Drei Länder, drei Juwelen oder doch besser ein kostbares Geschmeide mit vielen großen und kleinen Diamanten?
Reisebericht: 23.05. – 31.05.2026
Das Ulmer Münster als höchsten Kirchturm der Welt abgelöst, 100. Todestag von Antonio Gaudi, wir waren da noch bevor Papst Leo XIV. kam, zur internationalen Pfingstmesse. Was für ein Auftakt!
Ein Reisebericht von
Wolfgang Kowalewski
Aus ganz Deutschland auf nach Barcelona
Eine pünktliche Anreise ist in heutigen Zeiten nicht der Normalfall, zumal bei unserer Gruppe die Gäste aus Berlin, Dresden, Frankfurt, Leipzig und Stuttgart unterschiedlich anreisten. Umso größer war die Freude, uns zum noch pünktlicheren Abendessen in Barcelona zu sehen und uns kennenlernen zu dürfen. Da war sie komplett, die Gruppe aus 16 Personen zu einer Reise durch drei Länder. Und man darf es vielleicht jetzt schon sagen, es sollte heiß werden.
Internationale Pfingstmesse in der Sagrada Familia und Susanne in Bestform
Die Nachtruhe musste gut eingeteilt werden. Denn ganz so lange durften wir nicht schlafen. Susanne, unsere örtliche Reiseleiterin wartete schon um 7.30 Uhr von den Türen des Hotels, um uns sanft aber zügig zum Bus zu geleiten. Er sollte uns zur Sagrada Familia bringen, wo uns gleich ein Knaller zu Beginn der Reise erwartete: eine internationale Pfingstmesse in der Sagrada Familia, der höchste Kirchturm der Welt hier erst kürzlich fertig gestellt, pünktlich zum 100. Todestag des Architekten der Kirche, Antonio Gaudi, und wir sollten hier sein, noch bevor Papst Leo XIV. das Bauwerk mit seinem Besuch beehrte und einweihte.
Man muss selbst dabei gewesen sein, um dieses Zusammenspiel von Orgeltönen, Gesängen und Lichteinfall halbwegs beschreiben zu können.
Nach der Messe erläuterte uns Susanne die wichtigsten baulichen Elemente der Sagrada Familia, setzte sie in den entsprechenden religiösen Bezug und dann ging es mit dem Bus schon weiter zur Stadtrundfahrt mit dem Hafen, dem Olympischen Stadion, den zahlreichen Häusern im Zentrum, die natürlich auch Antonio Gaudi erbauen ließ, und vieles mehr.
Am Abend fuhren wir zum Abschluss zum Park Guell, war hat den wohl konzipiert und umgesetzt? Richtig, Antonio Gaudi.
Dieser erste Tag sollte nicht zu überbieten sein oder vielleicht doch vom Abendessen? Tapas satt, in allen Variationen und zum Abschluss einen Likör, den hat übrigens auch Susanne empfohlen.
Salvador Dali, ein Chauffeur namens José und die leutend rote Küste.
Wir saßen im Bus, unser Chauffeur José drückte aufs Gas. Wir verließen Barcelona unter den Klängen von Freddy Mercury und Montserrat Caballé, ein kleiner Gänsemoment an Morgen. Das Ziel an diesem Tag war Figueres, eine Stadt zwei Stunden Fahrtzeit nördlich von Barcelona. Und weshalb fährt man da hin? Wegen eines äußerst kreativen, umstrittenen, provozierenden Künstlers namens Salvador Dali. Nur seine auffälligen Kunstwerke lassen erahnen, in welcher Zeit wir sind. Einige seiner Bilder kommen klassisch daher, fast wie Renaissancemalerei und man denkt nicht, dass wir schon im 20. Jahrhundert sind. Es ist viel rumgekommen in der Welt und doch blieb er seiner Heimat verbunden und würdigte sie mit einem Museum der Superlative.
Von Figueres aus sah man die Pyrenäen, aber die mussten noch warten. José fuhr uns zuerst nach Port-Bou, der Grenzstadt zwischen Spanien und Frankreich, wo wir ein kleines Päuschen einlegten. Dann ging es weiter über die Grenze nach Frankreich, schier endlose Serpentinen musste der Bus rauf und runter und immer wieder malerische Buchten dazwischen. Man erhält eine Ahnung, weshalb sich so viele Künstlerinnen und Künstler hier aufhielten und sich immer noch aufhalten.
Der Abschluss des Tages bildete der Besuch des Städtchen Collioure, schöner und touristischer geht fast nimmer. Aber man muss Collioure schon gesehen haben, die Stadt mit den beiden Hafenbuchten und den malerischen Gassen.
Eine unvollendete Kathedrale, eine lustige und heiße Bootsfahrt und ein Cocktail für den Reiseleiter
José brachte uns ins Zentrum von Narbonne. Wir gingen direkt zur Via Domitia, ein Hinweis darauf, dass die Römer schon da waren. Die Reste dieser römischen Straße kreuzten sich mit der Via Aquitania und so entstand hier im Laufe der Zeit die Hauptstadt Gallia Narbonensis. Nicht weit von hier steht die unvollendete Kathedrale von Narbonne. Unvollendet? Das Geld ging aus und vielleicht war das ganz gut so, wir hätten sonst wahrscheinlich einen uns erschlagenden, riesigen Komplex mitten in der Stadt. Wir gingen einmal um die Kathedrale rum, dann über die Narbonner "Krämerbrücke", in Anlehnung an die bebaute Brücke in Erfurt, nur dass sie hier über den Canal de la Robine geht. Den Abschluss bildete der Besuchs der Markthalle und dann fuhr uns José auf schnellstem Weg zum Canal du Midi.
Man erwartete uns dort schon auf dem Boot, wir legten umgehend ab, ein Apéritif durfte auch genossen werden und schon tat sich vor uns der Tunnel Malpas auf, den wir zweimal durchfahren durften. Danach gab es an Bord lecker Mittagessen mit selbstgemachter Paella als Hauptgericht und da lagen sie vor uns, die neun Schleusen von Fonserannes. Der Rückweg zum Bus war etwas beschwerlich. Was wir mit dem Boot die Schleusen hinab fuhren, mussten wir zu Fuß auch wieder hoch. Da war die Bootsfahrt nicht mehr ganz so lustig, aber das sollte sich gleich wieder ändern mit dem Besuch der Wermut-Fabrik von Noilly~Prat. Der Reiseleiter lauschte den Ausführungen wohl etwas genauer und konnte deshalb beim Quiz einen leckeren Wermut-Cocktail gewinnen und sofort genießen. Also liebe Gäste beim nächsten Mal - aufpassen lohnt sich. Keine Sorge, für die anderen gabs viel leckeren Wermut.
Eine Festung der Superlative, Wein satt und ein Bilderbuchkloster am Ende der Welt
Carcassonne: die einen verbinden den Namen mit der Festung, die anderen mit ihrem architektonischen Retter, Viollet-le-Duc, weitere mit dem gleichnamigen Spiel. Carcassonne ist auch bekannt als Zentrum der Katharer, da wusste ein Teilnehmer ziemlich viel darüber, und als Filmkulisse. Damit ist klar, hier kommen alle auf ihre Kosten, selbst dann, wenn eher die Kulinarik im Vordergrund steht. Wir verschafften uns jedenfalls erstmals einen Überblick über den inneren Bereich der Festung, danach fuhren wir mit dem Bähnchen einmal um die Festung herum und schließlich konnten alle selbst auf Entdeckungstour gehen. Am diesem Tag waren übrigens 38 Grad angesagt, bloß gut, dass die alten Gemäuer überall Schatten warfen.
Corbières, den Namen haben viele schon auf Weinflaschen gelesen. Wir fuhren nach Lezignan-Corbières, mitten ins Zentrum des hiesigen Weinbaus. Eichenfässer neben modernen Aluminiumtanks, eine hochmoderne Abfüllanlage, so wird Wein heutzutage produziert. Der Wein von hier hat schon Medaillen gewonnen, selbst im fernen kanadischen Montreal. Klar, eine Weinprobe durfte da nicht fehlen, angefangen von leicht fruchtig, bis tiefrot und schwer.
Von hier aus war es noch eine halbe Stunde bis zum Kloster Fontfroide. Nein, wir hatten uns nicht verfahren, wie so viele Klöster schien auch dieses am Ende der Welt zu sein. Und genau so stellt man es sich auch vor: Ruhe, Schatten, Abgeschiedenheit, der Geist beruhigt sich.
Perpignan, eines der schönsten Dorfer Frankreichs, ein gelber Zug und Andorra, gar nicht so klein
Wir nutzten die Kühle des Morgens und statteten Perpignan einen Besuch ab. Wir sind zwar in Frankreich, aber die Stadt ist eher katalanisch als französisch. Schon die Schilder am Eingang der Stadt weisen darauf hin, dass hier zwei Sprachen gesprochen werden, katalanisch und französisch. Wir gingen direkt zum Wahrzeichen der Stadt, dem Befestigungsturm Castillet, dann zur Denkerin im Innenhof des gotischen Rathauses, weiter über den Platz der Republik bis zur Kathedrale. Einige gingen später auf eigene Faust zum Palast der Könige von Mallorca, wieder ein Hinweis darauf, dass die Stadt erst seit 350 Jahren zu Frankreich gehört.
Nun brachte uns José in die Pyrenäen und da zuerst nach Villefranche-le-Conflent. Das Dorf darf sich als eines der schönsten Dörfer Frankreichs nennen, das ist es auch, gleichwohl der erste Blick auf die monumentale Vauban-Festung fällt. Hier kann man schön verweilen, aber Achtung, der Blick sollte hin und wieder zur Uhr gehen. Der Gelbe Zug wartet nämlich nicht. 16.18 Uhr ist Abfahrt. Das ist natürlich kein "normaler" Zug, er ist ein Liebling des Touristen hier in der Gegend und führt über unzählige Tunnel, Brücken und Serpentinen bis nach Font Romeu. Um das richtige Foto aus dem Zug heraus zu knipsen, musste man allerdings gekonnt balancierend die Seiten im Zug wechseln können.
Von Font Romeo aus ging es immer weiter hinauf. Wir sahen sogar noch Schnee und am späten Abend erreichten wir unser Hotel in Andorra, naja, es bedurfte zweier Versuche. Aber das behalten wir unter uns. Das bleibt unser Geheimnis.
Helga und José, ein eingespieltes Team, obwohl gerade erst kennengelernt
Helga, unsere örtliche Reiseleiterin in Andorra, holte uns zeitig im Hotel ab, José hatte den Bus unweit in Stellung gebracht. Beide hatten sich noch nie gesehen, gleichwohl sollten sie ein super Team sein, mit dem es heute hoch hinaus gehen sollte. Aber zunächst besuchten wir das Museum in Ordino, ein ehemaliges Wohnhaus einer wohlhabenden Familie in Andorra. Das Haus ist so gemütlich eingerichtet, dass man direkt einziehen möchte, auch das Weinfass scheint funktionsfähig zu sein und in der Bibliothek sind allerhand Bücher, dass es nicht langweilig wird. Wir besichtigten anschließend die kleine Kirche des Dorfes und dann fährt uns José weit nach oben. Der Bus schafft es bis zum Port de Cabus auf 2.302 Metern. Hier haben wir nicht nur die Gelegenheit, mit einem Bein in Spanien und dem anderen in Andorra zu stehen. Ein letztes Schneefeld verzückte die männlichen Teilnehmer des Reise so sehr, das sie sich wieder an ihre Tage als Jungs erinnerten, wo man Schneebälle den Mädels in den Rücken steckte. Deren jetziges Alter schützte an diesem Tag nicht vor Torheit. Anschließend fuhren wir in eine typische andorranische Borda, ein Lokal, in dem deftige, regionale Küche serviert wird.
Am Nachmittag statteten wir dem Heiligtum von Andorra einen Besuch ab, der Wallfahrtskirche Meritxell, wo alte Bausubstanz so gekonnt auf moderne Materialien trifft, dass eine Harmonie aus Alt, Neu und der Umgebung entstehen kann. Mittelpunkt des gesamten Anwesens ist die Marienstatue von Meritxell, eine Nachbildung der im Jahre 1972 leider verbrannten originalen Figur.
Andorra la Vella und Montserrat
Unser Besuch in Andorra wurde mit der Hauptstadt Andorra la Vella beendet. Helga brachte uns zum Parlament und erklärte uns hier die Geschichte des Landes vom 12. Jahrhundert bis in die Moderne. Bei der Besichtigung des historischen Parlaments waren wir erstaunt, dass es sich um ein Wohnhaus handelte, in dem ein kleiner Raum das Parlament beherbergte. Und noch überraschender ist es, wenn man die Fotos der beiden Staatsoberhäupter sieht, auf der einen Seite den Bischof von Urgell in Spanien und auf der anderen den französischen Staatspräsidenten. Ja, Andorra ist der einzige Staat der Erde, wo zwei ausländische Staatsbürger die Staatsspitze bilden. Wir hatten noch die Gelegenheit, die Hauptstadt auf eigene Faust zu erkunden. Die Einkaufsstraße mit ihren unzähligen Geschäften ließ die Zeit schnell verstreichen und so manchen Geldbeutel leerer werden.
Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Spanien. Wir wurden dabei zweimal kontrolliert, von der andorranischen und der spanischen Seite. Der Andrang an der Grenze war an diesem Tag kein geringer. Unser Chauffeur fuhr uns danach über endlose Serpentinen durch die Pyrenäen und später hoch hinauf auf den Montserrat. Dort mussten wir leider unseren lieb gewonnenen José verabschieden, unser Hotel beziehen und dann stand noch ein wichtiger Programmpunkt an: der Besuch der Schwarzen Madonna von Montserrat.
Von unseren Hotelzimmern aus sah man, wie mit einbrechender Nacht die Zahl der Besucher immer geringer wurde und der Platz vor der Basilika immer mystischer und spiritueller. Das blieb so bis um 5.45 Uhr, bis die erste Glocke auch den am tiefsten Schlafenden signalisierte, dass die Nachtruhe jetzt vorbei ist und ein neuer Tag beginnt.
Ein kleiner Sturm in Frankfurt mit kleinen Auswirkungen auf unsere Rückreise
Das Gepäck wurde zum Busparkplatz vor dem Kloster transportiert und es dauerte nicht lange, bis ein neuer José mit seinem Kleinbus uns in Empfang nahm und zum Flughafen nach Barcelona brachte. Wir waren so stolz, dass wir das mit den digitalen Services am Flughafen irgendwie alle geschafft hatten, die Sicherheitskontrolle war passiert. Da kamen die Nachrichten, dass die Anschlussflüge nach Dresden und Leipzig annulliert wurden. Ein Sturm in Frankfurt sollte unseren Abflug verzögern und in Frankfurt angekommen, tönten überall Durchsagen, dass das mit dem Gepäck nicht so richtig klappen würde heute. Und nun? Wieder ran an die digitalen Services, mit einem Code die Fahrkarte mit dem Zug generieren und dann schnell zum Zug und nix wie weg. So kamen tatsächlich alle noch am Heimatort an, das Gepäck wurde nachgeliefert. Nur der Reiseleiter strandete in Frankfurt, der fand aber ganz in der Nähe ein Hotel und gönnte sich nach getaner Arbeit ein Hefeweizen.
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