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Reisebericht: Rundreise Argentinien von Nord nach Süd

04.11. – 21.11.2018, 18 Tage Rundreise mit Argentinien, Brasilien und Uruguay: Buenos Aires - Colonia - Wasserfälle Iguazu - Salta - Purmamarca - Zug in die Wolken - Patagonien - Perito Moreno-Gletscher - Halbinsel Valdes

4987 Kilometer trennen La Quiaca, ganz im Norden, von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt – diese enorme Ausdehnung macht Argentinien zu einem der Länder mit der reichsten kulturellen Diversität und den atemberaubendsten Naturwundern der Erde.

Tag 1 Anreise



Von den Flughäfen Dresden, Leipzig, München, Friedrichshafen und Hamburg treffen wir uns am frühen Abend am Abfluggate in Frankfurt am Main um gemeinsam in unser Südamerika-Abenteuer zu starten. Pünktlich hebt unsere Maschine um 22:15 Uhr gen Westen ab um uns in knapp 13 Stunden nach Buenos Aires, die weltbekannte Metropole am Rio de la Plata, zu bringen.

Tag 2 Buenos Aires


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Pünktlich gegen 8 Uhr morgens argentinischer Ortszeit erreichen wir den internationalen Flughafen Ezeiza, passieren recht schnell und problemlos gemeinsam die Einreisekontrollen und nehmen unser Gepäck in Empfang. Im Ankunftsbereich erwartet uns dann auch schon unsere örtliche Reiseleiterin Mariel, die uns schon während wir auf den Bus warten mit den wichtigsten Informationen über die argentinische Hauptstadt versorgt.
Vom Flughafen aus soll es direkt zur Stadtrundfahrt losgehen, denn in unser Hotel können wir am frühen Vormittag ohnehin noch nicht einchecken. Nach etwa einer Stunde Fahrt durch Außenbezirke erreichen wir unser erstes Ziel, den berühmten Stadtfriedhof von La Recoleta. Die letzte Ruhestätte zahlreicher wohlhabender Familien und nationaler Helden aus den Unabhängigkeitskämpfen sorgt bei uns für Staunen, denn mit den uns vertrauten mitteleuropäischen Friedhöfen hat diese steinerne Ansammlung aus Mausoleen, Statuen und Kapellen wenig zu tun. Der Hauptanziehungspunkt dieser kleinen Stadt in der Stadt ist das Grab von Eva „Evita" Perón, der zweiten Frau des ehemaligen argentinischen Präsidenten Juan Perón, die als „Engel der Armen" noch heute weltweite Bekanntheit genießt.
Nach der Stadt der Toten führt uns unser Weg durch den grünen Stadtteil Palermo direkt ins bunte Herz von Buenos Aires. Der Stadtteil La Boca gilt als Geburtsstätte des Tangos und ist die Heimat des wohl bekanntesten Fußballvereins Argentiniens, dem Club Atlético Boca Juniors, der Talente wie Diego Maradonna und Lionel Messi zu Weltstars machte. Bei einem Spaziergang haben wir die Gelegenheit das Hafenviertel, das seinen Namen der Lage an der Mündung des Riachuelo-Flusses in den Río de la Plata verdankt, genauer zu besichtigen. Besonders ikonisch sind die bunt bemalten Häuser aus abgewracktem Schiffsblech,  dem günstigsten Baustoff, den die ärmlichen italienischen Einwanderer gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Verfügung hatten. Heute sind die farbenfrohen Häuser natürlich Teil des Images und der Stadtteil ist längst zum modernen Künstlerviertel geworden.
Unsere Mittagspause verbringen wir ebenfalls nahe des Wassers, im neu gestalteten Stadtteil  Puerto Madero. Das Buffetrestaurant „La Bistecca" soll auch bis zum Ende der Reise positiv im Gedächtnis bleiben – zum einen weil die Auswahl riesig und das Essen wirklich vorzüglich ist, zum anderen weil die vergangenen Flugzeugmahlzeiten diesen Eindruck vermutlich auch noch um ein vielfaches steigern.
Nach der wohlverdienten Stärkung geht es weiter ins lebendige Zentrum, direkt zum Hauptplatz, der Plaza de Mayo. Am ältesten Platz der Stadt befinden sich die wichtigsten Gebäude des Landes: der Präsidentenpalast – im Volksmund Casa Rosada – und die Landes-Kathedrale Santísima Trinidad, der letzte argentinische Wirkungsort des aktuellen Papstes Franziskus.
Von hier aus ist es nicht mehr weit zu unserem Hotel. Das Dazzler San Martin befindet sich sehr zentral in einer Parallelstraße der geschäftigen Fußgängerzone Florida. So bietet es sich an, den Rest des Nachmittags nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, denn der Schlafmangel durch Flug und Zeitverschiebung machen sich langsam aber sicher bemerkbar und für den nächsten Tag stehen ja schon wieder spannende neue Dinge auf dem Programm.

Tag 3 Colonia, Uruguay


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Der nächste Tag beginnt mit einem frühen Frühstück, bevor wir in Begleitung von Mariel zum nahegelegenen Hafenterminal des Fährunternehmens Buquebus aufbrechen. Kaum haben wir Argentinien betreten, verlassen wir es – zumindest vorläufig – schon wieder, denn unser heutiges Ziel ist Uruguay. Nachdem Mariel uns beim Check In behilflich gewesen ist, heißt es also zunächst Verabschieden und ganz offiziell Ausreisen und nach Uruguay einreisen – wie praktisch, dass das alles an einem Schalter am Hafen möglich ist, wenn auch auf sehr eigenwillige und praktisch fragwürdige Art und Weise. Wenig später überqueren wir auch schon den braunen Río de la Plata der an dieser Stelle immerhin schon etwa 50 Kilometer breit ist und an seiner Mündung mit 220 Kilometern zum breitesten Fluss der Welt wird. Nach einer guten Stunde erreichen wir auch schon den Hafen von Colonia del Sacramento und treffen dort wenig später unsere Reiseleiterin Karin. Zusammen mit ihr unternehmen wir eine kleine Zeitreise in die Kolonialzeit, denn die Altstadt Colonias besticht bis heute mit ihrem intakten Ensemble aus dem 18. Jahrhundert, das seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Da portugiesische und spanische Besatzer, zeitweilig gestört durch einige Engländer, hier über Jahrzehnte um die Vormachtstellung gekämpft haben kann man wunderbar die Unterschiede der Kolonialarchitektur studieren. Was uns jedoch immer wieder besonders ins Auge springt, das sind die wunderbaren  Fliesen, die azulejos, die überall gegenwärtig sind.
Nach einem typischen Mittagessen im zentral gelegenen Restaurant „El Meson de la Plaza" bleibt noch ausreichend Zeit, das Städtchen noch einmal auf eigene Faust zu erkunden, die ersten Souvenirs zu kaufen, ein Museum besuchen oder die 117 Stufen des Leuchtturms aus dem 19. Jahrhundert zu erklimmen und von dort aus die herrliche Aussicht zu genießen. Anschließend begleitet und Karin wieder zum Hafen, wo wir uns im Tourismusbüro noch einen Film über Uruguay ansehen können und animiert werden, doch möglichst bald wiederzukommen und das kleinste spanischsprachige Land Südamerikas besser kennenzulernen.
Bald passieren wird auch schon wieder die Ein- und Ausreiseprozedur und sind nun vier Pass-Stempel reicher – und das an nur einem Tag! Zurück in Buenos Aires erwartet uns Mariel schon wieder und bringt uns zurück zum Hotel und wir, wir lassen den Abend ruhig ausklingen, die einen im Steakrestaurant, die anderen bei einem kühlen Bier auf der bunten Florida.

Tag 4 Flug nach Iguazú – Nationalpark Iguazú/Argentinien


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Auch heute heißt es früh aufstehen, denn der Weg führt uns zunächst zum Stadtflughafen J. Newbery von wo aus hauptsächlich die Fluggesellschaft Aerolineas Argentinas startet  und uns zum ersten Highlight unserer Reise bringen soll. Der kurze Weg zum Flughafen ist so früh morgens schnell geschafft, der Check In sehr unkompliziert und die Sicherheitskontrollen relativ übersichtlich – und ehe wir uns versehen, sitzen wir auch schon im Flugzeug. Nach etwa eineinhalb Stunden wird zumindest die eine Seite des Flugzeugs schon belohnt, denn die glücklichen Passagiere bekommen eine wunderbare Aussicht über die gesamten 2700 Meter der Iguazú-Wasserfälle, die die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien markieren. Doch auch für diejenigen, die nicht die passenden Sitze im Flugzeug bekommen haben, gibt es einen Trost, denn wir werden uns die weltberühmten Wasserfälle gleich von Nahem ansehen.
Am recht übersichtlichen argentinischen Flughafen Iguazú (mit ganzen zwei Gates) treffen wir wenig später unseren Guide Norberto. Der Brasilianer in siebter Generation begleitet uns nun zunächst zu unserem Bus und eine gute halbe Stunde später auch schon hinein in den argentinischen Nationalpark Iguazú. Da der Großteil der Wasserfälle auf der argentinischen Seite liegt, werden wir hier viel näher am Geschehen sein, morgen jedoch von Brasilien aus die bessere Aussicht auf das Gesamtbild haben – wird sind jetzt schon gespannt. Zunächst knurren jedoch unsere Mägen und wir stärken uns auf die landestypische Art und Weise. Empanadas – mit Fleisch, Käse oder Gemüse gefüllte und gebackene Teigtaschen – sind in Argentinien die beliebteste Mahlzeit wenn es schnell gehen muss.
Frisch gestärkt geht es nun weiter. Eine Schmalspurbahn bringt uns zunächst weit hinein in den Nationalpark. Von der Endstation aus geht es auf gemütlichen Gitterwegen einmal quer über den Iguazú bis an das obere Ende der sogenannten Teufelsschlucht, dem Herzen der Wasserfälle, wo der Fluss 82 Meter in eine 700 Meter lange und 150 Meter breite Schlucht fällt. Steht man einmal oberhalb dieser Schlucht, wird einem erst bewusst, mit welcher Kraft die Wassermengen hier in die Tiefe stürzen. Während wir anschließend wieder auf die Bahn warten, machen wir Bekanntschaft mit den pelzigen Einwohnern des Parks: südamerikanische Nasenbären, die alles andere als scheu sind. Ganz im Gegenteil, sie haben sich darauf spezialisiert die unbewachten Rucksäcke der Touristen zu öffnen und diese nach Essbarem zu durchforsten. Wir unternehmen nun noch einen zweiten Spaziergang oberhalb der argentinischen Wasserfälle, von wo aus sich uns herrliche Fotomotive bieten, die durch zahlreiche Regenbögen noch zusätzlich verschönert werden. Es schleicht sich die Frage ein, ob wir den Höhepunkt unserer Reise womöglich jetzt schon erreicht haben.
Am Abend sammeln wir die nächsten Pass-Stempel: wir verlassen Argentinien für zwei Nächte und reisen nach Brasilien ein. Unser Hotel, das Resort San Martín, befindet sich perfekt gelegen direkt am Eingang des brasilianischen Nationalparks – was will man mehr? Doch unser Programm für heute ist noch nicht beendet: zum Abendessen geht es zum Grill-Restaurant Rafain, wo man uns neben lokalen und internationalen Spezialitäten auch eine Guinnessbuch-gelistete Tanzshow bietet. Das Essen befinden wir alle gleichsam für sehr lecker, an der Show und vor allem an deren Authentizität scheiden sich ein wenig die Geister, aber gut unterhalten werden wir allemal, bevor wir schließlich alle reichlich erledigt in unsere Betten fallen.

Tag 5 Itaipú-Kraftwerk und Nationalpark Iguaçu/Brasilien


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Zum ersten Mal dürfen wir heute etwas länger schlafen, bevor uns unser Fahrer Floriswaldo und Guide Norberto abholen. Die Fahrt geht zunächst durch die brasilianische Stadt Foz do Iguaçu, die durch die Freundschaftsbrücke über den Fluss Paraná nahtlos übergeht in die paraguayische Stadt Cuidad del Este. Kurze Zeit später erreichen wir das Betriebsgelände des Itaipú-Wasserkraftwerks. Das brasilianisch-paraguayische Gemeinschaftsprojekt war von 1982 bis 2006 das größte Kraftwerk der Welt und staut den Fluss Paraná auf 7760 Metern. Nach einem kurzen Informationsfilm im Besucherzentrum befahren wir das Betriebsgelände in unserem Bus und halten zu einigen interessanten Fotostopps; am Eindrucksvollsten ist jedoch die Fahrt über die Staumauer, nicht zuletzt weil wir uns jetzt zumindest theoretisch für einige Minuten in Paraguay aufhalten, denn auch wenn Brasilien um ein vielfaches größer ist, bei diesem bi-nationalen Unternehmen ist alles ganz gerecht in der Hälfte geteilt – einen weiteren Pass-Stempel gibt es jedoch (leider) nicht.
Gegen Mittag geht es zurück Richtung Nationalpark, bevor wir jedoch zu den Wasserfällen aufbrechen, gibt es zunächst ein typisch brasilianisches Mittagessen: wir kehren ein in der „Churrascería Iguassu", wo das Fleisch direkt am Tisch vom Grillspieß serviert wird – die Qualität ebendieses soll nun für den Rest der Reise der Maßstab bleiben.
Gut gestärkt geht es schließlich weiter in den Nationalpark – mit unserem Bus können wir bis zum mondänen „Belmond Hotel des Cataratas" fahren, von wo ein Weg mit einigen Stufen uns näher zu den Wasserfällen bringt. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht auf die argentinischen Wasserfälle und wir können ganz genau den gestrigen Weg noch einmal Revue passieren lassen. Am Ende des Weges bietet sich die Möglichkeit auf Gitterwegen sehr nah an die Wasserfälle der Teufelsschlucht heran zu gelangen, dafür muss man allerdings entweder Regenkleidung mitgebracht haben oder aber angesichts der sommerlichen Temperaturen eine Dusche in Kauf nehmen – es lohnt sich alle Male!  Nach dem Spaziergang entscheidet sich die Hälfte der Gruppe an einer der berühmten Bootstouren teilzunehmen, für die einen eine sehr kostspielige Dusche, für die anderen die offizielle Taufe unter den Iguazú-Wasserfällen.
Später sind alle wohlbehalten zurück im Hotel angekommen und nach einigen brasilianischen Bieren entschließen wir uns, den letzten Abend in Brasilien standesgemäß mit einem Caipirinha ausklingen zu lassen.

Tag 6 Salta


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Der heutige Tag startet zunächst einmal wieder mit einer Busfahrt und langen Wartezeiten, denn während es für Argentinier sehr einfach ist nach Brasilien oder Paraguay einzureisen, ist es für jeden, selbst für die eigenen Landsleute schwer, beziehungsweise langwierig, nach Argentinien einzureisen und das führ vor allem nach einem Wochenende zu langen Schlangen an den Zollschaltern. Glücklicherweise übernimmt Norberto das für uns und wir müssen lediglich Geduld beweisen. Trotz der Wartezeit erreichen wir pünktlich den Flughafen Iguazú um dann festzustellen, dass unser Flug ohnehin eine knappe Stunde verspätet ist. Es heißt also wieder Abwarten – dieses Mal allerdings immerhin mit Kaffee. Wie klein der Flughafen tatsächlich ist zeigt sich wenig später, als sich die Schlange für die Sicherheitskontrolle wie eine Schnecke dreimal um den gesamten Wartesaal zieht. Trotz der kleinen Verspätung erreichen wir Salta, im Nordwesten Argentiniens gelegen, nach zweistündigem Flug  wohlbehalten. Am Flughafen treffen wir auf Reiseleiterin Mari und Dolmetscherin Marie, da unsere eigentliche deutschsprachige Reiseleitung kurzfristig krank geworden ist. Doch wir merken schon nach kürzester Zeit, dass wir mit den beiden freundlichen Damen plus Fahrer Raúl ein prima Team erwischt haben. Zunächst fahren wir zu unserem Hotel „Altos de Balcarce", beziehen die Zimmer und machen uns kurz frisch, bevor wir zur Stadtbesichtigung aufbrechen. Der erste Weg führt hoch hinaus, genau genommen auf den San Bernardo-Hügel, von wo aus man eine wunderbare Aussicht über die Stadt hat. Von hier aus lässt sich der koloniale Baustil im Schachbrettmuster eindeutig erkennen und im Hintergrund zeigt sich die erste Bergkette der Anden, die schon neugierig auf den nächsten Tag macht. Anschließend fahren wir ins Zentrum der achtgrößten Stadt Argentiniens. Auf dem Weg halten wir an einem Denkmal für den Volkshelden José Güemes, ein Name an dem man in der Provinzhauptstadt nicht vorbeikommt. Im Herzen der Stadt, an der Plaza 9 de Julio besichtigen wir zunächst die Kathedrale, anschließend das Cabildo, das koloniale Verwaltungszentrum, das am besten erhaltende seiner Art in Argentinien. Zum Schluss besuchen wir das Archäologische Museum der Hochanden, welches für die Ausstellung dreier Kindermumien der Inka-Periode bekannt ist und auch sonst interessante Funde aufzuweisen hat.
Das Abendessen bekommen wir heute zusammen mit lokalem Bier (der Tag, an dem wir die Literflaschen kennenlernen sollten) und Wein im Hotel serviert und wir sind vor allem begeistert von der Herzlichkeit und Freundlichkeit der wir dort begegnen.

Tag 7  „Zug in die Wolken" – Salinas Grandes – Purmamarca


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Früh am Morgen verlassen wir Salta Richtung Westen. Doch bevor wir die Stadt verlassen, halten wir noch an einem Kiosk an, denn für den geplanten Weg auf bis zu 4.220 Meter über dem Meeresspiegel muss man gut ausgerüstet sein: das heißt sehr viel Trinken, mit gutem Gewissen Süßes essen und, wer möchte, es den Einheimischen gleich tun und Coca-Blätter kauen. Entgegen dem sich in unsere Gruppe hart aufrechterhaltenden Gerücht hat dies nichts mit Drogenkonsum zu tun, auch wenn die Nachfahren der Inka den Coca-Blättern eine heilende Wirkung für so gut wie alles nachsagen. Dass nicht alle lokalen Traditionen bei uns guten Anklang finden, zeigt sich auch als die Bombilla, das in Argentinien typische Gefäß für Mate-Tee, im Bus herumgeht. Die meisten finden, dass das belebende Getränk nach Tabak und Heu schmeckt und auch das Trinken aus einem Gefäß mit demselben Strohhalm mag befremdlich wirken, wenn man es nicht kennt.
Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir hinein, in die Quebrada del Toro, schon den Schienen des „Tren a las Nubes" folgend. Allerdings verkehrt der Zug hier auf diesem Stück zwischen Salta und San Antonio de las Cobres schon lange nicht mehr aufgrund von Baufälligkeit, weshalb wir also mit dem Bus unterwegs sind. Die Straße führt durch tiefe Schluchten, die von Bergen in buntesten Farben umgeben sind und zu unserem Glück haben wir auch noch eine ganz besondere Zeit im Jahr erwischt:  genau die zwei Wochen, in denen die hohen Kakteen, die Cardones, blühen und ein wunderschönes Bild abgeben. Gegen Mittag haben wir den Bahnhof von San Antonio erreicht und befinden uns immerhin schon auf 3.774 Metern über dem Meeresspiegel. Man merkt, dass die Luft hier deutlich dünner ist. Trotzdem wollen wir mit dem „Tren a las Nubes" noch höher hinaus. In gut 90 Minuten legt die alte Diesellokomotive etwa 20 Kilometer und knapp 500 Höhenmeter zurück, bevor wir das Viadukt „La Polvorilla" erreichen. Nicht selten scheint der Zug hier über den Wolken zu schweben, jedoch nicht heute – am strahlend blauen Himmel ist kein einziges Wölkchen zu sehen. Am Viadukt macht der Zug eine Pause und man hat die Möglichkeit bei einheimischen Verkäufern allerhand Souvenirs zu erstehen. Heute wird das Getümmel noch zusätzlich untermalt durch musikalische Darbietungen in bunten Kostümen: heute ist Tag der Tradition.
Zurück in San Antonio de las Cobres erwarten uns Mari und Marie am Bahnhof und wir sind froh, dass alle die Höhe mehr oder weniger gut überstanden haben und niemand die medizinische Notversorgung an Bord in Anspruch nehmen musste, denn unsere heutige Reise geht noch weiter. Auf der legendären Ruta 40, hier allerdings eine abenteuerliche Schotterpiste, durchfahren wir die Puna-Hochebene. Auf dem Weg entdecken wir die ersten Vicuñas, die wilden Cousins der domestizierten Lamas und nähern uns langsam den Salzseen auf dem Grenzgebiet der Provinzen Salta und Jujuy. Die Salinas Grandes erstrecken sich über eine Fläche von über 820 Quadratkilometern, eine Fläche eineinhalbmal so groß wie der Bodensee. Die bizarren weißen Flächen bieten zahlreiche Möglichen für kreative Fotoideen bevor wir, oder besser gesagt unser Fahrer Raúl, den letzten Anstieg des Tages vor sich hat. Wir überfahren den Pass Cuesta de Lipán, und passieren noch einmal 4.170 Meter, bevor sich vor uns die Schlucht von Purmamarca ausbreitet. Am Abend erreichen wir das kleine Städtchen und unser gemütliches Hotel „Marques de Tojo", wo wir bei einem späten Abendessen mit vielen neuen Eindrücken den langen Tag ausklingen lassen.

Tag 8 Schlucht von Humahuaca


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Die größte Attraktion Purmamarcas kann man eigentlich erst erkennen, wenn man das Städtchen gen Osten verlässt, denn es liegt direkt an einer Felsformation, die sich der siebenfarbige Hügel nennt. Wenn man genau hinsieht, haben die 600 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten jedoch noch viel mehr als nur sieben Farben. Nach einem kurzen Fotostopp fahren wir zunächst weiter durch die Schlucht von Humahuaca. Schon während der Fahrt können wir die beindruckenden Felsformationen und deren Farbspektren bestaunen. Unterwegs halten wir immer wieder an interessanten Punkten an, so zum Beispiel am Wendekreis des Steinbocks und in einem Dörfchen namens Uquía, dessen kleine Kirche geschmückt ist durch zahlreiche Kunstwerke von Malern der sogenannten Schule von Cusco. Humahuaca selbst ist zwar im Kolonialstil gebaut, allerdings besonders bekannt ist die Stadt für ihren langen Kampf gegen die spanischen Eroberer und das macht sich auch bei der Bevölkerung bemerkbar: die meisten Einwohner hier stammen von den Ureinwohnern, den Omaguaca, ab. Pünktlich um 11:05 Uhr versammeln sich hier jedoch alle aus einem recht katholischen Grund vor dem Rathaus, denn zur Mittagstunde öffnet sich ein Türchen im Turm und der Heilige Franziskus tritt hervor, um die Gemeinde zu segnen.
Zum Mittag fahren wir zurück nach Tilcara, wo wir in einem typischen Grill-Restaurant eine beachtliche Menge Fleisch vorgesetzt bekommen. Anschließend machen wir uns auf um die Pucará, die rekonstruierte Festung der Omaguaca, zu besichtigen. Der Aufstieg lohnt sich, denn von oben hat man einen herrlichen Blick über die gesamte Schlucht und ihre farbigen Felsen, die zusammen mit den blühenden Kakteen und den grauen Wolken des in der Ferne aufziehenden Gewitters ein wunderschön kontrastreiches Bild ergeben. Auf dem Weg zurück nach Purmamarca halten wir noch im Dorf Maimara: dort haben die Felsen aufgrund ihrer Farbigkeit und der Anordnung den Namen „Malerpalette bekommen". Am Nachmittag bleibt die Gelegenheit noch etwas über den Markt zu schlendern oder auf einen kleinen Aussichtspunkt zu steigen, um noch einmal den Hügel der sieben Farben zu betrachten. Den Abend lassen wir schließlich in einem naheliegenden Restaurant bei landestypischer Musik ausklingen.

Tag 9 Hügel der sieben Farben – San Salvador de Jujuy – Salta


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Bevor wir zurück in Richtung Salta starten, beginnt der Tag mit dem gestern schon versprochenen Spaziergang um den Hügel der sieben Farben herum. Ein Stück fährt Raúl uns mit dem Bus, dann können wir zu Fuß die wunderbaren Aussichten auf die verschiedenfarbigen Gesteinsformationen genießen. Nach dem Spaziergang verlassen wir Purmamarca endgültig und fahren zunächst durch den südlichen Teil der Humahuaca-Schlucht, zur Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy. Hier legen wir an der Plaza Belgrano einen Stopp ein und haben die Möglichkeit die Kathedrale und den 1907 erbauten Regierungspalast mit seinem berühmten Flaggensaal zu besichtigen. Hier wird die erste Nationalflagge Argentiniens aufbewahrt, die Manuel Belgrano der Stadt 1812 als Geschenk überreichte. Anschließend führt der Weg zurück nach Salta, wo wir im Restaurant „Adelina" zu Mittag essen. Da das Wetter nach dem Essen immer noch stabil aussieht, möchte Mari uns noch einen der schönsten Orte rund um Salta zeigen: San Lorenzo ist eine kleine Gemeinde, wo die wohlhabenden Einwohner der Provinzhauptstadt im 19. Und 20. Jahrhundert ihre Sommervillen bauen ließen. Auch heute fahren die Salteños an besonders heißen Tagen die 12 Kilometer aus der Stadt hinaus und genießen die frische Luft im nahegelegenen Naturschutzgebiet. Die Vegetation überrascht uns: statt Wüste und flacher Steppe erwartet uns hier ein dichter grüner Wald mit blühenden Bäumen. Wir verstehen sofort, warum hier jeder gerne her kommt, um dem Trubel in der Stadt zu entfliehen.
Der Nachmittag bleibt uns, um noch ein wenig durch Salta zu schlendern und den Tag schließlich noch einmal in geselliger Runde im Hotelrestaurant ausklingen zu lassen. Am nächsten Morgen heißt es nämlich sehr früh aufstehen...

Tag 10 Flug nach El Calafate über Buenos Aires


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... denn um 03:30 Uhr klingelt erbarmungslos der Wecker, dabei haben wir gar nicht besonders viel vor. Heute ist der erste Tag, an dem wir eigentlich nur damit beschäftigt sind von A nach B zu fliegen. Wir wollen vom Nordwesten Argentiniens über Buenos Aires bis ins südliche Patagonien, nach El Calafate. Mari und Marie bringen uns trotz früher Stunde gemeinsam zum Flughafen und wir verabschieden uns mehr als herzlich von den beiden, die uns ihre Heimat in den letzten Tagen sehr nah gebracht haben. Der erste Flug verläuft problemlos und überpünktlich landen wir zur Frühstückszeit in der Hauptstadt. Da es den meisten um vier Uhr morgens zu früh war um zu Essen, überbrücken wir uns die Wartezeit zunächst einmal mit einem Frühstück im Hard Rock Café. Gegen Mittag fliegen wir weiter nach El Calafate. Schon vom Flugzeug aus können wir im Anflug die schneebedeckten Gipfel der südlichen Andenkette sehen, unter anderem auch die ikonischen Spitzen des Mount Fitzroy. Was uns hier erwarten wird unterscheidet sich ganz deutlich vom bisher gesehenen.
Im Ankunftsbereich empfängt uns unsere französischstämmige Reiseleiterin Magalie und begleitet uns anschließend mit Fahrer Eduardo zu unserem Hotel „Los Canelos". Die Unterkunft begeistert uns sofort mit dem großzügigen Wintergarten und der noch größeren Terrasse, von wo aus man eine unbeschreibliche Aussicht auf die Berge und den Lago Argentino, den größten See des Landes, hat.
Bei einem gemeinsamen Spaziergang decken wir uns mit Proviant für den nächsten Tag im Nationalpark ein und gehen später zum Abendessen ins Restaurant „El Chucharón", von welchem alle restlos begeistert sind.

Tag 11 Nationalpark Los Glaciares, Perito Moreno Gletscher


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Das Klima im Süden Patagoniens ist nach den sommerlichen Temperaturen in Salta definitiv noch gewöhnungsbedürftig, doch gut eingepackt und noch besser gelaunt machen wir uns am Morgen zusammen mit Magalie und Eduardo auf in Richtung Nationalpark Los Glaciares. Der Weg führt uns zunächst entlang des Lago Argentino, der mit seinen 1.415 Quadratkilometern dreimal so groß ist wie der Bodensee. Wir können auch schon die ersten Eisberge entdecken, die laut Magalie allerdings nicht vom Perito Moreno, sondern vom Upsala Gletscher kommen. Neben beeindruckenden Wetterphänomenen (mehr Regenbögen!) können wir auf dem Weg auch Andenkondore sehen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 300 Zentimetern zählen sie zu den größten Vögeln der Erde.
Als wir den Nationalpark erreicht haben dauert es nicht lange, bis vor uns die Südseite des Perito Moreno Gletschers auftaucht – schon der erste Anblick ist beeindruckend. Es ist schwer sich vorzustellen wie es möglich ist, dass dieser der einzige Gletscher ist, der immer im Gleichgewicht ist und somit aus unerklärlichen Gründen von den Auswirkungen der Klimaerwärmung verschont bleibt. Nach einem kurzen Fotostopp geht es für uns zunächst einmal zum nahegelegenen Hafen. Wenig später fahren wir schon über den türkisblauen Lago Argentino, direkt an die Eiskante des Gletschers heran. Bis zu 70 Meter türmen sich die Eismassen vor uns auf und beeindrucken uns mit ihren Farbschattierungen, die von Weiß bis zu sattem Blau reichen – ein Anblick der wirklich nicht in Worte zu fassen ist. Weiter geht es anschließend mit dem Bus zur Nordseite des Gletschers. Hier kann man den Perito Moreno von etwas weiter entfernt überblicken und entlang bequemer Wege die Schönheit der Natur in aller Ruhe genießen. Immer wieder werden wir Zeugen wie der Gletscher kalbt, das heißt wie kleine oder größere Brocken mit lautem Getöse von der Eismasse abbrechen und herunter in den See stürzen – ein beeindruckendes Schauspiel, an dem man sich kaum sattsehen kann.
Gegen Nachmittag kehren wir nach El Calafate zurück und sind schon jetzt voller Vorfreude auf den nächsten Tag. Nach all der Hitze hat uns jetzt definitiv das Eis-Fieber gepackt!

Tag 12 Nationalpark Los Glaciares, Estancia Cristina


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Obwohl wir wieder einmal sehr früh aufstehen müssen sind alle bester Dinge. Heute geht es noch weiter hinein in den Nationalpark. Auf dem Programm steht heute der fakultative Ausflug zu einer typischen Estancia – früher Woll-Farm, heute umorientiert auf den Tourismus, doch was man definitiv kennenlernt ist die Abgeschiedenheit, in der die Pioniere hier lebten. Nach einer etwa einstündigen Fahrt zum Hafen Punta Bandera geht es mit dem Schiff drei Stunden lang über den mitunter sehr unruhigen Lago Argentino. Je weiter wir Richtung Norden vordringen, desto mehr Eisberge können wir sehen – und sie werden immer größer. Dann können wir den ersten Blick auf den 50 Kilometer langen Upsala-Gletscher erhaschen. Sein Ende liegt auf dem See auf, was dazu führt, dass durch Bewegung und Temperaturunterschiede des Wassers immer wieder große Eisberge kalben können, die dann sehr lange und mitunter auch weit auf dem Wasser treiben. Wiederum ein unglaubliches Naturschauspiel.
Eine gute halbe Stunde später erreichen wir endlich die abgelegene Estancia. Als sie 1904 von einer englischen Familie gegründet wurde, lebte diese hier vollkommen auf sich allein gestellt und fernab von Zivilisation und medizinischer Versorgung. Das führte schließlich auch dazu, dass die einzige Tochter Cristina im Alter von 24 Jahren an einer Lungenentzündung starb.
Bevor wir allerdings das Anwesen besichtigen, geht es für uns auf Discovery Safari. Das bedeutet, dass wir in einen großen Allrad-Jeep steigen, der uns in einer knappen Stunde auf Bergpisten neun Kilometer in die Berge hinein bringt. Die Fahrt ist aufregender als die Schifffahrt auf dem unruhigen Lago Argentino, aber die Aussicht entschädigt schon jetzt. Am Ende der Fahrt noch ein kleiner Anstieg zu Fuß und dann folgt die Belohnung: ein atemberaubender Blick über den tiefblauen Lago Guillermo, die umliegenden Berge und den Upsala-Gletscher. Ein Bild das sich wirklich nicht in Worte fassen lässt. Was sich ebenfalls nicht beschreiben lässt, sind die Windgeschwindigkeiten bis zu 130 km/h, die uns hier um die Nase wehen.
Zurück im warmen Restaurant der Estancia packen wir unser mitgebrachtes Picknick aus und stärken uns mit frischen Brötchen und Dosenbier. Danach können wir mit der sympathischen Guillerma noch ein wenig das Anwesen erkunden. Neben der Geschichte der Familie zeigt das kleine Museum auch wie die Schafzucht auf den Estancias im frühen 20. Jahrhundert vonstattenging und wie hart dieses abgeschiedene Leben wirklich war. Was damals noch Entbehrung bedeutete ist heute allerdings wahrer Luxus – viele Gäste kommen nicht nur für einen Tagesausflug, sondern gleich für mehrere Tage, um einmal richtig auszuspannen. Wir müssen jedoch leider noch heute zurück nach El Calafate.
Auch wenn der Tag sehr lang und auch ein wenig anstrengend war, sind wir uns einig darüber, dass uns das südliche Patagonien tief beeindruckt hat – und es ist wahrscheinlich, dass wir wiederkommen, denn ein hiesiges Sprichwort sagt, dass man wiederkommen wird wenn man von den Calafate – Sauerdornbeeren – gekostet hat, und das haben wir auf jeden Fall alle mehrfach getan.

Tag 13 Flug nach Trelew über Ushuaia


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Unverhofft kommt oft – dieses abgedroschene Sprichwort soll heute unseren Tagesablauf am besten beschreiben. Doch zunächst von vorne: früh verlassen wir unser Hotel in El Calafate in Begleitung von Magalie – so früh, dass wir es schon fast in Frage stellen, denn wir haben ja nun schon die Gepflogenheiten der argentinischen Provinzflughäfen kennengelernt. Doch als wir wenig später ganz vorne in einer sehr langen Schlange am Check In-Schalter stehen, müssen wir Magalie zugestehen, dass sie wohl Recht hatte. Schnell stellen wir fest, dass unser Anschlussflug von Ushuaia – übrigens 600 Kilometer in die falsche Richtung – nach Trelew um über drei Stunden verspätet sein soll. Später finden wir auch heraus, dass das an einem der berühmten Streiks der Fluggesellschaft liegt.
Angekommen in Ushuaia machen wir also aus der Not eine Tugend, denn uns bleiben nun fast sechs Stunden in der südlichsten Stadt der Welt. Bereits am Vortag hatten wir Pläne geschmiedet, die eigentlichen drei Stunden Aufenthalt zu nutzen, um die ikonischen Stempel vom „Ende der Welt" in unsere Pässe zu bekommen. Nun besteigen wir drei Taxen und beschließen die Extra-Zeit auszukosten: der erste Weg führt natürlich trotzdem zur Touristeninformation, wo wir die heißbegehrten Pass-Stempel bekommen. Zusätzlich bekommen wir auch den Tipp, mit dem Bus zum Aussichtspunkt unterhalb des Gletschers Martial zu fahren. Der Großteil der Gruppe entscheidet sich für den kleinen Ausflug und im Handumdrehen sind wir am Ende einer verwaisten Skipiste gelandet. Der Aufstieg ist zwar anstrengend, belohnt jedoch mit einer grandiosen Aussicht über Ushuaia und den Beagle-Kanal auf der einen Seite, den Gletscher auf der anderen. Als wir oben angekommen sind beginnt es sogar ein wenig zu schneien und wir finden, dass wir eigentlich großes Glück im Unglück gehabt haben.
Auch der Teil der Gruppe, der in der Stadt geblieben ist, ist sehr zufrieden und hat sehr gut zu Mittag gegessen als wir uns wieder zurück auf den Weg zum fünf Kilometer entfernten Flughafen machen. Verpasst haben wir in der Tat nichts, denn es vergeht trotzdem noch einige Zeit, bis wir tatsächlich in Richtung Trelew starten. Dort angekommen erwartet und Reiseleiterin Ruth, die uns gemeinsam mit Fahrer Dante ins 65 Kilometer entfernte Puerto Madryn bringt. Auf der Fahrt bekommen wir die ersten Eindrücke von der patagonischen Steppe, doch den meisten fallen nach wenigen Minuten Fahrt schon die Augen zu. Angekommen in unserem Hotel „Bahia Nueva", direkt am Meer gelegen, beeilen wir uns angesichts der Uhrzeit mit dem Check In, damit wir möglichst schnell um die Ecke im Grill-Restaurant „Estela" noch etwas zu Abend essen und dann bald in unsere Betten fallen können.

Tag 14 Pinguinkolonie Punta Tombo – Gaiman – Puerto Madryn


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Nach dem langen Tag gestern begrüßen wir es sehr, dass wir heute zumindest ein bisschen länger Schlafen und entspannt Frühstücken können. Schon gestern hat uns Ruth darauf vorbereitet, dass Patagonien vor allem bedeutet sehr weite Strecken zurückzulegen – heute erwarten uns knapp 400 Kilometer in Dantes Minibus. Zunächst führt uns die schon bekannte Strecke zurück in Richtung Trelew. Heute haben wir allerdings etwas mehr Zeit und somit die Möglichkeit einem ganz besonderen (und besonders großen) Zeitgenossen einen Besuch abzustatten. Kurz vor der Einfahrt nach Trelew steht eine lebensgroße Nachbildung des größten Dinosauriers der Welt. 260 Kilometer entfernt von hier hat ein Bauer im Jahr 2010 die ersten Knochen dieser über 70 Tonnen schweren Riesenechse der nach ihr benannten Gattung „Patagotitan mayorum" gefunden. Heute werden die insgesamt 130 Knochen und 57 Zähne im Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Trelew ausgestellt.
Doch zum eigentlichen Highlight dieses Tages führt uns der Weg noch etwas weiter und die Hauptakteure sind auch ein bisschen kleiner und quicklebendig. Am späten Vormittag erreichen wir die Landspitze Punta Tombo, wohin eine der größten Magellan-Pinguin-Kolonien der Welt zum Brüten und zur Aufzucht der Jungtiere kommt. Jedes Jahr tummeln sich etwa eine Million der bis zu 70 Zentimeter großen Tiere innerhalb des 210 Hektar großen Naturschutzgebiets. Wir haben sogar extrem großes Glück, denn die 40 Tage Brutzeit der Pinguine neigt sich gerade dem Ende zu und die ersten Küken wurden schon entdeckt. Zuerst sichten wir aber erst einmal eine ganze Herde Guanacos – die anderen wilden Cousins der Lamas – die direkt neben dem Parkplatz grasen.
Für den Spaziergang durch das Schutzgebiet müssen wir zwei ganz spezielle Regeln beachten. Die erste ist selbsterklärend: immer auf den Wegen bleiben. Die zweite ist sogar ausgeschildert: Pinguine, die auf ihrem Weg zum Wasser oder zurück den Fußgängerweg kreuzen, haben immer Vorfahrt. Schon geht es für uns los und es dauert nicht lange, bis wir die ersten Tiere entdecken und ganz entzückt sind von den drollig watschelnden und überhaupt nicht scheuen Magellan-Pinguinen. Der absolute Höhepunkt sind dann natürlich die beiden zwei und drei Tage alten, total flauschigen Pinguin-Küken, die wir in einem Nest direkt am Wegrand sehen können – was für ein unglaubliches Glück wir haben!
Der Weg zurück nach Puerto Madryn führt uns durch das fruchtbare Chubut-Tal, das sehr viel grüner und fruchtbarer ist als die patagonische Steppe. Hier werden Obst und Gemüse angebaut, vor allem Erdbeeren und Kirschen. Für letztere ist es eigentlich noch einige Wochen zu früh, doch Ruth macht es tatsächlich möglich, dass wir die dunkelroten Früchte probieren können, die wirklich vorzüglich schmecken. Wir kommen auch durch das Dorf Gaiman, das mit seinen Bruchsteinhäusern schon auf den ersten Blick so gar nicht südamerikanisch wirkt. Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich walisische Aussiedler in Patagonien niedergelassen, die auf der Suche nach Freizeit und wirtschaftlichem Aufschwung waren – und deren Nachfahren prägen das Leben hier noch heute, zum Beispiel mit der intensiven Pflege der walisischen Sprache – auch unter musikalischen Gesichtspunkten. Ruth hat einige Beispiele dabei und uns wird einmal mehr deutlich, wie divers die Geschichte der Besiedlung Patagoniens tatsächlich ist.
Zurück in Puerto Madryn entdecken wir die Cervezeria direkt neben unserem Hotel für uns und probieren uns noch ein wenig durch die verschiedenen Craft-Biere Patagoniens.

Tag 15 Halbinsel Valdés


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Auch der heutige Tag steht wieder ganz im Zeichen der Natur- und vor allem Tier-Beobachtung, allerdings geht es heute zunächst erst einmal knapp 200 Kilometer in die andere Richtung – zur 3625 Quadratkilometer großen Halbinsel Valdés, die komplett unter Naturschutz steht. Nach etwa einer Stunde fahrt erreichen wir das Besucherzentrum, wo wir uns – zumindest theoretisch – schon mal ein wenig mit den Hauptakteuren des Tages beschäftigen können: den südlichen Glattwalen. Zu unserer Überraschung und Freude kann man hier auch Pass-Stempel sammeln, sogar drei verschiedene, wenn man möchte.
Von nun an geht der Weg weiter über Schotterpiste und man muss zugeben, die Landschaft ist wieder einmal nicht besonders abwechslungsreich. Immerhin entdecken wir jedoch einige Guanaco-Herden, Schopfsteißhühner (wirklich ein schweres Wort!), Kanincheneulen, Hasen und Nandus. Über die Punta Cantor erreichen wir gegen Mittag die Punta Delgada mit ihrem kleinen, aber von Weitem schon erkennbaren Leuchtturm. Vor dem Mittagessen statten wir noch der Seeelefanten-Kolonie am Strand einen kleinen Besuch ab. Die erwachsenen Männchen sind schon wieder ins Meer zurückgekehrt, aber wir können noch viele Weibchen und Jungtiere entdecken, die die warmen Sonnstrahlen sichtlich zu genießen scheinen.
Für uns geht es am Nachmittag weiter nach Puerto Pirámides. Das kleine Fischerdorf hat sich in den vergangenen Jahren zum Urlaubsort gemausert, ist aber hauptsächlich Anlaufpunkt für Touristen, die zur Walbeobachtung im Golfo Nuevo kommen. Genau das haben wir auch vor. Nach einer kurzen Wartezeit bekommen wir unsere Schwimmwesten und dann geht es auch schon bald mit dem Schiff hinaus auf den Golf. Ganz gegenteilig zu unseren vorherigen Erfahrungen mit Unternehmungen ähnlicher Art dauert es nur wenige Minuten, bis wir in unmittelbarer Nähe eine Walmutter mit ihrem Jungen entdecken. Die folgenden eineinhalb Stunden vergehen wie im Fluge während wir beobachten, fotografieren und staunen – denn es ist unglaublich beeindruckend diese riesigen Tiere aus nächster Nähe, teilweise direkt neben unserem Schiff, erleben zu können. Als wir spät auf dem Weg zurück nach Puerto Madryn sind, sind wir uns einig, dass dieser Tag wieder ein voller Erfolg gewesen ist.

Tag 16 Puerto Madryn – Flug nach Buenos Aires – Tango-Show



Der Tag beginnt heute sehr entspannt, denn unser Rückflug nach Buenos Aires geht erst am Nachmittag, so bleibt noch Zeit in Puerto Madryn Einkäufe zu erledigen oder einen kleinen Spaziergang am Strand oder ins Stadtzentrum zu unternehmen, bevor uns unser Fahrer Dante abholt. Er wird begleitet von Reiseleiterin Roswitha, einer deutschen Auswanderin, die uns heute zum Flughafen bringen wird. Zum Glück scheinen die Airline-Streiks nun endgültig beigelegt und mit unserem Flug läuft heute wieder alles wie geplant.
In Buenos Aires wartet ein bekanntes Gesicht auf uns: Reiseleiterin Mariel holt uns vom Flughafen ab und bringt uns in das ebenso vertraute Hotel Dazzler San Martín. Das Abendprogramm bestreiten wir allerdings alleine. Nach einer kleinen Ruhepause werden wir von einem Transferservice abgeholt und nach La Boca zum berühmten Tango-Lokal „La Ventana" gebracht. Hier wird uns zunächst in sehr interessantem Ambiente ein schmackhaftes Drei-Gänge-Menü inklusive Rotwein serviert, anschließend beginnt die knapp zweistündige Tango-Show. Die Vorführung ist sehr kurzweilig und um einiges professioneller und authentischer als die Tanzshow, die wir bereits in Brasilien gesehen haben. Neben dem berühmten Tango räumt das Programm auch Platz für die traditionelle Musik der Andenvölker, sowie die Traditionen der Gauchos ein. Ein toller Abschlussabend für unsere Reise, der noch einmal die eine oder andere Erinnerung weckt!

Tag 17 Buenos Aires – Heimreise


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Unseren letzten Vormittag in Buenos Aires nutzen wir nach einem ausgiebigen Frühstück noch einmal standesgemäß. Nachdem alle Formalitäten im Hotel erledigt sind, fahren wir gemeinsam mit Mariel zur Plaza Lavalle, wo wir unter anderem den Justizpalast sehen, der den Bundesgerichtshof Argentiniens beherbergt.
Auf der anderen Straßenseite erwartet uns eines der wichtigsten Häuser in kultureller Hinsicht – unser Ziel ist das Teatro Cólon, das bekannteste Theater der argentinischen Hauptstadt. Bei einer öffentlichen Führung haben wir die Möglichkeit, den Prachtbau aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert von innen zu bewundern. Beim Bau des Theaters nach französischen und italienischen Vorbildern wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um die edelsten Baustoffe und Dekorationsstücke aus Europa importieren zu lassen. Im großen Saal finden bis zu 3.500 Besucher Platz, die hier Opern, Ballett und Konzerten beiwohnen können. 1908 wurde das Theater schließlich mit „Aida" von Giuseppe Verdi eingeweiht. Seither sind hier Weltstars wie Montserrat Caballé, Maria Callas, José Carreras oder Luciano Pavarotti aufgetreten, die das Theater nicht zuletzt aufgrund seiner hervorragenden Akustik schätzen.
Nach diesen schönen Eindrücken haben wie noch ein wenig Zeit durch die Stadt zu spazieren und die letzten warmen Sonnenstrahlen zu genießen, bevor es Zeit wird sich von Buenos Aires und somit auch von Argentinien zu verabschieden. Am frühen Nachmittag fahren wir in Begleitung von Mariel zum Internationalen Flughafen Ezeiza, wo wir am frühen Abend unsere Boeing 747 Richtung Frankfurt am Main besteigen.

Tag 18 Ankunft in Deutschland



Überpünktlich um 10:45 Uhr landen wir in Frankfurt am Main – hier werden sich unsere Wege wieder trennen. Eine sehr schöne und ereignisreiche Reise geht zu Ende. 16 Tage in Argentinien haben viele Eindrücke und Erinnerungen hinterlassen: vom den Regenwäldern Iguazús, über die Wüsten und Hochebenen Saltas und Jujuys, die Steppen und die reiche Tierwelt des nördlichen Patagoniens bis in die Eiswelten ganz im Süden und den kleinen Ausflug ans Ende der Welt. Einerseits ist die Zeit vergangen wie im Fluge, andererseits haben wir das Gefühl viel länger unterwegs gewesen zu sein – doch ganz sicher ist, dass diese Reise noch sehr lang im Gedächtnis bleiben wird, nicht nur bei der Aufarbeitung der Unmengen an geschossenen Fotos.



Liebe Gäste, ich möchte mich ganz herzlich bei Euch bedanken, dass Ihr mich auch als Zweitbesetzung mitgenommen und meine wunderbaren Übersetzungsfähigkeiten ertragen habt :)  – ich habe anhängend noch eine kleine Bilanz für Euch.

Eure Sinah

Flüge gesamt: 11
Bootsfahrten gesamt: 5 (6)
Pass-Stempel gesamt: 10 (+4)
Zurückgelegte Flugkilometer: ca. 31.700
Zurückgelegte Buskilometer: ca. 3.100
Verlorene Gepäckstücke: 0
Örtl. Reiseleiter(innen): 7 (+1)
Örtl. Busfahrer: 10
Begeisterte Mate-Trinker: 1
Verspeiste Empanadas: min. 80
Geleerte 1 Liter-Bierflaschen: min. 50 (+Dunkelziffer)

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Vielen Dank liebe Sinah für den tollen und sehr umfangreichen Reisebericht. Aufgrund der vielen beschriebenen Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Details ist es möglich, die Reise immer von Neuem nochmals zu erleben, sich an Kleinigkeiten zu erinnern und an so mancher Stelle auch zu schmunzeln. Und danke auch für die lustige, zahlenmäßige Erfassung.?? Es war wirklich eine besonders schöne und interessante Reise.

Irene Kehrer
08.12.2018
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