Reisebericht: Kreuzfahrt in Norwegen mit Hurtigruten

09.10. – 21.10.2018, 13 Tage Hurtigruten–Kreuzfahrt mit dem Postschiff: Bergen – Alesund – Nordkap – Kirkenes – Lofoten – Trondheim – Bergen


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Hurtigruten..."Schönste Seereise der Welt", eine Reise in die Arktis...
NO-HURTK
Ein Reisebericht von
Martin Büchner
Martin Büchner

Reiseblog – Hurtigrutenreise mit der M/S Finnmarken

(09.10.2018 – 21.10.2018)


Reiseleitung: Martin Büchner

Hurtigruten


Im Jahr 1893 fand Kapitän Richard With eine sichere Schifffahrtsroute entlang der norwegischen Küste, die ganzjährig befahren werden konnte. Er war der Erste, der es wagte. In Erinnerung gibt es immer ein Schiff mit Namen Richard With (bitte deutsch lesen, nicht englisch). Seit nun mehr 125 Jahren wird diese Route nahezu täglich und ganzjährig betrieben. Täglich startet ein Schiff in Bergen im Südwesten und ein Schiff in Kirkenes im Nordosten Norwegens an der russischen Grenze.
Das bedeutet, dass jeder der über 30 Häfen, normalerweise täglich ein nordgehendes und ein südgehendes Schiff im Hafen haben, täglich zur gleichen Zeit.
Sie verkehren als so genannte Reichsstraße 1 auf den nie zufrierenden norwegischen Fjorden, Sunden und Meeresgebieten. Ermöglicht wird das Ganze durch die Restwärme des Golfstroms, die das Meer ganzjährig eisfrei halten. Auch dann, wenn in vergleichbaren geographischen Breiten schon längst Packeis vorhanden ist.
Die Gebirgspässe der Europastraße 6 können aufgrund winterlicher Verhältnisse (z. B. Lawinen und Schneeverwehungen) schon einmal geschlossen werden. Die Reichsstraße 1 ist immer offen. Alle Schiffe sind gebaut für arktische Wetter-Extreme sogar mit einer Eisklasse. Dennoch haben die Kapitäne der Hurtigruten manchmal ein Einsehen mit den Mägen und dem Wohlbefinden der Gäste, so dass sie nicht in jeden Orkan fahren.
Dennoch bestimmt die Natur den Takt, so werden schonmal bei Sturm Häfen ausgelassen, verbunden mit dem Ausfall von Ausflügen.
Heutzutage werden die Hurtigrutenschiffe von vielen als Kreuzfahrtschiff gesehen, dass ist so nicht richtig. Auch 2018 erfüllen sie Funktionen als Postschiff (Transport von Personen & Gütern), sie sind Frachtschiff, Fähre, aber auch kurioses wie Café und Schwimmbad für die Lokalbevölkerung Mittel- und Nordnorwegens.
Teil der norwegischen Gesellschaft zu sein, mehr als 30 Häfen sowohl nord- als auch südgehend anzulaufen, Passagen manchmal schmaler als 50 Meter, Strecken die an Flusskreuzfahrten erinnern und natürlich atemberaubende Natur mit schneebedeckten Bergen, Seeadlern, mit etwas Glück ein paar Walen und ebenfalls mit etwas Glück im Oktober dem atemberaubenden Polarlicht.

M/S Finnmarken


Unser Schiff, die M/S Finnmarken, wurde im Jahr 2002 gebaut. Das Schiff ist offiziell für 1.000 Passagiere zugelassen. Da mag man erst einmal erschrecken, es muss aber erwähnt werden, dass in manchen Kabinen auch einmal drei oder vier Betten verfügbar sind, die aber nur von einem Paar oder einer Einzelperson genutzt werden. Das Schiff gilt mit 500 Passagieren als ausgebucht.
Es ist das einzige Schiff der Flotte, dass über einen echten Swimmingpool verfügt, ergänzt von zwei Whirlpools (Spa) und Saunen (Herren/Damen) je mit Blick auf den Fjord.
An Bord gibt es ein dreiköpfiges Expeditionsteam, das lokales Wissen vermittelt und Ausflüge organisiert.

Tag 01 – 09.10.2018 Anreise nach Bergen


Mit „Norwegian Airshuttle" geht es für die Mehrheit unserer Gruppe von Berlin-Schönefeld nonstop nach Bergen. Diese norwegische Fluggesellschaft fliegt mit modernsten Maschinen und bietet hervorragenden Service, wie ihn man bei manch einer regulären Linienfluggesellschaft mittlerweile vermisst. Kleines Highlight: Free WLAN on board!
Der Check-In verläuft schnell und reibungslos. Pünktlich starten wir in Berlin und pünktlich landen wir am hochmodernen Flughafen in Bergen. Komplettiert werden wir durch eine Dame, die mit Air France KLM von Stuttgart über Amsterdam nach Bergen anreist, auch ihre Flüge verlaufen reibungslos und pünktlich.
Ein Transfer bringt uns direkt zum Hurtigruten-Anleger, wo uns bereits die M/S Finnmarken erwartet.
Bergen selbst empfängt uns von seiner besten Seite mit dem typischsten Bergenser Wetter. Als Regenhauptstadt Europas ist das natürlich flüssiger Sonnenschein in Hülle und Fülle.
Nach unserem ersten Abendessen legen gegen 20.00 Uhr zu unserer fast 5.000 km langen Seereise ab.
Wichtig: Ab jetzt herrscht eine andere Zeitrechnung. Kalendarisch leben wir in „Tagen nach Bergen", zeitlich im Takt des Schiffes.

Tag 02 – 10.10.2018 Urke & Aalesund


In der Nacht passieren wir eine Reihe von kleinen Ortschaften. Am Morgen kreuzen wir das Stadshavet, das Westkap Norwegens, hier treffen häufig sich kreuzende Winde aufeinander, was oft zu nettem Seegang führt. Heute Morgen ist alles ruhig.
Über Torvik erreichen zum ersten Mal die Jugendstilstadt Aalesund (lies: O-le-sün).

Hjörundfjord


Nach kurzem Aufenthalt brechen wir auf zu einem, für mich, schönsten Fjorde Norwegens, dem Hjörundfjord. Nicht ohne Grund, hat Hurtigruten diesen Fjord als spezielles Herbstprogramm ausgewählt. Nur im Herbst wird der Fjord angefahren, so erwartet er uns auch mit den buntesten Farben des „Norwegian Indian Summer".

Urke


Hier liegt der kleine Ort Urke. Weniger als hundert Seelen leben in diesem Ort und dennoch werden wir von Dorfbewohnern persönlich empfangen. Der Ort besitzt keinen Hafen. Alle Gäste haben die Möglichkeit (inkludiert) mit Tenderbooten an Land zu gehen.
Der Ort, der Fjord, ein in der Nähe liegendes historisches Hotel, dass bereits Kaiser Wilhelm und andere gekrönte Häupter nutzten waren Filmkulisse für den Deutschen Spielfilm „Das Alter der Erde".
Ein individueller Spaziergang oder gebuchte Ausflüge in die Umgebung sind möglich.
Hier ist Norwegen noch ursprünglich.

Aalesund


Am Abend sind wir zurück in Aalesund (O-le-Sün). Diese Stadt brannte im Jahr 1904 in weiten Teilen nieder. Kein geringerer als Kaiser Wilhelm II. organisierte schnell und unbürokratisch Spenden und Hilfen für die Stadtbewohner, unvergessen bis heute. Kaiser Wilhelm II. ist aus dieser Stadt nicht wegzudenken, man kann ihm überall auf Schritt und Tritt begegnen, selbst im Supermarkt auf der Hauptstraße.
Bei einem kleinen Rundgang erkunden wir diese schöne Stadt mit ihren vielen kleinen Kuriositäten.
Am Abend legen wir in Molde an. Die Stadt der Rosen und des Jazz. Hier erhalte wir ein Teil der Ausflügler zurück, die sich heute noch in den Geirangerfjord angeschaut haben (ab Urke).
Auf dem Weg nach Molde und auch danach - erstes schwaches Polarlicht!
In der Nacht passieren wir Kristiansund.

Tag 03 – 11.10.2018 Trondheim


Am frühen Morgen erreichen wir die drittgrößte Stadt Norwegens - Trondheim. Auch diese Stadt zählt zu den Juwelen an der norwegischen Küste. Gleichzeitig ist sie eine der ältesten Städte Norwegens, gegründet im 10. Jh. vom Wikinger-König Olav Tryggvason.

Nidaros–Dom


Bekannt ist die Stadt für ihre gotische Kathedrale. Die nördlichste gotische Kathedrale der Welt. Auch heute sticht sie mit ihrer Größe noch aus den umliegenden Holzhäusermeer heraus. Die Kathedrale und die benachbarte Bischofs-Residenz zählen zum UNESCO Weltkulturerbe.
Sie wurde errichtet um die Gebeine des Heiligen Olav (König Olav II.) aufzunehmen, der in der Schlacht von Stiklestad gefallen war. Später gab es Berichte von einigen Wundern um seinen Leichnam. Er wurde heiliggesprochen und nach Trondheim überführt. In über tausendjähriger Bauzeit wird ihm der Nidarosdom gebaut, er dient auch heute noch als Pilgerziel.
Ja, wie am Kölner Dom wird auch in Trondheim noch immer gebaut.
In den 1980er Jahren erhielt eine der Spitzen den Erzengel Michael, da der damalige Dombaumeister faszinierter Anhänger Bob Dylans war, erhielt der Erzengel Michael das Antlitz Bob Dylans. Diesem hat es gefallen, nach dem er Jahre später anlässlich eines Konzerts in Trondheim über dieses Detail informiert wurde.
Der Nidarosdom befindet sich in einer Achse mit der Munkegate (Mönchsstraße) und Munkholmen der Mönchsinsel draußen im Fjord.

Gamle Bybron


Unser Stadtspaziergang führt natürlich auch hinunter zur Gamle Bybron, der alten Stadtbrücke, bekanntes Fotomotiv der Stadt. Sie überspannt den Nidelven, den Fluss Nid. Von ihm wird Nidaros abgeleitet, der alte Name Trondheims.
Gleich an der Ecke bestaunen wir den einzigen Fahrradlift (Sykkelheis) der Welt. Ein lokaler Professor der Universität war es leid sich täglich auf dem Nachhauseweg diesen steilen Berg mit Rad empor zu kämpfen. Er machte der Stadt ein Angebot, er entwickelt ein Konzept, die Stadt baut und finanziert das Ganze. Und so kam es. Er verrichtet im Sommer treu seinen Dienst.

Bakklandet


Über das wunderschöne Holzhäuserviertel Bakklandet und das ehemalige Werftenviertel Solsiden geht es zurück zum Schiff. Pünktlich zum Mittagessen verlassen wir Trondheim nach Norden.


Munkholmen


Wir passieren Munkholmen, die Mönchsinsel und durchqueren den Trondheimfjord, immerhin der drittlängste Fjord Norwegens.


Kjeungskjaer fyr


Weitere Tageshöhepunkte sind der achteckige Leuchtturm Kjeungskjaer fyr (lies: Che-ungs-schäer füürr) und der Stokksund, schmalste Stelle der gesamten Strecke.
Am Abend erreichen wir nach gut 10-stündiger Fahrt ohne Zwischenstopp Rörvik, Hauptort des Vikna-Archipels.
In Trondheim und Rörvik besteht sowohl nord- als auch südgehend je die Chance ein anderes Hurtigrutenschiff zu besichtigen, da es fahrplanmäßig zeitgleich im Hafen liegt.
In Trondheim waren das nordgehend M/S Richard With, in Rörvik M/S Nordnorge und südgehend M/S Lofoten (älteste Schiff der Flotte, Besuch ist aufgrund von Sturm leider ausgefallen) und die M/S Spitsbergen zur Zeit jüngstes Schiff der Flotte von 2016.


Polarlicht vor Brönnöysund


Auch heute wieder Polarlicht zwischen Rörvik und Brönnöysund.


Tag 04 - 12.10.2018 Polarkreis & Lofoten


Am frühen Morgen überqueren wir den Polarkreis. Die genaue Uhrzeit muss im Rahmen eines Quizz erraten werden. Gewinner erhalten eine arktische Belohnung. Nach Definition ist der Polarkreis, der Beginn der Arktis. Der südlichste Punkt an dem auf der Nordhalbkugel zweimal im Jahr die Sonnenscheibe den Horizont nicht berührt. Im Sommer nicht untergeht (Mittsommer, Sommerbeginn) und im Winter nicht aufgeht (Mitwinter, Winterbeginn).
Es folgt eine fantastische Fahrt entlang des nördlichen Teils der Helgelandskysten, der Märchenküste in der Provinz Nordland.


Bodö


Am Nachmittag erreichen wir Bodö (lies: Bu-dö). Ganz in der Nähe liegt der Saltstraumen der stärkste Gezeitenstrom der Welt.
Nach dem Ablegen von Bodö passieren wir Landegoda fyr, ein schöner Leuchtturm, schön klassisch. Hier markiert er die Ausfahrt auf die offene Seestrecke des Vestfjordes.
Wir haben heute den ganzen Tag fantastische Sicht, schon vor Bodö konnten wir heute die Lofotenwand erblicken. Die Sicht bleibt.


Lofoten


Am Abend erreichen wir Stamsund, später Svolvaer, den Hauptort der Lofoten.
Anschließend durchqueren den Raftsund, eine 28-km-lange, schmale Wasserstraße. Sie trennt die Inselgruppe der Lofoten von den Vesteraalen (lies: Vester-o-len).


Trollfjord


Im Raftsund liegt einer der bekanntesten Abschnitte der gesamten Hurtigrutenstrecke. Von hier zweigt der gerade mal hundert Meter breite und nur 1,2 km lange Trollfjord ab. Die unmittelbaren Felswände sind über 300 Meter hoch. Die umliegenden sind über 1.000 Meter hoch. Kurz vor Mitternacht biegt die M/S Finnmarken in den Trollfjord ein. Starke Schiffsscheinwerfer beleuchten die Felswände und tauchen die ganze Szenerie in ein mystisches Licht.


Polarlicht im Raftsund


Auch im Raftsund gibt es wieder Polarlicht.


Tag 05 - 13.10.2018 Tromsö


Am Morgen erreichen wir Harstad, Hauptort des Vesteraalen Archipels. Über Finnsnes (Zugang zur Insel Senja) geht es nach Tromsö, der Hauptstadt Nordnorwegens.
Mit 70.000 Einwohnern ist sie auffallend groß. Hier gibt es eine große Universität, die viele Wissenschaftler und Studenten anlockt, folglich eine junge und dynamische Stadt.
Spricht man über Polarforschung oder Arktis, dann kommt man an Tromsö kaum vorbei. Nahezu alle großen Polarforschungs-Reisen in die Arktis begannen und/oder endeten in Tromsö. Da wundert es kaum, dass das Who-is-Who der Polarforschung regelmäßig hier war, Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, aber auch Alfred Wegener und viele andere.
Auch unser modernes Polarforschungsschiff Polarstern des Deutschen Alfred-Wegener-Instituts machen hier noch regelmäßig Station.
Anlässlich des großen Nansen-Jubiläums hinsichtlich seiner Nordpolreise wird die Polarstern, diese Reise durch das Eis ab September 2019 wiederholen.
Man wird sich mit dem Schiff wie Nansen in das Eis einfrieren lassen und versuchen mit der Eisdrift zum Nordpol zu gelangen. Die Expedition trägt den Namen MOSAiC. Wir dürfen gespannt sein. Im Polarmuseum bestaunen wir die Originale der Nansen- und Amundsenexpeditionen.


Polarlicht-Show


Bereits zum Abendessen wird klar, die Daten kündigen ein erstklassiges Polarlichtereignis an.
Auf dem Weg nach Skjervoey und darüber hinaus werden wir Zeuge einer atemberaubenden Polarlicht-Show. Auch als begünstigter Reiseleiter mit gewisser Polarlicht-Erfahrung bin ich nachhaltig beeindruckt. Unter anderem erwartet uns eine „Korona", eine Licht-Show direkt im Zenit, diese Spektakel dauern in der Regel ein paar Sekunden. Bei uns waren es ganze
5-Minuten. Bedauerlicherweise war die Mehrheit der Gäste bereits in den Kabinen und Betten, trotz mehrfacher Durchsagen. Einige Gäste unserer Gruppe hielten tapfer durch, widerstanden dem Wind und der Kälte und wurden mit spektakulärem Polarlicht belohnt. Keiner dieser Gäste wird je behaupten, dass das Polarlicht nicht farbig sei, ein weit verbreitetes Gerücht.
Wer die arktische Natur erleben will muss sich ihr stellen, draußen und mit viel Geduld. Gutes Hilfsmittel ist gute und winddichte Kleidung. Zur Orientierung, an diesem Abend habe ich 6 Stunden nonstop an Deck gestanden, Ergebnis sind entsprechende Fotos.


Tag 06 - 14.10.2018 Nordkapp


Am Morgen erreichen wir die Insel Mageroeya, wir durchqueren den gleichnamigen Sund und erreichen Honningsvaag (lies: Honnings-wog). Von hier startet unsere Exkursion zum Nordkapp, am nördlichen Ende Europas.
Diese markante über 300-Meter hohe Felsklippe ist immer wieder faszinierend, immer anders, immer spannend und abwechslungsreich. Für viele vermutlich einer der nördlichsten Punkte ihres Lebens. Mit dem Schiff bleiben wir auf dieser Reise südlich dieses Punktes.
Auf dem Rückweg besuchen wir Eva Schmutterer in Kamöyvaer, eine bekannte Künstlerin, die fantastisch schöne Kunst schafft, passend und stimmungsvoll zu dieser inspirierenden Landschaft.
Mit dem Nordkapp erreichen wir nun die Barentssee. Wir überqueren den Porsangerfjord und erreichen Kjöllefjord. Hier besteht die Möglichkeit auf einem Ausflug die Samen kennenzulernen, die Urbevölkerung Skandinaviens. Samen sind die traditionellen Rentierzüchter, auch heute sind sie die Einzigen, die das Recht auf Rentierzucht haben.


Tag 07 - 15.10.2018 Kirkenes (geographischer Wendepunkt)


Am Vormittag erreichen wir Kirkenes. Den geographischen Wendepunkt dieser Reise. Nach Vardö ist Kirkenes die östlichste Stadt Norwegens. Vardö liegt auf einer vorgelagerten Insel an der Küste, erster Hafen „südgehend" nach Kirkenes.
Die russische Grenze ist zum Greifen nah. Hier verlief im Kalten Krieg, die einzige Grenze, an dem NATO-Gebiet direkt an Russland grenzte. Der Pasvikfluss bildet die Grenze nach Russland, etwas südlich liegt das etwa 100-km-lange Pasviktal. Es liegt wie ein Keil, zwischen dem westlich liegenden Finnland, der Inarisee ist nicht weit, und dem östlich liegenden Russland. Am Ende des Tals liegt das Dreiländereck, dieser Länder. Einer der wenigen Punkt der Welt, an dem drei Zeitzonen aufeinanderstoßen.
Kirkenes liegt weit östlich, auf dem 30. Längengrad, dem gleichen Längengrad wie St. Petersburg, Kiew, Odessa und Kairo, allerdings in der gleichen Zeitzone wie Berlin und Oslo.
Das führt dazu, dass es im Herbst viel früher Dunkel wird als weiter westlich auf der gleichen Breite z. B. in Tromsö. Anfang November ist es um 13.30 Uhr bereits stockdunkel. Am 27. November beginnt die Polarnacht, die erst im Januar wieder endet.
Während es an der norwegischen Küste, gemessen an der nördlichen Breite den ganzen Winter recht mild bleibt, Temperaturen sinken kaum unter den Gefrierpunkt, an wenigen Tagen im Jahr auch einmal -10 Grad Celsius, so haben wir in Kirkenes kontinentales Klima. Im Sommer klettert das Thermometer durchaus über +30 Grad Celsius, im Winter fällt es regelmäßig auch einmal auf -45 Grad Celsius.
Kirkenes liegt nahezu auf der gleichen geographischen Breite wie Tromsö, damit deutlich südlicher als das Nordkapp, ebenso liegt die Stadt im Polarlichtgürtel. Damit ein perfekter Ort für jegliche arktische Winteraktivität (Schneemobil, Eisangeln, Hundeschlitten, King-Crab-Safari) und Polarlichtbeobachtung.


Vardö


Unser Schiff wendet sich zunächst nach Norden und Osten, zum nordöstlichsten Punkt der Strecke, bevor es nach Vardö Richtung Westen und Süden geht. Ein Maß für die Strecken und Größen im Norden: Das Schiff benötigt 36 Stunden um wieder auf der gleichen geographischen Breite zu sein (Tromsö). Die Finnmark, flächenmäßig so groß wie die Schweiz, aber nur mit 60.000 Einwohnern. Tromsö liegt bereits in der Nachbar-Provinz Troms.


Tag 08 - 16.10.2018 Hammerfest


Am Vormittag erreichen wir Hammerfest, die nördlichste Stadt der Welt. Die erste Stadt der Welt mit einer elektrischen Straßenbeleuchtung. Drehort eines deutschen Krimis „Mord in Hammerfest" und Endpunkt des Struve-Meridian-Bogens, ein gewaltiges Messprojekt zur Erdvermessung, durchgeführt im 19. Jh. Diese Vermessung gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. In Hammerfest steht der letzte Messpunkt. Der erste steht am Schwarzen Meer.
Das Wetter ist gut wir unternehmen eine kurze Wanderung über den Zick-Zack-Weg auf das Fjell. Hier erkunden wir die arktische Flora mit ihren vielen Beeren und arktischen Pflanzen.
Über Oeksfjord und Skjervoey erreichen wir gegen Mitternacht Tromsö.
Viele Gäste genießen das Mitternachtskonzert der Eismeerkathedrale


Tag 09 - 17.10.2018 Vesteraalen & Lofoten


Am Vormittag durchqueren wir erneut den Archipel der Vesteraalen, das Wetter ist noch gut wird aber schlechter. Für den Abend ist Sturm vorhergesagt. In Stokkmarkenes kann man das Hurtigrutenmuseum besuchen. Das Wetter wird zunehmend schlechter.
Ein Besuch des Trollfjordes wird aufgrund starker Winde abgebrochen.
In Svolvaer wollen wir von Bord, um über Land die Lofoten und das berühmte Wikinger Museum von Borg zu erkunden. Wir drehen einige Runden vor der Hafeneinfahrt. Der Wind wird zunehmend stärker, schließlich cancelt der Kapitän den Hafen und damit unseren Ausflug.
Bei schon recht rauer See laufen wir noch Stamsund an. Mit Ankerkette gelingt das Anlegen.
Danach geht es auf die offene Seestrecke des Vestfjordes.
Uns erwartet Sturm.
Hier die offiziellen Daten:
Wind über 27 m/s etwa 90-100 km/h, 52-55 Knoten - Windstärker 10 bft - Full storm.
Seegang: Very rough - Hoher Seegang - 5 bis7 Meter,
kleineren Schiffen wird empfohlen im Hafen zu bleiben oder einen aufzusuchen.


Tag 10 - 18.10.2018 Helgelandskysten


Mit dem Erreichen von Bodö beruhigt sich der Seegang etwas. Begleitet uns jedoch den ganzen Tag weiter. Wir überqueren den Polarkreis nach Süden und verlassen die Arktis. Keine Wetterbesserung. Die Bergkette der Sieben Schwestern hüllt sich im Nebel. Brönnoeysund wird aufgrund von Sturm und rauer See ebenfalls gecancelt.


Torghatten


Dank einer Wolkenlücke öffnet sich für uns dennoch die Möglichkeit das Loch des Torghatten (Berg) zu bestaunen.
Am Abend erreichen wir Rörvik. Wir erwarten die M/S Lofoten, ältestes Schiff der Flotte von 1964, für eine kurze Besichtigung. Sie besitzt keine Stabilisatoren, da sind die Sessel der Lounge noch ordentlich mit Ketten am Boden verankert, kein Scherz. Die gute alte Lady lässt auf sich warten. Omen für uns. Aufgrund des Sturmes auf der Folda (offene Seestrecke) hat sie mehr als eine Stunde Verspätung.
Unsere zweite Nacht mit kräftigem Seegang beginnt. Der Wind ist schwächer als auf dem Vestfjord, die Dünung („Seegang") umso kräftiger 7-9 Meter!
In beiden Nächten lag meine Kabine (Deck 2) unter der Wasserlinie, obwohl Deck 1 und Deck 2 normalerweise oberhalb der Wasserlinie liegen. Vor den Bullaugen meiner Kabine befinden sich metallische Röhren, in ihnen steht das Meerwasser.


Tag 11 - 19.10.2018 Trondheim - Molde


Der Sturm und der Seegang sind vorbei und ohne große Zwischenfälle gut überstanden. Wir erreichen Trondheim. Nach weiteren 7-Stunden-Fahrt erreichen wir Kristiansund, die Klippfischhauptstadt. Klippfisch der entgegen dem Stockfisch gesalzen und in nur wenigen Tagen auf dem Felsen (klipp) getrocknet wird. Der Stockfisch ist immer ungesalzen und trocknet monatelang an der Luft auf einem Trockengestell. Beim Stockfisch handelt es sich um den ganzen Fisch, bei dem der Kopf entfernt wurde. Der Klippfisch ist aufgeklappt. Bewegt man sich in Portugal und Südeuropa bekommt man oft Baccalau (und ähnliche Schreibweisen) angeboten. Fragt man dort heißt es stets Stockfisch.
Es ist den Südeuropäern nicht zu vermitteln, dass es Klippfisch aus Kristiansund ist, der auch heute noch in Unmengen nach Südeuropa exportiert wird.


Kristiansund


Kuriosum hier: Die Schiffe brauchten von Süden kommend Ballast um nach Norden zu fahren. Man entschied sich ein wirklich rares Gut mitzubringen: Erde für den alten Friedhof von Kristiansund. So liegen auch heute noch die Toten von Kristiansund in Erde aus Südeuropa. Nebenbei, wenn Ihnen in Norwegen ein Lkw mit „Toten-Transport" entgegen kommt, dann ist das eine normale Speditionsfirma, die lediglich aus der norwegischen Stadt Toten kommt und mit Leichen rein gar nichts zu tun hat. ??


Tag 12 - 20.10.2018 Ankunft in Bergen


Gegen 14.30 Uhr erreichen wir pünktlich Bergen. Unser kurzer Transfer bringt uns samt Gepäck in unser Hotel. Wir nutzen die Trockenphase für einen ausgiebigen Stadt-Spaziergang. Zum Ausklang fahren wir hinauf auf den Floien, einen der sieben Hausberge Bergens.


Tag 13 - 21.10.2018 Bergen und Rückreise nach Deutschland


Am Morgen haben wir unsere Stadtführung Bergen bei herrlichstem flüssigem Sonnenschein, weite Teile der Gruppe ergeben sich gegenüber den Wassermassen und bleiben im Hotel oder verkürzen den Rundgang.
Am Nachmittag bringt uns unser Transfer zum Flughafen. Alle Flüge sind pünktlich, eine Dame reist mit Air France KLM über Amsterdam nach Stuttgart, die übrige Gruppe erneut reibungslos mit Norwegian nach Berlin-Schönefeld.
Dreizehn Tage der „Schönsten Seereise der Welt" sind vorüber, alle Gäste haben sich als sturm- und arktistauglich erwiesen. Die nächsten Seereisen können kommen, warum nicht erneut in die wundervolle Polarregion? In diesem Sinne:
Vielen Dank an Sie liebe Gäste, dass Sie sich für eine Reise von Eberhardt Travel entschieden haben und das ich mit Ihnen unterwegs sein durfte. Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit.
Ich hoffe, dass wir Ihnen ein paar schöne Tage auf der M/S Finnmarken den Hurtigruten bereiten konnten.
Es würde mich und uns sehr erfreuen, Sie recht bald wieder im Namen von Eberhardt Travel auf einer der nächsten Reisen recht herzlich begrüßen zu dürfen.
In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und reisefreudig.
Auf ein Wiedersehen! Bis bald!
IhrMartin Büchner
Reiseleiter
Eberhardt Travel
und das gesamte Team von Eberhardt Travel.
Leipzig, 09.11.2018

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Es war eine sehr gut organisierte Reise, wie immer bei Eberhardt - Travel.

Martin war ein sehr kompetenter und hilfsbereiter Reiseleiter. Besonders gut fanden wir seine Ausführungen zu Land und Leuten.

Iris & Frank Macheleid
14.11.2018