Die Provence – die richtige Reise
Reisebericht: 17.06. – 27.06.2026
Wenn man alle Attribute, die für die Franzosen am meisten zutreffen, erleben will, muss man in die Provence fahren, denn nirgendwo sonst wird das "Savoir vivre" unserer Nachbarn so intensiv gepflegt.
Ein Reisebericht von
Ekkehard Villing
Anreise
Nachdem die Hälfte unserer Reisegruppe, die den Weg über Frankfurt genommen haben, schon gegen Mittag im Hotel eingetroffen ist, schafft es am Nachmittag auch der Reiseleiter mit den Gästen, die über München geflogen sind, in die liebenswerte Unterkunft. Nach einer herzlichen Begrüßung bleibt noch genügend Zeit zu einem kleinen Orientierungsspaziergang, ehe dann am Abend das erste Menue aufgetischt wird, das allen über die Maßen mundet.
Gordes, Kloster Senanque, Roussillon
Nach einem sensationellen Frühstück mit allen Genüssen, die die Provence zu bieten hat , müssen wir eine längere Busfahrt in Kauf nehmen, um zu den malerischen, oft als schönste Dörfer Frankreichs ausgezeichneten Orten im Luberon zu gelangen.
Zunächst machen wir am legendären Fotostopp vor Gordes Halt, um dieses Städtchen, das sich auf spektakuläre Weise an den Berg krallt ("Village perche"), ausgiebig zu bestaunen, ehe wir auf sehr engen Straßen zum Kloster Senanque gelangen, das inmitten von zart blühenden Lavendelfeldern in der Stille eines abgeschiedenen Tales thront. Die Kombination von harmonischem Sakralbau und leuchtendem lila Naturwunder zieht uns alle in ihren Bann, zumal das wieder von Mönchen bewohnte Kloster immer noch die strenge, asketische Haltung der Zisterzienser ausstrahlt. Dass die Mönche neben dem Beten und der Arbeit auch noch einen guten Geschäftssinn aufweisen, können wir dann im Klosterladen erfahren, in dem es alle erdenklichen Lavendel-Produkte zu kaufen gibt.
Um uns zu stärken und der großen Mittagshitze zu entfliehen, nehmen wir dann das dritte Highlight dieser idyllischen Gegend in Angriff. Über verschlungenen Wegen fahren wir nach Roussillon. Wir stoppen nicht am fast zwei Kilometer entfernten Busparkplatz, sondern steigen am nahe gelegenen PKW-Parkplatz aus und suchen uns ein schattiges Plätzchen in einem der zahlreichen Restaurants. Und erst am Nachmittag wandern wir über den berühmten Ockerpfad vorbei an in allen Farben leuchtenden Felswänden . Da es seit vielen Tagen nicht geregnet hat, muss sich niemand vor schwer zu entfernende Flecken fürchten und so steht dem Erleben dieser bizarr anmutenden Landschaft nichts im Wege.
Arles, St.Remy, Les Baux
Am Morgen lässt sich die Gruppe von Mohamed, unserem jugendlichen Busfahrer, in die Innenstadt von Arles fahren, um den Unesco-Weltkulturerbestätten und dem extremen Leben des berühmten Malers Vincent van Gogh nachzuspüren. Zuerst geht es zum Hotel Dieu, dem ehemaligen Krankenhaus, in das Vincent van Gogh eingeliefert wurde, nachdem er sich im Streit mit seinem Malerkollegen Gauguin ein Ohr abgeschnitten hatte, das er in eine Serviette gehüllt seiner Lieblingsprostituierten zum Geschenk machte. Bei diesem Aufenthalt entstanden dann Bilder vom schönen Innenhof mit seinen geschmackvollen Blumenrabatten, der im Laufe der Zeit ein ganz anderes Aussehen bekam und erst spät wieder nach den Bildern van Goghs gestaltet wurde.
Dann gelangt die Gruppe zum großen zentralen Platz, dem Place de la Republique, der Zugang zum Rathaus mit seiner kunstvollen Decke und einer Kopie der betörenden Venus von Arles bietet und schließlich den Blick auf eines der schönsten Kirchenportale der Menschheit freigibt. Die Kathedrale St. Trophime zeigt den hoch über dem Eingang thronenden Weltenrichter Christus, der den Zug der Gerechten in Abrahams Schoß kontrolliert und sich beim Anblick der Verfluchten nicht sehr gnädig erweist.
Nebenan betreten wir den Klosterbereich von St. Trophime und führen uns den berühmten Kreuzgang zu Gemüte, der seiner langen Bauzeit wegen jeweils zwei romanische und zwei gotische Seiten aufweist und durch die Doppelsäulen mit den herrlichen Figurenkapitellen vor allem im älteren Teil sehr elegant wirkt. Da die Gruppe dieses mittelalterliche Kleinod ganz für sich alleine hat, stellt sich eine fast magische Stimmung ein.
Als nächstes wenden wir uns der römischen Vergangenheit von Arelate zu, besuchen das Theater, von dem nicht mehr allzu viel erhalten ist, weil es über Jahrhunderte als Steinbruch für nachfolgende Gebäude missbraucht wurde. Trotzdem lassen die wuchtigen Zuschauerränge, die einmal über 20000 Menschen beherbergen konnten, die ehemalige Größe dieses Bauwerkes erahnen. Und auch die Akustik ist noch intakt, was der Gruppe durch den Vortrag eines Hölderlin-Gedichtes demonstriert wird. Und dann sind wir schon an der Arena mit ihren 60 großen Arkadenbogen angekommen, die in der Römerzeit als blutige Veranstaltungsstätte diente, im Mittelalter die gesamte Stadt beherbergte und heute der Ort zahlreicher Stierkämpfe unterschiedlicher Prägung ist.
Nach der Mittagspause besteigen wir wieder den Bus von Mohamed und kurven nach St. Remy. Dort beschließen wir unsere Antikenschau mit der Besichtigung des Kenotaphs der Enkel des großen Augustus und eines kleinen Triumphbogens, ehe wir unsere Van Gogh-Studien fortsetzen und uns in die nahe gelegene Nervenklinik von St. Paul de Mausole begeben, in die sich der sensible Künstler selbst eingewiesen hat. Wir sehen seine beiden Zimmer, aber auch Arzt- und Behandlungsräume sowie den schönen Klostergarten.
Nach so vielen Stunden in der großen Hitze tauchen wir nun endlich ein in die kühlen Gefilde der Bauxit-Höhlen, die durch ein Lichtspektakel, das sich dem berühmten Maler Picasso und der nicht weniger bekannten Künstlerin Frida Kahlo widmet, wundervoll ausgeleuchtet werden.
Und zum Schluss schaffen wir es in das pittoreske, hoch in den Alpilles gelegene Dorf Les Baux , in dem allerdings niemand aus der Gruppe noch bis zum höchsten Punkt, den Wehrtürmen der Burg aufsteigen will.
Aix–en–Provence
Heute statten wir dem ehemaligen Zentrum der Provence, der eleganten, mit viel Kultur getränkten Stadt Aix unseren Besuch ab. Mit Hilfe der örtlichen Reiseleiters Michael heften wir uns zunächst auf die Spuren des berühmten Sohnes der Stadt, des Malers Paul Cezanne. Wir erfahren im Mazarin-Viertel viel über sein Leben und den Ort seiner ersten künstlerischen Schritte, kommen auch am ehemaligen Hutgeschäft seines Vaters vorbei, ehe wir durch eine sehr schmale Passage die Altstadt erreichen. Dort lustwandeln wir über verschiedene lebhafte Märkte, bewundern das Rathaus mit dem Uhrenturm und beenden die Tour im altehrwürdigen dunklen Gemäuer der Kathedrale St. Saveur, in der uns Michael noch den antiken Ursprung der Kirche erklärt.
Wieder alleine wollen wir noch dem berühmten Gemälde "Maria im Dornbusch" einen Besuch abstatten, müssen aber mit einer Kopie Vorlieb nehmen und an dieser die Entstehungsgeschichte (schuld waren die mandelförmigen Augen der schönen Königin Jeanne) der Callisons zu Gehör bringen, der köstlichen Spezialität von Aix. Danach haben dann alle die Möglichkeit, die Stadt der vielen Brunnen auf eigene Faust zu erleben.
Und dann ist es Zeit, den Einsatz und Durchhaltewille der inzwischen schon zu einer mit großem Teamgeist zusammengewachsenen Gruppe zu würdigen. Dies geschieht mit einer Einladung der Firma EBERHARDT REISEN zu einem typischen französischen Picknick. Zwar muss aufgrund der extremen Hitze auf die anfälligen Pasteten verzichtet werden, doch die mehr als zehn verschiedenen Käse- und die unterschiedlichsten Olivensorten von den eben noch besichtigten Märkten in Aix und der obligatorische Rose-Wein reichen aus, um das südfranzösische Savoir vivre zu erzeugen.
Ziemlich beschwingt geht es relativ früh zurück nach Arles, was uns die Möglichkeit bietet, bei der Stadtankunft den bisher unbeachteten modernen Luma-Komplex anzuschauen. Doch leider kann Mohamed an diesem futuristischen Bauwerk des Stararchitekten Frank Gehry nicht parken, sodass uns nur ein kurzer Moment bleibt, um uns dieses Aluplatten-Monster zu Gemüte zu führen.
Camargue
Nach so vielen Stadtbesichtigungen wollen wir heute der Natur den Vorzug geben und in die Landschaft des Rhonedeltas, in die Camargue eintauchen. Zuerst lassen wir uns von Mohamed zu einem der Brackwasserseen in der Nähe von Le-Grau-du-Roi fahren, an dem fast immer rosarote Flamingos zu sehen sind, und werden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Und dann ist es nicht weit nach Aigues Mortes, dem Inbegriff einer mittelalterlichen Stadt. Umgeben von einer vollständig intakten, trutzigen Stadtmauer diente sie einst dem französischen König Ludwig IX., dem Heiligen, als Ausgangspunkt für seine Kreuzzüge. Auf die obligatorische Stadtführung, die am zentralen Platz mit der Statue des Königs endet, lässt der Reiseleiter für die Wissbegierigen noch einen Rundgang durch den Tour Constance und über die Stadtmauer folgen, was in der zur Verfügung stehenden Zeit gut zu schaffen ist.
Erholt von der anschließenden Busfahrt durch das abwechslungsreiche Schwemmland mit den weißen Pferden und den schwarzen Stieren können sich alle dem nächsten Höhepunkt des Tages zuwenden. Im legendären Küstenort Stes. Maries-de-la-Mer besuchen wir zunächst die schroffe, burgähnliche Wehrkirche, die einige Reliquien mit den entsprechenden Geschichten für uns bereithält. Die der beiden Marien sind hoch oben in der Kapelle für uns nicht zu erreichen, doch die der schwarzen Dienerin Sara können wir in der Krypta in Augenschein nehmen. Sie, die Heilige der „Gitanes“, der Sinti und Roma, wird zweimal im Jahr in einer vielbeachteten Prozession durch die Stadt und durch das Meer getragen. Und dass sie und die beiden Marien helfen können, bezeugen die vielen, oft sehr aufwändig gestalteten Votivgaben, die überall in der Kirche zu sehen sind.
Am späten Mittag ist es nun wichtig, sich vor der großen Hitze zu schützen. Am naheliegendsten ist da wohl ein Bad im für die Jahreszeit schon warmen Mittelmeer , was die Hälfte der Gruppe unter Aufsicht des Reiseleiters unternimmt. Der andere Teil der Gäste wird von Mohamed zum in der Nähe gelegenen Ornithologischen Park gefahren, der eine große Anzahl von prächtig gefiederten Vögeln offeriert.
Zum Essen landen wir dann alle in einer Manade, einem typischen Stierzuchtbetrieb in der Camargue. Nach der Begrüßung durch die deutschstämmige Besitzerin fahren wir mit dem Traktor zur Stierherde, die von drei weiblichen „Gardians“, den provencalischen Cowgirls, erfolgreich bearbeitet wird. Und danach lassen wir uns das schmecken, was man mittels dieser Tiere alles herstellen kann: Stiersalami, Stierpastete, Stiergulasch – alles sehr lecker und mit einer großen Portion Wein gut zu schlucken.
Avignon
Da auch heute die Sonne unbarmherzig vom Himmel brennt, wenden wir uns nach der Ankunft in Avignon sogleich dem großen, düsteren Papstpalast zu, der seiner dicken Mauern und seiner hohen Räumen wegen etwas angenehmere Temperaturen verspricht. Ausgestattet mit einer App auf unseren Handies, die vielen anfangs noch Schwierigkeiten bereiten, kämpfen wir uns durch die riesigen Räume, erfreuen uns zwar an den dargebotenen Informationen, werden aber durch dieses neue Vermittlungsmedium ziemlich abgelenkt, um den Palast und seine Geschichte wirklich authentisch zu genießen.
Danach ist es Zeit, zügig durch die Innenstadt zur äußerlich ziemlich hässlichen Markthalle (die Stirnseite ist durch ein grünes Pflanzenmeer gut verdeckt) zu gelangen, um sich an dem überquellenden Angebot zu laben und den mittäglichen Hunger in dem wohltemperierten Bau zu stillen, ehe noch die Zeit bleibt, die Stadt auf eigene Faust zu durchstreifen.
Im Anschluss wenden wir uns dann dem zweiten Weltkulturerbe zu, dem legendären, viel besungenen Brückentorso von St. Benezet zu. Mit Hilfe eines Audio-Guides können die Gäste alles über diese berühmte Brücke mit ihren Kapellen erfahren, sind aber dadurch so vereinzelt, dass das bekannte Kinderlied ("Sur le pont...") gesungen nicht in der Gruppe zum Besten gegeben werden kann.
Am Nachmittag machen wir uns dann auf, die Krone römischer Ingenieurskunst zu begutachten, indem wir zum berühmten Aquaedukt, der Pont-du-Gard , fahren. Flankiert von uralten Olivenbäumen überspannt sie das Tal des Gardons mit ihren zahlreichen , in drei Reihen gegliederten Bogen. Und viele machen mit, um hinauf zum eigentlichen Wasserlauf zu steigen und durch die Macchie zu einem schönen Aussichtspunkt zu gelangen, von dem aus das Aquaedukt in einem ganz anderen, viel wärmeren Licht erscheint.
Cassis, Calanques, Marseilles
Nachdem die Koffer gepackt und die Getränkerechnungen beglichen sind, müssen wir unser liebgewonnenes Hotel heute verlassen. Dieses Hotel ist etwas ganz Besonderes: Der Eigentümer kocht selbst und zaubert aus seiner Küche exzellente Kost. Das Frühstück (in Frankreich eher mager) bietet alles, was das Herz begehrt, und das Ambiente ist familiär bei bestem vorzüglichem Service. Schweren Herzens reisen wir in Richtung unseres Abflughafens Marseille.
Doch zuerst steht noch ein weiteres Highlight an, die Bootsfahrt entlang der Calanques. In Cassis können wir ob der Enge, die im Touristendorf herrscht, mit unserem Bus nicht operieren, sodass wir auf einen kitschigen Touristenzug angewiesen sind. Der bringt unser zu unserem Ausflugsboot, das uns zu drei malerischen Buchten im Nationalpark führt, den sogenannten Calanques. Bei herrlich frischem Seewind lassen wir uns von diesen fjordartigen, azurblauen Wasserstraßen bezaubern.
Danach geht es per Bus nach Marseille, wo wir auf unseren örtliche Reiseleiter Simon treffen, der uns seine Stadt zeigt. Dabei muss Mohamed Schwerstarbeit verrichten, um sein tonnenschweres Fahrzeug durch kleine Gassen hoch zur imposant gelegenen Kathedrale Notre Dame zu bugsieren. Dort können wir die "Bonne mere", die gute Mutter, die alle Einwohner von Marseille innig lieben, bewundern und den phantastischen Ausblick nach allen Seiten genießen, ehe wir unsere Stadtrundfahrt mit einem Zug durch die Altstadt beschließen .
Und erst danach checken wir in unserem neuen Hotel, einem gediegenen, großzügigen Übernachtungstempel ein, ehe wir dann am Abend nach einem kleinen Stadtspaziergang in ein bekanntes, mit einer Buchhandlung kombiniertes Restaurant einkehren. Dort erwartet uns in historischem Ambiente ein vorzügliches Abschiedsessen mit viel Wein, dem die aufrichtige Dankesrede des Reiseleiters folgt. Vorbei an übervollen Restaurants und lebhaftem Treiben schlendern wir an diesem herrlichen schönen Sommerabend zufrieden zu unserem Hotel zurück.
Rückreise
Während einige Wenige sich noch nicht von Marseilles trennen können, startet das Gros der Gruppe am späten Mittag zum Airport. Um die relativ lange Wartezeit etwas zu verkürzen, macht man das, was man auf einem Flughafen unternehmen kann. Man isst, man kauft im Duty Free Shop ein und man lässt vor allem noch einmal die Erlebnisse der Woche im Gespräch aufleben. Und dann geht es mit dem Frankfurt-Flieger los: Man umarmt sich , schüttelt sich die Hände, wünscht eine gute Weiterfahrt und erst lange später im Flugzeug nach Stuttgart merkt der Reiseleiter dann, dass diese schöne, sehr harmonische Reise zu Ende gegangen ist.
Liebe Gäste, liebe EBERHARDT-Reisefreunde - ich möchte mich bei Ihnen allen für die schöne, interessante und unterhaltsame Woche herzlich bedanken. Es hat mir wirklich Spaß bereitet, Ihnen diese herrliche Region etwas näher zu bringen und Ihnen ein bisschen Ferienstimmung zu vermitteln. Bedanken will ich mich auch für die vielen angenehmen Gespräche mit Ihnen.
Bleiben Sie gesund und freuen Sie sich auf die nächste Reise, vielleicht wieder mit EBERHARDT Travel und vielleicht auch mal wieder mit mir. Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Ihr Ekkehard Villing
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