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Rundreise Jersey und Guernsey – Kanalinseln entdecken

Reisebericht: 16.05. – 23.05.2026

Jersey, Guernsey und Sark begeistern mit rauen Küsten, charmanten Orten und britisch-französischem Flair – drei Inseln voller Natur, Geschichte und Ruhe.

Johanna König

Ein Reisebericht von
Johanna König

Sark – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Sark – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Sark – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Guernsey – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Guernsey – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey - Elizabeth Castle – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey - Gorey Castle – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey - Botanischer Garten – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey - Botanischer Garten – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey - Gartentour – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL) Jersey - Gartentour – © Johanna König (Eberhardt TRAVEL)

Anreise nach Jersey

Schon früh am Morgen beginnt für die Reisenden die Anreise Richtung München – aus Dresden, Frankfurt, Berlin und weiteren deutschen Städten treffen sich nach und nach alle am Flughafen zusammen. Von dort geht es gemeinsam weiter auf die Kanalinseln. Nach nur 1 Stunde und 40 Minuten Flug landen wir auf Jersey, der größten und zugleich sonnenreichsten Insel des Archipels im Ärmelkanal vor der französischen Küste. Politisch gehören die Kanalinseln direkt zur britischen Krone und verbinden britische Tradition mit französischem Flair.

Empfangen werden wir von Eddi und unserer Reiseleiterin Sabine – von allen nur „Sabi“ genannt. Die gebürtige Österreicherin kam der Liebe wegen nach Jersey: Ihr Schweizer Partner war bereits auf die Insel ausgewandert und gemeinsam fanden sie hier ihre neue Heimat. Wir fahren am Meer entlang und können bereits erste Blicke auf das Elizabeth Castle erhaschen.

Schon auf der ersten Fahrt über die Insel erfahren wir Spannendes über Jersey: Bei Ebbe ist die Insel fast doppelt so groß wie bei Flut, da weite Küstenflächen trockenfallen. Und auch der Verkehr ist entschleunigt – selbst die „Autobahn“ entpuppt sich als zweispurige Schnellstraße mit einer Höchstgeschwindigkeit von nur 60 km/h. So beginnt unsere Reise ganz entspannt mitten im besonderen Inselalltag Jerseys.

Im Hotel angekommen beziehen wir unsere Zimmer und genießen unser erstes gemeinsames Abendessen mit einem leckeren 3-Gänge-Menü.

Tagesausflug nach Sark

Mit der Fähre „Îles de Manche“ machen wir uns am Morgen auf den Weg nach Sark. Schon während der Überfahrt genießen wir den Blick auf die beeindruckende Küstenlandschaft der Kanalinseln. Kurz vor Sark passieren wir die kleine Privatinsel Brecqhou, die den bekannten Barclay-Brüdern gehört. Leider kann nicht jeder die Fahrt genießen, da aufgrund des starken Wellengangs einige mit der Seekrankheit zu kämpfen haben.

Auf Sark angekommen, fällt sofort die besondere Ruhe der Insel auf. Autos sind hier verboten – nur Traktoren dürfen fahren. Statt Motorengeräuschen hört man Vogelstimmen, das Meeresrauschen und manchmal das Klappern von Pferdekutschen. Auch Straßenlaternen gibt es auf Sark nicht. Dadurch zählt die Insel zu den besten Orten Europas für Sternenbeobachtungen und wurde sogar offiziell dafür ausgezeichnet. Unsere Tour führt uns vorbei an der einzigen Post der Insel. Ein kleines, aber interessantes Detail: Während die Briefkästen auf Jersey rot sind, leuchten sie auf Sark in Gold. Direkt daneben endet bereits die kleine „Innenstadt“ der Insel. Wenig später sehen wir eine der zwei Kirchen Sarks – die anglikanische St. Peter’s Church. Auch die alten Friedhöfe erzählen viel über die Geschichte der Insel und stammen teilweise noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Unterwegs erfahren wir Spannendes über die Kanalinseln: Sie gehören nicht zu Großbritannien, sondern sind direkt der britischen Krone unterstellt. Bereits 1204 wurden den Inseln eine weitgehende Eigenständigkeit zugesichert. Früher hatten die Inselbewohner sogar ihre eigene Sprache – vereinfacht gesagt wurde Französisch geschrieben, aber die Aussprache war eher englisch. Bis heute sind viele Gesetzestexte noch in französischer Sprache verfasst, obwohl die Landessprache Englisch ist. Wir kommen außerdem am kleinen Amtsgebäude vorbei, das gleichzeitig Rathaus, Bürgerhaus und Gerichtssaal ist, sowie an der einzigen Schule der Insel. Für ein Studium müssen die jungen Bewohner allerdings aufs britische Festland oder nach Guernsey wechseln, denn auf keiner der Kanalinseln gibt es eine Universität.

Ein weiterer besonderer Ort auf Sark sind die La Seigneurie Gardens. Die liebevoll angelegten Gärten gehören zum Herrenhaus des Seigneur von Sark. Der „Seigneur“ war über viele Jahrhunderte der feudale Herrscher der Insel und hatte zahlreiche besondere Rechte und Aufgaben. Obwohl Sark heute demokratisch verwaltet wird, existiert dieser historische Titel noch immer. Kommt König Charles zu Besuch, gibt es auch immer noch eine offizielle Zeremonie, in der der „Seigneur“ seine Treue zum König beteuern muss.
Die Gärten begeistern mit bunten Blumenbeeten, alten Bäumen und verwinkelten Wegen. Durch das milde Klima der Kanalinseln wachsen hier viele exotische Pflanzen, die der Anlage eine fast mediterrane Atmosphäre verleihen.

Ein Höhepunkt des Tages ist unsere Wanderung über „La Coupée“, den schmalen Höhenrücken zwischen Sark und Little Sark. Zu beiden Seiten geht es spektakulär hinunter zum Meer – ein beeindruckendes Naturerlebnis. Nach der Wanderung legen wir eine gemütliche Pause in der kleinen Schokoladenfabrik ein, wo wir ein Eis oder eine heiße Schokolade genießen, bevor es wieder Richtung Hafen und somit wieder Richtung Jersey geht.

Inselrundfahrt Jersey

Unsere Inselrundfahrt auf Jersey beginnt früh am Morgen. Die größte der Kanalinseln misst etwa 10 x 15 Kilometer und ist in zwölf Gemeinden, sogenannte Parishes, unterteilt. Diese verwalten sich weitgehend selbst, jedes mit eigener Kirche, Schule und Rathaus – ein Zeichen der besonderen historischen Eigenständigkeit der Insel. Insgesamt verfügt Jersey über rund 500 Kilometer Straßennetz, das wir heute im Uhrzeigersinn erkunden. Unser Hotel liegt im Gebiet von St. Helier, dem wirtschaftlichen und administrativen Zentrum der Insel.
Ein erster Stopp ist der Le Hocq Tower. Über 18 Martello-Türme aus dem 18. und 19. Jahrhundert stehen verteilt entlang der Küste. Sie wurden einst zur Verteidigung gegen mögliche Invasionen errichtet, heute erinnern sie mit Gedenktafeln und Aussichtspunkten an die bewegte Geschichte der Insel. Hier legen wir eine kleine Pause für eine Vorstellungsrunde ein.
Weiter geht es zur La Rocque Harbour, einem geschichtsträchtigen Ort des sogenannten „Battle of Jersey“. Im Jahr 1781 versuchten französische Truppen die Insel einzunehmen, wurden jedoch zurückgeschlagen. Diese Auseinandersetzung gilt als letzter Versuch einer Invasion Jerseys. In der Bucht werden zudem bis zu drei Millionen Austern gezüchtet – ein bedeutender Wirtschaftszweig, da sie zu den qualitativ besten weltweit zählen.
Unser nächstes Ziel ist Gorey Castle, auch Mont Orgueil Castle genannt, das seit über 800 Jahren über den Hafen wacht. Von hier aus reicht der Blick bei klarer Sicht sogar bis nach Frankreich. Die Kanalinseln waren über Jahrhunderte zwischen England und Frankreich umkämpft; seit 1204 gehören sie zwar zur britischen Krone, besitzen jedoch weitgehende Eigenständigkeit. Die Küstenregionen hier sind häufig kieselig, während der Westen und Süden Jerseys, für ihre langen Sandstrände bekannt sind, die fast an Bilder aus Rosamunde-Pilcher-Filmen erinnern.
Weiter geht es Richtung Norden. Hier erheben sich die höchsten Klippen Jerseys und bieten eindrucksvolle Ausblicke auf das Meer. In einem traditionellen Pub legen wir unsere Mittagspause ein und genießen die entspannte Atmosphäre. Bereits auf dieser Strecke wird deutlich, wie stark das Leben hier vom Golfstrom beeinflusst wird: milde Winter mit selten unter 5 Grad und Sommer, in denen es kaum über 25 Grad heiß wird, ermöglichen sogar das Wachstum von Palmen.
Auf unserer Fahrt sehen wir neben einer "royalen" Ziegenherde auch endlich die berühmten süßen Jersey-Kühe.
Die Jersey-Kuh ist eine der bekanntesten Besonderheiten der Insel und weltweit für ihre hochwertige Milch berühmt. Die kleine, hellbraune Rinderrasse stammt ursprünglich von der Insel selbst und wird dort bis heute streng geschützt und gezüchtet. Besonders auffällig ist ihre gute Anpassung an das Klima sowie die hohe Milchqualität mit einem hohen Fett- und Eiweißgehalt, was sie ideal für Butter und Käse macht. Jede echte Jersey-Kuh ist zudem im offiziellen Herdenbuch registriert, das ihre reine Herkunft garantiert – ein wichtiger Bestandteil der landwirtschaftlichen Identität der Insel.
Die Fahrt führt weiter zur Grève de Lecq Bay, die für ihren leicht orangefarbenen Sand bekannt ist, sowie durch eine zunehmend heideartige Landschaft, in der auch zahlreiche Pferde gehalten werden. Jersey besitzt sogar eine eigene Pferderennbahn. Von Criney Castle aus eröffnet sich schließlich ein Blick auf die Nachbarinseln Guernsey, Herm und Sark.
Ein besonderer Höhepunkt ist der Besuch des Corbière Leuchtturms im Südwesten der Insel.
Wir haben Glück, denn es ist noch Ebbe, als wir ankommen, und so können wir den Leuchtturm über den Causeway per Fuß erreichen - ein eindrucksvolles Naturerlebnis zwischen Meer und Felsen.
Auf der weiteren Fahrt passieren wir die St. Brelade’s Church, eine der schönsten Kirchen der Insel, sowie die St. Brelade’s Bay, die 2019 zu einem der schönsten Strände gewählt wurde. Immer wieder begegnet man der typischen Inseltradition, etwa der „30 Bays in 30 Days“-Challenge, bei der Einheimische versuchen, jeden Tag eine andere der vielen Buchten zu besuchen.
Entlang der Südküste geht es weiter vorbei an Norman Point und Richtung St. Aubin, einem historischen Hafenort, der einst eine wichtige Rolle im Handel und in der Piraterie spielte. Heute ist er ein lebendiger Küstenort mit viel Charme. Während der Fahrt erfahren wir außerdem von den Besonderheiten des Lebens auf Jersey: Schuluniformen sind Standard, jede Schule hat ihr eigenes Design, und das Gesundheitssystem basiert auf Hausärzten mit jährlicher Pauschale. Das Krankenhaus in St. Helier arbeitet eng mit Kliniken in Großbritannien zusammen, sodass Patienten bei Bedarf ausgeflogen werden können. Die Kosten für eine Behandlung auf dem Festland mit Begleitperson übernimmt der Staat.
Auch haben die Autos auf Jersey keinen TÜV, was gar nicht so schlecht ist, dadurch dass Salz in der Luft alles etwas schneller rostet.
Am Ende unserer Inselrundfahrt kommen wir am Liberation Square vorbei, wo Gäste aussteigen können, die noch etwas in der Stadt verweilen wollen.
Der Liberation Square in St. Helier ist ein zentraler Ort der Erinnerung auf Jersey. Er wurde zur Befreiung der Insel am 9. Mai 1945 nach der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gestaltet. Im Mittelpunkt steht eine Statue, die die Freude über die Rückkehr der Freiheit symbolisiert, umgeben von Wasserflächen und Gedenktafeln. Der Platz liegt direkt im Herzen der Hauptstadt und verbindet Geschichte mit dem heutigen Stadtleben – ein wichtiger Erinnerungsort für die Menschen auf Jersey.

Tagesausflug Guernsey

Heute geht es für uns schon sehr früh los, da aufgrund von einem Unwetter unsere Fähre nach Guernsey vorverlegt wurde.
Unser Tagesausflug führt uns nach Guernsey, der zweitgrößten der Kanalinseln. Mit rund 62 km² ist sie etwa halb so groß wie Jersey und bildet gemeinsam mit Alderney, Sark und Herm die Vogtei Guernsey. Besonders die kleineren Inseln haben ihren eigenen Charakter: Sark zählt nur etwa 500 Einwohner, Herm sogar lediglich rund 50. Auch Guernsey selbst ist stark von seiner Eigenständigkeit geprägt und verwaltet sich – ähnlich wie Jersey – weitgehend selbst.
Am Hafen von St. Peter Port starten wir unsere Rundfahrt im Uhrzeigersinn Richtung Westen. Der Hafen gilt als wirtschaftliches Herz der Insel, wobei – wie auf den anderen Kanalinseln – der Finanzsektor eine zentrale Rolle spielt. Schon kurz nach der Abfahrt erreichen wir den ersten Höhepunkt des Tages: Castle Cornet. Von hier eröffnet sich ein weiter Blick über die Küste bis hin zu den Nachbarinseln Sark und Herm.
Weiter geht es durch das Parish St. Martin, das früher als gehobenes Wohnviertel galt, da man von hier einen besonders schönen Blick auf die Stadt hatte. Jedes Parish auf Guernsey besitzt – ähnlich wie auf Jersey – seine eigene Kirche und Rathaus.
Vorbeigeht es am Sausmarez Manor, einem der ältesten Herrenhäuser der Insel, das noch heute von der langen Geschichte Guernseys zeugt. Auffällig ist auch die Infrastruktur: Da viele Straßen sehr schmal sind, weichen Busse und Autos nicht selten auf den Bürgersteig aus. Jede Insel besitzt zudem ihr eigenes Stromnetz, wird jedoch im Notfall durch drei Unterseekabel mit Frankreich verbunden. In der Nähe passieren wir außerdem den kleinen Flughafen, der lediglich mit einem einfachen Maschendrahtzaun gesichert ist. Die Flugzeit nach Jersey beträgt zwar nur 7–10 Minuten, dennoch muss man auch hier rund 1,5 Stunden vor Abflug am Flughafen sein.
Ein besonderes Highlight ist die Little Chapel, eines der ungewöhnlichsten Bauwerke der Insel. Sie wurde in den 1910er Jahren von Bruder Déodat erbaut, der einen Ort der Andacht schaffen wollte. Nachdem seine erste Kapelle aus Eifersucht von seinen Brüdern zerstört wurde, baute er sie erneut auf. Auch dieser zweite Versuch wurde wieder abgerissen, da der Bischof zur Einweihung nicht durch die enge Tür passte.
Die winzige Kapelle – nur etwa 5 Meter lang und 3 Meter breit – ist vollständig mit bunten Scherben, Muscheln und zerbrochenem Geschirr verziert. Trotz ihrer Größe erstreckt sie sich über zwei Ebenen und wurde schließlich in den 1930er Jahren vollendet.
Weiter geht es Richtung Westspitze ins Parish Torteval, wo wir eine kurze 10-minütige Küstenwanderung unternehmen. Je weiter wir nach Westen kommen, desto ländlicher und ruhiger wird die Landschaft. Auch hier passieren wir kleine Kirchen und typische Inselhäuser, während das Meer langsam mit der einsetzenden Ebbe zurückweicht.
Unterwegs erfahren wir noch viele interessante Details aus dem Alltag der Inselbewohner: So bezeichnet man einen kleinen Anbau am Haus oft als „Granny Annex“ – ein separater Wohnbereich für ältere Familienmitglieder. Es wird gesagt, dass man anhand der Fenster sehen kann, ob die Schwiegermutter nett oder böse ist. War sie böse, hat sie kein Fenster oder nur ein kleines, ist sie aber nett, dann geben die Kinder ihr oft ein Annex mit Fenstern.
Außerdem gibt es sumpfige Gebiete, die teilweise unter dem Meeresspiegel liegen, sowie Straßen mit historischen Namen wie der „Rue de Malade“, der früheren „Krankheitsstraße“, in der einst kranke Menschen untergebracht wurden.
Entlang der Küste passieren wir verschiedene Buchten wie Vazon Bay, die erste große Sandbucht unserer Fahrt, sowie Cobo Bay mit Blick auf das Fort Hommet und auf die Felsformation, wo man einen Affen mit einem Kamel reden sieht. Bei Ebbe verwandeln sich viele Strände in weite Sandflächen, die zum Schwimmen genutzt werden, und auch wir sehen einige Mutige, die sich bei Wind und 15 Grad ins Wasser trauen.
Immer wieder sehen wir Häuser, die mit Fahnen geschmückt sind – ein Hinweis auf den „Liberation Day“ am 9. Mai, der die Befreiung Guernseys von der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg feiert. Die Erinnerung daran ist bis heute stark im Alltag der Insel verankert.
Auch das Verkehrssystem ist bemerkenswert: Zwei Buslinien umrunden die Insel innerhalb von etwa zwei Stunden und kosten nur rund 1,80 Pfund. Zudem gilt eine besondere Regelung im Parish Vale: Wenn Gänse die Straße überqueren, müssen Autofahrer tatsächlich anhalten – ein charmantes Beispiel für das respektvolle Miteinander von Natur und Alltag.
In Pembroke Bay legen wir einen kurzen Stopp ein. Von hier aus sieht man einen der beiden Golfplätze der Insel, wobei unter einigen Hügeln einst sogar Friedhöfe lagen. Zum Abschluss erhalten wir noch einen interessanten Einblick in das Inselleben: Im Radio werden täglich Schiffs- und Flugankünfte durchgegeben, und in der lokalen Zeitung werden sogar Verkehrssünder veröffentlicht, die alkoholisiert gefahren sind.
Zum Abschluss haben wir noch etwas Freizeit für eine Mittagspause in St. Peter Port, von da startet dann zum Nachmittag auch wieder unsere Fähre nach Jersey.

Elizabeth Castle und St. Aubin

Heute haben wir Freizeit, jedoch entscheiden wir uns alle gemeinsam zum Elizabeth Castle zu gehen, ein Highlight der Insel.
Die Festung kann nur bei Ebbe zu Fuß über einen Causeway oder bei Flut mit dem Amphibienfahrzeug (Puddle Duck) erreicht werden, was den Besuch bereits zu einem kleinen Abenteuer macht. Das Schloss blickt auf eine über 400-jährige Geschichte zurück und wurde nach Königin Elizabeth I. benannt. Ursprünglich als Verteidigungsanlage gegen mögliche Angriffe aus Frankreich erbaut, spielte es über Jahrhunderte eine wichtige militärische Rolle für die Insel. Innerhalb der Anlage lassen sich gut erhaltene Bastionen, alte Kanonenstellungen und historische Gebäude erkunden, die einen lebendigen Eindruck vom früheren Festungsalltag vermitteln. Besonders beeindruckend ist der Rundumblick über die Küste Jerseys und den Hafen von St. Helier. Während der Gezeitenwechsel die Landschaft ständig verändert, wird deutlich, wie stark das Leben auf der Insel vom Meer geprägt ist. Heute dient Elizabeth Castle vor allem als bedeutendes Kultur- und Ausflugsziel, das Geschichte und Natur auf besondere Weise verbindet.
Nach der Mittagspause erwartet uns noch ein weiteres Erlebnis, die Fahrt mit der sogenannten „Le Petit Train“ entlang der Küste von St. Helier bis nach St. Aubin. Die kleine touristische Bimmelbahn fährt gemütlich in 35 Minuten an der Südküste entlang und bietet dabei immer wieder herrliche Ausblicke auf Buchten, Strände und das offene Meer. Besonders bei gutem Wetter zeigt sich hier die landschaftliche Schönheit Jerseys von ihrer entspannten Seite. Die Fahrt endet in St. Aubin einem ehemaligen Hafenort, der früher ein bedeutendes Zentrum für Handel und Fischerei war und bis heute seinen historischen Charme mit engen Gassen, kleinen Cafés und einem malerischen Hafenbecken besitzt.

Gorey Castle und Botanischer Garten

Mit dem öffentlichen Bus geht es heute für uns in den Osten der Insel nach Gorey, wo sich das imposante Gorey Castle – auch Mont Orgueil Castle genannt – über den kleinen Hafen erhebt. Die Festung zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Jerseys und blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Bereits im 13. Jahrhundert errichtet, diente sie über Jahrhunderte als wichtigste Verteidigungsanlage der Insel gegen Angriffe aus Frankreich, bevor später das Elizabeth Castle diese Rolle übernahm.
Schon von unten aus dem Hafen von Gorey bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf die mächtigen Mauern, Türme und verwinkelten Wehrgänge, die sich den Hügel hinaufziehen. Beim Aufstieg wird deutlich, warum diese Burg strategisch so wichtig war: Von hier aus hat man einen weiten Blick über die Ostküste Jerseys bis hin zum Ärmelkanal. Da wir blauen Himmel und Sonnenschein haben, können wir sogar die französische Küste erkennen. Die Anlage selbst wirkt wie ein kleines mittelalterliches Dorf, in dem sich Geschichte auf Schritt und Tritt erleben lässt – von alten Wohnräumen über Verteidigungsanlagen bis hin zu engen Treppen und Aussichtspunkten. Besonders beeindruckend ist die Atmosphäre, die die jahrhundertelange Nutzung als Burg, Gefängnis und Militärstützpunkt bis heute bewahrt hat.
Die Insel ist bekannt für ihr mildes, vom Golfstrom beeinflusstes Klima, das eine außergewöhnliche Pflanzenvielfalt ermöglicht. Hier gedeihen Palmen, exotische Blumen und subtropische Gewächse fast wie in südlicheren Regionen Europas, daher ist ein Besuch im botanischen Garten bei Samares Manor im Süden der Insel ein Muss. Die Anlage wurde in den 1920er Jahren geschaffen und gehört heute zu den schönsten Gartenanlagen der Kanalinseln. Verschiedene Themenbereiche wie der japanische Garten, Rosengärten und Kräutergärten machen den Besuch zu einer kleinen botanischen Weltreise. Zwischen kunstvoll angelegten Beeten, alten Mauern und ruhigen Wegen spürt man schnell die besondere Ruhe dieses Ortes. Ein besonderer Teil des Besuchs ist das angrenzende Manor House, das Samares Manor, eines der ältesten und bedeutendsten Herrenhäuser der Insel. Das Anwesen geht in seinen Ursprüngen bis ins Mittelalter zurück und war über Jahrhunderte der Sitz eines sogenannten „Seigneur“ – eines feudalen Gutsherrn, der früher eine wichtige Rolle in der Verwaltung und Organisation der Insel spielte. Auch wenn dieses System heute nicht mehr in seiner alten Form existiert, ist der Titel historisch noch bekannt und eng mit der Geschichte Jerseys verbunden. Im Tearoom genießen wir unseren Afternoon Tea mit einem Ausblick auf die schöne Gartenanlage. Wer möchte, fährt entweder mit dem Bus zurück ins Hotel oder genießt noch etwas die Sonne und spaziert zum Hotel. Am Abend geht es für uns zum Abendessen in einem typischen Pub, wo wir den Abend bei einem Glas Cider und netten Gesprächen ausklingen lassen.

Gartentour auf Jersey

Ein ganz besonderer und eher versteckter Höhepunkt unseres Tages ist der Besuch eines privaten Gartens auf Jersey – des Gartens der Familie Binny in der Domaine des Vaux. Schon beim Betreten des Grundstücks wird deutlich, wie sehr sich dieser Ort von den öffentlichen Gartenanlagen der Insel unterscheidet. Hier geht es nicht nur um klassische Landschaftsgestaltung, sondern vor allem um persönliche Leidenschaft und eine über viele Jahre gewachsene Pflege.
Der Garten wurde von Sir George und Lady Binny angelegt und ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Umso besonderer ist unsere Einladung durch Anne und Marcus Binney, die uns einen Rundgang durch dieses grüne Paradies ermöglichen. Auf dem Weg entdecken wir blühende Magnolien, einen duftenden Kräutergarten und markante Eukalyptusbäume, die dem Garten eine fast mediterrane Atmosphäre verleihen. Im geschützten Tal wirkt die Anlage stellenweise wie ein weitläufiger Park, geprägt von hohen, alten Bäumen und üppiger Vegetation. Neben neuseeländischem Farn wächst hier auch der seltene Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), eine Baumart, die lange als ausgestorben galt und erst 1947 in einem abgelegenen Tal in China wiederentdeckt wurde.
Besonders interessant ist auch der Obstgartenbereich, in dem unter anderem Apfelbäume stehen. Diese dienen jedoch nicht dem direkten Verzehr, sondern werden traditionell zur Herstellung von Cider genutzt – ein typisches Produkt der Region.
Ein weiterer beeindruckender Gartenbesuch führt uns zum Seafield House, das sich im Besitz von Richard Christopher Miles und seiner Frau Sarah befindet. Richard erzählt uns persönlich die Geschichte dieses besonderen Ortes und gibt spannende Einblicke in sein Leben und die Entwicklung des Gartens. Im Jahr 1982 heiratete er seine Frau und arbeitete zunächst in England, bevor er das Haus seiner Großmutter erbte, als er 19 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt war das Anwesen jedoch noch zu teuer im Unterhalt, sodass er zunächst in einem Auktionshaus tätig war. Erst im Jahr 2002 zog er schließlich dauerhaft in das Seafield House ein und begann, den Garten selbst zu gestalten und über viele Jahre hinweg mit großer Leidenschaft zu pflegen. Das Haus selbst wurde bereits 1809 im griechischen Stil erbaut und blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Besonders bemerkenswert ist, dass hier im Jahr 1887 sogar Prinzessin Stéphanie von Österreich für eine kurze Zeit lebte und mit einem großen Personalstab von rund 20 Angestellten residierte. Das Anwesen ist in mehrere Bereiche unterteilt, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Beim Rundgang durch den Garten entdecken wir eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen. Auffällig sind unter anderem ein sogenannter Ananasbaum, dessen Blätter tatsächlich einen leichten Ananasduft verströmen, sowie Bananen- und Olivenbäume, Rosen und zahlreiche weitere exotische Gewächse. Eine besondere Rarität ist der sogenannte „Dinosaur Tree“, auch bekannt als Wollemi Pine (Wollemia nobilis). Diese urzeitliche Baumart galt lange als ausgestorben und wurde erst 1994 in einer abgelegenen Schlucht in den Blue Mountains in Australien wiederentdeckt. Der Garten ist stark von immergrünen Pflanzen geprägt, was bewusst so gestaltet wurde: Aus jedem Blickwinkel des Hauses soll zu jeder Jahreszeit ein grünes, lebendiges Landschaftsbild sichtbar sein. Ein kleiner Teich mit Koi-Karpfen rundet die ruhige, harmonische Atmosphäre ab. Danach geht es für uns zum Mittagessen ins The Portelet Inn bevor es danach weiter zu den Orchideen geht. Auf dem Weg machen wir einen Stopp an der St. Matthews Glass Church in Millbrook. Sie ist ein außergewöhnliches Beispiel moderner Kirchenkunst und zählt zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Insel. Ursprünglich wurde die Kirche im 19. Jahrhundert erbaut, erhielt jedoch in den 1930er-Jahren durch den Künstler René Lalique ihr heutiges, einzigartiges Erscheinungsbild. Das Herzstück der Kirche ist das beeindruckende Glasinterieur: Altar, Taufbecken, Kreuz und zahlreiche dekorative Elemente bestehen aus hochwertigem, teilweise milchigem und klaren Glas, das das Licht auf besondere Weise einfängt und den Innenraum in eine ruhige, fast mystische Atmosphäre taucht. Die Kombination aus schlichter Architektur und kunstvoller Glaskunst macht die Kirche weltweit einzigartig. Heute gilt die St. Matthew’s Glass Church nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als bedeutendes Kunst- und Kulturdenkmal Jerseys, das Besucher durch seine besondere Lichtwirkung und seine elegante Gestaltung beeindruckt. Nach nur 10 Minuten sind wir bei unserem letzten Stopp für heute – die Eric Young Orchid Foundation. Die Foundation ist eine der bedeutendsten Orchideen-Sammlungen weltweit und ein wichtiges Zentrum für Zucht, Forschung und Ausstellung dieser außergewöhnlichen Pflanzen. Sie wurde auf Initiative von Eric Young, einem aus Derbyshire stammenden Unternehmer und leidenschaftlichen Orchideenliebhaber, aufgebaut. Young zog in den 1950er-Jahren nach Jersey und entwickelte dort über Jahrzehnte hinweg eine der umfangreichsten privaten Orchideensammlungen Europas, die er konsequent erweiterte und züchterisch weiterentwickelte. Nach seinem Tod im Jahr 1992 wurde seine Sammlung in eine Stiftung überführt, um sein Lebenswerk dauerhaft zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute verfolgt die Stiftung das Ziel, Orchideen nicht nur auszustellen, sondern auch aktiv neue Hybriden zu züchten und seltene Arten zu erhalten. Besucher erleben in speziell angelegten Gewächshäusern eine beeindruckende Vielfalt an Formen und Farben, die international ausgezeichnet wurden, unter anderem bei der berühmten Chelsea Flower Show. Die Anlage gilt als „lebendes Forschungszentrum“, in dem kontinuierlich an neuen Züchtungen gearbeitet wird und gleichzeitig historische Sorten bewahrt werden. So verbindet die Eric Young Orchid Foundation auf einzigartige Weise botanische Forschung, Naturschutz und ein eindrucksvolles Besuchererlebnis – und zählt heute zu den wichtigsten botanischen Attraktionen der Kanalinsel Jersey. Als Überraschung erwartet uns noch ein besonderer Genussmoment. Im Château La Chaire, einem charmanten Landhaus-Hotel im Nordosten Jerseys, wird uns in stilvoller, ruhiger Atmosphäre die typisch britische Teatime serviert: frisch gebackene Scones mit Clotted Cream und Marmelade, begleitet von einer klassischen Tasse Tee. Zum Abendessen erwartet uns im Hotel ein großes Buffet mit frischen Muscheln, Lobster, Austern, Garnelen und vielem mehr.

Rückreise nach Deutschland

Am letzten Tag auf Jersey bleibt uns noch etwas Zeit zur freien Verfügung, um die Insel in Ruhe ein letztes Mal auf uns wirken zu lassen. Viele nutzen die Gelegenheit für einen Spaziergang, einen letzten Blick auf das Meer oder kleine Einkäufe in St. Helier, bevor sich die Reise langsam dem Ende zuneigt. Am Nachmittag werden wir von Eddi am Hotel abgeholt und zum kleinen Flughafen der Insel gebracht. Während der Fahrt ziehen noch einmal die typischen Landschaften Jerseys vorbei – grüne Felder, kleine Orte und die Küste im Hintergrund. Am Flughafen angekommen, heißt es schließlich Abschied nehmen von den Kanalinseln. Nach dem Check-in und den letzten Blicken zurück starten wir mit dem Flugzeug in Richtung Deutschland und lassen eine abwechslungsreiche und erlebnisreiche Reise Revue passieren.


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