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Reisebericht: Große Rundreise Südamerika von Peru bis Patagonien

02.11. – 25.11.2019, 24 Tage Rundreise durch 5 Länder: Lima - Machu Picchu - Titicaca-See - La Paz - Santiago de Chile - Torres del Paine-Nationalpark - Perito Moreno-Gletscher - Buenos Aires - Iguazu-Wasserfälle und Rio de Janeiro

Südamerika. Ein Kontinent von rund 5100 km Länge. Von tropischen Regenwäldern, durch die trockensten Gebiete der Erde bis hin in die eisigen Welten Patagoniens. Uralte Kulturen, Kolonialismus und Moderne – eine Reise voller Gegensätze.

Tag 1 Anreise nach Lima



Schon lange war es Anfang November nicht mehr so kalt in Deutschland – also nichts wie weg hier! Früh geht es für uns alle los, denn unser erstes gemeinsames Ziel heißt Amsterdam. Hier treffen wir am späten Vormittag auf bekannte und unbekannte Gesichter, denn nicht alle haben an unserem Info-Treffen Anfang September teilgenommen. Nichtsdestotrotz, schnell lernt man sich kennen und ebenso schnell stellt sich das Gefühl ein, dass wir doch eine ganz nette Truppe zu sein scheinen.
Als perfekte Einstimmung auf die entspannte Lebensart Südamerikas lässt auch unser Flugzeug ein wenig auf sich warten. Mit etwas Verspätung besteigen wird jedoch bald die KLM-Maschine Richtung Lima. Den langen Flug vertreiben wir uns mit Filmen und Nickerchen und 12 Stunden und 10.521 km später landen wir in der peruanischen Hauptstadt. Gemeinsam passieren wir die Einreise-Kontrolle und erfreuen uns daran, dass auch unser Gepäck vollständig in Südamerika angekommen ist. Einige Momente später treffen wir dann auf unsere örtliche Reiseleitung Karina, die uns zu unserem Hotel im Stadtteil Miraflores begleitet. Genau genommen liegt der Flughafen Jorge Chávez gar nicht in Lima, sondern in der Hafenstadt Callao – und so dauert es, obwohl es Samstagabend ist und relativ wenig Verkehr, doch eine knappe Stunde bis wir den Stadtteil Miraflores erreichen. Es ist bereits dunkel, doch die südamerikanische Fahrweise macht trotzdem schon mächtig Eindruck – und auch von der privilegierten Lage Limas, als einzige Hauptstadt Lateinamerikas direkt am Pazifik gelegen, können wir uns schon überzeugen. Trotzdem sind wir schließlich alle froh nach diesem langen Tag endlich in unsere Betten fallen zu können.

Tag 2 Lima


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Theoretisch hätten wir heute ein wenig ausschlafen können, praktisch ist die Zeitverschiebung jedoch an keinem spurlos vorbeigegangen und so treffen wir uns doch alle recht früh am reichhaltigen Frühstücksbuffet. Trotz der kurzen Nacht sind wir neugierig darauf die peruanische Hauptstadt zu erkunden und besteigen wenig später zusammen mit Karina unseren Bus. Trotz des Sonntags und kaum Verkehr, ist die Fahrt von Miraflores in die Altstadt für Europäer doch ein wenig mit Nervenkitzel verbunden. Davon wie groß die Stadt wirklich ist können wir uns gar kein richtiges Bild machen, denn sie erstreckt sind über ein Gebiet von 2672 km² – das ist größer als das Saarland! Wie viele Menschen hier wirklich leben, das weiß auch niemand so genau. Die letzte offizielle Zahl lag bei etwa 8,5 Millionen, doch die Stadt wächst rasant. Karina spricht von etwa zehn Millionen, das wäre knapp ein Drittel aller Peruaner.
Was wir von Lima sehen wirkt sauber und aufgeräumt. Wir hören auf der Fahrt vieles über die Geschichte der Stadt und wie sich seit Ende des Terrorismus zu Beginn der neunziger Jahre eine Menge zum Guten gewendet hat. Die Stadt erlebt Aufschwung und es wird laufend neu gebaut – jedoch hier im Zentrum vor allem für wohlhabende Menschen. Die Altstadt Limas ist Verkehrsknotenpunkt und Verwaltungs- und Kulturzentrum. Die Gebäude lassen verschiedenste Einflüsse aus Europa erkennen. An der Plaza San Martín – bekannt nach dem argentinischen Unabhängigkeitskämpfer José de San Martín – verlassen wir den Bus und führen unseren Besichtigungstour zu Fuß weiter fort. In der Mitte des Platzes, der 1921 neu gestaltet wurde, steht ein riesiges Reiterstandbild und rund herum reihen sich herrschaftliche Gebäude im klassizistischen Stil. Auf dem weiteren Weg durch die Stadt begegnet uns schon bald ein bunter Umzug von traditionell gekleideten Menschen, die mit Musik und Tanz durch die Fußgängerzone ziehen. Karina erklärt uns, dass es sich um einen Zusammenschluss von Einwohnern aus dem Hochland handelt, die heute gemeinsam das hundertjährige Bestehen eines Dorfes in ihrer Provinz feiern. Berauscht vom fröhlichen Treiben landen wir wenig später auf der Plaza de Armas, dem Hauptplatz der Stadt. Er wird zu zwei Seiten gerahmt durch große gelbe Gebäude im kolonialen Stil mit wunderschönen Holzbalkonen. Hier befinden sich zudem das Rathaus, der Präsidentenpalast und die Kathedrale von Lima, zwischen 1535 und 1615 erbaut.
Vorbei am Fluss Rimac, der jetzt, kurz vor Beginn der Regenzeit, noch recht wenig Wasser führt, geht es weiter zum Kloster Santo Domingo. Bei der Kolonialisierung Südamerikas spielten die verschiedenen Orden eine wichtige Rolle, unter anderem wurde hier 1551 die erste Universität Südamerikas gegründet, die bis heute besteht. Und auch die etwa 45 noch hier lebenden Mönche tragen noch einen großen Teil zur Gesellschaft bei, si e leisten Beistand wenn Bedürftige Hilfe bei schulischen, medizinischen oder rechtlichen Problemen benötigen. Der Kreuzgang des Klosters ist außerdem eine Insel der Ruhe im hektischen und lauten Treiben Limas – heute sind es vor allem die beiden Prozessionen, die auf dem Hauptplatz sattfinden, die für Aufruhr sorgen.
Nach dem Sightseeing gibt es noch ein kleines kulinarisches Highlight: auf dem Markt im Stadtteil San Isidro dürfen wir allerlei frisches Obst kennenlernen und schließlich auch verkosten.
Nachdem Karina uns im Bus schon – zumindest theoretisch – in die Küche Perus eingeweiht hat – beschließen einige von uns in der Mittagsfreizeit eine typische Garstube aufzusuchen und dort die wichtigsten Gerichte schon mal zu probieren: Ceviche, frischer zitronensaftgegarter Fisch; Lomo Saltado, in der Pfanne gegartes Rindfleisch; und Papas Rellenas, gefüllte Kartoffelbällchen. Dazu gibt es, wie könnte es anders sein, Inka Cola. Ein gelungener Mittagsimbiss, der abgerundet wird durch einen kleinen Spaziergang an die Steilküste.
Am Abend geht es für uns noch zu einer Folklore-Show im Dama Juana. Nach einem leckeren Buffetessen mit typischen peruanischen Speisen werden uns die traditionellen Tänze der verschiedenen Provinzen des Landes vorgestellt. Leider können wir es nicht gebührend genießen, denn wir sind doch alle schon recht müde und letztendlich froh, als der anstrengende Tag vorbei ist...

Tag 3 Flug nach Cusco und Fahrt ins Heilige Tal


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... denn wenige Stunden später heißt es schon wieder aufstehen, Kofferpacken und ¡Adios Lima! Trotzdem sind alle guter Dinge, denn unser Ziel heißt Cusco – die ehemalige Hauptstadt der Inka. Da die Stadt auf einer Höhe von etwa 3400m über dem Meer liegt, sind wir alle gut vorbereitet um nicht Opfer der Höhenkrankheit zu werden. Es gibt ja auch wahrlich Schlimmeres als eine gute Ausrede zu haben, um schon morgens Schokolade zu essen!
Angekommen in Cusco merken wir auch gleich, dass die Luft schon deutlich dünner ist als in Lima – es ist also gar nicht so schlecht, dass wir uns gemeinsam mit unser Reiseleiterin Marita vom Flughafen aus gleich auf den Weg machen in Richtung des Heiligen Tals. Das etwa 60 km lange Tal des Flusses Urubamba liegt etwa 1000m niedriger als Cusco und hier lässt es sich schon gleich wieder ein wenig freier atmen. Nichtsdestotrotz, viel trinken und ein guter Schutz gegen die Höhensonne ist wichtig.
Unser erstes Ziel gegen Mittag heißt Ollantaytambo. Der Ort mit dem unaussprechlichen Namen ist das letzte verbleibende Beispiel für die Stadtplanung der Inka, erbaut in der Mitte des 15. Jahrhunderts und letzter Rückzugsort des Königs Manco Cápac vor der endgültigen Eroberung durch die Spanier unter Pizarro 1540. Höhepunkt ist die am Berghang gelegene Festung die sowohl dem Militär diente als auch als heiliger Bereich fungierte. Über eine Reihe von steilen Treppen gelangen wir über die typischen Inka-Terrassen hinauf zum Sonnentempel. Obwohl er nie vollendet werden konnte, sind wir beeindruckt von den riesigen Monolithen die im Mauerwerk verarbeitet wurden. Obwohl uns Marita erklärt, mit welcher Technik diese auf den Berg gebracht wurden, ist es kaum vorstellbar wie dies in der damaligen Zeit bewerkstelligt werden konnte.
Nach einer kleinen Pause in der Altstadt führt uns unser Weg weiter durch das Heilige Tal, weiter in den Ort Pisaq. Hier gibt es auf dem Kunsthandwerkermarkt allerhand zu entdecken – und diejenigen, die bisher keine adäquate Kopfbedeckung hatten, werden nun hier endlich fündig.
Pünktlich zum Ende des Marktes geht so langsam auch die Sonne unter und wir machen uns auf den Weg zu unserem Nachtquartier in Yucay. Unser Hotel befindet sich in einem historischen Kolonialgebäude des 18. Jahrhunderts und strahlt ein wunderbares Ambiente aus. Bei einem leckeren Abendessen können wir den ersten Tag im Heiligen Tal der Inka gemütlich ausklingen lassen.

Tag 4 Fahrt nach Aguas Calientes und erster Besuch in Machu Picchu


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Am nächsten Morgen holt uns Marita ab um mit uns noch einmal nach Ollantaytambo zu fahren, da wir von dort mit dem Zug weiter nach Aguas Calientes – oder auch Machu Picchu Pueblo genannt – weiterfahren müssen, eine Straße gibt es nicht. Unser Gepäck fährt anschließend mit Fahrer César zurück nach Cusco, während wir nur das Nötigste für eine Nacht mitnehmen.
Die einzige Alternative zur Fahrt mit der Eisenbahn Inka Rail ist eine viertägige Wanderung auf den Spuren der Inka – da wir dafür leider keine Zeit haben, steigen wir also wenig später in einen der hübschen blauen Panoramawagen. Auf der knapp zweitstündigen Fahrt können wir beobachten wie sich die Natur langsam verändert und alles noch ein wenig grüner um uns wird. Schon seit dem Morgen bangen wir darum, dass das Wetter doch bitte halten möge. Nichts ist schlimmer als die Vorstellung zum ersten Mal Machu Picchu zu sehen und dabei vor lauter Regenwolken gar nichts zu sehen – doch wir bleiben optimistisch und nippen gut gelaunt an unserem Koka-Tee, schließlich werden wir heute eines der Highlights dieser Reise erleben.
Angekommen in Aguas Calientes wird schon nach wenigen Sekunden klar: dieser Ort existiert nur wegen Machu Picchu. Alles in diesem 2000-Seelen Dörfchen ist ausgelegt auf den Tourismus und so gelangen wir vom Bahnhof nahtlos auf einen großen Markt, überqueren den Urubamba und lassen uns von Marita vorbeilotsen an zahlreichen Restaurants und Hotels, bis wir nach wenigen Minuten am richtigen Hotel angekommen sind. Hier laden wir nur schnell unser Gepäck ab und gleich geht es weiter zum Busterminal, von wo aus wir etwa zwanzig Minuten eine enge Serpentinenstraße hinaufgefahren werden bis zum Eingang der Ausgrabungsstätte von Machu Picchu. Das Weltwunder der Neuzeit liegt in einer Höhe von rund 2.430 Metern und gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Name Machu Picchu kann mit "alter Gipfel" übersetzt werden. Die Ruinenstadt in den Anden über dem Urubambatal befindet sich eingebettet in die Berge Huayna Picchu, was "junger Gipfel" bedeutet, und dem gleichnamigen Berg Machu Picchu. Bevor wir mit der etwa dreistündigen Führung durch die Inka-Stadt beginnen, verewigen wir dieses langersehnte Ereignis natürlich noch mit einem Stempel in unseren Reisepass. Nun geht es ein Stück serpentinenartig hinauf, von wo wir dann die erste atemberaubende Aussicht auf diesen sagenumwobenen Ort haben. Wir haben unglaubliches Glück und eine ungetrübte Sicht auf die Ruinen und den Huayna Picchu im Hintergrund, sodass es Marita schwer hat uns von den ersten Fotopunkten weg und weiter den Berg hinauf zu bekommen. Trotzdem versuchen wir natürlich uns die vielen interessanten Informationen zur Entstehung und Geschichte dieser heiligen Stätte aufzunehmen und zu speichern. Der Rundweg führt uns unter anderem durch das Tor Huaca Punku, vorbei am Steinbruch, weiter zum heiligen Platz Inticancha und dem Tempel der drei Fenster, zum Sonnenstein Intihuatana und auch zum Tempel des Kondors, unterwegs verschwinden zeitweilig auch die Wolken und der blaue Himmel zeigt sich über Machu Picchu. Dass die Anlage, die um 1450 erbaut wurde, so gut erhalten ist, ist dem Umstand geschuldet, dass die spanischen Eroberer nie bis hier her gekommen sind – es ist unwahrscheinlich zu glauben, dass sie nichts von der „Stadt in den Wolken" wussten, vielmehr war ihnen wohl der Aufwand zu groß, sie zu erobern, da die geschätzt 1000 Einwohner flohen, als die Spanier in das heilige Tal kamen. Erst im Jahr 1911 kam der amerikanische Forscher Hiram Bingham nach Machu Picchu und erweckte in Zusammenarbeit mit dem National Geographic das internationale Interesse an der alten Inka-Stadt. In Begleitung einiger sehr fotogener und wenig scheuer Lamas setzen wir unsere Besichtigung fort, ehe wir am Nachmittag mit dem Shuttle-Bus zurück nach Aguas Calientes fahren. Zurück im Hotel El Mapi verabschieden wir uns zunächst von Marita, sie wird schon zurück nach Cusco fahren, wo wir sie dann übermorgen wiedertreffen. Wir checken ein und haben dann noch die Möglichkeit ein wenig durch den Ort zu spazieren, bevor wir uns zum Abendessen wieder im Hotel treffen und den aufregenden Tag gemeinsam ausklingen lassen.

Tag 5 Machu Picchu und Fahrt nach Cusco


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Da der Wetterbericht nicht besonders vielversprechend ausgefallen ist und sich einige die ersten und wunderschönen Eindrücke von Machu Picchu nicht von Regenwolken verderben lassen wollen, nehmen nicht alle die Gelegenheit wahr am nächsten Morgen noch einmal mit dem Shuttle hinauf zu fahren. Diejenigen, die es wagen müssen feststellen, dass das Wetter in Aguas Calientes nicht unbedingt dem in Machu Picchu entspricht: während es im Tal noch trocken ist, regnet es auf dem Berg bereits und wir bekommen nun doch zu sehen wie es ist, wenn man so rein gar nichts von den Ruinen sehen kann und alles komplett im Nebel liegt. Später lichtet es sich noch ein wenig und es entstehen interessante Fotomotive – aber vor allem zeigt uns dieser zweite Besuch wie viel Glück wir doch gestern mit dem Wetter gehabt haben! Guten Gewissens können wir den im Hotel gebliebenen versichern, dass sie nichts verpasst haben, als wir uns später in der Lobby treffen. Gemeinsam machen wir uns am frühen Nachmittag auf den Weg zum Bahnhof, um zurück nach Ollantaytambo zu fahren. In der Inka Rail wird heute nicht nur Kuchen serviert, sondern auch ein wenig peruanische Folklore gezeigt und Alpakawollprodukte von den Mitarbeitern sehr sympathisch vorgeführt, so vergeht die Zeit sehr schnell. In Ollantaytambo erwartet uns schon unser Fahrer César, der uns zurück nach Cusco fahren wird. Unterwegs blüht er förmlich auf und wird beinahe zum Reiseleiter als er uns mit zahlreichen Anekdoten und Wissenswertem über das heilige Tal versorgt. Vor allem lernen wir auf dieser etwa zweistündigen Fahrt vieles über das Leben der Menschen in der Region, über Landwirtschaft und Wetterverhältnisse. Natürlich hören wir auch einmal mehr von den 8000 Kartoffelsorten Perus und wie vielen verschiedenen Farben sie blühen.
Am Abend erreichen wir die Inka-Hauptstadt Cusco durch die nördlichen Vororte. Dem ein oder anderen erscheinen die hier meist ohne Baugenehmigung und Sachverständigen errichteten Behausungen doch sehr befremdlich und man kann sich kaum vorstellen, dass Cusco wirklich eine schöne Stadt sein soll. Doch das diese Außenbezirke haben vor allem damit zu tun, dass die Stadt in den letzten Jahren rasant gewachsen ist und viele Leute aus kleinen armen Dörfern hierher kommen in der Hoffnung Arbeit zu finden. Wie viele Einwohner es wirklich gibt, das weiß niemand so genau, man schätzt jedoch etwa 450.000 – Tendenz steigend.
Als wir die Altstadt erreichen wird jedoch schnell klar, dass es hier im Zentrum ganz anders aussieht als in den Vororten. In Cusco hat sich die spanische Kolonialstadt wunderbar erhalten – und so befindet sich auch das Novotel in Cusco in einem sanierten Bau des 16. Jahrhunderts. Nach dem Check In bleibt noch kurz Zeit um sich ein wenig frisch zu machen, dann spazieren wir gemeinsam bis zum hellerleuchteten Hauptplatz, wo wir schon einmal einen Blick auf die Kathedrale und die Jesuitenkirche La Compañía werfen können. Von hier aus sind es nur noch wenige Schritte bis zum Restaurant República del Pisco und so viel sei gesagt: der Name ist Programm. Der Serviceleiter persönlich demonstriert uns heute vor dem Essen, wie ein richtiger Pisco Sour gemischt wird. Man braucht Zuckersirup, Zitronensaft, Eiweiß und natürlich Pisco, einen Tresterschnapps mit ordentlich Umdrehungen – und schon ist der leckere Aperitif fertig. Ein mutiger Freiwilliger darf es sogar selbst einmal ausprobieren. Genauso vorzüglich wie das Getränk schmeckt auch das im kolonialen Ambiente servierte Essen. Wir sind restlos begeistert.

Tag 6 Stadtbesichtigung in Cusco


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Heute ist endlich die ehemalige Hauptstadt des Inka-Imperiums an der Reihe. In seiner größten Ausdehnung erstreckte sich das Reich vom heutigen Kolumbien über Ecuador, Peru, Bolivien bis in den Norden Chiles und Argentiniens und die Inka herrschten über 250 verschiedene Völker. Cusco war das spirituelle und verwaltungstechnische Zentrum, das der Sage nach vom ersten Inka Manco Cápac, Sohn der Sonne, und seiner Schwester Mama Ocllo gegründet wurde. Die ersten archäologischen Funde weisen auf ein Gründungsdatum im 12. Jahrhundert hin. Und auch wenn die Stadt am 15. November 1533 von Francisco Pizzaro eingenommen wurde und wenige Jahre später bei einem Rückeroberungsversuch durch Manco Cápac II. zerstört und im kolonialen Stil wieder aufgebaut wurde, finden sich heute noch viele Spuren der Inka-Baukunst im Stadtbild. Gemeinsam mit Marita begeben wir uns also auf einen Spaziergang durch die Altstadt Cuscos.
Unser erstes Ziel ist das Dominikanerkloster Santo Domingo, das im 17. Jahrhundert über den Resten des zerstörten Sonnentempel Qorikancha, welcher die heiligste Stätte der Inka war, erbaut wurde. Wir können hier die 1438 errichteten Inka Mauern im Original bestaunen, da diese massiven und stabilen Wände von den Dominikanern mit in ihre Architektur einbezogen wurden. Damals sollen sich etwa 700 Platten Gold im Tempel befunden haben, die das Licht der Sonne reflektiert haben und den Tempel so zum strahlenden Zentrum der Stadt gemacht haben. Für die Inka hatte Gold keinen finanziellen Wert, erzählt uns Marita, für die Spanier allerdings schon und so ist von den Kunstschätzen der Inka auch hier leider nichts erhalten geblieben.
Entlang der engen Altstadtgassen schlendern wir weiter bis zum erzbischöflichen Palast, der einst ein Herrscherpalast der Inka gewesen war. Auch hier finden wir die monumentalen fugenlosen Inka-Mauern wieder – und den berühmten Stein der zwölf Ecken, welcher der Meinung einiger Forscher zu urteilen die zwölf Monate eines Jahres symbolisieren soll. Wir spazieren weiter und landen schließlich wieder auf der Plaza de Armas, wo die farbenfrohe Inka-Flagge weht. Hier wird unser letztes Besichtigungsziel die zwischen 1560 und 1664 erbaute Kathedrale Virgen de la Asunción sein. Marita führt uns zunächst zu einem Nebenaltar auf dem eine schwarz gefärbte Christusstatue zu sehen ist. Sie erzählt uns, dass die Ursache dafür der Rauch der Kerzen ist und dies ein Grund ist, warum heutzutage auch nur noch elektrische Kerzen angezündet werden. Die Statue wurde nach dem Erdbeben im Jahr 1650 gestiftet und ist im Moment aufgrund der Feierlichkeiten des Señor de los Milagros an exponierter Stelle zu sehen. Ein Stück weiter bekommen wir eine Seitenkapelle zu sehen, in der der Silberschatz aufbewahrt wird – die Gegenstände sind zum Teil so groß und schwer, dass die bei Prozessionen mit einem Elektromobil gefahren werden müssen. Was uns am meisten im Gedächtnis bleiben wird, ist ein Gemälde des Letzten Abendmals. Auf den ersten Blick scheint es nicht ungewöhnlich, doch dann bemerken wir, dass auf dem Tisch ein Brotlaib liegt, sondern ein Meerschweinchen! Marita erklärt uns, dass die Maler der Schule von Cusco meisterhaft darin gewesen sind, die christlichen Motive der Kolonialherrscher mit indigenen Attributen zu versehen – anschaulicher kann man uns das nicht demonstrieren. Und verwunderlich ist das Ganze nicht, denn auch die Kathedrale steht an einem heiligen Ort der Inka, der der Mutter Erde geweiht war und noch heute kommen Gläubige und beten für beides, den christlichen Gott und die Götter der Inka. Für uns ist das ein wenig schwierig nachvollziehen, aber für die Menschen hier macht das absolut Sinn.
Nach unserer Besichtigung machen wir alle gemeinsam noch einen kleinen Abstecher zum Schokoladenmuseum, da soll es nämlich laut Marita die beste heiße Schokolade geben. Nach dem Test sind wir uns sehr sicher, dass sie Recht hatte. Der Nachmittag bietet die Gelegenheit Cusco noch ein wenig auf eigene Faust zu entdecken und ein paar Souvenirs einzukaufen. Am Abend treffen wir uns dann wieder im Hotel um gemeinsam zum nahegelegenen Restaurant Incanto zu spazieren. Hier trifft peruanische Küche italienische Kochkunst und das Ergebnis kann sich durchaus sehen und schmecken lassen.

Tag 7 Fahrt nach Puno


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Heute verlassen wir Cusco und das Heilige Tal der Inka und begeben uns auf den Weg nach Süden, Richtung Titicaca-See. Wir haben zwar „nur" knapp 400 Kilometer zurückzulegen, jedoch ist die peruanische Landstraße nicht mit der deutschen Autobahn zu verwechseln und wir werden unterwegs natürlich auch noch das ein oder andere Interessante zu sehen bekommen. César und unseren Kleinbus lassen wir leider in Cusco zurück, dafür begleitet uns Marita und wir bekommen einen größeren Bus und Fahrer Jesús – wenn das mal kein Zeichen ist.
Unser erster Stopp nach einer guten Stunde Fahrt ist der kleine Ort Andahuaylillas. Hier in diesem unscheinbaren Dorf soll sich die Sixtinische Kapelle der Anden befinden, ehrlich gesagt schwer zu glauben. Doch als wir die von außen unscheinbare Kirche betreten, ändern wir unsere Meinung sofort. Die kleine Jesuitenkirche ist mit prachtvollen und wunderbar restaurierten Wand- und Deckenmalereien ausgestattet und wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Die Fahrt geht weiter und die Strecken zwischen den Dörfern werden länger und karger. Am späten Vormittag halten wir in Raqchi, um dort die Inka-Ruinen zu Besichtigen. Schon von weitem hören wir laute Musik: am nächsten Tag wird hier von Schülern ein Theaterstück aufgeführt und die Proben laufen auf Hochtouren. Marita lässt es sich aber nicht nehmen, uns das wichtigste über den Ort zu erzählen. Der Tempel Viracocha ist mit 100 Meter Länge und 25 Meter Breite das größte Gebäude, das die Inka je errichtet haben. Die Straßen von Raqchi waren nach einem strengen Muster ausgerichtet, das den Priestern mit Hilfe des Sonneneinfalls astronomische Beobachtungen ermöglichte, um den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat und Ernte zu bestimmen. Die Ernten lagerte man dann in den kühlen Speicherhäusern, welche damals schon vor Dieben und Einbrechern sicher waren. Auch hier werden wir Zeugen, wie die Einheimischen noch heute so Mais und Quinoa anbauen, wie es ihre Vorfahren getan hatten. Wenig später dürfen wir uns dann beim Mittagessen auf noch angenehmere Art und Weise mit dem einheimischen Essen beschäftigen. Im Restaurant Feliphon können wir noch einmal zahlreiche peruanische Spezialitäten probieren.
Auf der Weiterfahrt merken wir so langsam alle wieder ein wenig, wie uns die Höhe buchstäblich zu Kopfe steigt und kauen gemeinsam eine Runde Kokablätter. Am Pass La Raya erreichen wir auf 4335 Metern den höchsten Punkt unserer Reise und ergattern, außer den obligatorischen Erinnerungsfotos auch noch das ein oder andere preiswerte Souvenir. Wir sind hier nicht nur am höchsten Punkt der Reise, La Raya ist auch gleichzeitig die Grenze zwischen den Provinzen Cusco und Puno – wir kommen unserem Ziel also näher. Außer der Tatsache, dass uns immer noch jedes gesichtete Alpaka am Straßenrand begeistert, spielt sich vor den Busfenstern nicht viel Abwechslungsreiches ab. Wenn man sich jedoch vor Augen führt wie eine Landschaft auf etwa 4000 Metern in Europa aussehen würde, dann können wir uns über den Anblick der Steppe freuen. Nach einem letzten kleinen Zwischenstopp in Pucará erreichen wir bald die Stadt Juliaca. Als Wirtschaftszentrum und Zentrum der Textilindustrie ist Juliaca mit etwa über 200.000 Einwohnern die größte Stadt in der Region. Für uns macht sich das vor allem am Verkehr bemerkbar: offensichtlich wird gerade die Hauptstraße saniert, denn sie existiert schlichtweg nicht mehr. Da wo einmal eine Straße gewesen ist, klaffen jetzt große Trümmerlöcher. Jesús ist also gezwungen uns mit dem Bus durch enge Seitenstraßen zu manövrieren – ein Erlebnis der anderen Art. Schlussendlich schafft er es jedoch uns etwa eine Stunde später heil und wohlbehalten an unserem Hotel Posadas del Inca direkt am Titicaca-See abzuliefern. Wir verabschieden uns von Marita und checken ein, im Glauben, dass es für uns am nächsten Tag nach Bolivien weitergeht...

Tag 8 Titicaca-See, die Inseln der Uros und Taquile


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... doch es kommt wie bekanntlich immer anders als man denkt. Natürlich waren die politisch motivierten Unruhen nicht unbemerkt an uns vorbeigezogen, ganz im Gegenteil hatten wir viel darüber gesprochen und uns natürlich auch Gedanken über unsere Sicherheit gemacht. Nun war es aber so gekommen, dass uns spät am Abend die Agentur in Bolivien aus Sicherheitsgründen unser Programm storniert hat – die Lösung: da wir natürlich trotzdem den Titicaca-See erleben möchten, machen wir das heute von Puno aus. Glück haben wir jedenfalls mit dem Wetter; von dem Wolkenbruch gestern Abend ist nichts mehr zu sehen, schon früh scheinen die ersten Sonnenstrahlen auf den Titicaca-See und vor unseren Fenstern tummeln sich Dutzende wilde Meerschweinchen – was ein Anblick!
Später trifft unsere Reiseleiterin Inka (wie passend!) im Hotel ein und wir sind schlagartig froh, dass wir so spontan einen solchen Glücksgriff gemacht haben. Die Tochter eines Deutschen und einer Kolumbianerin ist uns sofort sympathisch und wird uns heute den Tag über begleiten. Mit dem Boot geht es direkt vom Hotelanleger aus hinaus auf den höchsten schiffbaren See der Erde. Es fließen über 25 Flüsse in den mit einer Fläche von rund 8.288 Quadratkilometern fast 15,5 Mal so großen See wie der Bodensee. Seine durchschnittliche Wassertemperatur beträgt nur neun Grad. Der westliche kleinere Teil gehört zu Bolivien und der andere größere östlich gelegene Part, ungefähr 60 Prozent, liegt in Peru. Wir werden heute zwei der Ureinwohnervölker des Titicaca-Sees kennenlernen, die Uros auf ihren schwimmenden Inseln, sowie die Intika oder Quechua auf Taquile. Inka erzählt uns schon auf dem Boot von der Geschichte der Uros, die bis zur Eroberung der Inka an den Ufern des Titicaca-Sees gelebt hatten, und dann auf den See hinaus verdrängt wurden. Wir lernen auch, wie wir die Uros begrüßen sollen. Wir fragen mit "Kamisaraki" die Bewohner, wie es ihnen geht und die Antwort "Waliqui" bedeutet "Gut". Die Bewohner von Tuahuantinsuyo erläutern uns ihre Lebensweise und das Vorgehen beim Bau ihrer Inseln, eine sehr gute Übersetzung erhalten wir von Inka, die die Sprache der Uros spricht. Die kleinen Inseln, Hütten und sogar die Boote der Uros bestehen lediglich aus Schilf, welches ständig erneuert werden muss, da sie sonst auseinander fallen würden. Im Anschluss dürfen wir uns noch die Wohnräume der Uros genauer ansehen und kaufen einige handgefertigte Andenken um die Gastfreundschaft wertzuschätzen. Im Anschluss fahren wir noch auf eine der drei Gemeinschaftsinseln der Uros, wo wir sogar die Möglichkeit finden, gegen einen Sol einen Stempel für unseren Reisepass zu ergattern.
Unser nächstes Ziel heißt Taquile, eine knapp 6 km² große Insel, die sich weitestgehend selbst verwaltet und wie eine Genossenschaft funktioniert. Alle etwa 2000 Einwohner arbeiten für das Gemeinwohl und üben Fischerei und Landwirtschaft aus. Bekannt ist die Insel auch als Insel der strickenden Männer – warum das so ist, das werden wir bald noch sehen. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir den Hafen Slacanta. Von hier aus geht es einen sehr steilen Weg nach oben zum Restaurant und Hauptplatz der Insel. Unsere Wanderung ist zwar kurz, aber durch die Höhe und dem steinigen Pfad sehr intensiv. Umso mehr bestaunen wir die Taquileños, die die Waren, die in Puno auf dem Markt gekauft wurden, in ihren Tragetüchern den Berg hinauf schleppen. Bei unserer Gastfamilie angekommen erklärt uns Inka mithilfe der Familienmitglieder die unterschiedlichen Mützen, Kopftücher und Gürtel der Inselbewohner und die damit verbundenen Traditionen. Die Männer stricken ihre Mützen unter anderem als Bewährungsprobe für die Hochzeit, während die Frauen als Hochzeitsgeschenk einen Gürtel für ihren Mann weben, für den sie ihr eigenes Haar verwenden, was sie traditionell niemals abschneiden. Das ist unserer Meinung nach ein ganz schön großes Opfer für die Liebe!
Zu Essen gibt es in jedem der 26 Gaststätten der Insel das gleiche: wir bekommen eine Gemüsesuppe und als Hauptspeise gibt es eine köstliche Forelle. Die wunderbare Aussicht über den Titicaca-See ist inklusive. Anschließend teilt sich unsere Reisegruppe. Inka wandert mit einem Gruppenteil bergauf zum Hauptplatz während der andere Teil noch ein wenig verweilt und dann gemütlich zurück zum Hafen spaziert. Zurück an Bord unseres Boots sind wir uns alle einig, dass das heute ein sehr gelungener Unglückstag gewesen ist und sind sehr froh, dass manches eben doch manchmal anders kommt, als es eigentlich geplant gewesen ist – denn sonst hätten wir weder die Uros, noch die netten Taquileños und auch nicht Inka kennengelernt.

Tag 9 Flug nach Lima


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Früh morgens heißt es heute Abschied nehmen, denn wir verlassen heute nicht nur den Titicaca-See, sondern heute verkleinert sich durch die Wirren, die die Aufstände in Bolivien mit sich gebracht haben, auch unsere Gruppe vorzeitig. Ein kleiner Teil wird sich heute der Probleme zum Trotz auf ins „Krisengebiet" machen, während wir ausweichen und schon heute zurück nach Lima fliegen, um morgen früh unseren Weiterflug nach Santiago de Chile wahrnehmen zu können.
Mit einem Transfer werden wir zum Flughafen von Juliaca gebracht – und erwarten eine spannende Fahrt, dem nach zu urteilen, was wir gestern dort beobachten konnten. Es verläuft jedoch alles problemlos und wir erreichen den Flughafen mehr als pünktlich. Auch unser Flug nach Lima ist pünktlich und gegen Mittag erreichen wir wieder das Casa Andina Hotel in Miraflores, wo wir schon die ersten Nächte in Peru verbracht hatten. Da wir uns hier schon ein wenig auskennen bietet sich nun die Gelegenheit den Nachmittag zu nutzen um etwas zu entspannen, einen kleinen Spaziergang an die Küste zu machen oder gemütlich Kaffee zu trinken.
Am Abend treffen wir uns alle noch einmal um eine Sache zu erledigen, die noch auf so mancher To Do-Liste steht: eines der peruanischen Nationalgerichte, frittiertes Meerschweinchen, zu probieren. Die Begeisterung derjenigen, die es probieren hält sich etwas in Grenzen, ganz im Gegenteil zur Abscheu derjenigen, die den noch sehr gut zu erkennenden Nagern ins Auge blicken müssen, während sie ihre Nudeln verspeisen. Unterhaltsam ist der Abend allemal!

Tag 10 Flug nach Santiago de Chile und Stadtbesichtigung


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Heute verlassen wir nach über einer Woche endgültig Peru. Unser nächstes Ziel heißt Santiago de Chile und natürlich machen wir uns Gedanken darüber, wie es uns in Chile ergehen wird, denn auch da sieht die politische Situation nicht besonders rosig aus. Wir versuchen jedoch uns etwas positiv einzustellen und sich ja doch auch gespannt auf das, was uns erwartet.
Nach einem etwa dreistündigen Flug erwartet uns am Flughafen zunächst einmal eine sehr strenge Einreisekontrolle – doch alle haben sich gut gemerkt, dass es nicht erlaubt ist, frische Lebensmittel nach Chile einzuführen und auch die übrigen Koka-Blätter sind in Lima geblieben. So interessieren sich die niedlichen Spürhunde nicht für uns und wir werden an der Gepäckkontrolle vorbeigewinkt. Am Ausgang wartet schon unser Guide Claudio auf uns, der nett, aber ein wenig nervös wirkt. Angekommen im Bus erklärt er uns wie die aktuelle Lage in Santiago gerade aussieht und dass wir unsere Stadtrundfahrt je nach Sicherheitslage anpassen werden – so weit so gut. Wir fahren also zunächst einmal ins Zentrum der chilenischen Hauptstadt. Hier leben über fünf Millionen Menschen und Claudio erklärt uns auch gleich, dass die aktuellen Unruhen vor allem damit zu tun haben, dass die Menschen unter den extrem hohen Lebenshaltungskosten leiden, die sie mit ihrem geringen Lohn kaum stemmen können. Zudem erzählt er, dass die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs mittlerweile kaum noch gegeben sei, egal wie hart man dafür arbeite. Natürlich bringt uns das zum Nachdenken. Umso überraschter sind wir, als wir am Zentralmarkt ankommen und feststellen, dass hier alles ganz normal aussieht – wir machen also einen kleinen Spaziergang durch das Zentrum. Allein anhand zahlreicher Graffitis und eingeworfener Fensterscheiben an öffentlichen Gebäuden lässt sich hier gerade der Ausnahmezustand erkennen. Claudio erklärt uns, dass die Proteste meistens erst am späten Nachmittag beginnen, da die Menschen zur Arbeit gehen müssen – wer zwei Mal unentschuldigt fernbleibt, kann fristlos gekündigt werden. Wir können uns also zumindest einen kleinen Eindruck von Santiago machen, kommen vorbei am Justizgebäude und landen schließlich auf der Plaza de Armas, wo wir das alte Postamt und die Kathedrale, sowie einen in den Beton eingelassenen Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert besichtigen können. Dann wird es endlich Zeit für eine Stärkung – zurück am Zentralmarkt besuchen wir ein traditionales Fischrestaurant, bevor es weiter geht zu unserem Hotel. Auf der Fahrt bekommen wir auch zum ersten Mal einen kleinen Einblick, wie das mit den Protesten aussieht – auf dem Plaza Italia treffen sich die ersten Demonstranten. Claudio erklärt uns, dass die Proteste anfangs immer sehr ruhig verlaufen, bis entweder die Polizei sich einschaltet oder einige wenige gewalttätig werden.
Wir sind doch ganz froh, dass sich unser Hotel Bonaparte im ruhigen Wohnviertel La Providencia befindet und wir dort scheinbar fernab des Trubels sind. Wir lassen den Abend gemeinsam in der gemütlichen Hotellobby ausklingen und sind gespannt darauf, was uns noch erwartet...

Tag 11 Fast nach Valparaíso oder: Aufruhr in Santiago


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... denn auf dem Plan steht heute ein Ausflug in den Küstenort Valaparaíso mit Besichtigung des Pablo Neruda Anwesens Isla Negra – wenn uns nicht kurz nach Abfahrt im Hotel die Nachricht erreichen würde, dass der für heute angekündigte Generalstreik doch weitaus mehr Beeinträchtigungen mit sich zieht, als ursprünglich erwartet. In der Praxis heißt das: alle Autobahnzufahren von der Stadt aus sind blockiert, wir kommen nicht Richtung Westen. Es muss also ein Notfallplan her. Nach einigen Beratungsgesprächen und Telefonaten beschließen wir ins Maipú-Tal zu fahren, welches landschaftlich sehr schön sein soll. Auf dem Weg aus der Stadt hinaus erfahren wir, wie die Art von Straßenbarrikaden aussehen, mit denen man lieber nicht zu tun haben möchte: wütende Demonstranten und brennende Autoreifen auf der Fahrbahn. Nach etwa einer Stunde Fahrt ereilt es uns dann doch, mitten in einem kleinen Dorf stehen auch wir vor einer Sperre. Claudio unterhält sich mit einer Demonstrantin, die auch sehr nett ist, uns aber auch erklärt, dass es nach dieser Sperre noch drei weitere gibt und keine Garantie wie und wann wir zurück nach Santiago kommen würden. Unser Notfallplan ist also auch gescheitert. Wir fahren erst einmal ein paar Kilometer zurück und machen dann eine kleine Kaffeepause. Während dessen schafft es Claudio das einzige Weingut zu kontaktieren, das heute nicht geschlossen hat – wir werden uns den Tag also schön Trinken müssen.
Eine knappe Stunde später erreichen wir das wunderschön gelegene Weingut Santa Rita, wo wir bei einer Führung zunächst vieles über den Weinanbau in Chile lernen und anschließend natürlich ein paar der edlen Tropfen probieren dürfen. Zum Schluss legen wir noch eine kleine Mittagspause im Café des Weinguts ein, bevor wir dann zurückfahren nach Santiago – was widererwarten relativ problemlos vonstattengeht. Natürlich sind wir enttäuscht über den Verlauf des Tages, aber schlussendlich auch froh, dass wir uns nicht in Gefahr gebracht haben.
Den Abend verbringen wir mit Claudio im Restaurant Giratorio bei einem leckeren Essen mit grandioser Aussicht über Santiago. Was wir von hier aus auch bald sehen werden ist, dass die Proteste es heute auch bis nach Providencia geschafft haben. Von oben können wir einen der Protestmärsche beobachten und stellen fest, dass das ganze tatsächlicher eher aussieht wie ein buntes Fest als wie eine gewaltvolle Demonstration – es gibt wohl tatsächlich immer zwei Seiten einer Medaille. Nach dem Essen treffen wir auf der Straße auch noch einige der Demonstranten, die allesamt sehr nett und friedlich sind. Den ergreifendsten Moment erleben wir, als aus einem Innenhof laute Musik ertönt – irgendwo in einem Hochhaus singt jemand über Heimat und Freiheit und unten stehen zahlreiche Menschen und schwenken ihre Flaggen. Irgendwie passt das nicht zu dem, was wir in unseren Medien über die Proteste in Südamerika berichtet bekommen.
Wir verlassen Santiago wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge...

Tag 12 Flug nach Punta Arenas und Fahrt nach Puerto Natales


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Das Frühaufstehen sind wir ja mittlerweile gewohnt, doch heute heißt es eher aufstehen, bevor es eigentlich ins Bett geht. Unser armer Guide Claudio musste sogar in unserem Hotel auf dem Sofa in der Lobby schlafen, da es sich für ihn nicht gelohnt hätte, nach Hause zu gehen. Demensprechend müde geht es also gegen halb zwei Uhr morgens los zum Flughafen. Unser Ziel heißt Punta Arenas – die Hauptstadt des chilenischen Teil Patagoniens. Nach einem etwa dreistündigen Flug landen wir pünktlich und werden direkt von unserem jungen Reiseleiter Rodrigo begrüßt. Zusammen mit ihm geht es nun weiter ins etwa 250 Kilometer entfernte Puerto Natales.
Als wir das Flughafengelände verlassen, sehen wir auf der rechten Seite der Straße Wasser – die Magellanstraße, wie Rodrigo uns erklärt, die chilenische Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik. Auf wir ebenfalls schnell kennenlernen, das ist die patagonische Weite – kilometerweit sieht man nur Steppe und weiter nichts, trotzdem ist das Land eingezäunt. Das liegt daran, dass das komplette Land aufgeteilt ist auf Estancias, große Schaffarmen, mit denen man im 19. Und 20. Jahrhundert sowohl in Chile wie auch in Argentinien Einwanderer in die unattraktiven Gebiete Patagoniens locken konnte. Auch heute werden hier noch Schafe gezüchtet, allerdings gehören mittlerweile viele Estancias zu Großkonzernen. Nach etwa 90 Minuten stoppen wir im Dorf Villa Tehuelches, denn wir haben alle noch nicht gefrühstückt. Wir sind uns alle einig, dass diese Empanadas wohl die besten sind, die wir jemals gegessen haben! Dann geht die Fahrt weiter bis nach Puerto Natales, dem Ausgangsort für Ausflüge zum Torres del Paine Nationalpark. Die Kleinstadt liegt am Fjord der letzten Hoffnung, der seinen melancholischen Namen dem vergeblichen Versuch des spanischen Kapitäns Juan Ladrilero verdankt, im Jahr 1557 einen westlichen Eingang zur Magellanstraße zu finden.
Unsere Hoffnung besteht darin, dass das Wetter sich bis morgen noch ein wenig zum Positiven verändert und dass es vor allem trocken bleibt. Wir erreichen unser Hotel Aquaterra, welches ein wenig rustikal, aber sehr gemütlich ist und machen uns im Anschluss auf den Weg, um den Ort noch ein wenig zu erkunden bevor wir uns zum gemeinsamen Abendessen wieder treffen.

Tag 13 Torres del Paine Nationalpark


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Wir werden heute von einem unschönen Geräusch geweckt: das Prasseln von Regen auf dem Dach ist das was wir am allerwenigsten hören wollen – doch wir haben schon in Peru gelernt, optimistisch bleiben hilft manchmal doch. Also wird erst einmal lecker gefrühstückt, bevor es los geht Richtung Torres del Paine Nationalpark.
Wir verlassen Puerto Natales Richtung Nordwesten und sehen schon bald, dass das Wetter tatsächlich besser wird. Na also, man muss nur fest daran glauben! Im chilenischen Grenzort Cerro Castillo machen wir einen kleinen Zwischenstopp, bevor es weiter zum Nationalpark geht. Auf dem Weg machen wir endlich Bekanntschaft mit den wilden Cousin unserer Lieblingsalpakas: die Guanacos sehen etwas verwegener, aber noch lange nicht weniger niedlich aus. Bald schon türmt sich vor uns das Paine-Massiv auf, ein bewegender Moment. Es ist noch ein wenig wolkenverhangen, aber wir sind noch immer optimistisch – und tatsächlich, mit jedem Fotostopp wird die Sicht besser, sodass sich uns die Hörner und auch ein großer Teil der Türme zeigen. Bevor wir in den Nationalpark hineinfahren, machen wir noch einen kleinen Umweg zum Paine-Wasserfall, der sich durchaus lohnt. Im Park angekommen bringt uns der Bus in Richtung Aussichtspunkt Lago Nordenskjöld. Von dort aus geht es weiter zum großen Wasserfall der in den Lago Pehoe endet. Von hier aus beginnt unsere ca. einstündige Wanderung zum Mirador Cuernos. Von hier haben wir einen fantastischen Ausblick auf den See Nordenskjöld und im Hintergrund hören wir immer wieder das imposante Rauschen von kalbenden Gletschern. Leider werden die Wolken nun wieder dichter und wir bekommen den ein oder anderen Regentropfen ab. Den gleichen Weg geht es wieder zurück zum Bus und so langsam haben wir uns unser Mittagessen verdient. In der Picknickzone einere nahgelegenen Cafeteria wollen wir es uns gerade gemütlich machen, als es dann doch anfängt zu regnen. Wir essen also schnell unsere Brötchen auf und genehmigen uns noch ein Heißgetränk im Café bevor es weitergeht zum Lago Grey – denn das bisschen Regen verdirbt uns noch lange nicht die Laune. Als wir ankommen hat es schon fast wieder aufgehört zu regnen, also unternehmen wir eine kleine Wanderung. Rodrigo lockt uns erfolgreich mit der Aussicht auf den Grey Gletscher und seine Eisberge. Über eine Hängebrücke laufen wir einen kleinen Weg hinab zum Strand, von wo aus wir tatsächlich die ersten schwimmenden Eismassen sehen können. Auch Wind und Nieselregen können uns nicht davon abhalten, den Weg entlang des Sees weiterzugehen und schließlich auch noch zum Aussichtspunkt hinaufzusteigen.
Zurück im Bus sind wir dann jedoch tatsächlich ziemlich erledigt und durchnässt und freuen uns darüber, dass es bis zu unserem Hotel Río Serrano nicht mehr allzu weit ist. Gemeinsam lassen wir später den aufregenden Tag noch einmal vor dem Kamin bei einem Glas Wein revuepassieren.

Tag 14 Fahrt durch die patagonische Steppe nach El Calafate


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Auf unserem Programm steht heute vor allem eines: Fahren. Wir verlassen unser Hotel am Torres del Paine Nationalpark im dichten Neben und Nieselregen und fahren wieder zum Grenzort Cerro Castillo. Nach einer kleinen Pause betreten wir die chilenische Grenzhütte und erhalten unseren Ausreisestempel. Mit dem Bus fahren wir dann weiter sieben Kilometer durch das „Niemandsland", wie Rodrigo es nennt, bis zur argentinischen Grenze. Hier ist wie erwartet alles etwas langwieriger. Der Busfahrer verschwindet zunächst alleine. Nachdem wir dann eine gefühlte Ewigkeit im Bus gewartet haben werden wir in das Grenzhaus herein gebeten um uns dort in die Schlange einzureihen, um unseren Einreisestempel zu erhalten. Als wir denken, dass nun alles erledigt ist, wird uns erklärt, dass der Fahrer nun noch das Prozedere für den Bus abwickeln muss. Wir fragen uns was er vorher eine halbe Stunde lange gemacht hat.
Nun liegen weitere dreieinhalb Stunden Fahrtzeit durch die argentinische Pampa vor uns bis nach El Calafate. Draußen gibt es wirklich nichts zu sehen, außer einigen wenigen Nandus, Guanacos und Graufüchsen, also holen etwas notwendigen Schlaf nach. Eine halbe Stunde bevor wir El Calafate erreichen, gibt es endlich etwas zu sehen: vor uns liegt der türkisblaue Lago Argentino , der mit seinen 1.415 Quadratkilometern dreimal so groß ist wie der Bodensee. Ein herrlicher Anblick nach der endlosen Einöde.
Am Nachmittag schließlich erreichen wir unser Hotel Los Canelos, ein rustikales Haus, das eine wunderschöne Terrasse mit Aussicht auf den See hat. Wir verabschieden uns von unserem chilenischen Busfahrer-Reiseleiter-Team und beziehen unsere Zimmer. Der restliche Nachmittag steht frei zur individuellen Gestaltung, wer möchte geht noch mit auf einen kleinen Spaziergang durch den Ort mit anschließendem Kaffeetrinken. Am Abend gibt es ein leckeres und sehr opulentes Essen im Wintergarten unseres Hotels. Unsere schiere Überforderung mit den Essensmengen kommentiert der Koch nur lachend mit „So isst man bei uns in Argentinien" und deutet auf seinen (nicht besonders großen!) Bauch.

Tag 15 Perito Moreno Gletscher


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Heute ist wieder einer der Tage, auf die wir lange gewartet haben. Nach dem Frühstück werden wir von unserem Guide Christian abgeholt und machen uns auf Richtung Nationalpark Los Glaciares. Der Weg führt uns zunächst entlang des Lago Argentino. Unterwegs erzählt uns Christian viel Interessantes über Flora und Fauna Patagoniens und wir kommen auch endlich in den – für den ein oder anderen etwas zweifelhaften – Genuss Mate zu probieren. Auch wenn es nicht jedermanns Geschmack ist, das gehört zum argentinischen Alltag und zumindest einmal muss man am gemeinschaftlichen Trinkhalm gezogen haben. Wir können auch schon bald die ersten Eisberge auf dem See entdecken, die allerdings nicht vom Perito Moreno, sondern vom Upsala Gletscher kommen. Man kann auch deutlich sehen, wie sich das Wetter hier ändert. Während in El Calafate noch die Sonne geschienen hatte, werden die Wolken hier immer dichter und dunkler. Als wir den Nationalpark erreichen, fallen leider schon die ersten Regentropfen – doch das ist ja noch kein Grund gleich pessimistisch zu werden.
Unter feierlicher Begleitung klassischer Musik taucht wenig später vor uns die Südseite des Perito Moreno Gletschers auf – schon der erste Anblick ist beeindruckend. Es ist schwer sich vorzustellen wie es möglich ist, dass dieser der einzige Gletscher ist, der immer im Gleichgewicht ist und somit aus unerklärlichen Gründen von den Auswirkungen der Klimaerwärmung verschont bleibt. Nach einem kurzen Fotostopp geht es für uns zunächst einmal zum nahegelegenen Hafen. Wenig später fahren wir schon über den türkisblauen Lago Argentino direkt an die Eiskante des Gletschers heran. Bis zu 70 Meter türmen sich die Eismassen vor uns auf und beeindrucken uns mit ihren Farbschattierungen die von Weiß bis zu sattem Blau reichen – ein Anblick der wirklich nicht in Worte zu fassen ist und auch durch ein bisschen Regen nicht getrübt werden kann. Weiter geht es anschließend mit dem Bus auf die Nordseite des Gletschers. Hier kann man den Perito Moreno von etwas weiter entfernt überblicken und entlang bequemer Wege die Schönheit der Natur in aller Ruhe genießen. Zumindest theoretisch, denn mittlerweile regnet es immer heftiger und wir beschließen zunächst erst einmal einen kleinen Stopp bei Kaffee und heißer Schokolade zu machen und zu hoffen, dass der Schauer etwas nachlässt. Einige von uns rüsten sich noch mit Regencapes aus, bevor wir uns schließlich aus dem Besucherzentrum wagen. Obwohl das Wetter es leider wirklich nicht gut mit uns meint und nach und nach alles triefend nass wird, mindert das nicht unsere Begeisterung für die gewaltigen Eismassen. Immer wieder werden wir Zeugen wie der Gletscher kalbt, das heißt wie kleine oder größere Brocken mit lautem Getöse von der Eismasse abbrechen und herunter in den See stürzen – ein beeindruckendes Schauspiel, an dem man sich kaum sattsehen kann.
Nach etwa einer Stunde im strömenden Regen beschließen wir den Rückzug. Im Bus wird erst einmal gepicknickt und etwa eine Stunde später sind wir zurück in El Calafate – wo das Wetter natürlich schon viel freundlicher aussieht. Das launische Wetter gehört eben genauso zu Patagonien wie die Gletscher und die schönen Berge. Nach einer heißen Dusche nutzen wir den Nachmittag um noch etwas spazieren zu gehen, bevor wir dann im Asador El Pinchón den Abend mit einer schönen Aussicht über den Lago Argentino und bei reichlich gutem Essen ausklingen lassen.

Tag 16 Estancia Cristina


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Obwohl wir wieder einmal sehr früh aufstehen müssen sind alle bester Dinge. Heute geht es noch weiter hinein in den Nationalpark und glücklicherweise scheint das Wetter heute mehr auf unserer Seite zu sein. Auf dem Programm steht heute der fakultative Ausflug zu einer typischen Estancia – früher Woll-Farm, heute umorientiert auf den Tourismus, doch was man definitiv kennenlernt ist die Abgeschiedenheit, in der die Pioniere hier lebten. Nach einer etwa einstündigen Fahrt zum Hafen Punta Bandera geht es mit dem Schiff drei Stunden lang über den mitunter der unruhigen Lago Argentino. Je weiter wir Richtung Norden vordringen, desto mehr Eisberge können wir sehen – und sie werden immer größer. Dann können wir den ersten Blick auf den 50 Kilometer langen Upsala-Gletscher erhaschen. Sein Ende liegt auf dem See auf, was dazu führt, dass durch Bewegung und Temperaturunterschiede des Wassers immer wieder große Eisberge kalben können, die dann sehr lange und mitunter auch weit auf dem Wasser treiben. Wiederum ein unglaubliches Naturschauspiel.
Eine gute halbe Stunde später erreichen wir endlich die abgelegene Estancia. Als sie 1904 von einer englischen Familie gegründet wurde, lebte diese hier vollkommen auf sich allein gestellt und fernab von Zivilisation und medizinischer Versorgung, was schließlich auch dafür sorgte, dass die Tochter Cristina im Alter von 24 Jahren an einer Lungenentzündung starb.
Bevor wir allerdings das Anwesen besichtigen geht es für uns auf Discovery Safari. Das bedeutet, dass wir in einen großen Allrad-Jeep steigen, der uns in einer knappen Stunde auf Bergpisten 9 Kilometer in die Berge hinein bringt. Die Fahrt ist aufregender als die Schifffahrt auf dem unruhigen Lago Argentino, aber die Aussicht entschädigt schon jetzt. Am Ende der Fahrt folgt noch ein kleiner Anstieg zu Fuß und dann folgt die Belohnung: ein atemberaubender Blick über den tiefblauen Lago Guillermo, die umliegenden Berge und den Upsala-Gletscher. Ein Bild das sich wirklich nicht in Worte fassen lässt. Was sich ebenfalls nicht beschreiben lässt sind die Windgeschwindigkeiten bis zu 130 km/h, die uns hier um die Nase wehen – und gerade als wir zum Abstieg umkehren wollen ist er endlich da: der langersehnte Kondor in unmittelbarer Nähe, direkt über uns.
Zurück im warmen Restaurant der Estancia packen wir unser mitgebrachtes Picknick aus und stärken uns mit frischen Brötchen und Wein. Danach können wir noch ein wenig das Anwesen erkunden. Neben der Geschichte der Familie erfahren wir im eigenen Museum auch wie die Schafzucht auf den Estancias im frühen 20. Jahrhundert vonstattenging und wie hart dieses abgeschiedene Leben wirklich war. Was damals noch Entbehrung bedeutete ist heute allerdings wahrer Luxus – viele Gäste kommen nicht nur für einen Tagesausflug, sondern für mehrere Tage, um einmal richtig auszuspannen. Wir müssen jedoch leider noch heute zurück nach El Calafate.
Auch wenn der Tag sehr lang und auch ein wenig anstrengend war sind wir uns einig damit, dass uns das südliche Patagonien tief beeindruckt haben – und es ist wahrscheinlich, dass wir wiederkommen, denn ein hiesiges Sprichwort sagt, dass man wiederkommen wird wenn man den Calafate – Sauerdornbeeren – gekostet hat und das haben wir auf jeden Fall alle mehrfach getan.

Tag 17 El Calafate und Flug nach Buenos Aires


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Am nächsten Morgen dürfen wir dann tatsächlich auch mal ausschlafen und ganz in Ruhe frühstücken, bevor im Anschluss noch Zeit bleibt einen letzten kleinen Spaziergang durch den Ort zu machen oder noch das ein oder andere Souvenir einzukaufen. Am Mittag holt uns dann Christian ab und bringt uns zum etwas 20 Kilometer entfernten Flughafen. Uns wird einmal mehr deutlich, wie abgelegen diese Gegend noch vor 50 Jahren gewesen sein muss. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir den Flughafen und checken ein für unseren Flug nach Buenos Aires. Wir verabschieden uns von Christian, passieren die Sicherheitskontrolle und haben gerade noch Zeit, die Reste des gestrigen Proviants zu vernichten, bevor das Boarding für unseren Flug beginnt.
Etwa drei Stunden später haben wir die Hauptstadt Argentiniens erreicht und die winterlichen Temperaturen endgültig hinter uns gelassen – das wird sofort deutlich, als wir das Flugzeug verlassen. Wenig später sitzen wir auch schon mit unserer Reiseleiterin Ines im Bus, der uns vom internationalen Flughafen Ezeiza zum Hotel in der Innenstadt bringen soll. Ines erzählt uns schon heute einiges über ihre Heimatstadt und verständlicherweise gibt es unsererseits viele Fragen – nach allem was wir nun schon mitbekommen haben natürlich vor allem über die Lebensumstände der Menschen in Argentinien und die politische Situation. Glücklicherweise werden wir zumindest hier nicht von Streiks und Unruhen in Mitleidenschaft gezogen. Ganz im Gegenteil, heute ist Feiertag und die Straßen sind dementsprechend wie leergefegt. Schnell erreichen wir unser Hotel und haben nun die Gelegenheit uns noch ein wenig frisch zu machen bevor es weitergeht zum Abendessen.
Durch das abendlich erleuchtete Buenos Aires geht es schließlich für uns in den neu gestalteten Stadtteil Puerto Madero. Was ehemals der zweite große Hafen der Stadt gewesen ist, gebaut nach englischem Vorbild, ist heute das aufstrebende Ausgehviertel. Wir besuchen hier das Buffetrestaurant „La Bistecca" und genießen hier eine Mischung aus argentinischen, italienischen und internationalen Köstlichkeiten.

Tag 18 Stadtbesichtigung in Buenos Aires und Tango Show


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Der heutige Tag ist ganz der argentinischen Hauptstadt gewidmet. Nach dem Frühstück holt Ines uns ab, um uns Buenos Aires bei einer Stadtrundfahrt zu zeigen. Der erste Weg führt nicht weit, bis zum Hauptplatz, der Plaza de Mayo. Am ältesten Platz der Stadt befinden sich die wichtigsten Gebäude des Landes: der Präsidentenpalast – im Volksmund Casa Rosada – und die Landes-Kathedrale Santísima Trinidad, der letzte argentinische Wirkungsort des aktuellen Papstes Franziskus. Wir lernen ebenfalls einiges über die Geschichte des Landes und welches Leid die siebenjährige Militärregierung in den 70er und 80er Jahren über das Volk gebracht hat. Zu erkennen ist das heute noch an den aufgemalten Kopftüchern am Boden. Diese stehen für die zahlreichen Mütter, die für die Aufklärung des Verschwindens ihrer Kinder demonstierten.
Weiter geht es über die Avenida 9 de Julio, vorbei am Obelisken und dem Teatro Colón in Richtung des Stadtteils Palermo. Hier bekommen wir neben Luxusgeschäften und hübschen Stadtvillen auch die grüne Lunge Buenos Aires zu sehen und können auch einen kleinen Spaziergang durch den wunderschön angelegten Rosengarten machen. Gleichzeitig wird uns auch deutlich, wie groß die sozialen Unterschiede hier in Buenos Aires sind, denn vieles von dem, was wir sehen, ist nur zugänglich für diejenigen, die es sich leisten können.
Für uns geht es nun weiter zum Stadtfriedhof von La Recoleta. Die letzte Ruhestätte zahlreicher wohlhabender Familien und nationaler Helden aus den Unabhängigkeitskämpfen sorgt bei uns für Staunen, denn mit den uns vertrauten mitteleuropäischen Friedhöfen hat diese steinerne Ansammlung aus Mausoleen, Statuen und Kapellen wenig zu tun. Der Hauptanziehungspunkt dieser kleinen Stadt in der Stadt ist das Grab von Eva „Evita" Perón, der zweiten Frau des ehemaligen argentinischen Präsidenten Juan Perón, die als „Engel der Armen" noch heute weltweite Bekanntheit genießt. Allerdings entspricht die Gedenkstätte so gar nicht dem, was man bei solch einer wichtigen Persönlichkeit erwarten würde.
Nach der Stadt der Toten führt uns unser Weg direkt ins bunte Herz von Buenos Aires. Der Stadtteil La Boca gilt als Geburtsstätte des Tangos und ist die Heimat des wohl bekanntesten Fußballvereins Argentiniens, dem Club Atlético Boca Juniors, der Talente wie Diego Maradonna und Lionel Messi zu Weltstars machte. Bei einem Spaziergang haben wir die Gelegenheit das Hafenviertel, das seinen Namen der Lage an der Mündung Riachuelo-Flusses in den Río de la Plata verdankt, genauer zu besichtigen. Besonders ikonisch sind die bunt bemalten Häuser aus abgewracktem Schiffsblech, dem günstigsten Baustoff, den die ärmlichen italienischen Einwanderer gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Verfügung hatten. Heute sind die farbenfrohen Häuser natürlich Teil des Images und der Stadtteil ist längst zum modernen Künstlerviertel geworden.
Nun ist es erst einmal Zeit für eine kleine Mittagspause. Da Buenos Aires bekanntlich vor allem durch italienische Einwanderer geprägt wurde, entschließen wir uns, Ines Empfehlung zu folgen und in einer Pizzeria einzukehren. Im Anschluss bleibt noch genügend Zeit, die Stadt noch ein wenig auf eigene Faust zu erkunden. Am Abend geht es dann noch einmal nach La Boca zum berühmten Tango-Lokal „La Ventana". Hier wird uns zunächst in sehr schönem Ambiente ein schmackhaftes Drei-Gänge-Menü inklusive Wein serviert, anschließend beginnt die knapp zweistündige Tango-Show. Die Vorführung ist sehr kurzweilig und professionell. Neben dem berühmten Tango räumt das Programm auch Platz für die traditionelle Musik der Andenvölker sowie die Traditionen der Gauchos ein. Ein toller Abschlussabend für Buenos Aires und auch schon ein wenig Abschied von Argentinien...

Tag 19 Flug nach Iguazú und Besuch der argentinischen Wasserfälle


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... denn es heißt zunächst ¡adios Buenos Aires! und am Abend dann auch ¡adios Argentina! – dafür erwartet uns auch ein weiteres großes Highlight der Reise: die Wasserfälle von Iguazú.
Wir werden von Ines Kollegin Nadja abgeholt und machen uns auf zum Stadtflughafen J. Newbery. Der kurze Weg zum Flughafen ist schnell geschafft, der Check In sehr unkompliziert und die Sicherheitskontrollen relativ übersichtlich – und nach kurzer Wartezeit sitzen wir auch schon im Flugzeug. Nach etwa eineinhalb Stunden setzen wir schon wieder zur Landung an und überfliegen dichten Tropenwald und die großen Wassermassen des Flusses Iguazú, was in der Sprache der Ureinwohner, dem Guaraní, auch genau das bedeutet: großes Wasser. Die berühmten Wasserfälle gelten mit 2700 Metern als die breitesten der Welt und markieren die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien markieren.
Am recht übersichtlichen argentinischen Flughafen Iguazú (mit ganzen zwei Gates) treffen wir wenig später unseren Guide Gilnei, kurz und etwas einfacher Gil. Der Brasilianer mit deutschen Wurzeln begleitet uns nun zunächst zu unserem Bus und kurz darauf auch schon hinein in den argentinischen Nationalpark Iguazú. Da der Großteil der Wasserfälle auf der argentinischen Seite liegt, werden wir hier viel näher am Geschehen sein, morgen jedoch von Brasilien aus die bessere Aussicht auf das Gesamtbild haben – wird sind jetzt schon gespannt.
Eine Schmalspurbahn bringt uns zunächst weit hinein in den Nationalpark. Von der Endstation aus geht es auf gemütlichen Gitterwegen einmal quer über den Iguazú bis an das obere Ende der sogenannten Teufelsschlucht, dem Herzen der Wasserfälle, wo der Fluss 82 Meter in eine 700 Meter lange und 150 Meter breite Schlucht fällt. Steht man einmal oberhalb dieser Schlucht, wird einem erst bewusst, mit welcher Kraft die Wassermengen hier in die Tiefe stürzen. Während wir anschließend wieder auf die Bahn warten, machen wir Bekanntschaft mit den pelzigen Einwohnern des Parks: südamerikanische Nasenbären, die alles andere als scheu sind.
Obwohl uns die ungewohnte Hitze noch deutlich zu schaffen macht – vorgestern waren wir noch in Patagonien! – unternehmen nun noch einen zweiten Spaziergang oberhalb der argentinischen Wasserfälle, von wo aus sich uns herrliche Fotomotive bieten, die durch zahlreiche Regenbögen noch zusätzlich verschönert werden. Im Schatten und mit der langsam etwas tiefer stehenden Sonne ist dieser Weg auch deutlich angenehmer.
Am Abend sammeln wir unsere letzten Pass-Stempel: wir verlassen Argentinien und reisen nach Brasilien ein. Das Grenzprozedere ist hier glücklicherweise relativ unkompliziert: Gil sammelt unsere Pässe ein und verschwindet damit zunächst im argentinischen Zollgebäude. Schnell taucht er wieder auf und wir können die Brücke über den Iguazú überqueren sowie dabei die Mündung des Flusses in den größeren Paraná sehen – dort befindet sich Paraguay. Auch die brasilianische Zollabfertigung ist schnell erledigt und nach wenigen Minuten erreichen wir unser Hotel, das Resort San Martín, das sich perfekt gelegen direkt am Eingang des brasilianischen Nationalparks befindet. Bevor wir schließlich alle reichlich erledigt in unsere Betten fallen, gibt es das Abendessen heute ganz bequem direkt im Hotel.

Tag 20 Besuch der brasilianischen Wasserfälle


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Am nächsten Morgen holt uns Gilnei ab und wir fahren die wenigen Minuten bis zum Eingang des brasilianischen Nationalparks. Nachdem wir mit unseren Tickets die Kontrolle passiert haben, dürfen wir dann mit unserem Bus bis zum mondänen „Belmond Hotel des Cataratas" fahren, von wo ein Weg mit einigen Stufen uns näher zu den Wasserfällen bringt. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht auf die argentinischen Wasserfälle und wir können ganz genau den gestrigen Weg noch einmal Revue passieren lassen. Am Ende des Weges bietet sich die Möglichkeit auf Gitterwegen sehr nah an die Wasserfälle der Teufelsschlucht heran zu gelangen, dafür muss man allerdings entweder Regenkleidung mitgebracht haben oder aber angesichts der sommerlichen Temperaturen eine Dusche in Kauf nehmen – es lohnt sich allemal!
Nach einem Eis zur Stärkung geht es dann mit dem Bus zurück Richtung Hotel, wo wir uns von unserem Guide Gil verabschieden. Der Nachmittag bietet nun die Gelegenheit sich ein wenig am Pool zu entspannen, einen kleinen Spaziergang durch den Wald hinter dem Hotel zu unternehmen, den nahegelegenen größten Vogelpark Südamerikas zu besuchen – oder aber sich die Wasserfälle bei einem Helikopterflug noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive anzusehen.
Nach dem Abendessen im Hotelrestaurant lassen wir die Erlebnisse der letzten Tage noch einmal standesgemäß bei Caipirinha und Mojito revuepassieren.

Tag 21 Flug nach Rio de Janeiro und Fahrt auf den Zuckerhut


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Schon wieder heißt es Koffer packen und auf zum Flughafen. Nächstes Ziel Rio de Janeiro. Unser Tatendrang wird jedoch nach der kurzen Fahrt zum Flughafen von Foz do Iguaçu gleich schon wieder gedämpft, denn wir machen Bekanntschaft mit der brasilianischen Art und Weise von Flughafensicherheit. Da der ehemalige Präsident Paraguays momentan von Interpol gesucht wird, darf niemand das Gebäude betreten ohne sein Gepäck durchleuchten zu lassen. Nachdem wir die erste lange Schlange hinter uns gebracht haben, dürfen wir uns in die nächste einreihen um einzuchecken. Anschließend folgt dann die dritte und längste Schlange für den Sicherheitscheck. Nachdem wir alles absolviert haben, müssen wir nicht mehr lange warten bis wir Bekanntschaft mit einem geordneten Chaos brasilianischer Art machen dürfen: das Boarding für unseren Flug nach Rio läuft nach einem System ab, das noch nicht mal die Flughafenmitarbeiter zu verstehen scheinen. Schlussendlich sitzen wir dann jedoch alle irgendwie doch im Flugzeug und sind kurze Zeit später dann auch schon über den Wolken.
Angekommen in Rio de Janeiro werden wir begrüßt von unserem sympathischen Reiseleiter Marcello. Bevor er sich richtig vorstellen kann, wird er allerdings übertönt von lauter Sambamusik – irgendjemand scheint einen standesgemäßen Empfang bestellt zu haben – vielleicht ja sogar für uns? Jedenfalls machen die hübschen Tänzerinnen schon einmal mächtig Eindruck und auf jeden Fall sehr neugierig auf die nächsten Tage. Auf der Fahrt in die Innenstadt werden noch ein paar Klischees bedient, als wir an großen Hafenanlagen und endlos wirkenden Favelas entlang der Autobahn vorbeifahren. Auch in Rio weiß niemand so genau wie viele Einwohner es wirklich gibt, man schätzt in etwa sieben Millionen, von denen viele leider nicht genug Einkommen haben um sich ein anderes Leben zu leisten.
Das Stadtzentrum scheint wie das genaue Gegenteil. Marcello erzählt, dass hier eigentlich niemand lebt, denn die Innenstadt ist vor allem Finanz- und Wirtschaftszentrum. Die Menschen kommen hier nur zum Arbeiten und Einkaufen her, abends und am Wochenende hält sich niemand hier auf. Es ist interessant die Mischung aus alten Kolonialhäusern, Zweckbauten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und hochmodernen Bürokomplexen zu sehen. Wir steigen mitten im Zentrum aus und gehen einige Schritte zu Fuß bis zum ältesten Café der Stadt, der Cafeteria Colón. Im zweiten Stock des Jugendstil-Kaffeehauses nehmen wir ein leckeres Mittagessen zu uns, das mittlerweile auch wie gerufen kommt.
Nach dem Essen geht es mit dem Bus weiter entlang der Küste bis zur Talstation der Zuckerhut-Seilbahn. Seit 1913 ist es möglich das Wahrzeichen Rio de Janeiros mit dem „Bondinho" mit Zwischenstopp auf dem Urcahügel zu erreichen. Auf den Spuren James Bonds erklimmen wir also den 396 Meter hohen Felsen und werden oben ankommen belohnt mit einer herrlichen Aussicht über die Guanabara-Bucht, die Stadt Rio de Janeiro wie sie sich zwischen die regenwaldbewachsenen Hügel zu schmiegen scheint, die endlos lange Copacabana sowie ganz in der Ferne auch den Corcovado mit der 38 Meter hohen Christusstatue, die von hier winzig klein aussieht. Während die Bucht in abendliches Licht getaucht wird, bekommen wir so einen wunderbaren ersten Eindruck von der Stadt und können uns auch zum ersten Mal ein wenig besser orientieren.
Marcello erzählt uns auch, dass der Name der Stadt aus einem Missverständnis entstanden ist. Der portugiesische Seefahrer Gaspar de Lemos hatte die Guanabara-Bucht für die Mündung eines großen Flusses gehalten und nannte sie deshalb Rio de Janeiro – Fluss des Januars.
Als die Sonne schon fast untergegangen ist, machen wir uns auf zum Abstieg. Von hier aus ist es nicht mehr weit zu unserem Hotel Windsor Excelsior, das direkt am vier Kilometer langen Strand der Copacabana liegt. Gemütlich lassen wir den Abend mit einem Strandspaziergang und einem anschließenden Cocktail auf der Dachterrasse unseres Hotels ausklingen.

Tag 22 Stadtbesichtigung in Rio de Janeiro


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Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung der brasilianischen Hafenstadt. Nach dem Frühstück treffen wir uns wieder mit Marcello und fahren zunächst zur Zahnradbahn, die uns auf den Corcovado, den Buckligen, bringen soll. Auf dem Weg erklärt uns unser Reiseleiter vieles über die Geschichte der Stadt und darüber, wie die wohl wichtigste Touristenattraktion Rios entstanden ist. Schon 1882 hatte der brasilianische Kaiser Pedro II. die Idee gehabt, eine Bergbahn auf den 710 Meter hohen Berg bauen zu lassen, die Umsetzung dauerte dann jedoch noch weitere zwei Jahre. 1910 wurde die Bahn dann mithilfe Schweizer Technik elektrifiziert – und noch heute fühlt man sich ein wenig wie in den Alpen, wenn man in den Wagons der Zahnradbahn sitzt, denn es sind die gleichen Wagen wie die der Gornergrat- und Jungfraubahn.
Nach einer etwa zwanzigminütigen Fahrt durch den Tijuca-Nationalpark erreichen wir die Bergstation unterhalb der berühmten Christusstatue. Das monumentale Denkmal sollte1922 zum Anlass der hundertjährigen Unabhängigkeit von Portugal errichtet werden, technische Probleme und Geldknappheit verzögerten jedoch den Bau, sodass der 38 Meter hohe Cristo Retendor erst am 12. Oktober 1931 festlich eingeweiht werden konnte. Einem Tag, an dem das Wetter leider so schlecht gewesen ist, dass kaum jemand etwas von diesem Ereignis sehen konnte. Da haben wir heute zum Glück etwas bessere Karten! Nach einer kurzen Aufzugfahrt und wenigen Stufen können wir nicht nur den Anblick der Christusstatue, sondern auch eine wunderbare Sicht auf Rio de Janeiro genießen.
Im Anschluss geht es weiter in die Innenstadt. Unser erster Halt ist das Sambódrom. Eine Art Stadion, das entlang einer 700 Meter langen Straße gebaut wurde, um dort jährlich den Samba-Umzug und Wettbewerb im Rahmen des Karnevals zu veranstalten. 88.500 Zuschauer können dem etwa zwölfstündigen Spektakel beiwohnen, das in vier aufeinanderfolgenden Nächten stattfindet.
Unser nächster Stopp ist die Kathedrale São Sebastião von Rio de Janeiro. Auf den ersten Blick erinnert uns das modernistische Betongebäude in Form einer 106 Meter hohen Pyramide so gar nicht an eine Kirche und wirkt sehr befremdlich auf uns. Einzig die bunten Glasfenster und das große Kreuz über dem Altar lassen erahnen, um was es hier gehen soll. Marcello erklärt uns allerdings, dass beim Bau in den 1960er Jahren das Hauptanliegen gewesen sei, mit geringen Mitteln Raum für viele Gläubige zu schaffen. Dieses Ziel wurde definitiv erreicht, denn auf einer Grundfläche von 8200 Quadratmetern finden bis zu 20.000 Besucher Platz. Mit dem Bus fahren wir weiter bis zur Praça Floriano und sehen dort zunächst das Theatro Municipal. Es ist eines der schönsten und größten Opernhäuser Brasiliens, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach französischem Vorbild erbaut wurde. Zum 100. Jubiläum wurde es aufwändig restauriert und 2010 feierlich wiedereröffnet, jedoch machen sich auch hier Geldprobleme deutlich, denn Marcello erzählt uns, dass das Theater nun schon seit zwei Jahren wieder geschlossen ist, da die Stadt kein Geld für Instandhaltung und Unterstützung der Inszenierungen hat. Vorbei an der Nationalbibliothek und dem Regionalparlament geht es zu Fuß weiter in den Stadtteil Lapa. Hier besuchen wir als letzten Punkt unserer Besichtigung die sogenannte Escadaria Selarón, eine Treppe die den Stadtteil mit dem oberhalb gelegenen Santa Teresa verbindet. Der chilenische Künstler Jorge Selarón hat sie zwischen 1990 und 2013 inspiriert durch die Werke des katalanischen Modernisme-Architekten Antoni Gaudí gestaltet und mit Fliesen aus über 60 verschiedenen Ländern verkleidet. Sehr pikant: 2013 wurde der Künstler, der in einem Haus an der Treppe lebte, tot auf den Stufen aufgefunden – bis heute kennt niemand die Todesumstände, obwohl die Treppe schon damals ein vielbesuchter Ort gewesen ist. Wir lassen es uns nicht nehmen, auch einige der 215 Stufen hinaufzusteigen und die einzigartigen Keramikkacheln zu bestaunen.
Anschließend geht es für uns zurück an die Copacabana um vor dem Abendprogramm etwas zu entspannen. Der ein oder andere lässt sich dazu verleiten sich mit den Cariocas, den Einwohnern Rios, zu solidarisieren, denn heute findet das Endspiel des Copa Libertadores – etwa vergleichbar mit der Champions League – statt und Flamengo spielt gegen Boca Juniors. Am Ende gewinnen die Brasilianer glücklicherweise und wir möchten lieber nicht wissen, was passiert wäre wenn nicht.
Am Abend fahren wir mit Marcello in den Stadtteil Ipanema, wo wir traditionell brasilianisch in einer Churrascaria essen. Es gibt hier ein großes Buffet mit Vorspeisen und Beilagen aller Art und als Highlight wird das frisch gegrillte Fleisch am Spies an den Tisch gebracht und dort direkt frisch geschnitten. Für uns Mitteleuropäer sind der Trubel und die Massen an Fleisch etwas gewöhnungsbedürftig, aber schlussendlich machen wir uns gut gestärkt auf zu unserem finalen Programmpunkt. Was wäre ein Besuch in Rio ohne zumindest einen kleinen Eindruck von echtem Samba-Feeling zu bekommen? Uns erwartet in einem kleinen Theater die Show Ginga Tropcial – hier erleben wir noch einem kleinen und unterhaltsamen Einführungskurs bei der Show nicht nur Samba, sondern unter anderem auch Carimbó, Forró, Capoeira und verschiedene Tänze der indigenen Bevölkerung Brasiliens. Ein farbenprächtiger Abschluss für unseren Besuch in Rio de Janeiro, der doch so ein bisschen Lust macht vielleicht irgendwann zum Karneval wiederzukommen.

Tag 23 und 24 Rio de Janeiro und Heimreise


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So schnell kann es gehen... und schon bricht der letzte Tag unserer Reise an. Wir haben heute noch einen Tag zur freien Verfügung in Rio de Janeiro. Einige von uns suchen noch ein wenig Nervenkitzel beim Drachenfliegen mit Ausblick über die Stadt, die anderen gehen noch einmal gemütlich an der Copacabana spazieren, baden oder einen letzten Caipirinha genießen. Dann heißt es ein letztes Mal Abschied nehmen; von Rio, von Brasilien, von Südamerika – und letztendlich auch von den angenehm sommerlichen Temperaturen, denn von den Zuhause gebliebenen haben wir schon gehört, was uns im kalten und verregneten Deutschland erwartet. Trotzdem ist auch schon ein wenig Vorfreude da, auf Zuhause und vor allem darauf endlich mal ein wenig ausspannen zu können :)
Am frühen Abend holt uns noch ein letztes Mal Marcello ab und begleitet uns zum Flughafen. Nach der Sicherheitskontrolle treffen wir uns alle auf ein letztes gemeinsames Getränk und lassen die Reise zusammen revuepassieren:
Es war eine sehr spannende Reise mit vielen unvorhergesehenen Hürden, mancher Tag war sehr anstrengend, aber dennoch gab es unglaublich viele Highlights und wir haben wunderbare Dinge gesehen, von denen wir uns viele Jahre gewünscht haben, sie einmal in Wirklichkeit sehen zu dürfen. Am besten gefallen haben uns Machu Picchu, der Perito Moreno Gletscher und Patagonien im Allgemeinen, sowie die Wasserfälle in Iguazú.



Meine liebe Gruppe,

„wenn einer eine Reise tut..." – den Spruch kennen wir alle zur Genüge, aber dieses Mal trifft er wahrhaftig zu. Wie ihr euch denken könnt hatte ich nie vorher eine Reise mit so vielen ungeplanten Zwischenfällen und Planänderungen – und ihr habt alles geduldig mitgemacht und zusammengehalten. Vielen Dank dafür!
Eine gute Reisegruppe hat oft sehr schnell die Grundzüge einer Familie: man kennt sich gegenseitig und die Schrulligkeiten der anderen Mitglieder – und erträgt diese wohlwollend, hilft sich und achtet aufeinander. Wenn alles stimmt, dann hat man auch trotz einiger Widrigkeiten viel Spaß und kann miteinander lachen. All das hat wunderbar geklappt mit euch und auch dafür möchte ich mich ganz herzlich bei euch bedanken.

Eure Sinah


Wie versprochen auch für euch eine kleine Statistik:

Flüge gesamt: 11 (13)
Zugfahrten gesamt: 2
Bootsfahrten gesamt: 3
Pass-Stempel gesamt: 8 (+2)
Zurückgelegte Flugkilometer: ca. 30.550
Zurückgelegte Buskilometer: ca. 1.700
Verlorene Gepäckstücke: 0
Örtl. Reiseleiter(innen): 9
Lahmgelegte Rolltreppen: 1
Getrunkene Pisco/Calafate Sours: 50+
Explodierte Mineralwasserflaschen: 20+
... und damit geduschte Flughafenmitarbeiter: 1
„Ich hätte da mal eine Frage...": unzählige Male

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Beim Lesen des Berichtes habe ich gerade diese einmalige Reise nochmal erlebt und dazu die tollen Fotos genossen. Es war wirklich fantastisch.
Vielen lieben Dank für Deine Mühe Sinah, die angehängte Statistik ist auch klasse??Vor allem der geduschte Flughafenmitarbeiter??

Catherine Wilkens
05.12.2019

Keine ??....es sollten emoijs sein...

Catherine Wilkens 05.12.2019

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Da ist mir einiges wieder eingefallen. Bei Deiner Bemerkung zum Blick auf das Meerschweinchen fühlte ich mich irgendwie angesprochen.
Es war wirklich eine schöne Reise, wenn auch mit Pech und Pannen. Die gehören wohl zu einer so großen Reise.

Uth Uschi
05.12.2019

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Da ist mir einiges wieder eingefallen. Bei Deiner Bemerkung zum Blick auf das Meerschweinchen fühlte ich mich irgendwie angesprochen.
Es war wirklich eine schöne Reise, wenn auch mit Pech und Pannen. Die gehören wohl zu einer so großen Reise.

Uth Uschi
05.12.2019
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