Reisebericht: Rundreise Jordanien und Jerusalem

23.03. – 31.03.2019, 9 Tage Rundreise zu den Höhepunkten in Jordanien und Städtereise Jerusalem: Amman - Madaba - Berg Nebo - Felsenstadt Petra - Kerak - Totes Meer - Jerusalem - Bethlehem

Wir standen am Anfang einer Reise in eine Region, die einem stetigen Wandel unterlegen, aber auch seit Jahrtausenden für ihr religiöses Verharrungsvermögen als Zentrum dreier Weltreligionen bekannt ist.Jordanien und Israel, zwei sehr gegensätzliche Staaten mit ineinandergreifender Geschichte, sollten uns die nächsten Tage mit Kultur, Religion und ganz unterschiedlicher Lebensweise begegnen.

Samstag, 23.03.2019 – Flug nach Amman


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Von verschiedenen deutschen Flughäfen ging es für unsere kleine Reisegruppe nach Amman, in die jordanische Hauptstadt. Während ein Teil der Gruppe bereits am späten Nachmittag via Wien eintraf, betrat der Rest am frühen Abend nach viereinhalbstündigem Flug jordanischen Boden. Die Einreiseformalitäten wurden uns unkompliziert abgenommen und zügig erledigt, so dass wir wenig später unserem Reiseleiter Fathi gegenüberstanden. Mit einem kleinen Bus ging es vom hochmodernen Queen Alia Airport ins vierzig Kilometer entfernte Hotel nach Amman. Unterwegs erfuhren wir die ersten allgemeinen Informationen zum Land und zur Region, bevor wir im Hotel eincheckten, den anderen Teil der Gruppe begrüßten und ein spätes Abendessen zu uns nahmen.

Sonntag, 24.03.2019 - Stadtrundfahrt Amman, Berg Nebo, Madaba, Wadi Musa


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Nach einer ruhigen Nacht, nur unterbrochen vom Weckruf des Muezzins um 04:13 Uhr in der Früh, genossen wir ein stärkendes Frühstück und begannen im Anschluss daran unsere Rundreise durch das haschemitische Königreich. Wir besuchten zuerst die König-Abdullah-Moschee, welche zwischen 1982 und 1986 erbaut wurde und als einzige Moschee in Amman auch Nichtmuslimen zugänglich ist. Im beeindruckenden Gebetsraum gab uns Fathi Erklärungen zum Islam im Allgemeinen und zu den Gebeten im Besonderen. Anschließend führte uns unser Weg zum Zitadellen Hügel, wo wir bei einem Rundgang die archäologischen Überreste verschiedener Bauwerke zu Gesicht bekamen. Von hier aus hatte man auch einen wunderbaren Blick über die Stadt, inklusive dem römischen Theater und moderner Hochhausbauten. Im römischen Theater, welches wir danach besichtigten, fanden bis zu 11.000 Menschen Platz und es wird nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten heute wieder für ausgewählte Veranstaltungen genutzt. Wir verließen Amman in südwestlicher Richtung und erklommen mit dem Bus den Berg Nebo, einen achthundert Meter hohen Hügel, von welchem aus Moses das Gelobte Land erblickt haben soll. Bei schönem Wetter kann man bis nach Jerusalem sehen, der Jordan, Jericho und das Tote Meer liegen beinahe zu Füßen. Zahlreiche Pilger sind bis heute auf den Spuren des Alten Testamentes hierher gelangt, im Jahre 2000 besuchte Papst Johannes Paul II. die heilige Stätte. Leider hatten wir keine allzu gute Sicht, da sich das Wetter ständig von bedeckt zu regnerisch veränderte. In einer nahegelegenen Mosaik-Manufaktur konnten wir bei der Herstellung der teils sehr filigranen Arbeiten zuschauen und erfuhren gleichzeitig Wissenswertes zu den verwendeten Materialien und zur Technik. Passend dazu führte uns unser weiterer Weg nach Madaba, der Stadt der Mosaiken. Die achtzigtausend Einwohner zählende Stadt ist insbesondere durch die Entdeckung eines Landkartenmosaiks beim Bau der St.-Georgs-Kirche bekannt. Aus über 2 Millionen Mosaiksteinchen wurde eine Karte erstellt, die das Heilige Land in seiner historischen Ausdehnung wiedergibt. Bei einem Besuch der Kirche konnten wir uns von der beeindruckenden Größe des Mosaiks ein eigenes Bild machen. Ein kleiner Spaziergang durch Madaba führte uns u.a. zu einem Gasthaus, wo wir einheimische Speisen gegen den kleinen Hunger probierten. Gesättigt an Geist und Körper begaben wir uns am späten Nachmittag auf die dreistündige Fahrt nach Wadi Musa, dem kleinen Ort am Eingang des großen Petra. Der jordanischen Sehenswürdigkeit schlechthin und eines der inoffiziellen Neuen Weltwunder. Weltkulturerbe ist es sowieso. Wir bezogen unsere Zimmer in einem schönen Hotel am Eingang dieses archäologischen Kleinodes. Nach einem stärkenden Abendmahl gingen wir voller Vorfreude auf die Entdeckungen des nächsten Tages zu Bett.

Montag, 25.03.2019 Felsenstadt Petra


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Bereits in der Nacht kam zum Weckruf des Muezzins noch das donnernde Grollen und die Blitze eines nahen Gewitters hinzu. Wohl wissend, dass Wasser in jedweder Form ein Segen für das sehr trockene Land ist, ahnten wir gleichzeitig, dass uns ein paar Stunden später ein wettertechnisch wenig angenehmer Besichtigungstag bevorstand. Ein Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen ließ uns alle hektisch nach den passenden Kleidungsstücken suchen; nur welche waren das? An diesem Tag hätten wir von regenfester und warmer Kleidung, Gummistiefeln, Mütze, Schal und Handschuhen beinahe einen gesamten Querschnitt des häuslichen Kleiderschrankes gebrauchen können. Außer vielleicht die richtig sommerlichen Sachen, denn die waren bei 5 Grad und immer wieder einsetzendem Regen sowie einem recht kalten Wind nicht von Nöten. Aber der hartgesottene Tourist lässt sich von widrigen äußerlichen Umständen nicht von seinem eigentlichen Ziel abbringen. So geschah es, dass wir mit einer Vielzahl Besuchern aus allen Regionen und Religionen einer der faszinierendsten archäologischen Stätten des Nahen Ostens unsere Aufwartung machten. Petra, die antike Stadt im Felsen, erreichbar über den Siq, einer 70 Meter tiefen und an der schmalsten Stelle zwei Meter breiten Schlucht. Begleitet vom Hufgetrappel und den antreibenden Stimmen der Reiter und Wagenlenker, welche uns ein ums andere Mal nach einer Ausweichstelle in dem engen Felseinschnitt schauen ließen, gelangten wir nach anderthalb kalten und feuchten Kilometern zum Khazne al-Firaun, dem sogenannten Schatzhaus am Ausgang des Siq. Dieser in den Felsen geschlagene Grabtempel beeindruckte durch seine Größe und seine architektonische Schönheit, welche in den Strahlen der Morgensonne noch besser zur Geltung kam. Der heute bekannteste Tempel des antiken Reiches der Nabatäer zog jeden Besucher in seinen Bann. Der rötliche Sandstein leuchtete je nach Sonneneinstrahlung in mehr oder minder intensiven Farbtönen. Es war ein wahrhaft erhebender Anblick. Nach einem Augenblick des Verweilens gingen wir weiter durch die Überbleibsel der einst am Schnittpunkt mehrerer Karawanenwege gelegen Stadt. Es war faszinierend anzuschauen, mit welch technischem Geschick vor über zweitausend Jahren Gräber, Theater, Tempel und Straßen aus dem Gestein gehauen wurden. Erst im 19. Jahrhundert wurde die einstige nabatäische Hauptstadt für Außenstehende wiederentdeckt. Seitdem bemühten sich viele Forscher und Archäologen an der Restaurierung und Deutung des riesigen Komplexes. Sehr zu unserer Freude, konnten wir dadurch doch viele Sehenswürdigkeiten für uns entdecken. Das römische Theater, die verschiedenen Gräber in der sogenannten Königswand, die Säulenstraße mit dem Haupttempel Qasr al-Bint sowie das Obeliskengrab am Eingang des Siq, um nur einige zu nennen. Leider hatte das wechselhafte Wetter keine wirklich planbare Erkundung der gesamten Anlage zugelassen. Zu unstet war die Aussicht, so dass wir immer nur von Tempel zu Tempel planten. Nach einer Mittagspause machten sich die ganz Unverdrossenen noch an den Aufstieg zu einem der Opferplätze, die auf den umliegenden Felsgipfeln zu finden waren, während der Rest der Gruppe den Rückweg durch den Siq antrat. Da sich das Wetter langsam stabilisierte, flossen uns beinahe unentwegt weitere Touristenströme entgegen, die sich genau wie wir den permanenten Offerten für einen Ritt zu Ross oder in einer Kutsche gegenübersahen. Nach knapp vierzehn zu Fuß erlebten Kilometern in einer der beeindruckendsten derartigen Anlagen auf der Welt erreichten wir am Nachmittag wieder unser Hotel. Unzählige Bilder und unvergessliche Momente waren das Ergebnis des heutigen Tages. Leider fand aufgrund der Wetterlage die abendliche Show „Petra by night" nicht statt, so dass wir bei einem schmackhaften Abendessen und einem anschließenden Schlummertrunk die Eindrücke des Tages Revue passieren ließen.

Dienstag, 26.03.2019 Kreuzritterburg Kerak und Fahrt zum Toten Meer


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Wir verlassen am frühen Morgen Wadi Musa, das Moses-Tal, und begeben uns auf die 250 Kilometer lange Fahrt zum Toten Meer. Ein Teil der Reise ging über die Wüstenautobahn, ein Teil führte uns durch die wenigen Dörfer und kleinen Städte. Von Fahti erfuhren wir, dass das jordanische Verkehrssystem inklusive aller Regeln von uns Deutschen übernommen wurde. Das Regeln trotzdem Auslegungssache sind, bemerkten wir schnell bei unseren Fahrten durch das Land. Ob durchgezogene Linie oder Schilder mit begrenzter Geschwindigkeit, dem Einheimischen ficht das wenig an. Glücklicherweise sind die Straßen oft breit und ziemlich leer, so dass nur die eine oder andere „Bremsschwelle" oder ein übersehenes Schlagloch zum kurzzeitigen Innehalten bei der "Regelauslage " führte. Auf dem Weg zum Toten Meer erreichten wir zur Mittagszeit die Kreuzritterburg Kerak. Mitte des zwölften Jahrhunderts als Kreuzfahrerburg des Königreiches Jerusalem an einer strategisch wichtigen Handelsroute erbaut, wurde sie schon wenige Jahrzehnte später an Saladin, Sultan von Ägypten und Syrien nach langer Belagerung verloren. Die eindrucksvolle Anlage thront auf einem Felsvorsprung in neunhundert Metern Höhe über dem Meeresspiegel und war aufgrund der Lage und der Bauweise lange Zeit uneinnehmbar. Heute ist sie nur noch in einigen Bereichen frei begehbar, zeugt aber dank der gewaltigen Ausmaße immer noch von der Größe und Bedeutung in den vergangenen Jahrhunderten. Bis zu zehntausend Menschen sollen sich in den ehemals sieben Stockwerken aufgehalten haben, hunderte Räume, Keller und Gewölbe beherbergten alle notwendigen Güter und Vorräte des täglichen Bedarfs. Wir konnten einen Teil der Anlage und der Räumlichkeiten besichtigen und so eine kleine Vorstellung von den ehemaligen Ausmaßen erhalten. Von der Zinne aus hatte man einen fantastischen Blick in das umgebende Land, so dass es unschwer vorstellbar war, warum die Burg eine Zeitlang das Zentrum der Herrschaft Oultrejordain war. Nach so viel geschichtlicher Begegnung stärkten wir uns bei einer kleinen Mittagsmahlzeit, bevor wir unseren Weg zum heutigen Etappenziel fortsetzten. Die Temperaturen veränderten sich auf unserer Fahrt in die 400 Meter unter Normalnull gelegene Region am Jordangraben drastisch. Es wurde zunehmend wärmer, was unserem Wohlbefinden sehr zugute kam. Nach der recht deutlichen Kühle der letzten Tage waren Temperaturen um die 20 Grad Celsius fast schon unmoralisch warm. Wir stoppten kurz am Wadi Karak für ein Foto, bevor wir uns die Hochebene hinab zu den Ufern des Toten Meeres begaben. An der Ostseite entlang folgten wir der Uferstraße nach Norden, unserem Ziel in Sweimeh dabei immer näherkommend. Die allgegenwärtigen Salzablagerungen zeugten von dem außergewöhnlich hohen Salzgehalt des stehenden Gewässers. Dieser ist mit knapp 33 Prozent zehnmal so hoch wie bei normalem Meerwasser. Da in diesem Ökosystem keine Tiere oder Fische und nur wenige Pflanzen existieren können, nannte man ihn „Totes Meer". Dabei sinkt der Wasserspiegel seit Jahren kontinuierlich ab, sei es durch Verdunstung oder durch Wasserentnahme der Anrainerstaaten. Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Hotel am Nordostufer des Sees. Nach einer umfassenden Sicherheitskontrolle checkten wir ein und bezogen unser Domizil für die nächsten beiden Tage. Für die meisten von uns führte der erste Weg an den hoteleigenen Strand, um sich hier im 23 Grad warmen Wasser an der Oberfläche des Toten Meeres treiben zu lassen. Ein unglaubliches Gefühl, beinahe schwerelos auf dem Wasser zu liegen und sicher getragen zu werden. Dagegen war es fast schwieriger, sich wieder in die Senkrechte zu begeben, da dabei der Trageeffekt des Wassers bewusst durchbrochen werden musste. Diese Wirkung hätte man sich früher beim Schwimmunterricht gewünscht. Nur schlucken sollte man das Wasser unter keinen Umständen. Der extrem hohe Salzgehalt würde zu irreparablen Schäden im menschlichen Organismus führen. Deshalb waren Schwimmen, planschen, tauchen und ähnliche Wasseraktivitäten unmöglich. Dafür konnte man auf dem Rücken liegend im Wasser Zeitung lesen. Man kann halt nicht alles haben...

Mittwoch, 27.03.2019 Baptism Site und Freizeit am Toten Meer


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Der erste Tag auf unserer Reise, wo wir weder vom Muezzin noch vom Wecker aus dem Schlaf gerissen wurden. Nach einer ergiebigen Nachtruhe und einem ebenso ausgedehnten Frühstück trafen wir uns zur Besichtigung der Taufstelle Jesu. Die nur wenige Kilometer von unserem Hotel entfernte Stelle am Jordan ist ein Fixpunkt christlicher Pilgerreisen. Obwohl sich die Gemüter immer noch ob der tatsächlichen Lokalisation streiten (Israel und Jordanien haben unterschiedliche Ansichten darüber), hat man sich über diesen Zwist hinaus auf eine historisch und archäologisch nicht eindeutig belegbare Stelle in Bethanien geeinigt, an welcher Johannes der Täufer Jesus von Nazareth die Taufe angedeihen ließ. Sowohl auf israelischer als auch auf jordanischer Seite tun es ihm auch heute noch viele Pilger gleich. Nur knapp zehn Meter trennen dabei beiden Seiten, denn der Jordan ist in heutiger Zeit eher ein Flüsschen denn ein Fluss. Nach dem anschließenden Besuch einer orthodoxen Kirche ging es in halbstündiger Fahrt zurück zum Hotel, wo wir den Rest des Tages badend und relaxend verbrachten. Dem großartigen Wetter, der schönen Hotelanlage und insbesondere der verständnisvollen Reiseplanung sei Dank.

Donnerstag, 28.03.2019 Fahrt nach Jerusalem, Ölberg und Bethlehem


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Heute hieß es Abschied nehmen vom Königreich Jordanien, einem überaus gastfreundlichen Land, welches uns in vielerlei Hinsicht positiv überrascht hat. Im Schnittpunkt einer konfliktbelasteten Region versucht es einen Weg zu gehen, der von Toleranz und Respekt dem Dasein gegenüber geprägt ist. Kaum ein Land in der Welt hat im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viele Bürgerkriegsflüchtlinge aufgenommen wie Jordanien. Darüber hinaus versucht es auch zu seinem jüdischen Nachbarn ein auf Entspannung ausgerichtetes Verhältnis zu pflegen. Nicht ganz leicht in der heutigen Zeit, weshalb es auch unsere größte Anerkennung verdient. Fathi, unser liebgewonnener jordanischer Reiseleiter, geleitete uns am Morgen zum nahegelegenen Grenzübergang Allenby Bridge, wo wir uns verabschiedeten und nach umfangreichen Sicherheitskontrollen auf die israelische Seite überwechselten. Hier wurden wir von Ameed, unserem israelischen Reiseleiter bereits erwartet. Nach einer herzlichen Begrüßung stiegen wir in den Bus und fuhren auf kürzestem Weg nach Jerusalem, wo uns die nächsten Tage ein umfangreiches Programm erwartete. Leider musste ich unterwegs mit einem Gast die Gruppe für den Rest des Tages verlassen, da wir eine am letzten Tag in Jordanien erlittene Armfraktur in einem Jerusalemer Krankenhaus behandeln lassen mussten. Was eine wirklich zeitaufwendige Angelegenheit war, wobei sich das „zeitaufwendig" ausschließlich auf die Wartezeit bezieht. Währenddessen stieg der Rest der Gruppe am 800 Meter hohen Ölberg aus, der seinen Namen den ehemals hier wachsenden Olivenbäumen verdankt. Von hier aus bot sich ein herrlicher Blick auf die Jerusalemer Altstadt und den Tempelberg. Neben dem jüdischen Friedhof war das nächste Ziel die Kapelle Dominus Flevit, die vor 64 Jahren auf den Fundamenten einer byzantinischen Kirche erbaut wurde. Durch das hinter dem Altar liegende Fenster konnte man auf die Altstadt mit dem Felsendom und der Grabeskirche blicken. Der anschließende Spaziergang durch den mit uralten Olivenbäumen bewachsenen Garten Gethsemane, in dem Jesus verhaftet wurde, nachdem ihn Judas verriet, endete vor der Kirche der Nationen, einer mit internationalen Geldern erbauten Basilika. An eben dieser Stelle soll Jesus gebetet haben im Angesicht des kommenden, unausweichlichen Geschehens. Mit dem Bus ging es darauf knapp 15 Kilometer in südliche Richtung nach Bethlehem zur Geburtskirche, die an der Stelle errichtet wurde, an der Jesus Christus der Annahme nach geboren wurde. Die Vielzahl an Besuchern erschwerte das Unterfangen, einen Blick in die Geburtsgrotte zu werfen, sofern man nicht ausreichend Zeit und Geduld mitbrachte. Dessen ungeachtet befand man sich in der ältesten erhalten gebliebenen Kirche im Heiligen Land, was die Besichtigung an sich schon sehenswert machte. Am späten Nachmittag ging es von Bethlehem, gelegen in den Palästinensischen Autonomiegebieten, nach Ramat Rachel, einem Kibbuz im Süden Jerusalems, wo wir im gleichnamigen Hotel für die nächsten Tage Unterkunft nahmen.

Freitag, 29.03.2019 Gedenkstätte Yad Vashem, Neustadt Jerusalem, Sabbat-Abendessen


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Der heutige Tag bzw. Abend war für uns ein ganz besonderer, konnten wir doch am traditionellen Sabbat-Abendessen bei einer jüdischen Familie teilnehmen. Doch zuvor gab es noch Einiges zu besichtigen, denn unser Tagesprogramm war wieder interessant und abwechslungsreich geplant. Einzig das nicht ganz so schöne Wetter und der teilweise recht kalte Wind trübten den Entdeckergeist ein wenig ein. Da am Freitagabend der Sabbat beginnt, der jüdische „siebte" Ruhetag, schlossen die Museen schon am frühen Nachmittag. Am Sabbat ist ein Großteil des öffentlichen Lebens „außer Dienst". Wir mussten uns also sputen, wenn wir genügend Zeit für alle Besichtigungen haben wollten. So standen wir pünktlich zur Öffnungszeit an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, die sich in mehreren Bereichen mit der Geschichte der Judenverfolgung, insbesondere durch die Nationalsozialisten, beschäftigt. Unsere Zeit reichte leider nur für einen kleinen Einblick, zu weitläufig ist die Anlage, zu vielfältig und intensiv die einzelnen Gedenkstätten - der Garten der Gerechten unter den Völkern, das Museum zur Geschichte des Holocaust, der Platz der Hoffnung, die Halle der Erinnerung, das Denkmal für die Kinder - um nur einige zu nennen. Zurück in unserem Bus fuhren wir zum Mt. Herzl, wo wir am Israel-Museum wieder ausstiegen und uns ein 940 Quadratmeter großes Modell vom antiken Jerusalem im Jahre 66 n. Chr. ansahen. Es war beeindruckend im Detail und ließ der eigenen Vorstellungskraft Raum, um sich dem Jerusalem der damaligen Zeit auch visuell zu nähern. Der angrenzende Schrein des Buches mit den Qumran-Rollen vom Toten Meer und dem Buch Jesaja faszinierte schon durch seine auffällige Bauweise im Inneren wie auch Außen. Die 50.000 Quadratmeter große Fläche des israelischen Nationalmuseums bot darüber hinaus noch unzählige weitere Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten, die zu besichtigen Tage gedauert hätte. Da der Zeiger der Uhr aber gnadenlos auf 14:00 Uhr zulief, was mit der Museumsschließung einherging, verließen wir das Gelände und fuhren nur wenige Meter weiter zur Knesset, dem israelischen Parlament. Ameed, unser Reiseleiter, gibt uns an der Knesset-Menora, dem Wappensymbol Israels, Erklärungen zum politischen System und der Parteienvielfalt im Lande. Nach einer weiteren kurzen Fahrt und anschließenden Stopp standen wir an der Montefiore Windmühle, welche ein Hotspot für Hochzeitspaare ist und von wo aus man einen wunderschönen Blick auf einen Teil der Jerusalemer Altstadt hatte. Nach einem Spaziergang im Schatten des geschichtsträchtigen King-David-Hotels ging es erst einmal zurück zu unserem Kibbuz, bevor wir zum Sabbat-Abendessen aufbrachen. Da der Sabbat einhergeht mit jeglicher Arbeitsunterlassung, ließen auch wir sämtliche technischen Spielzeuge, die man hätte bedienen müssen (was Arbeit ist) aus Rücksicht auf die religiösen Besonderheiten zurück. Wir wurden nach knapp halbstündiger Fahrt in einem Randbezirk Jerusalems herzlich von unseren Gastgebern empfangen und willkommen geheißen. Familie und Freunde ergänzten die internationale Runde, so dass wir alsbald an einem schön gedeckten Tisch ein koscheres fünfgängiges Abendessen zu uns nahmen. Wir wurden mit den Sitten und Gebräuchen der Sabbatfeier vertraut gemacht, wir sangen gemeinsam Lieder, unterhielten uns und lernten so ein klein wenig die Lebensweise des jeweils anderen kennen. Es war für alle ein wunderbarer Abend, der die Gemeinschaft in den Vordergrund stellte und uns die Bedeutung des zwischenmenschlichen und barmherzigen Miteinanders einmal mehr vor Augen führte.

Samstag, 30.03.2019 Jerusalems Altstadt


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Das samstägliche Sabbat-Frühstück beinhaltete keine frisch gebratenen Eier, keine frischen Brötchen, keinen gebrühten Kaffee, ja generell keine Dinge, die man frisch zubereiten musste und nicht „vorkochen" konnte. Erstaunlicherweise gab es trotzdem eine volles und abwechslungsreiches Frühstücksbüffet, welches kaum Wünsche offenließ. Das grenzte fast an Zauberei... Gut gestärkt machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in die Altstadt. Wir begannen unsere „Wanderung" am Muslimischen Friedhof, bevor wir durch das Löwentor die historische Altstadt betraten. Der Tag stand beinahe vollständig im Zeichen des Leidensweges Jesu, welchen wir entlang der Via Dolorosa aus geschichtlicher Sicht nachgehen wollten. Über 14 Stationen, von der ehemaligen Festung Antonia bis hin zur Grabeskirche, wand sich der Prozessionsweg durch mehrere Altstadtstraßen. Wir besichtigten einen Großteil der Kreuzwegstationen, bevor wir an der Grabeskirche, einem der größten christlichen Heiligtümer, angelangten. An dieser Stelle fand die Kreuzigung Jesu statt, hier befindet sich auch das Heilige Grab und der Salbungsstein. Tausende Pilger, Touristen und anderweitig Interessierte stehen täglich mehrere Stunden an, um einen Blick in die Grabkapelle werfen zu können. Nach einem ausgiebigen Rundgang durch die Grabeskirche machten wir im nahegelegenen arabischen Basar eine kleine Mittagspause. Entweder trank man einen arabischen Kardamom-Kaffee, aß ein gefülltes Fladenbrot oder ließ sich von den größtenteils unbekannten Süßigkeiten zum Naschen verleiten. Ein kurzer Anstieg brachte uns hernach auf die Dächer der Altstadt, von wo aus man einen guten Blick auf die goldene Kuppel des Felsendoms hatte. Durch das jüdische Viertel gelangten wir im Anschluss zum Mt. Zion, wo wir die Stätte des letzten Abendmahls sowie die Marienfigur in der Dormitio-Abtei besichtigten. Der ganze Tag wurde durch den immer wieder einsetzen Regen zu einer einzigen Schirm-auf-Schirm-zu-Übung. Wären wir Influencer, hätte die Schirmindustrie kostenlose Produktwerbung an Heiliger Stätte erfahren. Entlang des Cardo im jüdischen Viertel gelangen wir zur Hurva-Synagoge, von wo aus wir uns ostwärts zum Platz vor der Klagemauer, der Western Wall, bewegten. Nach einem kontrollierten Zutritt auf den Platz konnten wir uns, getrennt nach Männern und Frauen, in die dafür vorgesehenen Bereiche an die Klagemauer bewegen. Einzig die Männer mussten dafür eine Kopfbedeckung tragen, entsprechend wurden Kippas für die Besucher bereitgehalten. Dieser 57 Meter lange Abschnitt der westlichen Mauer des Tempelberges ist eine der wichtigsten religiösen Orte des Judentums. Man sah allenthalben Betende in der traditionellen Kleidung der orthodoxen Juden. Da an Sabbat das Fotografieren an dieser Stelle verboten war, mussten wir unsere Eindrücke ausschließlich im Gedächtnis nach Hause tragen. Bei wiedereinsetzendem Regen verließen wir die Altstadt und fuhren mit einem zwischengeschobenen Fotostopp zurück zu unserem Hotel, wo wir uns am reichhaltigen Büffet stärkten und anschließend relaxten sowie die Koffer für die unausweichliche Abreise vorbereiteten. Der nächste, letzte Tag im Heiligen Land sollte zeitig am Morgen beginnen...

Sonntag, 31.03.2019 Tempelberg und Rückflug von Tel Aviv


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Bereits um 05:30 Uhr in der Früh riss uns das gnadenlose Klingeln des Telefons aus dem Schlaf. Der automatische Weckruf tat seinen Dienst und erinnerte uns daran, dass wir mit zu den Ersten bei der Öffnung des Tempelberges gehören wollten. Für Nichtmuslime ist dieser nämlich nur außerhalb der Gebetszeiten geöffnet, außerdem stand uns noch eine morgendliche Fahrt zum Flughafen nach Tel Aviv bevor, so dass wir uns etwas beeilen mussten. Nach dem Auschecken ging es im beginnenden morgendlichen Berufsverkehr Richtung Dung-Tor in die Jerusalemer Altstadt. Wir waren tatsächlich mit die Ersten zu so früher Stunde, aber nach uns füllte sich die Schlange zusehends mit Besuchern aus aller Herren Länder. Nach dem passieren der Sicherheitskontrolle (Bücher, Tablets u.ä. Dinge waren strengstens verboten) gelangten wir über die Mughrabi-Brücke zum Marokkanertor, dem einzigen Zugang für Nichtmuslime. Auf dem Tempelberg angekommen erklärte uns Ameed die religiöse Bedeutung dieses Ortes für gleich drei Weltreligionen. Sowohl Juden als auch Christen und Muslime sehen den Tempelberg als eine ihrer heiligsten Stätten an, weswegen ein nach wie vor andauernder Konflikt über die rechtmäßige Nutzung immer wieder religiöse Eiferer auf den Plan ruft. Deshalb sieht man überall schwer bewaffnete Polizisten am und auf dem Tempelberg Dienst tun. Bei nasskaltem, leicht stürmischem Wetter und gefühlten 6 Grad Außentemperatur besichtigten wir die Al-Aqsa-Moschee sowie den Felsendom, allerdings nur von außen, da ausschließlich Muslime Zugang zu den Heiligtümern haben. Doch bereits von außen verfehlten beide Bauwerke ihre Wirkung auf den geneigten Betrachter nicht. Die goldene Kuppel des mit blauen Mosaiksteinen verkleideten Felsendoms ist das weithin sichtbare Wahrzeichen einer Stadt, die wie keine zweite unter ihrer Geschichte leidet und gleichzeitig immer noch der Sehnsuchtsort für Pilger aus aller Welt bleibt. Gleiches gilt für die Al-Aqsa-Moschee, die nach Mekka und Medina drittwichtigste Moschee in der islamischen Welt. Am Ende unseres Rundgangs verließen wir den Tempelberg über das Remissions-Tor, welches uns in eine Gasse entließ, von der aus wir zum Löwen-Tor gelangten. Hier wartete bereits unser Bus, um uns zum Flughafen nach Tel Aviv zu bringen. Wir verabschiedeten uns noch von einem Teil der Gruppe, welcher erst später am Tag die Heimreise antrat und machten uns auf dem Weg. Da auch bei der Ausreise aus Israel mit strengen Kontrollen gerechnet werden muss, sollte man spätestens drei Stunden vor dem Abflug vor Ort sein. Am Ben Gurion Airport angekommen, verabschiedeten wir uns von unserem arabisch-christlichen Reiseleiter Ameed und begaben uns in die Obhut der israelischen Kontrollorgane. Nach etlichen zu beantwortenden Fragen und diversen Sicherheitskontrollen standen wir endlich am Abfluggate unseres Fluges nach Berlin-Schönefeld. Uns blieb jetzt noch genügend Zeit, die letzten acht Tage Revue passieren zu lassen und uns an die Schönheiten, Entdeckungen und Erlebnisse in Jordanien und Israel zu erinnern. Wie auch immer man es dreht und wendet, die Zeit war einfach zu kurz, um für alle Zeiten Lebewohl zu sagen. Ich bin sicher, der Nahe Osten wird uns wiedersehen. Vielleicht schon Morgen, vielleicht im nächsten Jahr, vielleicht in einer anderen Zeit. Inschallah, so Gott will!

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