Kalabrien bei Sonnenschein erwartet uns!
Reisebericht: 19.04. – 26.04.2026
19 Reisegäste und die Sonne im Gepäck: Kalabrien zeigte sich von seiner schönsten Seite.
Ein Reisebericht von
Daniela Paulan
Buongiorno Kalabrien
Heute geht die Reise los – und das Wetter in Deutschland scheint uns förmlich in den Süden zu treiben: Regen und graue Wolken begleiten uns beim Abflug. Umso größer ist die Vorfreude! Am frühen Morgen treffen wir uns in Dresden, und pünktlich hebt die Maschine in Richtung Frankfurt ab. Nach einem zügigen Umstieg geht es weiter nach Lamezia Terme – dem Tor zu Kalabrien. In Frankfurt stoßen auch weitere Gäste zur Gruppe, und die Reisegesellschaft ist komplett.
Das wunderschöne Kalabrien empfängt uns mit offenen Armen.
Nach der Landung in Lamezia Terme warten wir noch kurz auf unsere beiden Gäste aus Wien – dann sind wir vollzählig. Unser Reiseleiter Genardo für heute hat uns herzlich am Flughafen begrüßt und begleitet uns zum Hotel. Die rund einstündige Fahrt nach Tropea führt uns bereits durch eine beeindruckende Landschaft. Der Bus ist heute noch etwas eng – die vielen Koffer fordern ihren Platz – aber ab morgen steht uns ein großzügigerer Reisebus zur Verfügung.
Im Hotel angekommen, sind die Zimmer bereits bezugsfertig. Nach dem Frischmachen nutzen viele die Gelegenheit für einen ersten Spaziergang ins malerische Tropea.
Am Nachmittag versammeln wir uns zur Auftaktrunde: Genardo gibt uns einen kurzweiligen Überblick über Kalabrien, die Region und das Programm der kommenden Tage. Besonders wichtig: Der Ausflug zu den Liparischen Inseln – ein echtes Highlight – findet bereits am Dienstag statt und muss heute noch gebucht werden.
Den Abend beschließen wir gemeinsam beim Abendessen: Ein reichhaltiges und vielfältiges Buffet lässt keine Wünsche offen – ein gelungener Auftakt für eine Woche voller Eindrücke!
Pizzo & Tropea
Nach einem stärkenden Frühstück erwartet uns heute unsere Reiseleiterin Claudia, die uns die nächsten Tage ihr Kalabrien zeigen wird. Zuerst halten wir an der berühmte Höhlenkirche im Tuffgestein Piedigrotta und besuchen sie. Claudia gibt umfangreiche Erklärungen. Hier müssen wir weit hinab steigen, aber dann versteckt in einem Felsen befindet sich eines der interessantesten Gotteshäuser Italiens - die Chiesa di Piedigrotta. Diese ungewöhnliche Felsenkirche ist direkt am Meer in einen Tuffsteinfelsen gemeißelt und ist voller Steinstatuen. Im 17. Jahrhundert stellten dort, als Dank für ihre Rettung, neapolitanische Schiffbrüchige einen Altar auf. Erst später um 1900 wurde die Grottenkirche mit biblischen Figuren aus Tuff versehen und auch ein paar bekannte Gesichter werden Sie hier entdecken.
Danach geht es auf nach Pizzo. Unser Bus lässt uns am Stadtrand heraus und wir spazieren durch die kleine Einkaufsstraße. Auf dem Markt von Pizzo nehmen wir in einem kleinen Eis-Café Platz. Hier verkosten wir das typische Tartufo-Eis. Anschließend zeigt uns der Besitzer, wie es hergestellt wird. Man nehme Schokoladen- und Haselnusseis, formt daraus eine Kugel. In die Mitte kommt flüssige Schokolade, anschließend wird es bei -30 Grad gekühlt, um später wieder anzutauen. Zum Schluss wird Kakaopulver über die Kugel gestreut – sehr lecker. Danach besuchen wir das Castello Murat – eine gut erhaltene mittelalterliche Kastellburg aus dem 15. Jahrhundert, die hoch über dem Meer thront und einen atemberaubenden Panoramablick bietet. Berühmt ist sie vor allem als letzter Gefängnisort von Joachim Murat, dem Schwager Napoleons und einstigen König von Neapel, der hier 1815 inhaftiert und hingerichtet wurde – eine Geschichte, die die Burg bis heute mit einer ganz besonderen Atmosphäre erfüllt.
Anschließend geht es weiter nach Tropea. Bei einem interessanten Rundgang lernen wir den wunderschönen Ort an der italienischen Mittelmeerküste kennen und besichtigen die Altstadt mit zahlreichen Cafés und Restaurants. Wir spazieren durch die Einkaufsstraße und stoppen in einem kleinen Laden, wo eine umfangreiche Verkostung der kalabrischen Spezialitäten auf dem Programm steht. Es gibt die scharfe Wurst, den schmackhaften Käse, aber natürlich auch verschiedene Aufstriche und die Kalabrische Zwiebel. Die rote Zwiebel, die Cipolla Rossa di Tropea, ist eine milde und süße rote Zwiebeln, die aus Kalabrien kommt. Aufgrund des niedrigen Schwefelgehalts sind sie kaum scharf, schmecken sehr gut und sind leicht bekömmlich. Sie werden in Salaten, Carpaccio oder als Marmelade verwendet.
Gestärkt und mit vollen Taschen spazieren wir weiter durch die kleinen Gässchen der Stadt. Claudia erläutert uns viel über das Leben in der Stadt, wie die Menschen wohnen. Vom Kanonenplatz haben wir eine herrliche Aussicht auf das Meer und staunen über die Stadt, die hoch oben auf dem Tuffstein erbaut wurde. Anschließend hat jeder etwas Freizeit. Claudia geht in ein kleines Kaffee mit typischem Gebäck und einige folgen ihr. Wir treffen uns später wieder am Bus und fahren zu unserem letzten Höhepunkt.
Eberhardt lädt uns zu einer Weinverkostung an einem wahrlich idyllischen Ort ein. Allerdings müssen wir ein Stück über Stock und Stein laufen bis wir zu einem Ort kommen, von wo wir einen herrlichen Ausblick haben. Alles ist für uns vorbereitet. Wir bekommen fünf verschiedene Wein-Sorten erläutert und verkosten diese. Dazu gibt es kalabrische Spezialitäten wie Brot mit Olivenöl, verschiedene Pesto oder auch wieder die typisch rote Zwiebel. Ein herrlicher Tag mit bestem Wetter geht zu Ende.
Am Abend treffen wir uns wieder zu unserem schmackhaften Buffet.
Freizeit oder fakultativer Ausflug auf die Liparischen Inseln
Der heutige Tag steht zur freien Verfügung – und jeder nutzt ihn auf seine Weise. Einige Gäste genießen die Ruhe, schlendern auf eigene Faust durch das malerische Tropea oder testen das kristallklare Tyrrhenische Meer. Für elf Gäste hingegen geht es bereits früh morgens wieder los: Ein Bus holt uns ab und bringt uns zum Hafen, wo die Fähre in Richtung Liparische Inseln – auch Äolische Inseln genannt – auf uns wartet.
Die Überfahrt dauert rund zwei Stunden. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, das Meer liegt ruhig vor uns – beste Bedingungen für einen unvergesslichen Ausflugstag.
Erste Station: Vulcano
Unsere erste Anlaufstelle ist die Insel Vulcano – die südlichste der bewohnten Äolischen Inseln und namensgebend für alle Vulkane der Welt: Der Begriff „Vulkan" leitet sich direkt von ihr ab, denn die Römer glaubten, hier befinde sich die Esse des Schmiedegottes Vulcanus. Ein deutschsprachiger Reiseleiter bietet einen kurzen Rundgang an: Wir spazieren vorbei an den dampfenden heißen Schwefelquellen, deren Schlammbäder seit der Antike für ihre heilende Wirkung bekannt sind, und gelangen schließlich zum beeindruckenden schwarzen Lavastrand – einem der charakteristischsten Anblicke der Insel. Nach einer kurzen Pause geht es wieder an Bord.
Zweite Station: Lipari
Nur etwa 20 Minuten Fahrt trennen uns von Lipari – der größten und bevölkerungsreichsten der Äolischen Inseln, die seit etwa 4.000 Jahren kontinuierlich besiedelt ist und im Altertum als wichtiges Handelszentrum galt. Wer möchte, kann an einer kleinen Bootsrundfahrt um die Insel teilnehmen – ein lohnenswertes Angebot, denn von der Seeseite aus offenbaren sich spektakuläre Felsformationen und Klippen, die wie Skulpturen aus dem Meer ragen.
An Land erwartet uns ein zweistündiger Aufenthalt. Wir besuchen die imposante Zitadelle von Lipari – ein von Normannen und Spaniern ausgebauter Burgkomplex aus dem 16. Jahrhundert, der hoch über dem Hafen thront und über eine Treppenanlage erreichbar ist. Anschließend stärken wir uns – gegen 15 Uhr geht es weiter zur letzten und wohl aufregendsten Station des Tages.
Dritte Station: Stromboli – der „Leuchtturm des Mittelmeers"
Leider dürfen wir auf Stromboli nicht anlegen: Der Bürgermeister hat Touristenbooten das Anlegen untersagt, da das Risiko bei einem möglichen Ausbruch als zu groß eingestuft wird – eine Entscheidung, die man angesichts der Aktivität des Vulkans gut nachvollziehen kann. Stromboli ist einer von nur drei aktiven Vulkanen Italiens und seit Jahrhunderten nahezu ununterbrochen tätig – weshalb er im Volksmund auch „Leuchtturm des Mittelmeers" genannt wird, da seine Ausbrüche früher Seefahrern als natürliche Orientierung dienten.
So umrundet unser Boot die Insel einmal vollständig – und das erweist sich als großartiges Erlebnis aus nächster Nähe: Etwa alle 15 Minuten ist ein kleiner Ausbruch zu beobachten, bei dem eine Rauchwolke aus dem Krater austritt. Solange diese regelmäßigen, kleinen Entladungen stattfinden, gilt der Vulkan als stabil – er baut so kontinuierlich seinen Druck ab, anstatt sich gefährlich aufzustauen.
Die rund zweistündige Rückfahrt nach Tropea lässt sich bei Sonnenschein, kühlen Getränken und Snacks an Bord bestens genießen – die Zeit vergeht wie im Flug.
Zurück im Hotel lassen wir diesen außergewöhnlichen Tag beim gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Im Herzen Kalabriens: Soriano Calabro, Serra San Bruno und Mongiana
Nach einem leckeren Frühstück erkunden wir heute das Landesinnere Kalabriens – und unser Busfahrer vollbringt dabei wahrhaft außergewöhnliche Leistungen. Die Straßen sind teilweise so schmal und kurvenreich, dass es immer wieder sehr eng wird. Gelegentlich sind die Durchfahrten blockiert und wir erleben so manche spannende Begegnung mitten in den Ortschaften – ein kleines Abenteuer für sich!
Vorbei an altehrwürdigen Olivenhainen mit knorrigen, jahrhundertealten Bäumen und dichten Buchenwäldern erreichen wir zunächst das malerische Dorf Soriano Calabro. Das Ortsbild wird geprägt von den eindrucksvollen Ruinen des Konvents San Domenico – dem einzigen Heiligtum des Heiligen Dominikus, des Gründers des Dominikanerordens, weltweit. Das Kloster war einst eines der bedeutendsten Dominikanerklöster Süditaliens, bevor es durch ein schweres Erdbeben im 18. Jahrhundert weitgehend zerstört wurde. Die weitläufigen Ruinen strahlen noch heute eine ganz besondere, fast mystische Atmosphäre aus. In dem kleinen, beschaulichen Örtchen – mit seinen zwei Cafés – gönnen wir uns eine kurze, wohlverdiente Pause.
Weiter geht es nach Serra San Bruno, einem bezaubernden Ort, der im 11. Jahrhundert vom heiligen Bruno von Köln gegründet wurde – demselben Bruno, der auch den Kartäuserorden ins Leben rief. Wir besichtigen das Museum der Certosa di Serra San Bruno – der Kartause Santa Maria della Torre – und erhalten bei der fachkundigen Führung von Claudia faszinierende Einblicke in die Geschichte des Klosters und das streng zurückgezogene Leben der Mönche, die noch heute in stiller Klausur hier leben. Nur ein kleiner Teil des Klosters ist für Besucher zugänglich – was dem Ort seinen geheimnisvollen Reiz verleiht. Im Anschluss spazieren wir durch den malerischen Wald bis zur magischen Wunschquelle: Wer sich mit dem Quellwasser einreibt, dem sollen bestimmte Beschwerden vergehen – natürlich probieren das einige von uns aus. Mal sehen, ob es wirkt!
Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Kirche Maria SS. Addolorata, die 1721 fertiggestellt und den sieben Schmerzen Mariens gewidmet wurde. Im Inneren finden sich bemerkenswerte Kunstgegenstände namhafter Künstler sowie erstklassige Arbeiten aus dem Kloster Santa Maria della Torre.
Unser letzter Halt des Tages führt uns in das nahe gelegene Mongiana – ein kleines Bergdorf, das auf eine überraschend bedeutende Industriegeschichte zurückblickt. Im Museo delle Reali Ferriere erfahren wir alles über die königliche Eisengießerei und Waffenfabrik, die unter den Bourbonen im frühen 19. Jahrhundert hier errichtet wurde und zum wirtschaftlichen Aufschwung Kalabriens im Königreich beider Sizilien maßgeblich beitrug. Das Museum erzählt auf eindrückliche Weise, wie dieser abgelegene Ort einst zu einem wichtigen Rüstungs- und Industriezentrum Süditaliens wurde. Zum Abschluss präsentiert sich Mongiana noch von seiner grünen Seite: Der blühende Botanische Garten „Orto Botanico Villa Vittoria" lädt zu einem entspannten Spaziergang ein, bevor wir am Nachmittag die Rückfahrt zum Hotel antreten.
Scilla & Reggio Calabria
Heute erkunden wir die Südspitze Italiens! Vorbei an der traumhaften Tyrrhenischen Küste fahren wir zunächst nach Scilla – einem malerischen Städtchen, das sich dramatisch an einem Felsen über einer Bucht erhebt und dessen Name bereits in der Antike bekannt war: In der griechischen Mythologie war Scilla das gefürchtete Meeresungeheuer, das gemeinsam mit dem Strudel Charybdis die Meerenge von Messina bewachte und Odysseus auf seiner Irrfahrt bedrohte.
Wir beginnen unseren Rundgang mit dem Besuch des Castello Ruffo – der normannischen Burg, die über der Stadt thront und einen atemberaubenden Panoramablick auf die Meerenge von Messina und die Küste Siziliens bietet. Die Burg geht auf das 5. Jahrhundert zurück und war über Jahrhunderte hinweg im Besitz der mächtigen Familie Ruffo, die in Kalabrien eine bedeutende Rolle spielte. Anschließend besichtigen wir die Kirche und bummeln durch die engen, verwinkelten Gässchen – immer wieder eröffnen sich dabei herrliche Ausblicke auf die Küste. Am Vormittag ist in dem kleinen, verschlafenen Städtchen noch nicht viel los, aber wir bekommen einen wunderbaren Überblick.
In einem kleinen Laden erfahren wir Wissenswertes über die Bergamotte – eine Zitrusfrucht, die fast ausschließlich in Kalabrien angebaut wird und deren ätherisches Öl weltweit als Grundstoff für Parfüms und den berühmten Earl-Grey-Tee bekannt ist. Darüber hinaus werden ihr zahlreiche heilende Eigenschaften nachgesagt, etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und als natürliches Antibiotikum. Viele aus unserer Gruppe greifen gerne zu den angebotenen Produkten.
Weiter führt uns der Spaziergang durch das Fischerviertel Chianalea – das „Venedig Kalabriens", wie es liebevoll genannt wird. Das Meer zeigt sich heute etwas unruhig, sodass wir leider keine der traditionellen Schwertfisch-Fischer beobachten können, die mit ihren Booten und langen Auslegermasten auf die Jagd gehen. Dafür lässt es sich an der Strandpromenade herrlich flanieren. Anschließend probieren einige in einem der kleinen Restaurant den für Scilla berühmten, frisch gefangenen Schwertfisch.
Gestärkt fahren wir weiter nach Reggio Calabria – der ältesten Stadt Kalabriens und bis 1970 deren Hauptstadt. Die Lage der Stadt ist einzigartig: Im Westen liegt das Tyrrhenische Meer, im Süden grüßt bei klarem Wetter der Vulkan Ätna auf Sizilien, und im Osten öffnet sich der Blick auf das Ionische Meer. Nur wenige Kilometer trennen Reggio von der Insel Sizilien – die Meerenge von Messina ist an ihrer schmalsten Stelle gerade einmal drei Kilometer breit. Reggio Calabria, kurz „Reggio" genannt, blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück, in der sich griechische, römische, byzantinische und normannische Einflüsse zu einem faszinierenden kulturellen Erbe vereint haben.
Herzstück unserer Besichtigung ist das Museo Archeologico Nazionale della Magna Grecia – eines der bedeutendsten archäologischen Museen Italiens, mit beeindruckenden Artefakten aus der Zeit der Magna Graecia ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Der Höhepunkt sind die weltberühmten Bronzi di Riace: zwei lebensgroße griechische Bronzestatuen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., die 1972 zufällig von einem Sporttaucher in etwa acht Metern Tiefe vor der kalabrischen Küste bei Riace entdeckt wurden. Woher sie stammen und wie sie ins Meer gelangten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt – ob von einem gesunkenen Schiff, das Kunstschätze aus Griechenland transportierte, oder aus einem anderen Zusammenhang, bleibt Gegenstand der Forschung. Da man ihre Namen nicht kennt, nennt man sie schlicht Statue A und Statue B. Claudia erzählt uns die verschiedenen Theorien und Legenden rund um die geheimnisvollen Krieger.
Anschließend bummeln wir mit einem Bergamotte-Eis in der Hand entlang des Lungomare Falcomatà – einer der schönsten Strandpromenaden Italiens, die sich über mehrere Kilometer entlang der Küste zieht und mit üppigen Palmen, Bougainvilleen und Blicken auf Sizilien aufwartet. Da am Samstag ein italienischer Nationalfeiertag gefeiert wird, sind bereits einige Festbuden aufgebaut, die uns anfangs ein wenig die Sicht versperren – weiter hinten aber spazieren wir ungestört auf dem breiten Gehweg, während Claudia uns auf Sehenswertes aufmerksam macht. Für einen kurzen Moment wird sie von einem Polizisten angehalten, der ihre Reiseleiter-Unterlagen kontrollieren möchte – wir nutzen die Gelegenheit für eigene Erkundungen oder einen wohlverdienten Espresso, bevor wir uns alle wieder am Bus einfinden.
Am Abend kehren wir zum Hotel zurück und lassen diesen eindrucksreichen Tag in Ruhe ausklingen.
An der Götterküste: Capo Vaticano, Nicotera, Olivenöl–Mühle und Zungri
Pünktlich starten wir heute in Richtung Süden und genießen während der Fahrt immer wieder atemberaubende Ausblicke auf das kristallblaue Tyrrhenische Meer. Unser erstes Ziel ist der Belvedere Capo Vaticano – das wohl berühmteste Postkartenmotiv Kalabriens. Von den Klippen hoch oben aus eröffnet sich ein schöner Blick auf die türkisblaue Küste, die weißen Sandstrände tief unten und sogar auf den Vulkan Stromboli am Horizont. Die Sonne lacht, das Meer leuchtet in allen Blautönen, und wir können einfach nicht genug davon bekommen.
Weiter geht es nach Nicotera – dem südlichsten Punkt der Costa degli Dei, der Götterküste. Der einstige Bischofssitz thront auf einer weitläufigen Panoramaposition hoch über dem Meer und wird von den imposanten Mauern des Castello Ruffo dominiert – einer mittelalterlichen Burg der mächtigen Familie Ruffo, die auch in Scilla ihre Spuren hinterlassen hat. Wir bummeln durch den kleinen, beschaulichen Ort und besichtigen die Kathedrale, die ein beeindruckendes Renaissance-Holzkreuz beherbergt, sowie den historischen Bischofspalast, der heute ein Museum für sakrale Kunst beherbergt.
Anschließend führt uns die Fahrt zu einer familiär geführten Olivenöl-Mühle – einem der Höhepunkte des Tages. Zunächst spazieren wir durch den kleinen Olivenhain, wo uns der Besitzer mit großer Leidenschaft alles über den Anbau der Oliven erklärt: die verschiedenen Sorten, die richtige Erntezeit und die Herausforderungen, die ein kleiner Familienbetrieb in der heutigen Zeit zu meistern hat. Danach dürfen wir verkosten: frisches Brot mit feinstem Olivenöl, verschiedene Pesto-Sorten und ein Glas kalabrischer Rotwein – serviert in einer Atmosphäre, die so ruhig und ursprünglich ist, dass man die Zeit vergisst - das gibt es nur bei Eberhardt. Zum Abschluss zeigt uns der Besitzer die Maschinen, mit denen die Oliven kalt gepresst und das Öl gewonnen wird. Natürlich können wir auch gleich einiges davon mit nach Hause nehmen – zu sehr moderaten Preisen.
Den Abschluss des Tages bildet ein Besuch in Zungri – einem kleinen Ort mit gleich mehreren Überraschungen. In einem Geschäft am Ortseingang gibt es eine feine Auswahl an Bergamotte-Produkten, und natürlich wird der Bergamotte-Likör ausgiebig verkostet. Beim anschließenden Spaziergang durch das Dorf fällt auf, dass viele Hausfassaden mit farbenfrohen Wandgemälden verziert sind – ein charmantes Kunstprojekt, das dem Ort eine ganz eigene, lebendige Note verleiht. Im kleinen Bauernmuseum erhalten wir einen eindrucksvollen Einblick in das einfache Landleben vergangener Jahrhunderte.
Der eigentliche Höhepunkt aber wartet am Ende des Weges: die Grotten von Zungri – eine der faszinierendsten archäologischen Stätten Kalabriens. Diese verlassene Höhlensiedlung besteht aus rund 80 in den weichen Sandstein gehauenen Wohnhöhlen, die durch viele Gängen und Treppen miteinander verbunden sind. Laut Archäologen gehen die ersten Besiedlungsspuren bis in die Vorgeschichte zurück; bewohnt wurde die Anlage nachweislich bis ins Mittelalter. Besonders beeindruckend: Viele der Höhlen verfügten offenbar über einen zweiten Stock, und noch heute lässt sich ein gut erhaltener Backofen erkennen. Wir steigen hinab in die Grotten, jeder so weit er möchte. Ein eindrucksvoller Abschluss eines abwechslungsreichen Tages.
Am Abend kehren wir zum Hotel zurück und lassen den Tag beim gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Ausflug nach Gerace mit Blick zum Ionischen Meer – Freilichtmuseum MUSABA
Heute fahren wir ein letztes Mal früh mit dem Bus durch das Landesinnere Kalabriens und gelangen auf der östlichen Seite an die Küste des Ionischen Meeres. Die Landschaft überrascht uns einmal mehr: Wir durchqueren die sogenannte Jasminküste – die Costa dei Gelsomini – die ihren poetischen Namen dem ausgedehnten Anbau von Jasmin und anderen Kletterpflanzen verdankt, deren Blüten die Parfümindustrie weltweit beliefern.
Unser erster Halt gilt dem MUSABA – dem Museo Santa Barbara – einem einzigartigen Freilichtmuseum und Künstlerlabor bei Mammola, das auf einem sieben Hektar großen Gelände inmitten der kalabrischen Bergwelt liegt. Es ist das Lebenswerk zweier Künstler: des kalabrischen Malers und Bildhauers Nik Spatari und seiner niederländischen Frau Hiske Maas, die das große Areal viele Jahrzehnte in ein faszinierendes Gesamtkunstwerk verwandelt haben – eingebettet in die Überreste eines alten Klosterkomplexes aus dem 10. Jahrhundert. Farbenfrohe Mosaike, monumentale Skulpturen und eine atemberaubende „Sixtinische Kapelle Kalabriens" – eine vollständig mit Mosaiken ausgestattete Kapelle – faszinieren uns. Claudia erklärt uns anschaulich die vielen Werke und die Geschichte hinter diesem außergewöhnlichen Ort.
Weiter fahren wir in die kleine Ortschaft Gerace – liebevoll die „Stadt der 100 Kirchen" genannt und eine der schönsten mittelalterlichen Städte ganz Italiens. Hoch oben auf einer Felsplatte, 14 Kilometer vom Ionischen Meer entfernt und auf fast 500 Metern Höhe gelegen, war Gerace im Mittelalter eine bedeutende byzantinische und später normannische Festungsstadt. Eine Bimmelbahn bringt uns hinauf in die Altstadt.
Dort besichtigen wir zunächst die beeindruckende Kathedrale Mariä Himmelfahrt – die größte Kirche Kalabriens, erbaut im 11. Jahrhundert unter den Normannen auf den Fundamenten eines früheren byzantinischen Gotteshauses. Ihr Inneres vereint romanische, byzantinische und arabisch-normannische Stilelemente und beherbergt 26 antike Säulen aus verschiedenen Epochen – ein einzigartiges Zeugnis der wechselvollen Geschichte dieser Region. Ein kurzer Museumsbesuch rundet die Besichtigung ab.
Bei der anschließenden Mittagspause lassen wir es uns gut gehen – ein Eis oder vielleicht ein erfrischender Bergamotte-Spritz? Beides eine Versuchung!
Danach geht es hinauf zur Ruine der Normannischen Burg, die auf dem höchsten Punkt der Stadt auf 480 Metern Höhe thront. Die Burg wurde im 10. Jahrhundert von den Byzantinern errichtet und später von den Normannen ausgebaut – heute sind es malerische Ruinen, die jedoch einen atemberaubenden Panoramablick über die weite grüne Ebene der Piana di Gioia Tauro bis hinunter zur Küste des Ionischen Meeres bieten. Ein letzter Spaziergang durch die verwinkelten Gässchen der Altstadt, dann bringt uns die Bimmelbahn wieder ins Tal hinab – und gönnt uns dabei noch eine kleine Rundfahrt, sodass wir die Burg ein letztes Mal aus der Vogelperspektive bewundern können.
Doch bevor wir ins Hotel zurückfahren, lassen wir die Woche noch gebührend ausklingen: Mit einem Bergamotte-Likör stoßen wir auf eine fantastische Woche an – mit herrlichem Blick, strahlendem Sonnenschein und dem guten Gefühl, Kalabrien wirklich kennengelernt zu haben. Die ganze Woche über hat uns das Wetter verwöhnt, und mit Claudia hatten wir eine Reiseleitung, die uns mit großer Leidenschaft und tiefem Wissen ihr Kalabrien nähergebracht hat – herzlichen Dank dafür!
Zurück im Hotel verbringen wir den letzten gemeinsamen Abend bei einem köstlichen Abendessen. Und wie jeden Abend erwartet uns kurz vor dem Essen der tägliche Höhepunkt: ein Sonnenuntergang, der uns jedes Mal aufs Neue in seinen Bann zieht.
Arrivederci, Kalabrien!
Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück im Hotel heißt es Abschied nehmen – von Tropea, von der Sonne, vom Meer und von einem Land, das uns beeindruckt hat.
Der Transfer bringt uns zum Flughafen Lamezia Terme, von wo aus wir die Heimreise nach Deutschland antreten. Im Gepäck: ein paar Gläser kalabrisches Olivenöl, vielleicht eine Flasche Bergamotte-Likör, die manche sogar die rote Zwiebel aus Tropea – und ganz viele unvergessliche Erinnerungen: an die Tuffsteinfelsen von Tropea, die geheimnisvollen Grottenkirchen, den brodelnden Stromboli, die mittelalterlichen Gassen von Gerace und nicht zuletzt an Claudia, die uns mit so viel Herzblut ihr Kalabrien gezeigt hat.
Kalabrien – das ist Italiens wilder, unentdeckter Süden. Eine Region, die nicht mit dem ersten Blick beeindruckt, sondern mit jedem Tag mehr. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen – in Kalabrien oder anderswo in der großen weiten Welt.
Arrivederci e grazie, Calabria!
Eine Reise voller Sonnenschein, netter Reisender, vieler Eindrücke und umfassender Informationen geht zu Ende! Kalabrien hat uns überrascht und wir nehmen viele schöne Erinnerungen mit. Bis zum nächsten Mal, meine lieben Reisegäste. Eure Daniela
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