Reisebericht: Rundreise Masuren - Land zum Träumen

06.09. – 13.09.2019, 8 Tage Rundreise in der Region Masuren in Polen: Thorn - Danzig - Oliwa - Marienburg - Sensburg - Rastenburg - Nikolaiken - Allenstein - Oberlandkanal

Bei milden Temperaturen den Norden Polens mit seinen bedeutenden Ordensstädten, den tiefen Wäldern und klaren Seen zu erkunden, ist so interessant, wie erholsam. Die gute Küche tut ein Übriges.

Freitag, den 06. September- Thorn


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Auf entspannt leeren Straßen fuhren wir von Chemnitz über Dresden nach Berlin, dann bei Frankfurt/Oder über die Grenze nach Polen. Der Reiseleiter erzählte allerhand über seine brandenburgische Heimat und die Geburtsstadt Frankfurt/ Oder, sowie über das sich anschließende Lebuser Land und den hier im Mittelalter agierenden Templerorden. Weiter ging es nach Großpolen zur alten Handelsstadt Posen und vorbei an Polens ältester Haupt- und Bischofsstadt Gnesen mit der imposanten Doppelturmfront des gotischen Domes. Dahinter die Mittagspause bei Strzelno mit seinen beiden bedeutenden romanischen Kirchenbauten. Während der Fahrt erzählte der Reiseleiter wichtige Fakten über den Deutschen Orden und seine Landnahme im Pruzzenland, sowie über Stadt- und Burgengründungen und die Durchsetzung des Kulmer Rechts. Wir passierten so, immer auf nagelneuer Autobahn parallel zur Weichsel fahrend Kulm, das neben Thorn als schönste mittelalterliche Stadt Polens gilt, dann die Festungsstadt Graudenz, deren mächtige Speicher wie ein Wall an der Weichsel stehen, dann Marienwerder mit der Domburg und dem größten Dansker, einer Riesentoilette über dem Fluß, Gegen 16 Uhr kamen wir bei unserem Hotel in Thorn an und nachdem alle ihr Zimmer bezogen hatten, holte uns Nadja zur Stadtführung ab. Zuerst ging es in die Marienkirche, die die Franziskaner im 14. Jahrhundert gebaut und mit herrlichen Malereien geschmückt haben. Auf dem Weg zur Johanneskirche sahen wir viele schöne mittelalterliche Kaufmannshäuser, dabei da Geburtshaus von Nikolaus Kopernikus.

 

Samstag, den 07. September- Marienburg


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Vorbei an Gnewe mit der Ordensburg ging es nach dem Frühstück Richtung Marienburg. Leider gerieten wir dort in einen großen Triathlonwettkampf und mußten uns über Umwege den Weg zur Burg suchen, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Dann alsi die Führung in dem größten profanen Backsteinensemble überhaupt, in dem seit 1309 der Hochmeister des Deutschen Ordens residierte. Hier hatten wir eine sehr kompetente Führerin, die uns zunächst durch die Vorburg in den Innenhof und dann durch Rempter, Hochmeisterpalast, Schatzkammer und Küchentrakt in die erst letzten Winter komplett eingewölbte Kirche führte, in der neben diversen Wandmalereien und gotischen Figuren gleich zwei noch spätromanische Portale mit überreichem Figurenschmuck erhalten sind. Bei den klugen und törichten Jungfrauen denkt man unwillkürlich an Bamberg oder Naumburg. In einem Kellergewölbe sind mit guter Beleuchtung historistische Kirchenfenster vom Leipziger Kunstprofessor Johann Baptist Haselberger (1840 – 1900) ausgestellt, die sich an einen mittelalterlichen Fensterzyklus einer Kirche aus Kulm anlehnen, der um 1400 geschaffen wurde. Die Marienburg ist einmalig in ihrer Ausdehnung am Fluß Nogat, der unweit in die Weichsel mündet. Und noch immer stoßen Archäologen auf weitere Grundmauern von Vorburgen und Wirtschaftshöfen. Jedes Jahr kommen neue Bauten oder Teile davon hinzu. Im Keller dann die schönsten gotischen Altäre und Skulpturen, sehr gut präsentiert und ausgeleuchtet. Nach der Führung konnte man sich noch weitere Details ansehen oder rittermäßig rustikal im Zelt speisen, bevor es zur Königin der Hanse nach Danzig ging. Hier bei unserem Hotel auf der Speicherinsel angekommen erwartete uns das Abendessen.

 



Sonntag, den 08. September- Danzig und Oliwa


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Pünktlich um zwei holte uns Frau Anna im Hotel zur Stadtführung ab, wo uns bereits der Bus erwartete um uns zum Zisterzienserkloster Oliva zu bringen. Wir passierten dabei die ehemalige Leninwerft mit dem Denkmal des Arbeiteraufstandes der Gewerkschaft Solidarität. Hier erzählte uns Peter, daß die gegenwärtige polnische Regierung gerade die Geschichtsbücher ändern und die Rolle von Lech Walesa tilgen lässt. Nach neuer Lesart haben allein die Zwillingsbrüder Kaczynski den Aufstand organisiert und die politische Wende in Polen herbei geführt. Leider fehlen Fotos, aber mit moderner Technik wird man schon geeignete finden. Danach fuhren wir am Bernsteinstadion vorbei, das für die Fußball-WM 2012 gebaut worden war und anschließend kam mit dem Stadtteil Langfuhr die Lebenswelt des Günter Grass in unseren Blick, zum Beispiel das Konradinum, an dem der Nobelpreisträger sein Abitur ablegte. In Saspe ist aus einem kleinen Fischerdorf ein riesiges Neubaugebiet geworden und in Oliva schien die Zeit stehen geblieben zu sein. 1186 hatten die Zisterzienser mit der Anlage ihres Klosters begonnen. Acht Dörfer hatte der pommersche Herrscher ihnen geschenkt, um zivilisatorisches Know how ins Land zu holen und um eine standesgemäße Grablege für sein Geschlecht zu stiften. Beide Pläne gingen auf. Die Mönche bauten am Olivabach Teiche und Mühlen, in denen sie auch Hämmer betrieben. Nach der Reformation, die in Danzig schon 1518 griff, wurde ihre Kirche von den Katholiken als Hauptkirche genutzt, ab 1925 war sie Sitz des neu gegründeten Bistums Danzig. Die alte Ausstattung wurde fast komplett zu Beginn des 17. Jahrhunderts von den Schweden geraubt oder vernichtet, die ziemlich einheitliche Barockausstattung entstand nach dem Frieden von Oliva ab 1688. Nur der an den Petersdom angelehnte Hochaltar von 1606 hat diese Raubzüge überdauert. Prunkstück der Kathedrale ist die Orgel, die eigentlich aus drei Instrumenten besteht, die von einem Tisch aus gespielt werden können. Sie 1763-88 von Johann Wulf aus Wormditt gebaut und besitzt 7876 Pfeifen Üppige Schnitzereien und diverse mechanische Teile lassen das Spiel auch optisch abwechslungsreich erscheinen. Wir konnten einem kleinen Konzert mit Stücken von Bach und Saint Saens, sowie technisch prägnanten Phantasien beiwohnen.
Danach ging es zurück nach Danzig, wo wir an den Speicherinseln ausstiegen. Die Mottlau entlang ging es durch mehrere Gassen zur Marienkirche, der größte Backsteinkirche überhaupt. Ihre einst reiche Ausstattung ging zwar nach der Reformation und nach dem Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen verloren, ist aber immer noch eindrucksvoll mit gotischem Hauptaltar und Kreuzigungsgruppe, diversen Nebenaltären und der astronomischen Uhr. Durch die mit Beischlägen geschmückten Gassen liefen wir dann zum Ensemble aus goldenem und Königstor, sowie dem Stockturm und zurück die Langgasse bis zum Rathaus, wo sich Anna verabschiedete. In der Freizeit konnte dann jeder nach Wunsch die Stadt individuell entdecken.

 



Montag, den 09. September- Oberländischer Kanal


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Um halbneun holten wir neun weitere Gäste, die bereits eine Städtereise durch Polen hinter sich hatten, an ihrem Hotel ab und fuhren Richtung Osten nach Elbing und auf kleinen Straßen zum oberländischen Kanal, der die Städte Elbing und Osterode verbindet. In Jesorki bei Buchwalde bestiegen wir bestiegen das Ausflugsboot Cyranka, zu deutsch Entlein, mit dem wir über den spektakulären und berühmten Schienenweg fuhren.
Nach langen Diskussionen bei Parlament und Krone konnten sich die Großgrundbesitzer erst bei König Friedrich Wilhelm IV. mit dem Projekt eines Kanals zum Transport ihrer Produkte, vor allem Holz und Getreide, durchsetzen. Von 1844-60 wurde unter Leitung des Königsberger Wasserbaumeisters Georg Steenke von Elbing bis Osterode der Kanal gebaut, was einer Strecke von 87 Kilometern entspricht. Auf dem nicht einmal zehn Kilometer langen Abschnitt zwischen Buchwalde und Kussfeld müssen insgesamt fast einhundert Höhenmeter überwunden werden, was mit Schleusen zeitraubend und unwirtschaftlich gewesen wäre. Deshalb baute man auf fünf geneigten Ebenen Schienen, auf denen ein Rollwagen die Schiffe aus dem Wasser über die Ebene ziehen kann. Als Gegengewicht fungiert ein in Gegenrichtung fahrendes Schiff oder wenn dies nicht vorhanden, Gewichte. Täglich befuhren zwischen zehn und 57 Schiffe den Kanal, aber seit dem Bau einer Eisenbahnstrecke 1893 sank die Auslastung stetig, weshalb man immer mehr auf eine touristische Nutzung umschwenkte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Schiffsverkehr eingestellt und 1948 nach einigen Reparaturen wieder aufgenommen. 1992 übernahm die Stadt Osterode den Verkehr, seitdem befahren jährlich vom ersten Mai bis Ende September mehr als dreißigtausend Gäste das einmalige Industriedenkmal.
Unsere Fahrt gestaltete sich recht kurzweilig, weil immer wieder interessante Informationen über den Kanal und die passierten Orte geliefert wurden. Dann gab es zum Mittagessen riesige Krakauer Würste mit Gurke und anschließend konnte man noch Kuchen essen. Natürlich fehlten auch nicht typisch polnische hochgeistige Getränke, mit denen das Personal herumkam. Nach der Fahrt ging es weiter über Allenstein nach Sensburg. Auf dem Weg zeigte uns der Reiseleiter noch die hochgotische Kirche von Sorkwitten, deren Ausstattung ein Musterbeispiel des masurischen Bauernbarocks darstellt. Besonders die Figur des himmelfahrenden Heilands am Gewölbe, deren Oberkörper schon in den Wolken verschwunden ist, während die eine ins Kirchenschiff ragen, sorgt stets für heitere Begeisterung. Dann ging es in unser direkt an einem großen See gelegenes Hotel Totu, was so viel heißt, wie: hier ist es. Dort konnten wir sofort einckecken und nach einem kleinen Spaziergang am herrlichen Schoßsee, in dem auch einige noch badeten, erwartete uns ein leckeres Abendbrotbuffet. Anschließend saßen viele noch gemütlich beisammen.

 

Dienstag, den 10. September- Masurenrundfahrt


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Nach dem Frühstück holte uns der in Sensburg geborene Reiseführe Lukas ab und zeigte uns seine masurische Heimat. Hochbarock baute der Jesuitenorden im Rahmen der Gegenreformation das Kloster Heilige Linde. Einem zum Tode Verurteilten soll die Madonna erschienen sein, die ihm ein Stück Holz gab, aus dem der eine wunderschöne Madonna schnitzte, die seitdem verehrt wurde und immer mehr Pilger anzog. Neben den illusionistischen Fresken auf Wänden und an der Decke ist die prachtvolle Barockorgel ein Hauptanziehungspunkt. Das unlängst von der Firma Sauer aus Frankfurt an der Oder restaurierte Instrument besitzt fast viertausend Pfeifen und 42 Register. In einem kleinen Konzert konnte man ähnliche mechanische Spielereien bewundern, ähnlich denen von Oliva. Nach einer konzertanten Präsentation fuhren wir durch dichte Waldgebiete nach Rastenburg zur Wolfsschanze, dem ehemaligen Hauptquartier der nationalsozialistischen Heeresleitung unter Führung von Adolf Hitler. Auf dem Weg lag das Örtchen Karlshof, wo sich eine der bedeutendsten psychiatrischen Heilanstalten Ostpreußens befand. Als die Organisation Todt unweit von dort den Bau der Wolfsschanze beschlossen hatte, bedeutete dies das Aus für die Insassen und der gesamte Gebäudekomplex wurde requiriert. Ein Stück weiter liegt mitten im Wald das von der Wehrmach beim Abzug gesprengte Areal der Wehrmachtsführung. Dem Stabsoffizier Graf Schenk von Stauffenberg misslang am 20. Juli 1944 hier ein Attentat auf Hitler, woraufhin viele Beteiligte verhaftet und nach einem Schauprozess hingerichtet wurden. Zu den Verschwörern zählten auch Angehörige alter ostpreußischer Familien, wie den Dönhoffs. Der Herr, der die Gruppe führte, hat sich seit Jahrzehnten mit der Region beschäftigt, über die er auch mehrere Bücher veröffentlicht hat. Anschließend konnte man bei ihm auch seine deutsch publizierten Bücher erwerben. Anschließend fuhren wir in das kleine Örtchen Zondern zur Pension von Christel. Uns erwartete frisch gebackener, noch warmer Hefekuchen und Kaffee. Dazu erzählte Christel in breitem ostpreußischen Dialekt über ihre Familie und das Leben im abgelegenen Ostpreußen. Wir durften ihr mit viel Engagement eingerichtetes Heimatmuseum bestaunen, angefangen von der Sammlung alter Kaffeekannen und Puppen bis hin zum komplette eingerichteten masurischen Bauernhaus und den alten landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten. Auf dem Rückweg zum Hotel führte Lukas noch durch das Städtchen Sensburg mit seiner bedeutenden evangelischen Kirche. Einige Gäste liefen am See entlang die halbe Stunde zum Hotel. Nach dem leckeren Abendessen saß man wieder gemütlich zusammen.Mittwoch, den 11. September- Nikolaiken, Krutinnen und EulaliaNach entspanntem Frühstück ging es nach Nikolaiken, dem wohl bekanntesten touristischen Ort der Masuren, das wir bei einem Stadtbummel kennenlernen konnten. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch am Forsthaus von Kleinort, wo der Dichter Ernst Wiechert geboren wurde und seine Kindheit verbrachte. Bei herrlichem Sommerwetter konnte man die anschließende Freizeit in Nikolaiken ganz nach eigener Neigung genießen. Anschließend ging es nach Krutinnen. Dort wurde die Gruppe auf drei ganz flache Boote, ähnlich den Spreewaldkähnen, verteilt und über die Krutinne gestaakt. Der Fluß hat kristallklares Wasser mit vielen kleinen Fischlein, ist an den Rändern üppig bewachsen und viel Schilf und Seerosen geben der Bootsfahrt die Illusion, dass man durch einen Urwald fährt.
Nach der Bootsfahrt ging es zur Fondation Eulalia, wo uns mitten im Wald Eulalias Tochter auf ihrem Wallach wie eine Räuberbraut empfing. Während einer Fahrt durch den Wald auf einem Planwagen umkreiste uns die Reiterin mit Pferd und vier Hunden. Auf ihrem am Wald gelegenen Anwesen führte Eulalia die Gäste zunächst über ihre Wirtschaft und zeigte die Tiere ihres Gnadenhofs. Anschließend gab es ein von musikalischen Einlagen umrahmtes, sehr leckeres Essen. Nach Schmalzstullen folgte die Hochzeitssuppe, dann ein kleines Grillsteak und zum Abschluß Kaffee und frischer selbst gebackener Kuchen. Herr Roman spielte hervorragend auf seinem Weltmeister- Akkordeon und zwei Damen sangen sehr schön polnische und international bekannte Lieder. Alle fanden, dass dies ein äußerst gelungener und stimmungsvoller Abend war.

Donnerstag/ Freitag- Danzig und Heimfahrt


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Nach dem Frühstück verließen wir durchaus mit ein wenig Trauer die Masuren. Die Landschaft und das Hotel in Sensburg mit seinen freundlichen Mitarbeitern hatten es allen angetan. Über Allenstein, Osterode und Elbing ging es nach Danzig. Allein diese an historisch bedeutsamen Orten so reiche Strecke wäre mehr als eine Tagestour wert, aber uns zog es zurück nach Danzig. Einige Gäste folgten dort dem Reiseleiter auf einem Spaziergang in die Altstadt, bei dem die beiden mittelalterlichen Mühlen, das altstädtische Rathaus, die Johannis- und die Nikolaikirche, sowie die benachbarte historische Markthalle und danach die Katharinen- und die Brigittenkirche mit dem Bernsteinaltar besichtigt wurden. Einige Gäste unternahmen eine Bootsfahrt zur Westerplatte, wo mit den Schüssen der Schleswig Holstein der Zweite Weltkrieg begann. Eine andere Gruppe fuhr mit der S-Bahn zum ehemals noblen Ostseebad Zopot mit der längsten hölzernen Seebrücke Europas. Alle tauschten, voll von schönen Eindrücken, diese abends aus.
Am nächsten Tag traten wir nach dem Frühstück die Heimfahrt an und kamen mehr als pünktlich an unsere Ausstiegsorte. Eine schöne Reise, auf der viel gesehen und viele schöne Bekanntschaften geknüpft wurden, ging zu Ende.

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