Reisebericht: Italien - Städtereise Venedig in kleiner Reisegruppe

31.03. – 03.04.2019, 4 Tage Städtereise Venedig - Cannaregio - San Marco - Castello - Dogenpalast - EXKLUSIVE Abendführung im Markusdom

Als älteste Republik der Welt, Geburtsort des modernen Kapitalismus und integraler Bestandteil der europäischen Renaissance, hat Venedig viele Geschichten zu erzählen, die die Gäste von Eberhardt in kleiner Gruppe abseits der Touristenpfade erkundeten

1.Tag – Anreise nach Venedig


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Die Republik Venedig, ältester Staat Europas und Bindeglied zwischen Orient und Okzident, war seit jeher Schauplatz für Geschichten, Gedichte und Essays. Schon Henri III König von Frankreich prägte einst bei seinem ersten Besuch in der Lagunenstadt den Satz „Wenn ich nicht König von Frankreich wäre, wollte ich Bürger von Venedig sein!" Die Serenissima war schon damals ein Mythos mit reichlich Anziehungskraft. Paläste mit luftigen Loggien, orientalischen Fensterbögen und Arkaden inmitten von Wasser und Sumpf.
Auch die Eberhardtgruppe wollte die verwinkelten Kanäle entdecken, die morgens sanft im Nebel liegen und abends im weichen Licht der Abendsonne fast wie Juwelen erscheinen. Also ab zum Flughafen, wo sich die Gruppe traf. Mit einem malerischen Blick über die Alpen erfolgte direkter Anflug auf Venedig. Wer auf der richtigen Seite saß, konnte schon beim Anflug das Wahrzeichen der Stadt den Markusplatz mit seiner Kathedrale, Dogenpalast und Campanile erkennen. Mit dem Boottaxi in Richtung Lagunenstadt – erst mit Speed u. dann geruhsam einen ersten Eindruck von Häusern u. Kanälen bis zum Hotel erleben. Zimmer bezogen und dann bis zum Abendessen einen ersten Spaziergang. La Familia zum Abendessen erleben – die richtige Adresse war Patrizia – in ihrem Haus erlebten wir ein typisches venezianisches Abendessen in guter Atmosphäre. So klang der erste Tag gut aus.

2. Tag- Insider Stadtrundgang – Castello – San Giovanni e Paolo – San Francesco- Arsenale - Cannaregio


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Venedig ist Metapher, Topos und Urbild - nicht gebaut, sondern aus dem Wasser empor gestiegen – ein Wunder im Wunder der Schöpfung? Venedig hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu seinen Legenden – nicht immer ist und war es möglich, Fakten von Fabeln zu trennen. So manches Mal sind Legenden nur das, was die Venezianer daraus machten. Zu Legenden werden nur solche Geschichten, die gerne gehört werden. Eben wie das Phänomen einer aus dem Wasser emporgekommenen Stadt. Fakt ist aber, dass sie aus 120 ehemaligen sumpfigen Inseln entstanden ist und mit über 400 Brücken verbunden ist. Einige davon haben wir heute auf unserer Tour überquert. Im Selbstbewusstsein, nie Knecht fremder Mächte gewesen zu sein, wurde dem Papst einst schon frech die Stirn geboten. Venedig und ihre Einwohner mit ihrem Charme, Liebenswürdigkeit, Vitalität und manchmal auch mit ihrer „Schlitzohrigkeit" leben heute vom Ruf des Karnevals und den zahlreichen kunsthistorischen Juwelen. Unzählige Schriftsteller,
u.a. auch Thomas Mann, wählten die Lagunenstadt zum Schauplatz ihrer Geschichten und huldigen ihr in vielen Gedichten und Essays - wer kennt nicht die Commissario-Brunetti-Romane der seit 1981 in Venedig lebenden amerikanischen Schriftstellerin Donna Leon. Auch hier haben wir auf unserer Tour die Drehorte (Büro, Bar oder die berühmte Terrasse aufgesucht.
In den über 1500 Jahren seit ihrer Gründung hat die Lagunenstadt Prachtvolles hervorgebracht und war sicherlich auch Wegbereiter in die Moderne. Glas, Bankwesen u. die doppelte Buchführung eroberten von hier aus die ganze Welt.Nach dem Frühstück wollten wir nun die Venezianische Lebensart genießen und eintauchen in die Moderne Venedigs und dabei Orte abseits des Tourismus entdecken. Schon vorab gesagt - mit unserer Stadtführerin Alessia gelang dieses Experiment in wunderbarer Weise. Entlang versteckter Straßen und Plätze machten wir uns auf ins größte Stadtviertel von Venedig – Castello. Schon der Name Castello, also Schloss, zeugt von der einstigen Bedeutung dieses Viertels. Hier war im 9. Jahrhundert ein bedeutendes religiöses Zentrum, wie schon die zahlreichen Kirchen vermuten lassen. Aber auch das dortige Arsenal aus dem 12 Jahrhundert bestätigt diese These.
Diese Werft, die als größter Produktionsbetrieb Europas vor dem Zeitalter der Industrialisierung betrachtet werden kann, war Vorbild für manch andere Marinearsenale in Europa. Das Gebiet umfasst heute 32 Hektar, ein Zehntel des historischen Zentrums von Venedig. 16.000 Arbeiter dienten hier der großen Sache – so manches Schiff und unzählige Waffen verließen diesen Ort – oft nicht der guten Sache dienend. Doch bedeutend war es, da selbst Schriftsteller es literarisch erwähnten.
Der Dichter Dante Alighieri (1265 - 1321) beschrieb in der "Göttlichen Komödie" (Inferno, XXI. Gesang, 7.–12. Vers) die emsige Geschäftigkeit im Arsenal von Venedig. Auch Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) besuchte es. Nach seinem Besuch schrieb er dazu in sein Tagebuch:
(...)"Heute früh war ich im Arsenal und mir interessant genug, da ich noch kein Seewesen kenne und also auch hier gleichsam die untere Schule besucht habe. Denn freilich sieht es hier sehr nach einer alten Familie aus, die sich noch rührt aber wo die Blüte und die beste Zeit der Früchte vorüber sind" (...). Heute ist es nur zur Biennale oder nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen. Dennoch lohnte ein Blick durch das Renaissancetor. Der „Ingresso di Terra" wurde in seiner heutigen Form 1460 erbaut und angelegt. Der antike Triumphbogen wurde in vielfältigen Variationen bei Kirchenportalen u. Dogengräbern aufgenommen. Sichtbar droht in der Attika der venezianische Löwe als großes Relief. Vieles hatte die Seemacht Venedig von ihren Fahrten als Beute zurückgebracht. So auch die beiden Löwen am Eingang, die aus Griechenland stammten. Grandios auch die Kulisse vom Platz aus – Portal u. die zwei Wehrtürme, die zur Kontrolle der Schiffseinfahrt dienten – nachts wurde diese durch schwere, zwischen den Türmen gespannte Ketten gesichert.
Unbeschreiblich schön, wie sich die Kanäle von Castello an üppig grünen Parks und Kirchen vorbeischlängeln. Über die Wasserstraßen des Viertels sind manchmal Wäscheleinen gespannt, auf denen die Wäsche der Bewohner in der Sonne trocknen - und dieser Anblick trägt zudem zum Zauber von Castello bei. Zwischen Bootsrampen und winzigen Geschäften oft an verspielten Plätzen versorgen sich hier die Einheimischen noch mit dem Bedarf des täglichen Lebens. Verstummt ist die Hektik des nahegelegen Markusplatzes. So gelangen wir zum größten Sakralbau Venedigs der Dominikanerklosterkirche SS. Giovanni e Paolo mit seinen umliegenden Bauten u.a. der Scuola Grande die S. Marco sowie dem Ospidale Civile. Trotz einer Länge von über 101 Meter ist das Äußere dennoch ein steingewordenes Abbild des dominikanischen Armutsideals – die schlichte Fassade verzichtet auf jede Form plastischen Dekors. Dennoch diente sie dem Konkurrenzkampf der am anderen Ufer des Canale Grande liegenden Frari-Kirche, die zum Bettelorden der Franziskaner gehört. Innen ist sie deutlich der Gotik verbunden - dennoch sind auch Elemente der Renaissance erkennbar.
Ausgestattet ist sie mit zahlreiche Kunstwerke und Malereien von Giovanni Bellini, Vivarini, Bassano, Piazzetta, Jacopo Tintoretto und anderen berühmten Kunstmalern. Allein 27 Dogen wählten diese Kirche als ihren letzten Ruhesitz – nicht ohne Hintergedanken – man erhoffte sich durch die Fürbitten enthaltsamer Klosterbrüder, die nach mittelalterlichen Sicht einen höheren Stellenwert hatten als anderer Kongregationen – eher in den Himmel zu kommen.
Gleich nebenan besticht die Fassade der Scuola Grande di S. Marco, die u. a. neben der Miarcoli-Kirche zu den frühesten Äußerungen der Renaissance in der Lagunenstadt gehört. Auf unserem Spaziergang kamen wir auch zur zweiten Franziskanerkirche in Venedig. Errichtet wurde sie im späten 14. Jahrhundert. Ihre heutige Gestalt erhielt das Gebäude im 16. Jahrhundert. Keinem Anderen als Palladio gelang einem schwierigen Raumkonzept (einschiffig mit angrenzenden Kapellen) eine ausgewogene Renaissancefassade zu verleihen. Dies und die bemerkenswerte Ausstattung rechtfertigten diesen Besuch. San Francesco della Vigna ist schon durch den gut sichtbaren Campanile erkennbar. Der Turm gleicht dem von San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel – seine Spitze hat Ähnlichkeit mit dem Campanile am Markusplatz. Das Kloster besitzt zwei Innenhöfe, die jeweils mit Kreuzgängen ausgestattet sind. Der erste Innenhof ist am Boden mit Platten bedeckt. In der Mitte dieses Hofes befindet sich ein Brunnen. Der andere, weitaus prächtigere ist ein kleines Paradies. Hier fanden wir einen gepflegten Klostergarten mit mehreren Säulenzypressen, Blumenbeeten und Grasflächen. Im Zentrum die Skulptur des heiligen Franziskus. Nun weiter, denn es gibt noch einiges zu entdecken!
Mittag – Einkehrpause nicht nur für die Touristen. Theken mit unzähligen Leckereien – von belegten Paninis bis zum typischen Tramezzini. Das Brot kunstvoll geschnitten ist nur Halt für die zahlreichen Füllungen. Die obere Scheibe leicht gewölbt: so sieht das kulinarische Kunstwerk fast aus wie eine venezianische Brücke. Gekochter Schinken, angeschmorte Pilze, geschmorter Radicchio in Zwiebelsoße oder die dünnen Spanferkelscheiben – die Auswahl ist fast grenzenlos. Jeder hatte das richtige für sich entdeckt und so war man fit für den zweiten Teil des heutigen Tages, der uns nach Cannaregio führte. Der Stadtteil ist Wohnstätte alteingesessener Venezianer und besticht mit dem Charme verwitterter Paläste. Zunächst entlang der Fondamente Nove zum Campo dei Mori. Dieser schöne Platz ist nach den Skulpturen dreier Mohren benannt, die angrenzende Häuserwände schmücken. Auf diesem häufig überfluteten Platz befindet sich das Geburtshaus des Künstlers Tintoretto, dessen Werke zahlreich in Venedig zu bewundern sind. Wir sind nun im ehemaligen Judenviertel der Stadt. Getto hieß die Gießerei auf venezianisch, die hier einst arbeitete und die Juden, die hierher im 16. Jahrhundert verbannt wurden, nannten ihren Wohnbezirk deshalb Ghetto - das erste der Welt – und viele weitere folgen über die Jahrhunderte. Heute leben nur wenige Juden hier. Doch hinter den gelben und roten schlicht verputzten Fassaden findet man noch jüdische Bäcker, Lebensmittelgeschäften, Buchhandlungen, Museum und die Synagogen. Die Juden der cassidischen Bewegung am Campo des Ghetto Novo gehen offensiv mit ihrer Religion um und bringen etwas Leben in das Viertel. Ansonsten ist es still, obwohl sich immer mehr Touristen hierher verirren. Man sah Namen wie „Gamm Gamm" oder „Auberginen Ghetto Style" beim Schlendern entlang des Weges. Dieser unscheinbare Norden wartet mit einer Überraschung auf. Madonna dell'Orto – schon die Fassade ist ein Juwel für sich und ist ein gutes Beispiel gotischer Kirchenfassaden der Stadt. Die Ausstattung der Kirche erwies sich als ein Schatzhaus venezianischer Malerei mit einer Reihe von großformatigen Tintoretto-Bildern, die der Kirche vom Meister höchstpersönlich als Geschenk gemacht wurden. Der Kunstraub eines Madonnenbildnis von Giovanni Bellini von 1992 spielt sogar im Roman „Trügerisches Licht der Nacht" von Juan Manuel de Prada eine wichtige Rolle. Dies tröstet dennoch nicht über den Verlust eines unschätzbaren Werkes nicht hinweg!
In Gondeln, heute eher ein touristisches Requisit, steigen die Venezianer nur noch ein, wenn sie Gäste oder Freunde begleiten. Zudem wollen sie nicht erkannt werden. Peinlich wird es nur, wenn dazu noch „O sole mio" getrillert wird, das hier fehl am Platze ist, denn es kommt ja aus Neapel. So tuen wir es den Einheimischen gleich und benutzen die übrigen zulässigen Verkehrsmittel – Vaporetto oder Boottaxi. Heute wollen wir es bequem haben und entscheiden uns für das Boottaxi. Es ging vorbei am Casino, einst Wohnsitz von Richard Wagner und unzähligen Palazzi zurück zum Markusplatz. Natürlich durfte die Durchfahrt durch die bekannteste Brücke am Canale Grande der Rialtobrücke nicht fehlen. Bis zum Abendessen blieb noch Zeit für eigene Erkundungen – heimlich stieg vielleicht doch noch einer in die Gondel o der auf den Campenille um einen traumhaften Sonnenuntergang zu erleben? Heute Abende in einer typischen Trattoria ließen wir den Tag ausklingen

3. Tag Führung durch den Dogenpalast – Freizeit und abends exklusive Führung durch den Markusdom


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Frühstücken bei Italienern ist eher spartanisch. Man betritt schnell eine Bar. Bei einer raschen aber herzlichen Begrüßung wird die Bestellung aufgegeben. Man bestellt, trinkt einen Caffe' mit einem Cornetto und führt noch schnell ein kurzes Gespräch, das am Ende oft pointiert endet. Man zahlt und verlässt den Raum ebenso lautstark wie man ihn betreten hat. Nicht so unsere Gruppe. Diese genoss wieder ein reichhaltiges Frühstück im Hotel. Anschließend machten wir uns auf zum Dogenpalast.
Einst von Wasser umgeben und in Holz errichtet, sollte er noch einige Veränderungen aus Stein erfahren, bis er die heutige Gestalt hatte. Als Architektur zwischen Orient und Okzident war er Sinnbild des politischen Machtzentrums des Stadtstaates. Der Palast scheint sinnbildhaft die Situation der ganzen Stadt widerzuspiegeln. Oben kubisch geschlossen, wird dieser von zerbrechlich wirkenden Säulen getragen. Ein Abbild einer Stadt, die gänzlich auf Pfählen ruht. Schon Franz Grillparzer hat dies in seinen Tagebuchaufzeichnungen so vermerkt.
Einst betraten die Venezianer das Gebäude über die Porta della Carta – Prunktor an der Piazetta, das wörtlich übersetzt eigentlich Papiertür heißt. Nicht ohne Grund, denn hier übergaben die Bürger als Bittsteller ihre Petitionen an die Ratsmitglieder und erlassene Gesetze wurden an dieser Stelle verlesen. Beeindruckend die Reliefs des Dogen mit dem venezianischen Löwen, umgeben von den personifizierten Tugenden Besonnenheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit u. Barmherzigkeit. Wir jedoch betraten den Palast von der Seite. Im Innenhof an den Stufen der Scala dei Giganti hörten wir, dass hier einst der Doge nach althergebrachtem Ritus mit der Dogenmütze gekrönt wurde. Am Ende thronen Mars u. Neptun in Form von gigantischen Statuen – Zeichen einer großen Kriegs- und Seemacht jener Zeit.
Nun aber ab ins Innere des Palastes mit seinen Staats- und Privaträumen. In ihm spiegeln sich elf Jahrhunderte der venezianischen Geschichte wieder. Glanzvolle Gemälde von Tintoretto und Paolo Veronese dokumentieren die Ausstrahlung und Anziehungskraft der einstigen Republik. Unzählig viele Brücken gibt es in Venedig – die ganze Stadt wird ja von Brücken zusammengehalten. Die meisten werden nicht beachtet. Man überquert sie und fertig. Auf dem Weg zum Gefängnis mussten wir die Seufzerbrücke überqueren. Sie ist etwas Besonderes – aufregend, geheimnisvoll und legendär. Auch wir erhaschten wie einst Casanova einen letzten Blick auf die vergitterte Freiheit. Seufzend aber nur der Erinnerung wegen. Von außen wesentlich schöner ist es bei allen Besuchern das Fotomotiv schlecht hin. So durfte dies bei uns auch nicht fehlen – alle Motive des Palastes und der Brücke im Kasten war es Zeit für die Mittagspause. Auch wenn die Einheimischen schon vormittags die typischen Kneipen um die Ecke genannt Bàcaro zur Einkehrpause nutzen, gelang uns dies erst jetzt. Vielleicht ein obligatorisch Ombrá (Glas Wein 0,1l) mit den typischen kleinen Häppchen belegt mit Stockfisch, Gorgonzola, Oliven oder so manch anderen Köstlichkeit. So gestärkt konnten wir gemeinsam noch eine kleine Erkundungstour realisieren. Vom Markusplatz aus in Richtung Teatro Fenice, dann zur Bücke Accademia und schon waren wir in einem weiteren Stadteil. Dorsoduro. Anlaufstelle hier die Gondelwerkstatt und die Kirche S. Maria degli Salute in der wir ein Meisterwerk von Tizian sahen. Zum Abschluss setzten wir mit dem Traghetto über und am Markusplatz hatte dann jeder noch Zeit bis zum Abendessen auf eigene Faust die Stadt zu erkunden und die letzten Souvenirs zu erhaschen. Unser letzter Abend mit einem Blick über die Stadt auf dem Palazzo Fondaco die Tedeschi läutet das Abendessen ein. Danach der Höhepunkt – die Besichtigung des Doms ohne von den tausenden Touristen gestört zu werden. Wenn es Nacht wird in Venedig, verebbt die Woge der Tagestouristen auf dem Canale Grande und der Lärm der Wassertaxis verstummt. Das Wasser ist in Tintenschwarz getaucht und die Gassen wirken im orangenen Schein der Straßenlampen wie in Kerzenlicht gebadet. Lediglich Wispern und leises Lachen, gedämpftes Tellerklappern und sanfte Musikfetzen wehen über die bröckelnden Fassaden. Nach einem guten Abendessen wollten wir dieses Flair nochmal genießen. Was könnte da besser sein, als eine private Führung im Markusdom. San Marco ist das bedeutendste und am reichsten ausgestattete mittelalterliche Bauwerk Venedigs. Es entstand nicht als Bischofskirche, sondern als Hauskapelle des Dogen. Der heutige Bau ist der dritte an dieser Stelle. Wir stehen vor der prunkvollen Westfassade, die sich in 5 Bogen gliedert, deren mittlerer Bogen hervortritt und das Hauptportal beherbergt. Glanzvoller Mittelpunkt der Fassade markieren die bronzenen Pferde auf der Galerie, die in Konstantinopel erbeutet wurden. Spätantik, die fast unscheinbar wirkenden Porphyrfiguren, die nach der altvenezianischen Legende Bösewichte darstellen, die den Schatz von San Marco stehlen wollten und versteinert wurden – tatsächlich stellen sie Kaiser Diokletian und seine Mitregenten Valerius, Maximian und Constantius dar. Die enge Verbindung Venedigs mit Byzanz bewirkte, dass die zu den Bauarbeiten herangezogenen Künstler vor allem nach byzantinischen Vorbildern arbeiteten. Kein Wunder, dass der Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes erfolgt und sehr stark an die Apostelkirche in Byzanz angelehnt ist. Als wir den Innenraum betraten im mäßigen Schein einiger Leuchten. Wir setzten uns auf die Stühle und dann folgte ein Lichterschauspiel. Nach und nach gingen die Deckenleuchten an und setzte die Schönheit der Mosaike, die jetzt voll erleuchtet waren frei. Für uns als Betrachter ein reines Fest für die Augen. Normalerweise wird dem Boden nur wenig Beachtung geschenkt. Hier besticht dieser durch die teppichartigen Mosaike aus einer Vielzahl von Marmorstückchen. Bei über 4240 m² gibt es viel zu erzählen über die dargestellten Geschichten. Ergänzt wird der Innenschmuck durch eine Vielzahl von Skulpturen namhafter Künstler. Das bekannteste Werk aber ist wohl der Pala d'Oro – ein heterogenes Werk, in dem byzantinische, romanische und gotische Teile ein harmonisches Ganzes bilden, obwohl es in vier Phasen über 4 Jahrhunderte entstand. Abschluss bildet der Besuch der Krypta. Diese Geschichte beginnt im Jahr 828 mit dem Diebstahl einiger Knochen unter Zuhilfenahme von Schweinespeck. Viele Jahre war sie nicht zugänglich, da sie unter Wasser stand. Fast 1600 Jahre später kann diese nun wieder dank Einsatz von Kunststoffschaum und Lösungen wieder besichtigt werden. Eine kleine Treppe führt hinunter zur Krypta unterhalb des Presbyteriums. Die Decke besteht aus Kreuzgewölben, die von griechischen und byzantinischen Säulen getragen werden. Hier wurde im Jahre 1094 der Leichnam des hl. Markus niedergelegt. Mit diesen Eindrücken beendeten wir den heutigen Tag und kehrten mit vielen schönen Eindrücken zum Hotel zurück.

4. Tag Abschied von der Lagunenstadt Venedig


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Das Erlebnis der anderen Art Venedig, zu entdecken geht heute zu Ende. Der Ausspruch, dass hier der Mohr seine Schuldigkeit getan hätte, wäre völlig falsch. Dank Alessia haben wir ihre Stadt nicht mit den Augen eines Touristen erlebt, sondern die Stadt durch die Brille der Einheimischen gesehen. Nochmals genossen wir das Frühstück in unserem wunderschönen Hotel, bevor wir mit einem Privattransfer zum Flughafen gebracht wurden und die Heimreise per Flugzeug antraten. An dieser Stelle nochmals allen Teilnehmer ein Dankeschön für die schönen Tage in der Hoffnung, sie auf einer anderen Reise wieder zu sehen.
Wie wäre es mit einem Opernbesuch der anderen Art in Verona? Auch 2020 wäre eine Petit Rom Reise ein ähnliches Erlebnis. Gern würde ich sie wieder begleiten. Also bleiben Sie bis zu einem Wiedersehen gesund.Ihr
Philipp Schmitz
Reiseleiter

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