Wandern auf La Gomera – Kanaren–Insel im Atlantik vom 06. bis 13.03.2026 (ES–WAGOM)
Reisebericht: 06.03. – 13.03.2026
La Gomera begeistert: aktiv entdecken wir wildromantische Naturregionen, friedliche, magische Orte und herrliche Panoramen über Meer und Landschaft dieser bezaubernden Kanaren-Insel.
Ein Reisebericht von
Susanne Hofen
1. Tag: Anreise über Teneriffa nach La Gomera
Individuelle Anreise zum Flughafen von Teneriffa.
Bereits beim Landeanflug halten wir Ausschau nach dem Pico de Teide, mit seinen 3715 Metern Spaniens höchster Berg und Wahrzeichen der bekanntesten der Kanarischen Inseln – Teneriffa.
Nach Landung und Gepäckausgabe trifft sich ein Teil unserer Gruppe im Ankunftsbereich des Flughafens. Das Empfangskomitee ist an dem Schild von "Eberhard-Travel" zu erkennen.
Wir stellen unsere Uhren eine Stunde zurück und freuen uns auf die vor uns liegenden Urlaubstage, in denen wir neue Gefilde entdecken möchten und werden.
Nach einer kurzen Begrüßung geht es zum Fährhafen in Los Cristianos, um dort die Zeit bis zur Überfahrt zu überbrücken. Rechtzeitig bevor die Fred Olsen Fähre ablegt, treffen weitere Reisegäste unserer Reisegruppe am Hafenterminal ein.
(Wegen einer Flugverspätung kommen die Gäste aus Leipzig mit der Abendfähre nach La Gomera, wo ich sie am Fährhafen in Empfang nehme.)
Nach einer knappen Fahrtstunde erreichen wir San Sebastian, die Hauptstadt von La Gomera im Südosten der Insel.
Die Überfahrt über den Atlantik ist heute nicht so ruhig, wie ich sie bei früheren Reisen erleben durfte und manche Gäste sind recht froh, in Kürze wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Immerhin ist La Gomera bald in der Ferne zu erahnen, beinahe kreisrund, mit imposanten Steilküsten. Geologisch gilt heute als gesichert, dass sie vulkanischen Ursprungs ist – seit etwa 2,5 Millionen Jahren ohne Ausbrüche.
Wir legen im Hafen von San Sebastián an und werfen einen ersten Blick auf den Yachthafen sowie den erhabenen Hügel mit dem Parador Nacional, dem Hotel der spanischen Hotelkette mit spektakulärem Ausblick. Diesen Bereich werden wir in den nächsten Tagen noch näher erkunden.
San Sebastián zählt rund 9.000 Einwohner und besticht durch die kurzen Wege und die Ruhe. Die Stadt liegt geschützt in einer Bucht am Rand des Barranco de la Villa. Die charakteristischen, historischen Bauten erzählen von der langen Inselgeschichte und nicht ohne Stolz darüber, dass Christoph Kolumbus auf seinen Reisen in die Neue Welt La Gomera als Zwischen- und Aufenthaltsort wählte.
Unser Hotel liegt zentral in der Fußgängerzone. Auf der Rückseite lädt der Stadtpark zum Verweilen ein, und mittendrin thront der Torre del Conde als prächtiger Festungsturm aus dem 15. Jahrhundert. Als erstes militärisches Bauwerk der Inselgruppe ist er heute das Wahrzeichen von San Sebastián und gleichzeitig Namensgeber unseres Hotels.
Auch der Hafen und Badestrand mit schwarzem Sandstrand sind schnell und bequem zu Fuß in etwa 500 Metern zu erreichen.
Bis zum Abendessen bleibt noch etwas Zeit zum „Ankommen“, Frischmachen oder auch einer kleinen Erkundungsrunde durch den Ort.
Im Hotelrestaurant treffen wir uns später, um zunächst mit einem Glas Sekt auf die bevorstehenden gemeinsamen Tage anzustoßen. Dann freuen wir uns auf das Abendessen und lassen uns die Speisen vom Buffet schmecken.
Den unverschuldet verspäteten Gästen wird eine kleine Mahlzeit auf die Zimmer gestellt, keiner muss die erste Nacht hungrig verbringen.
Für alle war heute ein langer Tag, so dass man sich nach einem ersten Austausch und Kennenlernen bald für die Nacht verabschiedet.
Übernachtung im Hotel Torre del Conde, San Sebastian.
2. Tag: Aussichtsreiche Wanderung auf dem Dach der Insel im Nationalpark Garajonay
Nach einer erholsamen ersten Nacht beginnt der Tag ganz entspannt im Hotelrestaurant, wo ein reichhaltiges Frühstücksbuffet auf uns wartet – der perfekte Start für die bevorstehenden Erlebnisse. Mit ausreichend Wasser und etwas Proviant im Gepäck, den wir bequem im nahegelegenen Supermarkt besorgen können, und gerüstet für Wind und Wetter, machen wir uns voller Vorfreude auf den Weg zu unserem ersten Wanderausflug.
Unsere heutige Etappe führt uns in das grüne Herz des Garajonay-Nationalparks – ein Ort, der uns mit seiner einzigartigen Natur und stillen Magie sofort in den Bann ziehen wird.
Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein: Ein blauer Himmel mit nur wenigen Wolken verspricht ideales Wanderwetter. Das ganzjährig milde Klima der Kanarischen Inseln sorgt generell für angenehme Temperaturen – geprägt von den stetigen Passatwinden aus Nordost, die besonders in den höher gelegenen Wäldern des Parks für eine ausgewogene Luftfeuchtigkeit sorgen. Umso faszinierender ist es, dass nur wenige hundert Kilometer entfernt, auf demselben Breitengrad, bereits die trockene Weite der Sahara beginnt.
Vor dem Hotel begrüßt uns unsere Wanderreiseleiterin Ulrike, die uns in den kommenden Tagen mit viel Wissen und Begeisterung die schönsten Seiten der Insel näherbringen wird. Gemeinsam spazieren wir zum Busterminal, von wo die Fahrt ins Inselinnere beginnt.
Schon unterwegs lässt sich erahnen, wie vielfältig die Landschaft von La Gomera ist. Entlang der Hochstraße eröffnet sich eine eindrucksvolle Kulisse: Der Blick schweift über den Christusberg „El Santo“ mit seiner imposanten, 18 Meter hohen Statue. Immer wieder gibt es spektakuläre Ausblicke auf San Sebastián, den Fährhafen und den Atlantik – bei klarer Sicht sogar bis hinüber nach Teneriffa mit dem majestätischen Teide. Allerdings liegt heute eine leichte „Calima“ in der Luft, ein warmer Wind aus der Sahara, der feinen Staub mit sich bringt und so die Fernsicht etwas dämpft.
Die Landschaft zeigt sich wild und ursprünglich: zerklüftet, teils trocken, teils in frischem Grün und durchzogen von tief eingeschnittenen Schluchten, den sogenannten „Barrancos“. Diese beeindruckenden Formationen sind teils canyonartig und entstanden entweder durch das Aufbrechen von Vulkankegeln oder durch langjährige Erosion. Rund fünfzig dieser Schluchten ziehen sich sternförmig vom höchsten Punkt der Insel, dem 1.487 Meter hohen Alto de Garajonay, in alle Richtungen bis hinunter zum Meer. Aus der Vogelperspektive erinnert dieses Muster an eine riesige Zitronenpresse.
Unterwegs gibt uns Uli einen Einblick über die geologische Beschaffenheit von La Gomera, die auf den vulkanischen Ursprung zurückzuführen ist sowie in die unterschiedlichen Vegetationszonen. Die Palette reicht von fast wüstenartigen Küsten über dichte Nebelwälder bis hin zu kargen Hochlagen – Küstenzone, Sukkulentenbusch, Lorbeerwald, Kanarischer Kiefernwald und Gipfel- und Hochlagenvegetation – und bildet auf kleinem Raum ein abwechslungsreiches Ökosystem. Einfluss nehmen die Passatwinde, die Feuchtigkeit vom Atlantik liefern, die Höhenlage – je höher desto niedriger die Temperatur – und das Relief der Insel.
Schließlich öffnet sich uns ein erster Blick auf zwei markant-felsige Wahrzeichen der Insel: den „Roque del Sombrero“ und der „Roque Agando“, – ein imposanter Vorgeschmack auf die vielen landschaftlichen Höhepunkte, die noch vor uns liegen.
Die Vegetation strahlt in frischem Grün, Stauseen sind mit Wasser gefüllt; das ist dem von den Inselbewohnern sehnlichst erwarteten Regen der letzten Zeit zu verdanken.
Ein erster Halt erwartet uns auf rund 1.246 Metern Höhe. Während unserer kurzen Wanderung zum Aussichtspunkt Mirador del Morro de Agando spüren wir bereits hautnah die frischere, feuchte Bergluft – dafür ist unser „Zwiebellook“ ideal - und erhalten einen Vorgeschmack auf die eindrucksvolle Vegetation. Obwohl Nebelschwaden die eindrucksvolle Aussicht auf den markanten Roque de Agando beeinträchtigen, und obwohl sich nur hin und wieder ein wärmender Sonnenstrahl hervorwagt, genießen wir diese ganz besondere Stimmung.
Bei klarer Sicht reichte der Blick sogar bis zur Nachbarinsel Teneriffa mit dem majestätischen Teide, heute ist das leider nicht der Fall.
Der Ausgangspunkt unserer Wanderung „El Contadero“ befindet sich auf einer Höhe von 1350 Metern. Von Uli erfahren wir, dass sich der Name vom spanischen „contar“ – „zählen“ – ableitet: Früher wurden hier auf einem Marktplatz Ziegen getauscht und am Abend gezählt.
Hier beginnt ein angenehm begehbarer Weg durch den Nationalpark hinauf zum Garajonay, der mit 1.487 Metern höchsten Erhebung der Insel. Unterwegs begeistern uns die kleinen Details der Natur: gelb blühende Gänsedisteln, auf deren Blättern sich noch glitzernde Wassertropfen sammeln.
Am Gipfel angekommen erwarten wir ein spektakuläres Panorama; Wegen des heute verhangenen Himmels müssen wir hier einstweilen unsere Vorstellungskraft aktivieren. Die Blicke auf den Teide werden wir aber an den Folgetagen immer wieder erleben und den auf das e Felsmassiv La Fortaleza de Chipude, den beeindruckenden, einst heiligen Tafelberg, erleben wir dann schon wenig später bei der Fortsetzung unserer Wanderung.
Untrennbar mit diesem Ort, dem Garajonay, verbunden ist die tragische Legende von Gara und Jonay. Die Geschichte der unglücklich Liebenden, die hier ihre letzte Zuflucht suchten, verleiht dem Berg eine besondere, fast mystische Atmosphäre und macht den Besuch noch eindrucksvoller. Hierzu gibt es aber auch eine Variante mit Happy End, mit der uns Uli später tröstet.
Der Weg führt weiter über einen aussichtsreichen Höhenpfad bergab. Immer wieder eröffnen sich tiefe Einblicke in die wilden Barrancos und Perspektiven auf die markante Silhouette der Fortaleza.
Unsere Mittagsrast genießen wir unterwegs an einem geschützten Plätzchen.
Gestärkt setzen wir unsere Wanderung fort. Der Weg führt durch abwechslungsreiches Terrain aus vulkanischem Tuff und sandigen Abschnitten, vorbei an wilden Artischocken und Kanarischen Kiefern mit ihren teils riesigen Zapfen. Diese erstaunliche Baumart trotzt selbst Bränden und regeneriert sich dank ihrer dicken Borke in kurzer Zeit.
Schließlich erreichen wir Chipude, eine der ältesten Siedlungen der Insel. In einer Bar lassen wir die Erlebnisse des Tages bei einem Barraquito – die kanarische Spezialität aus Espresso, Likör, gesüßter Kondensmilch und Milchschaum – oder ähnlichen Gaumenstreichlern genüsslich an uns vorbeiziehen.
Zurück in San Sebastián de La Gomera bleibt noch Zeit zur freien Verfügung. Am Abend treffen wir uns zu einem gemeinsamen Spaziergang – zugleich der ersten Orientierungsrunde durch den Ort, vorbei an der Kirche Nuestra Señora de la Asunción, in deren Nähe sich die Casa de Colón und das Archäologische Museum befinden, über die Plaza Constitución, die Plaza Las Américas, vorbei am Rathaus, entlang der Uferpromenade am Yacht-/Hafen, mit Blick zum Stadtstrand, Antorchas, bis wir schließlich unser Restaurant erreichen, dass sich unterhalb eines ehemaligen Kastells befindet und neben seinem besonderen Ambiente auch ein köstliches Abendessen für uns bereithält. Bei einem mehrgängigen Menü und angeregten Gesprächen klingt dieser erlebnisreiche Tag stimmungsvoll aus.
Ein Reisegast zeigt sich ganz besonders überwältigt von den Eindrücken des heutigen Tages und schwärmt, es sei – soweit er sich erinnern könne – die schönste Wanderung, die er je erlebt habe. Er ahnt ja noch nicht, was die kommenden Tage noch alles bereithalten …
Übernachtung im Hotel Torre del Conde.
3. Tag: Wanderung vom Töpferdorf zum Märchenwald – Valle Gran Rey
Erneut gut gestärkt vom Frühstücksbuffet und voller Erwartung, was uns der heutige Tag bescheren mag, spazieren wir vom Hotel gemeinsam zur Estación de Guagua, wo uns Uli und der Bus bereits erwarten. Unser Ausflug beginnt wieder mit einer eindrucksvollen Busfahrt entlang der spektakulären Höhenstraße in südwestlicher Richtung, sicher gesteuert von einem routinierten Fahrer, der die zahlreichen Kurven mit Leichtigkeit meistert. Unser erstes Ziel ist El Cercado, ein auf etwa 1.030 Metern gelegenes Dorf im Herzen der Insel, das für seine traditionsreiche Töpferkunst bekannt ist. Auch wenn an diesem Sonntag die Werkstätten geschlossen sind, spürt man hier den Geist des alten Handwerks.
Von hier aus starten wir unsere Wanderung: Zunächst führt der Weg durch einen steinigen Barranco bergab, bevor er sich wieder hinauf in Richtung Las Hayas schlängelt. Entlang des Pfades begleiten uns imposante Feigenkakteen und markante Agaven. Wir genießen die Ausblicke über die Landschaft, die umgebenden Schluchten, in den Barranco; in der Ferne kann man das Valle Gran Rey und das Meer erahnen.
Unterwegs erhalten wir von Uli interessante Einblicke in die Gewinnung des „Guarapo“, den Saft der Dattelpalme, der von den sogenannten Guaraperos mit viel Geschick aus den Palmen gewonnen wird.
Aus dem gekochten Dattelsaft entsteht der “Miel de Palma“ oder offiziell „Sirope de Palma“, der süße Palmenhonig bzw. -sirup. Wir erfahren auch Wissenswertes über regionale Spezialitäten wie den traditionellen Palmenlikör „Gomerón“ sowie den lokalen Weinbau mit seinen überraschend feinen Weißweinen oder den aromatischen Ziegenkäse „Queso de Cabra“, der in den Restaurants gerne mit Palmsirup angeboten wird. Ebenso lernen wir die Besonderheiten der kanarischen Flora kennen – etwa das Zusammenspiel von Baumheide und Gagelbaum – und dass „Gofio“ als Grundnahrungsmittel auf den Kanaren eine lange Tradition hat. Es wird aus Mais, Weizen oder auch Gerste hergestellt, zunächst wird das Getreide geröstet und im Anschluss fein gemahlen.
Eine erste Snackpause legen wir nahe der Kirche von Las Hayas ein.
Schon bald erreichen wir die Grenze des Garajonay Nationalparks und tauchen ein in eine völlig andere Welt: den mystischen Lorbeerwald. Die üppige Vegetation, von Moosen und Flechten überzogen, lässt die Bäume wie lebendige Skulpturen erscheinen. Ihre Äste neigen sich über den Weg und bilden ein natürliches Gewölbe – fast wie das Dach einer Kathedrale. In der feuchten, nebelverhangenen Luft entsteht eine beinahe märchenhafte Atmosphäre, die diesem Teil des Waldes zu Recht den Namen „Märchenwald“ eingebracht hat.
Zwischendurch öffnet sich der Wald, und warme Sonnenstrahlen durchbrechen das Blätterdach – ein faszinierendes Wechselspiel der Stimmungen.
Schließlich erreichen wir wieder auf einer Hochebene gelegene Dorf Las Hayas, das den Abschluss unserer Wanderung bildet. In einem gemütlichen, traditionell geführten Lokal werden wir herzlich empfangen und genießen typisch kanarische Spezialitäten in authentischer Atmosphäre. Eine süße Überraschung in Form eines hausgemachten Kuchens, den wir am Folgetag verzehren, begleitet uns als kulinarische Erinnerung an diesen besonderen Tag.
Nach dem Mittagessen bringt uns der Bus zurück nach San Sebastián de La Gomera.
Am Abend lassen einige von uns den erlebnisreichen Tag in entspannter Runde in einer lokalen Bar Revue passieren – ein perfekter Abschluss für diesen Tag.
Übernachtung im Hotel Torre del Conde, San Sebastian.
4. Tag: Wanderung durch die Felsenschlucht Barranco de Guarimiar nach Alajerò
Nach dem Frühstück starten wir, um heute einen Teil des südlichen La Gomera zu erkunden. Da die Tour in Playa de Santiago endet, haben sich einige aus unserer Gruppe neben der üblichen Zwiebelkleidung mit Badesachen ausgerüstet.
Schon unterwegs beeindrucken uns wieder die majestätischen Panoramen.
Unsere Wanderung beginnt im beschaulichen Bergdorf Imada auf etwa 800 Metern Höhe, heute nicht ganz so sonnig wie sonst, aber zum Wandern sehr angenehm. Umgeben von Palmen und liebevoll angelegten Terrassenfeldern wirkt der Ort wie ein ruhiger Rückzugsort.
Der Weg führt zunächst sanft bergab durch den Ort, gesäumt von Feigenkakteen. Auf ihnen leben die Cochenille Schildläuse, aus denen der berühmte rote Farbstoff gewonnen wird – ein spannendes Detail der lokalen Natur- und Kulturgeschichte.
Mit jedem Schritt tiefer in die Schlucht wird der Pfad anspruchsvoller. Trittsicherheit und Aufmerksamkeit sind gefragt, Wanderstöcke erweisen sich als hilfreich. Doch immer wieder lohnt es sich, innezuhalten: Die dramatische Landschaft des Barranco de Guarimiar vor uns öffnet sich in ihrer ganzen Schönheit – wild, ursprünglich und beeindruckend. Aber auch der Blick zurück ist einfach überwältigend.
Auf dem Weg Richtung Guarimiar und weiter nach El Rumbazo folgen wir schmalen Pfaden entlang steiler Felswände. Immer wieder führen sie unter Felsüberhängen hindurch und geben den Blick frei auf die gegenüberliegenden Hänge und die Tiefe der Schlucht. In der Ferne schimmert bereits das Meer.
Obwohl der Süden der Insel normalerweise von Trockenheit geprägt ist, überrascht die Landschaft mit herrlichem Grün – unter anderem Palmen, Kakteen und Sukkulenten – und lebendigen Kontrasten.
Nach einer wohlverdienten Snackpause unterwegs geht es gemeinsam weiter, bevor sich die Gruppe in Guarimiar teilt: Ein Teil verlängert die Tour über einen steileren Anstieg Richtung Targa, während die anderen einen etwas kürzeren Weg nach El Rumbazo wählen. Dort, zwischen Orangenbäumen und wilden Avocados, treffen wir den Bus.
In Playa de Santiago kommen schließlich alle wieder zusammen. Einige nehmen zumindest ein kühlendes Fußbad im Atlantik, andere schlendern entspannt an der Promenade entlang oder lassen sich in einem Café zu einem Barraquito und einem Stück Kuchen oder ähnlichem nieder.
Am späten Nachmittag geht es zurück nach San Sebastián de La Gomera. Nach etwas Freizeit spazieren wir gemeinsam zum Restaurant in der Nähe des Yachthafens.
Im Restaurant angekommen, erwartet uns ein köstliches Abendessen, heute durch stimmungsvolle Live-Musik bereichert: Ein Gitarrist begleitet den Abend mit Gesang und besonderen Einlagen des „El Silbo“.
Diese traditionsreiche Pfeifsprache, „Silbo Gomero“, die auf La Gomera entstanden ist und deren Ursprünge bis in präkolumbianische Zeiten zurückreichen ermöglichte es den Menschen auf La Gomera, Nachrichten über große Entfernungen hinweg – selbst über tiefe Schluchten und weite Täler – zu übermitteln. Bis heute ist das „Silbo“ lebendig geblieben und wird aktiv gepflegt, unter anderem durch Unterricht in Schulen und Ausbildungsstätten, so dass dieses einzigartige Kulturgut auch künftigen Generationen erhalten bleibt. Im September 2009 wurde es von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.
Übernachtung im Hotel Torre del Conde, San Sebastian.
5. Tag: Entspannen und Relaxen in San Sebastian
Nach dem Frühstück ist dieser Tag frei für individuelle Unternehmungen.
Die Pläne zur Gestaltung reichen von einer weiteren größeren Wanderung bis zu Spaziergängen und Erkundungen in San Sebastian oder der näheren Umgebung. Um beispielsweise den nachts scheinbar schwebenden Christus am Mirador del Cristo aus der Nähe zu betrachten und die Aussicht zu genießen, bietet sich der schmale Wanderweg an, der, gesäumt von Wolfsmilchgewächsen, den Hang hinaufführt.
Auf der anderen Seite von San Sebastian erreicht man den oberhalb des Ortes thronenden Parador Nacional. Von hier bietet sich ein wunderbarer Ausblick über den Atlantik, den Hafen und die Stadt. Den Spaziergang kann man entlang der Küstenlinie fortsetzen; auch bis zum Leuchtturm am Mirador de los Muchachos ist es nicht weit.
Am Abend treffen wir uns alle zum gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant, wo die verschiedenen Erlebnisse des Tages lebhaft ausgetauscht werden.
Übernachtung im Hotel Torre del Conde, San Sebastian.
6. Tag: Rundwanderung bei Hermigua – Rundfahrt durch den Norden La Gomeras
Nach einem genussvollen Frühstück im Hotel starten wir voller Vorfreude in einen neuen, abwechslungsreichen Ausflugstag, der uns in den grüneren, meist etwas kühleren und feuchteren Norden von La Gomera führt.
Auf dem Weg zum Ausgangspunkt unserer Wanderung legen wir mehrere Stopps an diversen spektakulären Aussichtspunkten ein. Gleich an unserem ersten Stopp bietet sich der Blick auf einen der durch den anhaltenden Regen der letzten Zeit üppig mit Wasser gefüllten Stauseen –exemplarisch für die große Bedeutung dieser zahlreichen Wasserreservoirs für die Landwirtschaft der Insel.
Weiter führt uns die Fahrt über kurvenreiche Straßen und durch Tunnel bis nach Hermigua mit Blick auf diesen idyllisch in eine Schlucht eingebetteten Ort.
Vorbei an üppigen Bananenplantagen, die heute zunehmend durch nachhaltigere Mischkulturen ersetzt werden, gelangen wir durch das Städtchen mit seiner historischen Klosterkirche aus dem 16. Jahrhundert und einer architektonisch vielseitigen Kirche im eklektischen Stil zu einem weiteren Aussichtspunkt. Von hier haben wir einen weiten Blick über den Ort, das Meer, hinüber zur in Wolken gehüllten Nachbarinsel Teneriffa mit dem majestätischen Teide, dessen Spitze aus den Wolken herausragt, sowie auf die Küste mit ihrer ehemaligen Verladestation für den Bananenexport.
Auf unserer Route passieren wir anschließend Agulo – einen Ort, der nicht ohne Grund mehrfach als einer der schönsten der Insel ausgezeichnet wurde und den wir später am Nachmittag noch auf einem Spaziergang erkunden werden. Eingebettet zwischen steilen Felswänden und fruchtbaren Anbauflächen liegt das Dorf malerisch auf einer etwa 180 Meter hohen Geländestufe. Besonders ins Auge fällt die Iglesia de San Marcos mit ihrer weißen Kuppel, deren Architektur an maurische Einflüsse erinnert.
Schon aus der Ferne erkennen wir den spektakulären Skywalk des Mirador de Abrante, eines unserer heutigen Ziele.
In Las Rosas beginnt schließlich unsere Wanderung. Zunächst sanft ansteigend, führt sie uns über aussichtsreiche Wege mit herrlichen Blicken auf Schluchten, das Meer und den weiten Horizont. Die Vegetation zeigt sich hier von einer anderen Seite: verschiedene sukkulente Pflanzen, darunter Wolfsmilchgewächse, sowie der Erdbeerbaum prägen das Landschaftsbild.
Ein besonderes Erlebnis ist die Strecke durch eine hügelige, fast surreal anmutende Landschaft aus rötlicher Erde, deren Farbe auf die Oxidation eisenhaltiger Mineralien zurückzuführen ist.
Schließlich erreichen wir mit dem Mirador de Abrante einen der Höhepunkte des Tages: Eine spektakuläre, sieben Meter lange Glasplattform, die rund 600 Meter über dem Tal schwebt. Der Blick hinab auf Agulo und hinaus aufs Meer ist schlicht atemberaubend. Wer den Schritt auf den Glasboden wagt, wird mit einem unvergesslichen Moment – und einem eindrucksvollen Erinnerungsfoto – belohnt.
Nebel und Wolken, die sich während unseres Weges verdichtet und die Sicht zunehmend eingeschränkt haben, lichten sich genau in dem Moment unserer Ankunft am Mirador. Wir werten dies als gutes Zeichen und können die sich eröffnende Aussicht umso intensiver genießen. Wenn Engel reisen …
Nach einer kurzen Rast führt uns der Weg zurück und weiter in Richtung Juegos de Bolas, wo wir die Möglichkeit haben, das Besucherzentrum zu besichtigen und mehr über Natur und Kultur der Insel zu erfahren.
Es gibt dort einen Shop, in dem man sich mit selbstgebackenen Gofio-Keksen eindecken oder einfach einen Kaffee trinken kann.
Zum Mittagessen fahren wir die kurze Strecke zurück nach Agulo. Dort werden wir in einem urigen, lokalen Restaurant zu einem Mittagessen mit hausgemachten, typisch-kanarischen Spezialitäten erwartet.
Im Anschluss begeben wir uns auf einen Spaziergang durch das hübsche Örtchen, der am Bus für die Rückfahrt nach San Sebastian endet.
Ein rundum gelungener Tag voller landschaftlicher Höhepunkte, spannender Einblicke und genussvoller Momente, den wir am Abend in geselliger Runde in einer lokalen Bar beschließen.
Übernachtung im Hotel Torre del Conde, San Sebastian.
7. Tag: Wanderung im Nebel– und Lorbeerwald am Bach El Cedro
Frühstücksbuffet im Hotel.
Gut ausgerüstet machen wir uns auf den Weg zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise: dem uralten Nebel- und Lorbeerwald El Cedro, der einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat, dass der Garajonay-Nationalpark im Jahr 1986 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Einst bedeckten solche Lorbeerwälder weite Teile der Erde – heute sind sie eine seltene Kostbarkeit.
Bei Los Roques beginnt unsere Wanderung. Schon nach wenigen Schritten tauchen wir ein in eine andere Welt. Dichter Nebel – aber ohne den vorher böigen Wind –, sattes Grün und eine fast märchenhafte Atmosphäre umgeben uns. Ein Teil des Weges führt durch den mystischen „Reventón Oscuro“ und entlang des klaren Baches „El Cedro mit seinem sanften Plätschern. Üppige Vegetation säumt den Pfad: Baumheide, Gagel, Lorbeerbäume, Moose und Flechten, Farne in allen Formen – ein einzigartiges Zusammenspiel, möglich durch das besondere Mikroklima dieses Waldes. Die Stille wirkt beinahe magisch.
Unsere Mittagsrast verbringen wir an der idyllisch gelegenen Kapelle Ermita Nuestra Señora de Lourdes. Sie wurde 1935 auf Initiative einer englischen Gouvernante erbaut und ist heute Ziel einer traditionellen Pilgerprozession, die jedes Jahr Ende August stattfindet. Hier wird dann auch der „Baile de Tambor“, der traditionelle Tanz La Gomeras, begleitet von Trommeln und den charakteristischen Chácaras, aufgeführt.
Und dann sind da noch die kleinen, zutraulichen Vögel, die neugierig um uns herumflattern. Mit etwas Geduld landen sie sogar auf ausgestreckten Händen, um sich ein paar Nüsse zu stibitzen.
Frisches Wasser können wir an einer kleinen Quelle direkt aus dem Baum nachfüllen – klarer und ursprünglicher geht es kaum.
Später kann, wer mag, einen Teil des Weges etwas bequemer entlang der Straße fortsetzen oder über den etwas steileren Wanderweg. Nachdem wir alle am Bus angekommen sind, belohnen wir uns erst einmal mit einer Kostprobe des lokalen Gomerón, dazu gibt es die typischen kanarischen Kekse.
Im Anschluss kann noch ein kurzer Abstecher zu einem Aussichtspunkt erwandert werden, am Wegesrand immer wieder die uns bereits bekannten und lieb gewonnenen Gänsedisteln und Sukkulenten, die wir im Laufe der Reise schätzen gelernt haben.
Dann erwartet uns ein grandioser Ausblick auf die Felsformationen und auf den imposanten Roque Agando. Er ist 1251 Meter hoch und sticht aus der Landschaft durch seinen spitz zulaufenden Gipfel hervor.
Unseren Rückweg nach San Sebastián de La Gomera unterbrechen wir in einer typischen Bar am Wegesrand und zum Abschluss unserer letzten Wanderung stoßen wir mit einem „Barraquito“ an. Es ist der perfekte Moment, um Danke zu sagen: an Ulrike, die uns mit so viel Engagement begleitet hat, und an unsere Busfahrer, die uns sicher über die Insel chauffiert haben.
Zurück in San Sebastián bleibt noch Zeit für einen entspannten Bummel durch die Gassen oder um letzte Souvenirs zu besorgen. Auch die letzten Vorbereitungen für die Abreise stehen an.
Am Abend treffen wir uns zu einem gemeinsamen Abschiedsessen. Bei köstlichen kanarischen Spezialitäten lassen wir die Reise noch einmal Revue passieren und genießen die letzten Stunden auf dieser besonderen Insel.
Übernachtung im Hotel Torre del Conde, San Sebastian.
8. Tag: Adios La Gomera – Fährüberfahrt nach Teneriffa und Rückflug
Der Abschiedstag beginnt früh: Noch im Morgengrauen genießen wir ein kleines reduziertes Frühstück, bevor die letzten Handgriffe erledigt und die Koffer geschlossen werden. Pünktlich machen wir uns auf den Weg zum Hafen von San Sebastián de La Gomera, wo bereits die Fähre zur Überfahrt bereitliegt. Das Gepäck ist schnell verstaut – und schon heißt es: Leinen los.
Langsam entfernen wir uns von La Gomera, einer Insel, die uns in den vergangenen Tagen mit ihrer Vielfalt, Ursprünglichkeit und Schönheit verzaubert hat. Mit einem Gefühl von Dankbarkeit, aber auch ein wenig Wehmut, blicken wir zurück auf die markante Küstenlinie, den Felsen mit dem Parador und die inzwischen vertrauten Silhouetten, die nun allmählich am Horizont verschwinden.
Schon bald kommt Teneriffa in Sicht, und wir erreichen den Hafen von Los Cristianos. Hier verabschieden wir uns von einem Mitreisenden, der seinen Aufenthalt noch verlängert.
Für die übrige Gruppe geht es weiter zum Flughafen, von wo aus wir die Heimreise antreten.
Bevor sich unser aller Wege trennen, denke ich noch an die Begeisterung insbesondere des einen Reisegastes nach der ersten Wanderung.
Hat sich seine Einschätzung zur schönsten Wanderung verändert? Ja und nein – die erste Stunde bleibt zwar überwältigend, doch sie war der Anfang einer Folge wunderbarer Erfahrungen. Jeder Tag hielt neue Reize bereit, denn diese kleine Insel ist erstaunlich vielfältig und hinter jeder Ecke lauert eine neue Überraschung.
*** Ende erlebnisreicher Tage ***
In der Summe sind alle Reisegäste sich einig: La Gomera bleibt in bester Erinnerung. Die schöne Gemeinschaft hat die Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht, das noch lange nachklingen wird.
Dafür herzlichen Dank!
Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja schon bald wieder auf einer neuen, spannenden Tour mit Eberhardt TRAVEL.
Adiós y hasta pronto – auf ein Wiedersehen und eine gute Heimreise! ✨
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