Kairo, Nilkreuzfahrt und Baden am Roten Meer
Reisebericht: 07.11. – 20.11.2025
Nachdem nun spektakulär vor wenigen Tagen das Grand Egyptian Museum eröffnet wurde, können wir es kaum erwarten, es selbst zu besuchen. Und natürlich warten auch die Pyramiden und Tempel ....
Ein Reisebericht von
Simone Willner
1. Tag – Anreise
Unser erster Gast kommt heute bereits am Morgen aus Äthiopien in Kairo an. Aus Düsseldorf und München folgen die nächsten vier. Die acht Gäste, die mit mir von Berlin abfliegen, haben ein wenig Pech heute. Unser Flug ist verspätet und erst gegen Mitternacht landen wir endlich in Kairo und das Hotel erreichen wir erst am frühen Morgen des nächsten Tages.
Dort müssen wir uns von den ganzen Flugstrapazen erholen, morgen werden wir die quirlige Hauptstadt Ägyptens und unsere Mitreisenden kennen lernen ...
2. Tag – Die Hauptstadt Kairo und das gaaaaaaaanz neu eröffnete Grand Egyptian Museum
Am heutigen Morgen erwartet uns die riesige Metropole am Nil. Mit ihren über 23 Millionen Einwohnern ist die Hauptstadt Ägyptens sowohl die größte Stadt der arabischsprachigen Welt, als auch das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des gesamten Nahen Ostens.
Wir beginnen mit einem Highlight: dem bereits jetzt legendären Neuen Ägyptischen Museum. Tatsächlich ist es nach zwanzig Jahren Bauzeit nun endlich fertig geworden und feierlich am 1. November 2025 öffnete man seine Tore. Schon bei der Anfahrt ist es nicht zu übersehen - ein langgezogener, eher flach gehaltener Bau mit Pyramiden-Ornamenten auf der Fassade. Auf die einen wirkt das sandsteinfarbene Gebäude wie eine avantgardistische Annäherung an die antiken Weltwunder, andere wiederum sagen, es habe von außen den Charme einer überdimensionalen Turnhalle. An Gigantomanie ist es kaum zu übertreffen, bis zu 23.000 Besucher täglich können die über 100.000 Exponate bestaunen und mit seinen 81.000 Quadratmetern Grundfläche ist es momentan das größte archäologische Museum der Welt. Wir stehen gespannt am Eingang und an Platzangst darf man bei dem Andrang nicht leiden.
Im Inneren ist die archäologische Sammlung sehr gut präsentiert, riesige Räume lassen die Exponate mit viel Tageslicht strahlen und wir schreiten beeindruckt durch die vielen vielen Hallen. Ganz besonders fasziniert uns natürlich der berühmte Grabschatz von Pharao Tutanchamun. Man bräuchte Tage, um alle Exponate anschauen zu können und sich an den vielen Interessierten aus aller Welt vorbeizuschlängeln, so konnten wir uns leider nur einen Überblick verschaffen.
Zur Mittagszeit fahren wir in Richtung Innenstadt, passieren die Totenstadt und erklimmen die Anhöhe zur Muhammad Ali Moschee. Im Deutschen nennt man sie auch Alabastermoschee. Sie zählt zu den bekanntesten historischen und archäologischen Wahrzeichen der Stadt. Allein die Lage am Rande der alten Zitadelle von Saladin und die berühmten hoch aufragenden Kuppeln und Minarette sind einzigartig. Erbaut wurde die Moschee vom Architekten Yousif Boushnaq in Anlehnung an die Sultan Ahmed Moschee in Istanbul. Man begann 1830 mit der Grundsteinlegung. Die unteren Teile des Gebäudes und des Vorplatzes sind aus Alabaster errichtet worden und daher stammt auch der deutsche Name der Moschee.
Unglaublich ist der Ausblick von der Terrasse des Hügels auf die riesige Stadt und etliche Fotos werden zur Erinnerung geschossen.
Wenig später erklimmen wir den nächsten Hügel mit der Salah El Din Zitadelle. Diese Stadt in der Stadt wird auch Ort der tausend Minarette genannt. Unter König al Malek el Kamal wurde sie ab 1176 errichtet, um eine mächtige Bastion gegen ausländische Invasoren wie beispielsweise die Kreuzfahrer oder die Franzosen zu bilden. Die Zitadelle diente etwa 700 Jahre lang als Sitz der Regierung und des Königs.
Vor der Mittagspause halten wir an einer der größten und bedeutendsten mittelalterlichen Moscheen Kairos, der Sultan Hassan Moschee gegenüber der Zitadelle und wir kommen sogar in den Genuß, daß ein Muezzin extra für uns den Gebetsruf singt. Ein ganz magischer Augenblick, das so aus der Nähe erleben zu dürfen.
Danach stärken sich die meisten Gäste an einem einheimischen Buffet, die gegrillten Auberginen, der Hummus und die kleinen Fleischbällchen schmecken uns besonders gut und danach haben wir wieder Kraft getankt und können uns nun wagemutig in einen der größten orientalischen Basare der Welt stürzen: den Khan El Khalili mitten im Zentrum von Kairo.
Unmöglich ist es, hier mit der gesamten Reisegruppe durch die engen Gassen mit den unzähligen Ständen und kleinen Lädchen zu gehen und so beschließen wir, einen Treffpunkt auszumachen. Auf geht´s ins Getümmel, jeder für sich erkunden wir den Hauch von 1001 Nacht, der immer mitschwingt, wenn man auf einem Basar unterwegs ist. Hier gibt es einfach alles, angefangen von den kleinen Kaffeekännchen, in denen der würzige arabische Mokka gekocht wird, Trockenfrüchte, Gewürze, Wasserpfeifen, Schachbretter, Backgammonspiele, orientalische Lampen, Gold, Silber und natürlich unzählige Schals, Tücher und Bauchtanzgewänder. Nach einer Stunde sind wir von den vielen Farben, dem Gassengewirr, den eifrigen Händlern und den Menschenmassen ganz ermattet und kehren sehnsüchtig zu unserem Bus zurück.
Auf unserer Rückfahrt geraten wir in den allabendlichen zähen Feierabendverkehr und kommen nur noch langsam voran. Unser Busfahrer schlängelt sich durch so enge Gassen, daß wir Angst haben, mit den Seitenspiegeln ein Bauchtanzkostüm aufzugabeln oder noch schlimmer, einen Einheimischen zu streifen! Allah sei dank hat sich unser grandioser Fahrer aus dem Basargelände unversehrt herausgeschlängelt und wir passieren eine Hochbrücke. Von hier oben und ganz unbehelligt von geschäftstüchtigen Händlern, können wir dank des Staus einen faszinierenden Blick auf den darunter liegenden Textilmarkt werfen. Wir staunen, wie diese vielen Menschen dort durchkommen, zumal in den engen Gassen oft zusätzlich ein Pferdefuhrwerk oder ein Eselskarren den Weg versperren. Es ist schon ein Erlebnis: diese Hauptstadt, der man deutlich anmerkt, daß sie vor dem arabischen Frühling und der rasanten Inflation der letzten Jahre bessere Zeiten gesehen hat.
Am Abend kehren wir voller Eindrücke und ziemlich geschafft in unser Hotel in Gizeh zurück, laben uns am üppigen Abendbuffet, probieren einheimisches Bier und Wein und fallen müde in unsere Betten.
Morgen werden wir die Pyramiden sehen, das einzige noch erhaltene der sieben antiken Weltwunder ...
3. Tag – Sakkara, Memphis, Gizeh
Heute ist nun endlich soweit, wir werden die ältesten und berühmtesten Bauwerke der Welt besuchen: die Pyramiden von Gizeh.
Am frühen Morgen schauen wir uns das unweit der großen Stufenpyramide Sakkara befindliche Grab des ersten Pharao der sechsten Dynastie an. Es liegt in einer Mastaba neben dem 1843 entdeckten Teti-Grabkomplex. Pharao Kagemni ist hier begraben. Zu Lebzeiten hatte er viele Titel inne, darunter den des Richters am Obersten Gerichtshof und den des Herrschers des Landes bis zu seinen nördlichen und südlichen Grenzen. In der Mastaba streifen wir andächtig und ganz allein durch sieben Räume, in jedem sind reliefartig Szenen des täglichen Lebens eingraviert wie beispielsweise Jagddarstellungen und etliche Szenen mit Vögeln und Fischen, wir entdecken Darstellungen von Krokodilen, Nilpferden und Gänsen. Man muß sich vergegenwärtigen, wie alt diese Wandreliefs und wie gut sie erhalten sind!
Über eine Rampe erreichen wir die bedeutendste Totenstadt aus dem alten Ägypten. Sakkara ist einer der wichtigsten Fundorte des ganzen Landes. Der Name leitet sich vermutlich vom ägyptischen Gott Sokar ab, einem archaischen Totengott der Region westlich der alten Residenzstadt und Reichsmetropole Memphis. Auf dem Gelände befinden sich sowohl Grabanlagen, Mastabas und Pyramiden aus dem Alten und Mittleren Reich als auch Katakomben und Totentempel. Etwa 3000 Jahre lang war Sakkara eine der bedeutendsten Stätten für den Totenkult, die Grablegungen und Verehrung von Verstorbenen.
Wir stehen andächtig vor der Pyramide des Königs Djoser Netjerichet und sind fasziniert von deren Höhe, den Unmengen an Steinen, die hier aufeinander liegen und können uns einfach nicht vorstellen, wie die alten Ägypter solche Bauten bewerkstelligt haben. Hier endlich haben wir Zeit für ein Gruppenfoto, der Hintergrund ist perfekt und aufs Bild schleichen sich noch ein Pferd und ein Kamel. Perfektes Timing.
Nach den interessanten Erzählungen unseres Reiseleiters Essam brechen wir anschließend nach Memphis auf, der ersten Hauptstadt Unterägyptens. Die Ruinen hier zählen seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die gesamte Anlage wurde vermutlich von König Menes etwa 3.000 vor unserer Zeitrechnung gegründet und stand unter dem Schutz des Gottes Ptah, dessen Tempel sich im Zentrum der antiken Stadt befand. Diese Hauptstadt nahm eine strategisch wichtige Position am Beginn des Nildeltas ein und beherbergte etliche Werk- und Produktionsstätten. Nach dem Aufstieg Alexandrias verlor die Anlage allerdings ihre wirtschaftliche Führungsrolle und man gab sie nach und nach auf.
Nach so viel Kultur und Geschichte melden sich unsere Mägen, es ist Mittag geworden und wir kehren in eine gemütliche Karawanserei mit üppig grünem Garten ein. Man serviert uns hervorragendes frisch im Holzofen gebackenes Fladenbrot, die leckeren arabischen Mezze (Vorspeisen), göttlich schmeckende Falafel und äußerst delikates Fleisch vom Grill.
Und nun am Nachmittag ist es soweit: Der Höhepunkt einer jeden Ägyptenreise ist endlich gekommen: Der Besuch des Plateaus von Gizeh mit der Cheops, Chefren- und Mykerinospyramide und dem berühmten Sphinx. Ja, richtig gelesen: DER Sphinx.
Nachdem wir uns mit dem Bus die Anhöhe hochgearbeitet haben, erreichen wir zuerst ein Hochplateau, von dem aus man die Pyramiden wie auf einer Perlenkette aufgereiht sehen kann. Wir sind gebannt von diesem Anblick, schießen unzählige Erinnerungsfotos und einige Gäste trauen sich sogar auf ein Kamel. Danach laufen wir zuerst an der Cheopspyramide entlang. Ein Franzose hat einmal ausgerechnet, daß die Steine dieser Pyramide, wenn man sie zu einer drei Meter hohen Mauer auftürmen würde, einen Wall rund um Frankreich bilden würden. Das Gefühl, leibhaftig vor diesen Bauten zu stehen, läßt sich schwer beschreiben, wir wirken wie kleine Ameisen an den Füßen dieser Riesen. Die Cheopspyramide ist sage und schreibe 138 Meter hoch, die Chefrenpyramide immerhin 136 Meter und die etwas weiter weg gelegene Mykerinos Pyramide mißt immer noch 62 Meter.
Bis heute gibt es verschiedene Theorien über die Entstehung und die genaue Zeit der Erbauung. Die wahrscheinlichste davon ist die, daß man außen eine schräge Rampe provisorisch errichtete, über die man die tonnenschweren Steine nach oben beförderte. Allein für die Cheopspyramide wurden über 2,3 Millionen Steinblöcke verwendet, einst wurde sie von 5,5 Millionen Tonnen Kalkstein bedeckt. Jeder der riesigen Steinblöcke wiegt zwischen 2 und 16 Tonnen. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus, diese Bauten strahlen regelrecht Würde und Magie aus und wir schauen andächtig an ihnen nach oben. Wir können uns kaum satt sehen und etliche Fotos entstehen, auf denen wir wie kleine Punkte im Bild aussehen.
Es ist spät geworden und wir wollen natürlich noch den großen Sphinx anschauen. Diese Skulptur hat den Körper eines Löwen und den Kopf eines Mannes. Die alten Griechen gaben ihr den Namen Sphinx, da sie dem geflügelten Ungeheuer aus der griechischen Mythologie ähnelte. Bei den Arabern ist dieses Fabelwesen nur unter dem Namen Abu Al Hol bekannt, was soviel wie "Vater des Schreckens" bedeutet. Über sein tatsächliches Alter rätseln Ägyptologen noch heute, man nimmt eine Bauzeit von etwa 2558 bis 2532 vor unserer Zeitrechnung an. Von West nach Ost ist diese faszinierende Statue sage und schreibe 73 Meter lang und 20 Meter hoch.
Nun sind wir wirklich erschöpft und begeben uns, eingestaubt vom Wüstensand, auf den Rückweg ins Hotel.
Nach dem Abendessen sind heute alle Gäste schnell verschwunden, es wird eine kurze Nacht, da wir morgen sehr sehr früh nach Luxor fliegen werden...
4. Tag – Flug nach Luxor, Karnaktempel, Einschiffung und Luxortempel am Abend
Die Nacht ist kurz gewesen, früh um kurz nach sieben startet bereits unser Flug nach Luxor.
Östlich des Nilufers gelegen befand sich einst das alte Theben und während des 16. bis 11. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung lag hier die Hauptstadt der Pharaonen. Aus dieser Zeit stammen zwei der beeindruckendsten Tempel, die wir heute besuchen werden: Luxor- und Karnaktempel. Gleich nach der Ankunft fahren wir zum Karnaktempel. Während der Fahrt fällt uns auf, daß es hier am Nil viel ruhiger zugeht, als in der verkehrsreichen und quirligen Hauptstadt. In Kairo ist das Grün rar und muß oft neuen Wohnvierteln, Straßen oder Hochbrücken weichen, hier wachsen rechts und links von den Ufern des Nil Getreide, Viehfutter, Bananen und alle Arten Gemüse, gedüngt vom fruchtbaren Nilschlamm. Ohne diesen Fluß wäre ganz Ägypten eine reine Wüste.
Noch etwas unausgeschlafen erreichen wir den Tempelkomplex von Karnak, der zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Er liegt etwa drei Kilometer nördlich von Luxor und beeindruckt vor allem durch die riesige Säulenhalle. Im pharaonischen Ägypten wurde Karnak die "Auserwählte der Stätten" genannt. Der Tempelkomplex war über zwei Jahrtausende das größte Heiligtum des Landes. Aus seinen Anfängen um 2100 vor unserer Zeitrechnung erlangte die Anlage des AmunRa mehr und mehr Bedeutung und mit ihr wurde Theben zum religiösen und geistigen Mittelpunkt. Neben dem Heiligtum für den Reichsgott Amun beherbergt der Tempel auch Nebentempel für andere Götter.
Wir betreten die Anlage zuerst durch den Hauptpylon, so nennt man die Tore des alten Ägypten, und gelangen in den ersten Hof, wo man links einen kleinen Barkenschrein von Stethos II. und auf der rechten Hofseite einen Tempel von Ramses III. mit zwei Kolossalstatuen sieht. Die Seiten des ersten Hofes werden von Widderfiguren gesäumt. Vor dem Zweiten Pylon ist noch eine der ehemals zwei Kolossalstatuen von Ramses dem II. erhalten.
Im sogenannten Säulensaal wandeln wir zwischen den 134 Papyrusbündelsäulen staunend hin und her. Dies ist ein in seinen Dimensionen überwältigender Raum. Etwas weiter hinten steht ein 20 Meter hoher Thuthmosis-Obelisk. Am hinteren Ende der Anlage liegt der heilige See in dem sich diese bezaubernde Anlage wunderbar spiegelt.
Zur Mittagszeit fahren wir am Nil entlang und erreichen wenig später unser Schiff, wo man bereits wartet und uns mit einem Begrüßungsgetränk empfängt. Da wir sehr früh aufstehen mußten und das Frühstück recht spartanisch ausfiel, sind wir hungrig und genießen das erste Mittagessen im Bordrestaurant. Die meisten Gäste entdecken danach das Sonnendeck mit seinen bequemen Liegen und holen dort ein wenig vom zu kurzen Nachtschlaf nach.
Am späten Nachmittag besichtigen wir während des Sonnenuntergangs den Luxortempel. Errichtet wurde er 1390 vor unserer Zeitrechnung von Amenophis III. Unter der Regierungszeit von Ramses II. wurden große Veränderungen an der Tempelanlage vorgenommen und die gesamte Anlage wurde erweitert. Sogar Alexander der Große soll hier seine Spuren in Form von Restaurationsarbeiten am Santuar hinterlassen haben.
Heute befindet sich mitten im Tempel eine Moschee. Vom Eingang aus gelangt man als erstes in den Vorhof, der unter Nektanetbos I. angelegt wurde und aus dem eine Sphingenallee über eine Länge von zweieinhalb Kilometern bis zum Karnaktempel führt. Den massiven Pylon ließ Ramses II. auf der Frontseite mit großflächigen Reliefbildern einer Schlacht schmücken. Auf der westlichen Seite sind deutlich das Camp mit Soldaten und Ramses II. auf seinem Streitwagen erkennbar. Vor dem Pylon bestaunen wir die kolossalen Sitz- und Standfiguren von Ramses II und einen sehr gut erhaltenen Obelisken.
Im Dunklen wird die gesamte Anlage beleuchtet und wir sind völlig verzaubert vom Anblick, obwohl wir uns an vielen Reisenden aus aller Herren Länder vorbeischlängeln müssen, um uns alles anzuschauen.
Zurück auf dem Schiff erwartet uns unser erstes Bordabendessen und wenig später verschwinden die meisten Gäste schnell in ihren Kabinen, da es morgen früh erneut sehr zeitig los geht. Das sagenumwobene Tal der Könige erwartet uns …
5. Tag – Tal der Könige und Fahrt nach Esna und Edfu
Beim Frühstück auf dem Schiff sind wir um vier Uhr!!!! ganz allein, außer uns ist so früh keiner aufgestanden! Noch sehr müde, sind wir dennoch voller Erwartungen und die werden nicht enttäuscht: Bei Sonnenaufgang am Nil entlang zum Tal der Könige zu fahren, hat einen besonderen Reiz und wird uns immer in Erinnerung bleiben. Alles ist in rosarotes Licht getaucht, am Horizont ragen die Berge auf und die unzähligen Palmen heben sich kontrastreich vor dieser atemberaubenden Kulisse ab.
Als wir im Tal der Könige ankommen, ist der gesamte Busparkplatz leer, wir sind die ersten Gäste und können unser Glück kaum fassen. Die einmalig tolle Lage des Tales ist kein Zufall sondern Kalkül gewesen, die Abgeschiedenheit sollte die Totenruhe der Pharaonen gewährleisten. Leider sind zahlreiche Gräber im Tal noch zu den Zeiten der Pharaonen kurz nach ihrer Belegung ausgeraubt worden und so entschied man, die Mumien der späteren Herrschergenerationen umzubetten.
Wir besichtigen drei Königsgräber (Das Grab von Siptah, von Tawret und das von Ramses III.) und können es nicht glauben, wie gut die Farben der Wandreliefs und Hieroglyphen erhalten sind. Übrigens befindet sich hier im Tal auch das Grab des berühmten Kindpharaos Tutanchamun, dessen Grabschatz wir schon in Kairo im Neuen Ägyptischen Museum bewundern durften. Dieses einmalige Erlebnis, die Königsgräber ganz ungestört auf uns wirken zu lassen, wird uns für immer in Erinnerung bleiben.
Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Tempel der Hatchepsut und halten zwischendurch an einer Fabrik, wo man Alabaster verarbeitet. Wir bekommen anschaulich erklärt, wie der Stein geschliffen und hauchdünn verarbeitet wird und sind überrascht, daß er, hält man ein Licht in eine fertige Vase, durchsichtig zu sein scheint. Alle Werkstätten hier haben sehr schöne bunt bemalte Wände mit Darstellungen des Lebens am Nil und der Kaaba in Mekka.
Nach einem Kaffee und dem Souvenirkauf fahren wir weiter und sind kurze Zeit später beim berühmten Hatchepsuttempel, der für etliche Pharaonenfilme die Kulisse bildete. Hatschepsut war die mächtigste Frau auf dem Pharaonenthron und ließ ihren Tempel direkt am Gebirgsrand erbauen. Er breitet sich wie eine überdimensionale Bühne aus, die mit ihrer Hintergrundkulisse, dem senkrecht in den Himmel wachsenden Felsen, verschmolzen scheint. Der Tempel besteht aus drei offenen weiten Höfen, die terrassenförmig ansteigen und durch Rampen miteinander verbunden sind. Die ganze Anlage beeindruckt uns besonders durch ihre Lage in den gelb schimmernden Bergen.
Am Vormittag werfen wir noch einen Blick auf die Kolosse von Memnon und am Mittag kehren wir voller grandioser Eindrücke zum Schiff zurück, essen gemeinsam und freuen uns nun auf einen freien Nachmittag und einen erholsamen Mittagsschlaf. Nachdem etliche Nilkreuzfahrtschiffe an uns vorbei gefahren sind, legen auch wir ab und schippern entlang an den Ufern des längsten Flusses Afrikas.
Dieser gewaltige Strom hat eine Gesamtlänge von über 6.600 Kilometern und ist damit der längste Fluß der Erde. Seine Quelle liegt in den Bergen von Ruanda und Burundi, danach schlängelt er sich weiter durch Tansania, Uganda und den Sudan und durchströmt ganz Ägypten, bevor er in das Mittelmeer mündet, ganz in der Nähe der Stadt Alexandria. Dieser Fluß machte es als wasserspendende Lebensader Afrikas überhaupt erst möglich, daß an seinen Ufern Hochkulturen wie das altägyptische Pharaonenreich entstehen konnten.
In einem Land, wo es selten regnet, ernährt der Nil das Land im wahrsten Sinne des Wortes. Er bietet ausreichend Wasser für die Bewässerung der Felder, der Fluß selbst war vor dem modernen Straßenbau die einzige und wichtigste Verkehrsader. Ohne ihn wäre Ägypten eine reine Wüste. Besonders lebensspendend wirken sich seit Jahrtausenden die großen jahreszeitlichen Schwankungen des Wasserspiegels aus. Dadurch entstehen Hochwasser- und Trockenzeiten, von denen die Ernten einst abhängig waren. Erst nach der Errichtung des Assuanstaudamms kann man diese Perioden besser vorhersagen beziehungsweise steuern, Mißernten ziehen heutzutage keine Hungersnöte mehr nach sich.
Unglaublich schön ist der Sonnenuntergang an Bord. Die Sonne versinkt glutrot am Horizont hinter den Bergen, nachdem vorab alles in warmes rosarotes Licht getaucht war. Mit den Silhouetten der Palmen davor hat sich allein für solch einen Anblick das Herkommen gelohnt.
Bilder, die alle Daheimgebliebenen neidisch machen werden, entstehen. Danach fallen wir müde in unsere Betten, erneut müssen wir wieder sehr früh die Betten verlassen, um in Edfu am Tempel früh da zu sein ...
6. Tag – Edfu, Kom Ombo
Mitten in der Nacht haben wir die Schleuse in Esna passiert und kommen am Morgen in Edfu an. Erneut stehen wir früüüüüüh auf, um pünktlich zur Öffnungszeit am Tempeleingang zu sein. Dafür nehmen wir diesmal die Pferdekutsche und staunen, was zum frühen Morgen schon für ein Trubel auf den Straßen ist. Als wir am Tempel ankommen, wird uns klar, warum: Gäste aller Nationalitäten stehen bereits am Eingang in einer langen Schlange und alle reden durcheinander, was uns irgendwie an die Bibelstelle mit Babel erinnert. Wir quetschen uns fusioniert in einer internationalen Gäste-Menschentraube durch die Sicherheitskontrolle am Eingang und laufen forschen Schrittes unserem Essam hinterher, der zum Ende des Tempels durchläuft, während der Rest der Menschenmenge hinter dem Eingang stagniert. Hier haben wir etwas mehr Ruhe und er erklärt uns zuerst die Bedeutung der einzelnen Reliefs.
Die ganze Anlage ist dem Gott Horus gewidmet und wurde vor rund 2.000 Jahren errichtet. Heute gehört der Tempel zu den am besten erhaltenen in ganz Ägypten. Auf den Reliefs erkennen wir den Pharao, der verschiedene Kulthandlungen vollführt, sogar die Opferszene mit einem gefesselten Nilpferd ist sehr plastisch, am Nilometer versuchen wir uns vorzustellen, wie man früher den Wasserstand des Nils bestimmt und daraus die Steuern abgeleitet hat.
Zurück auf dem Schiff, genießen wir unser Mittagessen und danach machen wir es uns auf dem Sonnendeck bequem. Die Landschaft am Nil zieht an uns vorbei. Wir sehen Fischer, die mit Netzen versuchen, etwas zu angeln, Reiher, Wasserbüffel, Esel und Kühe. Die Kinder winken uns zu und die kargen Berge begrenzen die Kulisse am Horizont.
Am Nachmittag ankern wir in Kom Ombo und schauen uns den sogenannten Doppeltempel an. Am Heiligtum angekommen, spazieren wir entlang einer gedachten Mittellinie des Tempels, an der sich jeweils an einer Achse alle Räume zweimal aufreihen. Alles wurde exakt verdoppelt, das Sanktuar, der Opfersaal, der Hof, ja selbst der Eingang. Die rechte Hälfte der Anlage ist dem Gott Sobek mit seinem Krokodilkopf geweiht, die andere linke Hälfte dem falkenköpfigen Gott Haroeris. Die Reliefs des Tempels und des Hofes wurden erst im dritten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung hinzugefügt.
Nachdem wir uns an den vielen Asiaten und Europäern vorbei manövriert und alles angesehen haben, besuchen wir das am Ausgang gelegene Krokodilmuseum. Hier schauen wir uns die Mumien von großen und kleinen Nilkrokodilen und deren Sakophage an.
Wenig später verläßt das Schiff den Liegeplatz und wir steuern Assuan an. Unsere fleißige Crew hat für uns heute einen Grillabend auf dem Sonnendeck vorbereitet und wir schwelgen in lauter Leckereien, während wir in Assuan die Anker von Bord werfen.
Nun sind wir morgen auf Philae, den Botanischen Garten und das nubische Dorf gespannt...
7. Tag – Assuan, Philae Tempel, Botanischer Garten
Assuan hieß bei den alten Ägyptern Sonu, was soviel wie Handel bedeutet. Die Stadt war das südlichste Handelszentrum und von hier aus kontrollierte man die Routen nach Nubien. Obendrein war es einst die südlichste Grenze zu den Erzfeinden der alten Ägypter, den Nubiern. Heute zählt die Stadt am Nil etwa 300.000 Einwohner und ist die viertgrößte Stadt in Oberägypten.
Am frühen Morgen bei Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg zum Nasrstausee und dem darin auf einer Insel liegenden Philae Tempel. Uns fällt auf, daß das heutige Straßenbild hier fast ausschließlich von Nubiern geprägt wird. Sie sehen sehr viel dunkler und afrikanischer aus, als die Bewohner von Kairo oder die Oberägypter.
Und wieder hat sich die Tortur des frühen Aufstehens gelohnt, am Nasrsee angekommen, gehören wir zu den ersten Gästen. Der Tempel von Philae ist eine der schönsten und besterhaltenen Anlagen Ägyptens. Sie befindet sich auf der Insel Angilika, obwohl der Ort, wo die Stätte heute steht nicht die ursprüngliche ist. Einstmals befanden sich alle Bauten auf der Insel Philae, wodurch der Komplex seinen Namen erhielt, er wurde zum Schutz jedoch auf den heutigen Platz versetzt, bevor die einstige Insel unter dem Nilwasser verschwand.
Die ganze Anlage stammt aus der griechisch-römischen Zeit und zählt zu den letzten großen Heiligtümern des alten Ägypten. Damals war dieser Tempel ein wichtiger Ort für den Isiskult. Um ihn herum befinden sich weitere kleinere Bauwerke. Wir bewundern die perfekt erhaltenen Reliefs, von denen die meisten Szenen aus dem Leben der Göttin darstellen, danach bummeln wir ein wenig am idyllischen Seeufer entlang, bevor wir mit dem Boot wieder aufs Festland zurückfahren.
Nun besuchen wir eine Papyrusfabrik und können miterleben, wie die Stängel der Pflanze zerlegt, entwässert, zerteilt und zwischen zwei großen Filzstücken gelagert und gepresst ohne weitere Zusätze zum Papyruspapier werden. Der ganze Prozeß dauert etwa sechs bis zwölf Wochen, je länger der Papyrus trocknen kann, desto dunkler wird er. Die schönen Stücke sind nicht billig, aber der ein oder andere Gast findet hier sein Lieblingsstück.
Am Hochdamm des Assuanstaudamms machen wir einen Fotostop, es ist mit Blicken gar nicht zu erfassen, wie viel Wasser in diesem Staudamm und dem See ist. Die Anlage ist sehr umstritten, kann durch sie der fruchtbare Nilschlamm nicht mehr so, wie vor der Erbauung, über die Ufer treten und das Land überziehen. Der Nasr-See wird früher oder später durch diesen Staudamm ganz mit Nilschlamm gefüllt sein und damit verschwinden. Eine Lösung des Problems wurde noch nicht gefunden.
Der unvollendete Obelisk ist unser nächstes Ziel. Er wurde in einer Grube, in der man Rosengranit abbauen wollte, gefunden und ist nicht vollständig vom Felsen gelöst worden, aus dem man ihn geschlagen hatte. Man vermutet, daß die Risse, die sich durch die Bearbeitung gebildet hatten, dazu führten, daß man ihn nicht weiter bearbeiten wollte. Obelisken sollten bei den alten Ägyptern aus nur einem Stück gefertigt sein. Hätte man ihn fertig gestellt, würde er mehr als 1.000 Tonnen wiegen und hätte eine Länge von sagenhaften 42 Metern gehabt. Die Anlage lieferte den Ägyptologen und Wissenschaftlern wertvolle Hinweise darauf, wie die Arbeiten in so einem Steinbruch abgelaufen sein müssen.
Zur Mittagszeit kehren wir zum Schiff zurück, speisen gemeinsam und genießen eine kleine Pause, bevor wir uns am Nachmittag erneut nach draußen begeben, um auf einer Felukke zu segeln. Unser Kapitän navigiert uns geschickt zu einer kleinen Insel mit einem Botanischen Garten, wo wir im Grünen flanieren und exotische Bäume wie den Frangipani, Baobab, verschiedene Palmenarten, Florettseidenbäume und Jasmin erblicken.
Danach besteigen wir erneut ein Boot, diesmal allerdings ein motorisiertes und schippern an der Insel mit dem Botanischen Garten vorbei an den Ufern des Nils. Mitten im Naturschutzgebiet wollen wir ein Dorf der Nubier besuchen. Vorher allerdings genießen wir erstmal die Bootsfahrt, die wärmende Nachmittagssonne und die traumhafte Landschaft, die uns an eine Filmkulisse erinnert. Tatsächlich sind hier die meisten Szenen des Kultfilms Tod auf dem Nil von 1978 gedreht worden. Auf vielen kleinen Inselchen wächst das Schilf meterhoch und wenn man genauer hinsieht, entdeckt man Eisvögel, Seeschwalben, Möwen, Kormorane und Kuhreiher. Die Fischerboote angeln, die Kinder an den Ufern winken uns und zwei kommen auf einem Surfbrett angepaddelt und wollen ihre Gesänge zum Besten geben, Essam bittet sie allerdings, daß wir die Stille weiter genießen dürfen.
Schon von weitem entdecken wir das am Westufer aufragende Mausoleum des Aga Khan, in dem der 1957 Verstorbene ruht. Er war das Oberhaupt der ismaelitischen Nizariten. An den Ufern beobachten wir Felukken, die Segelboote, die seit Jahrtausenden den Nil befahren, wir können die Dörfer der nubischen Einwohner sehen. An einem Dorf halten wir, steigen aus und laufen zum zentralen Dorfplatz, wo sich die Moschee befindet. Die Gassen sind von einfachen Lehmbauten gesäumt, deren Wände sehr schön bemalt wurden. Ein paar Jungs und Mädchen kommen neugierig angelaufen, bestaunen uns und freuen sich über die mitgebrachten Kugelschreiber und vor allem über Haribo und Bonbons. Es geht sehr ruhig und friedlich in solch einem Dorf zu, obwohl die Stromleitungen und riesigen Fernsehspiegel darauf hindeuten, daß sich hinter den einfachen Mauern und bunten Türen ein durchaus normales Leben mit Elektrizität und Fernsehen abspielt.
Auf dem Rückweg geht die Sonne unter und taucht alles in rosarotes Licht. Vor uns sehen wir die Felukken, dahinter den glutroten Sonnenball und die Umrisse von Assuan und die Stimmung ist einfach nur magisch märchenhaft, wie in den Geschichten aus 1001 Nacht. Kurz bevor wir unser Schiff erreichen, sehen wir nun endlich das berühmte Old Cataract Hotel, in dessen Milieu Agatha Christie ihren Roman „Tod auf dem Nil“ ansiedelte und der später von John Guillermin verfilmt wurde. In der Hauptrolle war damals Peter Ustinov eine unvergeßliche Besetzung.
Wenig später essen wir und fallen müde in unsere Betten. Erneut wird die Nacht kurz sein, das 300 Kilometer entfernte Abu Simbel erwartet uns...
8. Tag – Abu Simbel
Heute wollen wir den ganz im Süden an der Grenze zum Sudan gelegenen berühmten Tempel von Abu Simbel besuchen. Etwa drei Stunden müssen wir dafür von Assuan aus mitten durch die Arabische Wüste fahren. Dafür können wir einen tollen Sonnenaufgang erleben und erreichen vor dem großen Gästestrom diese aus vielen Filmen bekannte Anlage am Nasrstausee.
Die beiden beeindruckenden Tempel wurden unter der Regierungszeit von Ramses II. in der 19. Dynastie errichtet. Der größere von beiden trägt den klangvollen Namen Ruhm-Ramses, der kleinere ist der Göttin Hathor und Nefertari, der Ehefrau von Ramses II. gewidmet. Bezaubernd am Stausee gelegen, hat diese Anlage durch die Nähe zum Wasser und die dahinterliegende Wüste ihren ganz besonderen Reiz und gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe. In den Jahren 1963 bis 1968 wurden beide Tempel von ihrem ursprünglichen Ort abgetragen und um 64 Meter versetzt. So rettete man sie vor dem vom Staudamm aufgestauten Wasser des Nils.
Rundum liegt die Arabische Wüste, in der 1813 der Schweizer Jean Burckhardt die Tempel entdeckte. Beide dienten im alten Ägypten dem Königskult. Das wird allein durch die 21 Meter hohen am Eingang sitzenden Statuen mit dem Antlitz von Ramses II. deutlich. Über den Statuen verläuft ein Fries, welches ursprünglich 21 Paviane zeigte, von denen heute nur noch 16 erhalten geblieben sind. Diese Figuren ragten aus dem Sand heraus und verhalfen dem Schweizer zu seinem sensationellen Fund. Unterhalb der Statuen erkennen wir kleinere Figuren, die Familienmitglieder darstellen. Der Tempel ist nach der Sonne ausgerichtet worden, die ursprünglich am 21. Februar und am 21. Oktober eines jeden Jahres in die tiefsten Winkel der Anlage schien. Nach der Versetzung des Tempels war es nicht mehr möglich, genau diese Sonnenkonstellation an genau diesem Datum wieder einzufangen, so ereignet sich dieses Spektakel heute am 22 Febuaur und am 22. Oktober eines jeden Jahres und zieht ganze Besucherströme an. Wissenschaftler rätseln bis heute, ob die Tage nach der Thronbesteigung Ramses II. im Februar und seinem Geburtstag im Oktober gewählt wurden, oder ob ein ganz anderes Ereignis maßgeblich für diese Wahl war.
Der etwas weiter rechts gelegene Hathortempel ist der gleichnamigen Schutzpatronin des Ortes gewidmet. Vor dem Eingang erblicken wir sechs Statuen, die Ramses II. zusammen mit seiner Ehefrau Nefertari zeigen.
Da wir erneut vor dem großen Gästeansturm gekommen sind, genießen wir die Faszination, die von diesem Ort ausgeht sehr, bummeln am Ufer des Sees entlang und laben uns an einem richtigen Cappuccino inmitten eines Gartencafés bevor wir die lange Strecke bis Assuan wieder zurückfahren. Auf dem Rückweg hat der Sonnenstand den Zenit erreicht und wir schlummern hinweg. Als die Sonne ihren Zenit erreicht, erleben wir, was einst so viele Wüstenreisende ins Verderben lockte. Wir schwören Stein und Bein, aus dem Bus heraus in der Wüste einen großen See zu erkennen, wir sehen regelrecht Wasser und es spiegelt sich sogar - eine Fata Morgana.
Zur Mittagszeit erreichen wir unser Schiff, essen erstmal etwas und dann wählen wir zwischen Mittagsruhe in der Kabine oder ein paar Sonnenstunden auf dem Oberdeck.
Am Abend treffen wir uns nach dem Essen zu einem Spaziergang über den Gewürzbasar von Assuan wieder. Alle haben wir in den Märchen unserer Kindheit Geschichten über orientalische Märkte vorgelesen bekommen oder sie in Filmen gesehen. Nun stürzen wir uns in Düfte, Farben und die unendliche Vielfalt, alles ist offen drapiert in Schalen und Körben und wir erinnern uns an die Kindheitsgeschichten zurück. Wir üben uns im Erkennen der einzelnen Kräuter und Gewürze, sehen welche, von deren Existenz wir gar nichts wußten und wenig später laufen wir alle mit voll gepackten Tüten zurück.
Morgen werden wir Assuan verlassen ...
9. Tag – Nil Kreuzfahrt nach Edfu, Freizeit an Bord
Endlich dürfen wir mal etwas länger schlafen, das Frühstück ist erst um acht Uhr. Danach beschließen wir, nochmal auf den Bazar zu gehen. Bevor wir dort ankommen, besichtigen wir eine katholische Kirche, an die auch eine Schule angegliedert ist, in der über 900 Schüler lernen. Die Kirche ist innen recht schlicht gehalten und außer dem Marienaltar gibt es keine Dekorationen.
Auf dem Bazar schauen wir uns in Ruhe um, lassen uns mal zeigen, wie eine Wasserpfeife funktioniert, sehen Stände mit Alltagsgegenständen, Textilien, Fleischerläden, in denen ganze Rinderhälften an großen Haken baumeln, Fischläden mit merkwürdig eingesalzenen Fischstücken, Souvenirstände und Männercafés. Zwei Gäste schlagen sich sogar bis zur koptischen Kirche durch, die allerdings samstags geschlossen ist.
Auf dem Sonnendeck verbringen wir einen entspannten Nachmittag, lassen die vielen Nilinseln und die grünen Ufer an uns vorbei ziehen und am Abend erblicken wir erneut den Doppeltempel von Kom Ombo, diesmal angestrahlt. In der Nacht werden wir nach Edfu weiter fahren.
Morgen freuen wir uns auf einen freien Tag ...
10. Tag – Fahrt nach Luxor
Heute lassen wir einfach mal die Seele baumeln. In Edfu legen wir am Vormittag ab und etwa zur Mittagszeit erreichen wir erneut die Schleuse in Esna. Das alte Stauwehr sieht aus wie eine Brücke, es wurde bereits 1908 fertig gestellt. Diese alte Schleuse reichte bei weitem nicht aus, um die vielen Schiffe, die in der Saison auf dem Nil kreuzen, schnell hindurchzulassen und so baute man zwischen 1945 und 1947 ein zweites Stauwehr, um die Stauhöhe anheben zu können. Nun können zwei Schiffe gleichzeitig hinein und damit hat sich die Wartezeit halbiert.
Während wir an einer Bananenplantage auf unsere Abfertigung warten, docken unzählige im wahrsten Sinne des Wortes fliegende Händler an unserem Schiff an. Sie hängen sich wagemutig mit einem kleinen Holzkahn an unser Schiff und rufen fleißig "Hallo Hallo". Strecken wir dann die Köpfe neugierig über die Reeling, werfen sie munter Decken, Tücher und Platzsets an Bord und rufen uns beherzt die Preise zu. Das Geld wird dann über Schiffspersonal nach unten transferiert oder die Ware eben einfach zurück in den Kahn geworfen. Das ist mal ein Shoppingerlebnis der ganz anderen Art.
Erst am Nachmittag rücken wir endlich an die eigentliche Schleuse vor und werden sechs Meter hinab gelassen, um nun gemächlich weiter in Richtung Luxor zu schippern. Nun haben wir die Qual der Wahl: Läßt man die Landschaft auf dem Sonnendeck an sich vorbei ziehen, oder legt man sich ins Kabinenbett und schaut sie aus dem Fenster heraus an.
Am Abend erreichen wir wieder Luxor und unsere Nilkreuzfahrt wird morgen hier enden ...
11. Tag – Ausschiffung und Transfer nach Hurghada, Makadi Bay
So schnell ist die Zeit vergangen auf diesem Fluß der Flüsse. Am Morgen stehen wir auf dem Sonnendeck und sehen auf der anderen Niluferseite die Heißluftballons aufsteigen, die über das Tal der Könige fliegen werden. Was für ein Anblick! Wehmütig frühstücken wir das letzte Mal an Bord, beobachten, wie unsere vielen Koffer auf ein kleines Mofa mit Anhänger geladen werden. Ein Bus steht bereit, der uns nach Makadi Bay ans Rote Meer bringen wird. Die Fahrt dauert etwa fünf Stunden. Unterwegs halten wir an einer Karawanserei, wo ein kleiner Beduine mit Zicklein im Arm angelaufen kommt und natürlich fotografiert werden will - für Euromünzen, versteht sich. Wir widmen uns lieber einem Kaffee und ziehen weiter Richtung Meer.
Hurgharda, wo heutzutage etwa 800.000 Einwohner leben, existierte vor 30 Jahren noch gar nicht. Die Lage direkt am Roten Meer ist allerdings so perfekt für eine Badedestination, daß ein reicher Ägypter auf die Idee kam, die ersten zwei Badehotels am Strand zu errichten und seitdem entwickelte sich der Ort rasant. Mittlerweile wird Hurgharda von den meisten deutschen Flughäfen direkt angeflogen, in der Ferienzeit sogar mehrmals wöchentlich und besonders in den Wintermonaten flüchten viele Europäer hierher in die Sonne.
Zur Mittagszeit erreichen wir unser Jaz Hotel in Makadi Bay etwa 45 Kilometer von Hurgharda entfernt. Wir setzten uns erstmal in die Lounge und erledigen die Formalitäten. Da noch nicht alle Zimmer fertig sind, beschließen wir, erstmal essen zu gehen. Die Vielfalt und Auswahl am Büffet erschlagen uns förmlich. Danach werfen wir einen Blick auf den Pool, fotografieren die im Wind schaukelnden Palmen, drapieren uns selbst geschickt vor den magentafarbenen Flamingoskulpturen und beschließen, den Strand kennenzulernen. Ein wenig müssen wir durch gepflegte begrünte Anlagen spazieren, bevor wir am Strand stehen, der zu dieser Jahreszeit gut besucht ist, vor allem hören wir deutsch, vereinzelt russisch und nur sehr selten französisch und italienisch, die vielen Spanier, die wir an allen Tempeln getroffen hatten, scheinen keinen Badeurlaub zu machen.
Nun bilden sich zwei Fraktionen in unserer Gruppe: Die einen bevorzugen die Gegend um den Pool, die anderen wollen lieber am "echten" Meer liegen. Es ist etwas windig, wenn man aber geschützt in der prallen Sonne liegt, läßt es sich wunderbar aushalten und so lassen wir die vielen Eindrücke der letzten Tage mal setzen und genießen es sehr, gar kein Programm zu haben und keinen Tempel besichtigen zu müssen...
12. Tag – Badeverlängerung
Es hat schon einen ganz besonderen Reiz, im November in kurzer Hose zum Frühstück zu spazieren, zwischen den Palmen auf der Sonnenterrasse einen Sekt und Cappuccino serviert zu bekommen und bei der riesigen Frühstücksauswahl bleibt kein Wunsch unerfüllt. Nun heißt es wieder Entscheidungen treffen: Pool oder Meer, Spaziergang oder Baden, Schnorcheln oder Glasboot, Buch oder Nichtstun - ein freier Tag am Roten Meer erwartet uns ...
13. Tag – Badeverlängerung
Schon ist unser letzter Urlaubstag angebrochen, wo ist die Zeit nur so schnell hin verflogen?
Wir genießen den letzten Tag mit Sonnenschein und Temperaturen um die 26 Grad im November. Einige gehen am Hotelstrand schnorcheln, die Riffe liegen nah am Ufer und wer eine Brille und Schnorchel ausleiht, kann die blau gelb gestreiften Anglerfische, den zitronengelben Butterfisch, Pfauenkaiserfische, die länglich durchsichtigen wie eine Nadel im Wasser schwebenden Flötenfische, Blaupunktrochen, und sogar Tintentische bewundern, die sich an uns Menschen überhaupt nicht stören und direkt vor den Taucherbrillen herumtanzen.
Am Abend treffen wir uns ein letztes Mal alle zum gemeinsamen Abschiedsabendessen und so langsam realisieren wir, daß in Deutschland bereits teilweise Schnee gefallen und die Nachttemperaturen bereits im Minusbereich liegen.
Morgen werden wir alle nach Hause zurück fliegen ...
14. Tag – Heimreise
Die Stunde der Heimreise ist gekommen. Zuerst verlassen die Gäste, die nach Addis Abeba, Berlin und Müchen fliegen, das Hotel, wenig später folgen die beiden Gäste, deren Ziel Düsseldorf ist. Viel zu schnell ist unsere schöne Reise durch ein faszinierendes Land mit einer der ältesten Hochkulturen der Welt vergangen. Uns erwartet ein kalter trüber Dezember in Deutschland. Daher werden zu Hause Zeit haben, die vielen auf uns eingeströmten Eindrücke zu sortieren, die Fotos Freunden zu zeigen und die ganze Reise nochmal Revue passieren zu lassen ...
Videoempfehlungen für Euch:
1. Wie war das Alltagsleben im alten Ägypten
https://youtube.com/watch?v=omajagaozk0&si=365tFu1SGl4RcnOi
2. Wo wurde Tod auf dem Nil 1978 mit Peter Ustinov wirklich gedreht
https://youtube.com/watch?v=GRBRAEaP-rk&si=I4MhGF8_Y7rp71D8
Mir bleibt, mich von Euch zu verabschieden. Ich hoffe, daß alle Gäste das ein oder andere unvergeßliche Erlebnis mitgenommen haben. Jetzt können wir stolz erzählen, daß wir die ältesten erhaltenen Bauwerke der Welt mit eigenen Augen gesehen haben.
Ich möchte mich bei allen Gästen bedanken für die vielen schönen Stunden und Erlebnisse mit Euch zusammen. Danke auch für die Eure Pünktlichkeit und die Geduld mit den vielen Händlern, die uns ein ums andere Mal beglücken wollten. Ebenfalls vielen Dank für die Ausdauer, wenn mal wieder der Eingang eines Tempels mit Menschen verstopft und noch nicht geöffnet war. Ich glaube, wir haben alle gesehen, daß es uns vergleichsweise doch ganz gut geht in Europa.
Bleibt gesund und reisefreudig ...
Eure Reisebegleiterin Simone
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