Abenteuer Venezuela für Singles und Alleinreisende
Reisebericht: 12.03. – 29.03.2012
Gemeinsam mit 14 Stammgästen von mir, wollte ich in diesem Jahr Venezuela entdecken, ein Reiseziel, welches bereits seit mehr als 10 Jahren auf meiner Wunschliste steht. Gut vorbereitet, aber dennoch
Ein Reisebericht von
Cornelia Ritter
Reisebericht
Gemeinsam mit 14 Stammgästen von mir, wollte ich in diesem Jahr Venezuela entdecken, ein Reiseziel, welches bereits seit mehr als 10 Jahren auf meiner Wunschliste steht. Gut vorbereitet, aber dennoch etwas aufgeregt wagten wir dieses Abenteuer! Und es hat sich gelohnt! Wir durften zusammen ein Land kennenlernen, welches gleichermaßen fasziniert aber auch nachdenklich stimmt. An unserer Seite hatten wir den wohl kompetentesten Reiseleiter ganz Venezuelas "Nelson" und so machten wir eine wunderbare und unvergessliche Reiseerfahrung. Und davon berichtet nun eine Reiseteilnehmerin unserer Gruppe - authentisch und ehrlich! Venezuela für Singles und Alleinreisende mit Eberhardt TRAVEL vom 12. - 29. März 2012 ein Bericht von Sigrun Adler (Reiseteilnehmerin) Montag, 12.3.2012 Ich werde mitten in der Nacht, um 2.40 Uhr mit dem Taxi abgeholt und zusammen mit Ute, die auch in Chemnitz wohnt, zum Flughafen Dresden gefahren. Von dort fliegen wir mit Andrea und Elke nach Frankfurt, wo wir den Rest der Gruppe und unsere Reiseleiterin Cornelia Ritter (Conny) treffen. Zu unserer Gruppe gehören neben Conny noch 11 Frauen und 3 Männer. Wir kennen uns fast alle schon von früheren Reisen, sodass es freudige Begrüßungen gibt und gleich eine herzliche Atmosphäre herrscht. Nach einem Willkommensfrühstück startet unser Flieger Airbus A340-600 nach Caracas. Nach 10 Stunden und einem für mich recht angenehmen Flug landen wir pünktlich um 16.00 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen von Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Nach dem Empfang unserer Koffer und den erforderlichen Formalitäten fahren wir mit dem Bus ins Hotel Avila in Caracas. Die Fahrt von ca. 1 h vermittelt uns einen ersten Eindruck von der Umgebung, die am Meer gelegen recht bergig ist. Wir sehen auch die ersten ärmeren Wohnviertel, die an den Hängen wie aufeinandergetürmte bunte Schachteln aussehen und den chaotischen Verkehr in der Hauptstadt. Nach dem einchecken im Hotel, dem Geld Tauschen (US-Dollar in Bolivar) und einem kurzen Frischmachen in den Zimmern werden wir von unserem Reiseleiter Nelson in sehr gutem Deutsch begrüßt. Ihm steht ein Praktikant George (Horche) als ?Gehilfe? beiseite. Nelson erzählt einiges über Land und Leute und gibt Hinweise zum morgigen Tag. Wir sind alle ziemlich geschafft und haben inzwischen Hunger. Zum Abendessen gibt es einen erfrischenden Melonencocktail, sicherheitshalber ohne Eis (sin hielo [jelo]), und ein sehr gutes Büfett mit Salat, Hühnchen, Reis und zum Nachtisch Kuchen. Nach dem Essen ziehen sich alle recht schnell zurück und fallen todmüde ins Bett, weil wir inzwischen mehr als 24 h auf den Beinen sind. Dienstag, 13.3.2012 (3.30 Uhr wecken) Nach einer sehr kurzen Nacht gibt es um 4.30 Uhr einen kleinen Imbiss im Hotel (Sandwich, Saft und Kaffee!) Dann fahren wir 4.45 Uhr los zum Flughafen. Noch in Caracas gibt es Aufregung im Bus, Halten, Koffer durchsuchen und zurück zum Hotel, weil T. seinen Pass nicht findet. Während er im Hotel seinen Koffer ausräumt, wird im Bus sein Rucksack durchsucht. Der Pass findet sich im Koffer und T. hat ihn von nun an immer als erster bereit. Wir erreichen den Flughafen noch rechtzeitig, der Verkehr auf den Straßen hält sich noch in Grenzen. Nelson checkt für uns alle ein und dann geht es mit Sicherheitskontrolle, Boarding und Abflug nach El Vigia in den Anden, dem Flughafen von Merida. Nach 1 h Flugzeit landen wir pünktlich und steigen samt Koffern in zwei Kleinbusse oder besser Geländewagen, die uns von nun an für 4 Tage zur Verfügung stehen. Wir haben Außentemperaturen von gut 20° C und die Luftfeuchtigkeit ist erträglich. Der Himmel ist zeitweise bedeckt, aber es regnet nicht. Die Fahrt nach Merida, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, gestaltet sich sehr interessant und abwechslungsreich. Zuerst halten wir an einem Obst- und Gemüsestand an der Straße und dürfen verschiedene Früchte kosten. Ich habe mir nur gemerkt, dass die Apfelbananen sehr gut schmecken, dass wir Papaya und Maracuja probiert haben, nebenbei uns unbekannten Früchten wie Ukare und Ochsenherzfrucht, die recht gut schmecken. Der nächste Halt ist an einer ?Cafeteria? an der Straße, die ganz kurios ist, angefangen bei der Wirtin über das Angebot bis zur Einrichtung. Wir fahren weiter, die Landschaft wird bergig und es sind an den Hängen zahlreiche Erdpyramiden zu sehen. Außerdem fallen uns struppige Kugeln an den elektrischen Leitungen entlang der Straße auf. Wir erfahren von Nelson, dass es Tillandsien sind, Pflanzen, die ihre Nahrung aus der Luftfeuchtigkeit ziehen und ohne Erde wachsen. Bei uns werden sie als Zimmerpflanzen auf Steine oder Borkenstücke geklebt, im Blumengeschäften angeboten. Unser nächster Halt ist eine Zuckerfabrik gleich an der Straße. Es ist ein Familienbetrieb, in dem Zuckerrohr in Handarbeit zu Rohzuckerblöcken verarbeitet wird. Die Arbeit ist aufwändig und schwer. Das Zuckerrohr wird ausgepresst und der Saft wird in flachen Wannen, die von unten beheizt werden eingekocht und gedampft, bis eine klebrige Masse entsteht, die dann in rechteckige Formen abgefüllt wird. Diese werden von zahlreichen Bienen umschwirrt zum Trocknen und erkalten aufgestellt. Das ausgepresste Zuckerrohr wird gleich wieder zum Heizen des Ofens benutzt. Die Rohzuckerblöcke werden uns am Ende der Reise bei der Herstellung von süßem Manjokbrot noch einmal begegnen. Wir fahren weiter ins Gebirge hinein und halten an der Hazienda ?El Carmen?, einer ehemaligen Kaffeeplantage, die heute als Museum zu besichtigen ist. Es ist eine schöne Anlage, die wir erkunden und in der wir einige kuriose Dinge entdecken, einen Feuerlöscher aus Berlin, alte Telefone, eine alte Schreibmaschinen und eine Funkanlage. Zum Abschluss erhalten wir einen vorzüglichen Kaffee. In der Nähe der Hazienda entdecken wir Pflanzen und Bäume, die wir nicht kennen. Nelson kennt sie alle und nennt uns auch die lateinischen Namen, aber es ist unmöglich, sich alles zu merken oder mitzuschreiben, weil wir ja fotografieren müssen. Am auffälligsten sind die orange blühenden Bucare, die zurzeit keine Blätter haben. Hier sind sie, wie auch andere Bäume mit zahlreichen Tillandsien bewachsen, die wie Bärte herabhängen und mit Bromelien, die ziemliche Ausmaße erreichen und auf den Wirtsbäumen blühen. Zum Mittagessen halten wir in Jaji, einem bekannten Andendorf, das ca. 400 Jahre alt ist und 1968 komplett restauriert wurde. Unser Mittagessen genießen wir im Patio der Posada de Jaji. Es gibt Pabellon criollo, ein venezolanisches Nationalgericht aus gezupftem gekochtem Rindfleisch in einer roten Soße mit Reis, Kochbananen und schwarzen Bohnen. Außerdem gibt es verschiedene Biersorten zur Auswahl. Nach dem Essen machen wir einen Rundgang durchs Dorf mit der Kirche und dem schön gestalteten Platz davor sowie den hübschen Häusern und Geschäften. Es ist ein interessanter Ort, dem man ansieht, dass er für die Touristen hergerichtet wurde. Weiter geht die Fahrt nach Merida, vorbei an einem Wasserfall auf einer kurvenreichen Straße. An einem Halt können wir von oben schon einen Blick auf Merida werfen, das langgestreckt in ein Tal eingebettet ist. Gegen 17.30 Uhr kommen wir am Hotel Mistafi an. Zum Abendessen gibt es Forelle mit Gemüse und Kartoffelpüree. Anschließend gönnen wir uns an der Bar noch einen Cuba Libre. Dazu brauchen wir mehr Zeit als gedacht. Das Personal spricht nur spanisch, ist nicht besonders schnell und stellt nur Sammelrechnungen aus, ohne den Einzelpreis zu benennen. So müssen wir alles selbst auseinander dividieren und der Dame klarmachen, dass wir einzeln bezahlen wollen. Das alles braucht seine Zeit. Mittwoch, 14.3.2012 (7.30 Frühstück) 8.15 Uhr treffen wir uns zum Stadtrundgang durch Merida. Es ist sonniges Wetter und ca. 25° C warm. Wir besichtigen den Platz mit dem Denkmal ?6 Kugeln? (Plaza Milla) und gehen weiter zum Park der fünf Republiken (Parque Las Cinco Republicas) mit der ältesten Bolivar-Büste Venezuelas, die auf einem so hohen Sockel steht, dass sie von unten kaum zu sehen ist. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf zwei der Flusstäler, die Merida umschließen, Rio Chama und Rio Albarregas. Danach gehen wir durch die Straßen vorbei an der Post, wo es Briefmarken gibt, aber keine Postkarten. Den Abschluss unseres Stadtrundganges bildet die Plaza Bolivar mit der Kathedrale und dem Bolivar-Denkmal. Dann fahren wir zu einem der größten Märkte von Merida. Der Mercado Principal erstreckt sich über drei Etagen. Es gibt über Lebens- und Genussmittel, Bekleidung und Textilwaren bis zu Spielzeug, Werkzeug und Elektronik sowie Kunsthandwerk alles, was man braucht. Wir probieren ein Getränk (levanton andino) mit Fruchtsaft, Eiern und Ochsenauge, das sehr stimulierend und potenzfördernd sein soll. Es schmeckt erfrischend und über die restliche Wirkung können wir uns nach einem kleinen Schluck nicht äußern. An einem der Stände kaufen wir ein köstliches Guave-Konfekt in Bananenblättern, das aus Kolumbien stammt und wirklich sehr gut und preiswert ist. Außerdem leisten sich A. und ich eine Kokosnuss, die wir gleich öffnen lassen, um den köstlichen Saft mit Strohhalmen zu trinken. Nach den Einkäufen fahren wir los in Richtung Sierra Nevada, was erst einmal einen langen Stau von 1 h bedeutet, bevor wir aus Merida heraus sind. Die abenteuerliche Fahrt geht entlang verschiedener Täler in Serpentinen immer auf und ab, entlang dem Rio Chama in Richtung seiner Quelle. Zum Mittagessen in einer sehr hübschen Posada ?Toque Andino? gibt es ein sehr gutes Mittagessen, Hähnchen mit Maissoße und einen vorzüglichen Saft ?Chicha Andina?. Ich kaufe noch eine Flasche ?Frailejon Morado?, der als Medizin bei Erkältungen hervorragend wirken soll. Dann kaufen wir noch Rum und Cola für alle für den Abend und Holz für das Feuer im Kamin. Die Fahrt geht weiter auf abenteuerlichen Straßen ins Gebirge. Es wird kälter und regnerisch. Wir können Bauern bei der schweren Arbeit mit Ochsengespannen an steilen Hängen beobachten. Es werden vorwiegend Kartoffeln und Knoblauch angebaut. Wir machen einen kurzen Stopp in Mucuchies, der höchsten Stadt Venezuelas mit 2980 m Höhe. Auch hier gibt es eine Plaza Bolivar vor der Kathedrale mit einem sehr schönen Bolivar-Denkmal und einer Heiligenfigur, die aus einem Baumstamm geschnitzt wurde, der heilige Isidor, der Schutzheilige der Bauern, der den Regen vertreibt und Sonne bringt. Ihn können wir jetzt gut gebrauchen, denn es beginnt zu regnen. Da kommt uns Vitamina Trunk nach geheimem Rezept, der wie Schlagcreme schmeckt, gerade recht um die Lebensgeister wieder aufzurichten. Auf der immer enger werdenden Straße entlang von Felswänden und Abhängen erreichen wir ein kleines Dorf, das sich dem sanften Tourismus erschließt (www.andestropicales.org). Dann erreichen wir unseren Übernachtungsort Gavidia mit der ?Posada Llano de Trigo?. Die Unterkunft ist sehr gut und die Wirtsleute sind sehr freundlich. Wir erleben einen sehr schönen lustigen Abend am offenen Kamin. Donnerstag, 15.3.2012 (7.30 Frühstück) Nach einer etwas unruhigen kalten Nacht werden wir um 6.00 Uhr vom Geschrei eines Esels geweckt. Es ist die richtige Zeit für einen Fotorundgang zum Sonnenaufgang im Gelände der Posada. Es ist ziemlich kalt draußen, nur ca. 5-6° C. Nach einem einfachen Frühstück mit Spiegeleiern, Weizenfladen mit Butter und Kaffee verabschieden wir uns von unseren freundlichen Gastgebern und fahren wieder los. Wir fahren gegenüber von Mucuchies vorbei und haben noch einmal einen sehr schönen Blick auf die Stadt und die dahinter liegenden Berge der Anden. Auf einem Bergrücken sehen wir vier große Teleskope, es sollen die höchstgelegenen der Welt sein. Unseren ersten Halt legen wir in San Rafael ein und besichtigen die aus Steinen der Region zusammengefügt Kapelle ?Capilla de Piedra?, die von Juan Felix Sánchez (1900 ? 1997) erbaut wurde. Nebenan können wir auch sein Wohnhaus besichtigen, in dem er bis zu seinem Tod mit seiner Frau Epifania Gil lebte. Er ist ein in Venezuela sehr bekannter Künstler, der als ?Herr der Steine? verehrt wird. Er baute in Tisure, einem Ort, der auch heute nur auf einem beschwerlichen Fußweg zu erreichen ist, eigenhändig eine weitere Kapelle. An einem Süßwarenstand im Ort probieren wir eine Spezialität der Region, einen heißen Likör ?calentado?, der nach Anis schmeckt und sehr gut durchwärmt. Dann fahren wir weiter auf der Bundesstraße aufwärts zum Pass ?Pico del Aquila?. In 4200 m Höhe machen wir ein Gruppenfoto und besichtigen die Frailejones, ?Klosterbrüderchen? (Espeletia), die hier zahlreich vorhanden sind. Es ist eine Gattung aus der Familie der Korbblütler, die auch als Heilkräuter verwendet werden und bevorzugt hier im Páramo, dem typisch südamerikanisch tropisch-montanen Ökosystem, vorkommen. Langsam zieht der Himmel zu und es breitet sich Nebel aus. Wir halten noch einmal am Collado del Condor und fahren dann weiter zum Mittagessen ins Restaurant Refugio Mucubaji. Ich esse Piscantina, eine Milchsuppe mit Käse, Ei und Kartoffelstückchen. Es schmeckt ungewöhnlich aber gut. Den Abschluss bildet eine wunderbare heiße Schokolade. In dem Geschäft nebenan gibt es sogar Postkarten zu kaufen. Im Nebel und bei Nieselregen wandern wir dann zur Laguna Negra. Vier von uns mieten sich ein Pferd und reiten, die anderen gehen zu Fuß. In 4000 m Höhe ist das leichter gesagt als getan. Man merkt auf jeden Fall, dass die Luft dünner ist und muss sehr oft stehen bleiben, um zu Atem zu kommen. Die Vegetation sieht bei dem nebeligen Wetter sehr fantastisch aus, Agaven, Opuntien und Frailejones zwischen Kiefern und Koniferen. Nach 3 km ist die Laguna Negra erreicht, von der leider nur ein schmaler Steifen Wasser am Ufer zu sehen ist. Also machen wir uns nach einer kurzen Rast auf den Rückweg, der noch etwas schwerer fällt, weil es fast ständig bergauf geht. Dann ist auch das geschafft. In einem kleinen Museum können wir uns ansehen, wie die Laguna Negra im Sonnenschein aussieht und wie sie in die umgebenden Berge gebettet ist. Nach einer kurzen Rast fahren wir zurück nach Merida, das wir gegen 18.30 Uhr erreichen. Nach dem Einchecken im Hotel werden die Koffer aus- und wieder eingepackt, es wird geduscht und geschlafen, weil wir morgen schon wieder sehr früh aufstehen müssen. Freitag, 16.3.2012 (5.00 Uhr Abfahrt) Wir fahren pünktlich um 5.00 Uhr mit unseren beiden Bussen vom Hotel in Merida ab in Richtung Flughafen El Vigia. Gegen 6.30 Uhr gibt es in dem Straßencafé, in dem wir schon auf der Hinfahrt gehalten haben ein Frühstück aus Omelett, Maisfladen, Käse und gegrillter Wurst sowie Kaffee. Wir sind rechtzeitig am Flughafen und die Maschine startet pünktlich um 7.00 Uhr nach Caracas. Nach der Landung holen wir unser Gepäck, um es gleich wieder in Richtung Ciudad Bolivar aufzugeben. Gegen 12.00 Uhr sind wir damit fertig und fahren mit einem extra bestellten Bus zum Essen an den Strand von Caracas. In einem hübschen Restaurant gleich am Strand gibt es drei große Platten mit Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten auf Gemüse und Pommes Frites. Jeder kann sich nehmen so viel er will und es bleibt am Ende noch reichlich übrig. Zu trinken gibt es frisch gepressten Melonensaft. Wir fahren noch etwas am Strand entlang und sind rechtzeitig wieder am Flughafen. Die Maschine startet mit 2 h Verspätung erst gegen 18.00 Uhr und wir sehen beim Anflug nur die Lichter von Puerto Ordaz, wo wir landen. Dann müssen wir noch 1 h bis Ciudad Bolivar zum Hotel Laja Real fahren. Nach dem Verteilen der Zimmer gibt es um 21.00 Uhr Abendessen im Hotel. Wir sind alle ziemlich geschafft und begeben uns nach dem Essen bald in die Zimmer, wo wir die Koffer umpacken und das Handgepäck für den 2-Tagesausflug nach Canaima zurechtmachen. Samstag, 17.3.2012 (7.00 Uhr Treffen) Wir sind wieder einmal zeitig auf den Beinen und benutzen die Gelegenheit, uns im Garten des Hotels und am Swimming Pool umzusehen und einige Pflanzen zu fotografieren. Gestern Abend ist es uns gar nicht bewusst geworden, dass unser Hotel gleich neben dem Flugplatz liegt. Wir sind in Puerto Ordaz gelandet und mussten noch 1 h fahren bis zum Hotel hier in Ciudad Bolivar. Zu diesem Flugplatz gibt es nur einmal täglich eine Verbindung zur Hauptstadt und die passte anscheinend nicht in unser Programm. Das spielt jetzt auch keine Rolle mehr, wir sind hier. Wir verladen unser Handgepäck und gehen zum Flugplatz. Dort ist die Maschine ausgestellt, mit der Jimmy Angel 1936 den Salto Angel, den mit 1000 m höchsten Wasserfall der Welt, entdeckte. Im kleinen Flugplatzrestaurant frühstücken wir. Ich probiere wieder eines der einheimischen Gerichte, diesmal ein Pastellito con pollo, eine in Fett ausgebackene mit Hühnchen gefüllte Teigtasche. Es schmeckt ausgesprochen gut und ist weniger fettig, als ich dachte. Dazu gibt es wieder Fruchtsaft und einen guten starken Kaffee (café negro fuerte). Dann fliegen wir mit einer kleinen Propellermaschine (19 Plätze) los in Richtung Canaima. Es ist leicht bewölkt und diesig. Der Blick aus dem Flugzeug ist auch nicht besonders gut, weil die Fenster nicht ganz sauber und leicht zerkratzt sind. Der Pilot fliegt mit uns über Canaima bis zu den Tafelbergen, die zeitweise unter den Wolken verschwinden, und dreht einige Runden über den Salto Angel, sodass wir ihn fotografieren können, als er kurzzeitig in voller Länge zu sehen ist. Dann landen wir auf der kleinen Piste in Canaima und werden kurz danach abgeholt und in unser Camp Parakaupa gefahren. Die Zimmer, die wir bekommen sind sehr hübsch mit einer Hängematte vor der Tür. Nach einer kurzen Pause zur Besichtigung des Camp und einem ersten Rundgang gibt es ein vorzügliches Mittagessen, Hühnchen in dunkler Soße (Pollo negro) mit Cäsar Salat und Reis und als Nachtisch eingelegte Papaja. Bevor wir zu unserer ersten Bootsfahrt aufbrechen folgen wir Nelsons Ratschlag über die drei Dinge, die man in Venezuela immer dabei haben soll: wir füllen unsere Wasserflaschen auf,wir reiben uns mit Sonnencreme einwir tragen Insektenschutzmittel aufAm Nachmittag fahren wir in einem Einbaum über die Lagune Canaima vorbei an mehreren Wasserfällen und legen gegenüber bei Campamento Bernal Tours an. Wir wandern durch den Dschungel bergauf, wobei uns unser einheimischer Führer einiges über die Bäume und Pflanzen erzählt und uns eine Würgefeige zeigt. Dann geht es steil bergab zu einem hübschen Strand am Salto El Sapo und El Sapolito. Die beiden Wasserfälle führen jetzt gegen Ende der Trockenzeit nur wenig Wasser. Es ist die Möglichkeit zu baden oder nur faul im Sand zu liegen. Nach einer kurzen Pause steigen wir wieder durch den Dschungel empor und können dann auf dem Wasserfall entlang gehen, uns den Zufluss, einen Arm des Rio Carrao, ansehen und auf die Lagune hinunter schauen. Dann steigen wir auf einem anderen Weg wieder hinunter zur Lagune und können mit unserem Führer hinter dem Salto Hacha und Salto Wadaima, die wesentlich mehr Wasser führen, entlang gehen. Das ist für mich ein ganz besonderes Erlebnis, weil ich noch nie hinter einem Wasserfall war. Man spürt die wuchtige, ursprüngliche Kraft des Wassers und es ist erstaunlich, welche Fülle von Pflanzen und Leben es auch hier gibt. Leider habe ich dieses Erlebnis nicht im Bild festgehalten, weil ich fürchtete, dass meine Kamera nass wird. Nach der Rückfahrt mit dem Einbaum und einem wieder sehr schmackhaftem Abendessen treffen wir uns noch auf der Terrasse des Camps in fröhlicher Runde bei einer Flasche Bier. Von der Terrasse aus kann man die Wasserfälle der Lagune und die dahinter liegenden Tafelberge besonders gut sehen. Es sieht aus wie der Königsstein und der Lilienstein in der Sächsische Schweiz, nur dass diese hier viel höher und ich glaube auch viel älter ( 3800 Millionen Jahre) sind. Sonntag, 18.3.2012 (7.30 Uhr Frühstück) Nach dem reichlichen Frühstück, mit Schinken und Käse gefülltes Omelett, fahren wir mit dem Auto los. Heute steht der fakultative Ausflug zur Insel der Orchideen an, zu dem sich alle gemeldet haben. Die Fahrt geht vorbei am Dorf Canaima bis zum Wasserkraftwerk oberhalb des Salto Ucaima. Hier machen wir einen kurzen Fotostopp bevor wir zur Bootsanlegestelle am Rio Carrao fahren. Wir steigen in einen Einbaum mit Außenbordmotor, in dem noch drei Bootsführer und mehrere Kisten mit unserer Verpflegung Platz finden. Dann beginnt eine sehr schöne Fahrt flussaufwärts. Bald kommen die Tafelberge in Sicht. Nach ca. 1 h Fahrt müssen wir aussteigen und über eine Hochebene zu Fuß gehen, weil es mehrere Stromschnellen gibt über die das Boot nur von der Besatzung gefahren werden kann. Dann steigen wir wieder ein und fahren das nächste Stück weiter. Dann wieder aussteigen und ein Stück am Ufer zur Fuß gehen. Wir können beobachten, wie die Besatzung die Stromschnellen im dritten Anlauf überwinden kann. Es ist sehr schwierig, weil der Fluss relativ wenig Wasser führt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es bei höherem Wasserstand einfacher ist, denn dann ist die Strömung ja wesentlich stärker. Dann fahren wir noch 1 h weiter bis zur Orchideeninsel. Leider ist die Zeit der Orchideenblüte erst im Juni/Juli. Wir erfahren von unserem Guide, dass es hier gelbe, weiße und lila Orchideen gibt. Leider bekommen wir nur einzelne lila Cattleya zu Gesicht. Es gibt aber noch weitere interessante Pflanzen über die unser Führer einiges erzählen kann. Der Pfad führt am Ufer eines Nebenflusses entlang und ist ziemlich steinig und holprig. Dann gehen wir noch ein Stück quer durch den Dschungel wieder ans Ufer. Dort haben wir ein bisschen Zeit zum Baden. Anschließend marschieren wir durch den Flussarm zu einer seichten Stelle und steigen wieder ins Boot, um 200 m weiter zu fahren und an der Anlagestelle eines verlassenen Camps wieder auszusteigen. Hier haben unsere Bootsführer das Mittagessen vorbereitet. Es gibt mitgebrachten Kartoffelsalat und frisch am Spieß gebratenen Hühnchen. Nach der Pause fahren wir mit dem Boot zurück. Unterwegs halten wir noch an einem kleinen Wasserfall, an dem sich ein natürlicher Pool gebildet hat. Einige von uns nehmen noch ein erfrischendes Bad in dieser natürlichen Wellness-Oase. Dann geht die Rückfahrt weiter, mit zweimal Aussteigen an den Stromschnellen. Als wir wieder im Camp sind ist es fast dunkel. Alle sind etwas enttäuscht, weil wir beim Ausflug zur Orchideeninsel kaum Orchideen gesehen haben. Trotzdem war es ein schöner Tag. Man sollte für diesen Ausflug einen anderen Namen finden. Zur Auffrischung unserer Lebensgeister gibt es wieder ein sehr gutes Abendessen. Wir wollen den Koch mitnehmen, aber er lehnt es ab mit uns zu kommen. Nach dem Essen erzählt uns noch ein Guide aus Canaima welche Tiere es hier gibt. Von Jaguar über Wildschweine und Wasserschweine, Rehe und Riesenottern ist einiges vorhanden. Auch verschiedenen Schlangen und viele Vögel sind anzutreffen. Wir haben bisher nur Vögel, Ameisen, Frösche und Eidechsen gesehen und Raupen, die sich verpuppt haben. Wir können aber nicht warten, bis die Schmetterlinge schlüpfen. Montag, 19.3.2012 (7.30 Uhr Aufstehen) Für den heutigen Tag wurde das Programm etwas geändert, weil der Flieger erst nach dem Mittagessen geht. Also frühstücken wir ganz gemütlich. Danach gehen einige zum Strand der Lagune und wir anderen machen einen Abstecher ins Dorf. Zuerst besuchen wir einen Souvenirshop mit einem sehr guten Angebot. Davor werden einige Vögel in einer Voliere gehalten. Im Dorf gibt es eine Schule, ein Krankenhaus und eine Kirche mit einer Glocke davor, die aus einer abgesägten Gasflasche gebaut wurde. Außerdem gibt es einen bemerkenswerten Wegweiser in bekannte Städte der ganzen Welt mit den entsprechenden Entfernungen. Bis Berlin sind es 8521 km und ein Fahrrad steht gleich daneben. Wir nehmen in der Strandbar der Lagune Canaima noch einen erfrischenden Drink und gehen dann zurück ins Camp. Dort gibt es noch ein Mittagessen und dann brechen wir langsam zum Flugplatz auf. Wir verabschieden uns von diesem wunderbaren Ort und fliegen zurück nach Ciudad Bolivar. Nach einer kurzen Pause im Hotel machen wir einen Stadtrundgang durch Ciudad Bolivar. Unser Stadtführer Alexander spricht sehr gut Deutsch. Er zeigt uns die wichtigsten Plätze der Altstadt, die zum Welterbe der Unesco ernannt wurde. Und er erzählt auch einiges über Simon Bolivar und über General Manuel Piar, der Ciudad Bolivar, das ehemalige Angostura von den Spaniern befreite. Wir besichtigen die Kathedrale, die Casa de Piar, in der Manuel Piar gefangen gehalten wurde, bevor man ihn als Verräter an der Revolution hinrichtete und die Casa del Congreso de Angostura, in der 1819 der zweite Republikanische Kongress abgehalten wurde. Die Plaza Bolivar im Zentrum dieser Gebäude zeigt eine Bronzestatue Bolivars, die von Allegorien der Länder, die zu den von ihm geplanten Großkolumbien gehören sollten (Ecuador, Peru, Kolumbien, Bolivien, Venezuela), umgeben ist. Dann unternehmen wir eine Bootsfahrt auf dem Orinico, der hier ca. 700 m breit ist. Drei Holzkreuze am Ufer der Anlegestelle weisen auf ein Schauspiel zur Kreuzigung Christi hin, das hier jedes Jahr zu Ostern aufgeführt wird. Wir fahren bis zur Puente Angostura, der 1678 m langen Hängebrücke, die 1967 erbaut wurde und den Fluss in 50 m Höhe überquert. Hier können wir auch einige Flussdelfine beobachten. Nach der Rückfahrt ins Hotel gibt es zum Abendessen Fisch. Danach treffen wir uns auf der Hotelterrasse zu einem etwas längeren Umtrunk, bei dem die Coktails von R. unter dem Tisch gemischt werden. Dienstag, 20.3.2012 (7.30 Uhr Treffen) Wir frühstücken wieder im Flugplatzrestaurant gleich gegenüber unseres Hotels. Dann verladen wir unsere Koffer und fahren mit dem Bus los in Richtung Orinoco-Delta. Die Fahrt geht von Ciudad Bolivar über Puerto Ordaz und Ciudad Guayana. Diese Stadt am Zusammenfluss von Orinoco und Rio Caroni ist eine sehr junge und moderne Stadt. Sie wurde auf dem Reißbrett entworfen als Werkssiedlung für die Arbeiter in den Eisenerzminen und -fabriken. Vom Bus aus sehen wir große Wohn- und Geschäftshäuser, breite baumbestandene Straßen und Einkaufszentren. Wir legen am Parque Cachamay einen Stopp ein. Der große Park liegt am Rio Caroni und schließt die Wasserfälle des Flusses und den nahezu unberührten wunderbaren Baumbestand mit ein. Wir können einige Affen beobachten und fotografieren und in einem der Ausflugsrestaurants einen Kaffee genießen. Die Zeit ist leider viel zu kurz für eine ausführliche Erkundung des Parks. In San Felix, das sich an Ciudad Guayana anschließt setzen wir mit der Fähre über den Fluss und fahren weiter Richtung Delta. Unterwegs halten wir an einer Raststätte zum Mittagessen. Für uns werden auf den Hof unter einem Vordach die Tische gedeckt. Der Fernseher hängt in einem Käfig an der Decke. Das Essen schmeckt wieder sehr gut. Dann geht die Fahrt weiter nach Boca de Uracoa. Dort verlassen wir den Bus und steigen samt Koffern in ein Boot um, das uns nach 1,5 h Fahrt zu unserem Camp ?Ubanoco? bringt. Die Fahrt ist sehr interessant und wir sehen am Ufer mehrere Dörfer der einheimischen Bevölkerung, einfache hübsche Steinhäuser oder auf Pfählen gebaute offene Behausungen mit Palmblättern gedeckt. Es gibt eine Fülle von Wasserpflanzen, Bäumen und Sträuchern an den Ufern und wir sehen auch Brüllaffen in den Baumwipfeln, Webervogel-Nester und verschiedene Vögel. Bei Sonnenuntergang kommen wir im Camp an. Die Zimmer sind sehr einfach, nur mit Betten und Moskitonetzen ausgestattet und mit Waschbecken, Dusche und WC hinter einer halbhohen Wand. Weil wir alle unsere Foto-Akkus aufladen wollen, ist erst einmal gleich der Strom weg und die Taschenlampen werden in Betrieb genommen. Da es relativ warm und feucht ist, kommen auch die Insektenschutzmittel zum Einsatz. Das von den Einheimischen gekochte Abendessen schmeckt vorzüglich und der Willkommenstrunk (Rum mit Ananas) sorgt für gute Stimmung. Wir gehen nicht zu spät schlafen, weil wir die Möglichkeit erhalten, uns um 6.00 Uhr früh zur Tierbeobachtung zu treffen. Mittwoch, 21.3.2012 (6.00 Uhr Treffen) Wir schrecken um 3.00 Uhr vom Krähen eines Hahnes auf, um 4.00 Uhr veranstalten die Brüllaffen ein ziemliches Geschrei und um 5.00 Uhr weckt uns der Hahn endgültig mit anhaltendem Krähen. Alle treffen sich also um 6.00 Uhr und wir fahren zur Tierbeobachtung in einen Seitenarm des Deltas. Hier sehen wir Brüllaffen, Tukane und Hoatzine oder Punkvögel. Im Camp gibt es einen zahmen Tukan, der sich von uns füttern lässt. Die Frauen aus dem Dorf sind mit ihren Kindern erschienen und bieten selbst gefertigte Schalen aus Palmblättern und Ketten aus Samen und Alligator Knochen zum Verkauf an. Wir erwerben einige Andenken. Nach einem guten Frühstück suchen wir uns jeder ein paar Gummistiefel und dann geht es mit dem Boot zum nächsten Abenteuer. Wir fahren ca. 3 h durch verschiedene Flussarme des Deltas, wobei uns Nelson verschiedene Pflanzen und Bäume zeigt und erklärt, wie die Aronstabgewächse, die in großer Zahl das Ufer säumen. Er zeigt uns eine lange Schote, die sich beim dagegen schlagen zu einer wunderschönen Blüte öffnet, eine Pachira-Blüte (Cacao de mono) und die Blüten und Früchte des Kanonenkugel-Baumes (Couroupita guianensis). Wir halten an einem Dorf, das auf Pfählen errichtet ist. Dort sehen wir rote Ibisse, weiße Reiher, Wildschweine und einen Fischotter. Später steigen wir an einer einfachen Hütte am Ufer aus. Es gibt das mitgebrachte Essen, Gemüse mit Kartoffelstücken und Hühnchen sowie frische Wassermelone und Ananas. Nach dieser Stärkung ziehen wir unsere Gummistiefel an und steigen in drei kleine Einbäume, die gerade mit einer Gruppe Holländer aus dem Dschungel zurückgekommen sind. Die Leute sehen ziemlich ramponiert und schmutzig aus und haben in den kleinen Booten ganz schön zu kämpfen beim Aussteigen. Nun wird mir doch etwas mulmig, aber Bange machen gilt nicht. Also steigen wir alle in die kleinen Boote, los geht es mit Rudern in einen kleinen Nebenarm des Flusses. Die Bäume rücken immer näher, wir sind ganz still und es ist beeindruckend. Wir steigen aus und kämpfen uns durch Schlamm und über Wurzeln und Blätter dem Guide nach auf einem unsichtbaren Pfad durch den Dschungel. Ich versinke erst mit dem einen Bein und beim Herausziehen mit dem anderen und habe Mühe nicht die Stiefel und das Gleichgewicht zu verlieren. Anderen unserer Gruppe geht es ebenso. Der Guide schlägt für uns Stecken zum Abstützen und dann geht es besser. Wir haben bald heraus, dass man immer auf die Wurzeln treten muss, damit man nicht versinkt. Äste und Baumstämme muss man sich erst genau ansehen, bevor man sich daran festhält, einige haben Stacheln oder spitze Dornen. Der Guide zeigt uns Moriche-Palmen, Blutbäume und eine Palme, deren Art heute fast ausgerottet ist, weil die Blätter zu Palmherzen verarbeitet werden. Er nimmt einen unten liegenden Palmwedel, dreht ihn zu einem Strick und steigt damit am Stamm hinauf. Als ich mich gerade schön an das Waten mit den Gummistiefeln durch den Dschungel gewöhnt habe, sind wir schon wieder bei unseren Booten angekommen. Das Einsteigen über das schlammige Ufer in die flachen wackeligen Einbäume ist nochmal ein Akt für sich. Am Ende sitzen alle wohlbehalten in den Booten und wir rudern zurück. An der Hütte sind inzwischen ein paar Leute aus der Nähe eingetroffen und bieten Schmuck und vor allem Schnitzereien aus Balsaholz zum Verkauf an. Wir kaufen ein paar schöne Tierfiguren und nehmen noch eine Erfrischung zu uns, dann müssen wir mit dem großen Boot wieder zum Camp zurück. Die Einbäume mit ihren Besitzern nehmen wir noch ein Stück im Schlepptau mit bis zu ihrem Dorf. Dann legen wir noch an einer Gaststätte mit Laden an und trinken ein Feierabendbier. Bevor es dunkel wird versuchen wir es noch mit Angeln, aber die Fische beißen heute nicht an, jedenfalls nicht bei uns. Das letzte Stück legen wir im Dunkeln im unbeleuchteten Boot auf dem Fluss zurück und ich bin froh, als wir angekommen sind. Der ganze Tag war ein wunderschönes Abenteuer. Donnerstag, 22.3.2012 (7.30 Uhr Frühstück) Zum Frühstück gibt es heute eine Überraschung. R. hat Geburtstag und wir gratulieren alle. Unsere Reiseleiterin Conny überreicht ein Buch über Humboldts Reise in Südamerika mit einer Widmung, unsere Gastfamilie hat einen großen Geburtstagskuchen gebacken und dann singen wir alle noch ein Ständchen. Jeder bekommt zum reichhaltigen Frühstück noch ein großes Stück vom Kuchen und dann müssen wir uns schon wieder von diesem schönen Ort verabschieden. Wir laden unsere Koffer in das große Boot, steigen ein und winken zum Abschied und los geht die Rückfahrt nach Boca de Uracoa. Auf der Hälfte der Strecke werden wir von zwei kleineren Booten eingeholt, die rechts und links halten. Wir steigen mitten auf dem Fluss um und verteilen uns in die drei Boote und dann beginnt eine fröhliche Wettfahrt. Das große Boot bleibt kurz zurück, weil der eine Motor nicht mehr richtig funktioniert, deshalb kamen auch die beiden anderen Boote nach. Schließlich sind wir alle glücklich angekommen und der Bus wartet auch schon. Noch ein letztes Dankeschön an die Bootsfahrer und dann geht es mit dem Bus weiter in Richtung Caripe. Wir halten kurz für einen Kaffee in Temblador und fahren dann weiter über Maturin nach Caripe. Unterwegs halten wir noch an einem Gemüsestand und Nelson zeigt uns verschiedene essbare Gemüseknollen, wie Okuchimo, Okuma und Maniok, der weit verbreitet ist und zu Mehl und Maniokbrot verarbeitet wird. Das werden wir später noch probieren. Bei Caripe legen wir einen Stopp an einer Kaffeeplantage ein. Der Besitzer schenkt uns zuerst einen ziemlich starken Espresso ein. Dann zeigt er uns seine Plantage mit den Kaffeesträuchern, die unter großen Laubbäumen, wie in einem Wald gedeihen. Dadurch haben sie Schatten, genügend Feuchtigkeit und das verwelkte Laub dient als Dünger. Er baut nur die Sorte Café Arabica an, weil der hier am besten gedeiht. Dann besichtigen wir die Anlagen zur Verarbeitung des Kaffees. Es ist ein langer Weg von der Ernte bis zum fertigen Produkt. An Ende wiegt der fertige Röstkaffee 10 % des Erntegewichtes. Wir kaufen alle ein oder zwei Päckchen des ?Cafe Molido del Jardin de Oriente? und fahren dann weiter in unser Hotel in Caripe. Es ist schon dunkel, als wir noch einen Abstecher zur Guácharo-Höhle, um das Ausfliegen der Vögel zu beobachten. Es ist ein unheimliches Gefühl im Dunkeln die Schatten der Vögel zu sehen und vor allem das Geschrei der Fettschwalme zu hören. Anschließend gibt es in einem hübschen Restaurant ein gutes Abendessen. Nelson singt mit den Wirtsleuten noch ein venezolanisches Geburtstagsständchen mit vielen Strophen für R. Die ganze Familie singt mit und wir sind begeistert. Freitag, 23.3.2012 (7.30 Uhr Frühstück) Nach dem Frühstück in dem hübschen Restaurant fahren wir zur Guácharo-Höhle. Bei Tag sieht man erst, wie hoch der Eingang ist. Wir gehen mit einem Führer hinein, der als Einziger eine Lampe tragen darf, weil die Fettschwalme sehr lichtempfindlich sind. Deshalb verlassen sie die Höhle auch nur nachts. Sie ernähren sich nur von Früchten bzw. Samen und fliegen dafür nachts sehr weit. Im Innern der Höhle wird es schnell dunkel. Wir ahnen die Vögel mehr als wir sie sehen. Sie fliegen in der Höhle herum oder sitzen auf ihren Nestern und veranstalten ein fürchterliches Geschrei. Der Führer erzählt, dass es nur die Männchen sind, die schreien und dass die Geräusche Hitchcock zu seinem Film "Die Vögel" angeregt haben. Die Höhle wurde 1799 von Alexander von Humboldt erkundet, dem die Einheimischen davon erzählten. Wir gehen bis zu der Stelle, bis zu der Humboldt vorgedrungen ist, etwa 470 m ins Innere. Heute ist der Weg einigermaßen befestigt. Trotzdem muss man aufpassen, weil es rauf und runter geht, dunkel ist und rutschig. Am Ende sind wir froh, als wir wieder draußen sind. Nach dem Reinigen der Schuhe an dem dafür vorgesehenen Waschplatz schauen wir uns noch das kleine Museum an, in dem man einen ausgestopften Fettschwalm und einige Bilder der Vögel sehen kann. Dann fahren wir weiter und besichtigen noch eine Kakaoplantage. Ich sehe das erste Mal Kakaobäume. Sie stehen ebenso, wie Kaffeesträucher unter einem schützenden Dach aus Laubbäumen. Die Kakaobäume haben je nach Sorte grünen, rosa bis dunkelrote oder gelb bis orangefarbene Früchte. Verwendet werden nur die weißen Kerne im Inneren der Frucht. Auch die Kakao Gewinnung und die Verarbeitung zu Schokolade ist ein langwieriger und aufwendiger Prozess. Schokolade können wir keine mitnehmen, weil es zu warm ist. Am Ende der Reise gibt es auf dem Flughafen in Caracas Paria-Schokolade von dieser Plantage, für die wir unsere letzten Bolivar ausgeben. Gegen 16.30 Uhr treffen wir in der Bucht von Querepare ein. Die Dorfbewohner empfangen uns freundlich und zeigen uns die Hütten, die wir für eine Nacht beziehen. Wir haben alle nur einen Tagesrucksack dabei und die Koffer bleiben im Gepäckauto. Das war ursprünglich nicht so gesagt wurden, aber es erweist sich als richtig. Es bleibt noch Zeit für ein erstes Bad im Meer an unserem ?Privatstrand? und die Dorfkinder bedienen uns mit Kokossaft, gleich aus der Frucht. Zum Abend gibt es wieder ein gutes Essen und einen Willkommenstrunk, der es in sich hat. Anschließend trifft die Band des Dorfes ein, mit zwei Quartades (4-seitige Gitarren), Rasseln und zwei weiteren Rhythmusinstrumenten, deren Namen ich nicht kenne. Sie spielen für uns zum Tanz und singen selbstgedichtete Lieder über ihr Dorf. Einige Dorfbewohner und Kinder tanzen mit und es geht bald recht lustig zu. Es ist ein sehr schöner Abend. Samstag, 24.3.2012 (8.00 Uhr Frühstück) Wir sind schon früh wach. Ich gehe gleich baden und mache dann einen langen Strandspaziergang. Die anderen kommen auch und bald sind fast alle unterwegs. Es ist wunderbar ruhig und ein entspannendes Gefühl, so früh morgens am Strand entlang zu spazieren. Nach dem Frühstück haben wir noch Zeit zum Baden und fotografieren am Strand. Dann heißt es schon wieder Abschied nehmen. Wir fahren mit dem Bus über die Steilküste zu einem nahe gelegenen Fischerdorf und steigen dort durch Wasser in ein großes Boot, mit dem wir an der Küste entlang zum Strand von Medina fahren. Dort ist richtiger Badebetrieb, auch weil heute Samstag ist. Es gibt Sonnenschirme zu mieten und Feuerstellen zum Kochen. Conny schaut sich mit Nelson das Strandhotel mit Bungalows an. Es gibt dort mehr Komfort als in Querepare, aber es ist auch nicht so gemütlich und ursprünglich. Unsere Skipper aus dem Dorf haben einen reichlichen Mittagsimbiss mitgebracht und zum Schluss gibt es noch Melone. Nach einer Pause werden wir mit dem Boot zu einem Strandabschnitt gefahren, wo der Bus uns erwartet, um uns nach Rio Caribe zu fahren. Am Samstagnachmittag sind in dem Ort alle auf den Beinen. Beim Einkaufen der Getränke für den Abend erregen wir Aufmerksamkeit und D. tanzt mit dem Busfahrer gleich auf der Straße. Die Posada Shalimar, in der wir übernachten, ist sehr schön renoviert, neu eingerichtet und mit einem Swimming Pool im Innenhof. Unsere nassen Handtücher, die wir vor den Zimmern aufhängen, werden gleich gewaschen und getrocknet, ein super Service. Wir verzichten auf das Abendessen und lassen den Tag bei einem fröhlichen Umtrunk ausklingen. Sonntag, 25.3.2012 (7.00 Uhr Frühstück) Nach dem Frühstück brechen wir gegen 8.00 Uhr auf und besuchen zuerst den Markt in Rio Caribe, der gleich am Strand stattfindet. Es gibt vor allem fangfrischen Fisch, frisch geschlachtetes Fleisch, Gemüse und Obst. Im Wasser und am Ufer haben sich zahlreiche Pelikane eingefunden, die nach den Resten schnappen. Wir schauen uns alles an und fahren dann mit dem Bus weiter die Küste entlang zum Nationalpark Mochima. Die Landschaft hat sich geändert und das üppige Grün aus dem Orinoco-Delta und von der Halbinsel Paria macht einer Savannen ähnlichen Landschaft Platz. Es gibt viele Akazien, orange blühende Bucare, rosa und gelb blühende Tabebuja und gelbe ? Mittags erreichen wir Santa Fe, wo wir in einem Strandrestaurant einen sehr guten Fisch, einen Parquito, (Rotbarsch) serviert bekommen. Dann machen wir eine Bootsexkursion im Golf von Santa Fe. Wir fahren vorbei an den Vogelinseln ?Katze? und ?Maus? und halten an einem belebten Strand. Leider beginnt es zu regnen, aber wir lassen uns nicht abhalten, die Leguane zu fotografieren, die sich neben der Strandcafé aufhalten. Auch verschiedene Vögel finden sich ein und stibitzen die Reste und Abfälle. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Bei der Rückfahrt sehen wir noch Delfine. Nach dem Sonnenuntergang am Meer fahren wir weiter nach Puerto la Cruz ins Hotel Gaeta. Das liegt gleich an der Strandpromenade und da ist heute zum Sonntag viel los. Es sind Menschenmassen unterwegs. Wir beachten Nelsons Hinweise, begeben uns nicht ins Getümmel und lassen unsere Wertsachen und Pässe im Hotelsafe, als wir in ein Restaurant zum Abendessen gehen und den Tag mit einem teuren ?Caiphi? ausklingen lassen. Montag, 26.3.2012 (8.00 Uhr Frühstück) Es gibt um 8.00 Uhr Frühstück. B., A. und ich gehen schon eine Stunde früher in eine nahegelegene Bäckerei und trinken einen Café negro fuerte, der uns richtig aufmuntert. Dann bummeln wir noch die Strandpromenade entlang, sehen uns das gläserne Kreuz an, das Wahrzeichen von Puerto la Cruz und staunen über die drei-stöckigen Parkhäuser für Boote. Um 9.30 Uhr fahren wir los zu einem Bootsausflug im Nationalpark Mochima, der aus vielen kleinen Inseln und der Küstenregion um Santa Fe besteht. Leider kommen wir mit dem Bus nicht bis zu unserem Boot in Santa Fe, weil die Straße auf Grund einer Demonstration gesperrt ist. Kurzentschlossen dirigiert Nelson den Bus zu einer kleinen Straße, die zu einem Privatstrand führt und beordert unser Boot dorthin. Nach 20 min. trifft es ein und wir fahren etwa 1 h über den Golf von Santa Fe, vorbei an mehreren Inseln. Wir können wieder Delfine beobachten und landen dann an einer kleinen Insel an. Die Landschaft ist savannenartig aber das Wasser ist sehr klar. Wir machen es uns am Strand bequem, gehen baden und erkunden die Umgebung mit der Kamera. Es gibt verschiedene Vögel und Eidechsen und kleine Krabben zu fotografieren. Nach einem reichlichen Mittagsimbiss dösen wir noch ein bisschen am Strand oder baden noch einmal. Das Schnorcheln lohnt sich nicht richtig. Dann ist es schon später Nachmittag und wir müssen zurückfahren. Dabei können wir noch einmal Delfine beobachten und fotografieren. Zurück in Puerto la Cruz gehen wir in eine Pizzeria Abendessen, nachdem wir den Sonnenuntergang an der Strandpromenade fotografiert haben. Heute war es ein erholsamer Tag. Dienstag, 27.3.2012 (8.00 Uhr Frühstück) Nach dem Frühstück verlassen wir Puerto la Cruz mit dem Bus und fahren an der Küste entlang Richtung Caracas. Noch in Puerto la Cruz sehen wir an der Küste einen ganzen Stadtteil mit Kanälen statt Straßen, an denen Ferienhäusern stehen, zu denen man nur mit Booten gelangen kann. Auch am Einkaufszentrum kann man mit dem Boot vorfahren. Auf der Küstenstraße ist reichlich Verkehr. Wir passieren die Laguna de Unare, einen großen Salzsee. In den Orten stehen immer wieder Verkaufsstände an der Straße. In einem der Orte halten wir an und lassen uns erklären, wie Maniokbrot hergestellt wird. Es ist ein langwieriger Prozess, weil die in den Maniokwurzeln enthaltene Blausäure herausgepresst werden muss, wenn es zu Mehl verarbeitet wird. Aus dem trockenen Mehl werden dann dünne runde Fladen gebacken, das Maniokbrot. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite werden die Fladen kleiner und dicker gebacken und mit Rohrzucker bestrichen. Dadurch erhalten sie einen süßen, malzigen Geschmack. Die Straße führt dann von der Küste weg und die Landschaft wird bergig. Wir haben die Küstenkordilleren erreicht. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir Caracas, das uns mit Regen empfängt. Die Straße führt unterhalb des Nationalparks Avila entlang. Leider reicht unsere Zeit nicht, den Park zu besuchen oder mit der Seilbahn auf das Gebirgsmassiv hinauf zu fahren. Wir wohnen wieder im Hotel Avila. Es ist unser letzter gemeinsamer Abend in Venezuela, den wir auch dazu nutzen Bilanz zu ziehen und vor allem unserem venezolanischen Reiseleiter Nelson zu danken. Es hat uns während der Reise wunderbar betreut, uns kleine Pannen nicht spüren lassen und geduldig auf alle unsere Fragen geantwortet. Er hat uns sein Land mit seinen schönen und vielfältigen Landschaften und Naturschönheiten und den netten Menschen näher gebracht, ohne uns die Probleme zu verschweigen. Wir haben viele neue Pflanzen, Früchte, Speisen und Getränke kennengelernt. Ich möchte an dieser Stelle auch unserer deutschen Reiseleiterin Conny recht herzlich für die gute Betreuung während der Reise danken. Sie und Nelson waren ein unschlagbares Team, das uns so gut wie möglich betreut hat. Die Naturreise Venezuela ist ein unvergessliches Erlebnis geworden. Mittwoch, 28.3.2012 (8.00 Uhr Frühstück) Nach dem Frühstück haben wir noch die Möglichkeit, von unserem letzten Geld eine Flasche Rum in einem Geschäft in der Nähe einzukaufen. Dann fahren wir mit dem Bus zum Kolonialmuseum Quinta Anauco. Das Museum ist ein ehemaliger Landsitz, eine Estancia, der nur zur Erholung und zum Vergnügen bestimmt war. Es ist ein Gebäudekomplex auf einem ca. 14 500 m² großen Grundstück. Als es 1797 gebaut wurde, lag es inmitten von Kaffee-, Zuckerrohr- und Obstplantagen. Das Haus, das für die Architektur der venezolanischen Kolonialepoche typisch ist, wurde komplett mit seiner kostbaren Einrichtung und dem Mobiliar erhalten und gibt uns interessante Einblicke in die Lebensgewohnheiten seiner ehemaligen Besitzer. Nach der interessanten Führung durch das Museum bringt uns der Bus zum Flughafen von Caracas, wo wir noch unsere Postkarten in die Heimat aufgeben können. Dann müssen wir uns endgültig von Nelson verabschieden. Wir fliegen pünktlich um 18.00 Uhr los und landen am Donnerstag um 10.20 Uhr in Frankfurt. Hier gibt es den allgemeinen Abschied, weil sich unsere Wege nun trennen. Mit A., E. und U. fliege ich dann noch nach Dresden, wo wir auch pünktlich landen und schon von den Fahrern des Haustürtransfer erwartet werden. Liebe Sigrun, ich danke Dir für den sehr ausführlichen Bericht und eine wunderbare Zeit gemeinsam mit Dir und den anderen Gäste. Bis auf ein Baldiges. Deine Conny
Europa
Asien
Orient
Nordamerika
Südamerika
Afrika
Ozeanien