Reisebericht: Flusskreuzfahrt von Berlin bis Amsterdam

09.08. – 19.08.2019, 11 Tage Flusskreuzfahrt mit MS "Johannes Brahms" von Berlin - Brandenburg - Hannover - Bremen - Oldenburg - Papenburg - Groningen - Lemmer - Amsterdam

An einem sonnigen Sommertag starteten wir morgens mit Lust auf Mee(h)r in Richtung Norden. Uns erwarten barocke Gärten und Schlösser, tolle Städte und natürlich das quirlige Amsterdam.

1. Tag - Anreise nach Berlin


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Unser Bus startete diesmal am frühen Morgen in Chemnitz und auf dem Weg nach Berlin stiegen immer wieder Gäste zu. In Berlin wartete Petra schon auf uns, sie zeigte uns in 2 Stunden den Gendarmenmarkt,  die Museumsinsel, Reichstag, etliche Botschaftsgebäude, den Fernsehturm, das rote Rathaus, wir fuhren am Brandenburger Tor und der Siegessäule vorbei und staunten, was sich in Berlin so alles verändert hatte seit der Wende. Viele Gäste, die Berlin noch vor der Wende besucht hatten, erkannten etliche Straßenzüge gar nicht wieder.

Der Verkehr meinte es am heutigen Freitag gut mit uns und wir konnten problemlos am Sony Center nahe des Brandenburger Tores halten, wo die meisten in einem der vielen nahe gelegenen Cafés ihre Freizeit genossen. 

Nach dieser spannenden Stadtrundfahrt fuhren wir in Richtung Spandau an die Havel, wo die MS Johannes Brahms bereits auf uns wartete. Während wir im Salon des schönen Schiffes Kaffee und Kuchen genossen, war die nette Crew ganz fix und brachte die Koffer auf unsere Kabinen, die wir danach sofort beziehen konnten. Am frühen Abend stellten sich unser niederländischer Kapitän und die Bordreiseleiterin Regina vor und schon war es Zeit für das erste Abendessen. 

In der Zwischenzeit zog die herrliche Landschaft der Havel am Panoramafenster vorbei. Die Havel ist mit ihren 334 km Länge der längste rechtsseitige Nebenfluß der Elbe. Der aus Mecklenburg-Vorpommern kommende Fluß fließt durch Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt und mündet letztendlich in die Elbe. 

Wir machen uns auf den Weg nach Brandenburg ...
 

2. Tag Parey, Ausflug Potsdam und Fahrt auf dem Mittellandkanal


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Mitten in der Nacht hatte unser Schiff in Brandenburg angelegt. Brandenburg an der Havel wurde bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt, und dank dieser langen Stadtgeschichte wird sie auch als Wiege der Mark Brandenburg bezeichnet. Heute ist vor allem das Brandenburger Sinfonieorchester bekannt, spielt es doch seit Jahren bei Opernproduktionen der Kammeroper im Rheinsberger Schloß und gibt häufig Konzerte in der Philharmonie Berlin oder in Potsdam.

Beim Aufstehen genossen wir sofort den Ausblick in die üppig grüne Havellandschaft und die Gäste, die mit ins Schloß Sanssouci fahren wollten, frühstückten recht früh. Um 8 Uhr ging es bereits mit dem Bus los in Richtung Potsdam.

Man hat ein ganz neues Besucherzentrum an der historischen Mühle mit großen Parkplätzen errichtet und dort begrüßte uns Doris, die heutige Schloßführerin, herzlich und begleitete uns durch alle zugänglichen Prunkräume des Schlosses.

Wir bewunderten die Seidentapeten, die üppig verzierten Räume, Meißener Porzellanvasen, Türen mit Goldornamenten, mehrfarbigen Stuck, riesige Kronleuchter und natürlich immer wieder die Konterfeis Friedrichs des Großen. In nur 2 Jahren von 1745 – 1747 erbaute Georg von Knobelsdorff im Auftrag des Preußenkönigs das Schloß im Stil des Rokoko. Für den „alten Fritz" war es sein Lieblingsaufenthaltsort. Dank der Harmonie des Schlosses zwischen Kunst und Natur und der malerischen Lage auf der Höhe eines Weinberges, genoß Friedrich hier besonders die Sommermonate und ging seinen künstlerischen Interessen nach.

Seit 1990 gehören das Schloß und die Parkanlagen zum UNESCO Weltkulturerbe.

Unsere Führung endete mit dem Blick auf die vor dem Schloß liegenden Terrassen, die heute wieder historisch mit Weinstöcken und Feigenbäumen bepflanzt sind. Wir wären ja gern noch ausführlich durch den Park spaziert und hätten uns Orangerie und den chinesischen Teepavillon angeschaut, aber unser Schiff stoppte nur für uns Ausflügler extra in Elbe-Parey und hatte dort nur eine begrenzte Liegezeit. So ging es 11 Uhr wieder mit dem Bus zurück zum Schiff und nach einer längeren Fahrt erreichten wir Elbe Parey, wo schon das Mittagessen auf uns wartete und sofort nach unserem Eintreffen hieß es: "Leinen los".

Weiter ging unsere Fahrt auf dem Elbe-Havel-Kanal, einer 55 km langen Bundeswasserstraße, die durch Sachsen Anhalt und Brandenburg fließt. Der Kanal beginnt, übergehend aus dem Mittellandkanal in Hohenwarte östlich der Elbe bei Magdeburg und verläuft in nordöstlicher Richtung bis zum Plauener See bei Brandenburg. Zusammen mit dem Rhein-Herne-Kanal,  dem Wesel-Datteln-Kanal und dem Dortmund-Ems-Kanal, dem Mitellandkanal und der Havel bildet er eine durchgehende Wasserstraßenverbindung zwischen Rhein, Elbe und Oder.

Am Nachmittag hatten die Gäste freie Zeit an Bord der MS Brahms um die vorbeiziehende Landschaft mit einem kühlen Bier oder einem Cocktail zu genießen und wir trafen uns alle zum Abendessen im Restaurant wieder.

Unser Tagesziel Calvörde erreichten wir in der Nacht.

Wir sind gespannt auf die niedersächsische Hauptstadt Hannover ...

3. Tag Mittellandkanal, Peine und Hannover


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Strahlender Sonnenschein weckte uns heut morgen. Mittlerweile fuhren wir auf dem Mittellandkanal, einer 325,3 km langen Wasserstraße in Deutschland, der den Dortmund-Ems-Kanal mit der Weser, der Elbe und dem Elbe-Havel Kanal verbindet. Wenn man die Dimensionen ein wenig weiter spannt, schafft dieser Kanal die Möglichkeit, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich und die Schweiz über den Wasserweg zu erreichen. 

Zur Frühstückszeit konnten wir einen Blick auf die Autostadt in Wolfsburg werfen. Sie ist ein Auslieferungszentrum für Neuwagen der Marke Volkswagen und gleichzeitig ein Museum und Freizeitpark. Der Spatenstich für die Autostadt erfolgte im Mai 1998. Man trug das ehemals vorhandene Kohle- und Öllager des Kraftwerkes ab, errichtete ein Bürogebäude, welches heute als Servicegebäude fungiert und im Jahr 2000 eröffnete man die neue Autostadt als dezentrales Projekt der Expo 2000 Hannover im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel. 

Im Verlaufe des Vormittags genossen die meisten die Sonne auf dem Oberdeck. Der Mittellandkanal hat so viele Brücken, daß man auch besser sitzen bleibt, manche davon sind wirklich niedrig und manche sahen so aus, als ob sie lange nicht befahren worden wären. So zog Braunschweig an uns vorbei und zur Mittagszeit erreichten wir Peine in Norddeutschland. Die Stadt wurde bereits 1220 gegründet und hat heutzutage knapp 50 000 Einwohner. Die meisten verbinden mit Peine die Stahlindustrie, noch heute ist der Peiner Träger in der Bauwirtschaft ein Synonym für breitflanschige Stahlträger. 

Von Peine aus starteten wir zu unserem Hannoverausflug. 

Nach einer knappen Stunde Fahrt trafen wir Peter am imposanten Rathaus von Hannover und er erzählte uns viel Wissenswertes über die Stadtentwicklung der niedersächsischen Landeshauptstadt, zeigte uns die schönsten, vom Krieg verschont gebliebenen Ecken, das Schloß, einen Teil der Altstadt, den Maschteich und wir hatten die Möglichkeit, das Rathaus von Hannover, welches von 1901 bis 1913 errichtet wurde, von innen anzusehen. Darin gibt es verschiedene Modelle der Stadt, angefangen vom 16 Jahrhundert, hin zu einem vor dem 2. Weltkrieg, ein Modell, was das ganze Ausmaß der Bombenangriffe 1945 zeigt und ein aktuelles. 

Im Anschluß besuchten wir die Herrenhäuser Gärten, die aus dem Großen Garten, dem Berggarten, dem Georgengarten und dem Welfengarten bestehen. Sie zählen zu den bedeutendsten Barockgärten in ganz Europa und für Gartenfreunde ist der Spaziergang natürlich ein Highlight. Ein ganz besonderer Augenschmaus innerhalb der weitläufigen Gartenanlagen ist die Grotte von Niki de Saint Phalle. Die 1930 in Paris geborene Künstlerin war eine große Hannoverliebhaberin und drückte ihre Liebe zur Stadt dadurch aus, daß sie der Stadt eine nach ihren Plänen entworfene "Grotte" mit ihren weltberühmten Nana-Figuren stiftete. Die Gäste waren ganz beeindruckt von den intensiven Farben und den Figuren. 

Nach einem Bummel durch die Anlagen des Barockgartens beendeten wir unseren Spaziergang und fuhren zurück zum Schiff, welches mittlerweile auch in Hannover angekommen war. Auf uns wartete das hervorragende italienische Buffet des Kochs, was alle in vollen Zügen genossen. 

Und wir sind nun natürlich auf Minden und das Schloß Bückeburg am morgigen Tag gespannt... 

4. Tag Mittellandkanal, Minden, Schloß Bückeburg


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Heute zur Frühstückszeit überquerten wir das Wasserstraßenkreuz in Minden. Hier kreuzt der Mittellandkanal innerhalb einer Trogbrücke seit 1915 die 13 Meter darunter liegende Weser. Seit 1998 läuft der Schiffsverkehr über die parallel zur alten errichteten neuen Brücke und ermöglicht 174 km freie Fahrt auf dem Kanal, die ansonsten hier mit Schleusen geregelt werden müsste. 

Gleich nach dem Frühstück brachen wir von Minden aus in Richtung Bückeburg auf, unserem heutigen Ausflugsziel. Die alte Residenzstadt Bückeburg ist seit vielen Jahrhunderten der Stammsitz der Familie Schaumburg Lippe. Obwohl Prinz Alexander heute den größten Teil des Schlosses noch selbst bewohnt, ist ein Teil der Öffentlichkeit zugänglich und so starteten wir unseren Rundgang mit Susann im imposanten Innenhof des Schlosses. Danach gingen wir in die Schloßkapelle mit ihren frühbarocken Holzdekorationen, deren Decke im manieristischen Stil vollständig ausgemalt wurde. Im Anschluß daran bewunderten wir weitere Prunkräume des Schlosses, besonders die Deckengemälde beeindruckten die Gäste und die chinesischen kleinen Porzellanöfchen, mit denen die Damen sich im Winter gewärmt hatten, indem sie einfach die Reifröcke gerafft und sich auf das mit glühenden Kohlen gefüllte Öfchen gesetzt hatten, erzeugten besonderes Interesse insbesondere bei den weiblichen Gästen. 

Seit seiner Erbauung ist das Schloß durchgehend bewohnt worden, zuerst waren es die Grafen zu Holstein-Schaumburg und seit 1640 die Mitglieder der fürstlichen Familie zu Schaumburg-Lippe. Im Marstall liegt seit 2004 die Hofreitschule Bückeburg, die sich der Reitkunst der euopäischen Epochen des 11. bis 17. Jahrhunderts widmet.

Bekannt sind auch die alljährlich im Frühsommer stattfindenden "Landpartien" und im Winter natürlich der "Weihnachtszauber". Im Sommer zieht ein Mittelalterspektakel bis zu 70 000 Besucher jährlich an und ebenfalls großen Gefallen finden beim Publikum die regelmäßigen Oldtimer-Ralleys. 

Nach der interessanten Führung kehrten wir zurück nach Minden, wo unser Schiff auf uns wartete und wieder hieß es gleich nach der Ankunft: "Leinen los".

Noch vor dem Mittagessen konnten die Gäste heute sehr eindrucksvoll die Einfahrt in die Weser mitverfolgen. Die Schachtschleuse Minden, durch die wir vom Mittellandkanal in die Weser wechselten, wurde von 1911 bis 1914 als Nordabstieg zur Weser gebaut und ist die kürzeste Verbindung zwischen Weser und dem Mittellandkanal. Sie hat eine nutzbare Länge von 85 Metern und eine Breite von 10 Metern. Dieses Bauwerk ist natürich DIE technische Attraktion in Minden. 

Wir setzten unsere Fahrt auf der Weser fort mit dem Ziel in den Abendstunden die am Ostufer der Weser gelegene Gemeinde Drakenburg in Niedersachen zu erreichen. 

Unser Küchenchef verwöhnte uns auch am heutigen Abend wieder mit einem leckeren Essen und ein schöner Tag neigte sich dem Ende zu. 

Wir sind gespannt auf die Bremer Stadtmusikanten...


5. Tag Fahrt auf der Weser nach Bremen


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Der heutige Morgen ließ uns glauben, wir hätten über Nacht das Land und den Fluß gewechselt, rund ums Schiff sah es aus, als ob wir auf der Themse in Richtung London unterwegs wären. Dichter Nebel, Nieselregen, dicke graue Wolken und die Temperatur war auf 13 Grad gesunken. Gut, daß wir den Vormittag an Bord im gemütlichen Salon verbringen konnten.

Wir waren noch immer auf der Weser in Richtung Bremen unterwegs und es gab wieder einige interessante Schleusenvorgänge zu verfolgen. Immer wieder sahen wir am Ufer Kormorane, Störche, Graureiher, Nilgänse und ab und an sogar Rehe.

So genossen wir das ruhige Schippern im Salon, tranken Kaffee und ließen die Landschaft an uns vorüberziehen.

Nachdem wir in Bremen angelegt hatten, starteten wir sofort zu unserem heutigen Ausflug mit Hannolore, einer waschechten Bremerin. Zuerst zeigte sie uns das Hafenviertel, was vor allem durch Industrie, Container und Schiffe geprägt wird, es wurden aber auch etliche neue und vor allem hochpreisige Wohnanlagen errichtet, immerhin blicken die Bewohner ja auf die Weser, und Wassergrundstücke sind heutzutage exklusiv. Auch einen kleinen Strand mit Palmen gibt es, nur das Baden ist an dieser Stelle leider wegen des Schiffverkehrs verboten. Von diesem Hafen aus ist Bremen mit Bremerhafen und damit mit der Nordsee verbunden. 

Im Anschluß daran ging es zu Fuß weiter durch die Altstadt mit Start auf dem beeindruckenden Bremer Marktplatz. Dort steht der Roland, das Wahrzeichen der Stadt, er blickt auf den St. Petri Dom. Neben dem Roland steht das Bremer Rathaus, wo man im Keller hervorragende Weine verkauft und sie natürlich auch probieren kann. Beide Bauwerke, sowohl Roland als auch Rathaus, zählen zum UNESCO Weltkulturerbe. 

Alle Gäste waren jetzt natürlich auf die Bremer Stadtmusikanten gespannt, die gleich um die Ecke stehen und fleißig wurden Münzen in das sogenannte Bremer Loch geworfen, damit die Laute von Esel, Hund, Katze und Hahn ertönen. 

Neben dem alten Rathaus steht das 1913 im Stil der Neorenaissance errichtete Neue Rathaus und gegenüber dem Marktplatz konnten wir den Schütting sehen, das Haus der Kaufleute, und weitere Gebäude, die allesamt aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. 

Hannelore führte uns in die bekannte Böttcherstraße deren Gebäude von 1922 bis 1931 errichtet wurden und von dort ist man in wenigen Fußminuten an der Weser und die Gäste beeilten sich, ganz fix zum Schiff zurückzukehren, es waren Gewitter angekündigt und kurz nach unserer Stadtführung ging ein gewaltiger Regenguß über Bremen nieder. 

Diejenigen Gäste, die vor dem Regen ein Café gefunden hatten, warteten den Regenguß ab und spazierten danach ins Schnoorviertel, einem mittelalterlichen Gängeviertel mitten in der Altstadt Bremens. Dieses Viertel hat seinen Namen vom alten Schiffshandwerk. Die Gänge zwischen den Häusern standen oft im Zusammenhang mit Berufen oder Gegenständen und so gab es einen Bereich, wo Taue und Seile gefertigt wurden (Schnoor = Schnur), und einen anderen Bereich, in dem man Ankerketten und Drähte finden konnten (plattdeutsch Wiere = Draht). Die dazugehörige  Straße heißt dementsprechend Lange Wieren. 

Viel zu schnell war es wieder Abend geworden und keiner wollte das Kapitänsdinner verpassen, es gab schließlich Begrüßungscocktails und der Kapitän speiste heute gemeinsam mit uns. 

Wir sind gespannt auf Oldenburg ...

6. Tag Fahrt nach Oldenburg, Kampen, Dörpen


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Am frühen Morgen waren wir heute von der Weser in die Hunte gefahren. Sie ist ein 189 km kurzer westlicher Nebenfluß der Weser. Hier auf der Hunte erwarten uns sehr niedrige Brücken, die unser Schiff nur bei Niedrigwasser befahren kann und somit bleibt das Oberdeck heut eine Zeit lang gesperrt, so daß wir mit den Gästen den Vormittag im Salon verbrachten. 

Hatten in den letzten Tagen vor allem die Wasservögel die Fotografenherzen erfreut, waren es heute die immer häufiger am Uferrand grasenden Schafe, die die Gäste in ihren Bann zogen.

Gleich nach dem Mittagessen stoppte der Kapitän für die Ausflugsgäste in Kampe, Friesoythe und hier wartete schon unser Busfahrer Dirk auf uns, um uns nach Oldenburg zum geplanten Ausflug zu bringen.

Diese schon im Mittelalter gegründete Stadt hat heute ca. 160.000 Einwohner und heutzutage findet man im Stadtbild vor allem Gebäude aus der Periode des Klassizismus.

Wir begannen unseren Oldenburg-Spaziergang mit Wim am Staatstheater, welches 1842 bereits als Großherzogliches Hoftheater die Bewohner Oldenburgs mit Aufführungen erfreute, damals noch im italienischen Renaissancestil. Leider zerstörte ein Feuer 1891 das gesamte Haus, welches dann 1893 im neubarocken Stil wieder aufgebaut wurde und um die heutige Kuppel erweitert wurde.

Im Anschluß daran führte uns Wim zur St. Lambertikriche, die mit ihren 5 Türmen das Innenstadtbild von Oldenburg prägt, der höchste dieser Türme ist 86 Meter hoch.

Wenige Fußminuten weiter steht das beeindruckende Schloß Oldenburg. Es wurde im 12. Jahrhundert von den Grafen als einstige Wasserburg errichtet und von den unterschiedlichen Bewohnern immer wieder umgebaut, das letzte Mal im 19. Jahrhundert. Im Schloß lebten bis 1667 die Grafen, seit 1785 die Herzöge und seit 1815 die Großherzöge von Oldenburg.

Durch die Bergstraße, die von mittelalterlichen Häusern gesäumt wird, beendeten wir unseren heutigen Ausflug. Danach genossen die Gäste noch Freizeit in der beschaulichen Altstadt und wir fuhren weiter nach Dörpen, wo unser Schiff schon am Küstenkanal auf uns wartete. Der Küstenkanal ist eine 70 km lange Bundeswasserstraße, die über den Dortmund-Ems-Kanal in die Ems führt.

Bis morgen Nachmittag wird unser Schiff in Dörpen am Waldesrand liegen und damit haben die Gäste die Möglichkeit, einen kleinen Wald-Verdauungs-Spaziergang nach dem Abendessen zu machen.

Wir sind gespannt auf Papenburg und die Meyer-Werft ...

7. Tag Fahrt auf der Ems und dem Ems-Kanal nach Groningen, Meyer Werft


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Heute stand der von vielen Gästen sehnlich erwartete Besuch der Meyer Werft in Papenburg auf dem Programm und gleich am frühen Morgen fuhren wir von der Schleuse in Dörpen mit dem Bus auf das Werksgelände der Meyer Werft GmbH.

Es hatten sich auch Gäste angeschlossen, die sich für einen Spaziergang in Papenburg entschieden hatten. Sie bummelten nach eigenem Gusto durch die Stadt, die mit ihren vielen kleinen Kanälen das Venedig des Nordens genannt wird.

Herbert holte uns am Besucherzentrum ab und führte uns durch das bereits am 28. Januar 1795 gegründete Schiffbauunternehmen. Gleich zu Beginn wird man in ein Kino geführt, was vom ganzen Interieur bereits sehr an ein Kreuzfahrtschiff erinnert und der Einführungsfilm stimmt die Gäste auf die kommenden spannenden 2 Stunden Fabriksführung ein.

Danach erfuhren wir, ebenfalls visuell von der modernsten Technik unterstützt, daß das Unternehmen in siebter Generation im Familienbesitz der Familie Meyer ist und sogar während der 2 Weltkriege weiterhin produziert hatte. 1913 erbaute man in Papenburg das bekannte Dampfschiff Goetzen, welches auf dem afrikanischen Tanganjikasee verkehrt hatte. Zwischen den 2 Kriegen baute die Werft kleinere Fischerdampfer, Lotsenboote und Feuerschiffe und während des 2. Weltkrieges betätigte man sich in der Werft vor allem mit Reparaturaufträgen.

Überdauern konnte die Werft nach dem Krieg nur dadurch, daß sie zwischendurch Maschinen oder Gastanker produzierte. Mit der ständigen Zunahme der Dimiension der Schiffe war die Werft mittlerweile zu klein geworden und so war man gezwungen, den Standort an den heutigen Platz im Außenhafen direkt an die Ems zu verlegen. Weltbekannt wurde die Werft an ihrem neuen Herstellungsort seit 1980 vor allem durch den Bau von großen Kreuzfahrtschiffen wie AIDA, Norwegian und Royal Caribbean.

Die Räume, durch die wir während der Führung liefen sind so gestaltet, wie die Decks auf einem Kreuzfahrtschiff, man kann sich neben einer original großen Schiffsschraube fotografieren lassen, etliche Modelle der hier gebauten Schiffe bewundern und wir staunten alle über die Zunahme der Größe und des auf den Schiffen vorhandenen Luxus heutzutage. Bis zu 10.000 Passagiere können diese modernen Riesen heute aufnehmen und im Entertainment Bereich ist von der Go Card Bahn angefangen, über die frei über dem Wasser schwebende Gondel bis zu Robotern, die den Gästen Drinks mixen mittlerweile alles dabei.

Dieser Rundgang wird ganz sicher vielen Gästen lange in Erinnerung bleiben.

Mittlerweile wartete unser Dirk mit den Papenburgspaziergängern wieder auf uns vor dem Werftgelände und bei Regen ging es zurück nach Dörpen zu der kleinen Schleuse, vor der unser Schiff auf uns wartete und bereits das Mittagessen vorbereitet hatte.

Am frühen Nachmittag fuhr unsere MS Johannes Brahms weiter entlang der Ems mit Kurs auf die Niederlande.

Nochmals gegen 17.30 Uhr passierten wir die Meyer Werft mit unserem Flußkreuzfahrtschiff und so hatten auch noch die Gäste, die heute nicht mit zur Besichtigung waren, die Möglichkeit, diese gigantische Werft wenigstens von außen zu sehen.

Die Sonne verwöhnte uns, so daß alle die Fahrt weiter auf dem Oberdeck bis zum Abendessen genießen konnten. 

Beim Abendessen glitten wir durch die Dollart, eine 90 km² große Bucht vor der Nordsee und passierten das Ems Sperrwerk, bevor wir in die Niederlande fuhren, wo der Emskanal zum Eemskanaal wird.  

In der Nacht werden wir Groningen in den Niederlanden über den Eemskanaal erreichen ...

8. Tag Fahrt auf dem Van Stakenborgh Kanal nach Lelystad


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In der Nacht waren wir schon bis an die Stadtgrenze von Groningen gefahren und am frühen Morgen schipperte unser Kapitän uns durch die Innenstadt an die Oosterkaade, welche nur 15 Minuten fußläufig vom Großen Markt entfernt liegt. Somit befanden wir uns direkt im Zentrum der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Groningen. 230.000 Einwohner wohnen in dieser schönen Stadt, die bereits seit 1614 eine Universität hat.

Natürlich lagen wir so, daß alle Gäste, auch die, die nicht von Bord gehen wollten, die typischen niederländischen kleinen Häuschen sahen. Da die Niederlande ein Traum für alle Radfahrer sind, gab es Räder über Räder zu bestaunen: Liegefahrräder, Lastenfahrräder mit 3 Kindern vorn drin und Mutti auf dem Sattel, Hollandräder in allen Farben und sogar Herren im feinen Zwirn mit Aktentasche auf dem Rad.

Am Grote Markt war heut Markttag und einige unserer Gäste deckten sich mit frischem Obst ein oder schauten sich einfach nur die schön drapierten Waren an den Ständen an.

Am Vormittag ging es weiter: "Leinen los" - in Richtung Lelystadt. Gleich hinter der Stadtgrenze von Groningen wechselten wir vom Eemskanaal in den Van Starkenborgh Kanaal. Dieser verbindet den Prinses-Margriet-Kanal in Friesland mit dem Emskanal in Groningen und ist insgesamt 27 km lang. Er wurde 1938 fertig gestellt, auf ihm gibt es nur 2 Schleusen, die man passieren kann.

Die typische niederländische Polderlandschaft zog an uns während des Frühschoppens vorbei, den wir dank des Sonnenscheins auf dem Oberdeck an der frischen Luft genießen konnten. Kristof, der Bordmusiker, spielte zünftige Blasmusik und bekannte Schlager, unser Koch spendierte Würstchen mit Sauerkraut und Bier. So läßt sich der Urlaub in vollen Zügen genießen.

In der Zwischenzeit hatte unser Koch mal wieder ein tolles Mittagessen gezaubert und nach dem Essen war das Oberdeck wiederum gefüllt mit einigen windbeständigen und schaulustigen Gästen. Die anderen zogen den Salon vor. Es wurde gelesen, gespielt und erzählt. 

Vor dem Abendessen lud Simone die Gäste auf einen Cocktail in den Salon und wir genossen gemeinsam eine Bahamamama. Inzwischen fuhren wir durch das leicht stürmische Ijsselmeer. 

Nach wir wie immer hervorragend zu Abend gespeist hatten, bereitete die Crew uns noch eine Überraschung am Abend - sie hatten für uns eine Crewshow vorbereitet und da das Servicepersonal vor allem aus Indonesen kam, waren sogar Tänze aus Bali und Musik von Comodo Island dabei.

In den Abendstunden waren wir wir aus der Provinz Groningen in die Provinz Flevoland gefahren, wo die Provinzhauptstadt Lelystad liegt, die unser heutiger Zielort ist. Knapp 80.000 Einwohner leben hier und sie liegt gleichzeitig am Ijsselmeer und am Markermeer. Am Hafen begrüßt „De Hurkende Man", eine 26 Meter hohe Stahlskulptur die vom Wasser her kommenden Gäste, sie hat ein stattliches Gesamtgewicht von 44 Tonnen. 

Von hier aus wird morgen früh unser Ausflug ins nahe gelegene Lemmer los gehen... 

9. Tag Lelystad, Lemmer Markermeer und Amsterdam


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Am heutigen Morgen fühlte es sich an, als ob es Ende September wäre und gleich der Herbst beginnen würde, es regnete, war grau und stark bewölkt, der Wind wehte als gelte es, die Blätter von den Bäumen zu holen und das Thermometer zeigte nur noch 16 Grad an.

Das konnte uns aber nicht abhalten, von Lelystad aus ins 30 km entfernte Lemmer zu fahren, einer kleinen Stadt am Ijsselmeer mit etwas mehr als 10.000 Einwohnern. Mitten in Friesland gelegen, hat Lemmer viele Seen zu bieten, die für jegliche Art von Wasser- und Angelsport geeignet sind und so verwunderte es uns nicht, daß gerade eine Segelregatta abgehalten wurde.

Zu Beginn unserer Führung sahen wir das einzige noch funktionierende Dampfschöpfwerk der Welt, welches auf der Liste der UNESCO als Weltkulturerbe steht, und im Anschluß fuhren wir in die kleine Innenstadt hinein, wo es gar nicht so einfach war, den Bus irgendwo zu parken.

Eigentlich ist Lemmer in den Sommermonaten ein sehr belebter Badeort aber aufgrund des heutigen Wetters war natürlich ans Baden nicht zu denken. Eine weitere Bedeutung kommt Lemmer bei der Fischerei zu. Hier wird viel Fisch gefangen, verarbeitet und in die gesamten Niederlande geliefert oder gleich fangfrisch in einem der zahlreichen am Wasser gelegenen Restaurants verspeist.

Frank, unser heutiger Stadtführer, zeigte uns die schönsten Häuser, einige davon stammten aus dem 17. und 18. Jahrhundert und wir bestaunten runde Giebel, feine Holztüren, Käseläden mit Auslagen, die uns das Wasser im Mund zusammen laufen ließen und idyllische Vorgärtchen, in denen sich die ein oder andere Katze vom Nachtspaziergang erholte.

Nach unserem Ausflug kehrten wir nach Lelystad in den Hafen zurück, die meisten nutzten die Zeit, um im Hafen noch einen Spaziergang zu machen. Dort steht ein Nachbau der alten Batavia, einem Segelschiff der Niederländischen Ostindien-Kompanie, es sank 1629 auf ihrer ersten Reise vor Australien.

Dahinter kann man die riesige Stahlskulptur des hockenden Mannes bewundern und da es aufgehört hatte zu regnen und die Sonne hervorkam, entstanden schöne Erinnerungsfotos.

Um 15 Uhr hieß es mal wieder: "Leinen los" und wir brachen zu unserer letzten Etappe nach Amsterdam auf. Kurz vor dem Abendessen durchquerten wir bereits die Außenbezirke von Amsterdam und um 19.30 Uhr war es endlich soweit: wir hatten unser Ziel, die Hauptstadt der Niederlande, erreicht.

Gleich vom Anleger am Javakai holte unser Bus uns ab und fuhr uns zur Heineckenbrauerei, dort stiegen wir in die Grachtenboote um, ein Highlight dieser Reise begann.

Bei einer Grachtenfahrt per Boot kann man dem ganzen Trubel, der auf den Straßen herrscht, entgehen und unbehelligt von all dem an vielen Sehenswürdigkeiten in Ruhe vorbeigleiten. Dank der Audioguides erfuhren wir vieles zur Stadtgeschichte, passierten das Anne-Frank-Haus, das Nemo-Museum, den Hauptbahnhof, daß alte Handelsschiff der Niederländischen Ostindienkompanie, das Filmmuseum und die tanzenden Häuser, die ihren Namen von ihrer Schieflage haben, die sie so aussehen läßt, als ob sie tanzen würden. Nach den vielen Eindrücken und dem Traumsonnenuntergang, der ganz Amsterdam in goldenes Licht getaucht hatte, fielen wir alle kaputt ins Bett und freuen uns auf noch einen weiteren Tag in der wunderschönen Hauptstadt der Niederlande...

10. Tag Amsterdam


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Hatte sich das Wetter am gestrigen Abend in Amsterdam noch von seiner allerbesten Seite gezeigt, wurden wir heute von heftigem Regen und kühlen 16 Grad geweckt.

Dementsprechend waren wir alle sehr froh, daß die heutige Stadtrundfahrt durch Amsterdam ausschließlich im Bus stattfinden sollte, naß sollten wir dabei nicht werden. Direkt am Schiff begrüßte uns Fritz und nahm uns auf eine 2,5 stündige Rundfahrt mit, vorbei an den neuen Wohnanlagen im Hafen, am Van Gogh Museum, dem Reichsmuseum, der Rembrandtmühle, dem Messegelände, der Fußballarena, dem Hauptbahnhof und dem eigentlichen Wohnsitz der Familie der Anne Frank, bevor sie sich verstecken mußten.

Schnell verging die Zeit, aber mit vielen interessanten Informationen zur Geschichte von Amsterdam und zu heutigen Neuigkeiten. Wir genossen diese Fahrt sehr, wird sie doch ab dem nächsten Jahr aufgrund von kompletten Sperrungen der gesamten Stadt für Reisebusse so nicht mehr möglich sein.

Zurückgekehrt zum Schiff, empfing uns der Koch zu unserem letzten Mittagessen an Bord und am Nachmittag konnten die Gäste ihren letzten Urlaubstag in Ruhe auf dem Schiff ausklingen lassen oder sie stürzten sich ins Getümmel der quirligen Hauptstadt und entdeckten die ein oder andere Sehenswürdigkeit auf eigene Faust.

Spätestens zum Kapitänsdinner kamen alle Gäste wieder zurück und wir ließen es uns gut schmecken. Danach wurde es heute schnell ruhig im Salon und in der Bar, morgen müssen wir zeitig aufstehen und die Koffer wollen gepackt werden.

Wir würden gern noch ein paar Tage in Amsterdam bleiben, aber die morgige Abreise rückt näher und näher ...

11. Tag Ausschiffung und Heimreise


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Nach 10 Tagen voller intensiver Eindrücke von barocken Schlössern und Gärten, gemütlichen Altstadtbummeln und kulinarischen Genüssen fällt es schwer zu glauben, daß das alles schon wieder soooooo schnell vorbei sein sollte. Der Kalender hatte kein Mitleid mit uns und da die Strecke von Amsterdam bis Dresden immerhin 740 Kilometer beträgt, mußten wir heut schon etwas früher aus den Federn. Auf 8 Uhr war die Abreise angesetzt, aber es gilt ja noch die Kabinen zu räumen und ein wenig vom Frühstück will man ja auch haben. 

Dank unserer hervorragenden Crew, mußten sich die Gäste um nichts kümmern, die Koffer wurden zum Bus gebracht und nach Ausstiegsorten sortiert und schon ging es los mit der Heimreise. 

Die ersten Gäste verließen uns bereits kurz nach dem Mittagessen in Hohenwarsleben und so schlängelten wir uns an etlichen Autohöfen weiter, bis wir 19.30 Uhr den Dresdener Flughafen mit den letzten Gästen erreichten. 

Ich hoffe, daß alle eine schöne und spannende Reise hatten, möchte mich nochmal bedanken und wünsche alles Gute für die Zukunft

Reisebegleiterin

Simone

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Es war eine sehr schöne und interessante Reise. Man wurde regelrecht "entschleunigt". Es war an manchen Stellen am Wasser etwas trist, aber die gute frische Luft und die Ruhe machten alles wieder wett. Die vielen Schleusen und Brücken waren dann immer die willkommene Abwechslung.
Ich habe schon viele Kreuzfahrten gemacht, aber die MS Brahms steht mit dem Essen in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Die Vielfalt, das Arrangieren der Speisen und die gute Bedienung ließen keine Wünsche offen (s. teilweise die von Simone gemachten Bilder). Auch die Crew war sehr gut eingespielt und man fühlte sich wohl. Vielen Dank Simone für die schönen Bilder und dem tollen Bericht. Allen noch schöne und interessante Reisen.

Heide Schannor
20.08.2019
Captcha

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