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Pilgern auf dem Portugiesischer Jakobsweg

Reisebericht: 25.03. – 02.04.2026

Vom Douro bis zum Miño: Wir folgten dem Ruf des portugiesischen Jakobswegs. Zwischen blühenden Kamelien und wilder Atlantikküste fanden wir bei ungewohntem Kaiserwetter unseren ganz eigenen Pilgerweg.

Sabine C. Seifert

Ein Reisebericht von
Sabine C. Seifert

Portugal, Festungsstadt Valença – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Portugiesischer Jakobsweg nach Baiona – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Portugiesischer Jakobsweg nach Baiona – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Hotel Bahia Baiona – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Auf dem Pilgerweg nach Baiona – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Portugiesischer Jakobsweg Etappe nach Pontevedra – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, portugiesischer Jakobsweg, Pausen müssen sein – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Padrón, Convento del Carmen – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Padrón, Kloster der Unbeschuhten Karmeliter – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Spanien, Padrón, Pulpo – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Portugal, Windmühlen am Wegesrand – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL) Portugal, Camino Portugués, Küstenwanderung mit Sabine – © Sabine C. Seifert (Eberhardt TRAVEL)

25.03.2026

Bom Dia, Unser Abenteuer auf dem Caminho Português konnte beginnen:
Der Abschied aus Deutschland war... nun ja, nass. Unter einem grauen Wolkenschleier und bei Regen sind wir abgehoben, doch das Flugzeug hat für uns die Sonne gesucht. Als wir in Porto landeten, empfing uns Portugal von seiner besten Seite: strahlender Sonnenschein, milde 22°C und eine Brise, die bereits nach dem nahen Atlantik duftete.
Porto wartete auf uns.
Der Weg zu unserem Hotel war ein kleines Slalom-Abenteuer. Porto ist aktuell eine einzige, pulsierende Baustelle – überall wird gegraben, restauriert und für die Zukunft der Stadt (und die neue Metro) gearbeitet. Nach ein paar Schleifen um Absperrgitter und Umleitungen erreichten wir nach geraumer Zeit glücklich unser Ziel.
Am Nachmittag tauchten wir ein in die Ruhe der Jardins do Palácio de Cristal. Wir passierten die imposante Super Bock Arena, die offiziell eigentlich Pavilhão Rosa Mota heißt – benannt nach der legendären portugiesischen Marathonläuferin. Von dort aus genossen wir die ersten Panoramablicke über den Douro Zwischen den kunstvoll angelegten Beeten und alten Bäumen wartete dann ein ganz besonderes Empfangskomitee auf uns: Die stolzen Pfauen schlugen ihre Räder, als hätten sie gewusst, dass wir von Eberhardt Travel mit gezückten Kameras vorbeikommen.
Noch ein paar Fotos von den blühenden Kamelien, bevor wir uns auf den Weg vorbei an den melancholischen Ruinen des Convento de Monchique machten. Ein Ort, der eng mit der Geschichte und den Werken des Schriftstellers Camilo Castelo Branco verknüpft ist.
Den Tag ließen wir dort ausklingen, wo das Herz der Stadt schlägt: am Ufer des Douro. Nach einem Spaziergang zur ikonischen Ponte Dom Luís I., dem stählernen Wahrzeichen eines Schülers Gustave Eiffels, kehrten wir im Chez Lapin ein. Bei fantastischem Essen, einem Glas Wein stellte sich die Vorfreude auf die ersten Kilometer unserer morgigen Wanderung ein. Doch zuerst einmal hieß es für heute Ausruhen!

26.03.2026 Von Glücksbringern, Markttreiben und dem ersten Schritt auf gelbem Grund

Heute Morgen empfing uns Barcelos mit jenem strahlenden Frühlingslicht, das uns nach unserem gestrigen Aufbruch auch heute wieder so treu begleitet, und bei milden Temperaturen und wolkenlosem Himmel fiel es uns unglaublich leicht, direkt in die tiefen Legenden dieser Stadt einzutauchen. Unser Tag begann prachtvoll an der Kirche Bom Jesus da Cruz, deren wuchtige Barockfassade mit ihren dunklen Granitverzierungen in der Morgensonne glänzte und uns ein erstes beeindruckendes Zeugnis portugiesischer Baukunst lieferte. Barcelos ist jedoch vor allem die Heimat des berühmten Hahns, jenes bunten Glücksbringers, der hier an jeder Ecke an die Legende vom rettenden Wunder erinnert und uns als treuer Begleiter in Portugal ein Stück begleiten würde. Ein kurzer Spaziergang durch die verwinkelten Gassen führte uns danach hinunter zum Fluss Cávado, wo die markanten Ruinen des Palastes der Herzöge von Bragança thronen und der verbliebene Schornstein wie ein steinerner Finger in den azurblauen Himmel ragt. Bevor wir jedoch die Wanderschuhe schnürten, tauchten wir noch in das pulsierende Herz der Stadt ein und besuchten den traditionellen Wochenmarkt, die Feira de Barcelos, die bereits seit dem Jahr 1412 besteht und uns mit ihrer unglaublichen Vielfalt völlig in den Bann zog. Zwischen dem Duft von frischen Blumengestecken, regionalem Obst und Gemüse fanden wir kurioserweise alles von Matratzen bis hin zu massiven Möbeln, ein herrlich authentisches Spektakel, das wir bei einem letzten Kaffee in der Altstadt auf uns wirken ließen.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Vitorino dos Piães, einem malerischen Dorf, das eingebettet in sanfte grüne Hügel den perfekten Rahmen für unseren Start auf dem Camino Português bot. Hier durften wir endlich in die ersehnte Ruhe und Stille der Natur eintauchen und übten uns zuerst in der Orientierung an den Jakobsmuscheln und den gelben Pfeilen; an jeder Wegkreuzung hielten wir inne, um genau nach den gelben Markierungen zu schauen und uns nicht von den grünen oder pinken Zeichen beirren zu lassen, doch schon nach kurzer Zeit klappte das wunderbar und unser Auge war für die rechte Fährte geschult. Der Weg führte uns auf angenehmen Pfaden an den wunderbar blühenden Zantedeschien, den Callas und einigen kleinen Kapellen vorbeiführte, wobei uns die schlichte Schönheit der Landschaft immer wieder staunen ließ, bis wir schließlich Ponte de Lima erreichten, die wohl charmanteste Stadt am Ufer des Lima. Nach unserer Ankunft kehrten wir in eine gemütliche Bar ein, wo nach und nach alle Gruppenmitglieder eintrafen und wo die ersten Mutigen mit einem erfrischenden Porto Tonic- Cocktail auf den ersten geschafften Wegabschnitt anstießen. Bevor es schließlich zum Hotel ging, bewunderten wir noch die 24 Statuen der römischen Soldaten am Flussufer und schossen ein letztes Foto von der berühmten mittelalterlichen Brücke, die im weichen Abendlicht einfach zauberhaft aussah. Den kulinarischen Höhepunkt erlebten wir danach im Restaurant Arçude, wo wir bei einer Tafel voller Vorspeisen, köstlichem Bacalhau, zartem Steak und einer Auswahl an süßen Nachspeisen die Erlebnisse Revue passieren ließen. Mit dem Bild der wunderbar beleuchteten Brücke, die sich golden im dunklen Wasser des Flusses spiegelte, kehrten wir nun voller Vorfreude auf den morgigen Tag in unser Hotel zurück.

27.03.2026 Grenzgänge, Römerpfade und das ferne Rauschen der Neuen Welt

Erneut starteten wir bei Kaiserwetter und frühlingshafter Milde in einen Tag, der uns über Grenzen und durch die Zeit führen sollte. Unser Abenteuer begann in der portugiesischen Grenzstadt Valença, deren gewaltige Festungsanlage wie eine Krone auf dem Hügel thront und uns einen atemberaubenden Weitblick über den glitzernden Fluss Miño bis hinüber nach Spanien schenkte. Während wir über die alten Mauern blickten, lauschten wir gespannt den Geschichten über die Wikinger, die einst diesen Fluss hinaufsegelten, um das Landesinnere heimzusuchen – eine Vorstellung, die der friedlichen, sonnenbeschienenen Kulisse von heute einen Hauch von Schauder verlieh. Ein kurzer Sprung über die Grenze brachte uns in den spanischen Wallfahrtsort Tui, wo sich die Altstadt eng an die imposante Kathedrale Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert schmiegt; wir warfen einen bewundernden Blick in das kühle, ehrwürdige Kirchenschiff, bevor es uns wieder hinaus in die Wärme zog. Mit dem Bus legten wir die Strecke nach Porto Mougás zurück, wo unsere zweite Wanderetappe direkt an der wildromantischen Küste begann. Diese Strecke forderte uns ein wenig mehr heraus und fühlte sich ziemlich lang und intensiv an, besonders als wir den berüchtigten gelben Asphaltweg erreichten, vor dem so viele Pilger warnen – doch wir meisterten ihn mit Bravour und dem Blick auf den Leuchtturm Cabo Silleiro als treuem Wegweiser. Es folgte ein knackiger, steiler Anstieg durch schattige Wälder, wo wir über große, uralte Steine stiegen und ehrfürchtig die tiefen Rinnen entdeckten, die die Räder römischer Wagen vor Jahrtausenden in den Fels gegraben hatten; ein Moment, der uns die Vergänglichkeit und zugleich die Beständigkeit des Weges vor Augen führte. Von weitem grüßte uns schließlich die Festung Monterreal, die über dem Meer thront und heute als Parador-Hotel dient – genau dort hatten wir uns alle zu einem wohlverdienten Kaffee verabredet, während wir den Blick auf die Bucht von Baiona genossen. Baiona selbst ist ein Ort voller Geschichte, denn hier landete einst die Karavelle „La Pinta“ und brachte die Nachricht von der Entdeckung der Neuen Welt nach Europa. Da unser Hotel direkt am Atlantik lag, gab es für einige kein Halten mehr: Die müden Wanderfüße durften endlich ins kühle, salzige Nass eintauchen, was für eine Erfrischung! Den Abend verbrachten wir in wunderbarer Stimmung, lachend und schwatzend bei einem köstlichen Abendessen, während eine Gruppe junger Basketballer im Hotel für ordentlich Trubel sorgte. Sie hielten uns mit ihrer Energie noch ein wenig länger wach und erinnerten uns schmunzelnd daran, dass in Spanien die Uhren und das Leben am Abend einfach ein wenig lebhafter ticken.

28.03.2026 Das Versailles Galiciens, die Wiege des Albariño und die Muschelkirche auf La Toja

Heute hat das Leben einmal mehr gezeigt, dass Umwege oft die schönsten Entdeckungen bereithalten, während die galicische Sonne bei frühlingshafter Wärme erneut von früh bis spät als treuer Begleiter fungierte. Da das Castelo de Soutomaior derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen bleibt, führte der Weg stattdessen zum Pazo de Oca – und was für ein herrlicher Tausch das war! Nach einem frühen Start bot eine exklusive Führung tiefe Einblicke in dieses herrschaftliche Anwesen, das völlig zu Recht als das „Versailles von Galicien“ bezeichnet wird, bevor nach Herzenslust in der weitläufigen Gartenanlage zwischen barocken Wasserspielen und blühender Pracht gewandelt werden konnte.
Danach führte die Reise in die malerische Küstenstadt Cambados, wo am geschichtsträchtigen Torre de Hommage die Suche nach dem dortigen geheimnisvollen Spruch im Mittelpunkt stand, bevor wir uns der flüssigen Seele Galiciens widmeten: einem ersten Glas des spritzigen Albariño. Diese edle Weißweintraube, die in dieser Region ihre Perfektion erreicht, bot mit ihren feinen Aromen die ideale Erfrischung unter der warmen Mittagssonne. Der Weg setzte sich fort zur Halbinsel O Grove und zur mondänen Isla de la Toja, wo die berühmte, vollständig mit Jakobsmuscheln verkleidete Kapelle ein einzigartiges Fotomotiv bot und die tiefe Verbundenheit der Region zum Meer versinnbildlichte.
Schließlich erreichten wir Pontevedra, die Provinzhauptstadt mit ihrem ganz besonderen Lebensgefühl. Auch wenn sich die Kirche La Peregrina, das Wahrzeichen der Stadt mit ihrem ungewöhnlichen Grundriss in Form einer Muschel, aufgrund von Renovierungsarbeiten in ein Gerüst hüllte, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Ein ausgiebiger Bummel durch die historische Altstadt verdeutlichte, warum Pontevedra weltweit als Vorbild gilt: Seit 1999 ist der Stadtkern fast vollständig autofrei, was für eine außergewöhnliche Ruhe und eine entspannte Atmosphäre in den verwinkelten Gassen sorgt. Den Krönung dieses ereignisreichen Tages bildete ein geselliges Beisammensein, bei dem die vielfältigen Eindrücke zwischen herrschaftlichen Gärten und salziger Meeresluft noch lange nachwirkten.

29.03.2026 Austernbänke, ˋder Camino richtet esˋ & das grüne Band des Río Gafos

Der heutige Tag begann in Arcade unter einem wolkenlosen Himmel, der das tiefblaue Wasser der Bucht in ein glitzerndes Juwel verwandelte, während die frühlingshaften Temperaturen uns erneut ideale Wanderbedingungen schenkten. Von der berühmten Brücke „Puente de la Ría“ aus schweifte unser Blick über den Fluss Verdugo hin zu den charakteristischen Flößen, auf denen die weit über die Grenzen Galiciens hinaus geschätzten Austern gezüchtet werden – ein stilles Zeugnis der maritimen Schätze dieser Region. Wir wollten heute ganz bewusst das authentische Gefühl erleben, nach einer echten, ununterbrochenen Pilgeretappe direkt in unserer Unterkunft anzukommen, und genossen daher in vollen Zügen diesen gesamten Tag des Pilgerns. Wir überquerten die prächtige mittelalterliche Brücke von Pontesampaio, wo einst napoleonische Truppen eine schwere Niederlage erlitten, und genau im Anschluss daran forderte uns der steile Anstieg direkt durch den Ort heraus, der uns ordentlich ins Schwitzen brachte, aber mit weiten Ausblicken belohnte.
Auf der Hälfte der wanderetappe geschah das, was man oft über den Jakobsweg sagt: Der Camino richtet es. Wie durch Zufall trafen wir uns alle in der Bar Casa Fermín wieder, eine jener wunderbaren Fügungen, die diesen Weg so besonders machen. Kurz danach trafen wir die wohl beste Entscheidung des Tages und wählten den Alternativweg entlang des Río Gafos. Dieser Pfad führte uns in eine völlig andere Welt; durch einen dichten Auenwald ging es auf weichem Boden direkt am Ufer entlang. Das stete, klare Geplätscher des Flusses und das Rascheln der Pflanzen ersetzten den Straßenlärm und ließen uns die Zeit vergessen. Es war ein ehrlicher Naturgenuss, kühl und unaufgeregt, der uns bis kurz vor den Ortseingang von Pontevedra begleitete. Unterwegs trafen wir auf viele Gleichgesinnte, und das freundliche „¡Buen Camino!“ begleitete uns wie ein schützendes Band durch den Tag.
In der Stadt angekommen, ließen wir den historischen Brunnen Ferrería links liegen und steuerten direkt das Herz der autofreien Altstadt an. Die belebten Plätze rund um die muschelförmige Kapelle der Virxe Peregrina boten die perfekte Kulisse, um bei einem spritzigen Tinto de Verano und einer Auswahl regionaler Tapas den Tag ausklingen zu lassen. In der entspannten Atmosphäre dieser besonderen Stadt, in der das Leben ohne Autos seinen ganz eigenen, entschleunigten Rhythmus findet, fühlten wir uns am Ziel des heutigen Tages angekommen.

30.03.2026 Botanische Wunder, der Ursprung des Jakobsweges und das goldene Ziel

Der heutige Morgen empfing uns am Pazo de Rubianes mit einer Eleganz, die uns sofort in ihren Bann zog. Unter einem strahlend blauen Himmel und bei frühlingshafter Milde führte uns July mit so viel Leidenschaft und Wissen durch dieses botanische Juwel aus dem 15. Jahrhundert, dass die Zeit wie im Flug verging. Wir wandelten unter jahrhundertealten Japanischen Zedern und Magnolien, bestaunten die seltenen, leuchtend gelben Magnolien und verloren uns fast in der Pracht der unzähligen Kamelien, die diesen Landsitz zu einem „Garden of Excellence“ machen. Den krönenden Abschluss bildete eine Verkostung des exquisiten, hauseigenen Albariño; ein spritziger, fruchtiger Weißwein, der direkt aus den umliegenden Weinbergen stammt und uns perfekt auf den weiteren Tag einstimmte.
Danach führte uns die Reise nach Padrón, wo das Städtchen bereits festlich und voller Vorfreude auf die Osterfeierlichkeiten geschmückt war. In der Kirche Santiago hielten wir ehrfürchtig inne, um den legendären „Pedrón“ zu bestaunen – jenen römischen Stein unter dem Altar, an dem einst das Schiff mit den Gebeinen des Apostels Jakobus festgemacht haben soll und der dem Ort seinen Namen gab. Mit dieser historischen Energie im Rücken erklommen wir die steinernen Treppen hinauf zum Kloster der Karmeliter, von wo aus sich uns ein fantastischer Ausblick über die Stadt bot, während wir mehr über das stille, asketische Leben der Mönche erfuhren.
Zur Stärkung kehrten wir im Restaurant Rial ein, um das Herzstück der galicischen Kulinarik in ihrer reinsten Form zu probieren: Pulpo à Feira, den butterzarten, mit Paprika verfeinerten Oktopus auf traditionellen Holztellern. Nach einem kurzen Abstecher zum nahegelegenen Kloster in Herbón, der geschichtsträchtigen Wiege der weltberühmten Padrón-Paprikas, war es schließlich so weit – das große, sehnsuchtsvoll erwartete Ziel Santiago de Compostela wurde angesteuert.
Bei einem ersten Spaziergang durch den Park Alameda hielten wir alle für einen Moment den Atem an, als sich zwischen den alten Bäumen der erste, majestätische Blick auf die Türme der Kathedrale eröffnete; ein wahrer Gänsehautmoment, der die Anstrengungen der letzten Tage augenblicklich vergessen ließ. Während einige von uns diesen Moment direkt bei der Teilnahme an der feierlichen Pilgermesse vertieften, ließen wir den Abend bei einem opulenten Festmahl im Restaurant Mesón 42 ausklingen. In geselliger Runde stießen wir auf unsere Reise und die gemeinsam zurückgelegten Kilometer an, während draußen die Lichter von Santiago die steinerne Stadt in ein zauberhaftes Gold tauchten.

31.03.2026 Das Ende der Welt, Meeresrauschen und galicische Giganten

Mit dem Nachhall der Kathedrale im Herzen verließen wir heute Morgen das pulsierende Santiago für einen ereignisreichen Tagesausflug Richtung Atlantik, der uns bei gewohnt strahlendem Frühlingswetter und einer frischen Brise empfing. Unser erster Halt führte uns im sanften Morgenlicht zur Cascada de Ézaro – ein Naturschauspiel der Extraklasse, bei dem sich der Fluss Xallas, früher mit Urgewalt, über glatt geschliffene Granitfelsen direkt in den Ozean stürzt. Von den hölzernen Stegen aus beobachteten wir staunend die aufsteigende Gischt, bevor wir das nahegelegene Carnota erreichten. Dort standen wir ehrfürchtig vor dem (zweit)größten Hórreo Spaniens; dieser steinerne Getreidespeicher von fast 35 Metern Länge ragt wie ein Monument galicischer Tradition in den wolkenlosen Himmel.
An der Playa de Langosteira begann schließlich der sinnliche Teil unserer heutigen Etappe. Wir zogen die Schuhe aus, spürten den feinen Sand unter den Füßen und suchten zwischen den sanft anrollenden Wellen nach Muscheln, die das Meer hier großzügig an den Strand wirft. Nach einem entspannten Bummel durch den kleinen Fischerort Finisterre, der Zeit für ein Eis oder einen Kaffee in der Sonne ließ, begann der stetige Aufstieg zum Cabo Fisterra. Mit jedem Schritt weitete sich der spektakuläre Blick über den tiefblauen Ozean, bis wir schließlich am Leuchtturm standen – dem antiken „Ende der Welt“. Dort wartete eine wunderbare Überraschung auf uns: Unsere Reiseleiterin Sabine zauberte plötzlich Kuchen und Likör hervor, um unser heutiges „Geburtstagskind“ hoch oben über den Klippen gebührend zu feiern.
Die Weiterfahrt nach Muxía zeigte uns den Atlantik dann von seiner wilden, ungezähmten Seite. Hohe Wellen peitschten gegen die riesigen, bizarren Steinformationen rund um das Santuario da Virxe da Barca, jene Kapelle, die direkt an der Brandung auf den Felsen thront. Wir hielten einen Moment inne am Monument „A Ferida“ (Die Wunde), einer gewaltigen, gespaltenen Granitstele, die als Mahnmal an die ökologische Katastrophe der „Prestige“ erinnert und heute stumm über die zerklüftete Küste wacht.
Den krönenden Abschluss dieses langen Tages bildete am Abend die Rückkehr nach Santiago und ein zünftiges Pilgermahl in der legendären Casa Manolo, wo wir bei gutem Wein und deftiger Hausmannskost das Gefühl genossen, nun wirklich als Gemeinschaft angekommen zu sein.

01.04.2026 Küstenzauber, Panoramablicke und ein wehmütiger Fado–Abschied

Nach einem letzten Frühstück im quirligen Santiago hieß es heute Abschied nehmen von der Stadt des Apostels. Wir folgten der Küstenlinie gen Süden zurück nach Portugal und genossen dabei das wunderbare Privileg, durch den Grenzübertritt eine Stunde geschenkt zu bekommen – Zeit, die wir für einen letzten, intensiven Kontakt mit dem Atlantik nutzten.
Unsere finale Wanderung startete am markanten Leuchtturm von Montedor. Es war ein tief entspannender Ausklang: Zur Rechten das beständige Rauschen der rauen Brandung, zur Linken traumhafte, naturbelassene Strandabschnitte, die uns ein letztes Mal den Duft von Freiheit und Salz in die Nase trieben. In Viana do Castelo angekommen, direkt am weichen Sandstrand, schloss sich der Kreis unserer Reise bei einem gemeinsamen, kühlen Porto Tonic unter der wärmenden Frühlingssonne.
Doch die Stadt hielt noch ein weiteres Highlight für uns bereit: Die Fahrt hinauf zum Berg Santa Luzia. Die dortige Basilika, ein neomanuelinisches Meisterwerk, thront wie ein Wächter über der Mündung des Lima. Einige von uns ließen es sich nicht nehmen, die schmalen Stufen bis zur Kuppel hinaufzusteigen, um den legendären Ausblick zu genießen – ein Panorama, das das glitzernde Flusstal, den tiefblauen Ozean und die rote Dächerwelt der Stadt zu einem Gemälde vereinte. Nach dem Einchecken blieb Raum für eigene Entdeckungen in den romantischen Gassen. Ob beim Verweilen an der „Praça da República“, einem der schönsten Plätze des Landes, mit Blick auf den prachtvollen Renaissancebrunnen und ein Glas spritzigen Vinho Verde, oder bei einem Streifzug zum Hafen, wo das geschichtsträchtige Hospitalschiff Gil Eannes aus dem Jahr 1955 als stiller Zeuge vergangener Seefahrertage im Becken ruht.
Den krönenden und hochemotionalen Abschluss unserer Reise erlebten wir am Abend im Restaurant Amália em Viana. Bei einem letzten gemeinsamen Abendessen tauchten wir tief in die portugiesische Seele ein: Live gespielter Fado erfüllte den Raum, jene melancholische und doch kraftvolle Musik, die von Sehnsucht und Schicksal erzählt. Inmitten dieser Klänge ließen wir gemeinsam mit liebgewonnenen Wanderfreunden die Erlebnisse der letzten Tage in Portugal und Spanien Revue passieren. Es war ein Abend voller Dankbarkeit für die Wege, die wir geteilt, die Pfeile, denen wir gefolgt, und die Momente, die uns als Gemeinschaft zusammengeschweißt haben.

02.04.2026 Der letzte Blick zurück – Ein Rucksack voller Sternenstaub

Pünktlich um 8 Uhr setzte sich unser Bus heute Morgen in Bewegung, und während wir Viana do Castelo hinter uns ließen, war es im Inneren einen Moment lang ganz still. Ein letztes Mal begleitete uns das vertraute, milde Frühlingslicht auf der kurzen Fahrt Richtung Porto, doch dieses Mal blickten wir nicht nach vorne auf den nächsten gelben Pfeil, sondern ließen die Bilder der vergangenen neun Tage wie einen Film an uns vorbeiziehen.
Hinter uns liegen Kilometer voller Kontraste: das bunte Markttreiben von Barcelos, das rhythmische Klacken der Wanderstöcke im grünen Auenwald des Río Gafos und die raue, salzige Gischt an den Klippen von Muxía. Wir haben Grenzen überquert – nicht nur die zwischen Portugal und Spanien auf der Brücke über den Miño, sondern auch persönliche, als wir die steilen Römertreppen bezwangen oder den berüchtigten gelben Asphaltweg hinter uns ließen. Wir haben gelacht, als der Jakobsweg uns wie durch Zauberhand in der Casa Fermín wieder zusammenführte, und wir haben geschwiegen, als die Türme der Kathedrale von Santiago zum ersten Mal zwischen den Bäumen des Alameda-Parks auftauchten.
Nun ist der Moment gekommen, in dem die Wanderschuhe, noch gezeichnet vom Staub der galicischen Erde und dem Sand der Playa de Langosteira, im Koffer verstaut werden müssen. Doch was wir mit nach Hause nehmen, wiegt schwerer als jedes Gepäckstück: Es ist ein Rucksack voller wunderbarer Erinnerungen, der Duft von frisch gegrilltem Pulpo, der Geschmack des ersten Albariño und das Echo der Fado-Klänge, die uns gestern Abend so tief berührt haben. Am Flughafen von Porto hieß es schließlich Abschied nehmen – von einer Landschaft, die uns verzaubert hat, und von einer Gemeinschaft, die in diesen Tagen zusammengewachsen ist. Mit einem wehmütigen, aber glücklichen Lächeln treten wir die Heimreise an, im Wissen, dass ein Teil unseres Herzens wohl immer irgendwo zwischen den gelben Pfeilen und dem weiten Horizont des Atlantiks bleiben wird.


War unser Weg „echtes“ Pilgern? Wir haben gelernt: Pilgern ist kein Wettbewerb der Entbehrung, sondern ein Zustand des Herzens. Was nachhallt, ist die Freude über kleine Siege am Wegesrand und die Intensität der Erlebnisse, die uns als Gruppe zusammengeschweißt haben. Ein wahres Wunder war unser Begleiter: das Wetter. Dass uns Galicien neun Tage lang mit ungetrübtem Sonnenschein und frühlingshafter Milde verwöhnte, grenzt an ein Geschenk. Dieses Licht tauchte den Ozean bei Finisterre und die Auenwälder am Río Gafos in Farben, die wir nie vergessen werden. Wir kehren heim mit der Gewissheit, dass der Weg uns genau das gegeben hat, was wir brauchten: Staunen, tiefe Zufriedenheit und pures Glück unter der Sonne des Nordens. Der Camino endet nicht in Santiago – er wandert in unseren Herzen mit


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