Rund Ostsee – eine Reise in die Nähe
Reisebericht: 19.05. – 30.05.2025
„Oft habe ich an den Tag gedacht, als ich zum ersten Mal aufs Meer blickte. Das Meer ist gewaltig, das Meer ist weit, meine Augen schweiften weit umher und sehnten sich nach Freiheit.“
Thomas Mann
Ein Reisebericht von
G. Adamietz
🇩🇪 Anreise
Wenn man in Deutschland lebt, dann liegt die Ostsee direkt vor der Tür – und doch scheinen uns die Länder am anderen Ende dieses kleinen Teichs doch so fern. Wie kann das sein? Geschichte, Politik und leider auch Kriege führten dazu, dass bei vielen ein toter Winkel entstanden ist.
Je nach Sozialisierung wussten wir sehr viel über die Ponderosa Ranch oder auch über Leningrad. Das Baltikum aber und oft auch die nordischen Metropolen fielen irgendwie aus dem Beobachtungsfeld – und das, obwohl die Gegend immer eng mit Deutschland verbunden war, zum Teil sogar dazugehörte und manche sogar die Erzählungen von Großeltern und Verwandten von dort noch kennen.
Wir machen es uns einfach und wir machen es richtig. Wir fahren einfach hin, um nachzuschauen – und wir reisen richtig: richtig bequem im Bus, ohne Sorgen und mit viel Zeit zum Schauen und Zuhören – und natürlich auch zum Genießen und Erholen.
Dieser, unser, Bus steht frühmorgens bereit. Gelenkt von unserem fantastischen Fahrer Daniel, geht es los am Flughafen Dresden und dann einmal quer durch Deutschland nach Kiel. Unterwegs wächst unsere Gruppe bei einigen Zwischenhalten immer weiter, in Kiel sind wir dann komplett!
Wir haben noch Zeit vor der Anfahrt, das Wetter ist prächtig, es ist noch ein Abstecher ins nahe Ostseebad Laboe drin. Hier kann man die Gedenkstätte der Deutschen Marine mit ihrem U‑Boot oder ganz einfach den herrlichen Strand genießen – oder sogar noch schnell ins Wasser hüpfen!
Schließlich geht es dann zurück nach Kiel und direkt an Bord! Wir legen ab, sehen Laboe noch einmal vom Wasser aus und sind jetzt erst einmal weg, auf See für die nächsten erholsamen 20 Stunden.
Videolink: Laboe - Macht Lust auf Meer
🇱🇹 Tag auf See – Ankunft in Klaipeda (Memel) in Litauen
Der Tag beginnt nach Lust und Laune. Mussten gestern manche doch recht früh aufstehen, so heißt es heute ausschlafen nach Lust und Laune! Die Zeit vergeht wie im Fluge, falls man das bei einer Fast‑Kreuzfahrt auch sagen kann. Herrliches Wetter, Sonnenschein an Deck machen Appetit; Frühstück und Mittagessen sind tadellos, und für Getränke an Bord ist ausreichend gesorgt.
Unsere Uhren zeigen schon Osteuropäische Sommerzeit, wir kommen pünktlich in Klaipėda an. Im Bus geht es von Bord, nur eine kurze Fahrt, und wir haben unser Hotel erreicht. Mitten in einer historischen Stadt steht es da, ein riesiger Turm mit der ungewöhnlichen Form des Anfangsbuchstaben von Klaipėda, erbaut noch in den letzten Jahren der Sowjetunion als internationales Repräsentationshotel.
Die Spuren der Sowjetzeit in den baltischen Ländern – wir werden sie alle drei bereisen – sind fast nur noch auf den zweiten Blick zu erkennen, wie wir auf unserer Reise feststellen. Wesentlich präsenter und überall in Ehren gehalten wird das Erbe aus der Hansezeit, und hier natürlich auch die Zeit, als hier noch die Stadt Memel in Ostpreußen war.
So geht es auch nach dem Abendessen zu Fuß auf eine kleine Zeitreise in diese Epochen. Wir sehen die Reste der westlichsten Deutschordensburg, der Memelburg, mit ihrem rekonstruierten Turm, und spazieren an alten Lagerhäusern mit deutscher Aufschrift vorbei zum Theaterplatz, wo wir uns ins 17. Jahrhundert versetzen. Dort, am Simon‑Dach‑gewidmeten Brunnen, singen wir gemeinsam das Lied von „Ännchen von Tharau“, einer der ersten ganz besonderen Momente auf unserer Reise.
Zum Abschluss des Tages bietet sich uns noch ein herrlicher Sonnenuntergang; wir schlafen bald schon den nächsten Erlebnissen entgegen…
Videolink: Aennchen von Tharau - Taravos Anikė
🇱🇹🇱🇻 Ausflug auf die Kurische Nehrung – Weiterreise nach Riga in Lettland
Der heutige Vormittag steht ganz im Zeichen der kurischen Nehrung. Eine kurze Überfahrt mit der Fähre, und wir sind auf diesem legendären Stück Land. Der schmale, fast 100 km lange Sandstreifen war einst die Heimat der kurischen Fischer; heute werden die bunten Wimpel, mit denen sie ihre Boote schmückten, noch in Ehren gehalten.
Im 19. und 20. Jahrhundert, zu ostpreußischer Zeit, wurde dieses naturbelassene Gebiet einer der großen Sehnsuchtsorte für erholungssuchende deutsche Kulturschaffende, allen voran sei Thomas Mann genannt. Sein Ferienhaus steht heute noch hier, inzwischen wieder in altem Glanz, im kleinen Ort Nidden. Wir besichtigen es von außen, wer will auch von innen, und verstehen, was den großen Dichter hier begeisterte.
Nach etwas Freizeit mit einem Spaziergang am Haffstrand geht es noch weiter südlich zur Parnidi‑Düne, auch Große Düne genannt. Seit langer Zeit wird dafür gesorgt, dass diese riesige Wanderdüne nicht zu stark erodiert; die neuesten und strengsten Absperrungen hier in letzter Zeit haben jedoch einen anderen Grund. Wir stehen nur noch einen Kilometer vor der Grenze zum russischen Teil der Nehrung, dem Teil des Oblasts Kaliningrad.
Nach der Wende konnte man hier bis nach Königsberg weiterfahren, inzwischen ist die Lage in Europa wieder schwieriger; wir hoffen auf bessere Zeiten und sind hier an einem Ort, der uns auch an die Probleme der deutschen Geschichte erinnert und uns natürlich etwas nachdenklich stimmt.
Im Sonnenschein gibt es hier dann noch eine Mittagspause, bevor wir die Nehrung entlang wieder zurückfahren, mit der kleinen Fähre wieder ans Festland und dann nach Norden, hinaus in die herrliche Landschaft Litauens, zum Berg der Kreuze. Diese imposante Pilgerstätte hat die Zeit der Repressionen in Zeiten des Kommunismus überstanden und wuchs im nun freien, überwiegend katholischen Litauen eindrucksvoll immer weiter und ist heute wohl einmalig auf der Welt in dieser Art.
Der letzte Teil unserer heutigen Fahrt führt uns schließlich in das nächste Land unserer Reise, nach Lettland. Dort erreichen wir planmäßig unser Hotel in der Hauptstadt Riga. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, eine angenehme Entschleunigung unserer Reise!
Videolink: Ostpreußen 1940-44 im Farbfilm
🇱🇻 Riga und Riga Strand
Nach dem Frühstück werden wir bereits freundlich begrüßt. Irina, unsere Stadtführerin, erwartet uns bei Sonnenschein am Bus vor dem Hotel. Wir beginnen unsere Fahrt durch Riga mit dem Siegespark, der direkt vor dem Hotel liegt. Zur Zarenzeit hieß er Peterspark, und zu kommunistischer Zeit hatte er den etwas anstrengenden Namen: „Park des 22. Kongresses der kommunistischen Partei der Sowjetunion“.
Tatsächlich spielt die sowjetische Zeit in der Geschichte Rigas mittlerweile so gut wie keine Rolle mehr. Seit der Wende ist so viel Neues entstanden, vor allem aber blickt die Stadt, in der ein Drittel aller Letten leben, auf eine Jahrhunderte alte, stolze Geschichte zurück, die überall in der Stadt präsent ist. Von den alten Holzbauten am Stadtrand bis zu den mittelalterlichen Juwelen der Altstadt sehen wir hier das Zeugnis der eigenen Identität, aber auch der großen Weltoffenheit dieser Stadt, die im Schnittpunkt der Ostseevölker immer schon eine Drehscheibe war, für Handel, Wissenschaft, Kunst und Kultur.
Irina zeigt uns neue Bauten, alte Straßen und Plätze sowie die berühmten Jugendstilhäuser der Stadt vom Bus aus, bevor es zu Fuß durch die historische Innenstadt weitergeht. Große und kleine Denkmäler und vieles mehr gibt es so zu sehen, bevor unser Programm am Domplatz endet.
Fast endet, denn es gibt noch die wunderbare Gelegenheit, ein Mittagskonzert im 800 Jahre alten Dom zu erleben, was sich die meisten von uns nicht entgehen lassen! In der Freizeit danach erkunden manche die riesigen Markthallen, die aus recycelten Luftschiffhallen errichtet wurden, andere gehen shoppen oder kehren in eines der zahlreichen Lokale ein.
Voller neuer Eindrücke treffen wir uns wieder am Bus, nun geht es aus der Stadt raus an den Strand, nach Jūrmala, mit dem alten deutschen Namen auch sehr sinnvoll „Riga‑Strand“ genannt. Hier erleben wir die Atmosphäre eines eleganten Ostseebades mit Tradition und spazieren an der leise rauschenden Ostsee entlang; man nannte das früher auch die baltische Riviera, kein Wunder. Allerdings ist jetzt Mitte Mai noch kühl, so ist es recht leer am Wasser. So können wir die Weite des Strandes aber auch besonders eindrucksvoll erleben.
Es ist kühl? Ja, aber nicht so kühl, dass sich die Tapfersten hier die Gelegenheit nicht entgehen lassen, im frischen Wasser zu baden! Erlebnisreich und erholsam ist der Tag allerdings für alle; zurück im Hotel sind wir schon ein kleines bisschen zuhause. Wie am Vortag gibt es wieder ein gutes Abendessen vom Buffet, und als wir dann alle einschlafen, träumen sicher viele von uns vom Meer, das uns auf dieser Reise immer begleitet.
Videolink: A DAY AT JURMALA - LATVIA'S AMAZING BEACH TOWN - 4K - 2023
🇱🇻🇪🇪 Livland
Heute verlassen wir Riga, wir haben Glück – es regnet in Strömen! Warum ist das ein Glück? Weil wir erst einmal eine längere Strecke im Bus sitzen. Unser Plan ist, dass das Wetter immer schön ist, wenn wir es brauchen, und das sei schon verraten: bis auf einen leichten Regen im späteren Tagesverlauf geht dieser Plan für die ganze Reise bestens auf.
Wir reisen in den Norden Lettlands – und wir reisen in die Zeit des Livländischen Ordens. Seine Mitglieder waren Deutschritter, die hier im historischen Livland ihr Gebiet nach Osten expandierten. Im heutigen Gauja‑Tal, das weitgehend als Nationalpark unter strengem Naturschutz steht, liegt ihre stolze Ordensburg Treyden, auch Fredeland genannt. Der lettische Name ist Turaidas Pils, wobei zu beachten ist, dass „Pils“ mit dem deutschen Wort „Palast“ zu tun hat und nicht mit den Getränken, die man hier im Baltikum auch hervorragend zu brauen versteht.
In den letzten Jahrzehnten wurde die Burg sorgfältig konserviert und teilweise rekonstruiert. Um sie herum ist ein Freiluftmuseum entstanden, in dem wir hervorragende Einblicke in das Leben der Menschen hier in alten Zeiten bekommen. Vor 400 Jahren soll hier auch eine besonders schöne und tapfere junge Frau gelebt haben, die die Rose von Turaida genannt wurde. Ihre leider traurige Geschichte ist eng mit diesem Ort verbunden; ein Stein und eine Linde erinnern hier an sie und sind ein beliebtes Ziel für junge verliebte Paare.
In der nahe gelegenen Gutmannshöhle soll die Unglückliche getötet worden sein, als sie ihre wahre Liebe und ihre Unschuld verteidigte. Einer Quelle in der Höhle entspringt ein besonderes Wasser, das Liebe, Treue und jungen Mädchen auch noch ewige Schönheit verspricht. Außerdem bestaunen wir die Inschriften von korporierten Studenten aus vergangenen Jahrhunderten, unter denen wir auch bekannte Namen finden ;-).
Nach so viel Geschichte und Geschichten erwartet uns nun eine ziemlich überraschende Abwechslung: Nur wenige Kilometer entfernt, hier im Tal, liegt das Bob‑Trainingszentrum von Sigulda. Wir werden herzlich willkommen geheißen und dürfen uns alles aus der Nähe ansehen – ganz aus der Nähe: Wir dürfen tatsächlich vom Startgebäude aus durch die gerade eisfreie Bobbahn laufen!
Etwa 100 Kilometer Fahrt passieren wir die Stadt Walka, die teils in Lettland liegt (Valka), teils in Estland (Valga). Wir haben das vierte Land unserer Reise erreicht und halten Kurs auf die alte Universitätsstadt Dorpat, noch einmal gute 100 Kilometer weiter.
Hier, in Tartu angekommen – wie die Stadt auf Estnisch heißt –, beginnen wir unseren Aufenthalt mit einer kurzweiligen Besichtigung, bei der uns unsere Stadtführerin Lili die Geschichte der Universität und der Stadt näher bringt. Es ist beeindruckend, wie international der Austausch der Gelehrten schon vor Jahrhunderten war, so intensiv wie heute, nur dass damals die deutsche Sprache die Rolle hatte, die Englisch heute hat.
Ganz zentrumsnah liegt unser Hotel direkt am Fluss Emajõgi; hier endet unser Rundgang, und wir stärken uns kurz darauf bei einem besonders herzlich servierten und hervorragenden Abendessen. Manche spazieren noch später durch die Stadt, alle schließlich schlafen wir gut und glücklich nach einem abwechslungsreichen Tag den nächsten Abenteuern entgegen.
Videolink: Der Eiskanal von Sigulda
🇪🇪 Tallinn
Heute führt uns unser Weg wieder weiter nach Norden, durch eine wenig besiedelte Landschaft mit weiten Wäldern erreichen wir ein eindrucksvolles Naturdenkmal, den größten Wasserfall Estlands, Jägala, der mit seiner Höhe von acht Metern nicht Dramatik, sondern eine sympathische Ruhe ausstrahlt.
Auf oft nagelneuen, gut ausgebauten Straßen erreichen wir dann bald schon Tallinn. Es soll hier erwähnt sein, dass der Name nicht wie „Berlin“, sondern wie das deutsche Wort „fallen“ betont wird – im Prinzip ganz einfach so, wie er geschrieben wird.
Das und vieles mehr erfahren wir von Sirje, unserer Stadtführerin, die uns vom Bus aus und zu Fuß ihre Stadt zeigt. Es ist auch hier wieder eindrucksvoll, wie viel von der historischen Altstadt hier erhalten ist, und erfreulich, das architektonische Erbe mit so viel Fleiß und Hingabe instandgesetzt und gehalten zu sehen. Überall sind sehr viele Zeugnisse aus den Zeiten zu sehen, als hier ein reger Austausch aller Ostseeländer gepflegt wurde, in Kultur, Handel, Wissenschaft und Lehre.
Bauten wie die alte Domschule, die wir sehen, sind Zeugnisse der Zeit, in der die Stadt als Reval bekannt war. Wir sehen die Stadtbefestigung aus der Zeit des Deutschen Ordens, alte Wirtshäuser, die immer noch bewirtschaft Ventura werden, und vieles mehr.
Im Bus geht es dann in die neueren Teile der Stadt; hier stehen noch alte Holzhäuser – die heute wieder sehr geschätzt werden – sowie stolze Stadtvillen in alter oder neuer Form. Wir hören gespannt zu, wie nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion die Esten zu einem Volk der Immobilieneigentümer wurden und wie die Wirtschaft hier generell sehr klug und effektiv funktioniert, auch die Verwaltung in Estland arbeitet sehr effektiv und innovativ.
Die Esten sind zu Recht stolz auf ihr Land, und besonders auch auf ihre Sprache und Kultur, die sie einer hundertmal größeren Menge Russen gegenüber bewahren konnten. Nicht zuletzt übrigens wegen der großen Rolle des Liedes in der estnischen Kultur. Hier wird in ganz besonderer Weise der Chorgesang gelebt, ein jährliches Festival zieht hier Hunderttausende an. Auf dem dafür gebauten Gelände versammelte sich zur Wendezeit, die man hier die „Singende Revolution“ nannte, ein Viertel der gesamten Bevölkerung von Estland.
Wir sind beeindruckt, kehren ein in unser Hotel mitten im Zentrum und werden, wie immer auf dieser Reise, sehr gut bewirtet. Heute schlafen wir sogar noch besser als sonst – wir dürfen ausschlafen, so lange wir wollen!
Videolink: der Wasserfall von Jägala
🇪🇪🇫🇮 Tallinn –Helsinki
Das tat wirklich gut: Wir starten ja unser Tagesprogramm immer recht entspannt, meistens um neun Uhr, aber einmal einfach so ausschlafen zu können, das ist schon sehr erholsam! Heute ist Sonntag, da passt das auch zum Tag, und das sehr erfreuliche Frühstücksbuffet wird hier am Wochenende bis um elf Uhr angeboten. Was will man mehr?
Heute verbringen wir alle den Tag in Tallinn nach Lust und Laune. Nicht alle, aber gefühlt die Hälfte aller Geschäfte ist hier auch am Sonntag geöffnet, Shopping ist schon einmal eine Option. Einkaufszentren gibt es gleich mehrere rund um unser Hotel, vor allem aber die Altstadt ist nur wenige Schritte entfernt – wie fein!
Wir haben ja von gestern schon einen hervorragenden Überblick und somit bereits richtig gute Ortskenntnisse. Die Besichtigung der alten Domkirche bietet sich an, ein Spaziergang an der Stadtmauer oder eine Einkehr zu einem guten Mittagessen in einem der vielen netten Lokale, die wir gestern schon bei unserem Rundgang vorsortiert hatten.
Am frühen Nachmittag treffen wir uns nach alledem am Hotel für eine nur wenige Minuten kurze Fahrt zum „Reisiterminal“, wie das hier so schön heißt. Alles wirkt sehr schick und gut organisiert, so sind wir schnell und bequem an Bord, auch wenn es hier nach sehr vielen Reisenden aussieht – das haben die Leute hier auch wieder gut gemacht, die Esten sind die Besten ;-).
Es sind nur etwa 80 Kilometer von Tallinn bis Helsinki, die beiden Städte sind schon lange so etwas wie Zwillingsstädte geworden. Die Überfahrt bei herrlichem Wetter dauert nur zwei Stunden und ist doch so erholsam wie ein ganzer Tag am Meer.
Helsinki ist von hunderten von Inseln umgeben, ein richtiger Schärengarten, den wir bei der Einfahrt von hoch oben an Deck erleben. Wohlbehalten angekommen, dauert der kurze Fußweg zum Bus tatsächlich länger als die Busfahrt zu unserem imposanten Hotel – wie das? Ein großer alter Hafenspeicher wurde hier auf der Landspitze Katajanokka, die inzwischen durch den Hafen eine Insel geworden ist, zu einem eleganten Hotel umgebaut.
Lars Sonck, der ursprüngliche Architekt, errichtete seinerzeit auch das Sommerhaus des finnischen Präsidenten. Wir können sagen, dass unser Domizil uns angemessen ist. Schön, dass wir hier zwei Nächte bleiben und vor allem, dass wir wieder ganz hervorragend essen und schlafen!
Videolink: Kollektiver Ohrenschmaus: 150. Sängerfest in Estland
🇫🇮 Helsinki
Noch ist lange gar nicht Sommer, dem Wetter nach allerdings scheint es Juli zu sein, nur ohne Hitze vielleicht. Bei prächtigem Sonnenschein begrüßt uns Kerstin, unsere Stadtführerin, die uns informativ und unterhaltsam Helsinki während unserer Stadtrundfahrt näher bringt.
Immer wieder steigen wir aus, um ganz besondere Orte zu Fuß zu besuchen, das Sibelius‑Denkmal und die Felsenkirche gehören dazu. Wir sehen natürlich auch den Senatsplatz, der vom markanten Dom überragt wird, und vieles mehr.
Finnland hat immer schon seine Identität durch eine ganz besondere Wertschätzung von Kunst und Kultur behauptet, die auf höchstem Niveau gepflegt werden. Wir sehen das heute ganz besonders in der vielfältigen Architektur von Helsinki. Die Stadt hat tatsächlich weniger Einwohner als Leipzig, ist aber definitiv eine Weltstadt von Format.
Es gab aber auch immer wieder Zeiten, als man sich hier ganz handfest mit der Waffe in der Hand verteidigen musste. Ein nachmittäglicher Ausflug auf die Festung Suomenlinna bietet uns Einblicke in die wehrhafte Geschichte Helsinkis in vergangenen Jahrhunderten. Es muss aber auch gesagt werden, dass unsere Bootsfahrt auf die kleine Inselgruppe vor der Stadt landschaftlich einfach ganz unglaublich schön ist. Hier kann man in verschiedenen Cafés sitzen, Ausstellungen besuchen oder ganz einfach entspannt spazieren gehen.
Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung, es wird geshoppt, es werden Museen besucht und vieles mehr, bis wir uns nach einem Tag voller neuer Eindrücke zum Abendessen treffen. Wir essen auch hier wieder ganz hervorragend, die Auswahl hier im Hotel lässt keine Wünsche offen. Zum Tagesabschluss kann man jetzt noch sehr finnisch eine der Saunen des Hotels besuchen, in jedem Fall endet der Tag erholt und entspannt – und mit Vorfreude auf den nächsten Tag!
Videolink: Discover Suomenlinna
🇫🇮 Helsinki – Porvoo
Heute fahren wir an einen ganz besonderen Ort, nach Porvoo, etwa 50 Kilometer östlich von Helsinki gelegen. Einst war diese Stadt ein bedeutendes Handelszentrum, doch der damals hier herrschende schwedische König Gustav I. Vasa gründete Helsingfors, wie Helsinki auf Schwedisch heißt. Porvoo, auf Schwedisch Borgå („Borgo“ gesprochen), verlor an Bedeutung, was für uns aus touristischer Sicht ein Glücksfall ist. Wir können hier eine Kleinstadt erleben, in der das historische Zentrum voller alter Holzhäuser uns in eine Welt versetzt, in der das Leben einen angenehmen, menschlichen Maßstab hatte.
In Helsinki haben wir schon erfahren, dass Schwedisch in Finnland eine besondere Rolle spielt, die Finnlandschweden sind eine bedeutende Minderheit. Hier, in Porvoo, sind sie aber eine stolze Mehrheit von zwei Dritteln, es kommt uns tatsächlich alles ein bisschen schwedisch vor – und das im allerbesten Sinne. Rein praktisch erleben wir auch hier, dass Deutsch hier ebenfalls eine geschätzte Sprache ist. Das beliebteste Lokal im Ort zum Beispiel heißt genau so, und dort gibt es auf Deutsch eine Tüte Eis, auf Schwedisch „en glassstrut“ und auf Finnisch „jäätelödotterö“. Alle drei schmecken übrigens gleich gut im herrlichen Sonnenschein!
Rechtzeitig für eine schöne Mittagspause sind wir dann wieder in Helsinki. Hier können wir am Südhafen an einem der vielen Marktstände, in der alten Markthalle oder anderswo noch etwas essen, im Freien natürlich, der finnische Vorsommer lässt uns nicht im Stich. Entspannt geht es dann im Bus ein kurzes Stück zum eleganten Olympiaterminal, wo unsere Fähre schon auf uns wartet. Eigentlich muss man sagen: unser Kreuzfahrtschiff – so komfortabel und vielseitig ist unser Schiff.
Gastgeber an Bord ist niemand Geringeres als Mumin, der fantastische kleine Troll aus den Erzählungen von Tove Jansson, einer der berühmtesten Finnlandschwedinnen. An Bord ist er überall präsent und mittlerweile weltweit ein sehr prominenter Botschafter seines Heimatlandes geworden.
Als wir auslaufen, bietet sich uns von Deck aus ein fantastischer Blick zurück auf Helsinki und die vorgelagerten Inseln, natürlich auch die von Suomenlinna, die wir ja schon ganz besonders gut kennen!
Wir werden auch heute wieder zum Abendessen verwöhnt; ein schier endloses Buffet wird uns dargeboten, wir genießen und feiern und freuen uns des Lebens. Später können wir noch einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten, bevor wir schließlich alle glücklich träumend nach Stockholm schippern.
Videolink: Kindheitshelden (Die Mumins) - Wer war Tove Jansson?
🇸🇪 Stockholm
Wer heute Morgen kurz nach vier Uhr nach draußen schaut, der sieht den Hafen von Mariehamn auf den Åland‑Inseln, einem autonomem Gebiet Finnlands, hier wird bereits nur noch schwedisch gesprochen. Vom Frühstückstisch aus sehen wir dann zu einer etwas christlicheren Zeit die unzähligen Inseln des Stockholmer Schärengartens.
Wohlbehalten erreichen wir dann gegen zehn Uhr den Hafen: „Välkommen till Sverige“ – man spricht das übrigens: „Wählkommen till Swerje“ – aus. Was das wohl heißen mag?
Wir hören diesen schönen Satz dann auch sehr herzlich von unserer wunderbaren Stadtführerin Benedikta, die wir am imposanten Stadshus von Stockholm treffen. Was wir hier sehen, ist kein gewöhnliches Rathaus, es ist ein inspirierender Ort für die Bürger der Stadt. Für die Stadtverwaltung hat man ein zweites Rathaus in der Nähe gebaut, weil man die Idee des Architekten für dieses hier so gut fand.
Im Bus geht es dann auf Rundfahrt durch die einzige Millionenstadt unserer Reise; natürlich vorbei an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, auch ein Halt mit herrlichem Panoramablick über die Stadt und eine Fahrt über die naturbelassene Insel Djurgården darf nicht fehlen!
Das königliche Schloss sehen wir uns ganz aus der Nähe an, bevor es zu Fuß durch die von allen Kriegen verschonte Altstadt geht. Benedikta wird nach ihrer kurzweiligen und unterhaltsamen Präsentation herzlich verabschiedet, dann gibt es Freizeit, zum Beispiel für den Besuch eines traditionellen Lokals für eine kleine oder große Stärkung.
Am Nachmittag dann fährt uns Daniel zum Vasa‑Museum, wo wir das legendäre Schiff sehen, das vor fast genau 400 Jahren so tragisch bei seiner ersten Ausfahrt gesunken ist. Wäre das nicht passiert, wir könnten es heute nicht fast unversehrt bestaunen und uns in der sehenswerten Ausstellung in die Zeit des 17. Jahrhunderts versetzen.
Entspannt erreichen wir danach unser elegantes Hotel im Süden, direkt an der Messe Stockholm. Nun ist genug Zeit, um sich zu erholen, bevor wir – richtig – wieder ganz hervorragend kulinarisch verwöhnt werden, um später dann glücklich in unsere Betten zu fallen.
Videolink: Die "Vasa" - und ihre Geschichte - 1628 Stockholm
🇸🇪 Stockholm – Göteborg
Noch ein ganzer Tag Schweden liegt vor uns. Diese Reise ist voller Erlebnisse, dass sie uns am Ende vorkommen wird, als hätten wir mindestens einen Monat lang den Ostseeraum bereist. Heute geht es in den Süden des Landes, das Wetter ist wieder wie gewünscht trevlig, bra, vacker, fin – was alles nur eines heißt: schön!
Apropos Ostsee: Die Anbindung der Industrie an das Meer war zu Beginn wesentlich für deren Entwicklung. In Schweden, übrigens auch ähnlich in Großbritannien, erlangte man so bald eine globale Spitzenstellung durch den Bau von Binnenschifffahrtskanälen. Noch vor dem Bau der Eisenbahn hatte man so vor 200 Jahren ein Transportsystem für Rohstoffe und Industrieprodukte, vor allem aus dem berühmten Schwedenstahl.
Bei Linköping, heute noch ein bedeutender Produktionsstandort, besiegen wir die malerisch gelegenen Schleusen des Göta‑Kanals am See Roxen. Hier können wir sehen, wie genial die Menschen seinerzeit die schwedische Ost‑ und Westküste verbunden haben. Einfach schön ist es hier! Kein Wunder, dass die Schweden auch sehr viel Urlaub im eigenen Land verbringen. Anderswo ist man ja manchmal froh, wenn man weg kann, aber Schweden ist schon etwas Besonderes.
Unsere Mittagspause verbringen wir wieder an einem See, allerdings an einem etwas ausgedehnteren, am Vättern – größer geht es in Schweden nicht. Hier steht die Ruine des alten Brahehus, eines Schlosses aus der Zeit des Schiffes Vasa, auch mit einer tragischen Geschichte, aber dennoch von faszinierender Schönheit auch als Ruine.
Dem See entlang geht es weiter nach Südwesten, schließlich erreichen wir Götaland und dann unser heutiges Ziel: Göteborg. Alles, was so ähnlich klingt, hat seinen Ursprung im Fluss Göta, der seinen Namen vom alten Volk der Gauten hat. Die sind aber nicht das Gleiche wie die Goten, das ist ein häufiges Missverständnis, aber eventuell hatten die Völker auch einen gemeinsamen Zusammenhang. Lassen wir die Gelehrten darüber streiten, für uns ist es wichtig, dass auch Göteborg eine sehenswerte Stadt ist.
Eine kleine Orientierungsfahrt verschafft uns einen Einblick, und der Besuch der Masthuggskirche auf ihrem Felsen über der Stadt auch noch einen vollständigen Überblick über die zweitgrößte Stadt Schwedens, einem wichtigen Wirtschaftsstandort und Industrieort. Volvo hat hier auch seinen Hauptsitz; wo Scania und Saab zu Hause sind, haben wir heute auch schon gesehen.
Die Kirche ist übrigens in weiten Teilen der Seefahrt gewidmet; von oben hier sehen wir auch die nahen Schiffe, bald werden wir auch an Bord sein. Hier oben stoßen wir im schönsten Sonnenschein gemeinsam mit einem typisch schwedischen Getränk feierlich auf unsere wunderbare gemeinsame Reise an: Skål!
Die nächsten Getränke gibt es dann schon am Sonnendeck unseres Fährschiffes. Als wir aus dem Hafen auslaufen, bieten sich uns noch spektakuläre Blicke auf die Älvsborgbrücke, auf Schwedens umstrittenstes Hochhaus und natürlich zurück auf die Anhöhe mit der Masthuggskirche, wo wir kurz zuvor noch waren.
Im Rennen der besten Abendbuffets an Bord hat unser Schiff mit seinem skandinavischen Sortiment einen Platz ganz weit vorne. Wir genießen und stoßen noch einmal an auf unsere Fahrt einmal rund um die Ostsee und steuern später dann friedlich schlafend über den Großen Belt der Heimat entgegen.
Videolink: VIEW FROM MASTHUGGSKYRKAN (4K)
🇩🇪 Die Heimreise
Gut ausgeschlafen erreichen wir am Morgen die Kieler Förde, wir fahren entlang am Seebad Laboe, hier hat alles seinen Anfang genommen. Und ja, man spricht den Ort aus wie „Labö“ – klingt skandinavisch, hat aber wohl altslawische Wurzeln.
Dann geht es noch an den alten Speichern von Kiel vorbei, bis wir schließlich wohlbehalten wieder den Schwedenkai erreichen. Hier gibt es einen herzlichen Abschied von all denen, die in Kiel bleiben oder von dort mit der Bahn oder anders weiterreisen.
Nun geht es wieder auf die deutsche Autobahn, sicher und ruhig fährt Daniel nun wieder Richtung Berlin, und schließlich erreichen wir dann Sachsen, wo unsere Fahrt begonnen hat. Eine wunderbare Reise geht erfolgreich zu Ende!
Videolink: Drehscheibe Kieler Hafen: Kreuzfahrer, Frachtschiffe, Schlepper
Nach einer solchen Traumreise bleibt viel mehr als jede Menge herrliche Fotos und spannende Erzählungen:
Die vielfältigen Eindrücke der unvergesslichen Naturkulisse, vom Meer und von alten Kulturorten, die herzliche Gastfreundschaft in den besuchten Ländern – all das wächst noch weiter in uns und kann uns nie mehr genommen werden.
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