Byzanz, Konstantinopel, Istanbul?
Reisebericht: 30.04. – 04.05.2026
Drei Namen - eine Stadt. Die Millionenstadt am Bosporus, Verbindung zwischen Abendland und Orient, blickt auf 2500 Jahre Geschichte zweier Weltreiche zurück.
Ein Reisebericht von
Birgit Kirchner
1. Tag – Donnerstag, 30.04.2026: Ankommen zwischen zwei Welten
Schon am Morgen beginnt unsere gemeinsame Reise – verteilt auf verschiedene Abflughäfen in Deutschland, aber vereint in der gleichen Vorfreude. Als wir schließlich in Istanbul landen, spüren wir sofort diese besondere Energie: eine Stadt, die seit Jahrhunderten Brücke zwischen Europa und Asien ist. Serra, unsere örtliche Reiseleitung empfängt uns herzlich und wir fühlen uns gleich willkommen. Schon auf der Fahrt zu unserem Hotel, dem Piya Sports, vorteilhaft gelegen am Rande der Altstadt, ziehen die ersten Eindrücke an uns vorbei – Minarette, lebhafte Straßen, ein pulsierendes Miteinander.
Nach dem Check-in bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen, denn das Programm lockt uns weiter. Beim gemeinsamen Willkommens-Abendessen in einem lokalen Spezialitätenrestaurant tauchen wir direkt in die türkische Küche ein. Wir probieren würzige Meze, frisch gebackenes Fladenbrot und aromatisches Kebab vom Spiess. Zwischen uns entstehen erste Gespräche, Lachen erfüllt den Raum, und wir merken: Diese Reise wird mehr als nur ein Ortswechsel – sie wird ein gemeinsames Erlebnis.
2. Tag – Freitag, 01.05.2026: Istanbul zu Fuß entdecken
Nach einem stärkenden Frühstück machen wir uns zu Fuß auf, um das historische Herz Istanbuls zu erkunden. Unser erster Halt führt uns
zum Topkapi-Palast, dem einstigen Zentrum der Macht des Osmanischen Reiches. Über Jahrhunderte residierten hier die Sultane, lenkten ein Imperium, das sich über drei Kontinente erstreckte. Während wir durch die prunkvollen Höfe und Gemächer gehen, tauchen wir ein in Geschichten von Intrigen, Macht und Luxus. Besonders eindrucksvoll der Harem, unterteilt in Bereiche der Konkubinen, der Eunuchen und des Sultans selbst. Kein Wunder, dass alle Besucher diesen Teil sehen wollen. Ebenso herrscht großer Andrang vor der Schatzkammer, wo der unvorstellbare Reichtum in Form von Goldschmuck und Edelsteinen zur Schau gestellt wird.
Der Blick über den Bosporus lässt uns kurz innehalten – wie viele Entscheidungen von weltgeschichtlicher Bedeutung mögen genau hier getroffen worden sein?
Nach drei Stunden intensiven Eintauchens ist Zeit für eine Mittagspause. Auf dem Sultan Ahmed Platz vor der Blauen Moschee finden sich reichlich Möglichkeiten zur Stärkung.
Nun können wir optional die „Unterwelt“ entdecken. Die Yerebatan-Zisterne ist 140m lang und 70m breit und wurde unter Konstantin dem Großen erbaut. Der Wasserspeicher mit 336 Säulen in zwölf Reihen beeindruckt mit Lichteffekten und Musik in den kühlen Gewölben.
Am Nachmittag verlieren wir uns – im besten Sinne – im Großen Basar. Seit dem 15. Jahrhundert ist er einer der ältesten und größten überdachten Märkte der Welt. Ein Labyrinth aus Gassen, Farben und Stimmen empfängt uns. Händler preisen ihre Waren an, Teppiche, Schmuck und Keramik leuchten in allen Farben. Wir sollen handeln, können staunen – und lassen uns treiben. Die Fülle des Angebotes ist überwältigend und wir wollen uns gar nicht entscheiden.
Am späten Nachmittag kehren wir zurück ins Hotel. Müde, aber erfüllt von Eindrücken lassen wir den Tag ausklingen. Heute ist kein gemeinsames Abendessen vorgesehen – eine Gelegenheit, die Stadt individuell weiter zu erkunden oder einfach die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.
Das Nachbarhotel ist ein bequemer Anlaufpunkt für die Hungrigen unter uns. In kleinerer Runde genießen wir das Abendessen dort mit Blick auf das Marmarameer. Und während wir zurückblicken auf diese ersten beiden Tage, wissen wir: Istanbul hat uns bereits in seinen Bann gezogen.
3. Tag – Samstag, 02.05.2026: Zwischen Vergangenheit und Gegenwart – zwei Kontinente an einem Tag
Heute erwartet uns ein Tag voller Perspektivwechsel.
Unser erster Programmpunkt führt uns zum Chora-Museum, einem wahren Schatz byzantinischer Kunst. Die Kirche, deren Ursprünge bis ins 4. Jahrhundert zurückreichen, ist berühmt für ihre atemberaubenden Mosaiken und Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Während wir die detailreichen Darstellungen biblischer Szenen betrachten, wird uns bewusst, wie kunstvoll hier Glaube und Geschichte miteinander verwoben sind.
Der nächste Höhepunkt steht an: eine Bootsfahrt auf dem Bosporus. Noch dazu mit einer stilvollen Privatyacht. Während wir über das Wasser gleiten, zieht die Silhouette Istanbuls an uns vorbei – der Dolmabahce-Palast, Moscheen und die modernen Gebäude der Neustadt und viele Luxushotels entlang des Ufers erzählen gemeinsam die Geschichte einer Stadt, die niemals stillsteht. Die Mittagssonne taucht alles in helles Licht, und wir fühlen uns für einen Moment ganz leicht – getragen von Wasser, Wind und leichten Wellen. Eine Segelregatta um uns herum unterstreicht dieses Gefühl der Leichtigkeit und heiteren Gelassenheit.
Anschließend wechseln wir den Kontinent: Mit der Yacht fahren wir auf die asiatische Seite Istanbuls. Schon dieser Übergang fühlt sich besonders an – als würden wir nicht nur geografisch, sondern auch kulturell eine neue Facette der Stadt entdecken. Im lebendigen Stadtviertel Üsküdar legen wir an und fahren mit dem Bus weiter nach Kadiköy. Dort erleben wir ein authentisches, wenn auch geschäftiges Treiben in einem asiatischen Vorort von Istanbul. Hier scheint das Leben dennoch langsamer zu fließen. Wir suchen uns ein Plätzchen zum Mittagessen und genießen das fremde Flair.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Camlica Hügel, der höchste Punkt der asiatischen Seite. Von hier aus eröffnet sich uns ein atemberaubender Panoramablick über die gesamte Stadt – Moscheen, Brücken, Wasser und Häuser verschmelzen zu einem faszinierenden Gesamtbild. Auf der anderen Seite das moderne Istanbul, ein Häusermeer aus stylishen Neubauten, Wolkenkratzern und breiten Straßen, was erst in den letzten Jahrzehnten auf dem Boden gestampft wurde. Wir stehen nebeneinander, schweigend, und lassen diesen Moment auf uns wirken.
In der Mündung des Bosporus zum Marmarameer entdecken wir schließlich die Prinzeninseln am Horizont. Rund 20km entfernt sind sie ein beliebtes Naherholungsgebiet und bis heute autofrei. Früher kamen nicht alle Besucher freiwillig: Kaiserinnen, aufmüpfige Prinzen und unliebsame Patriarchen wurden auf die Inseln verbannt.
Über die Hängebrücke geht es im Bus zurück nach Europa und ins Hotel. Der Abend ist wieder programmfrei.
Optional bekommen wir die Möglichkeit die „Tanzenden Derwische“ im Hodjapasha zu erleben. Die Tradition der tanzenden Derwische gehört zum Mevlevi-Orden, dieser ist eng verbunden mit dem berühmten Mystiker und Dichter RUMI. Ihr berühmter Drehtanz, das sogenannte „Sema“, ist eine Form der Meditation: durch die kreisende Bewegung versuchen die Derwische, sich von der materiellen Welt zu lösen und eine Verbindung zum Göttlichen herzustellen - zur Liebe, Hingabe und Suche nach innerer Wahrheit.
4. Tag – Sonntag, 03.05.2026: Abschied nehmen mit allen Sinnen
Ein besonderer Programmpunkt erwartet uns zunächst bei einer Teppichmanufaktur. Wir erhalten Einblick in die traditionelle Kunst des Teppichknüpfens, die in der Türkei seit Jahrhunderten gepflegt wird. Freundlich und aufmerksam erklärt man uns die Techniken, Muster und Bedeutungen. Wir erfahren Respekt vor diesem Handwerk – und die Hingabe, mit der jede einzelne Faser verarbeitet wird.
Im Untergeschoss beherbergt das Haus eine überaus interessante Ausstellung zur Geschichte des Hippodrom. Alte Bilder und Landkarten verdeutlichen die Bedeutung dieses Platzes, einst das gesellschaftliche Zentrum des byzantinischen Konstantinopels. Hier fanden Wagenrennen statt, hier jubelten Tausende, hier wurden politische Botschaften verkündet.
Heute erinnern Obelisken und Säulen an diese bewegte Vergangenheit – als wir gleich danach dort direkt gegenüber stehen, versuchen wir uns vorzustellen, wie laut und lebendig es hier einst gewesen sein muss.
Unser letzter voller Tag punktet mit den wichtigsten Wahrzeichen: der Blauen Moschee oder auch mit vollem Namen Sultan Ahmet Moschee. Mit ihren sechs Minaretten und den über 20.000 blauen Iznik-Fliesen gehört sie zu den beeindruckendsten Moscheen der Welt. 1609 wurde der Grundstein gelegt, in nur sieben Jahren fertig gestellt - und sie sollte die Hagia Sophia übertrumpfen, die als ehemals byzantinische Kirche lange die Hauptmoschee des Osmannenreichs war. Als wir den Innenraum betreten, sind wir tief beeindruckt von der Pracht und Größe der stufenförmig aufsteigenden Halbkuppeln zur mächtigen Zentralkuppel.
Und schließlich führt unser Weg zur Hagia Sophia – ein Bauwerk, das seit dem 6. Jahrhundert Geschichte atmet. Ursprünglich als Kirche unter Kaiser Justinian errichtet, später zur Moschee und schließlich zum Museum umgewandelt, vereint sie heute auf eindrucksvolle Weise christliche und islamische Einflüsse. Seit 2020 wieder Moschee und nur im oberen Teil Museum, können wir nicht direkt unter der gewaltigen Kuppel stehen. Dennoch wird es still um uns – wir spüren Ehrfurcht und Staunen zugleich in diesem altehrwürdigen Gotteshaus.
Nur wenige Schritte weiter erwartet uns der Gewürzbasar. Hier sind es vor allem die Düfte, die uns umhüllen: Zimt, Safran, getrocknete Früchte und unzählige Kräuter. Dieser Markt entstand im 17. Jahrhundert und diente einst zur Finanzierung der nahegelegenen Moschee. Heute ist er ein Fest für die Sinne – und wir mittendrin. Natürlich kosten wir von der leckersten aller angebotenen Süßigkeiten: handgemachtes „Turkish delight“ - mit Mandeln, Nüssen, Pinien, Sesam, Granatapfelkernen…mmmh.
Am frühen Abend sitzen wir noch einmal alle zusammen bei einem köstlichen Abschiedsessen in einem typisch türkischen Fisch-Restaurant, direkt unter der Galatabrücke. Es ist ein Abend voller Erinnerungen: Wir lachen, tauschen Eindrücke aus, sprechen über unsere schönsten Momente. Zwischen den Menügängen wird uns bewusst, wie sehr uns diese Reise beeindruckt hat, auch wenn sich das Wetter nicht jeden Tag von seiner schönsten Seite zeigte. Ganz anders zum Abschied: die Sonne versinkt golden im Bosporus, mit der Silhouette einer Moschee malerisch im Vordergrund. Wie bestellt!
5. Tag – Montag, 04.05.2026: Abschied von einer besonderen Stadt
Am Morgen heißt es Abschied nehmen. Gemeinsam fahren wir zum Flughafen von Istanbul, von wo aus wir zu unseren verschiedenen Zielflughäfen in Deutschland zurückfliegen. Während wir im Flugzeug sitzen, blicken wir zurück – auf Tage voller Eindrücke, Begegnungen und Emotionen.
Istanbul liegt hinter uns, aber ein Teil dieser Stadt bleibt in uns.
Fazit der Reise
Diese Reise war mehr als ein klassisches Besichtigungsprogramm. Wir haben nicht nur Sehenswürdigkeiten gesehen, sondern eine Stadt erlebt, die Gegensätze vereint: laut und leise, alt und modern, europäisch und asiatisch. Vor allem aber war es das gemeinsame Erleben und die kenntnisreiche Führung von Serra, was diese Tage so besonders gemacht hat.
„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
Dieses Zitat stammt von Rumi, einem Mystiker und Dichter des 13. Jh, der in Konya (Türkei) lebte und verehrt wird. Rumi gilt als einer der bedeutendsten spirituellen Lehrer des Sufismus, einer mystischen Strömung des Islam. Seine Werke sprechen von Liebe, Hingabe und der Suche nach innerer Wahrheit – Themen, die bis heute Menschen auf der ganzen Welt berühren.
Vielleicht ist es genau dieses Gefühl – zwischen Bewegung und innerer Ruhe, zwischen Vielfalt und Einheit – das auch wir auf unserer Reise durch Istanbul ein Stück weit erfahren durften.
Genau dies wünsche ich euch und uns auch für die Zukunft: Neugier und Gelassenheit, Gesundheit und Freude - und viele schöne Erlebnisse auf Reisen. Herzliche Grüße - Birgit
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