Neuseeland – ein Land voller Kontraste
Reisebericht: 20.02. – 18.03.2026
Abseits der bekannten Wege führt diese Rundreise durch wilde Natur, lebendige Städte und stille Paradiese. Tag für Tag können Sie hier unsere Reise durch Neuseeland mitverfolgen.
Ein Reisebericht von
Monika Cortese
Der Beginn unserer Reise nach Neuseeland – Abflug von Frankfurt
Unsere Reise beginnt: 27 Tage voller Natur, Begegnungen und weiter Horizonte. In kleiner Gruppe machen wir uns auf, das Land der Kiwis fernab der üblichen Pfade zu entdecken. Am Flughafen in Frankfurt am Main treffen wir uns am Abfluggate, klären letzte organisatorische Details und stimmen uns gemeinsam auf die kommenden Wochen ein.
Pünktlich hebt unser Flug mit Singapore Airlines ab – und mit ihm beginnt unser großes Abenteuer. Uns steht jedoch zunächst ein echter Flugmarathon bevor: Zuerst geht es nach Singapur, bevor wir weiter Richtung Auckland reisen. Eine lange Strecke, viele Stunden in der Luft und mehrere Zeitzonen liegen vor uns.
Nach dem Abendessen an Bord, etwas Bordprogramm und dem aufmerksamen Service der Crew wird es allmählich ruhiger im Flugzeug. Wir hoffen, ein paar Stunden Schlaf zu finden.
Zwischenstopp in Singapur
In Singapur angekommen, haben wir rund 5 Stunden Aufenthalt am Flughafen. Genügend Zeit, um uns kurz die Beine zu vertreten und uns frisch zu machen. Etwa eine Stunde vor dem Weiterflug begrüßen wir die Gäste, die bereits einen Tag früher angereist sind, um Singapur auf eigene Faust zu erkunden. Nun ist unsere Gruppe vollständig.
Gemeinsam füllen wir die Einreiseformulare für Neuseeland aus, klären letzte Fragen. Danach probieren wir noch ein Stück des typisch grünen Pandan-Kuchens: eine singapurische Spezialität mit leicht vanilleartigem Aroma. So sind wir gestärkt für den nächsten langen Flug. Denn schon heißt es wieder Boarding und pünktlich hebt unser Flug in Richtung Auckland ab. Neuseeland, wir kommen!
Ankunft in Auckland – Willkommen in Aotearoa
Nach vielen Stunden zwischen Himmel und Zeitzonen setzen wir am Mittag in Auckland auf. Ein Moment, auf den wir lange gewartet haben. Neuseeland, oder wie die Maori sagen "Aotearoa", liegt nun wirklich vor uns.
Die Einreise ist, wie erwartet, gründlich. Saubere Schuhe, keine mitgebrachten Lebensmittel – der Schutz der einzigartigen Natur hat hier oberste Priorität. Doch alles verläuft reibungslos und wenig später stehen wir mit unserem Gepäck in der Ankunftshalle.
Dort begrüßt uns Michael, unser örtlicher Reiseleiter. Er stammt ursprünglich aus der Schweiz und lebt seit rund 30 Jahren in Neuseeland. Ein Kenner des Landes, der seine Wahlheimat mit viel Begeisterung vorstellt.
Auf einer ersten Rundfahrt gewinnen wir einen Eindruck von Auckland, der größten Stadt des Landes. Unser Weg führt uns hinauf auf den Mount Eden, einen erloschenen Vulkan. Oben angekommen öffnet sich der Blick über die Stadt, die sich zwischen Hügeln, Buchten und weiteren Vulkanen ausbreitet. Ein weiter Horizont, frische Luft und dieses besondere Gefühl: Jetzt sind wir wirklich da.
Am Abend treffen wir uns zu einem gemeinsamen Essen. Obwohl uns die lange Anreise noch in den Knochen steckt, sitzen wir erstaunlich lange zusammen. Wir sprechen über das, was vor uns liegt, tauschen Erwartungen aus, erzählen von Reiseerlebnissen und lernen uns als Gruppe besser kennen. Langsam wächst aus vielen Einzelnen ein gemeinsames Team für die kommenden Wochen.
Spät und müde ziehen wir uns schließlich zurück. Der erste Tag in Neuseeland war lang und gleichzeitig nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns erwartet.
Von Auckland nach Tairua – erste Eindrücke der Nordinsel
Heute lassen wir Auckland hinter uns und fahren Richtung Coromandel-Halbinsel. Schon nach kurzer Zeit verändert sich die Landschaft: Sanfte grüne Hügel begleiten uns, immer wieder eröffnen sich Ausblicke aufs Meer. Ein erster Halt schenkt uns einen schönen Blick auf die Halbinsel – ein Vorgeschmack auf die kommenden Tage.
In Thames decken wir uns für die Mittagspause ein, bevor wir wenig später den Manaia Road Saddle and Lookout erreichen. Von hier oben genießen wir einen herrlichen Blick über die Küstenlandschaft. Mit einem kleinen Sektumtrunk stoßen wir gemeinsam auf unsere Reise an – ein besonderer Moment inmitten dieser Weite.
Danach geht es weiter zur Pazifikküste. Die Strecke ist kurvig und führt uns durch hügelige Landschaft, bevor wir Tairua, unser Tagesziel, erreichen. Dort wartet noch ein kleiner Aufstieg auf uns: der Weg hinauf zum Paku Hill, dem Hausberg von Tairua, einem kleinen Ort, in dem wir die kommenden zwei Nächte verbringen. Der Pfad ist naturbelassen, die letzten Meter führen über hohe Steinstufen, jedoch oben angekommen werden wir mit einem beeindruckenden Rundumblick belohnt.
In Tairua beziehen wir schließlich unser Motel und kommen erst einmal an. Am Abend spazieren wir zum beliebten Manaia Kitchen & Bar zum Abendessen. Viele entscheiden sich für frischen Fisch. Bei leckeren Gerichten und in entspannter Atmosphäre sitzen wir zusammen bevor wir schließlich zu unserem Motel zurückkehren.
Ein Tag voller Landschaft, Weitblick und schöner gemeinsamer Momente auf der Nordinsel.
Naturvielfalt auf der Coromandel–Halbinsel
Nach einem kurzen Kaffeestopp in einer kleinen Bäckerei in Tairua starten wir in einen abwechslungsreichen Tag auf der Coromandel-Halbinsel. Die Straße führt quer über die Halbinsel durch sanfte Hügellandschaft und dichten Wald.
Unterwegs erfahren wir viel über die beeindruckenden Kauri-Bäume. Ihr Holz wurde früher unter anderem für Schiffsmasten verwendet, und das Harz – das sogenannte Kauri-Gummi – begründete einst eine eigene Industrie. Noch heute werden im Sumpfgebiet versunkene, jahrtausendealte „Swamp Kauri“ geborgen und zu hochwertigen Möbeln verarbeitet. Das Holz gilt als besonders edel und nahezu astfrei.
Bei einem Spaziergang durch einen geschützten Kauri-Wald stehen wir diesen Baumriesen schließlich direkt gegenüber. Zum Schutz der empfindlichen Wurzeln reinigen wir zuvor sorgfältig unsere Schuhe, da eingeschleppte Krankheitserreger den Bestand gefährden können. Neben den Kauri entdecken wir weitere typische Pflanzen der Region: Nikau-Palmen, mächtige Mamaku-Baumfarne mit ihren weit ausladenden Wedeln, den Silberfarn sowie die Manuka-Pflanze. Michael erklärt uns unterwegs die Besonderheiten der verschiedenen Bäume und Gewächse und bringt uns die heimische Pflanzenwelt näher.
Eine besondere Pflanze am Wegesrand ist der Rangiora (Brachyglottis repanda). Seine großen, weichen Blätter mit der hellen, fast filzigen Unterseite fühlen sich überraschend samtig an. Nicht umsonst trägt er im Volksmund den Beinamen „Bushman’s Friend“. Die weichen Blätter wurden früher im Busch tatsächlich als natürlicher Ersatz für Toilettenpapier verwendet. Darüber hinaus galt die Pflanze bei den Māori auch als Heilmittel bei Hautreizungen und kleinen Wunden. Ein kurzer Abstecher führt uns zu den Waiau Falls, die ruhig und beinahe versteckt inmitten üppiger Vegetation liegen.
In Coromandel Town legen wir schließlich eine entspannte Mittagspause ein.
Später genießen wir am Kaipawa Trig Track einen schönen Ausblick über die Küstenlandschaft, bevor es weiter nach Kuaotunu geht. Am Strand bietet sich Gelegenheit für einen Spaziergang oder ein Bad im Meer. Einige nutzen die Chance für eine Erfrischung im Wasser, während andere lieber ein Hokey Pokey Eis im kleinen, schwarzen Kuaotunu Store genießen.
Über Whitianga fahren wir schließlich zurück Richtung Tairua. Unterwegs heißt es kurz warten – eine Rinderherde überquert gemächlich die Straße und hat hier eindeutig Vorrang. Außerdem werfen wir noch einen Blick auf eine Kiwiplantage, bevor wir im Whenuakite Kauri Grove einen weiteren Waldspaziergang unternehmen.
Zum Abendessen kehren wir erneut ins Manaia Kitchen & Bar ein – weil es uns am Abend zuvor dort einfach so gut geschmeckt hat.
Von der Bay of Plenty ins Herz der Māori–Kultur
Heute verlassen wir die Coromandel-Halbinsel und folgen der Küste entlang der Bay of Plenty. Ihren Namen erhielt die Region 1769 von Kapitän James Cook, der sie aufgrund ihrer Fruchtbarkeit als „Bucht der Fülle“ bezeichnete. Und tatsächlich prägen bis heute Obstplantagen und grüne Weiden diese Landschaft.
In Waihi legen wir einen kurzen Halt an der historischen Martha Mine ein und werfen einen Blick auf den beeindruckenden Tagebau, der bis heute das Stadtbild prägt.
Weiter geht es nach Tauranga. Der Aufstieg auf den Mount Maunganui ist derzeit aufgrund eines Erdrutsches gesperrt, doch der lange Sandstrand lädt zu einem Spaziergang oder zu einem Bad im Meer ein. Einige hüpfen gleich ins Wasser, andere erkunden die kleinen Cafés entlang der Promenade. Bevor wir weiterfahren, gibt es ANZAC-Kekse – nachdem Michael uns zuvor die Hintergründe zum ANZAC-Gedenktag und seiner Bedeutung für Australien und Neuseeland nähergebracht hat.
Auf der Weiterfahrt Richtung Rotorua gibt uns Michael einen Einblick in die Kultur der Māori. Er erklärt Traditionen und Begriffe wie Haka, Hongi und Marae, spricht über die Bedeutung der Ahnen, über das Leben in der Gemeinschaft und über die besondere Stellung der Māori im heutigen Neuseeland als Teil eines Zwei-Völker-Staates. So stimmen wir uns bereits unterwegs auf die Begegnung ein, die vor uns liegt.
Am Lake Aniwhenua statten wir schließlich einen Besuch bei einer Māori Familie ab. Wir werden wir von Shandy empfangen, die uns Einblicke in das traditionelle Leben gibt und uns ein Hilfsmittel zum Aale fangen erklärt. Gemeinsam unternehmen wir danach einen kurzen Spaziergang durch den Wald zu einem Wasserfall, bevor wir zur Lodge fahren. Dort erleben wir, wie das Hangi – das traditionelle Essen aus dem Erdofen – in die Erde gesetzt wird. Außerdem werden wir Zeugen der traditionellen Begrüßungszeremonie. Dabei führen die Gastgeber einen "Haka" auf: mit kräftigen Bewegungen, stampfenden Füßen, ausgestreckten Zungen und intensiven Blicken zeigen sie Stärke und prüfen zugleich, ob den Gästen freundliche Absichten zugrunde liegen. Shandy erzählt uns außerdem, das die Māori aus Flachs alle möglichen Gebrauchsgegenstände wie Matten, Teller und Taschen flechten. Wir durften das gleich ausprobieren und haben kleine Fischchen geflochten. (Sicherheitshalber haben wir ein Auge darauf gemalt, damit man den Fisch erkennen kann!)
Auch die Kawakawa-Pflanze lernen wir kennen. Aus ihren Blättern wird ein Tee zubereitet, dem eine wohltuende und heilende Wirkung nachgesagt wird. Natürlich probieren wir ihn auch, zu frittiertem Brot mit Marmelade und Schlagsahne.
Beim gemeinsamen Abendessen genießen wir schließlich das Hangi, das langsam im Erdofen gegart wurde – eine besondere Art des Kochens. Die Offenheit und Herzlichkeit unserer Gastgeber machten diesen Abend zu einer authentischen Begegnung mit der Māori-Kultur.
Später fahren wir weiter nach Rotorua und beziehen am Abend unser Motel.
Von Rototura ab die Westküste
Die meisten unserer Gruppe hatten gestern Abend noch den Whirlpool auf der eigenen Motelterrasse genutzt – gespeist von geothermisch erwärmtem Wasser, ganz typisch für Rotorua.
Da wir noch etwas mehr von der geologischen Aktivität sehen wollten, wurde die Abfahrt vorverlegt. Bereits kurz darauf spazierten wir durch den gepflegten Kuirau Park. Zwischen Dampfschwaden, blubbernden Schlammlöchern und schwefelhaltigen Becken wurde deutlich, wie sehr diese Stadt von Geothermie geprägt ist.
Nach 2,5 Stunden Fahrt erreichten wir unseren nächsten Programmpunkt: die Ruakuri Cave. Während der rund zweistündigen Führung erkundeten wir die eindrucksvollen Karstformationen tief unter der Erde; ich übersetzte für die Gruppe unter anderem, wie die Höhle entdeckt wurde, welche spirituelle Bedeutung sie für die Māori hat und was es mit den Glühwürmchen auf sich hat. Dabei handelt es sich um die in Neuseeland heimische Art Arachnocampa luminosa. Genau genommen sind es keine Würmchen, sondern die Larven einer Mückenart. Sie erzeugen ihr Licht durch eine chemische Reaktion im Körper, um Beute anzulocken, die in ihren feinen, klebrigen Fäden hängen bleibt. In dieser Höhle waren sie zwar gut zu sehen, jedoch nicht ganz in der Menge, die wir erwartet hatten.
Am Mittag erreichten wir Te Kuiti, bekannt als Stadt der Schafscherer, und legten dort eine Mittagspause ein.
Danach führte uns die Fahrt weiter Richtung Westen. An einem Strand an der Westküste machten wir noch einen kurzen Stopp – frische Meeresluft, dunkler Sand und eine ganz andere Stimmung als an der Ostküste.
Am frühen Abend kamen wir schließlich in New Plymouth in der Region Taranaki an.
Den Tag ließen wir bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen, diesmal bei indischer Küche - ein entspannter Abschluss nach einem abwechslungsreichen Reisetag zwischen Geothermie, Höhlenwelt und rauer Westküste.
Vom Mount Taranaki bis nach Masterton
Am Morgen ist der Himmel in New Plymouth zunächst grau. Doch kurz vor unserer Abfahrt klart es überraschend auf. In der Hoffnung, den majestätischen Mount Taranaki (auch Mount Egmont) in voller Pracht am See sehen und fotografieren zu können, legen wir einen Zahn zu.
Während der Fahrt beobachten wir jedoch, wie sich die Wolkendecke erneut verändert: Sie steigt langsam am Hang empor, bis nur noch die Spitze des Vulkans zu sehen ist. Am See angekommen, ist der Berg schließlich komplett verhüllt – ganz im Sinne der Māori-Legende: Der Überlieferung nach lebte Taranaki einst mit den Vulkanen des Tongariro-Gebiets im Landesinneren. Er verliebte sich jedoch in die schöne Pīhanga, die bereits Tongariro versprochen war. Nach einem erbitterten Kampf musste Taranaki das zentrale Plateau verlassen und zog sich an die Westküste zurück. Seine häufige Verhüllung in Wolken gilt als Zeichen seiner Trauer um die verlorene Liebe und der Whanganui River soll aus seinen Tränen entstanden sein.
Später zeigt er sich jedoch immer wieder frei, sodass wir unterwegs mehrere Fotostopps einlegen können.
In Whanganui machen wir Halt am Aussichtsturm auf dem Durie Hill. Oben angekommen lassen wir uns die typischen Hot Cross Buns schmecken, die ich in der Runde austeile. Bei klarem Wetter hätte man von hier aus die Vulkane Mount Ruapehu, Mount Ngauruhoe und Mount Tongariro sehen können – diesmal bleiben sie leider verborgen.
Die Mittagspause verbringen wir bei Viv's Kitchen, einem Café im amerikanischen Stil mit Sandwiches, Pies und als Spezialität den beliebten Cream Rolls.
Da einige Gäste Manuka-Honig und entsprechende Produkte kaufen möchten, fahren wir anschließend zum Waireka Honey Centre. Der kleine Abstecher lohnt sich: Honig kann probiert werden, und auch das Honigeis ist lecker.
Am Nachmittag besuchen wir das Pukaha National Wildlife Centre. Bereits im Bus erklärt Michael die Besonderheiten der neuseeländischen Tierwelt: Durch die lange Isolation entwickelten sich viele Arten ohne natürliche Feinde. Mit der Besiedlung kamen jedoch Katzen, Ratten und andere Tiere ins Land, die besonders für flugunfähige Vögel zur Gefahr wurden. Arten wie der ausgestorbene Haast-Adler stehen sinnbildlich für diese verlorene Welt. Heute schützen eingezäunte Reservate wie Pukaha die verbliebene Tierwelt vor eingeschleppten Räubern. Viele Freiwillige, darunter auch Schulklassen, engagieren sich hier für Erhalt und Aufzucht bedrohter Arten.
Wir beobachten unter anderem einen Kiwi sowie die neuseeländische Waldtaube. Der Tuatara bleibt leider verborgen. Anschließend besuchen wir noch das Visitor Centre.
Am frühen Abend erreichen wir Masterton und checken ein. Später fahren wir zum Abendessen ins "The Good Spot Eatery" – ein sehr empfehlenswertes Restaurant und ein schöner Abschluss eines abwechslungsreichen Tages zwischen Vulkanlandschaft, Tierwelt und kulinarischen Stopps.
Zwischen Filmkulissen und Hauptstadt
Am Morgen verlassen wir Masterton und fahren Richtung Wellington. Auf der Fahrt begleitet uns das Thema Neuseeland als Drehort für internationale Filmproduktionen. Durch die Verfilmungen von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ wurde das Land weltweit als Kulisse bekannt. Viele Szenen entstanden auf privatem Farmland oder in regionalen Parks; nach den Dreharbeiten wurden die meisten Kulissen wieder entfernt. Michael erzählt, wie stark der Tourismus seitdem von diesen Produktionen profitiert hat und dass teilweise auch die lokale Bevölkerung in die Dreharbeiten eingebunden war. Schmunzelnd berichtet er von einem Besucher, der sich so sehr mit der Hobbit-Welt identifizierte, dass er dauerhaft dort bleiben wollte.
Im Kaitoke Regional Park besuchen wir die frühere Film-Location von „Rivendell“ (Bruchtal). Für die Dreharbeiten wurden hier temporäre Kulissen errichtet; heute erinnert vor allem ein schlichter Rahmen an den Standort des Elben-Tores. Die eigentliche Naturkulisse – dichter, ursprünglicher Wald – ist geblieben. Ohne Filmset wirkt der Ort wieder wie ein ganz normaler Regionalpark, doch mit etwas Fantasie lässt sich die Atmosphäre von Mittelerde noch erahnen.
Anschließend erreichen wir Wellington – heute ungewöhnlich windstill. Bei einer orientierenden Stadtrundfahrt sehen wir unter anderem die Old St Paul's, das Parlamentsgebäude, den markanten „Beehive“ sowie das Hafenviertel. Wir fahren hinauf zum Mount Victoria und genießen die Aussicht über Stadt und Bucht.
Ein kurzer Fotostopp führt uns zu Weta Workshop, wo Requisiten, Kostüme und Spezialeffekte für zahlreiche internationale Filmproduktionen entstehen. Besonders bekannt sind die detailreichen Figuren und Modelle, die hier entworfen und gefertigt werden.
Nach dem Hotel-Check-in bleibt Zeit zur freien Verfügung. Einige besuchen das Nationalmuseum Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa, andere gehen bummeln, spazieren am Wasser entlang oder fahren mit mir mit der Wellington Cable Car hinauf und spazieren durch den Botanischen Garten zurück in die Stadt.
Am Abend treffen wir uns erneut für's Abendessen. Heute ausnahmsweise einmal vegan! Asiatisch inspirierte Küche, rein pflanzlich – ein gelungener kulinarischer Abschluss des Tages und unseres letzten Abends auf der Nordinsel.
Fährüberfahrt von Wellington auf die Südinsel – Portage am Kenepuru Sound
Auf zu neuen Ufern! Heute verabschiedeten wir uns von Neuseelands Nordinsel und setzten mit der Interislander-Fähre nach Picton über. Zunächst ging es über die Cook Strait, die Meerenge zwischen Nord- und Südinsel, bevor die Fähre in die Marlborough Sounds einfährt.
Genau genommen befuhren wir den Queen Charlotte Sound, einen der Hauptarme dieses weitläufigen Systems aus vom Meer gefluteten Flusstälern. Die Landschaft wirkt ruhig und abgeschieden. Viele standen an Deck, um diesen ersten Eindruck der Südinsel zu genießen.
In Picton legten wir eine Mittagspause ein. Die Weiterfahrt führte uns auf der Panoramastraße, dem Charlotte Queen Drive, entlang der Küste, mit immer mal wieder einem kurzen Halt zum Fotografieren und Genießen der Aussicht.
Unterwegs entdeckten wir an der Straße einen kleinen Flohmarkt mit Gratis-Artikeln. Mir fiel spontan ein, dass wir für die geplante Weinprobe noch keine passenden Gläser hatten – da bot sich die Gelegenheit perfekt an. Auch die kleinen Nachspeise-Schälchen können wir sicher noch gut gebrauchen!
Anschließend fuhren wir weiter in unser Quartier nach Portage, wo wir für zwei Nächte eincheckten. Das Hotel liegt idyllisch inmitten der Natur, unweit des bekannten Wanderwegs Queen Charlotte Track.
Als wir das Abendessen auf der verglasten Terrasse einnahmen, schlug das Wetter plötzlich um: starker Wind zog auf, und wir konnten beobachten, wie der Sturm die Bucht erfasste. Dabei machten wir uns schon Gedanken über die morgige Bootsfahrt und hoffen, dass sich das Wetter bis dahin beruhigen würde – auch wenn die Vorhersage eher anders aussieht.
Genießer–Kreuzfahrt im Kenepuru Sounds
Nach dem Frühstück starteten wir direkt vom Resort zu einer etwa zweistündigen Wanderung auf einem Abschnitt des Queen Charlotte Track. Der insgesamt rund 73 Kilometer lange Weg wird normalerweise in drei bis fünf Tagen erwandert – wir genossen heute nur ein kleines Teilstück davon.
Begleitet wurden wir dabei von Sonja, Michaels Freundin, die uns einige Tage auf der Reise begleitet. Sie erklärte uns Spannendes zur heimischen Vegetation. An den neuseeländischen Buchen entdeckten wir die feinen Wachsfäden der Schildläuse, an deren Enden sich Honigtau bildet – eine wichtige Nahrungsquelle für einheimische Insekten, leider aber auch für eingeschleppte europäische Wespen. Manche Stämme wirkten schwarz gefärbt: Dort wächst Rußtaupilz auf dem zuckerreichen Honigtau. Auch eine Rātā konnten wir sehen, die oft hoch oben in einem anderen Baum keimt und mit der Zeit kräftige Wurzeln nach unten bildet, bis sie selbst zum dominierenden Baum wird. Daneben ragte eine Neuseeländische Keulenlilie (Cabbage Tree) in den Himmel – zwei ganz unterschiedliche, aber typische Vertreter dieser Landschaft.
Um 13 Uhr trafen wir uns vor der Rezeption und warteten auf Gary von Pelorus Tours, dessen Familie hier bereits in vierter Generation tätig ist. Sein Unternehmen existiert seit 1912 – vom Postboot über Wassertaxi bis zur Muschelfarm.
Ganz wohl war uns zunächst nicht: Der Wind hatte am Vormittag kräftig geblasen, unsere Handys zeigten starke Böen an, und wir fragten uns, wie angenehm die Bootsfahrt wohl werden würde. Doch kaum waren wir im geschützten Gewässer unterwegs, zeigte sich ein anderes Bild. Im Kenepuru Sound, einem Seitenarm der Marlborough Sounds, war es überraschend ruhig. Wir fuhren an einsamen Buchten, wenigen Ferienhäusern oder Muschelfarmen vorbei. Kormorane saßen auf ihren Nestern, am Ufer schimmerten Muschelschalen.
Unser Ziel war Garys eigene Muschelfarm. Dort holte er frische Grünlippmuscheln aus dem Wasser – bis zu einer Tonne kann an einer Boje hängen, erfuhren wir. Die Muscheln brauchen rund zwei Jahre, bis sie erntereif sind. Kurz darauf wurden sie für uns gekocht und mit frischem Brot serviert. Dazu hatte Michael passenden neuseeländischen Wein mitgebracht und Garys Frau hatte zudem eine leckere Käseplatte für uns vorbereitet. Besser hätte ein Lunch kaum schmecken können: frisch, regional und in geselliger Runde direkt auf dem Wasser.
Unsere Sorge vor dem Sturm erwies sich als unbegründet. Stattdessen erlebten wir eine entspannte, persönliche Bootsfahrt durch eine eindrucksvolle Landschaft. Glücklich und zufrieden kehrten wir rechtzeitig zum Resort zurück. Um 18 Uhr wartete bereits das Abendessen. Und wer noch nicht genug von Muscheln hatte, fand sie sogar erneut auf der Speisekarte.
Ein rundum gelungener Genießertag in den Sounds.
Tasman Bay – Takaka Hill – Golden Bay
Gut gestärkt und bestens organisiert starteten wir in den Tag - das vorbestellte Frühstück klappte reibungslos, sodass wir anschließend entspannt aufbrechen konnten.
Ein erster Halt führte uns zum Cullen Point Scenic Reserve, wo sich noch einmal ein weiter Blick über die verzweigte Küstenlandschaft bot. Durch Havelock, bekannt als Zentrum der Grünlippenmuschel-Zucht, ging es weiter Richtung Nelson.
An der Pelorus Bridge legten wir eine kurze Pause ein. Die klare Flusslandschaft diente als Drehort für eine Szene aus der Hobbit-Verfilmung - ein idyllischer Ort, der auch ohne Filmkulisse beeindruckt.
In Nelson erfuhren wir, dass sich hier der geografische Mittelpunkt Neuseelands befindet, markiert durch ein weißes Monument oberhalb der Stadt. Nelson liegt zudem besonders günstig zwischen drei Nationalparks – dem Abel Tasman National Park, dem Kahurangi National Park und dem Nelson Lakes National Park. Insgesamt stehen rund ein Viertel der Landesfläche unter Schutz. Ein beeindruckender Wert, der viel über die Bedeutung der Natur in Neuseeland aussagt.
Unsere Mittagspause verbrachten wir im kleinen Künstlerort Mapua, bevor wir bei Michael und Sonja noch zu einer kurzen Kaffeepause einkehrten. In Motueka besorgten wir anschließend alles Nötige für unser geplantes BBQ.
Die Straße über den Takaka Hill schlängelt sich eindrucksvoll in die Höhe und eröffnet immer wieder weite Ausblicke über Küste und Meer. Ein kurzer Spaziergang zum Aussichtspunkt belohnte uns mit einem herrlichen Blick auf die Golden Bay.
Nahe Takaka hielten wir an einem weitläufigen Strand. Bei Ebbe lassen sich hier tatsächlich Muscheln finden! Wir sammelten genügend für die Vorspeise unseres geplanten Grillabends.
Unser Tagesziel war Collingwood in der Golden Bay. Der kleine Ort blickt auf eine Goldgräbervergangenheit zurück und war sogar kurzzeitig im 19. Jhd. als möglicher Regierungssitz im Gespräch. Unglaublich, denn Collingwood ist winzig, ruhig und sehr entschleunigt. Ein Ort, an dem die Zeit etwas langsamer zu vergehen scheint.
Am Abend wurde gemeinsam gegrillt: verschiedene Steakarten, Hirschbratwurst und Maiskolben. Dazu ein frischer Salat. Die beim Flohmarkt entdeckten Schälchen erwiesen sich als praktisch für die Nachspeise, ebenso kamen die Weingläser wieder zum Einsatz. Über uns leuchtete der Vollmond und in der Nacht konnte man sogar eine Mondfinsternis beobachten! Ein besonderer Abschluss eines rundum gelungenen Tages zwischen Tasman Bay und Golden Bay.
Golden Bay – Wharariki Beach
Die Golden Bay hat sich durch ihre abgeschiedene Lage viel Ursprünglichkeit bewahrt. Betrachtet man auf der Landkarte die Bucht zusammen mit der schmalen, sichelförmigen Landzunge des Farewell Spit, erkennt man mit etwas Fantasie die Umrisse eines Kiwis – fast so, als hätte sich Neuseelands Wappenvogel hier selbst verewigt.
Touristisch geht es hier deutlich ruhiger zu: Die Region liegt abseits der üblichen Routen und ist nur über einen kleinen Umweg zu erreichen – vielleicht genau deshalb hat sie sich ihren ursprünglichen Charakter bewahrt.
Unser erster Halt galt einem ganz typischen neuseeländischen Detail: Am Straßenrand wurden frische leckere Blaubeeren verkauft, wir bedienten uns und hinterließen das Geld in der Box daneben.
Ein beeindruckendes Naturerlebnis erwartete uns an den Te Waikoropupū Springs. Auf einem kurzen Rundweg näherten wir uns den Quellen mit ihrem außergewöhnlich klaren Wasser, das zu den reinsten der Welt zählt. Das Berühren ist aus Respekt vor der spirituellen Bedeutung für die Māori nicht erlaubt. Das intensive Blau und Grün der Wasserflächen wirkte beinahe unwirklich.
Weiter ging es ins Grove Scenic Reserve. Zwischen moosbewachsenen Kalksteinformationen und dichtem Grün führte ein schmaler Pfad hinauf zu einem Aussichtspunkt – und überraschend öffnete sich der Blick weit hinaus bis zum Meer. Die bizarren Karstformen und die üppige Vegetation verliehen dem Ort eine fast märchenhafte Stimmung. Am Wegesrand probierten wir die Frucht des Kawakawa-Strauchs. Wie auch die Blätter, schmecken die Früchte leicht pfeffrig und finden in der traditionellen Pflanzenkunde der Māori Verwendung.
Vom Abel Tasman Memorial aus blickten wir über die weite Tasman Bay – hier ging der niederländische Seefahrer 1642 erstmals in Neuseeland vor Anker.
Am Tata Beach legten wir eine Pause am Strand ein. Trotz der frischen Wassertemperaturen entschieden sich einige für ein Bad und fanden es wunderbar erfrischend!
Nach einer Mittagspause im kleinen Ort Takaka, der für seine alternative, kreative Szene bekannt ist, stöberten wir noch im urigen The Langford Store, einem liebevoll erhaltenen Gemischtwarenladen mit allerlei Kuriosem.
Höhepunkt des Tages war jedoch der Ausflug zum Wharariki Beach. Ein rund zwei Kilometer langer Spaziergang führte uns über grüne Hügel, durch Dünenlandschaften und schließlich hinunter zu einem weiten, nahezu menschenleeren Strand an der Tasmanischen See. Gewaltige Felsformationen ragten aus dem Sand – vielen bekannt als Windows-Bildschirmmotiv. Am Ende des Strandes entdeckten wir sogar Seebärenjunge die sich zwischen den Felsen tummelten.
Die Begeisterung in der Gruppe war groß und wir konnten einfach nicht genug Fotos schießen!
Zurück in Collingwood ließen wir den Tag im The Mussel Inn ausklingen. In entspannter, authentischer Atmosphäre – draußen unter Wärmelampen – genossen wir gutes Essen und den geselligen Abschluss eines eindrucksvollen Tages am äußersten Rand der Südinsel.
Zu den geheimnisvollen Natural Flames bei Murchison
Am Morgen verlassen wir die Golden Bay und fahren noch einmal über den Takaka Hill – auch „Marmorberg“ genannt – zurück Richtung Süden. Die Straße schlängelt sich durch die hügelige Landschaft hinunter nach Motueka, wo wir uns zunächst mit Proviant für das Mittagessen versorgen. Kurz darauf verabschieden wir uns von Sonja, der Freundin unseres Reiseleiters Michael, die uns einige Tage begleitet hat. Die Fahrt führt weiter durch das fruchtbare Motueka Valley und anschließend entlang des Buller River, einem der längsten Flüsse des Landes. Schließlich erreichen wir das kleine Städtchen Murchison, wo wir eine kurze Pause einlegen.
Am Nachmittag steht für uns ein besonderer Ausflug auf dem Programm: Gemeinsam mit dem lokalen Guide Wayne brechen wir zu den sogenannten „Natural Flames“ auf. Zunächst fahren wir ein Stück über eine private Farm mit Rotwild, bevor die Wanderung beginnt. Der Weg führt durch dichten Wald, über Wurzeln und kleine Anstiege, stellenweise etwas anspruchsvoll, aber gut zu bewältigen.
Unterwegs erklärt Wayne vieles über die heimische Pflanzenwelt und über die Schutzmaßnahmen für Neuseelands einzigartige Tierwelt. Immer wieder entdecken wir Fallen, die hier aufgestellt werden, um eingeschleppte Tiere wie Ratten oder Mäuse zu fangen, die für viele einheimische Vogelarten eine große Bedrohung darstellen. Auch einige Pflanzen lernen wir näher kennen, unter anderem die Horopito, dessen scharf schmeckende Blätter traditionell als Gewürz und Heilpflanze genutzt werden. Wayne zeigt uns außerdem verschiedene Moose und erklärt, wie sie früher auch zur Wundversorgung oder für Isolierung verwendet wurden. Zwischendurch begleitet uns immer wieder ein neugieriger New Zealand Fantail, der flink zwischen den Ästen hin- und herflattert.
Schließlich erreichen wir mitten im Wald die „Natural Flames“. Aus kleinen Öffnungen im Boden steigen hier tatsächlich Flammen auf, ein seltenes Naturphänomen, das durch aus dem Untergrund austretendes Methangas entsteht, das sich an der Oberfläche entzündet. Die Flammen sind bereits seit den frühen 1920er-Jahren bekannt; wie genau sie entdeckt wurden, darüber kursieren verschiedene Geschichten, unter anderem die von Jägern, die beim Rastmachen zufällig das Gas entzündeten.
Rund um die kleinen Flammen lassen wir uns nieder und genießen eine ganz besondere Pause: über den Flammen bereitet Wayne für uns Kekse mit geschmolzenem Marshmallow und frische Pancakes mit Honig oder Sahne zu, dazu Tee oder heiße Schokolade. In dieser märchenhaften Waldkulisse wirken die kleinen Feuer fast magisch.
Am späten Nachmittag geht es auf demselben Weg wieder zurück und anschließend nach Murchison, wo wir unser Motel beziehen. Den Tag lassen wir beim Abendessen im urigen Restaurant „Cowshed“ ausklingen, mit gutem Essen, freundlichem Service und vielen Eindrücken von diesem besonderen Naturerlebnis.
Über den Lewis Pass ins Canterbury–Hochland
Am Morgen nutzen wir noch einmal die Gelegenheit für einen kurzen Stopp im kleinen Ortszentrum von Murchison. Ein Souvenirladen öffnet extra etwas früher für uns, sodass alle in Ruhe stöbern und noch ein paar Erinnerungsstücke mitnehmen können.
Anschließend verlassen wir Murchison und fahren in südöstlicher Richtung weiter. Der Tag beginnt zunächst neblig, doch nach und nach lösen sich die Nebelschwaden auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Wieder einmal haben wir Glück mit dem Wetter!
Unser erster Halt führt uns zu den Maruia Falls, einem eindrucksvollen Wasserfall, der erst durch ein starkes Erdbeben im Jahr 1929 entstand. Das Beben veränderte damals den Lauf des Flusses und ließ den Wasserfall entstehen, der heute über eine breite Felskante in die Tiefe stürzt.
Weiter geht es über Springs Junction hinauf zum Lewis Pass, dem nördlichsten der drei großen Alpenpässe der Südinsel. Die Landschaft wird zunehmend alpiner, dichter Südbuchenwald säumt die Straße. Hier unternehmen wir einen kleinen Spaziergang auf einem Naturpfad. Moose, Flechten und Farne bedecken den Waldboden und von vielen Ästen hängt die graugrüne Flechte „Old Man’s Beard“, die wie Lametta von den Bäumen herabhängt. Neuseeland beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Flechten und Moosen, rund achtzig verschiedene Arten sind hier zu finden.
Auf der Weiterfahrt folgen wir teilweise dem Lauf des Waiau River, der sich durch die weite Landschaft schlängelt, bevor wir den kleinen Kurort Hanmer Springs erreichen. Hier legen wir eine Mittagspause ein.
Danach führt unsere Route durch das ländliche Canterbury mit seinen weiten Ebenen und kleinen Ortschaften über Waikari und den Weka Pass weiter Richtung Osten. In Rangiora gönnen wir uns noch einen kurzen Stopp bei der beliebten Eisdiele Bocky Boo Gelato, bevor die Fahrt weitergeht.
Ein letzter Fotostopp erwartet uns am mächtigen Rakaia River. Der breite, türkisfarbene Fluss, gespeist von Gletschern der Südalpen, gehört zu den größten Flüssen der Südinsel und durchzieht in vielen Armen das weite Flussbett.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Methven, einen kleinen Ort am Rand der Canterbury-Ebene, der als Ausgangspunkt für das Skigebiet am Mount Hutt bekannt ist. Nach dem Check-in im Hotel lassen wir den Tag bei einem ausgezeichneten Abendessen zusammen ausklingen.
Canterbury–Ebene – alte Wälder – viktorianisches Oamaru
Nach dem Frühstück verlassen wir Methven und fahren südwärts. Die Straße folgt zunächst dem breiten Flussbett des Rangitata River, dessen verzweigte Kiesarme typisch für die Flüsse der Canterbury-Ebene sind.
Unser erster Halt führt uns in den Wald des Peel Forest Park Scenic Reserve. Auf einem kurzen Spaziergang entdecken wir beim „Big Tree Walk“ einen beeindruckenden Riesen: eine etwa 31 Meter hohe und rund tausend Jahre alte Tōtara. Der kleine Rundweg führt durch dichten, ursprünglichen Wald mit mächtigen einheimischen Baumarten wie Kahikatea und Tōtara.
Weiter geht es durch kleine Orte der Region Canterbury und in dem hübschen Städtchen Geraldine legen wir einen Kaffeestopp ein. Ein kurzer Abstecher führt uns zu einem Aussichtspunkt beim Waitohi Bush, von wo sich heute bei klarem Wetter ein schöner Rundumblick über die weite Landschaft öffnet. Hier wächst auch der Kōwhai, ein bekannter einheimischer Baum.
Unterwegs erinnert eine kleine Station an den neuseeländischen Flugpionier Richard Pearse. Dem Tüftler aus dieser Region wird nachgesagt, bereits im Jahr 1903 - möglicherweise sogar noch vor den Wright Brothers - einen motorisierten Flugversuch unternommen zu haben.
Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich die Küstenstadt Oamaru. Vom Aussichtspunkt oberhalb der Stadt bietet sich ein schöner Blick auf den Ort und den Pazifik. Anschließend bleibt ausreichend Zeit für einen Spaziergang durch das historische Viertel. Oamaru ist bekannt für seine Gebäude aus hellem Kalkstein, dem sogenannten Oamaru Stone, die der Stadt ihr unverwechselbares viktorianisches Flair verleihen. In den restaurierten Lagerhäusern des alten Hafenviertels befinden sich heute kleine Galerien, Geschäfte und Cafés.
Nach dem Check-in im Motel treffen wir uns am Abend zum gemeinsamen Essen in einem Restaurant nahe der Küste. Viele entscheiden sich ganz klassisch für Fish & Chips, schließlich schmeckt dieses Gericht nirgends besser als direkt am Meer.
Später am Abend erwartet uns ein besonderes Naturerlebnis: In der Bucht von Oamaru lebt eine Kolonie der kleinsten Pinguinart der Welt, der Zwergpinguine (Little Blue Penguins). Tagsüber sind sie im Meer unterwegs, um Fische zu fangen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit kehren sie an Land zurück. Wir können beobachten, wie die kleinen Pinguine aus den Wellen steigen und zu ihren Nestern an Land watscheln – ein unvergesslicher Abschluss des Tages. (P.S.: da es verboten ist, die Pinguine zu fotografieren, gibt es keine Bilder hierzu.)
Moeraki Boulders – Otago Halbinsel – Dunedin
Unsere Route führt zunächst entlang der Küste zu den Moeraki Boulders, den berühmten runden Steinkugeln am Strand. Die bizarren Naturformationen liegen verstreut im Sand und entstanden vor Millionen Jahren durch mineralische Ablagerungen im Meeresboden, die im Laufe der Zeit aushärteten. Ein wirklich überraschendes Fotomotiv, das man gesehen haben muss.
Anschließend fahren wir weiter zur Otago Halbinsel. Hier befindet sich das Royal Albatross Centre am Taiaroa Head, dem einzigen Ort der Welt, an dem der Nördliche Königsalbatros auf dem Festland brütet. Die Kolonie entstand bereits 1920 mit dem ersten Ei. Bei einem kurzen Film erfahren wir mehr über die majestätischen Vögel: Sie erreichen eine Spannweite von bis zu drei Metern, legen einmal pro Jahr ein Ei, fliegen täglich bis zu 1000 km, erreichen Geschwindigkeiten von 120 km/h und verbringen die meisten Zeit auf See. Die Tiere können bis zu 12 kg wiegen und bleiben ihrem Partner ein Leben lang treu.
Danach laufen wir hoch zum verglasten Observatorium. Genau richtig: Sonne, Wolken und der kräftige Wind schaffen die idealen Bedingungen, sodass die Albatrosse elegant über der Halbinsel segeln. Wir verfolgen gebannt, wie sie aufsteigen, kreisen und landen, während die Jungvögel gemütlich in ihren Nestern sitzen. Das Zusammenspiel von Wind, Flugkünsten und der dramatischen Küstenlandschaft macht den Moment zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Nach dem faszinierenden Naturerlebnis fahren wir weiter nach Dunedin, die „Schottenstadt“ Neuseelands. Die Stadt spiegelt ihr schottisches Erbe in der Architektur wider, besonders eindrucksvoll ist das Bahnhofsgebäude im Stil flämischer Renaissance aus Basalt und Sandstein. Eine kurze Stadtrundfahrt führt uns außerdem zum Universitätsviertel und zur welt-steilsten berühmten Baldwin Street, die wir leider nicht hochlaufen, da es nun ziemlich stark regnet.
Am frühen Abend checken wir in unserem Hotel in Dunedin ein, das unweit des zentralen Octagon liegt. Den Abend lassen wir schließlich beim Abendessen im Stadtzentrum ausklingen.
Durch die wilden Catlins nach Stewart Island
Am Morgen verlassen wir Dunedin und fahren südwärts auf der landschaftlich reizvollen Southern Scenic Route. Diese Strecke durch die Region der Catlins gilt als eine der ursprünglichsten Küstenlandschaften der Südinsel. Sanfte Hügel mit weiten Weideflächen und immer wieder der Blick auf den Südpazifik prägen die Fahrt. Viele Schafherden grasen auf den grünen Weiden – eine typisch neuseeländische Landschaft.
Ein erster kurzer Halt führt uns nach Milton, wo wir eine kurze Pause einlegen und einige noch schnell etwas für die spätere Mittagspause besorgen. Wenig später erreichen wir die wilde Küste der Catlins.
Kurz vor dem berühmten Nugget Point Lighthouse entdecken wir zwei Seelöwen am Strand und halten spontan an, das wollen wir natürlich fotografisch festhalten. Anschließend spazieren wir zum Leuchtturm. Unterwegs eröffnen sich immer wieder großartige Ausblicke auf die vorgelagerten Felseninseln, die „Nuggets“, die dem Kap ihren Namen gegeben haben.
Die Weiterfahrt führt entlang der zerklüfteten Küste zu schönen Aussichtspunkten wie Tautuku Bay, bevor wir schließlich Curio Bay erreichen. Hier legen wir unsere Mittagspause ein. Die Bucht ist bekannt für ihre wilde Küstenlandschaft und einen fossilen Wald aus der Jurazeit.
Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt fort. Die Landschaft bleibt abwechslungsreich: grüne Hügel, abgelegene Farmen, dichte Küstenvegetation und immer wieder weite Blicke über das Meer. Wir durchfahren eine der stilleren, aber besonders eindrucksvollen Regionen Neuseelands.
Schließlich erreichen wir Invercargill, die südlichste Stadt des Landes. Am Flughafen erledigen wir den Check-in für unseren Flug – erstaunlich unkompliziert, der Boardingpass erinnert eher an einen Kassenzettel. Mit nur neun Passagieren an Bord hebt das kleine Flugzeug wenig später ab.
Nach einem kurzen Flug landen wir bereits auf Stewart Island und erreichen den kleinen Ort Oban an der Halfmoon Bay. Unsere Gruppe verteilt sich auf zwei verschiedene Unterkünfte und wohnt etwas persönlicher und ungezwungener, was gut zur entspannten Atmosphäre der Insel passt.
Später sitzen wir noch zusammen, öffnen ein paar Flaschen Sauvignon Blanc und lassen den Tag gemütlich ausklingen - am Ende der Welt auf Stewart Island. Viel südlicher geht es kaum.
Naturparadies Ulva Island und Kiwi–Erlebnis bei Nacht
Der Tag beginnt ruhig auf Stewart Island. Am Morgen bereite ich für die Gruppe das Frühstück vor, sodass alle gut gestärkt in den Tag starten können.
Für den Vormittag habe ich zu einem gemeinsamen Spaziergang eingeladen. Wir treffen uns beim Pub in Oban und starten von dort unsere kleine Erkundungstour. Der Weg führt zunächst über den Fuchsia Walk hinauf zum Aussichtspunkt Observation Rock. Von hier bietet sich ein schöner Blick über die Bucht mit den kleinen Inseln im Paterson Inlet, darunter Ulva Island und Iona Island. Anschließend laufen wir weiter hinunter zur Golden Bay Wharf.
Am frühen Nachmittag steht dann ein besonderer Ausflug auf dem Programm: die Naturinsel Ulva Island. Wegen des starken Windes fahren wir zunächst mit dem Bus in eine geschütztere Bucht auf der gegenüberliegenden Seite, von wo aus wir mit dem Boot übersetzen.
Auf der Insel erwartet uns unsere Naturführerin Annalisa zu einer geführten Wanderung. Ulva Island ist ein streng geschütztes Vogelparadies und vollständig frei von eingeschleppten Raubtieren, ein seltenes Refugium für viele bedrohte Arten Neuseelands. Trotzdem werden vorsorglich weiterhin Fallen aufgestellt, denn Ratten können erstaunliche Distanzen schwimmen, sogar bis zu zwei Kilometer.
Schon kurz nach unserer Ankunft hören wir den Gesang des Tui, eines außergewöhnlichen Vogels mit zwei Kehlköpfen, der dadurch sehr unterschiedliche Töne erzeugen und sogar andere Vogelstimmen nachahmen kann. Während unseres Spaziergangs entdecken wir weitere typische Waldbewohner wie den Kākā, einen neuseeländischen Waldpapagei, der mit seinem kräftigen Schnabel Baumrinde abschält, um darunter nach Insekten zu suchen. Besonders gerne nutzt er dafür den Tōtara-Baum mit seiner vergleichsweise dünnen Rinde. Die Spuren dieser Futtersuche sind an manchen Stämmen gut zu erkennen.
Immer wieder hören wir auch den Saddleback, bekommen ihn jedoch nicht zu Gesicht. Dagegen zeigt sich der neugierige Stewart Island Robin immer wieder, der mit seiner auffälligen hellen Brust gut zu erkennen ist. Der Wald selbst ist beeindruckend alt, viele mächtige Rimu-Bäume wachsen hier noch, weil bereits der frühere Inselbesitzer Charles Traill das Fällen von Bäumen untersagte und sich für den Schutz des Waldes einsetzte.
Auch botanisch gibt es Interessantes zu entdecken. Annalisa zeigt uns die sogenannten „Bushman’s papers“ – Blätter des Muttonbird-Baums, die früher tatsächlich als improvisierte Postkarten genutzt wurden: Mit Briefmarke und Stempel versehen konnten sie bis etwa 1970 ganz offiziell verschickt werden.
Nach diesem Einblick in die einzigartige Natur der Insel bringt uns das Boot wieder zurück nach Oban.
Am Abend treffen wir uns erneut zum gemeinsamen Essen im beliebten Pub des Ortes.
Danach gehen wir noch einmal zum Steg, wo wir für einen weiteren besonderen Programmpunkt einchecken: die Kiwi-Experience am Abend. Der Wind ist noch immer deutlich spürbar und auf dem offenen Meer macht sich die raue See bemerkbar.
Unterwegs legen wir mehrere kurze Stopps ein, um nach Tieren Ausschau zu halten. Mit Ferngläsern ausgerüstet halten wir zunächst vor Bench Island um nach dem seltenen Gelbaugenpinguin Ausschau. Tatsächlich können wir einen entdecken. Wenig später beobachten wir neuseeländische Pelzrobben am Flat Rock, während über uns mehrere Albatrosse im warmen Licht des Sonnenuntergangs ihre Kreise ziehen. Auch Kormorane sitzen auf den Felsen entlang der Küste.
Schließlich erreichen wir eine abgelegene Bucht der Little Glory Cove. Am Strand entdecken wir zunächst einige Seelöwen, bevor unser Guide Natascha eine Einführung in das Leben des Kiwis gibt. Der Vogel ist in vieler Hinsicht ungewöhnlich, seine Merkmale erinnern teilweise eher an ein Säugetier als an einen Vogel.
Wichtig sind die Regeln für unsere Beobachtung: Wir bewegen uns leise, sprechen nicht und benutzen unsere Taschenlampen nur nach unten gerichtet.
Dann beginnt die Wanderung durch den dunklen Wald. In einer Reihe folgen wir dem schmalen Pfad voller gespannter Erwartung. Und tatsächlich: Schon nach kurzer Zeit entdecken die Guides einen Kiwi im Unterholz. Ganz ruhig können wir den scheuen Vogel beobachten, wie er mit seinem langen Schnabel im Boden nach Nahrung sucht.
Anschließend gehen wir weiter bis zum Strand. Dort hoffen wir noch auf weitere Kiwis, doch stattdessen bietet sich uns ein anderer eindrucksvoller Anblick: Ein Seelöwenpaar liegt dicht beieinander am Ufer, das wir aus respektvollem Abstand mit einer Wärmekamera beobachten. Über uns spannt sich ein klarer Sternenhimmel. Das Kreuz des Südens und die Milchstraße leuchten beeindruckend hell, ein wirklich magischer Moment.
Schließlich wandern wir zum Boot zurück. An Bord warten heiße Schokolade und Kekse, während wir uns langsam wieder auf den Rückweg machen. Die See hat sich inzwischen beruhigt, und die Fahrt zurück nach Oban verläuft ruhig.
Als wir schließlich im Hafen anlegen, sind sich alle einig: Einen Kiwi in freier Wildbahn gesehen zu haben, ist ein echtes Glück. Auch unsere Begleiterin Natascha bestätigt, dass Sichtungen in letzter Zeit gar nicht selbstverständlich sind - umso mehr freuen wir uns über dieses besondere Erlebnis.
Stewart Island – Gemstone Beach – Fiordland
Am Morgen verabschieden wir uns von Stewart Island. Nach dem Frühstück in unseren Unterkünften treffen wir uns zum Transfer zum kleinen Flughafen von Oban. Der Check-in ist schnell erledigt, und wenig später hebt unsere kleine Maschine ab. Der Rückflug nach Invercargill dauert nur etwa zwanzig Minuten und bietet noch einmal schöne Ausblicke über die Inselwelt im Süden Neuseelands.
Nach einer kurzen Kaffeepause setzen wir unsere Reise im Bus fort und fahren entlang der Südküste Richtung Westen. Hinter Riverton ziehen sich grüne Weiden mit vielen Schafherden durch die Landschaft – Neuseeland wie aus dem Bilderbuch. Natürlich halten wir an, um endlich auch das obligatorische „Schaf-Foto“ zu machen.
Am Gemstone Beach legen wir eine Pause ein. Der Strand ist bekannt für seine schönen, vom Meer rund geschliffenen Steine. Bei einem Spaziergang am Strand entdeckt jeder schnell ein paar Fundstücke für ein hübsches Andenken.
Die Fahrt führt weiter ins Landesinnere bis zum Rainbow Reach im Gebiet des Kepler Track, einem der berühmten „Great Walks“ Neuseelands. Eine Hängebrücke überspannt hier den Waiau River und markiert einen Zugang zum Wanderweg. Der Kepler Track wurde in den 1980er-Jahren als Rundwanderung angelegt und führt durch dichten Buchenwald, über alpine Höhen und entlang von Seen – normalerweise ein mehrtägiges Trekking. Wir unternehmen hier einen gemütlichen Spaziergang durch den moosreichen Wald, jeder in seinem eigenen Tempo.
Am Nachmittag erreichen wir schließlich Te Anau, den kleinen Ort am gleichnamigen See. Der Lake Te Anau ist mit rund über 400 m Metern der tiefste See Neuseelands und gleichzeitig der größte See der Südinsel. Sein klares Wasser speist zahlreiche Flüsse der Region, und die Stadt gilt als wichtiges Tor zum Fiordland-Nationalpark.
Nach den letzten beiden Nächte freuen sich alle über die wieder großzügigen Motelzimmer. Am Abend spazieren wir gemeinsam zum Restaurant „Nonna Resi“, einem authentischen italienischen Lokal. Der Koch und der Pizzabäcker stammen aus Italien und das schmeckt man auch. Anschließend bleibt noch Zeit für einen Spaziergang am See oder einen Bummel durch den Souvenirladen.
Ausflug zum Doubtful Sound
Nach dem Frühstück fahren wir von Te Anau nach Manapouri, dem Ausgangspunkt für den Ausflug zum Doubtful Sound. Zuerst geht es mit dem Schiff über den Lake Manapouri, der von bewaldeten Bergen umgeben ist.
Am abgelegenen West Arm Visitor Centre gehen wir an Land. In dieser abgelegenen Ecke des Sees befindet sich auch die Manapouri Power Station, ein riesiges unterirdisches Wasserkraftwerk. Das Wasser des Sees wird durch Tunnel durch die Berge zum Doubtful Sound geleitet und treibt dort Turbinen an – eines der größten Kraftwerke des Landes.
Von hier fahren wir mit Bussen über die kurvenreiche Wilmot Pass Road durch dichten, immergrünen Regenwald hinauf zum Wilmot Pass. Unterwegs öffnet sich plötzlich der Blick auf den Fjord, ein beeindruckender Moment, wenn man zum ersten Mal auf den Doubtful Sound hinunterblickt. Steile, dicht bewachsene Berge fallen direkt zum Wasser ab, und überall ziehen sich Wasserfälle durch den Wald.
Unten am Deep Cove steigen wir auf einen Katamaran um und beginnen unsere Fahrt durch den Fjord. Der (im Gegensatz zum Milford Sound) eher weniger besuchte Doubtful Sound ist rund 40 Kilometer lang und führt hinaus zur Tasman Sea. Während der Fahrt erklärt ein Nature Guide immer wieder Besonderheiten dieser Landschaft.
Auffällig ist die dunkle Farbe des Wassers. Durch die extrem hohen Niederschläge im Fiordland fließt ständig Süßwasser aus den umliegenden Bergen in den Fjord. Dieses bildet eine dünne Schicht über dem Salzwasser und enthält viele Gerbstoffe aus dem Regenwald, ähnlich wie bei starkem Tee. Dadurch erscheint das Wasser von oben fast schwarz und lässt nur wenig Licht in die Tiefe.
Das Wetter ist sehr stürmisch, mit starken Böen, sodass man zeitweise lieber im Inneren des Schiffes bleibt, um nicht nass oder fast vom Wind weggeweht zu werden.
Der Name des Fjords geht auf James Cook zurück. Als er die Einfahrt entdeckte, war er unsicher, ob seine Segelschiffe bei ungünstigem Wind wieder hinauskommen würden, deshalb nannte er ihn „Doubtful Harbour“. Tatsächlich handelt es sich geologisch gar nicht um einen Sound, sondern um einen Fjord, der von Gletschern geformt wurde. Echte Sounds – also überflutete Flusstäler – sind in Neuseeland zum Beispiel die Marlborough Sounds.
Nach der Fahrt durch den Fjord geht es wieder zurück nach Deep Cove und anschließend mit Bus und Schiff über den Lake Manapouri zurück nach Manapouri. Am Abend sind wir wieder in Te Anau, wo wir den Tag beim Abendessen im Bailiez Cafe ausklingen lassen.
Über Queenstown und die Crown Range nach Wānaka
Am Morgen verlassen wir Te Anau und fahren in Richtung Norden. Unsere Route führt zunächst über Mossburn, einen Ort, der heute als „Hirschhauptstadt“ Neuseelands gilt. In dieser Region wurden einst Rothirsche zur Jagd ausgesetzt. Wie viele andere eingeführte Tierarten, etwa Kaninchen oder Wiesel, entwickelten sie sich schnell zu einem Problem für die einheimische Tierwelt. Heute hat sich daraus jedoch eine bedeutende Hirschzucht entwickelt, und Mossburn ist ein Zentrum dieser Landwirtschaft.
Weiter geht es über Kingston am südlichen Ende des Lake Wakatipu bis nach Queenstown. Unterwegs legen wir eine kurze Pause im kleinen Ort Garston ein. Er gilt als die am weitesten im Landesinneren gelegene Ortschaft Neuseelands.
Danach folgen wir dem Ufer des Lake Wakatipu. Mit dem See verbindet sich eine Māori-Legende: Der Riese Matau entführte einst die Häuptlingstochter Manata. Ihr Geliebter Matakauri rettete sie und verbrannte später den schlafenden Riesen. Der Körper des Riesen soll dabei eine riesige Mulde in die Landschaft gebrannt haben, die sich mit Wasser füllte – so entstand der Lake Wakatipu. Der Legende nach schlägt sein Herz noch immer unter dem See und lässt den Wasserspiegel leicht steigen und fallen.
In Queenstown bleibt Zeit für einen kurzen Bummel durch den lebhaften Ferienort. Die Stadt gilt als Abenteuerhauptstadt Neuseelands und liegt spektakulär zwischen Bergen und See. Allerdings ist es hier oft sehr belebt, deshalb bleiben wir bewusst nicht allzu lange. Unser Ziel ist es ja auch, Orte abseits der großen Touristenströme zu entdecken.
Zur Mittagspause fahren wir nach Ayrburn. Das liebevoll restaurierte historische Farmgelände ist heute eine gepflegte Parkanlage mit Restaurants, Café, Bäckerei und Eisdiele – ein angenehmer Ort für eine entspannte Pause.
Anschließend erreichen wir das nahegelegene Goldgräberstädtchen Arrowtown. Bei einem kurzen Spaziergang besuchen wir die ehemalige chinesische Goldgräbersiedlung. Hier lebten im 19. Jahrhundert chinesische Arbeiter unter einfachen Bedingungen, nachdem sie zur Unterstützung beim Goldabbau in die Region geholt worden waren.
Ein ganz anderer Nervenkitzel erwartet uns wenig später an der berühmten Kawarau Bridge Bungy. Von dieser historischen Brücke wurde 1988 das kommerzielle Bungee-Jumping populär gemacht. Wir schauen eine Weile zu, wie sich einige Mutige in die Tiefe stürzen oder es sich kurz vorher doch noch einmal anders überlegen.
Danach führt die Straße hinauf über die spektakuläre Crown Range, die höchste asphaltierte Passstraße Neuseelands. Kurze Fotostopps bieten beeindruckende Ausblicke auf die Berglandschaft rund um Queenstown.
Im Cardrona Valley legen wir noch einen Halt am historischen Cardrona Hotel ein, eines der ältesten Hotels der Region. Spontan besuchen wir anschließend auch die nahegelegene Cardrona Distillery und probieren bei einer kleinen Degustation einige ihrer Spirituosen.
Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Wānaka. Von einem Aussichtspunkt genießen wir zunächst den Blick über den Ort und den Lake Wānaka, bevor wir im Motel einchecken. Anschließend erledigen Michael und ich noch den Einkauf für das geplante Barbecue am nächsten Tag. Der Abend steht zur freien Verfügung - manche gehen individuell essen, einige schließen sich mir noch für einen gemeinsamen Restaurantbesuch an.
Helikopterflug, Wanderung und Jetboot im Makarora Valley
Am Morgen starten wir bei strahlendem Sonnenschein in den Tag. Kein Wölkchen steht am Himmel, als wir Wānaka verlassen und entlang der Seenlandschaft Richtung Norden fahren. Zunächst begleitet uns der Lake Hāwea, später der Lake Wānaka. Die Straße führt durch eine beeindruckende Berglandschaft bis nach Makarora, einem kleinen Ort am Rand des Mount Aspiring Nationalparks.
Hier beginnt für viele aus unserer Gruppe ein besonderer Ausflug: ein kombinierter Helikopterflug, eine Wanderung durch abgelegene Natur und eine Jetbootfahrt zurück ins Tal. Nach dem Check-in und einer kurzen Sicherheitseinweisung werden wir gewogen und auf zwei Helikopter verteilt. Das Gepäck wird außen an den Kufen verstaut, dann starten die Maschinen nacheinander.
Der Flug führt über die beeindruckende Bergwelt des Nationalparks und entlang des Makarora River bis ins abgelegene Siberia Valley. Aus der Luft eröffnen sich fantastische Ausblicke auf Flüsse, Täler und die Gipfel der Südalpen. Ein spektakuläres Erlebnis!
Nach der Landung beginnt unsere etwa 7,5 Kilometer lange Wanderung. Der Weg führt zunächst relativ eben entlang des Flusses und später hinauf durch dichten Regenwald. Immer wieder geht es bergauf und bergab, teilweise auch über rutschige Passagen, doch am Ende erreichen wir alle gut unser Ziel.
Nach einigen Stunden erreichen wir schließlich den Treffpunkt am Wilkin River. Dort warten wir auf das Schnellboot, sehr zur Freude der zahlreichen Sandflies, die uns sofort entdecken. Nach einer kurzen Einweisung und mit Schwimmwesten ausgestattet geht es anschließend auf eine rasante Fahrt flussabwärts. Das schnelle Boot gleitet in hohem Tempo über das türkisfarbene Wasser - ein echtes neuseeländisches Abenteuer.
Zurück in Makarora bleibt noch Zeit für eine kurze Pause, bevor wir am Nachmittag wieder nach Wānaka zurückfahren. Unterwegs halten wir mehrfach für Fotostopps an den Seen – zuerst am Lake Wānaka, später am Lake Hāwea.
Am frühen Abend treffen wir uns zu einer kleinen Weinprobe. Michael führt uns durch eine Auswahl neuseeländischer Weine und gibt dabei interessante Einblicke in die Weinwelt des Landes. Wir probieren Riesling, Sauvignon Blanc, Pinot Gris und Chardonnay, dazu gibt es Antipasti für den gemeinsamen Auftakt des Abends.
Anschließend genießen wir einen Kiwi-Grillabend und setzen dabei unsere Weinprobe mit einem Pinot Noir und einem Shiraz fort. Den Abschluss bildet ein Apple-Crumble (mit Hokey-Pokey-Eis), den ich vorbereitet hatte. Unsere entdeckten Flohmarkt-Schälchen und Weingläser kommen an diesem Abend somit auch wieder zum Einsatz. Kaum auf dem Tisch, war das Dessert jedoch schon fast verschwunden – ein Foto davon gibt es deshalb leider nicht.
Es war auf jeden Fall ein geselliger Abend und ein stimmungsvoller Ausklang für einen erlebnisreichen Tag rund um Wānaka.
Über den Lindis Pass zu den Gletscherseen – Homestay
Am Morgen verlassen wir Wānaka und fahren Richtung Norden. Schon bald erreichen wir den Lindis Pass. Die Landschaft wirkt hier fast karg und erinnert mit ihren goldgelben Tussock-Gräsern und sanften Hügeln an eine weite Hochlandsteppe. Bei strahlend blauem Himmel und ohne eine einzige Wolke genießen wir die besonderen Licht- und Schattenspiele dieser weiten Landschaft. Es wirkt fast wie eine Landschaft von einem anderen Planeten.
Hinter dem kleinen Ort Omarama unternehmen wir einen kurzen Spaziergang, umgeben von unzähligen Hagebuttensträuchern, zu den beeindruckenden Clay Cliffs. Die bizarren, von Wind und Wasser geformten Lehmformationen ragen wie kleine Felstürme in den Himmel.
Unsere Fahrt führt anschließend durch das weite Mackenzie Basin, auch bekannt als „Merino Country“. In dieser eher kargen Region wird seit Generationen Schafzucht betrieben, insbesondere die feinen Merinoschafe fühlen sich hier wohl. Gleichzeitig sieht man immer wieder große Bewässerungsanlagen – sie ermöglichen heute auch intensive Landwirtschaft, vor allem für die Milchwirtschaft mit großen Herden.
Bald erreichen wir den türkisblauen Lake Pukaki. Die intensive Farbe entsteht durch feinstes Gletschermehl im Wasser. Bei klarer Sicht zeigt sich am Ende des Sees sogar der höchste Berg Neuseelands, der Mount Cook mit seinen 3.724 Metern.
Nach einer Mittagspause im kleinen Ort Twizel fahren wir weiter zum Aussichtspunkt am Lake Pukaki, von wo sich ein besonders schöner Blick über den See und auf die Südalpen bietet. Wenig später erreichen wir den nächsten berühmten Gletschersee, den Lake Tekapo. Am Ufer steht die kleine steinerne Church of the Good Shepherd, eines der meistfotografierten Motive des Landes.
Die Region gehört außerdem zum Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve, einem der größten Sternenschutzgebiete der Welt. Um den klaren Sternenhimmel zu bewahren, ist die nächtliche Beleuchtung hier streng geregelt.
Am Nachmittag erreichen wir schließlich eine Farm in der Region um Fairlie. Hier erhalten wir spannende Einblicke in das Leben auf einer neuseeländischen Schaffarm. Zunächst lernen wir die Farmhunde kennen und sehen anschließend, wie unterschiedlich zwei Hütehundrassen arbeiten: der ruhig und konzentriert arbeitende Border Collie sowie der neuseeländische Huntaway, der die Schafe mit lautem Bellen antreibt.
Im Anschluss erfahren wir mehr über Schafhaltung, Wollproduktion und das Scheren der Tiere. Danach werden wir auf zwei Gastfamilien verteilt und verbringen den Abend bei unseren Gastgebern. Beim gemeinsamen Abendessen ergeben sich viele interessante Gespräche über das Leben auf dem Land und den Alltag in Neuseeland – ein besonders authentischer Einblick in die Kiwi-Kultur.
Fahrt nach Christchurch – Abschiedsabend
Nach dem Frühstück bei unseren Gastfamilien verabschieden wir uns herzlich und setzen unsere Reise fort. Unsere letzte Etappe führt uns nach Christchurch, der größten Stadt der Südinsel.
Wir fahren hoch zum Cracroft Reserve Lookout und von dort aus genießen wir einen schönen Blick über Christchurch und die weite Ebene bis zur Küste.
Zur Mittagszeit erreichen wir den Strand von Christchurch. Einige nutzen die Gelegenheit für einen Spaziergang am Meer, andere gehen in eines der kleinen Cafés oder gönnen sich ein Eis.
Anschließend unternehmen wir eine orientierende Rundfahrt durch die Stadt. Christchurch wurde einst von englischen Siedlern gegründet und wird oft als „Gartenstadt“ Neuseelands bezeichnet. Gleichzeitig erinnern noch viele Stellen an die schweren Erdbeben von 2010 und 2011. In vielen Stadtteilen sind heute zahlreiche neue Gebäude entstanden, während andere historische Bauwerke restauriert oder wieder aufgebaut werden – darunter auch die bekannte Christchurch Cathedral im Stadtzentrum.
Danach bleibt noch etwas Zeit zur freien Verfügung. Einige nutzen die Gelegenheit für einen Bummel durch die Innenstadt, während andere rund um das historische Universitätsgelände und den Christchurch Botanic Gardens spazieren gehen.
Am Abend treffen wir uns zu einem gemeinsamen Abschiedsessen. Bei einem Quiz lassen wir die vielen Eindrücke der Reise Revue passieren. In diesem Rahmen verabschieden wir uns auch von unserem Driverguide Michael.
Es ist unser letzter gemeinsamer Abend in Neuseeland – eine schöne Gelegenheit, noch einmal auf die vielen Erlebnisse der vergangenen Wochen zurückzublicken. In geselliger Runde lassen wir die Reise auf der Südinsel ausklingen, bevor am nächsten Tag der lange Rückflug nach Europa beginnt.
Rückflug über Singapur
Am frühen Morgen frühstücken wir noch einmal ausgiebig im Hotel, bevor wir unsere Koffer packen und uns auf den Weg zum Flughafen von Christchurch machen.
Nach der kurzen Fahrt erreichen wir den Flughafen und checken für unseren Rückflug mit Singapore Airlines ein.
Einige nutzen die Zeit noch, um die letzten neuseeländischen Dollar im Souvenirshop auszugeben und sich mit kleinen Erinnerungen an die Reise einzudecken.
Gegen Mittag beginnt schließlich das Boarding. Mit vielen Eindrücken und Erinnerungen im Gepäck verlassen wir Neuseeland und treten den langen Rückflug über Singapore in Richtung Europa an.
Ankunft in Frankfurt – Heimreise
Nach unserem Weiterflug von Singapore erreichen wir schließlich wieder Europa und landen am Flughafen von Frankfurt am Main.
Hier endet unsere gemeinsame Reise. Nach der Gepäckausgabe verabschieden wir uns voneinander. Einige Reiseteilnehmer setzen ihre Heimreise mit Anschlussflügen fort, andere fahren mit dem Zug weiter nach Hause.
Mit vielen schönen Erinnerungen an beeindruckende Landschaften, spannenden Begegnungen und erlebnisreichen Tagen in Neuseeland geht unsere Reise schließlich zu Ende.
Eine Reise lebt nicht nur von Landschaften und Erlebnissen, sondern vor allem von den Menschen, die sie gemeinsam unternehmen. Auch diese Neuseeland-Reise wurde durch eine harmonische Gruppe besonders schön.
Bis auf zwei Tage hatten wir vier Wochen lang außergewöhnliches Wetterglück und konnten Neuseeland meist bei strahlendem Sonnenschein erleben.
Gemeinsame Eindrücke, Gespräche und kleine Abenteuer bleiben sicher lange in Erinnerung. Ich danke allen Mitreisenden für die schöne Zeit und das Vertrauen. Vielleicht führt uns eines Tages wieder eine Reise zusammen, darauf freue ich mich jetzt schon sehr!
Eure Monika
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