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Entdeckungen in der Lagune von Venedig

Reisebericht: 14.09. – 19.09.2013

Venedig, vor mehr als 1000 Jahren auf 118 kleinen Inseln erbaut, von etwa 177 Kanälen durchzogen, mit ca. 400 Brücken verbunden, zählt rund 10.000 historische Bauten, darunter ca. 100 Kirchen und 300 Paläste. Sie, die "Serenissima", die Erhabene, einst mächtige See- und Handelsmacht am Mittelmeer, die Stadt eines Marco Polo, ist immer noch die Traumstadt und damit auch Ziel zahlreicher Italienreisender.
Mehr als jede andere Stadt nimmt Venedig die Menschen gefangen und bezaubert sie. Zahlreiche Schriftsteller hat die „Serenissima" zu schmeichelnden Lobeshymnen inspiriert. Unser lieber Geheimrat von Goethe meinte nach einem seiner Italienaufenthalte ganz lapidar "es ist alles gesagt und gedruckt, was man sagen kann...". Er hat dann zum Glück doch noch so einiges hinzugefügt und viele andere Schriftsteller/Künstler später noch viel, viel mehr.
Der amerikanische Schriftsteller Truman Capote  z.B. verglich die Stadt mit "einer vollen Pralinenschachtel, die auf einmal hinuntergeschlungen werden muss"...
Appetit auf die ein oder andere "Praline", möglicherweise aber auch auf die volle Schachtel hatten 29 Reisefreudige aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern bekommen, als sie am 14.09.2013 in den Bus der Firma Sonnenschein einstiegen.
Auf dem "Kutschbock" saß Alf (nein, nicht der aus dem Fernsehen, aber wie sich später herausstellte, schon film-bzw. fernsehreif), Alf Langer, der uns während der ganzen Reise souverän chauffierte, mitunter auch für das leibliche Wohl sorgte und nicht selten unsere Lachmuskeln "strapazierte"...
Nachdem wir die letzten Gäste in München/Vaterstetten aufgenommen hatten, ging es ab - ab in den Süden...Richtung „Bella Italia"

Ein Reisebericht von
Walburga Lindner


Der erste Tag: Anreise nach Venedig

Ein ganz ganz laaaaanger Tag, ein ausgesprochener "Bustag" - erforderte von allen Gästen viel Geduld und noch mehr Sitzfleisch.
Abwechslung auf dieser Fahrt, die uns zunächst durch Sachsen und Bayern, dann in Österreich durch Tirol und später in Italien durch Südtirol, das Trentino und Venetien führte, brachten die schnell wechselnden und äußerst beeindruckenden Landschaftsbilder.
Über die Innautobahn, vorbei an Kufstein, Rattenberg, Kramsach (Sie erinnern sich bestimmt noch an die "lustigen" Grabsprüche), Schwaz, Hall und Innsbruck, weiter über die Brennerautobahn - inklusive der imposanten Europabrücke - erreichten wir den Brenner, den mit 1.374m am meisten frequentierten Alpenpass und zugleich Grenze zwischen Österreich und Italien. Benvenuto(i) in Italia! Herzlich Willkommen in Italien und herzlich Willkommen in Alto Adige/Südtirol, der autonomen Provinz, die mit der weiter südlich gelegenen, autonomen Provinz Trentino seit 1948 eine gemeinsame Region Italiens bildet.
Bei dieser Fahrt durch Südtirol passierten wir Sterzing, fuhren anschließend durch das Eisacktal und tangierten dabei die sogenannte Sachsenklemme, wo vor rund 200 Jahren die Sachsen an der Seite der napoleonischen Truppen kämpfend, von den Tiroler Freiheitskämpfern in die Klemme genommen worden waren. Weiter vorbei ging es an der Franzensfeste, der ehemaligen Bischofsstadt Brixen, an Klausen, dem Kloster Säben und der von Burgen und Burgruinen eingerahmten Provinzhauptstadt Bozen.
Danach fuhren wir durch das  Etschtal, unterhalb der Südtiroler Weinstraße, die wir aber leider "rechts" liegenlassen mussten.
Normalerweise verbindet man mit Südtirol in erster Linie Berge, schroffe Felsformationen   (Dolomiten), zahlreiche Seen und Burgen. Aber das Bild der Südtiroler Landschaft wird - wie wir uns überzeugen konnten - nicht nur von einer Bergwelt geprägt, sondern ebenso von zahlreichen Weingärten und Obstplantagen. Nicht umsonst bezeichnet man diese autonome Provinz auch als den Obstgarten von Italien.
Danach durchquerten wir noch einen Teil der autonomen Provinz Trentino, fuhren vorbei an deren Hauptstadt Trient, die durch das im Mittelalter stattgefundene „Trienter Konzil" für ein paar Jahre im Mittelpunkt des damaligen Weltgeschehens stand und erreichten kurze Zeit später unsere Zielregion Venentien - aber noch  nicht unser Etappenziel, die Lagune von Venedig.
Eine Weile dem Fluß, der Adige/Etsch, folgend, kamen wir vorbei an der Stadt von Shakespeares Romeo und Julia - VERONA. Jene Stadt, die darüberhinaus jährlich tausende Besucher durch ihre Opernfestspiele (in der Arena) anzieht.
Weitere Einblicke in die nun folgende Landschaft zwischen Verona und Venedig blieben uns auf Grund der einsetzenden Dämmerung verwehrt. Dann gegen 21.00 Uhr erreichten wir unser Hotel "Rosanna" in Lido de Jesolo, wo man mit dem Abendessen schon auf uns wartete.
Nach dem anschließenden Kofferentladen und dem Zimmerbezug hatten alle Gäste  - so glaube ich jedenfalls - nur noch einen Gedanken, nämlich „ab in die Federn".

Entdeckungen in der Lagunenstadt

Gut gelaunt und gut gestärkt fuhren wir am zweiten Tag in Richtung Punta Sabbioni, der Schiffsanlegestelle auf dem Festland, aber nicht, ohne zuvor unseren Sold zu entrichten, die Einfahrtsgebühr für Venedig.
An der Schiffsanlegestelle dann der erste Schreck, beim Zählen fehlten zwei Personen, sie waren einfach "nur" weg...Wir alle kennen die Geschichte vom "Schwund", aber gleich am zweiten Tag ... Nachdem wir die beiden Damen, die  im Handumdrehen fremd gegangen waren, wieder eingefangen hatten, brachte uns ein Schiff der Reederei Marco Polo endlich unserem Traumziel, der märchenhaften Stadt Venedig, der Stadt „auf dem Wasser" (sowohl Hauptstadt der Region Venetien als auch der gleichnamigen Provinz) näher und näher...
Wir alle waren unheimlich gespannt, neugierig und auch ein bisschen aufgeregt: Wie wird sie, die Serenissima, sich uns präsentieren? Wird diese Stadt der Superlative unsere Erwartungen erfüllen? Wird sie die von mir eingangs erwähnte „Pralinenschachtel" sein, von der man einfach nicht lassen kann? Oder ist diese Stadt, wie so einige behaupten, mehr und mehr nur noch eine Bühnenkulisse, die den Besucher hypnotisiert und blendet? Werden uns die unendlichen Ströme der Touristen, zu denen wir letztendlich auch gehörten, erdrücken, die bröckelnden Fassaden, der so oft erwähnte strenge Geruch und die überzogenen Preise verschrecken bzw. abstoßen?
Auf alle Fälle erschien uns an diesem Morgen diese Stadt zwischen Wasser und Himmel, einfach märchenhaft. Gigantisch der Panoramablick vom Canale di San Marco auf die Riva degli Schiavoni, die Uferpromenade. Die Fotoapparate hatten Hochkonjunktur, schließlich sollte das ganze "Gewusel" auf dem Wasser, die unzähligen Schiffe, Vaporettos, Wassertaxis, Gondeln
und leider auch Kreuzfahrtschiffe, der Dogenpalast, der Campanile, die Kirche Santa Maria della Salute, die Isola di S. Giorgio Maggiore auf die Linse gebannt werden.
Im Gewirr der unzähligen Touristen trafen wir auf Massimo, unseren örtlichen Stadtführer,der uns an diesem, dem ersten Tag in Venedig, seine Stadt, dieses Weltwunder Venedig, näher bringen möchte. Wir schlängelten uns durch die Touristenströme, bestaunten die Seufzerbrücke, das rege Treiben auf dem Canale di San Marco und gelangten so zur Piazzetta. Hier wurden wir von den beiden Schutzheiligen der Stadt, dem Heiligen Theodor und seinem Nachfolger dem Heiligen Markus (das Symbol des Evangelisten ist der geflügelte Löwe und diesen finden wir auf der Säule), willkommen geheißen. Wir waren fasziniert von der Schönheit, der Ausstrahlung des Dogenpalastes und der gegennüberliegenden Bibliothek und wir genossen von hier den herrlichen der Blick auf die Isola S. G. Maggiore. Dann, nur ein paar Schritte weiter, standen wir endlich auf dem Markusplatz, der Piazza S. Marco (der einzige Platz, der sich in Venedig Piazza nennen darf), dem "schönsten Salon Europas", wie ihn Napoleon einst nannte. Wir nahmen alles auf, bestaunten die Prokoratien (Verwaltungsgebäude), den Uhrenturm, die im byzantinischen Stil erbaute Markuskirche und den Campanile, der wie ein Wächter über den Platz zu wachen schien. Wir hörten von Massimo Geschichte und Geschichtchen, u.a. warum man die Markuskirche (es gab bereits einen Vorgängerbau) gebaut hatte und vor allem auf welch abenteuerliche Weise die Gebeine des Heiligen Markus von Alexandria nach Venedig gelangt waren (wie so vieles in Venedig: "es ist alles nur geklaut...")
Wir verließen das sogenannte „Herz von Venedig", welches lange Zeit Treffpunkt der Venezianer war und schlängelten uns weiter durch die engen Gassen und Gässchen des Stadtteils (Sestiere) San Marco, vorbei an recht belebten, mitunter auch recht lauschigen Plätzen (die in Venedig Campo / Campi heißen) und gelangten so an das weltberühmte Theater  "La Fenice", das tatsächlich schon zweimal "wie ein Phönix aus der Asche" auferstanden ist. Wir nahmen noch die Holzbrücke, den Ponte dell'Accademia, in Augenschein und warfen einen ersten Blick auf den Canal (das „e" wird hier weggelassen) Grande, die Paläste Barbaros und das Guggenheim Museum. Dann fühlten wir uns nur noch fußlahm, erschlagen von der Vielfalt dieser ungewöhnlichen Stadt. Und wir waren hungrig, nicht mehr nach Informationen, sondern auf etwas handfestes für unseren knurrenden Magen. Massimo führte uns in eine urige Trattoria - dann hatten wir Freizeit. Als wir am frühen Abend wieder im Hotel ankamen, lag ein erlebnisreicher Tag hinter und ein angenehmer Abend, den die meisten mit einem Spaziergang entlang der Seepromenade ausklingen ließen, vor uns.

Unser Ausflug nach Trieste

Am dritten Tag gingen wir ein wenig fremd. Wir verließen die Region Venetien und reisten in die relativ junge, in die autonome Region (seit 1964 bestehend) Friuli-Venezia-Giulia (Friaul-Julisch-Venetien) ein. Unser heutiges Etappenziel hieß Triest und ist die Hauptstadt dieser Region. Was wissen wir eigentlich über diese, im Nordosten Italiens gelegene Region? Auf alle Fälle soll sie so manches gemeinsam haben mit ihrer Nachbarregion Venetien: eine phantastische, sehr abwechslungsreiche Landschaft, die von den Alpen bis an das Meer, die Adria, reicht (dazwischen liegen nur rund 100 km Luftlinie), eine fruchtbare Ebene, wo Wein, Obst und Gemüse gedeihen und vor allem Städte, die einst Geschichte schrieben. Und beide Regionen gehören noch zu jenen, selten gewordenen Ecken Italiens, wo der Massentourismus (von der Tourismushochburgen Verona/Venedig einmal abgesehen) noch nicht Einzug gehalten hat.
Und Triest? Sie galt einmal als eine der schönsten Städte der Welt, eingebettet in eine weite Bucht, leuchtend in habsburgischem Gelb und venezianischem Rot, die Hänge des Kastgebirges hinaufkriechend, zwischen blauem Meer und blauem Himmel. Und heute? Ihre traumhaft schöne Lage änderte sich zwar nicht, aber es änderte sich die Situation der Stadt, die einst von den Römern erweitert wurde, danach unter byzantinische, langobardische, fränkische und venezianische Herrschaft kam und sich schließlich 1382 freiwillig unter die Herrschaft der Habsburger begab. Die über 500 Jahre andauernde Herrschaft hat die Stadt maßgeblich geprägt. Vom zentralen Hafen der k.u.k. Monarchie, dem pulsierenden Umschlagplatz für Waren nach und aus Österreich - Ungarn, wurde sie nach dem II. Weltkrieg eine Stadt ohne Hinterland, abgeschnitten von ihren Wurzeln und Handelsbeziehungen, eine Grenzstadt im toten Winkel Italiens, wo man aber Deutsch, Kroatisch, Slowenisch, Jiddisch, Griechisch, Ungarisch und "auch" Italienisch spricht .
In einem großen Europa liegt Triest grenzenlos günstig, ca. zehn Kilometer bis Slowenien, ca. 50 km nach Kroatien, Österreich und Ungarn liegen auch nicht allzu weit weg und das Beste daran: von jedem dieser Länder haben die Triester ein feines Stück Lebensqualität importiert.
Wir freuten uns also auf eine tolerante und gelassene Stadt, in der heute ca. 220.000 Menschen leben und wir freuten uns auf Pietro, der uns seine Stadt während einer kleinen Stadtrundfahrt und einem Spaziergang näher bringen wollte.
So fuhren wir zuerst auf den Colle di San Giusto. Das antike Tergeste (= der alte Name für Triest) wurde hier, auf dem Colle, gegründet. Säulenstümpfe des römischen Forums sowie Reste des kapitolinischen Tempels und einer Basikilika zeugen von den Anfängen der Stadt. Beherrscht wird der Hügel aber vom trutzigen Castello di San Giusto, welches die Habsburger 1470 errichten ließen. Großartig ist der Ausblick über die Stadt, den Golf von Triest und auf das Karstgebirge. Auch die Kathedrale San Giusto, die dem Stadtheiligen Justus geweiht ist (hier wurden im 14. Jahrhundert zwei Kirchen vereint) wurde von uns bestaunt und im Bild festgehalten. Danach fuhren wir vorbei am alten Hafen, der 1719 von Kaiser Karl VI. zum Freihafen erklärt, das Fundament für den kometenhaften wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt legte, hinein in die Stadt. Zu Fuß versuchten wir selbige zu erobern. Wir merkten sofort, dies ist keine typisch italienische Stadt und im Vergleich zu Venedig eher eine moderne Stadt. Kein Wunder, denn ihr jetziges Stadtbild wurde im 19. / Anf. 20. Jahrhundert vorwiegend von österreichischen und deutschen Architekten geprägt. Es ist eine Stadt mit prächtigen Palazzi, Jugendstilhäusern und schönen Kirchen - aber auch einem kleinen Bruder des Canal Grande, an dessen Ende die kleine Kirche Sant'Antonio Nuovo, die von außen an das römische Pantheon erinnert, steht. Trotzdem ist es m.E. nicht eine Stadt, der man sofort verfällt, man muss sie sich vielmehr erlaufen, um ihrem eigenwilligen Charme auf die Spur zu kommen. Und genau das taten wir während unserer Freizeit.
Um 14.00 Uhr trafen wir uns wieder auf der Piazza dell 'Unità (Platz der Einheit), denn ein weiterer Höhepunkt des Tages wartete auf uns. Seine Majästet, der Erzherzog Maximilian von Habsburg, Gouverneur des Königreichs Lombardo-Venetien und späterer Kaiser von Mexiko sowie seine Gattin Charlotte hatten geladen - zur Besichtigung ihres Märchenschlosses Miramare.
Schon von weitem konnten wir das idyllisch, auf einer Felsklippe am Meer gelegene, schneeweiße Schloss sehen. Wir freuten uns auf den Besuch im Schloss, in dem der Erzherzog, ein Bruder von Kaiser Franz Joseph, vier ganze Jahre mit seiner Gattin verbracht hatte.
Am Eingang zum Schloss erwartete uns leider nicht der Erzherzog mit seinem Gefolge, sondern Pietro, unser Stadtführer, der uns durch das, in den Jahren 1856-1860 von Carl Junker gebaute Schloss führte. Was wir vorfanden, ist kaum zu beschreiben. Wann findet man schon einmal eine so umfangreiche Einrichtung im Original - von den Möbeln bis zur geradezu operettenhaften Dekoration? Mir persönlich in Erinnerung geblieben sind vor allem Charlottes Wohnzimmer ganz im Biedermeierstil, die Bibliothek mit ca. 7000 Bänden und Maximilians Schlafgemach, der Koje auf seinem Lieblingsschiff nachempfunden. Aber auch alle anderen Räume sind üppig ausgestattet und ein echter Hingucker, gegeizt wurde bei der Ausstattung des Schlosses ganz bestimmt nicht, doch „cui bono" - wem hat es genützt...? Den Besitzern ganz bestimmt nicht, denn - wie wir wissen - hat es ihnen kein Glück gebracht. Der Erzherzog wurde als Kaiser von Mexiko 1867 erschossen und die schöne Charlotte, die dies nicht verkraften konnte, lebte seitdem, geistig umnachtet, in einer anderen Welt.
Nach einem kurzen Spaziergang durch den Schlosspark, dem leider auf Grund eines Loches im Stadtsäckel gegenwärtig keine Pflege zuteil wird und einer anschließenden Verschnaufpause bei einem Espresso, Cappuccino, Vino oder, oder, oder traten wir wieder die Rückreise nach Lido de Jesolo an.
Im Hotel angekommen, genossen wir das Abendbrot und ließen den Tag bei einem Vino noch einmal Revue passieren und ausklingen. Natürlich freuten wir uns auch schon wieder auf den nächsten Tag, einen Tag (nicht eine Nacht) in Venedig.

Entdeckungen in Venedig – Teil 2

Der vierte Tag stand wieder ganz im Zeichen des "Markuslöwen". Zuerst mit dem Bus, dann  wieder mit dem Schiff ging es in Richtung Venedig. Bestens gelaunt erwartete uns an der Schiffsanlegestelle "Riva degli Schiavoni" Alessia, unsere hübsche, aufgeschlossene, örtliche Stadtführerin. Geplant war zuerst ein Spaziergang durch den Stadtteil (sestieri) Castello, gleich hinter der Riva degli Schiavoni beginnend. Wir folgten also nicht dem üblichen Touristenstrom Richtung Piazetta, sondern liefen etwas abseits, in ruhigere Ecken der Stadt. Unser Weg führte uns zunächst auf den Campo San Zaccaria, der auf einer Seite von der Fassade der gleichnamigen Kirche begrenzt wird. Auf unserem Weg durch diesen Stadteil, der uns letztendlich zur Keimzelle von Venedig, dem Rialto, führen sollte, überquerten wir viele kleine Brücken und sahen auf dem Wasser immer wieder Gondeln, die meisterhaft von ihren Gondolieri beherrscht werden. Erstaunt stellten wir fest, dass man in Venedig viel, viel laufen kann, bzw. sogar muß! So gelangten wir  noch auf den Campo Santi Giovanni e Paolo, benannt nach der gleichnamigen Kirche, einer Dominikanerkirche aus dem 13.-15. Jahr., ebenfalls eine Dogengrablege wie die Frari Kirche . Neben der Kirche fiel sofort die reichverzierte Renaissancefassade der Scuola Grande di San Marco ins Auge. Einst Versammlungsort der Seidenhändler und Goldschmiede, ist die Scuola heute ein Krankenhaus mit Ambulanzen auf dem Kanal. Hier, an diesem Platz,erzählte uns Alessia auch so manches aus dem täglichen Leben eines Venezianers. So tragen Venezianer z.B. immer, um nicht unnötig nasse oder kalte Füße zu bekommen, einen Kalender mit sich herum, der die Tage/Std. der Flut anzeigt. Des Weiteren kaufen Venezianer für ihr Essen am liebsten täglich frisches Gemüse  - und Alessia bestätigte uns, daß die Venezianer - trotz Bevölkerungsschwund - auch Kinder haben. Kinder,  die - auch wenn man sie in den Gassen kaum sieht, doch draußen spielen dürfen und können...nur es ist eben halt alles ein wenig anders als auf dem Festland. Danach machte Alessia auf unserem Weg zur Rialtobrücke noch einen kleinen „Umweg", vorbei an der Kirche Santa Maria die Miracoli, denn dort, quasi gleich um die Ecke dieser Kirche, wohnt - man kann schon sagen völlig unerkannt (ihre Krimis werden auf italienisch nicht verlegt) - die Schöpferin von Commissario Brunetti, die Schriftstellerin Donna Leon.
Nur kurze Zeit später standen wir auf dem Platz (gleich hinter der Rialtobrücke), wo der Commissario ab und zu seinen Espresso genießt. Auch wir hätten uns gern Zeit für einen Espresso genommen, aber der Fisch- u. Gemüsemarkt wartete ja auch noch auf uns.         Fasziniert von dem vielseitigen Angebot erreichten wir schließlich den Ponte di Rialto, die berühmteste der über 400 Brücken Venedigs und lange Zeit auch die einzige über den Canal Grande. Die Brücke, erbaut Ende des 16. Jahrh., verbindet die beiden Ufer des Canal Grande an seiner engsten Stelle. In diesem Viertel befindet sich die Keimzelle Venedigs - hier, auf einer Inselgruppe, genannt „Rivus altus" (was soviel wie "hohes Ufer" bedeutet), hatte sich im 9. Jahrh. der damalige Doge, es war die Nr.10, (10 von insg. 120 Dogen), niedergelassen. Von hier aus entwickelte sich Venedig zum zentralen Handelsplatz zwischen Orient und Okzident und aus den beiden Wörtern „Rivus altus" wurde im Laufe der Zeit das Wort „Rialto". Mit Alessia ging es dann zurück zum Markusplatz, wo wir der Markuskirche noch einen Besuch abstatteten. Nach diesem wirklich sehr erlebnisreichen Rundgang gab es wieder Freizeit, die von den meisten für eine Auffahrt auf den Campanile (mit Supersicht auf Venedig „ohne Kanäle", die Lagune mit ihren Inseln bis hin zu den Alpen/Dolomiten) und für eine Fahrt mit dem Vaporetto (in unserem Fall der Nr. 2) entlang des Canal Grande mit seinen traumhaft schönen Palazzi genutzt wurde. Ein intensiv erlebter, ein sehr, sehr schöner Tag ging zu Ende und als wir das Schiff Richtung Festland bestiegen, schwang auch ein bisschen Wehmut mit, hieß es doch Abschied nehmen von dieser einzigartigen Stadt, der „Königin der Adria".
All diese Eindrücke mussten natürlich erst einmal verarbeitet werden, dies geschah entweder bei einem Spaziergang nach dem Abendbrot oder im Hotel bei einem Gläschen Vino.

Am fünften Tag waren wir „reif für die Insel(n)..."

An der Schiffsanlegestelle Punta Sabbioni trafen wir uns mit Loredana, unserer örtlichen Reiseleiterin. Sie sollte uns heute auf unserer Entdeckungstour in die Lagune und die Inseln Murano - Burano und Torcello begleiten.
Die Lagune - was ist sie? Wie ist sie entstanden? Sie verdankt ihr Entstehen jahrhundertelangen Flussablagerungen. Eines Tages aber wäre sie, ähnlich wie der Hafen von Aquileia wieder versandet, wenn die Venezianer nicht beizeiten die Flüsse Brenta, Sile und Piave umgeleitet hätten. Geblieben sind zahlreiche Inseln, große und kleine, die ständigen Veränderungen unterliegen.Auf der Fahrt übers Wasser sahen wir die Inseln vorbeiziehen, von denen einige gerade einmal so groß wie eine Hausruine sind, die sie tragen. Andere werden nur noch von den Wurzeln eines Baumes zuammengehalten.
Heute sind noch zwölf der rund vierzig Inseln in Venedigs Lagune bewohnt. Für die Venezianer ist die Lagune mit ihren Inseln am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel, denn dann entfliehen sie der vertikalen Enge ihrer Gassen und „düsen mit ihren Motorbooten über ihreAutobahnen", sprich die schiffbaren Kanäle (flankiert von einer Doppelreihe Holzpfählen), um auf einer der Inseln eine kleine Rast einzulegen und zu entspannen. Dabei kehrt man entweder in irgendeiner kleinen idyllischen Trattorria ein oder hat einen Picknickkorb im Gepäck. Ja, die Inseln der Lagune sind eine Welt für sich. Unsere Fahrt führte uns u.a.vorbei an den Inseln Lido, Le Vignole, Sant 'Erasmo, der Friedhofsinsel San Michele und endete schließlich auf der wohl bekanntesten Insel, der Insel Murano. Ihren Ruf verdankt sie in erster Linie der Herstellung ihres Glases. Unter den Händen der Glasbläser entstehen hier seit Jahrhunderten Gebrauchsgegenstände, kleine Kunstwerke, funkelnde Glaslüster, Nippes und natürlich auch viel Kitsch... Bereits im 13. Jahrhundert hatte Venedig aus Furcht vor Bränden, aber sicher auch aus Gründen der Geheimhaltung, seine Glasproduktion auf die Insel Murano verlegt. Wir besuchten eine Schauwerkstatt und erlebten in welcher Geschwindigkeit und mit welcher Fingerfertigkeit der Glasbläser eine kleine Figur (Tier) zauberte. Im Verkaufsraum konnte man anschließend zahlreiche Glas-Kreationen bestaunen, auf sich wirken lassen - oder auch etwas erwerben. Leider reichte die anschließende Freizeit nicht für einen größeren Spaziergang durch Murano, aber ich hoffe, daß die meisten von Ihnen wenigstens einen Blick in das architektonische Juwel von Murano, die Basilika SS.Maria e Donato (mit romanischer Fassade und byzantinische geprägten Innenraum mit phantastischen Mosaikfußboden) werfen konnten.
Gegen Mittag nahmen wir Kurs auf Burano, eine Insel, die weder in der Geschichte der Lagunenbesiedlung eine Rolle gespielt hat, noch ein berühmtes Baudenkmal aufzuweisen hat (außer einen schiefen Kirchturm - doch der ist in der Lagune ja keine Seltenheit). Sie ist die Insel der Fischer, aber was für eine!
Schon von weitem leuchten ihre bunten Häuser aus dem Blaugrau der Wasserwelt - und dies hat historische Gründe. Je intensiver die Farbe, dest besser konnten die heimkehrenden Fischer ihr Haus erkennen, vor allem, wenn sie im dichten Nebel nach Hause zurückkehrten. Noch heute hat jede Familie ihre eigene Farbe. Die Insel zieht uns sofort in ihren Bann, der Willkommensgruß - eine kleine Weinverkostung mit Bussola, einem typischen Gebäck der Insel, welches man in den Wein „ditschen" muß , überraschte und erfreute uns. Auf diese Weise bestens gestimmt, machten wir uns auf zu einem kleinen Spaziergang, auf dem wir alsbald einer Spitzenstickerin bei der Arbeit zuschauen konnten. Die Insel ist für die Spitzenstickerei bekannt, denn was für Murano das Glas, ist für Burano die Spitze - und sie ist spitze! Hier, auf Burano, wurde die venezianische Technik der Nadelspitze entwickelt und über Jahrhunderte hinweg war sie ein recht ertragsreicher Erwerbszweig der Buranerinnen/Venzianerinnen. Heute dagegen gehen nur noch wenige Frauen dieser Tätigkeit nach, ihre Produkte findet man in den exklusiven Geschäften, die Billigangebote aus Fernost nahezu an jedem Stand.
Danach wollten unsere Füße nur noch in eine Richtung laufen, in Richtung einer Trattoria. Nach der Verschnaufpause, die sowohl den Füssen als auch dem Magen gut tat, gab es genügend Zeit, um diese farbenfrohe Insel mit ihren idyllischen Plätzen, kleinen verlassenen, aber hübsch „dekorierten" Winkeln zu erobern. Ja, es machte wirklich Spaß durch dieses „Klein-Venedig" zu bummeln und wir bedauerten nahezu, wieder abreisen zu müssen.
Nun stand noch eine weitere Laguneninsel auf unserem Programm, eine Insel im äußersten Osten der Lagune, die Insel Torcello. Die heutige Obst-u. Gemüseinsel war einst ein bedeutendes Handelszentrum und Bischofssitz. Fast nichts mehr erinnert an die einstige Glanzzeit. Von den einst mehreren Tausend Einwohnern leben heute noch knapp über zwanzig auf der Insel. Auf einem Kanaluferweg, der uns vorbei an Trattorien und einsamen Gärten führte, gelangten wir zum ältesten Bauwerk der Lagune, der Kirche Santa Maria Assunta (aus dem Jahre 639 - in ihre heutigen Gestalt 1008 geweiht)  mit faszinierendem Innenraum. Der größte Kirchenschatz sind der Lettner/Ikonastase und die Mosaiken, alles sehr beeindruckend. Bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten, warfen wir noch einen Blick in die danebenstehende Kirche Santa Fosca, einem Rundbau im byzantinischem Stil. Die Kirche trägt den Namen der Märtyrerin aus Ravenna.
Hier auf der Insel findet man eine nahezu unendliche Ruhe und nur zu gut kann man sich vorstellen, daß die Venezianer hier am Wochenende gut ausgestattet (mit einem Picknickkorb)  „ihre Zelte aufschlagen". Einer, der sich in der Vergangenheit hier in dieser „Abgeschiedenheit" sehr wohl gefühlt und die Insel oft besucht hat, war der Schriftsteller Ernest Hemingway.
Wir gingen zurück zum Schiff und nahmen Abschied, Abschied von der Insel und der Lagune...
Den Abend ließen wir nach diesem sehr erlebnisreichen Tag wieder bei einem Gläschen Vino, einem Espresso oder ...oder...oder beim Kofferpacken (?!) ausklingen.

Tag sechs – heute geht's "nach Heeme", so steht es jedenfalls am Bus

Fünf erlebnisreiche Tage, an denen wir unendlich viel über die Regionen Venetien und Friaul-Julisch-Venetien gehört und auch gesehen hatten, lagen hinter uns. Nun waren wir gespannt auf den Ausgang der Reise... Der Bus - und das ist schon überraschend - nahm zunächst nicht Kurs auf Mestre, Padua und Verona, sondern wählte die Richtung Triest...Von mir, Ihrer Reiseleiterin, erfuhren Sie, daß wir uns für eine andere Route entschieden hatten. Anders als auf der Hinfahrt sollte uns die Heimreise über Udine - Villach - Salzburg - München gen Heimat führen.
Die Region Friaul-Julisch-Venetien, die wir bereits am dritten Tag, auf unserem Weg nach Triest, ein wenig durchquert hatten, zeigte sich landschaftlich von ihrer Schokoladenseite. Wir genossen die Hügel, die Berge, die dichten Wälder und Flüsse, die gelegentlich unter dem Kiesbett zu verschwinden pflegen.  „Piccolo mondo" - kleine Welt oder „piccolo universo" - kleines Universum nennen deshalb die Friauler ihre Region. All dies genossen wir noch einmal... ebenso wie Alfs Riesenüberraschung - eine echte Thüringer Bratwurst (mmm...lecker, lecker).
Nachdem wir „Bella Italia" schließlich "Arrivederci" gesagt hatten, passierten wir in Österreich noch die Bundesländer Kärnten und Salzburger Land. In München-Vaterstetten verließen uns die ersten Gäste und spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde uns bewusst, dass sie zu Ende ging - unsere Reise in die Lagune von Venedig.
Mit vielen, vielen neuen Eindrücken im Gepäck - die sicher erst einmal verarbeitet werden müssen - erreichten wir schließlich unsere Ausstiegsziele. Auf dieser unvergesslich schönen und erlebnisreichen Reise haben wir insgesamt 2528 km zurückgelegt.
Abschließend möchte ich mich bei Ihnen, meinen lieben Gästen, ganz, ganz herzlich bedanken. Es hat mir viel Freude bereitet, mit Ihnen, einer so aufgeschlossenen und interessierten Gruppe, zu reisen. Vielen, vielen Dank sage ich auch Alf, der uns in all den Tagen bestens gefahren und auch sehr zur Unterhaltung beigetragen hat. Dass es auch Ihnen gefallen und Freude gemacht hat, konnten wir den herzlichen Dankesworten von Herrn Herr (kein Schreibfehler - da können Sie sicher sein) entnehmen.
Bleiben Sie gesund, neugierig und reisefreudig - dann sehen wir uns vielleicht einmal wieder.
In diesem Sinne - „alla prossima volta" - bis zum nächsten Mal
Ihre
Walburga Lindner


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