Inselhüpfen auf den Kykladen
Reisebericht: 30.04. – 10.05.2026
Von Santorins Kratern über das Blau von Naxos, Paros und Mykonos bis zur Akropolis: Unsere Reise voller stürmischer Abenteuer, göttlicher Genüsse und der Magie der Kykladen
Ein Reisebericht von
Sabine C. Seifert
30.04.2026 – Der Beginn unseres Inseltraums
Endlich war es so weit: Unsere gemeinsame Reise nach Griechenland startete! Aus Berlin und anderen Städten flogen wir der Sonne entgegen, bis wir schließlich auf Santorin, der Perle der Kykladen, landeten. In Perissa bezogen wir unser Hotel Santo MiraMare. Schon bei der Ankunft in Athen bekamen wir Verstärkung: Unsere lokale Reiseleiterin Sevastianna stieß zu uns und begleitete uns auf das letzte Stück Weg.
Zwar begrüßte uns die Insel mit einer ordentlichen Brise, aber der strahlende Sonnenschein und der erste Blick auf die Poolanlage ließen sofort Urlaubsstimmung aufkommen. Vor dem Abendessen fanden wir uns alle an der Poolbar zu einer ersten Kennenlernrunde zusammen. Bei einem Willkommensgetränk wurden erste Kontakte geknüpft und die Vorfreude auf die kommenden Tage war förmlich greifbar. Das anschließende Buffet am Abend war dann der perfekte kulinarische Auftakt – es fehlte uns an nichts.
01.05.2026 – Von der Stille des Klosters bis zum Zauber Oias
Der erste Mai begann mit einer kleinen Sorge und einer organisatorischen Herausforderung: Unsere Reisebegleitung Sabine kümmerte sich um einen erkrankten Gast, der leider ins Krankenhaus musste, während Sevastianna derweil die gesamte Gruppe übernahm, sodass sie wie geplant in den ersten großen Erkundungstag starten konnten.
Trotz des kräftigen Windes und anfangs noch Wolken verhangenen Himmel führte uns unser erster Weg hinauf zum Profitis Ilias, dem höchsten Punkt der Insel auf etwa 567 Metern. Dort oben besuchten wir neben dem gleichnamigen Kloster aus dem 18. Jahrhundert eine kleine Kapelle. Der Ort der absoluten Stille der Mönche ist voller Geschichten, aber touristische Besucher sind nicht zugelassen. Wussten Sie, dass sie während der osmanischen Zeit dort eine geheime Schule betrieben, um die griechische Sprache und Kultur zu bewahren? Doch der Weg hier herauf hatte sich gelohnt, denn der Panoramablick über das tiefblaue Meer und die sichelförmige Insel war von hier oben einfach gigantisch.
Danach ging es weiter in das charmante Dorf Pyrgos. Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Sicherheit der Inselbewohner verknüpft: Nachdem die alte Festung auf dem Skaros-Felsen bei Imerovigli aufgrund schwerer Erdbeben als Sitz der Verwaltung aufgegeben werden musste, übernahm Pyrgos die Rolle als Hauptstadt der Insel und blieb dies bis zum Jahr 1800.
Der Ort hat sich seinen ursprünglichen Charakter wunderbar bewahrt, da er vom großen Tourismusrummel ein Stück weit verschont blieb. Wir schlenderten durch die engen, verwinkelten Gassen hinauf zum Kastelli, einer der fünf mittelalterlichen Festungen der Insel, die zum Schutz gegen Piraten errichtet wurden. Der Kontrast zwischen den schneeweiß getünchten Häusern und dem dunklen, rauen Lavagestein der Umgebung ist hier besonders eindrucksvoll und macht die bewegte Geschichte Santorins fast greifbar.
Von Pyrgos aus bot sich uns ein ganz neuer Blickwinkel. Während Orte wie Fira und Oia direkt am Abgrund kleben, thront Pyrgos auf dem höchsten Punkt der Insel und erlaubt es, den gesamten Kraterrand wie auf einer Panorama-Landkarte zu überblicken.
Den krönenden Abschluss des Tages bildete trotz allem Oia, an der Nordspitze. Mit seinen ikonischen blauen Kuppeln und den Häusern, die wie Schwalbennester an den Klippen kleben, hat der Ort uns alle verzaubert. Wir hatten genügend Zeit, um ausgiebig durch die Gassen zu bummeln, in den kleinen Galerien zu stöbern oder uns bei einem leckeren Essen in einer der Tavernen verwöhnen zu lassen. Besonders faszinierend sind hier die „Yposkafa“ – die traditionellen Höhlenhäuser, die direkt in den weichen Bimsstein gegraben wurden. Sie sind ein Meisterwerk der Inselarchitektur, da sie im Sommer kühl bleiben und im Winter die Wärme speichern.
Nach diesem ereignisreichen Tag kehrten wir am späten Nachmittag mit unzähligen Fotos und Eindrücken zurück in unser Hotel in Perissa, um den Tag vor dem Abendessen bei einem Bummel über Strandpromenade und einem Drink gemeinsam entspannt ausklingen zu lassen. Das besondere Lebensgefühl Santorins hat uns nun endgültig gepackt!
02.05.2026 – Windige Höhen, antike Weisheiten und dionysische Genüsse
Die Nacht war unruhig, der Wind rüttelte an den Fensterläden und es hat sogar geregnet – ein eher seltenes Schauspiel hier auf der Insel. Doch das hielt uns nicht auf, auch wenn uns die Böen heute wirklich alles abverlangten. Unser Ziel am Vormittag war Alt-Thira, die antike Stadt auf dem steilen Bergrücken des Mesa Vouno. Oben angekommen blies der Wind teilweise so heftig, dass wir uns fast gegenseitig festhalten mussten, um standhaft zu bleiben! Während ein Teil der Gruppe mutig die Ausgrabungen erkundete, entschieden sich einige von uns, lieber am Fuße der Stätte zu bleiben und warteten bei anregenden Gesprächen im Windschatten auf die Entdecker.
Sevastianna erklärte uns dort oben etwas sehr Tiefgründiges: In den antiken Stätten wie dieser wurde fast immer zwei ganz unterschiedlichen Gottheiten gehuldigt – Apollo und Dionysos. Apollo steht für das Licht, die Logik und die Ordnung, während Dionysos der Gott des Weines, der Freude und der Spontanität ist. Diese beiden Götter werden oft als Symbole für das menschliche Leben an sich gesehen. Sevastianna betonte, dass man im Leben beides braucht: Die Klarheit des Apollo, um seinen Weg zu finden, aber eben auch die dionysische Lebensfreude, um den Moment zu genießen. Es war, als ob der Wind uns diese Lektion direkt in die Seele pusten wollte.
Anschließend fuhren wir in die Inselhauptstadt Thira (Fira). Als erstes besuchten wir hier das Prähistorische Museum, das uns mit seinen Funden tief in die frühe Geschichte Santorins entführte, uns mit Brustwarzenkeramik und Wandfresken mit blauen Affen überraschte. Im Anschluss blieb Zeit durch die belebten weißen Gassen zu bummeln. Dort wärmte uns endlich auch wieder etwas die Sonne. Und es war wie eine kleine Fügung: Fast die gesamte Gruppe traf sich bei der individuellen Erkundung zufällig im Restaurant Dionysos wieder – ein herrlicher Moment der Spontanität, ganz im Sinne des Gottes, den wir kurz zuvor besprochen hatten!
Am Nachmittag widmeten wir uns ganz praktisch der dionysischen Seite und besuchten das Weingut Artemis Karamolegos. Hier hielten wir es mit der Spontanität und begannen direkt mit der Verkostung: Wir probierten vier hervorragende Weine – einen Weißen, einen Rosé, einen Roten und einen edlen Süßwein. Erst danach führte uns der Weg durch den kühlen Weinkeller und in den wunderschönen Garten des Gutes.
Natürlich kam dabei auch die Sprache auf die ungewöhnliche Anbaumethode in Körben. In unserer Runde gab es durchaus zweifelnde Nachfragen, ob die kargen, am Boden kauernden Pflanzen tatsächlich eine so ergiebige Ernte abwerfen wie gesagt wurde. Nun, auch wenn über die Menge weiter gerätselt wird, die Qualität im Glas war überzeugend.
Den Abend ließen wir schließlich wieder bei einem gemeinsamen Essen in angenehmer Atmosphäre und danach an der Poolbar ausklingen.
03.05.2026 – Windgepeitschte Caldera und das verborgene Herz von Emporio
Eigentlich stand heute das Abenteuer Vulkan auf dem Plan, doch die Ägäis hatte ihre eigenen Vorstellungen. Wegen der stürmischen See wurden alle Bootsausflüge in der Caldera abgesagt – die „Neue Verbrannte“ Insel musste also ohne uns auskommen. Doch wie wir schon von Sevastianna gelernt hatten: Wo Apollo uns den Weg versperrt, öffnet Dionysos eine neue Tür zur Spontanität!
Während einige den Vormittag für sich nutzten, um in Perissa am Strand die Seele baumeln zu lassen, lud Sabine zu einem gemeinsamen Spaziergang in das nahegelegene Örtchen Emporio ein. Und was für eine gute Entscheidung das war! Emporio ist das größte Dorf der Insel und hat sich seinen ursprünglichen Charakter fast vollständig bewahrt. Es wirkt wie eine Zeitreise.
Wir schlenderten durch die wirklich engen, verwinkelten Gassen des „Kastelli“, der mittelalterlichen Festungsanlage. Im krassen Gegensatz zum Trubel in Fira oder Oia begegneten uns hier kaum Menschen; wir hatten die weiß getünchten Gänge fast für uns allein. Es war herrlich friedlich. In einer der schmalen Gassen entdeckten wir einen kleinen Souvenirladen, in dem uns eine superfreundliche Frau mit strahlendem Lächeln begrüßte – ein schöner Moment echter griechischer Gastfreundschaft.
Unsere Entdeckertour führte uns schließlich zu einem gemütlichen, geöffneten Café. Der Besitzer, ein sehr netter und geschäftstüchtiger junger Grieche, tischte uns ordentlich auf. Noch einmal wurden die köstlichen Tomatokeftedes (frittierte Tomatenbällchen) bestellt, aber auch würziger Fetakäse, Omelett und der typisch cremige griechische Joghurt durften nicht fehlen. Dazu gab es ein kühles einheimisches Bier oder einen starken griechischen Kaffee.
Der Rückweg zum Hotel führte uns gemächlich durch die dörfliche Landschaft, vorbei an kleinen Gärten und Feldern. Den Nachmittag verbrachte jeder auf seine eigene Art und Weise – ob beim Lesen, Ausruhen oder einem letzten Windspaziergang am Meer. Am Abend fanden wir uns alle wieder zum gemeinsamen Abendessen zusammen und stellten fest: Manchmal sind es gerade die ungeplanten Wege, die die schönsten Erinnerungen hinterlassen.
04.05.2026 – Von minoischer Pracht zum Tor von Naxos
Nach den unruhigen und windgepeitschten Tagen auf Santorin meinte es der Wettergott heute endlich gut mit uns. Die Böen legten sich, die See glättete sich, und so konnten wir den Abschied von der Vulkaninsel ganz entspannt angehen – ein Umstand, der vor allem denjenigen unter uns sichtlich guttat, die mit der Seefahrt sonst eher auf Kriegsfuß stehen.
Bevor wir jedoch an Bord gingen, entführte uns Sevastianna in die Welt von Akrotiri. Es ist eine Sache, Ruinen zu sehen, aber eine ganz andere, wenn eine studierte Archäologin wie sie vor einem steht und die Steine zum Sprechen bringt. Mit einer Begeisterung, die ansteckend wirkte, erklärte sie uns das ausgeklügelte Leben der Minoer. Besonders beeindruckend war das prähistorische Entwässerungssystem: Dass man hier bereits vor über 3.500 Jahren über fließendes Wasser und funktionstüchtige Toiletten im Haus verfügte, lässt die heutige Technik in einem ganz anderen Licht erscheinen. In den kühlen Gassen der Ausgrabung zeigte sie uns zudem die riesigen Tonamphoren, die Pithoi, und erklärte das logistische Geschick der Bewohner, die darin Öl und Wein so lagerten, dass sie vor Hitze und Verderb geschützt waren.
Die Überfahrt am Nachmittag war pures Kinoprogramm. Während Santorin langsam am Horizont verschwand, tauchten vor uns die massiven Umrisse von Naxos auf. Die Portara, das riesige Marmortor auf der Halbinsel Palatia, stand wie ein monumentaler Gruß der Antike vor uns. Ob man es nun als den unvollendeten Apollon-Tempel betrachtet oder – ganz der Legende nach – als den „Palast der Ariadne“, die hier einst auf ihren Retter Dionysos wartete: Der Anblick markierte eindrucksvoll unseren Einzug in eine neue Inselwelt.
Für die kommenden Tage wurde das Alkyoni Beach Hotel unser Zuhause, wo uns die sanfte Meeresbrise direkt am Strand umspielte. Man merkte dem Haus jedoch an, dass die Saison gerade erst begonnen hat – hier und da blinzelte uns der Hotelalltag noch etwas verschlafen entgegen. So erforderte das warme Wasser in manchen Zimmern noch ein wenig griechische Geduld, bis es sich vollständig auf unsere Anwesenheit eingestellt hatte.
Doch die herzliche Bewirtung machte dies wett: Das Abendessen bot uns genau die ehrliche griechische Küche, die man sich nach so einem Tag wünscht. Unser Kellner Manolis sorgte mit seiner aufmerksamen und freundlichen Art dafür, dass sich jeder sofort willkommen fühlte. Besonders das goldgelb überbackene Pastitsio – dieser wunderbare Auflauf aus Röhrennudeln, Hackfleisch und einer knusprigen Käseschicht – war ein Genuss. Bei diesen regionalen Spezialitäten ließen wir die Ereignisse des Tages Revue passieren und genossen die Ruhe nach dem Sturm.
05.05.2026 – Mykonos: Windmühlen, Ikonen und ein farbenfrohes Labyrinth
Nach einer erholsamen ersten Nacht auf Naxos – das warme Wasser war heute schon deutlich kooperativer – zog es die gesamte Gruppe hinaus aufs Meer. Dass die Schnellfähre uns mittags mit einer guten halben Stunde Verspätung abholte, nahmen wir traurig hin; aber wir waren nun mal im griechischen Zeitgefüge angekommen, in dem die Uhren ohnehin etwas anders ticken.
Unser Ziel war Mykonos, das schillernde Herz der Kykladen. Unser Weg führte uns zunächst ins Inselinnere nach Ano Mera, wo das Kloster Panagia Tourliani auf uns wartete. Die Ruhe hinter den dicken Klostermauern bildete einen wunderbaren Kontrast zum lebhaften Treiben der Insel. Besonders die Ikonensammlung und die prachtvolle, handgeschnitzte Ikonostase aus dem 18. Jahrhundert ließen uns innehalten. Der Marmorbrunnen im Innenhof und der kunstvolle Glockenturm boten zudem klassische Fotomotive, die die kultivierte Eleganz dieser Insel perfekt einfingen.
Anschließend tauchten wir in das Labyrinth der Chora, Mykonos-Stadt, ein. Wir spazierten vorbei an der strahlend weißen Kirche Paraportiani, die wie eine Skulptur aus Zuckerguß wirkt, direkt hin zu den berühmten Wahrzeichen der Insel: den markanten Windmühlen, die stolz über dem Meer thronen. Ein besonderer Blickfang waren die bunten Holzbalkone und Fassaden der Häuser direkt am Wasser – das berühmte „Little Venice“, wo das Meer fast bis an die Haustüren schwappt.
In der freien Zeit genossen wir es, durch die schmalen Gassen zu bummeln. Hier leuchtet nicht nur das Weiß der Wände, sondern das bunte Leben in Form von roten und blauen Türen oder leuchtenden Blumenmeeren.
In der freien Zeit genossen wir es, durch die schmalen, weißgetünchten Gassen zu bummeln, in denen jede Bougainvillea-Blüte noch intensiver zu leuchten scheint. Einhellig waren wir uns einig: Wir hätten gern noch viel mehr Zeit gehabt, um jede versteckte Ecke dieser Insel zu erkunden, doch die Fähre am späten Nachmittag wartete unerbittlich auf uns.
Zurück auf Naxos wurden wir jedoch gebührend entschädigt. Pünktlich zum Abendessen bot uns die Natur wie schon gestern das Schauspiel, das jede Kamera an ihre Grenzen brachte: Ein spektakulärer Sonnenuntergang tauchte den Horizont in alle erdenklichen Rot- und Orangetöne. Bei diesem Licht schmeckte der Wein und das Essen gleich noch einmal so gut.
06.05.2026 – Marmorne Tempel, süße Sünden und der Blick vom Kastro
Heute widmeten wir uns ganz dem Herzstück unserer Gastgeberinsel. Unser Weg führte uns zunächst ins Hinterland zum Demeter-Heiligtum bei Sangri. Es ist ein Ort von fast schon andächtiger Stille. Dass der Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. fast vollständig aus dem glänzenden naxischen Marmor errichtet wurde, macht ihn architektonisch so wertvoll: Er gilt als einer der wichtigsten Vorläufer des Parthenon in Athen, da hier bereits früh Elemente der klassischen dorischen Ordnung in Marmor umgesetzt wurden. Besonders Sevastiannas Erklärungen zur Konstruktion – aus hauchdünnen Marmorplatten – ließen uns über die Präzision der antiken Steinmetze staunen.
Unsere Fahrt führte uns weiter durch die üppige Tragea-Hochebene, immer im Schatten des imposanten Zas. Mit 1004 Metern ist er nicht nur der höchste Berg der Kykladen, sondern auch ein Ort voller Mythologie. Sein Name leitet sich von Zeus ab; die Legende besagt, dass der Göttervater in einer Höhle an seinen Hängen aufgezogen wurde. Die fruchtbaren Täler zu seinen Füßen, in denen uralte Olivenhaine und Weingärten gedeihen, bildeten eine herrliche Kulisse für unsere Reise nach Chalki.
In Chalki schien die Zeit ein wenig langsamer zu laufen. Nach einem Blick in den duftenden Kräuterladen widmeten wir uns der lokalen Spezialität: dem Kitron. Wir lernten, dass dieser Likör nicht aus Zitronen, sondern aus den Blättern des Zedratbaumes gewonnen wird. Nach der Verkostung des aromatischen Destillats ließen wir uns in der örtlichen Bäckerei nieder. Zwischen den Einheimischen, die gelassen ihren Kaffee tranken und sich beim Kartenspiel vertieften, bestellten wir die lokale Berühmtheit: Galaktobureko. Auch wenn der Name für uns ein kleiner Zungenbrecher war, schmolz der Grießpudding im knusprigen Filoteig förmlich auf der Zunge – ein kulinarisches Erlebnis, das man in dieser Qualität wohl nur hier findet.
Nach einem Abstecher in das marmorgedeckte Bergdorf Apiranthos mit seinen venezianischen Türmen, erreichten wir am Nachmittag die Inselhauptstadt Naxos-Stadt. Unser Ziel war die Portara. Ergänzend zu unseren gestrigen Eindrücken erfuhren wir, dass dieses massive Tor so präzise ausgerichtet ist, dass es exakt auf die Insel Delos, den Geburtsort von Apollon, blickt. Die schiere Größe der Marmorblöcke, die jeweils tonnenschwer sind, lässt einen ehrfürchtig werden, wenn man direkt darunter steht.
Zum Abschluss des Tages erkundeten einige von uns mit Sevastianna noch das Kastro, das venezianische Viertel, das hoch über der Stadt thront. Die engen, gewundenen Gassen des Kastells mit ihren Wappen über den Türen erzählen noch heute von der Zeit, als das Herzogtum Naxos ein Zentrum der Ägäis war. Danach blieb uns noch Zeit, in das bunte Treiben der Hafenpromenade einzutauchen, bevor wir – erfüllt von den Eindrücken aus Antike, Mittelalter und naxischer Backkunst – den Heimweg antraten.
07.05.2026 – Die „Kirche der 100 Türen“ und das azurblaue Glück auf Paros
Am Morgen hieß es schon Abschied nehmen von Naxos. Mittlerweile fühlten wir uns alle bereits wie erfahrene Inselhüpfer: Sobald die Fähre, diesmal pünktlich, im Hafen anlegte, saß jeder Handgriff. Souverän verstauten wir unser Gepäck im Bauch des Schiffes und sicherten uns die besten Plätze an Deck, um die kurze, aber herrliche Überfahrt bei strahlendem Sonnenschein zu genießen.
Im Hafen von Parikia empfing uns bei gleißendem Licht unser neuer Busfahrer Eduard. Nachdem das Gepäck im Bus verpackt war, erkundeten wir die Inselhauptstadt zu Fuß. Unser erster Weg führte uns zu einem der bedeutendsten Bauwerke der gesamten christlichen Ägäis: der Panagia Ekatontapyliani.
Der Name „die hundertertorige Kirche“ ist Programm, auch wenn die Legende besagt, dass man bisher nur 99 Türen gefunden hat – die hundertste soll sich erst öffnen, wenn Konstantinopel wieder griechisch ist. Als wir das Innere betraten, umfing uns eine kühle, ehrwürdige Stille. Besonders beeindruckend sind:
Das Taufbecken: Ein seltenes kreuzförmiges Marmorbecken aus dem 4. Jahrhundert, in dem früher Erwachsene durch vollständiges Untertauchen getauft wurden.
Die antiken Spuren: Sevastianna zeigte uns, wie geschickt antike Säulentrommeln und Kapitelle in den Bau der byzantinischen Kirche integriert wurden – ein architektonisches Recycling auf höchstem Niveau.
Nach so viel Kultur war es Zeit für eine süße Abkühlung. In den verwinkelten Gassen von Parikia gönnten wir uns das berühmte griechische Eis von Dodoni. Die Traditionsmarke ist in ganz Griechenland für ihre erstklassigen Milchprodukte bekannt, und das cremige Eis passte perfekt zu den leuchtend weißen Wänden und den tiefblauen Türen, die das Stadtbild prägen. Wir haben uns zwar schon fast an die kykladische Bilderbuch-Architektur gewöhnt, doch Paros mit seinen blumengeschmückten Winkeln schaffte es trotzdem wieder, uns ein begeistertes „Ah“ und „Oh“ zu entlocken.
Am Nachmittag checkten wir im Paros Bay Hotel ein. Die Lage direkt an einer malerischen Bucht war schlichtweg traumhaft. Während die Mutigen unter uns die ersten Züge im noch recht frischen, aber kristallklaren türkisfarbenen Wasser wagten, genossen andere bei entspannten Klängen in der Strandbar das Panorama oder ließen sich bei einem Küstenspaziergang die Meeresluft um die Nase wehen.
Der krönende Abschluss war das Abendessen im Hotel. Es war ein wahres Fest für die Sinne: Ob zartes Lamm, auf den Punkt gegrilltes Hähnchen-Souvlaki oder frisch gefangener Wolfsbarsch – die Küche verstand es meisterhaft, die Frische der Insel auf unsere Teller zu zaubern. Ein genussvoller Ausklang für unseren ersten Tag auf Paros.
08.05.2026 – Marmor, Oktopus und ein Picknick unter Pappeln
Am heutigen Tag zeigte sich die Ägäis von ihrer sanften, fast schon melancholischen Seite. Unter einem wolkenverhangenen Himmel starteten wir unsere Erkundung im Norden von Paros. Unser erster Stopp war der malerische Hafen von Naoussa, der uns mit authentischem Alltagsleben empfing. Hier erlebten wir das unverfälschte Griechenland: Fischer saßen am Kai und flickten mit stoischer Ruhe ihre gelben Netze, während die älteren Damen im lokalen Kafenion ihren Kaffee genossen und das Dorfgeschehen beobachteten. Ein besonderer Blickfang waren die Oktopusse, die von den Fischern vorbereitet, und dann zum Trocknen durch die Seeluft aufgehängt wurden – ein klassisches Bild, das uns das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ.
Unsere Fahrt führte uns weiter in das grüne Herz der Insel, in das Bergdorf Lefkes. Der Name leitet sich von den vielen Pappeln ab, die den Ort säumen. Wir spazierten durch die weißgetünchten Gassen zur beeindruckenden Agia Triada, deren Glockentürme – wie könnte es anders sein – aus feinstem weißen Marmor gefertigt sind.
Dort erwartete uns Sabine mit einer Überraschung, die uns alle sprachlos machte: Ein liebevoll angerichtetes Picknick voller griechischer Köstlichkeiten durch die richtigen Empfehlungen Sevastiannas. Wir schlemmten uns durch herzhaften Käse und Oliven von Naxos, tunkten frisches Maisbrot in cremigen Hummus und genossen dazu fruchtigen Weiß- und Roséwein. Auch ein süßer Nachtisch durfte natürlich nicht fehlen. Eigentlich hatten wir uns ja vorgenommen, mittags nur eine Kleinigkeit zu essen, um Platz für das fantastische Abendessen im Hotel zu lassen – aber bei diesen Leckereien war jeder gute Vorsatz vergessen!
Pünktlich zum Aufbruch fing es leicht an zu regnen, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Wir steuerten die antiken Steinbrüche von Marathi an. Hier wurde einst der „Lychnites“ abgebaut, der berühmteste Marmor der Antike. Er ist so rein und lichtdurchlässig, dass er für weltberühmte Meisterwerke wie die Venus von Milo oder die Nike von Samothrake verwendet wurde.
Zum Abschluss besuchten wir den Marmorkunsthandwerker Anastasios. Hier zeigte uns Sevastianna, dass der Marmor wirklich Licht bis zu einer Tiefe von mehreren Zentimetern durchscheinen lässt. Anastasio versteht es meisterhaft, die besondere Transparenz des parischen Marmors in seinen Werkstücken zur Geltung zu bringen.
Als wir am späten Nachmittag zurück in unser Hotel kamen, riss der Himmel pünktlich wieder auf und die Sonne ließ sich blicken – gerade rechtzeitig für ein entspanntes Stündchen an der Bucht, bevor wir uns wieder den kulinarischen Genüssen widmeten.
09.05.2026 – Abschied vom Inselparadies und der Glanz der Akropolis
Der Morgen begann so friedlich, wie man es sich nur wünschen kann: Ein letztes Mal genossen wir unser Frühstück im Paros Bay mit dem weiten Blick über das glitzernde Meer, bevor uns der Transfer zum Hafen brachte. Die vierstündige Fährüberfahrt nach Piräus war der perfekte Moment, um die Seele baumeln zu lassen. Während die Silhouette von Paros langsam kleiner wurde, hingen viele von uns ihren Gedanken nach oder ließen in Gesprächen die Höhepunkte der letzten Tage Revue passieren.
Beim Blick über die Reling fragten wir uns: Wie viele Kykladen-Inseln gibt es eigentlich? Es sind insgesamt etwa 210 Inseln, wobei nur 24 von ihnen bewohnt sind. Wir haben in den letzten Tagen nur einen Bruchteil gesehen, doch dieser hat uns bereits völlig verzaubert. Bei strahlendem Sonnenschein nahmen wir Abschied von der Ägäis und steuerten auf das geschäftige Herz Griechenlands zu.
In Piräus angekommen, empfing uns das lebhafte Athen. Doch bevor wir den „heiligen Felsen“ der Akropolis stürmen konnten, gab es einen kurzen Schreckmoment: Bei einem unserer Gäste war das Ticket fälschlicherweise erst auf den 21. Mai ausgestellt. Beinahe wäre er vor den Toren stehen geblieben, doch zum Glück ließ sich schnell eine Lösung finden, sodass wir alle gemeinsam den Aufstieg antreten konnten. Sevastianna führte uns durch die monumentalen Propyläen, das prächtige Eingangstor, und plötzlich standen wir vor dem Parthenon.
Es ist immer wieder überwältigend zu sehen, wie dieses Meisterwerk der Antike über der Stadt thront. Sevastianna erklärte uns die optischen Raffinessen, die die Erbauer nutzten: Keine Linie am Parthenon ist wirklich gerade – alles ist leicht gewölbt, um für das menschliche Auge perfekt symmetrisch zu wirken. Wir bestaunten auch das Erechtheion mit den berühmten Karyatiden, jenen grazilen Frauenstatuen, die anstelle von Säulen das Gebälk des Tempels tragen.
Im Anschluss unternahmen wir eine Stadtrundfahrt durch die Metropole. Vorbei an der Nationalbibliothek, der ehemaligen Universität und dem Parlament erfuhren wir Interessantes über die moderne Geschichte und den Einfluss des bayerischen Königs Otto auf das Stadtbild Athens.
Den krönenden Abschluss unserer Reise bildete der Abend in der Taverne Spilia. Bei authentischer griechischer Livemusik erlebten wir eine besondere Überraschung: Sevastianna begeisterte uns mit ihren Gesangskünsten! Die Musiker waren so angetan, dass sie sie direkt einluden, selbst zum Mikrofon zu greifen. Es war der perfekte Moment, um uns gebührend von Griechenland und unserer fantastischen Reiseleiterin zu verabschieden.
Zurück im Hotel genehmigten wir uns einen letzten gemeinsamen Drink an der Bar. Auch wenn es keine Dachterrasse war, tat das der Stimmung keinen Abbruch – wir stießen auf eine gelungene Reise an und waren uns einig: Man verlässt die Kykladen vielleicht physisch, aber ein Stück von ihnen nimmt man im Herzen mit nach Hause.
10.05.2026 – Ein letzter Spaziergang durch die Götterstadt und Heimreise
Nun hieß es Abschied nehmen von Griechenland, doch bevor uns der Weg zum Flughafen führte, schenkte uns Athen noch einmal einen Vormittag bei herrlichstem Wetter. Da unser Flug erst am Abend startete, blieb uns viel Zeit, die wir bis in den frühen Nachmittag hinein zur freien Verfügung hatten.
Nach einem entspannten Frühstück machte sich ein Teil der Gruppe gemeinsam mit Sabine auf den Weg, um die legendäre Plaka zu erkunden. Wir nahmen die Metro und tauchten direkt in das älteste und wohl charmanteste Viertel Athens ein, das sich wie ein buntes Labyrinth an den Nordosthang der Akropolis schmiegt. Wir schlenderten vorbei an byzantinischen Kapellen und dem berühmten Turm der Winde.
Danach führte uns ein kleiner Abstecher in das Viertel Anafiotika – ein verstecktes Juwel in der Plaka. Mit seinen winzigen weißen Häusern, den blauen Türen und den engen Treppengassen fühlten wir uns für einen Moment direkt zurück auf die Kykladen versetzt. Es war, als hätten die Bauleute von der Insel Anafi ein Stück ihrer Heimat mitten in die Hauptstadt gepflanzt. In den schattigen Gassen der Plaka bot sich die letzte Gelegenheit, noch ein paar Mitbringsel zu erstehen oder in einem der vielen kleinen Cafés einen letzten griechischen Kaffee zu genießen und das bunte Treiben der Stadt zu beobachten.
Am späten Nachmittag war es schließlich so weit: Der Transfer brachte uns zum Flughafen. Während wir am Abend dem Sonnenuntergang und unserer Heimat entgegenflogen, blieben die Koffer zwar schwer von Souvenirs, doch unsere Herzen waren noch viel voller mit den Erinnerungen an weiße Windmühlen, das azurblaue Meer, den Duft von Kitron und die herzliche Gastfreundschaft, die uns auf dieser Reise begleitet hat.
Adio, Ellada!
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