausruhtag auf dem Programm , eine wunderbare Gelegenheit, die Beine etwas baumeln zu lassen und die maritimen Schätze Galiciens ohne Wanderschuhe zu geniessen!
Unser Tag begann am Vormittag mit der Besichtigung der eindrucksvollen mittelalterlichen Festung Castelo de Soutomaior. Bei einem entspannten Spaziergang durch die weitläufige, preisgekrönte Parkanlage wandelten wir zwischen uralten Kastanienbäumen und lauschten den Geschichten aus vergangenen Ritterzeiten.
Anstelle von Cambados führte uns unsere Reise anschliessend in das malerische Fischerdorf Combarro. Der Ort ist berühmt für seine historisch am Ufer aufgestellten Hórreos, jene traditionellen galicischen Getreidespeicher aus Stein, die hier interessanterweise direkt über dem Meer aufragen. Und in Combarro erwartete uns ein völlig unerwartetes Highlight: Genau zu unserer Ankunft um 12 Uhr mittags begann ein Stadtfest! Als wären wir Ehrengäste wurden wir mit lautstarken Salutschüssen und einem Feuerwerk begruesst: was für eine fantastische Überraschung! „Natürlich von Eberhardt Travel so geplant!“ ;-)
In der anschliessenden Freizeit nutzten einige von uns die Gelegenheit, in den urigen Tavernen am Hafen Fisch und Tapas zu geniessen, während andere gemütlich durch die romantischen, gepflasterten Gassen bummelten.
Weiter ging die Fahrt zur Halbinsel O Grove, wo wir eine kurze Orientierungsrundfahrt unternahmen. Auf der mondänen Nachbarinsel Isla de la Toja steuerten wir nicht nur die berühmte, vollständig mit Jakobsmuscheln verkleidete Kapelle an, sondern machten auch einen ganz besonderen Zwischenstopp: In der alten Naturseifen-Fabrik deckten wir uns alle fleissig mit der legendären La-Toja-Seife ein, in der festen Hoffnung und Vorfreude, nach der Anwendung mindestens zehn Jahre jünger auszusehen!
Auf dem Weg zu unserem Hotel nach Padrón legten wir noch einen stimmungsvollen Fotostopp am weitläufigen Strand Playa de la Lanzada ein. An der kleinen, romantischen Kapelle direkt am Meer liessen wir den Blick weit über den atlantischen Ozean schweifen und atmeten die frische Brise tief ein. Vollgepackt mit wunderbaren Eindrücken erreichten wir schliesslich unser Hotel, wo wir den Tag bei einem geselligen Abendessen entspannt ausklingen liessen.

25.09.2026 Botanische Schatztruhe im Pazo de Rubianes und das Geplätscher der Ruta da Pedra e da Auga

Unter einem weiterhin strahlend blauen Himmel starteten wir in unseren fünften Reisetag. Das Wetter meinte es immer noch gut mit uns: Die sommerliche Hitze Portugals hatte sich in eine angenehme, milde galicische Herbstsonne verwandelt, absolut ideales Wanderwetter für unsere anstehende Etappe!
Unser erster Programmpunkt führte uns am Vormittag zum prachtvollen Landsitz Pazo de Rubianes nahe Vilagarcí­a de Arousa. Dieses botanische Juwel aus dem 15. Jahrhundert verzauberte uns vom ersten Moment an. Bei einer geführten Besichtigung mit July wandelten wir durch die weitläufige Parkanlage, die völlig zu Recht als Garden of Excellence ausgezeichnet wurde. Zwischen jahrhundertealten monumentalen Bäumen, Magnolien und unzähligen Kamelien, von denen einige zu unserer Freude sogar schon blühten, tauchten wir tief in die Geschichte des Anwesens ein. Den krönenden Abschluss unseres Besuchs bildete die Verkostung des hauseigenen, spritzigen Albariño-Weissweins, der direkt auf den sonnenverwöhnten Hügeln rund um den Pazo gekeltert wird.
Gestärkt und bester Laune machten wir uns auf den Weg zum Kloster A Armenteira, wo der Startpunkt für eine der bezauberndsten Etappen des gesamten Weges lag: die Ruta da Pedra e da Auga (Route des Steins und des Wassers).
Entlang des kristallklaren Flusses Armenteira führte uns dieser malerische Pfad immer wieder über wunderschöne, schattige Waldwege und durch dichte Auenwälder. Da dieser Abschnitt als spirituelle Variante des portugiesischen Jakobswegs gilt und die Streckenkennzeichnung unterwegs gar nicht so einfach zu sehen ist, blieb unsere Gruppe heute fast vollständig zusammen. Gemeinsam Schritt für Schritt schaffte dies ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl. Das stete, beruhigende Plätschern des Wassers und das sanfte Rascheln der Blätter begleiteten uns auf unserem Weg. Entlang des Pfades bewunderten wir die historischen, moosbewachsenen Wassermühlen aus Stein, die von der jahrhundertealten Müllereitradition Galiciens erzählen. Zahlreiche gemütliche Picknickplätze luden immer wieder zum Innehalten und Geniessen der unberührten Natur ein.
Schon kurz vor unserem eigentlichen Zielpunkt nahe Baión entdeckten wir erfreut unseren Reisebus am Wegesrand, wo uns unsere Busfahrerin Rocio bereits mit einem strahlenden Lächeln erwartete.
Bevor es im Anschluss zum Abendessen ging, hatte unsere Reiseleiterin Sabine im Hotel in Padrón noch eine wunderbare Überraschung parat: Sie empfing uns alle mit einem erfrischenden Tinto de Verano! In fröhlicher Runde stiessen wir gemeinsam auf diesen herrlichen Wandertag an. Das Hotel in Padrón präsentierte sich als lebhaftes Pilgerhotel voller Energie und internationalen Wanderern. Bei einem geselligen Abendessen im größeren Rahmen liessen wir diesen ereignisreichen Tag gemeinsam ausklingen.

26.09.2026 Churros–Kult in Padrón, galicische Poesie und der Zauber von Santiago

Dieser Tag begann mit einem stimmungsvollen Morgen-Spaziergang durch Padrón. Gleich zu Beginn entdeckten wir am Rande der Allee einen kleinen Stand mit frischen Churros und nachdem von einer Teilnehmerin aus der Gruppe Appetit angemeldet worden war, gab es auch für die Anderen von uns kein Halten mehr! Wir stürzten uns begeistert auf diese traditionelle spanische Frühstücksspezialität und genossen das knusprige Gebäck noch heiss. Von dort aus führte uns der Weg hinauf zum Kloster Convento do Carmo (dem Karmeliterkloster). Gleich daneben sahen wir am frühen Morgen die ersten müden Pilger, die sich emsig für ihre heutige Etappe fertig machten. Von diesem erhabenen Punkt aus genossen wir einen fantastischen Blick über die gesamte Pilgerstadt Padrón.
Nach einem entspannten Spaziergang zu Fuss durch eine gepflegte kleine Parkanlage erreichten wir das Museum Rosalia de Castro. Hier tauchten wir tief in das Leben der bedeutendsten Dichterin Galiciens ein und stellten erstaunt fest, dass diese faszinierende Literatin nicht nur das kulturelle Herz der Region prägte, sondern einst sogar das Motiv der spanischen 500-Peseten-Banknote zierte!
Anschliessend stiegen wir in den Bus, um das grosse Ziel aller Pilger anzusteuern: Santiago de Compostela! Vom Park Alameda spazierten wir zu Fuss weiter. Unter dem majestätischen, riesigen Eukalyptusbaum hielten wir für einen ersten, ergreifenden Moment inne und liessen den atemberaubenden Blick auf die Türme der Kathedrale auf uns wirken. Punkt 11:30 Uhr erreichten wir die Plaza do Obradoiro vor der Kathedrale. Da am Wochenende jedoch bereits eine ellenlange Schlange vor dem Portal wartete, disponierten wir spontan um: Bei einem Altstadtrundgang liessen wir das ganz besondere, internationale Flair der Pilgermetropole auf uns wirken. Auf dem Hauptplatz war ein Oldtimertreffen in vollem Gange, so dass auch dadurch überall ein Gewussel und Gewimmel herrschte. Einige von uns kehrten auf einen stilvollen Kaffee im prachtvollen Parador-Hotel ein, während andere die kleinen, romantischen Café´s in den Gassen der Altstadt erkundeten.
Am Nachmittag liefen wir gemeinsam zu unserem Hotel, einem modernen, großzügigen Haus etwas abseits des Trubels der Altstadt. Nach einer erholsamen Ruhepause machten wir uns am frühen Abend erneut auf den Weg hinein in das historische Zentrum. Und diesmal hatten wir grosses Glück: Ganz ohne langes Anstehen gelangten wir in das Innere der Kathedrale! Gemeinsam besichtigten wir das ehrwürdige Gotteshaus, stiegen hinauf zur traditionellen Umarmung der Apostelfigur und erwiesen am Grab des heiligen Jakobus unsere Referenz. Während einige noch das Museum und die Empore der Kathedrale besichtigten, sicherten andere bereits Plätze für die feierliche Pilgermesse. Ein Blick nach oben zur Decke verriet uns allerdings ein kleines Detail: Die gewaltige Aufhängekonstruktion für das Botafumeiro befand sich gerade in Restaurierungsarbeiten, sodass der riesige Weihrauchkessel an diesem Abend leider nicht durch das Kirchenschiff schwingen konnte.
Nur wenige Meter weiter erwartete uns im kultigen Restaurant Casa Manolo am Plaza de Cervantes ein echtes, typisch spanisches Pilgermenü, das sich jeder ganz individuell nach eigenem Geschmack zusammenstellen konnte.
Auf dem Rückweg durch das stimmungsvoll beleuchtete Santiago wurden wir auf dem Plaza do Obradoiro noch von einer wunderbaren Überraschung aufgehalten: Eine mitreissende Folkloregruppe spielte traditionelle galicische Musik und lockte uns zum Verweilen und Zuhören an. Beschwingt und voller unvergesslicher Eindrücke traten wir schliesslich die letzten Schritte zum Hotel an, um uns für den nächsten Tag zu entspannen.

27.09.2026 Von den “Amigos aus Alemania“ in Carnota zum wilden Ozean am Ende der Welt

Heute erwartete uns der erste trübe Tag unserer Reise. Es ging bewölkt los, und immer wieder zeigte sich das typische galicische Nieselwetter von seiner mystischen Seite. Wir starteten zeitig an der Küste entlang Richtung Finisterre. Unser erster Stopp führte uns nach Carnota, wo wir das historische Ensemble aus Kirche, Friedhof und einem der längsten Hórreos Galiciens bewundern wollten.
Dort angekommen, erwartete uns eine riesige Überraschung: Auf der grossen Wiese fand gerade ein buntes Stadt-Event statt, ein Stadtlauf für die unterschiedlichsten Altersgruppen! Wir trafen genau in dem Moment ein, als die Jüngsten für ihren Start Aufstellung nahmen. Nach einem kurzen, herzlichen Schwatz mit dem Moderator stellte er unsere Gruppe über die Lautsprecher kurzerhand als die „Amigos de Alemania“ vor! Da konnten wir natürlich nicht einfach wieder gehen! Selbstverständlich warteten wir nun den Startschuss ab, um den rennenden Kindern lautstark zu applaudieren. Auch die kleine Kirche von Carnota präsentierte sich zur grossen Freude unserer Reiseleiterin heute völlig ungeplant geöffnet: Ein stolzer Einheimischer nahm uns in Empfang und zeigte uns bei einer spontanen kleinen Führung voller Freude das Schmuckstück seiner Heimatgemeinde.
Mit einer kleinen, aber absolut lohnenden Verspätung ging es weiter zum nahen Wasserfall Cascada de Ézaro. Hier bot sich uns ein fast skandinavisches Bild: Bunte Häuschen, eingerahmt von mächtigen, wasserumspülten, riesigen Felsblöcken, liessen uns für einen Moment an Schweden denken.
Als wir anschliessend am Strand Langosteiro aus dem Bus stiegen, regnete es zwar noch leicht, doch der Himmel hatte plötzlich ein Einsehen mit uns: Kaum hatten wir den Sand erreicht, hörte der Regen auf, sodass wir völlig entspannt bis in das idyllische Fischerdorf Finisterre spazieren konnten. Am anderen Ende wartete bereits unser Bus, nun mit unserem neuen Busfahrer mit dem verheißungsvollen Namen Jesús auf uns! Wer die letzten steilen Kilometer zum Kap nicht mehr zu Fuss zurücklegen wollte, konnte bequem im Bus Platz nehmen. Alle anderen wanderten bergan, vorbei an dem eindrucksvollen Pilgerdenkmal Monumento do Peregrino, hinauf bis zum berühmten Leuchtturm Faro de Finisterre. Die bronzene Figur, die sich tief nach vorne geneigt gegen den peitschenden Wind stemmt, soll genau dieses Gefühl auf den letzten Metern widerspiegeln: Sie verkörpert perfekt die Entschlossenheit und die kraftvolle Anstrengung kurz vor dem Ziel. Oben an den Klippen angekommen, warfen wir einen ehrfurchtsvollen Blick über den nebelverhangenen Atlantik, das antike „Ende der Welt“.
Weiter ging die Fahrt im Bus nach Muxía zum Heiligtum Santuario da Virxe da Barca. Wir warfen einen Blick in das Innere der geschichtsträchtigen Kapelle, die sich derzeit ebenfalls in Restaurationsarbeiten befindet. Gleich daneben besichtigten wir das mächtige Monument A Ferida, das ergreifend an die Ölkatastrophe des Tankers „Prestige“ erinnert. Hier zeigte sich uns der Atlantik von seiner gewaltigen, wilden und ungezähmten Seite. Wegen des wieder einsetzenden Regens hielten wir uns jedoch nur kurz auf und traten schliesslich die Rückfahrt nach Santiago de Compostela an.
Am Abend wartete im Restaurant Mesón 42 ein wahres Schlaraffenland auf uns! Nach galicischer Gastfreundschaft wurden unzählige Köstlichkeiten einfach für alle in die Mitte des Tisches gestellt: Von klassischer Tortilla Española über zarten Pulpo a Feira bis hin zu knackig-frischem Salat und würzigem Schweinefleisch war absolut alles dabei. Den krönenden Abschluss bildete eine reichhaltige Dessertauswahl, nach der wir gefühlt kugelrund, aber überglücklich ins Hotel zurückkehrten!

28.09.2026 Küsten–Magie am Atlantik, ein Picknick mit Aussicht und der perfekte Abschied

Für unseren achten Tag schnürten wir nun zum letzten Mal voller Vorfreude die Wanderschuhe! Im Bus ging es von Santiago de Compostela aus nun wieder Richtung Süden zurück nach Portugal. Durch den Grenzübertritt bekamen wir wieder eine Stunde geschenkt, Zeit, die wir in vollen Zügen auskosteten! Das Wanderwetter zeigte sich ebenfalls von seiner besten Seite: Der Himmel war zwar leicht bewölkt und die Luft angenehm frisch, doch die Sonne lugte immer wieder freundlich hervor.
Unser Busfahrer Jesús brachte uns zielsicher zum mächtigen Leuchtturm Farol de Montedor. Von diesem pittoresken Ort aus liefen wir hinab zur Küste und folgten den gut gepflegten Holzstegen oder liefen über den weichen Sand direkt am Atlantik entlang. Hier durften wir die wilde Küstenlandschaft noch einmal hautnah spüren: Wir entdeckten romantische, kleine Kunstwerke und Figuren im Sand, die das sanfte Spiel der Wellen hinterlassen hatte. Ein ganz besonderes Erlebnis war auch die Begegnung mit einer lokalen Muschelsammlerin, die uns stolz ihren tagesfrischen Fund präsentierte.
Immer an der rauschenden Atlantikküste entlang wanderten wir weiter Richtung Viana do Castelo. Für einige war dies die schönste Etappe der Reise. In der Bar Porta do Sol wollten wir uns nach den geschafften Kilometern eigentlich stärken. Die Speisekarten lagen bereits in unseren Händen, als unsere Reiseleiterin Sabine schmunzelnd einschritt: „Stopp, bitte nichts zu essen bestellen, nur Getränke! Wir haben nämlich noch etwas ganz Besonderes vor!“ Eigentlich sollte es eine echte Überraschung werden, doch alle schon mit großem Hunger auf die Speisekarte gestarrt hatten, musste Sabine das Geheimnis etwas früher als geplant lüften.
Mit dem Bus fuhren wir hinauf zum Aussichtsberg Monte de Santa Luzia zur eindrucksvollen Wallfahrtskirche Santuário de Santa Luzia (der Herz-Jesu-Basilika Sagrado Coração o de Jesus). Dieses neobyzantinische Meisterwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert orientiert sich architektonisch allen voran an der Bekannten Basilika Sacré Coeur in Paris als stilistischem Vorbild. Das Bauwerk beeindruckte uns mit seiner riesigen Kuppel und den kunstvollen Buntglasfenstern. Von hier oben genossen wir einen atemberaubenden Panoramablick über die gesamte Stadt, den tiefblauen Ozean und die Mündung des Flusses Lima, und so schloss sich für uns ein wunderschöner Kreis von unserem ersten Wandertag in Ponte de Lima bis hierher nach Viana do Castelo!
Während die Sonne immer wieder golden zwischen den Wolken hervorkam, erwartete uns hinter der Kirche die versprochene Überraschung: ein Picknick an einem herrlichen Aussichtspunkt! Ein ländlicher Festschmaus mit spanischen Köstlichkeiten von frischer Tarta de Santiago über würzige Chorizo, feinem Queso de Tetilla, knusprigem Brot direkt vom Bäcker bis hin zu gutem Wein und erfrischendem Orangensaft.
Nach der Ankunft im sehr gut gelegenen B&B Hotel Viana do Castelo blieb Zeit zur freien Verfügung. Einige nutzten die Gelegenheit für ein kleines Schläfchen, während andere durch die romantischen Gassen der Altstadt oder entlang des Hafens bummelten.
Unseren letzten gemeinsamen Abend feierten wir im Restaurant O Laranjeira. Bei einem exquisiten regionalen Menu und perfektem Service liessen wir diese wundervolle Reise in fröhlicher Runde gebührend ausklingen. Durch das stimmungsvoll beleuchtete, nächtliche Viana do Castelo spazierten wir entspannt zum Hotel zurück, ein rundum perfekter Abschluss für diesen unvergesslichen Tag!

29.09.2026 Der letzte Blick zurück – Ein Koffer voller unvergesslicher Erinnerungen

Der finale Reisetag begann wunderbar entspannt: Wir durften endlich in aller Ruhe ausschlafen und anschliessend ein ausgiebiges Frühstück im Hotel geniessen. Eine liebevolle Geste unserer Reiseleiterin Sabine sorgte dabei für ein echtes Schmunzeln: Das knusprige Brot, das vom gestrigen Picknick übrig geblieben war, brachte sie einfach mit zum Frühstücksbüffet, sodass sich einige von uns noch einmal freudig daran erquicken konnten!
Danach nutzten viele von uns die verbleibende Zeit vor der Abreise für einen letzten Erkundungsgang durch Viana do Castelo. Zahlreiche Reisegäste folgten dabei der Empfehlung von Sabine und besuchten die prachtvolle Igreja da Misericordia. Im Inneren der Barockkirche erwartete uns ein optisches Meisterwerk: Der gesamte Kirchenraum ist mit atemberaubenden, traditionellen blau-weissen Azulejo-Kacheln ausgekleidet, die ein faszinierendes Lichtspiel erzeugten und uns nachhaltig beeindruckten, aber auch im starken Kontrast zur Basilika des Monte Lucia stand.
Pünktlich zur Mittagszeit trafen wir uns alle wieder im Hotel, wo bereits unser Bus für die Fahrt zum Flughafen Porto auf uns wartete. Am modernen Flughafen von Porto liessen wir die verbleibende Zeit vor dem Abflug bei einem letzten gemeinsamen Kaffee, einem entspannten Schaufensterbummel oder gemütlichen Gesprächen, entspannt verstreichen:
„Und? Waren wir nun wirklich pilgern oder nur wandern?“ Auf unserem gemeinsamen Weg durch Portugal und Galicien haben wir eine der wertvollsten Lektionen gelernt: Pilgern bedeutet keineswegs, sich nur voller Disziplin von Ziel zu Ziel zu kämpfen. Mindestens genauso entscheidend wie der eiserne Wille zum Durchhalten ist die Kunst, im rechten Moment innezuhalten, durchzuatmen und sich eine wohlverdiente Pause zu gönnen. Aber das ist ja beim Wandern oder auch sonst im Leben nicht anders…
Es waren genau diese magischen Momente – die erfrischenden Rastpausen an schattigen Dorfbrunnen, das gemeinsame Lachen bei einem kühlen Port-Tonic oder das entspannte Innehalten an den majestätischen Klippen des Atlantiks –, die unseren Etappen ihre Leichtigkeit verliehen haben. Die kleinen, persönlichen Siege am Wegesrand, die überwundenen Höhenmeter und das stetige Gefühl der Gemeinschaft haben uns als Gruppe von Tag zu Tag näher zusammenrücken lassen. Dass uns der Norden der Iberischen Halbinsel dabei mit so vielen herrlich sonnigen und milden Tagen verwöhnt hat, war ein wunderbares Geschenk, das unsere Wege in ein ganz besonderes Licht tauchte, egal ob wir es pilgern oder wandern nennen.

Schliesslich hielt das Flugzeug wieder Kurs auf Deutschland. Am Drehkreuz Frankfurt verabschiedeten wir uns herzlich voneinander, bevor es weiter zu den jeweiligen Heimatflughäfen ging. Spät in der Nacht kamen wir schliesslich alle wohlbehalten zu Hause an, im Gepäck nicht nur die Wanderschuhe, sondern vor allem einen riesigen Koffer voller wunderbarer Erinnerungen, neuer Freundschaften und unvergesslicher Momente unter der Sonne Portugals und Galiciens!


Wir kehren mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit und Zufriedenheit nach Hause zurück. Denn wir wissen nun: Der eigentliche Camino beginnt vor unserer Haustür und endet keineswegs am Zielschild in Santiago de Compostela– er geht als lebendige Erinnerung in unseren Herzen immer weiter!


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