Istanbul – unterwegs zwischen Europa und Asien
Reisebericht: 17.09. – 23.09.2026
Istanbul – die einzige Metropole der Welt, die sich über zwei Kontinente erstreckt. Zwischen Europa und Asien entdecken wir eine Stadt voller Geschichte, Gegensätze und pulsierendem Leben am Bosporus.
Ein Reisebericht von
Monika Cortese
Ankommen in Istanbul
Endlich ist es so weit: Unsere Reise nach Istanbul beginnt. Die Gruppe reist aus verschiedenen Teilen Deutschlands an, ein Teil ist bereits einen Tag früher in Istanbul angekommen. Für mich und einem weiteren Gast geht es ab Frankfurt in die türkische Metropole – voller Vorfreude auf eine Woche zwischen Europa und Asien, Geschichte und pulsierendem Großstadtleben.
Mit Turkish Airlines starten wir pünktlich in Richtung Istanbul. Der Flug vergeht angenehm schnell, und für einen Kurzstreckenflug bietet die Airline sogar eine Mahlzeit und ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm mit Filmen an.
Nach der pünktlichen Landung heißt es zunächst Geduld haben: An der Passkontrolle erwartet uns eine ziemlich lange Schlange. Danach holen wir unser Gepäck, stellen die Uhren auf die türkische Ortszeit und werden bereits von unserem Fahrer erwartet. Auf der Fahrt zum Hotel bekommen wir erste Eindrücke von der riesigen Metropole, bevor wir schließlich unser zentral gelegenes Hotel in der Altstadt erreichen.
Viel Zeit zum Ankommen bleibt allerdings nicht. Nach dem Check-in können wir uns nur kurz frisch machen, denn schon bald treffen wir uns wieder in der Hotelhalle. Ich gebe der Gruppe einige Informationen und kurz darauf kommt auch Ali, unser örtlicher Reiseleiter, dazu.
Gemeinsam machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Abendessen. Unser Hotel liegt mitten in der historischen Altstadt, sodass wir bereits auf diesem ersten Spaziergang an einigen bedeutenden Sehenswürdigkeiten vorbeikommen. Unter anderem passieren wir den Million Stone, der in byzantinischer Zeit als Ausgangspunkt für die Entfernungsberechnung im Reich diente, und wenig später die imposante Blaue Moschee. Istanbul zeigt sich dabei schon am ersten Abend von seiner besonderen Seite: geschäftiges Treiben auf den Straßen, historische Bauwerke und überall das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.
Zum Abendessen erwartete uns ein Restaurant mit einem herrlichen Blick über Istanbul. Während wir die vielen verschiedenen Vorspeisen probierten, wurde es draußen langsam dunkel und nach und nach begann die Stadt unter uns zu leuchten. Obwohl wir von den Vorspeisen schon gut gesättigt waren, folgte anschließend noch das gewählte Hauptgericht und zum Abschluss ein Dessert. Es wurde also reichlich aufgetischt und so ließen wir den ersten Abend in Istanbul rundum zufrieden ausklingen.
Mit vielen ersten Eindrücken und der Vorfreude auf die kommenden Tage geht es anschließend zurück zum Hotel. Eine ganze Woche Istanbul liegt vor uns und wir sind gespannt, was diese faszinierende Stadt noch für uns bereithält.
Historische Schätze über und unter der Erde und ein besonderer Abend
Nach einem ausgezeichneten Frühstück starteten wir mit unserem örtlichen Reiseleiter Ali zu unserem ersten großen Besichtigungstag in Istanbul. Gleich zu Beginn wartete mit der Hagia Sophia eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt auf uns. Die heutige Hagia Sophia entstand unter Kaiser Justinian I. in den Jahren 532 bis 537, und das in einer für die damalige Zeit kaum vorstellbaren Geschwindigkeit. Rund 10.000 Menschen sollen am Bau beteiligt gewesen sein. Allein die gewaltige Kuppel mit einem Durchmesser von rund 31 Metern vermittelt noch heute einen Eindruck von der technischen Meisterleistung des 6. Jahrhunderts.
Heute ist die Hagia Sophia wieder eine Moschee. Leider war das beeindruckende Gebäude bei unserem Besuch teilweise eingerüstet. Selbst Ali, der in Istanbul lebt, erzählte uns, dass er die Hagia Sophia nur wenige Male ohne Gerüst erlebt habe.
Anschließend gingen wir weiter zur Sultan-Ahmet-Türbe, der Grabstätte von Sultan Ahmed I., und machten einen kurzen Besuch. Danach kamen wir am Deutschen Brunnen vorbei. Kaiser Wilhelm II. ließ den Brunnen als Erinnerung an seinen Besuch in Istanbul errichten. Bemerkenswert ist, dass er nicht direkt in Istanbul gebaut wurde: Die einzelnen Teile wurden in Deutschland gefertigt, nach Istanbul gebracht und dort zusammengesetzt. Daher trägt er bei Ali auch den Spitznamen „Ikea-Brunnen“.
Nur wenige Schritte weiter erreichten wir das ehemalige Hippodrom, einst das große Veranstaltungs- und gesellschaftliche Zentrum von Konstantinopel. Besonders beeindruckend ist der Obelisk des Theodosius: Er stammt ursprünglich aus Ägypten und wurde bereits um 1450 v. Chr. unter Pharao Thutmosis III. errichtet. Erst Jahrhunderte später gelangte er nach Konstantinopel und wurde im Hippodrom aufgestellt.
Danach ging es zum tiefsten Höhepunkt des Tages, nämlich unter die Erde, in die geheimnisvolle Yerebatan-Zisterne, auch „Versunkener Palast“ genannt. Im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian ausgebaut, diente sie dazu, Wasser für die Stadt und die kaiserlichen Anlagen zu speichern. 336 Säulen tragen bis heute das gewaltige Gewölbe. Zwischen den langen Säulenreihen und dem Wasser entstand eine fast mystische Atmosphäre, die diesen Besuch zu einem besonderen Erlebnis machte.
Für unsere Mittagspause kehrten wir anschließend im berühmten Pudding Shop ein. Das Lokal ist längst selbst ein Stück Istanbuler Geschichte: In den 1960er- und 1970er-Jahren war es ein Treffpunkt für junge Reisende und Hippies, die auf dem Landweg Richtung Indien und Nepal unterwegs waren.
Nach der Mittagspause nutzten wir die Gelegenheit, mit Ali weiter über die Türkei, den Islam und den Alltag in Istanbul zu sprechen. Unsere Gruppe zeigte großes Interesse und stellte viele Fragen.
Am Nachmittag stand schließlich die Sultan-Ahmet-Moschee auf dem Programm, besser bekannt als Blaue Moschee. Vor dem Eingang erwartete uns allerdings zunächst eine lange Warteschlange. Nach der Wartezeit konnten wir das imposante Bauwerk von innen besichtigen. Die zwischen 1609 und 1616 unter Sultan Ahmed I. errichtete Moschee ist die einzige Moschee Istanbuls mit sechs Minaretten. Ihren Beinamen „Blaue Moschee“ verdankt sie den zahlreichen blau, grün und weiß gehaltenen Fliesen im Inneren.
Den ursprünglich für heute vorgesehenen Rundgang über den Großen Basar verschoben wir auf einen späteren Reisetag. So blieb am Nachmittag noch etwas freie Zeit für einen Kaffee, eine kleine Pause oder eigene Unternehmungen.
Am frühen Abend trafen wir uns wieder in der Hotelhalle und machten uns gemeinsam auf den Weg zu unserem fakultativen Abendprogramm: einer Sema-Zeremonie mit den traditionellen tanzenden Derwischen. Die Mevlevi-Sema gehört seit 2008 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und verbindet Musik, Gebet und die charakteristischen Drehbewegungen der Derwische.
Vor Beginn der eigentlichen Sema-Zeremonie besichtigten wir zunächst eine kleine Ausstellung, die in die Geschichte und Bedeutung der Derwische einführte. Anschließend erlebten wir eine etwa einstündige Sema-Zeremonie. Die Derwische vollführen dabei keinen gewöhnlichen Tanz, sondern ein religiöses Ritual. Die Drehbewegungen symbolisieren die spirituelle Hinwendung zu Gott. Besonders eindrucksvoll war das Zusammenspiel aus Musik, Gesang und den gleichmäßigen Drehungen der Derwische. Für die Gruppe war es eine ganz besondere und ungewöhnliche Erfahrung, diese Zeremonie einmal live zu erleben.
Anschließend gingen wir über die Galata-Brücke in Richtung Goldenes Horn. Das nächtlich beleuchtete Istanbul und der untergehende Halbmond boten immer wieder schöne Fotomotive, sodass wir mehrfach stehen blieben. Dabei waren wir offenbar so abgelenkt, dass immer wieder dieselbe Frage auftauchte: „Wie heißt eigentlich diese Moschee dort?“ Ali hatte die Süleymaniye-Moschee inzwischen mehrfach genannt – insgesamt fünfmal musste er den Namen wiederholen. Beim letzten Mal kam die Antwort mit deutlich gespielter Ungeduld: „Das ist die Süleymaniye-Moschee!“ Spätestens da war klar: Diesen Namen würden wir nun wohl nicht mehr vergessen.
Gegen 21:00 Uhr erreichten wir das Restaurant. Dort erwartete uns ein sehr schönes Abendessen mit Blick auf die beleuchtete Stadt. Das Essen war ausgezeichnet und die Atmosphäre an diesem Abend besonders schön.
Nach dem Abendessen fuhr die Mehrheit der Gruppe gemeinsam mit Ali mit der Straßenbahn zurück zum Hotel. Eine Teilnehmerin entschied sich für den Rückweg zu Fuß mit mir. Wir legten noch knapp drei Kilometer zurück und machten unterwegs sogar noch einen Abstecher zu einem weiteren Basar. So wurde aus dem Rückweg noch ein kleiner nächtlicher Stadtspaziergang durch das lebhafte Istanbul.
Osmanische Pracht und Istanbuls lebendige Viertel
Nach dem Frühstück starteten wir zu unserem dritten Reisetag, der ganz im Zeichen der osmanischen Geschichte und der lebendigen Viertel auf der europäischen Seite Istanbuls stand. Unser erstes Ziel war der imposante Topkapi-Palast, der nach der Eroberung Konstantinopels im 15. Jahrhundert unter Sultan Mehmed II. entstand und über Jahrhunderte Wohn- und Regierungssitz der osmanischen Sultane war.
Gemeinsam mit Ali erkundeten wir zunächst die Vorhöfe und Innenhöfe des weitläufigen Palastgeländes. Er gab uns eine erste Orientierung und erzählte von der Geschichte und Bedeutung der einzelnen Bereiche. Anschließend blieb Zeit, die verschiedenen Abteilungen individuell zu entdecken. Besonders beeindruckend war die Schatzkammer mit ihren kostbaren Juwelen und Kunstgegenständen. Zu den bekanntesten Schätzen gehört der sogenannte Löffelmacher-Diamant: Der birnenförmige Stein wiegt 86 Karat und ist von 49 kleineren Diamanten umgeben. Seine genaue Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, um ihn ranken sich jedoch zahlreiche Geschichten und Legenden.
Unser Ticket beinhaltete außerdem den Besuch des Harems, sodass wir auch diesen besonders abgeschirmten und interessanten Bereich des Palastes erkunden konnten.
Anschließend schlenderten wir durch den Gülhane-Park, die ehemalige Gartenanlage des Topkapi-Palastes. Der Park ist auch mit einem wichtigen Kapitel der türkischen Geschichte verbunden: 1928 stellte Mustafa Kemal Atatürk hier die neuen türkischen Buchstaben öffentlich vor und die Einführung des neuen Alphabets wurde später gesetzlich beschlossen.
Unser Weg führte weiter bis zur Serail-Spitze am Wasser. Von dort ging es zu Fuß weiter Richtung Galata-Brücke. Nach einer kurzen Fahrt mit der Straßenbahn überquerten wir das Goldene Horn und erreichten Karaköy. Hier wartete eine besondere historische Verkehrsmittel-Erfahrung auf uns: Mit dem Tünel, einer bereits 1875 eröffneten unterirdischen Standseilbahn, fuhren wir hinauf nach Beyoğlu. Die nur rund 573 Meter lange Strecke verbindet Karaköy mit dem höher gelegenen Pera-Viertel und gehört zu den ältesten unterirdischen Verkehrsanlagen der Welt.
Nach unserer Mittagspause machten wir uns auf den Weg zum Galata-Turm. Oben angekommen, wurden wir mit einem beeindruckenden Rundumblick über Istanbul belohnt, über das Goldene Horn, den Bosporus und die Dächer der Stadt.
Anschließend ging es durch das Pera-Viertel weiter zu unserem nächsten Programmpunkt: dem traditionsreichen Pera Palace Hotel. Hier sollte uns eigentlich eine Kaffeepause mit türkischem Kaffee und anschließendem Kaffeesatzlesen erwarten. Leider war das Café an diesem Samstag bereits vollständig belegt. Schließlich entschieden wir uns, das besondere Erlebnis auf einen späteren Reisetag zu verschieben.
Wir gingen stattdessen weiter zur katholischen Kirche St. Antonius von Padua, die an der berühmten İstiklal Caddesi liegt, der großen und lebhaften Einkaufsstraße von Beyoğlu. Es blieb nun auch noch Zeit für einen Einkaufsbummel oder eine Kaffeepause.
Gegen Abend trafen wir im Restaurant Ikinci Bahar im beliebten Nevizade-Viertel ein. Das Restaurant liegt in einer der typischen, schmalen Passagen des Viertels, in denen sich zahlreiche Lokale aneinanderreihen.
Nach dem Abendessen machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Taksim-Platz und fuhren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu unserem Hotel zurück.
Nach diesem langen und abwechslungsreichen Tag hatten wir ordentlich Strecke gemacht! Bei einigen Gästen zeigte die Schrittzähler-App am Ende mehr als 13 Kilometer an. Kein Wunder also, dass am Abend bei dem einen oder anderen die Füße ziemlich müde waren.
Vom Sultanspalast über den Bosporus nach Asien
Nach dem Frühstück starteten wir zu einem Tag, an dem wir Istanbul immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven erleben sollten. Ein Kleinbus holte uns in der Nähe unseres Hotels ab und brachte uns zunächst zum Dolmabahçe-Palast am europäischen Ufer des Bosporus.
Dort begann unsere Führung mit Ali durch die prachtvollen Räume des Palastes. Nach dem eher traditionellen Topkapi-Palast vom Vortag wirkte Dolmabahçe auf uns ganz anders: Die Architektur verbindet osmanische Tradition mit europäischen Einflüssen aus Barock, Rokoko und Neoklassizismus. Sultan Abdülmecid I. ließ den Palast ab 1843 errichten, da Topkapi den veränderten Anforderungen des Hofes und des Staatszeremoniells im 19. Jahrhundert nicht mehr genügte. 1856 zog der Hof schließlich in den neuen Palast am Bosporus um. Besonders beeindruckend war der riesige Kristallleuchter im Zeremoniensaal: Er wiegt 4,5 Tonnen und verfügt über 750 Lampen. Nach der Besichtigung spazierten wir noch durch die Gartenanlage, bevor unser Bus uns wieder abholte.
Dann fuhren wir nach Ortaköy, von wo aus unsere Bosporus-Schifffahrt starten sollte. Wir spazierten zum Hafen und kamen an zahlreichen Kumpir-Ständen vorbei. Die große, im Ofen gebackene Kartoffel mit verschiedenen Füllungen gehört zu den typischen Snacks Istanbuls. Eine angebotene Kostprobe ließen wir uns natürlich nicht entgehen.
Bis zur Abfahrt des Schiffes blieb noch Zeit für eine Mittagspause und eigene Erkundungen rund um den Hafen. Kurz vor 14 Uhr trafen wir uns wieder am Anleger. Wenig später hieß es: Leinen los! Das Schiff war exklusiv für unsere Gruppe reserviert, und bei Getränken konnten wir Istanbul nun vom Wasser aus sehen. Vorbei an der europäischen und asiatischen Küste führte unsere Fahrt auch an der Kız Kulesi, dem sogenannten Mädchenturm, vorbei.
Am Nachmittag legten wir auf der asiatischen Seite in Kadıköy an. Dort wartete bereits unser Bus, der uns weiter nach Kuzguncuk brachte. Das charmante Viertel mit seinen historischen Holzhäusern vermittelte noch einmal ein ganz anderes Bild von Istanbul. Bei einem Spaziergang entdeckten wir kleine Straßen und traditionelle Häuser und besuchten spontan eine Kunstausstellung eines lokalen Künstlers.
In einer kleinen Grünfläche entdeckten wir außerdem ein schönes Beispiel für die besondere Tierliebe hier: die Gemeinde hat mehrere kleine Holzhäuschen aufgestellt, die als Unterkünfte für Katzen gedacht sind. Gerade im Winter, wenn es auch in Istanbul kalt werden kann, finden die Tiere dort einen warmen und geschützten Platz. Katzen begegneten uns während unserer gesamten Reise immer wieder und wirklich überall.
Daneben besichtigten wir ein weiteres interessantes Projekt des Bürgermeisters: Auf einer dafür bereitgestellten Fläche können Anwohner für wenig Geld eigenes Gemüse anbauen. Mitten in der Stadt entsteht so ein kleiner gemeinschaftlicher Garten.
Zum Abendessen kehrten wir im Restaurant Ismet Baba direkt am Wasser ein. Das Restaurant ist für seine Lage und seine traditionelle Küche bekannt. Am Sonntagabend war es dort ausgesprochen lebhaft, laut und geschäftig und genau diese authentische Atmosphäre machte den Besuch zu einem besonderen Erlebnis. Die verschiedenen Speisen schmeckten wie immer köstlich, während wir den Blick über den Bosporus auf die europäische Seite Istanbuls genießen konnten.
Anschließend holte uns unser Bus wieder ab. Auf der Rückfahrt über die Bosporus-Brücke bot sich uns zum Abschluss noch ein besonders schöner Anblick: Über Istanbul ging die Sonne unter. So endete unser Tag mit einem stimmungsvollen Blick auf die Stadt, die wir heute vom europäischen und vom asiatischen Ufer aus erlebt hatten.
Mit dem Schiff nach Büyükada
Heute holten wir zunächst den Programmpunkt nach, auf den wir am Samstag verzichten mussten: den türkischen Kaffee im traditionsreichen Pera Palace Hotel. Nach dem Frühstück machten wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg dorthin. Das Pera Palace Hotel wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die Gäste des Orient-Express errichtet und zählt zu den historischen Hotels Istanbuls. Wir genossen unseren Kaffee in stilvollem Ambiente, und Ali las bei einigen anschließend sogar den Kaffeesatz.
Danach stand der Ausflug nach Büyükada, auf die größte der Prinzeninseln, auf unserem Programm. Mit der U-Bahn fuhren wir zum Hafen. Kurz nach Mittag legte unser Schiff ab und wir sicherten uns gleich die besten Plätze oben an Deck. Die Sonne schien, es war angenehm warm und so sorgte das Eis, das ich für die Gruppe holte, für die passende Erfrischung. Während Istanbul langsam hinter uns zurückblieb, wurde uns immer mehr bewusst, welche gewaltigen Ausmaße diese Stadt tatsächlich hat: Die Bebauung zog sich an beiden Ufern immer weiter entlang und wir bekamen eine ganz neue Perspektive auf die Metropole.
Nach mehreren Zwischenstopps erreichten wir am frühen Nachmittag Büyükada. Schon bei der Ankunft wurde deutlich, dass wir nicht die einzigen Besucher waren. Mit einem Elektrobus fuhren wir zunächst ein Stück ins Inselinnere. Unser Ziel war die auf dem höchsten Hügel der Insel gelegene griechisch-orthodoxe Aya-Yorgi-Kirche mit dem dazugehörigen Kloster. Anschließend ging es zu Fuß weiter bergauf. Die Sonne schien kräftig und bei dem steilen Anstieg kamen wir schon etwas ins Schwitzen. Oben angekommen, besuchten wir zunächst die orthodoxe Kirche. Noch ein kleines Stück weiter oben erwarteten uns schließlich ein wunderschöner Blick über die Insel und das Marmarameer. Eine schöne Belohnung für den Aufstieg.
Für den Rückweg ging es zwar bergab, doch der Weg erwies sich letztlich als deutlich länger. Aus den angekündigten etwa 45 Minuten wurde schließlich eine gut eineinhalb Stunden lange Wanderung. Die Gruppe nahm es dennoch mit Humor. Eine türkische Dreiviertelstunde scheint manchmal eben doppelt so lange zu dauern.
Als wir schließlich wieder am Hafen angekommen waren, gingen wir zum Abendessen in ein von Ali empfohlenes Restaurant. Die Küche war sehr gut und die Speisen wurden erfreulich schnell serviert, sodass wir entspannt rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt am Hafen zurückkehren konnten.
Am frühen Abend hieß es wieder Abfahrt. Mit der Fähre fuhren wir zurück nach Istanbul und anschließend mit der Straßenbahn bis fast zu unserem Hotel.
So endete ein abwechslungsreicher Tag mit vielen neuen Eindrücken zwischen historischem Pera Palace, dem Bosporus und der Inselwelt vor Istanbul.
Teppichkunst, byzantinische Mosaike und türkische Küche
Heute zeigte sich Istanbul von einer etwas anderen Seite. Der Himmel war grau und trüb, und der Wetterbericht hatte ab Mittag sogar Regen angekündigt. Tatsächlich blieb es aber fast den ganzen Tag trocken. Nach einer Woche mit überwiegend herrlichem Sonnenschein konnten wir mit diesem kleinen Wetterumschwung also gut leben.
Am Vormittag besuchten wir zunächst einen Teppichknüpfbetrieb, in dem uns Ümit, der Geschäftsführer des Unternehmens, anschaulich in die traditionelle türkische Teppichkunst einführte. Anhand von Mustern, Farben und floralen Motiven lässt sich häufig erkennen, aus welcher Region ein Teppich stammt. Wir erfuhren außerdem, woran man die Qualität eines Teppichs erkennt – unter anderem an der Rückseite – und sahen zahlreiche unterschiedliche Teppicharten, darunter auch handgeknüpfte Seidenteppiche aus türkischer Seide. Anschließend blieb Zeit, sich die Stücke in Ruhe anzusehen und sich individuell beraten zu lassen. Zwei Paare fanden dabei ihren persönlichen Teppich und nahmen ihn als besonderes Andenken mit.
Anschließend blieb noch Zeit für einen Bummel über den unteren Basar, bevor wir weiter zur Chora-Kirche fuhren. Das ehemalige Kloster ist vor allem für seine außergewöhnlich gut erhaltenen spätbyzantinischen Mosaike bekannt. Im Inneren konnten wir zahlreiche originale Darstellungen bewundern, die einen eindrucksvollen Einblick in die byzantinische Kunst geben. Besonders interessant ist die feine Gestaltung der Figuren und Gesichter – bei einer Darstellung scheint Jesus sogar den Kopf zur Seite zu drehen.
Am Nachmittag verabschiedeten wir uns zunächst von Ali, unserem örtlichen Reiseleiter, der uns die vergangenen Tage mit viel Wissen und Humor begleitet hatte. Anschließend stand ein ganz besonderer Programmpunkt auf dem Plan: unser türkischer Kochkurs im Deraliye Restaurant, das bereits seit mehreren Jahren im Michelin Guide geführt wird. Gemeinsam bereiteten wir zwei typische Vorspeisen und ein Hauptgericht zu und bekamen dabei einen praktischen Einblick in die türkische Küche. Anschließend ließen wir uns unsere selbst zubereiteten Speisen schmecken. Zum Abschluss gab es für alle noch ein persönliches Zertifikat – damit sind wir nun zumindest auf dem Papier ein Stück weit zu türkischen Chefköchen geworden.
Damit ging unser letzter gemeinsamer Programmtag in Istanbul zu Ende. Nach sechs abwechslungsreichen Tagen haben wir die Stadt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt – von ihren großen historischen Bauwerken über die Märkte und Viertel bis hin zur türkischen Küche.
Abschied von Istanbul
Am letzten Morgen unserer Reise zeigte sich Istanbul noch einmal von seiner grauen und regnerischen Seite. So ließen wir den Vormittag ganz entspannt angehen, frühstückten ausgiebig und packten in aller Ruhe unsere Koffer. Nach den vielen Erlebnissen der vergangenen Tage tat diese kleine Pause ganz gut.
Gegen Mittag holte uns unser Transfer am Hotel ab und brachte uns zum Flughafen. Während der Fahrt ließen wir die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Dabei kam auch unser kleines Punkte-Ritual zur Sprache: Immer wenn jemand eine besonders gute Frage stellte oder eine von Alis Fragen richtig beantwortete, gab es von ihm scherzhaft Punkte. Angefangen hatte es mit zehn, später wurden daraus zwanzig, hundert und schließlich sogar tausend. Nun wurde natürlich noch diskutiert, wer wohl die meisten Punkte gesammelt hatte. Und auch darüber mussten wir lachen: Die Punktevergabe hatte im Laufe der Woche eine ähnliche Inflation erlebt wie die türkische Währung.
Am Flughafen angekommen, wurde uns schnell bewusst, welche Dimension dieser Flughafen hat. Zunächst mussten wir mit unserem gesamten Gepäck durch die erste Sicherheitskontrolle, anschließend folgten die Passkontrolle und eine weitere Sicherheitskontrolle für das Handgepäck. Auch die Wege zu den verschiedenen Gates waren teilweise lang. Dank der ausreichend eingeplanten Zeit erreichten jedoch alle ganz entspannt ihre Abfluggates. Dort verabschiedeten wir uns schließlich herzlich voneinander.
Am Nachmittag traten wir dann unsere Rückflüge nach Frankfurt, Hannover, Nürnberg und Berlin an. Im Gepäck waren nicht nur Souvenirs, sondern vor allem viele gemeinsame Erinnerungen an eine abwechslungsreiche Woche in Istanbul. Güle güle, Istanbul – auf Wiedersehen!
Sechs Tage Istanbul liegen hinter uns - voller Geschichte, beeindruckender Bauwerke, kulinarischer Erlebnisse und natürlich vieler gemeinsamer Momente. Doch was eine Reise am Ende besonders macht, sind die Menschen, mit denen man sie erlebt. Wir waren eine ausgesprochen harmonische Gruppe, haben viel miteinander gelacht und die Erlebnisse gemeinsam mit guter Laune und einer schönen Leichtigkeit genommen. Gerade diese besondere Stimmung hat unsere Istanbul-Reise für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Vielen Dank euch allen für die schöne gemeinsame Zeit, eure Offenheit, eure Neugier und natürlich für die vielen lustigen Momente. Ich hoffe sehr, dass wir uns auf einer anderen Reise einmal wiedersehen!
Eure Monika
Europa
Asien
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Ozeanien