Reisebericht: Rundreise Norwegen – Wunderwelt der Fjorde

05.07. – 15.07.2016, 11 Tage Rundreise Oslo – Lillehammer – Trondheim – Atlantikstraße – Molde – Trollstigen – Alesund – Geiranger–Fjord – Jotunheimen – Bergen


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Norwegen besticht durch seine Größe, seine Stille und seine Wildheit. Malerische Fjorde und spiegelnde Seen, glasklare Flüsse und die mächtigsten Gletscher des europäischen Festlandes, einsame Fjells und liebliche Strände - Norwegen hat viel zu bieten...
Ein Reisebericht von
Katrin Deutschbein
Katrin Deutschbein

1. Tag – Dienstag, 05.07.2016: Anreise nach Kiel (ab Dresden = 680 Bus–km)

Mit einigen Gästen starteten wir bereits am Dresdner Flughafen, über Döbeln ging es dann zum Leipziger Flughafen und in der Nähe von Berlin war unsere Gruppe vorerst mit 26 Gästen komplett. Die Route führte uns weiter in Richtung Hamburg, wo wir weitere drei Gäste begrüßten, und über die A7 bzw. die A215 erreichten wir letztendlich am Nachmittag den Schwedenkai in Kiel. Nachdem wir weitere zwei Gäste direkt in Kiel trafen, betraten wir die Fähre der „Stena Germanica", welches insgesamt ca. 1.300 Personen fasst. Bereits 18 Uhr trafen wir uns alle, um das Abendessen als Skandinavisches Buffet zu genießen - sogar die Getränke waren hier inklusive! Danach fielen die meisten von uns müde ins Bett. Einige unserer munteren Gäste erlebten allerdings gegen Mitternacht die imposante Fahrt durch den Großen Belt - unsere Fähre fuhr hier schließlich durch eine 18 km lange Brücke, die Ost- und Westdänemark miteinander verbindet; das wach bleiben lohnte sich also!

2. Tag – Mittwoch, 06.07.2016: Göteborg – Oslo – Hamar (468 Bus–km)

Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet kamen wir pünktlich um 9.15 Uhr im Hafen von Göteborg an. Wir fuhren mit der Fähre durch die Älvsborgsbron, die wir dann wenig später mit dem Bus befuhren. Göteborgs „Golden Gate-Bridge" verbindet das Stadtzentrum mit Hisingen, der viertgrößten Insel Schwedens. Die Brücke wurde 1966 eingeweiht, ist 900 Meter lang und so hoch, dass sie Schiffe mit einer Masthöhe von bis zu 45 Meter passieren können. Da wir allerdings heute genügend Zeit hatten, unternahmen wir kurzerhand einen kleinen Abstecher in den Schärengarten nördlich von Göteborg - wir fuhren über die Inseln Tjörn und Orust - hier ist man wahrlich mitten in der Wunderwelt der Schären! Beide Inseln sind miteinander verbunden und liegen etwa 60 km nördlich von Göteborg. Sie sind vom Festland aus über die imposante Tjörn-Brücke zu erreichen. Der E6 folgten wir ab Uddevalla anschließend weiter in Richtung schwedisch-norwegischer Grenze. Am Mittag erreichten wir den Svinesund bzw. Halden, den norwegischen Grenzort, wo wir dann erstmalig norwegischen Boden betraten. Am frühen Nachmittag kamen wir schließlich in Oslo, der Hauptstadt Norwegens, an. Während einer Führung lernten wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt kennen. Wir sahen unter anderem das Neue Opernhaus, das seit April 2008 die Spielstätte der Norwegischen Oper ist. Des Weiteren fuhren wir am Königlichen Palast vorbei und besuchten den berühmten Vigeland-Park. Der norwegische Künstler Gustav Vigeland hat hier Beeindruckendes geschaffen. Wer in Oslo den Skulpturenpark betritt, ist für einen Moment atemlos vor Staunen! Mit dem 32 Hektar großen Areal hat Vigeland sich den Traum vieler Künstler erfüllt - er hat ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Die dargestellten Menschen und Tiere sind so lebensecht, so voller Bewegung und Emotion, dass man meint, sie atmen zu sehen. Leider hatten wir nur wenig Zeit, denn wir mussten heute noch etwa 130 Kilometer fahren! Am Abend erreichten wir Hamar am Ostufer des Mjøsa-Sees, wo wir auch übernachteten. Hamar ist die größte Binnenstadt des Landes und gleichzeitig das Verwaltungszentrum der Provinz Hedmark. Zum Abendessen wurde uns auch hier ein schmackhaftes skandinavisches Buffet gereicht und danach ging ein langer und erlebnisreicher Tag zu Ende.

3. Tag – Donnerstag, 07.07.2016: Lillehammer – Trondheim (431 Bus–km)

Am Morgen ging es weiter vorbei am Mjøsa-See, dem mit einer Fläche von 362 Quadratkilometern und einer Länge von 117 Kilometern größten See Norwegens, nach Lillehammer. Zuerst besuchten wir die Schanzenablagen. Das Wetter war gut und damit nutzten einige Gäste unserer Gruppe die Gelegenheit, um mit dem Sessellift zum Schanzenturm hinauf zu fahren. Die Stadt war 1994 Austragungsort der Olympischen Winterspiele und dafür wurden damals zahlreiche neue Sportanlagen errichtet. Unser nächstes Ziel war das Freilichtmuseum Maihaugen. Dort erlebten wir lebendige Geschichte, hier findet man Häuser aus dem Dorf und aus der Stadt vom Mittelalter bis zum heutigen Tag. Im Dorf selbst kann man mit den Bewohnern an der täglichen Arbeit in den 1890er Jahren teilnehmen - ein tolles Erlebnis! Gegen Mittag fuhren wir bereits weiter, denn schließlich lag noch ein weiter Weg bis Trondheim vor uns! Wir erlebten nun eine landschaftlich beschauliche Fahrt durch das Gudbrandsdal, das sogenannte „Tal der Täler", das vom Fluss Lågen bestimmt wird. In Dombås legten wir einen Stopp ein, bevor sich die Landschaft nunmehr vollständig veränderte - jetzt ging es nämlich weiter über das Dovrefjell! Es gilt als eines der unberührtesten Gebiete Norwegens. Der heutige Nationalpark besteht aus zwei Teilen, die durch das tiefe Tal der Driva getrennt werden. Entlang des Tales verläuft die E6, unsere Hauptverkehrsachse zwischen Nord- und Südnorwegen. Früher verlief hier bereits der alte Königsweg, auf dem die norwegischen Könige von Oslo zur Krönung nach Trondheim reisten, und dem auch viele Pilger folgten. Teile des alten Königsweges sind heute restauriert und für Wanderer erschlossen. Am Abend erreichten wir schließlich Trondheim, die drittgrößte Stadt Norwegens. Heute übernachteten wir im modernen „Clarion Hotel & Congress" in Trondheim, welches in der Nähe des Hafens und unweit der Innenstadt liegt. Einem abendlichen Spaziergang durch die Stadt stand also nichts im Wege...!

4. Tag – Freitag, 08.07.2016: Hurtigrute – Atlantikstrasse – Molde (64 Bus–km)

Nach dem üppigen Frühstücksbuffet im Hotel machten wir einen kleinen Abstecher zum Wahrzeichen von Trondheim. Der über dem Grab von St. Olav errichtete Nidarosdom ist das Nationalheiligtum Norwegens. Mit dem Bau wurde 1070 begonnen, die ältesten noch erhaltenen Teile stammen aber aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Im Anschluss an diese kleine Stippvisite brachte uns unser Bus zum Hurtigruten-Kai, dem Ausgangspunkt unserer Mini-Kreuzfahrt auf einem der Postschiffe! Unser Schiff, die MS „Richard With", fährt seit 1993 in der Hurtigruten-Flotte. Wer Norwegen hautnah erleben will, der sollte unbedingt die Hurtigruten kennenlernen. Es handelt sich dabei um die traditionelle norwegische Postschifflinie, über die seit Ende des 19. Jahrhunderts die Ortschaften der westlichen Küste Norwegens, die etwa 2.700 Kilometer umfasst, miteinander verbunden werden. Zwischen Bergen und Kirkenes kreuzen hier Passagier-, Fracht- und Kreuzfahrtschiffe. Diese Strecke bietet somit eine einmalige Gelegenheit, die gesamte Westküste Norwegens mit all ihren Naturschönheiten kennenzulernen. Fjorde, raue und liebliche Landschaften und die Gastfreundschaft der Menschen machen Hurtigruten heute zu einer echten Touristenattraktion und was einst aus der Not heraus geboren wurde, nämlich auch abgelegene nördliche Landesteile mit dem klimatisch begünstigten Süden zu verbinden, ist inzwischen eine Sehenswürdigkeit. Natürlich erlebten wir auf unserer knapp 7-stündigen Fahrt nur eine kleine Etappe dieser eigentlich 12-tägigen Reise, aber immerhin hat man dadurch einen Eindruck von der sogenannten „Schönsten Seereise der Welt". Unser Buschauffeur Jürgen erwartete uns am späten Nachmittag in Kristiansund, um von dort aus weiter durch den Atlantiktunnel, einem im Dezember 2009 eröffneten und 5.469 Meter langen unterseeischen Straßentunnel (größte Tiefe 243 Meter!), auf die Insel Averøy zu gelangen. Averøy ist eine der größten Fischereigemeinden Norwegens in einer traumhaft schönen Lage am Meer. Die Küste ist von unzähligen Inseln, Holmen und Schären geprägt. Nun erwartete uns ein weiterer Höhepunkt unserer Reise - die Fahrt auf der Atlantikstraße! Die Strecke wurde 2005 zum Bauwerk des Jahrhunderts in Norwegen gekürt. Dies ist eine einzigartige Straße, die uns bis ans offene Meer führte. Die etwa 8 Kilometer lange Strecke mit gigantischen Brücken und zahlreichen Dämmen wurde 1989 eröffnet und verbindet die Insel Averøy mit dem Festland. Da das Wetter für den nächsten Tag nicht so besonders positiv prophezeit wurde, entschlossen wir uns, bereits heute zum Varden, dem 407 Meter hohen Hausberg von Molde, zu fahren. Hier oben konnten wir das bekannte „Moldepanorama" genießen, denn man hat einen herrlichen Blick über den Fjord und auf die schneebedeckten Gipfel der Romsdaler Alpen - wir hatten übrigens riesiges Glück und der Wettergott hatte ein Einsehen mit uns! Am Abend erreichten wir Molde, unser heutiges Etappenziel. Dort angekommen, bezogen wir sofort unsere Zimmer im „Quality Hotel Alexandra", direkt gegenüber des Hurtigruten-Kais. Im Anschluss an das Abendessen unternahmen einige Gäste noch einen kleinen Spaziergang durch die sogenannte „Stadt der Rosen". Aufgrund des günstigen Lokalklimas können hier nämlich etliche Arten von Rosen besonders üppig wachsen.

5. Tag – Samstag, 09.07.2016: Trollstigen – Ålesund (198 Bus–km)

Die Fahrt führte uns heute weiter in Richtung Trollstigen! Vorher legten wir jedoch einen kleinen Stopp in Åndalsnes ein, wo wir eine sogenannte "Kirche auf Schienen" erleben konnten. Es handelt sich hier um Norwegens erste und einzige Bahnkapelle - wahrscheinlich der einzigen in der Welt. Dieser schöne, alte und ehrwürdige Eisenbahnwagon hat durch ein langes Leben vielen Reisenden gedient. In einer Welt voller Unruhe und Lärm soll er jetzt, als kleine Kapelle auf Schienen, den Menschen Stille und Frieden bieten. Die Åndalsnes Bahnkapelle wurde am 10 Juni 2003 im Beisein von König Harald und Königin Sonja von Bischof Odd Bondevik geweiht. Anschließend fuhren wir in das üppig grüne Isterdal hineien. Die umgebenden Berge hier sind schroff - Namen wie Kongen (König), Dronningen (Königin) und Bispen (Bischoff) bestätigen die Majestät dieser Bergwelt. Hoch oben stürzt sich der Stigfossen ins Isterdal, und mittendurch steigt die Trollstigen-Straße an der Bergseite empor. Nach einer Bauzeit von acht Jahren wurde der Trollstigen 1936 eröffnet und selbst heute ist die Straße ein gutes Beispiel für hohe Ingenieur- und Baukunst. Übersetzen könnte man den Namen „Trollstigen" übrigens mit „Zauberweg". Was sind nun eigentlich Trolle? - Es sind im nordischen Volksglauben Dämonen in Riesengestalt. Bereits seit grauer Vorzeit leben in den Bergen und in den alten Hünengräbern Norwegens die Trolle. Sie sind - wie auch die Wichteln und Zwerge - elbische Wesen. Ihre Herkunft ist unbekannt. Einem Geistlichen, der sie vertreiben wollte, klagten sie einmal, sie seien herabgestürzte Engel. Einer anderen Geschichte zufolge sind sie Nachkommen der alten Riesen, die immer weiter geschrumpft sind und weiter schrumpfen. Die Trolle sind gedrungene, plumpe, erdfarbene Wesen mit mächtigen Knollennasen; manche haben einen Schwanz und einen zotteligen Pelz. Die Kleider sind grün wie das Moos an einem Waldsee oder grau wie die Flechten auf den Fjellen. Es ist nicht leicht, Bekanntschaft mit einem Troll zu machen - das gelingt angeblich nur um die Mittagszeit geborenen Sonntagskindern oder den neunten Kindern von Eltern, die selbst neunte Kinder ihrer Eltern waren. Und das ist auch gut so! Es gibt nämlich ganz unterschiedliche Trolle. Die einen sind den Menschen freundlich und wohlgesonnen. Sie sind gutmütige Geschöpfe, die oft in der Nähe von Menschen wohnen und nachbarschaftlichen Umgang pflegen. Ihnen zu begegnen ist eine Freude und ein besonderes Erlebnis. Andere Trolle aber sind sehr böse, und vor ihnen muss man sich in Acht nehmen. Die norwegischen Bauern wissen ein Lied davon zu singen, wenn das Trollweib zur Saatzeit als Wirbelwind über den Acker fegt und mit ihrem Kleid die Saat auffängt. Auch vertauschen manche Trolle die Kinder der Menschen und legen an ihrer Stelle ein Trollkind unter, einen missgestalteten Wechselbalg. Es gibt also viel zu berichten über die Trolle..., wir mussten aber weiter. In Ålesund angekommen, checkten wir am Nachmittag in unserem zentral gelegenen Hotel „Scandic Parken" in ein. Manch einer unserer Gäste nutzte die verbleibende Zeit bis zum Abendessen zu einem Spaziergang durch die Stadt. Wer lässt sich nicht von Ålesund faszinieren? - Die Stadt gibt sich jung, doch die Geschichte, die sie erzählt, ist voller Dramatik. In einer stürmischen Winternacht vor über einhundert Jahren brannte der gesamte Stadtkern bis auf die Grundmauern nieder. Nur wenige Häuser überlebten die Flammen und zehntausend Menschen verloren ihr Zuhause. Wie ein Vogel Phönix aus der Asche erhob sich eine neue Stadt im charakteristischen Jugendstil mit einer Vielfalt an Türmen, Spitzen und wunderschönen Ausschmückungen, die aus einer Phantasiewelt zu stammen scheinen. Nicht ohne Grund wurde Ålesund im Jahre 2007 von den Norwegern zur schönsten Stadt des Landes ernannt. Manche Gäste erklommen übrigens auch den Stadtberg Aksla und wurden mit einem tollen Blick auf die Stadt belohnt!

6. Tag – Sonntag, 10.07.2016: Geirangerfjord – Lom (208 Bus–km)

Heute starteten wir wieder gegen 8 Uhr, denn wir hatten volles Programm! Leider mussten wir von der schönen Stadt Ålesund Abschied nehmen, es ging nach Magerholm und von dort mit der Fähre über den Storfjord nach Ørsneset. Unser nächstes Ziel war Hellesylt, von wo wir zu einer etwa einstündigen Schifffahrt auf dem Geirangerfjord aufbrachen. Zuvor gab es noch einen Fotostopp oberhalb des Sunnylvsfjordes mit Blick in den Geirangerfjord! Der Geirangerfjord ist etwa 16 Kilometer lang und das Aushängeschild des norwegischen Tourismus schlechthin. Vom Schiff aus sahen wir die berühmten Wasserfälle „Die Sieben Schwestern", „Brautschleier" und „Freier" - diese Fahrt war einzigartig, denn auch das Wetter spielte mit! Von Geiranger aus fuhren wir auf einen Aussichtspunkt oberhalb des Geirangerfjordes. Wir hatten angenehmes Wetter, schon die Auffahrt war lohnenswert und mit herrlichen Panoramablicken versehen. Oben angekommen, genossen wir die spektakulären Ausblicke auf die schroffen Berge rund um den Fjord! Anschließend gelangten wir hinunter ins Ottatal und weiter nach Lom. Hier besichtigten wir am späten Nachmittag eine der bedeutendsten noch existierenden Stabkirchen Norwegens. Wer ist nicht fasziniert, wenn er vor einer alten, völlig aus Holz gebauten Stabkirche steht, deren Giebeldächer steil übereinander geschichtet sind. Aus den Giebeln weisen oft stilisierte Drachenköpfe, die eher an Asien erinnern, in alle Himmelsrichtungen. Von den einst angeblich fast 1.000 Stabkirchen sind keine dreißig mehr erhalten. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts fehlte den Gemeinden in Norwegen jedes Verständnis über den Wert der alten Gebäude, die in großer Zahl abgerissen wurden, zumal sie auch zu klein geworden waren. Anschließend fuhren wir nach Bøverdalen, wo wir unser Domizil für die nächste Nacht ansteuerten. Elveseter (700 m ü. d. M.) ist ein alter Erbhof, den man in ein modernes Hotel umgewandelt hat und dessen Kulturschätze aus vergangenen Zeiten pietätvoll bewahrt wurden. Er ist dank seinen von den Besitzern selbst geschaffenen Holzschnitzereien eines der originellsten Hotels in Norwegen. Seit fünf Generationen ist der Hof im Besitz der Familie Elveseter. Das ganze Anwesen ist wie eine altnorwegische Götter-Wohnstätte gestaltet, und jeder Raum trägt einen Namen aus der nordischen Mythologie. Wie bei einem alten Bauerngehöft im Gudbrandsdaler Stil sind die Häuser um einen schönen Platz gruppiert. Auf dem hiesigen Anwesen steht übrigens auch seit 1992 die 33 Meter hohe geschichtsträchtige Saga-Säule, die einen Querschnitt durch die norwegische Geschichte zeigt - beginnend mit dem ersten vereinigten Reich 872 bis zur Reichsversammlung 1814. Entworfen wurde die Säule vom Bildhauer Rasmussen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg und sollte ursprünglich vor dem Parlament in Oslo platziert werden. Wir waren alle begeistert von dem urigen Stil dieses Hotels und die meisten genossen den Abend ganz gemütlich bei Kaffee oder Tee am knisternden Feuer des Kamins; denn einen Fernseher auf den Zimmern gab es hier nicht - warum auch?, brauchten wir auch nicht...!

7. Tag – Montag, 11.07.2016: Sognefjell – Sognefjord – Bergen (366 Bus–km)

Wir fuhren heute über die Sognefjellstraße, der Reichsstraße 55. Der mit 1.434 Metern höchstgelegene Gebirgspass Nordeuropas ist seit 1938 für Autos befahrbar. Die Passüberquerung ist eine der ältesten Verbindungswege zwischen Ost und West, sie war die Hauptroute vom gesamten Gudbrandsdal zu den Küstensiedlungen in Sogn und bis nach Bergen. An Waren wurden hier hauptsächlich Salz, Hering und Fisch aus dem Westen und Häute, Butter, und Eisen aus dem Osten transportiert - in beiden Richtungen auf dem eigenen Rücken oder zu Pferd. Unterwegs nutzten wir die reichlichen Möglichkeiten für Fotostopps, obwohl es das Wetter heute zeitweise nicht so gut mit uns meinte. Schließlich erreichten wir Skjolden am Lustrafjord bzw. am inneren Ende des Sognefjords, hier waren wir übrigens etwa 200 Kilometer vom Meer entfernt. Entlang der Nordseite des Lustrafjords und mit herrlichen Blicken auf den Fjord und die zahlreichen Wasserfälle erreichten wir Kaupanger und nach einer herrlichen Fahrt entlang der verschiedenen Fjordarme des Sognefjordes gelangten wir zum Lærdalsfjord, welcher für uns der Ausgangspunkt einer ganz besonderen Fahrt werden sollte... Es ging von Lærdal aus über eine der schönsten und abwechslungsreichsten Passstraßen Norwegens, dem sogenannten „Aurlandsvegen", hinüber nach Aurland. Was uns auf dieser Straße erwarten sollte, wussten wir vorher nicht so ganz genau. Wir wussten nur, dass es großartig sein muss - denn diese 46 Kilometer lange Straße ist eine der 18 Landschaftsrouten Norwegens und übrigens nur im Sommer geöffnet. Der höchste Punkt liegt immerhin bei 1.306 Meter über dem Meeresspiegel. Hier sahen wir kilometerlange meterhohe Schneewände und unser Bus stand mittendrin - einfach genial und überwältigend! Nicht zu Unrecht hat diese Route schließlich auch den Beinamen „Schneeweg". Wir erlebten zudem phantastische Aussichtpunkte, unter anderem das Panorama von der neuen Aussichtsplattform „Stegastein" mit einem genialen Blick auf den Aurlandsfjord. Am späten Nachmittag erreichten wir Gudvangen, am südlichen Ende des schmalen Nærøyfjordes, gelegen. Von hier aus fuhren wir nun in Richtung Bergen weiter. Auf unserem Weg dorthin legten wir einen Stopp am Tvindefoss ein, ein herrlicher Wasserfall - eine wahre „Wassersymphonie"! Nun erreichten wir Voss, das administrative, kommerzielle und touristische Zentrum eines ausgedehnten Tals (Vossevangen) inmitten der Bergwelt zwischen Sogne- und Hardangerfjord. Die fruchtbaren Böden haben die Region zum bedeutendsten landwirtschaftlichen Nutzgebiet nach Südostnorwegen, Trondheim-Gebiet und Gudbrandsdal gemacht. Am Abend erreichten wir schließlich das zentral gelegene Best Western Hotel „Hordaheimen" in Bergen, unser Domizil für die nächsten zwei Nächte.

8. Tag – Dienstag, 12.07.2016: Stadtrundfahrt Bergen – Fløybahn (24 Bus–km)

Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet begannen wir mit unserer etwa 2-stündigen Stadtrundfahrt durch Bergen. Seit König Olaf Kyrre im 11. Jahrhundert mit seinen Wikingerschiffen in der Hafenbucht Vågen anlegte und Bergen dort gründete, zieht die Stadt Menschen aus aller Welt an. Viele Besucher kamen und gingen, andere ließen sich in der norwegischen Hafenstadt nieder. Viele Einheimische verließen ihre traute Umgebung und lernten während ihrer Wanderjahre andere Länder, Leute und Sitten kennen, ehe sie zurückkamen. So konnte sich Bergen zu einem Schmelztiegel verschiedener Kulturen und zu „Norwegens internationalster Stadt" entwickeln. Bergen wuchs um den Hafen herum nach und nach zu einer Stadt heran. Handel, Schifffahrt und Handwerk waren ihre Existenzgrundlage. Schon früh wurde Bergen die größte Stadt des Nordens und Norwegens erste Haupt- und Residenzstadt des Königs. Bereits im 14. Jahrhundert war die Stadt so bedeutend geworden, dass die Hanseaten auf Bryggen ein Kontor gründeten, das noch heute zu sehen ist. Nachdem wir interessante Informationen über diese Stadt erhalten hatten, konnten wir heute mal nach individuellen Bedürfnissen bummeln und etwas Freizeit genießen. Alle unsere Gäste nutzten dabei die Gelegenheit, mit der einzigen Standseilbahn Skandinaviens zum Berg Fløyen hinauf zu fahren. Vom sogenannten „Dach von Bergen" hat man eine fantastische Aussicht über die Stadt, den Schiffsverkehr, die Fjorde und nicht zuletzt die umliegenden Inseln. Eine Aussicht, die einen beeindruckenden Überblick über die Vielfalt der Stadt und der näheren Umgebung gewährt. Eine Aussicht, die den Blick auf das offene Meer, auf die 50 km nördlich gelegene Insel Fedje sowie auf die südlich gelegenen Inseln der Region Sunnhordaland erlaubt. Bergen machte übrigens heute seinem Ruf als regenreichste Großstadt keine Ehre, denn hier soll es an etwa 250 Tagen im Jahr regnen - wir durften übrigens einen „teilweise" regenfreien Tag verbringen!

9. Tag – Mittwoch, 13.07.2016: Hardangerfjord – Vøringfossen – Hardangervidda – Krokkleiva (426 Bus–km)

Nach einer schönen Zeit in Bergen ging es für uns auch schon wieder weiter. Eine erste kleine Pause legten wir heute am Wasserfall Steinsdalsfossen ein - hier sollte man sich die Chance nicht entgehen lassen, einmal einen Wasserfall „von hinten" zu betrachten; zwischen Felswand und Wasser führt ein schmaler Pfad entlang. Unser nächstes Ziel war der Hardangerfjord, der sich von der Küste über fast 180 Kilometer ins Land hinein erstreckt und in mehrere Fjordarme gliedert. Der König der Fjorde wird für seine weiß- und rosablühenden Obstgärten, das milde Klima, die leuchtend grünen Wiesenhänge und imponierenden Wasserfälle gepriesen. Zwischen Bruravik und Brimnes fuhren wir vor wenigen Jahren noch mit der Fähre - seit August 2013 ist allerdings nunmehr die neue Hardanger-Brücke fertig - über Eidfjord gelangten wir somit sehr zügig weiter zum berühmten Wasserfall Vøringfossen. 182 Meter sind es, die die gewaltigen Wassermassen der Bjoreia in freiem Fall zurücklegen - vom Fossli-Hotel kann man im Normalfall herrliche Blicke auf diesen imposanten Wasserfall geniessen! Leider meinte es Petrus nicht gut mit uns und der Vøringfossen war heute nur zu hören und von einer guten Sicht konnten wir nur träumen...! Wenige Minuten später waren wir bereits in der Hardangervidda, hier erlebten wir die endlose Weite dieses faszinierenden Hochgebirgsplateaus, in der Europas größter Stamm wilder Rentiere zu Hause ist. Über Geilo, Gol und das fruchtbare Hallingdal kamen wir am Abend in unserem Hotel in Krokkleiva an. Das Hotel liegt am Tyrifjord, ungefähr 45 Kilometer vor den Toren von Oslo.

10. Tag – Donnerstag, 14.07.2016: Holmenkollen – Göteborg (362 Bus–km)

Die letzte Nacht auf norwegischem Boden lag nun hinter uns und so langsam traten wir unsere Heimreise an. Am Vormittag legten wir noch einen kurzen Stopp am Holmenkollen von Oslo ein. Hoch über der Stadt Oslo ragt die neue Holmenkollen-Skisprunganlage, die modernste Sprungschanze der Welt - ein imposantes Bauwerk aus Stahl und Beton! Selbst etwas Freizeit in der Innenstadt war noch drin und somit besichtigten viele Gäste abschließend das Osloer Rathaus, welches von den besten norwegischen Künstlern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Motiven norwegischer Geschichte und Kultur ausgeschmückt ist.  Über Norwegens Grenzen hinaus ist das Rathaus nicht nur wegen seiner funktionalen Architektur und den romantisch angehauchten Wandmalereien bekannt, sondern auch als Ort, an dem seit 1990 der Friedensnobelpreis überreicht wird. Gegen Mittag hieß es dann Abschied nehmen von Norwegen, denn das südschwedische Göteborg war unser Ziel! In Göteborg erwartete uns dann bereits am späten Nachmittag die Fähre der „Stena Germanica", die gegen 18.45 Uhr ablegte und die 437 Kilometer lange Seereise bis Kiel in Angriff nahm. Ein leckeres Abendbuffet auf der Fähre rundete diesen letzten Abend ab!

11. Tag – Freitag, 15.07.2016: Heimreise (bis Dresden = 680 Bus–km)

Unsere Fähre erreichte fast pünktlich gegen 9.30 Uhr den Hafen in Kiel und der letzte Tag unserer Traumreise brach nunmehr an. Von den ersten Gästen mussten wir uns bereits direkt in Kiel verabschieden und über Hamburg, Berlin und Leipzig erreichten wir gegen 19.30 Uhr den Dresdner Flughafen, den Ausgangspunkt unserer Reise - eine tolle Reise mit fantastischen Eindrücken ging hier zu Ende. Der Abschied war herzlich, denn 11 Reisetage mit gemeinsamen Erlebnissen verbinden schon irgendwie...
Für unsere Statistiker sei angemerkt:
Mit unserem Bus haben wir auf dieser Reise (ab/an Göteborg) insgesamt 2.547 Kilometer zurückgelegt. Fährstrecke Kiel - Göteborg - Kiel = 874 km auf See! Des Weiteren sind wir in Skandinavien durch insgesamt ca. 160 Tunnel gefahren!
Wir haben tolle Erfahrungen machen können und jeder hat sein eigenes und persönliches Norwegen kennen gelernt. Es gibt ganz sicher Gäste die sich wie ich in diese Landschaft im Norden Europas verliebt haben und vielleicht doch irgendwann zurückkommen.
Ein großer Dank gilt auch unserem netten und souveränen Buschauffeur Jürgen, der uns jederzeit sicher gefahren hat!
Ich wünsche allen Mitreisenden an dieser Stelle nochmals alles Gute, Gesundheit und weiterhin viel Reiselust. Es hat Spaß gemacht mit Ihnen und ich freue mich auf ein Wiedersehen! Bis zum nächsten Mal!
Ihre Reiseleiterin Katrin Deutschbein

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Wir haben schon 'ne Menge Reisen gemacht und diese Reise war in jeder Beziehung ganz enorm positiv beeindruckend. Angefangen von der Vorbereitung über die Reiseleitung, den Busfahrer und die gesamte Reisegruppe, die Sehenswürdigkeiten, die Hotels und sogar das Wetter ließen keine Wünsche offen.
Manchmal wünschten wir uns mehr Zeit für die einzelnen Stationen, aber spätestens am Abend kamen wir zu dem Schluß, dass wir auf nichts hätten verzichten wollen.
Vielen Dank an das gesamte Team, das die Reise vorbereitet hat, besonders die Reiseleiterin Katrin und den Busfahrer Jürgen und viele Grüße an alle anderen Teilnehmer der Gruppe von
Anette und Horst Reichel aus Berlin-Köpenick

Anette und Horst Reichel
15.08.2016