Unterwegs auf den schönsten Inseln der Welt
Reisebericht: 30.05. – 06.06.2026
Alle Neune: Wie üblich ist die Anreise kompZum neunten Mal mit passender weise neun Gästen bin ich dieses Mal auf Jersey. Es ist und bleibt meine Lieblingsreise. Und am Ende verstehen das auch alle.
Ein Reisebericht von
Felicitas Bachmann
So nah und doch so schwierig zu erreichen
Wie üblich ist die Anreise kompliziert, vor allem da auch noch kurzfristig der Flughafen München wegen einer Drohnensichtung gesperrt wird. Umso erleichtert sind wir, als wir alle bis auf einen Koffer bei blauem Himmel mit nur wenig Verspätung auf dem kleinen Flughafen auf Jersey landen.
Nach kurzer Fahrt über die halbe Insel erreichen wir das Hotel De Normandie. Dank der Zeitverschiebung bleibt uns noch eine Stunde bis zum gemeinsamen Abendessen. Ob Auspacken oder ein kurzer Gang zum Meer, das direkt vor der Haustür liegt, oder ein schneller Einkauf im kleinen Kiosk gegenüber, keinem wird die Zeit lang. Ganz anders als beim Warten der bestellten Getränke. Das klappt nämlich so gar nicht. Schnell haben wir uns auf das Du geeinigt und bei so einer kleinen Gruppe, geht das mit der Namensrunde am Tisch flott. Nachdem wir uns gestärkt haben, geht es noch gemeinsam nach St. Helier. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von der Inselhauptstadt, sowie von der lebhaften Kneipenkultur. Überall ist was los und es ist ordentlich laut. Wir freuen uns, dass wir in einer so ruhigen Gegend wohnen und fallen gegen 22 Uhr alle rechtschaffen müde ins Bett.
Mit der Fähre in eine andere Welt
Mit der Fähre in eine andere Welt
Sonntag steht gleich eine weitere Kanalinsel auf dem Programm: Sark. Die zweitkleinste der fünf Inseln (Jersey, Guernsey, Alderney, Sark und Herm) mit nur 500 Bewohnern ist 75 Minuten Fahrt entfernt von Jersey. Für’s Schiff gelten strenge Sicherheitskontrollen wie am Flughafen. Die Fahrt ist bewegt und wer ans Oberdeck geht, tut gut daran, sich festzuhalten. Die Sonne versucht durch den noch verhangenen Himmel zu kommen, ganz gelingt ihr das aber erst gegen Mittag.
Obwohl wir eine Wanderreise sind, gönnt uns Eberhard nach der Ankunft auf Sark eine kurze Traktorfahrt hinauf zur Inselhauptstadt „The Village“. Auf der autofreien Insel ist man auf Fahrrad, Kutsche oder die eigenen Füße angewiesen. Lediglich schwere Lasten, wie ein Anhänger mit Touristen, werden von Traktoren bewältigt. Die Insel, die ein bisschen aussieht, wie aus der Zeit gefallen, ist Steuerparadies und damit auch Fluchtort für manchen Steuerhinterzieher. Wir wandern über die festgestampften Sträßchen des Ortes, über die Inselkirche mit ihren gestickten Kirchenkissen zu unserem ersten Highlight. La Seigneurie ist der Wohnsitz des Feudalherren der Insel. Er hatte einst als einziger das Recht, Tauben und Hunde zu halten. Und bis heute muss er jährlich 1,79 Pfund (circa 2 Euro) an die britische Krone abgeben. Der Betrag, einmal vor 500 Jahren festgelegt, wurde nie geändert.
Seine Gärten sind sehenswert und wir wandern ausgiebig durch die einzelnen Bereiche und finden sogar aus dem Labyrinth wieder heraus. Jetzt haben wir uns erstmal eine Mittagspause verdient. Das zweite Highlight ist La Coupée = die Engstelle zwischen Little Sark und Sark, drei Meter breit aber 80 m hoch! Wie alle Kanalinseln war auch Sark während des 2. Weltkrieges von den Deutschen besetzt. Als der Krieg verloren war, ordnete die damalige Feudalherrin der Insel an, dass die deutschen Kriegsgefangenen nun diese Engstelle asphaltierten und mit einem Geländer absicherten. Auch mussten sie die Minen, die sie am Strand verteilt hatten wieder orten, bevor sie die Insel verlassen konnten.
Auf dem Rückweg schauen wir noch kurz bei der Chocolaterie vorbei, trauen uns aber nicht von der leckeren handgemachten Schokolade zu kaufen, da es inzwischen ordentlich warm geworden ist und „Schmilzgefahr“ besteht. Auf schattigen Wegen geht es zurück zum Fähranleger. Die Rückfahrt ist ruhiger und bei strahlendem Sonnenschein holen sich die ersten einen leichten Sonnenbrand.
Vor dem gemeinsamen Abendessen holen wir uns nun selbst die Getränke an der Bar - bis 19 Uhr gibt es hier sogar happy hour, das bedeutet zwei Bier für den Preis von einem!
Wanderung mit Badepause am schönsten Strand Jerseys
Montag steht unsere erste Wanderung auf dem Programm, obwohl wir auch gestern schon 12 km unterwegs waren. Der Bus bringt uns zu Faulkners Fishery an die Nordwestspitze. Von dort aus geht es erstmal 60 m hoch auf die Klippen, die wir dann mit wunderbaren Ausblicken entlang wandern. Zwischendurch viel Beton und Befestigungsanlagen der deutschen Besatzungszeit, aber auch Schätze aus längst vergangenen Zeiten. Le Pinacle (der Höhepunkt) ist ein 60 m hoher menhirförmiger Felsen, dessen Talsenke schon in der Stein- , der Bronzezeit und bei den Römern als Kultstätte genutzt wurde. Das Grosnez Castle datiert aus dem 14. Jahhundert war als Schutz vor möglichen Angriffen von Frankreich gebaut worden. Da aber die ganze Befestigungsanlage nicht über eigenes Trinkwasser verfügte, konnten sich die Fluchtsuchenden nicht lange dort halten.
Auch wir wandern weiter zur schönsten Bucht Jersey: Plemont Beach. Nur bei Ebbe zeigt sich der breite Sandstrand. Bei Flut erkennt man nur Felsen. Die Sonne strahlt und etliche nutzen die Mittagspause, um im 14 Grad frischen Atlantik zu baden oder zumindest die Füße mal reinzuhalten. So erfrischt geht es von der Bucht wieder auf die Klippe zu der wunderbaren Puffinskulptur. Nur noch 4 Paare dieser Vögel leben noch auf Jersey, deswegen begnügen wir uns mit den überlebensgroßen Holz-Figuren. Noch ein paar Kilometer sind es bis Greve de Lecq, dem Endpunkt unserer Wanderung. Hier gönnen wir uns noch ein Softeis, das dank der besonders reichhaltigen Milch der Jersey Girls, wie die hiesigen Kühe gehannt werden, auch besonders gut schmeckt, bevor es zurück in die Stadt oder ins Hotel geht.
Besuch auf Guernsey
Dienstag heißt es sehr früh aufstehen: um 6.30 Uhr gibt es Frühstück und um 7 Uhr geht es wieder Richtung Fähre. Heute wollen wir nach Guernsey, der zweitgrößten Kanalinsel. Die Überfahrt ist alles andere als ruhig und wir sind sehr froh, als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben.
Guernsey empfängt uns im strahlenden Sonnenschein und gleich darauf schauert es. Das werden wir heute noch häufiger erleben. Unsere Reiseleiterin Gaby wartet schon auf uns am Terminal. Mit ihr und dem Bus geht es über die Insel. Kurz vor dem südöstlichens Punkt der Insel steigen wir aus und gehen ein Stück den Klippenweg. Leider schauert es auch hier wieder ganz plötzlich, aber zum Glück nur kurz und wir können die Aussicht genießen, die schon Auguste Renoir im 19. Jahrhundert hier zum Malen angeregt hat.
Zurück im Bus geht es zur berühmten Little Chapel, der kleinsten geweihten Kirche der Welt. Ein besessener Mönch hat sie gebaut, zweimal eingerissen und ihre Fertigstellung dann gar nicht mehr selbst erlebt. Innen wie außen ist sie mit Scherben und seltenen Muscheln verziert. Kitschig, aber sehenswert. Und auch auf die Royal Goats, die königlichen Ziegen, eine besondere Rasse, ist man auf Guernsey stolz. Ebenso wie auf die Guernsey Pullover, die hier auf der Insel aus naturbelassener Schafwolle nach traditionellem Muster gestrickt werden und Wind und Wetter abhalten sollen. Sie haben nur einen Nachteil, sie sind recht kratzig.
Der Bus lässt uns oberhalb der Hauptstadt St. Pieter Port am Candy Garden aussteigen, natürlich schauert es da gerade wieder und wir gönnen uns erstmal eine Kaffeepause.
Am Denkmal von Viktor Hugo, der hier 14 Jahre im Exil gelebt hat und in dieser Zeit unter anderm Les Miserables geschrieben hat, vorbei geht es runter in die Stadt. 1100 Blumenkästen schmücken die ganze Insel, eine wahre Pracht. Leider bleibt wenig Zeit, noch durch die netten Sträßchen zu bummeln und ein Softeis finden wir auch nicht. Aber ein ganz besonderes Highlight zeigt uns Gaby noch. Leider dürfen nur die Frauen mit. Auf der Damentoilette eines feinen Restaurants am Hafen gibt es einen besonderen Buzzer. Drückt man den, verwandelt sich das Clo in eine Disco mit Lichteffekten und passender Musik. Gegen 16.15 geht es zurück mit der Fähre, zum Glück nicht mehr ganz so bewegt wie auf dem Hinweg.
Trotz Regen schön!
Mittwoch lässt uns der Wettergott etwas im Stich und wir starten bei Nieselregen unsere zweite Wanderung in Rozel. Über die Green Lanes, bei denen Fahrradfahrer, Pferde und Fußgänger Vorrang haben, laufen wir an schönen Häusern vorbei Richtung St. Catherines Wood, einem der letzten alten Waldgebiete Jerseys. Hier stört uns der Regen nicht, der Weg mäandert an einem kleinen Flüsschen lang, das wir zweimal überqueren. Am Meer angekommen, geht der Weg über die Kaimauer mit Muschelbäumen Richtung Archirondel. Hier können wir uns bei Tee und Kaffee trocknen. Der Strand und das Wetter laden heute nicht zum Baden ein.
Noch einmal müssen wir einen steilen Berg hinauf und biegen dann in ein kleines Sträßchen zum Faldouet Dolmen ab. Einem Ganggrab, das älter als die Pyramiden ist und dessen Deckstein 24 Tonnen wiegt. Wir sind beeindruckt. Ebenso von dem Blick, den wir kurz danach von oben auf Gorey und Gorey Castle haben - unserem heutigen Ziel. Beim kurzen Weg runter zur Burg erwischt uns noch eine letzte Schauer.
Die Festungsanlage ist sehenswert und verwirrend zu gleich. Aber gemeinsam gelingt es uns, alle wichtigen Räume und Ausstellungstücke zu finden. Toll ist das Hologram von Königin Elisabeth, das aus 11.000 Aufnahmen besteht. Gegenüber hängt das Bild, das aus den Outtakes entstanden ist, wo sie geblinzelt hat oder die Augen kurz geschlossen hatte. Viele Stufen rauf und dann wieder runter bringen uns schließlich nach Gorey an den Hafen wo uns der Bus abholt.
Wandern bei Windstärke 8 und abends in den Pub
Donnerstag ist es noch windiger als gestern. Bei unserem Ausstieg am Smugglers Inn an der Ouaisne Bay müssen wir erstmal die Kapuzen festzurren. Links rauscht das Meer und von vorne pfeift der Wind, aber zumindest scheint die Sonne. Ohne weggepustet zu werden, erreichen wir rasch die nächste Bucht, St. Brelade, die bei badefreudigen Feriengästen sehr beliebt ist. Verzweifelt versuchen wir ein weiteres Softeis zu finden. Aber in allen 3 Eisbuden ist die Maschine kaputt. Auch die Pfarrkirche aus dem 12. Jahrhundert ist ausgerechnet heute nicht zugänglich. Aber ein kurzes Gespräch mit dem Pfarrer ermöglicht uns doch noch den Zutritt. Ganz vorsichtig müssen wir sein, da die Stufen gerade neu gestrichen wurden. Wir besichtigen das - ganz aus dem Granit der Insel gebaute - Gotteshaus und auch die kleine Nachbarkapelle aus dem 6. Jahrhundert mit schönen alten Deckenfresken. Von hier aus geht es kurz und steil hoch auf die Klippe, von wo wir wunderbare Aussichten auch auf einige sehr große, private Anwesen genießen. Wenn schon kein Softeis, dann wenigstens eine kleine Mittagspause mit eigenem Proviant.
Ein herrlicher Weg führt uns weiter Richtung Leuchtturm, vorbei an Jerseys einzigem Gefängnis - ein echter Hochsicherheitstrakt. Der Wind nimmt wieder Fahrt auf, so wandern wir die letzten zwei Kilometer über die alte Bahntrasse, statt an der Klippe entlang. Das ist dann doch zu gefährlich. Schon zweimal haben wir den Leuchtturm von der Fähre aus gesehen, aber so von nahem ist er besonders schön.
Seit 1874 ist das Cobieré Lighthouse nicht nur notwendiges Warnsignal vor den felsigen Untiefen, sondern auch eines der Wahrzeichen Jerseys. Es herrscht Ebbe, so können wir über den betonierten Meeresboden bis ziemlich nah ran laufen. Leider müssen wir uns ziemlich beeilen, nicht weil die Flut kommt, aber weil unser Bus noch einen weiteren Abholtermin hat und nicht ewig auf uns warten kann. Auf dem Rückweg besuchen einige noch die schöne Markthalle von St. Helier oder sehen im Stadtmuseum den sehenswerten Film über die Geschichte Jerseys.
Abends gehen wir noch gemeinsam in einen echten Pub, statt wie üblich im Hotel zu essen.
Viel Auf und Ab und eine schöne Überraschung
Freitag steht unsere längste und vielleicht schönste Wanderung auf dem Programm. Zum Glück hat sich der Wind gelegt, so dass wir das Auf und Ab des Weges genießen können. Durch dichten Farn und Stechginster geht es im Gänsemarsch auf den schmalen, aber gut gepflegten Wegen, von der Bonne Nuit Bucht Richtung Boule Bay. Hier befindet sich auch die einzige Teeplantage von Jersey und wir schauen auf ein ehemaliges Kloster, das längst zu Ferienwohnungen umgebaut wurde. Am kieseligen und bei Tauchern sehr beliebten Strand ruhen wir uns von der ersten Hälfte aus. Danach geht es wieder auf und ab Richtung Rozel Harbour.
Lustig wird es auf den letzten Kilometern, auf denen uns immer wieder ein Ehepaar begegnet, das nach dem richtigen Weg fragt uns aber nicht glaubt, sondern immer wieder umdreht. Aber sowohl das Ehepaar als auch wir erreichen das Ziel und schauen uns den kleinen Hafen bei Ebbe an. Die versprochene Überraschung, wenn alle durchhalten, macht alle neugierig. Als wir dann am Startpunkt unserer Mittwochswanderung in das vornehme Chateau Hotel für einen angeblichen Toilettenstop abbiegen, wundert sich so mancher. Umso gelungener ist die Überraschung, denn hier erwarten sie uns im stilvollen Ambiente zum Tee. Zum echten Cream Tea gehört ein Scone mit clotted cream und Erdbeermarmelade und natürlich schwarzer Tee mit Milch. Die Kalorien haben wir uns vorher abgelaufen, so das wir alles ohne Reue genießen können.
Abschied von der Insel
Bis uns der Bus am Samstag Nachmittag gegen 15 Uhr zum Flughafen abholt, bleibt noch Zeit, durch St. Helier zu bummeln oder das ein oder andere Highlight wie das Tapisserie Museum, den Howard Jones Park oder den Botanischen Garten zu besuchen.
Am Flughafen heißt es dann warten auf den leicht verspäteten Abflug. Zum Glück bekommen wir alle Anschlüsse in München. Wir verabschieden uns herzlich und hoffen sehr, dass wir uns auf der ein oder anderen Reise noch einmal Wiedersehen. Und alle sind sich einig: Schön war’s!
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