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Kaukasus – damit verbinde ich Gastfreundschaft und den imposanten Berg Ararat

Reisebericht: 25.09. – 08.10.2026

Ein lang ersehntes Ziel wird Wirklichkeit. Es geht nach Baku und von dort mit dem Bus durch drei Länder bis nach Jerewan. Voller Spannung und Neugier machen wir uns auf den Weg.

Dr. Mathias Schirmer

Ein Reisebericht von
Dr. Mathias Schirmer

Baku in der Dämmerung – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Strassenbaustelle – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Imbiss am See – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) der Kasbek – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Tiflis bei Nacht – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Tiflis – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) auf der Friedensbrücke – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Schlucht – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Wanderweg… – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Ladas gibt’s zur Genüge – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Markttreiben – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL) Straßenverkäufer bis in die Nacht – © Mathias Schirmer (Eberhardt TRAVEL)

Anreise

Gemütlich geht es für die meisten an ihrem Heimatflughafen gegen 10:00 Uhr los und wir treffen uns alle in Frankfurt. Die Lufthansa bringt uns inklusive kostenfreier Bewirtung nach Baku. Spät ist es geworden und wir wollen eigentlich nur noch schlafen. Einen ersten Eindruck von Baku bekommen wir bereits auf der Fahrt ins Hotel. Der Formel 1 Tross ist gleichfalls in der Stadt, das wird spannend.

Baku und Umgebung

Wir starten gegen 10:00 Uhr, etwas Ruhe tat gut. Wir begrüßen neben unserem lokalen Reiseleiter auch unseren Busfahrer. Unter Umgehung der gesperrten Innenstadt, die Formel 1 Rennstrecke verläuft durch die Innenstadt, verlassen wir die Stadt. Es geht durch Vororte und vorbei an Erdölförderstätten und den Betrieben, die das schwarze Gold veredeln. Unser erstes Ziel sind sogenannte Schlammlawinen, ein eigenartiger Anblick. Am Rande des Wege gibt es kleine Ölquellen, die so vor sich hinblubbern. Im Anschluss besichtigen wir zwei Museen (Tierskelette und Schmuck). Weiter geht es in ein interaktives Museum zur Entstehungsgeschichte des Landes. Weiter geht es eine kurze Etappe mit dem Bus, um einen Spaziergang durch Felsformationen auf denen Fels- und Höhlenzeichnungen zu entdecken gab. Eine kurze Pause dient dazu, dass wir uns an den reichlich vorhandenen Imbissständen stärken.
Nun steht noch die Stadt Baku auf dem Programm. Teilweise mit dem Bus, teilweise zu Fuß müssen wir die F1 Strecke umgehen. Da es schon nach 17:00 Uhr ist und das Rennen seit 90 min vorbei ist, entspannt sich die Situation langsam. Nach dem Rundgang durch die modern wirkende Stadt (Öl bedeutet Reichtum) kehren wir in einem landestypischen Lokal ein und werden fürstlich bewirtet. Verabschiedet werden wir mit Livemusik mit dem Titel „Bella ciao, Bella ciao…
Schön war der Tag und in den reichlich vorhanden 24h Shops erhielten wir auch noch ein Guten Nacht Getränk.🥤

Fahrt ins Landesinnere mit Ziel Sheki

Diesmal geht es, wie fast immer 9:00 Uhr los. Das erste Ziel ist das Diri Baba Mausoleum. Dabei handelt es sich um eine Begräbnisstädte aus 1402. Diese wurde in eine steile Felswand in der Nähe der Stadt Schamachi hineingebaut. In unmittelbarer Nähe gab es auch eine alten Friedhof mit vielfältigen Grabsteinen, zumeist in Form von Kreuzen, zu besichtigen. Um nicht all zu viel Zeit zu verlieren, verpflegen wir uns mittels eines Supermarktes. Das ist im Ausland ja immer ein Erlebnis und in derartigen Regionen ganz besonders. Anschließend besichtigen wir die Juma Moschee auch Freitagsmoschee genannt.
Da wir uns Wanderreise nennen, gibt es heute natürlich die erste Wanderung. Und die hat es in sich. 720 Höhenmeter führen uns über steile Wege zum Garanohursee. Den Aufstieg haben wir vielleicht etwas unterschätzt und zu spät sind wir los gelaufen. So überraschte uns die Dämmerung beim Abstieg und die Taschenlampen wurden gebraucht. Zum Glück werden wir nach der Hälfte des Abstieges, wo es wieder flacher wurde, von NivaJeeps in Empfang genommen und es ging zu 20zigst in vier Autos zum Bus. Wo ein Wille ist, ist halt auch ein Weg. Das Abendessen nehmen wir spät ein und erreichen fußläufig unser Hotel, in dem wir zwei Nächte verbringen dürfen.

Wanderung zum Wasser und die Stadt Sheki

Beim Frühstück läuft auf einem großen Bildschirm ein Werbevideo mit herrlichen Landschaften. Doch man bewirbt nicht die Kaukasusregion sondern die Schweiz. Für uns sehr belustigend ist, dass da eine Filmsequenz mit Elbe, dem Ort Königsstein inkl. der Festung Königsstein zu sehen ist und dies kurzerhand in die Schweiz verlagert wurde.
Wir starten mit dem Bus ins Hinterland und erreichen ein kleines Dorf und beginnen unsere zweite Wanderung. Es ist nicht all zu anspruchsvoll und nach einer Stunde erreichen wir bereits das Ziel. Eine schön errichtete Picknickstelle lädt zum Verweilen ein. Wieder im Tal angekommen, rasten wir kurz bei Tee oder Kaffee.
Weiter geht’s zum Mittagessen, welches zusätzlich ins Programm aufgenommen wurde, da am Anreisetag infolge der späten Anreise das Abendessen ausfiel. Wir wurden herzlich vom Küchen- und Restaurantchef eines Nobelhotels empfangen. Die schön hergerichtete lange Tafel lud wirklich zu einem längeren Verweilen ein, zumal neben den Speisen auch Bier und Wein sehr mundete.
Doch die Stadt Sheki stand noch auf dem Programm. Sheki verdankt seinen Ruhm der Lage an der Seidenstraße. Eine dementsprechende Karawanserei besichtigten wir natürlich. Auch das Unescoweltkulturerbe Khanpalast besuchten wir. Dieser entstand erst im 18.Jh. Besonders beeindruckend waren die filigranen Fenster. Passend dazu besuchten wir in unmittelbarer Nähe eine Werkstatt, in der man die Entstehung derartiger Shabakafenster bewundern konnte. Ohne Leim oder Nägel wird alles formschlüssig ineinander gesetzt. Unser anschließender Spaziergang führt uns durch die Stadt, bis das der Bus dann die letzten Kilometern mit uns gemeinsam meistert.
Ein anderes Highlight der besonderen Art ereignete sich zwischendurch. Wir wurden Zeuge eines Verkaufsgespräches. Ein Lada 2107 sollte den Besitzer wechseln. Unserem Autoexperten Sigfried wird es ermöglicht an der Probefahrt teilzunehmen. Ich glaube nur seine Frau Monika befürchtet eine Entführung.
In guter Erinnerung bleibt uns das Abendessen in einem anspruchsvollen Lokal mit Livemusik. Diese ist traditionell regional, aber auch international. Als man bemerkt, woher wir kommen spielt man Reinhard Mays: Über den Wolken. Das könnte auch die Losung unserer Reise sein. Nicht die Freiheit ist dabei vordergründig grenzenlos, sondern die vielfältigen Erlebnisse, Eindrücke und Begegnungen mit den Menschen. Gerade wenn man wie wir oftmals zu Fuß auf Wanderung unterwegs ist, entstehen Begegnungen, die von beiden Seiten genossen werden.

Weiterfahrt nach Georgien inklusive Besuch eines Weingutes

8:45 Uhr soll gestartet werden. Jedoch gibt es einen Abschlusstrunk in Form von aserbaidchanischem Kognak. Und das so früh am Morgen, jedoch haben wir gut gefrühstückt. Gegen 11:00 Uhr erreichen wir die Grenze und nehmen Abschied von unserem örtlichen Reiseleiter Tural.
Der Grenzübertritt verläuft unspektakulär. Man muss wissen, dass Armenien seit Corona seine Landesgrenzen per Straße zur Einreise geschlossen hält. Die Einreise ist nur mit dem Flugzeug möglich. Ausreise ist außer mit dem Flieger nur zu Fuß möglich. Also wird der Koffer geschnappt und es geht rund einen Kilometer leicht bergan. Es war gut beraten, wer seinen Koffer gut optimiert hatte. Nach dem Grenzübergang nimmt uns Christina in Empfang und wir besteigen den neuen Bus.
Wir fahren durch die Weinregion Kachetien und wir werden Zeuge der laufenden Weinernte. Viele Traktoren sind mit Anhängern mit reichlich Trauben unterwegs. Einige stehen an der Kelterei an.
Als ersten Besichtigungsort machen wir halt an der Alawerdikathedrale im Alasanital. Das Gotteshaus wurde bereits im 11. Jh errichtet und gehört heute zu den bedeutendsten Sakralbauten in Georgien. Sie misst eine Grundfläche von 42x27 m und ist 52 m hoch. Damit ist es die drittgrößte und zweithöchste Kirche in Georgien.
Durch den syrischen Mönch Josef von Alawerdi mit gleichem Namen entstand bereits im 4. Jh hier ein Kloster. Bemerkenswert für uns ist, dass der dortige Bischoff gleichzeitig Bauherr und Besitzer eines nahegelegenen Hotels ist.
Weiter geht die Fahrt ins 25 km entfernte Telawi. Wir beziehen die Zimmer in einem schönen kleinem inhabergeführten Hotel und es bleibt ein wenig Zeit zur Entspannung.
Anschließend geht es auf einen kleinen Rundgang durch die Stadt und es wird Geld getauscht. Den Abschluss bildet ein Besuch in einem Weingut. Der Besitzer baut noch selbst die Amphoren (genannt Qvevris), in dem der Wein sehr traditionell hergestellt wird. Das zu sehen, inklusive dem Brennvorgang, ist sehr beeindruckend, wie auch das gesamte Anwesen.
Zum Abendessen gibt es allerlei georgische Leckerein und natürlich die berühmten Georgischen Teigtaschen namens Chinkali und das mit Käse gefüllte Brot namens Chatschapuri.
Erschöpft und voller Eindrücke fallen wir in den Tiefschlaf, nein zuvor gibt es für einige in der Hotelbar noch einen Wodka.

Fahrt nach Kasbegi

Wir beginnen den Tag mit einer Panoramafahrt über den Gomboripass. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir den Schinwallsee. Der schöne Blick rechtfertigt den Stopp. Auch kann mann in Ruhe einen Kaffee oder einen Tee genießen. Auch Erinnerungsstücke jeder Art kann man hier (zu guten Preisen) erwerben. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Wehrkirche Ananuri oberhalb des Stausees. Wie an jeder Hauptdestination treffen wir auch hier auf viele Asiaten.
Die Kirche ist ca 450 Jahre alt und war einst Sitz der Aragawifürsten. Diese Wehrkirche diente vormals aber auch dem Schutz der Stadt Tiflis vor den nordkaukasischen Stämmen.
Weiter geht’s auf der Hauptverbindungsstrasse nach dem Iran. Entsprechend heftig ist auch der Verkehr und die Straße weist auch deutliche Abnutzungsspuren auf. Die harten Winter tun ein übriges und man kommt mit der Instandsetzung kaum hinterher. Zur Erleichterung bohrt man grad einen Tunnel durch die Bergwelt. Die ausführende Firma kommt aus China, wen überrascht es?
es geht vorbei an einem Panoramadenkmal, welches wir und witterungsbedingt für die Rückfahrt aufheben. Die Sicht ist nicht besonders, die Wolken hängen tief im Tal und wir hoffen auf morgen.
Alsbald erreichen wir Kazbegi auch Stepansminda genannt. Wir besuchen eine Filzwerkstatt. Unter tatkräftiger Unterstützung unserer Damen entsteht ein farbenfreudiges Erinnerungsstück. Die Männer bewundern es mit vornehmer Zurückhaltung.
Das Hotel Intourist Kazbegi ist sehr nobel und relativ neu. Lange verweilen können wir nicht, es geht zu Fuß zum Abendessen. Ja Kondition und Durchhaltevermögen ist gefragt auf einer derartigen kombinierten Wander-/Rundreise.
Drei Damen im zum Teil fortgeschrittenen Alter empfangen uns in einer landestypischen privaten Einrichtung.

Gergitikirche und traumhafte Ausblicke

Kaum die Augen geöffnet kommt sofort der Waueffekt. Es zeigen sich gigantische Berge, vor allem der 5.054 m hohe Kasbek. Es handelt sich um den dritt höchsten Berg Georgiens und er liegt fast genau in der Mitte zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer. Der Kasbek soll jener Berg der griechischen Mythologie sein, an den Prometheus gekettet wurde, weil er den Göttern das Feuer entwendete und unerlaubt den Menschen gab. Nach dem Mythos riss ihm dort ein Adler täglich ein Stück der immer wieder nachwachsenden Leber aus dem Leib, bis er von Herakles befreit wurde.
Nach dem Frühstück brechen wir genau in die Richtung mittels angemieteter Jeeps auf. Eigentlich wollten wir zur Kirche als Zielort wandern. Jedoch riet man uns infolge des vergangenen Dauerregens, den glitschigen Weg zu meiden.
So waren wir halt schneller oben, so gegen 9:20 Uhr und konnten in Ruhe, kaum von anderen Touristen umgeben, die Ausblicke genießen. Natürlich besichtigten wir auch die auf 2.170 m Höhe gelegene Kirche Gergeti, jedoch trieb es uns immer wieder hinaus, so überwältigend waren die Ausblicke.
Wieder im Tal ging’s weiter nach Mtsketa, die alte Hauptstadt Georgiens und heute UNESCO Stadt. Wir besichtigen die beeindruckende SwetlzchoveliKathedrale aus dem 11. Jh und werden Zeuge einer Trauung. Auch begegnen wir vielen Brautpaaren, die z.T. von weit herbeikamen, sogar aus Rußland.
Entspannung haben wir verdient und diese wird zum Abendessen in einem Weingut möglich. Zwei Brüder führen es. Einer davon lebt mit seiner deutschen Frau bei Bremen. Auf Drängen seiner Frau und den Kindern werden sie nächstes Jahr nach Georgien umziehen. Verstehen kann man es…
Weiter geht’s in die nächste Hauptstadt der Reise, nach Tbllisi und Stau empfängt uns. Die Infrastruktur ist genau wie in Jerewan mit der wachsenden Anzahl der Fahrzeuge nicht angemessen mitgewachsen.

Stadtrundgang in Tbllisi

Der Bus bringt uns nach einem reichlichen Frühstück in dem wirklich schönen Hotel in einige Minuten an den Ausgangspunkt unseres Stadtrundganges. Gleich zu Beginn entdecken wir in einem Hauseingang ein Gemälde, auf dem vor einer Weltkarte sitzend Putin und Trump Schach spielen. Weltpolitik mit einem Bild erklärt. Christine zeigt uns ihre Stadt. Vier Stunden wird es dauern, auch mit der Seilbahn fahren wir hinauf zur Narlkarla, wo die Statue Mutter Georgiens steht. Wir besichtigen Schwefelbäder, am Nordhang des Mtabori sprudelt 47 Grad heißes Schwefelwasser aus dem Berg. Wir schlendern durch Gassen, laufen über den Freiheitsplatz, über die Friedensbrücke und saugen die vielfältigen Eindrücke auf. Einen unterirdischen Andenken/Reginalproduktemarkt besuchen wir gleichfalls.
1,2 Mio Einwohner zählt man offiziell, jedoch spricht man in Wirklichkeit von ca 2. Mio. Partnerstadt in Deutschland ist Saarbrücken und die Stadt hat knapp 40.000 Studenten. Nach dem Zerfall des Zarenreiches rief man in Tiflis am 16.5.1918 die Demokratische Republick Georgien aus. Jedoch marschierte am 25.3.1921 die Rote Armee ein und gliederte Georgien in die Sowjetunion ein.
Tblissi liegt in einer tektonisch unruhigen Gegend und so kam es am 25.04.2002 zu einem Erdbeben mit der Stärke 4,8.
Etwas ermüdet vom Straßenpflaster treffen wir gegen 14:00 Uhr zum Mittagessen in einem tonnengewölbeähnlichem Restaurant ein. Es wird wieder köstlich. Der Rest des Tages heißt Freizeit. Jeder nutzt es für individuelle Spaziergänge, wo wir u.a. ein Oktoberfest mit Ausschank von Augustiner entdecken.

Weiterfahrt nach Armenien

Wieder heißt es Abschied nehmen von einem Land und den uns sicher fahrenden Busfahrer und unserer Reiseleiterin Christine.
Schnell haben wir die Grenze erreicht und der Grenzübertritt gelingt uns zügig.
In Armenien angekommen machen wir alsbald den ersten Stopp, um Geld zu wechseln (wie angenehm ist doch der Euro) und einzukaufen.
Gegen 12:00 starten wir in einem kleinen Dorf, nachdem wir einen regionalen Wanderführer mit an Bord genommen haben. Es ging leicht bergan natürlich zu einer Kirche. Weiter ging es durch Felder und wir naschten diverse Früchte. Interessant war der Abschluss der Wanderung. Eine große Schule wurde gebaut, gigantisch für dieses Dorf. Der Abschluss bildete die Besichtigung der Freskenkirche Kobary.
Auf dem Weg zum Hotel machten wir halt beim Meister Sergey Danielyan in Vanadzor. Er stellte bisher über 700 große Kreuzsteine her, wo keines dem anderen glich. Weiter ging es nach Dilijan, dem Ort unserer heutigen Unterkunft. Das Abendessen ist wieder besonders erwähnenswert bei privaten Gastgebern.

Sewannsee und gigantische Bergsichten

9:15 Uhr starten wir zu einem kurzen Rundgang durch den netten Ort Dilijan. Reichlich eine Stunde fahren wir zum Sewansee 1.900 m über NN) und die Vorfreude ist groß. Wir erreichen die Halbinsel Sevanavank, die vor dem Absinken des Wasserspiegels noch eine richtige Insel war. Erklimmen die Anhöhen der Halbinsel, um von oben einen herrlichen Blick auf den See und die Umgebung zu haben.
Der Sewansee ist doppelt so groß wie der Bodensee. Das gigantische Ausmaß in Zahlen: 78 km lang, 56 km breit, 1.272qkm Fläche und hat ein Volumen von 38 Kubikkm.
Die enorme Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Armenischen SSR erforderte extensive Bewässerungsmaßnahmen. Der Sewansee ist das einzige große Wasserreservoir im Südkaukasus. Er wurde ab 1936 im Zuge der Großen Umgestaltung der Natur für groß angelegte Bewässerungsprogramme ausgebeutet und sein Pegel sank bis 1988 um 22 m.
Danach hat man 1961 begonnen mit Tunnelsystemen Wasser aus anderen Flüssen umzuleiten. Da diese Maßnahme zwar den Pegel stabilisierte nicht aber zum Anheben des Pegels führte, begann man 1981 einen weiteren Tunnel zu errichten. Die Folge ist, dass der Wasserspiegel in 6 Jahren um 2,44 m anwuchs.
Schwer beeindruckt ging es weiter ins Hinterland. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit disponierten wir um und verkürzten unsere Wanderung. Es war nicht minder interessant, denn es ging über Anhöhen durch zwei Dörfer. Wir kamen mit Einheimischen, die hier nur über den Sommer ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachkamen, ins Gespräch. Sie machten auf uns einen zufriedenen Eindruck und boten uns Kaffee und Tee an.
Der weitere Weg führte uns über eine Passstraße zu einer weiteren Karawanserei. Dort hatte ein Armenier seinen Lada zu einem Verkaufsstand umfunktioniert. Er sprach Deutsch und es stellte sich heraus, dass er als Soldat 2 Jahre in Königsbrück war. Verabschiedet hat er uns mit Scheißputin. Der weitere Weg führte uns durch Dörfer bis nach Hermon in der Provinz Wajozi in eine Art Jugencamp mit einzelnen Bungalows.

Wanderung zum Kloster Noravank, Gastfreundschaft und traumhafte Ausblicke aus dem Bus

Den heutigen Tag beginnen wir mit einem Rundgang durch das Dorf. Unser Guide verweilte als Theologe und Bergsteiger oft in der Region, so kannte er jede Ecke und wurde von den Einheimischen herzlichst begrüßt.
Eine wunderschöne Wanderung führt uns beginnend an einem Armeestützpunkt (absolutes Fotografierverbot) zunächst ins Tal. Diese durchschritten, ging es über einen Bach ohne Brücke hinauf zum Kloster Noravank aus dem 13. Jh. Zuvor erfreuten wir uns der Lichtspiegelungen an den dann ziegelroten Felswänden.
Weiter ging es in ein Höhlenrestaurant, wo wir bei der Zubereitung der Speisen (Fleischspiesse und Lavash, einem typischem sehr dünnem ungesäuertem Fladenbrot) zuschauen konnten. Letzteres zählt sogar zum UNESCO Weltkulturerbe. Auch hier sind wir wieder beeindruckt von den schmackhaften Speisen (ua. werden frische ungegarte Kräuterstengel gereicht) und der Freundlichkeit. . Die Weiterfahrt wird wieder von der wechselnden Landschaft zum Erlebnis und wir nähern uns Jerewan
Ein letzter Halt findet am Kloster Virap statt. Nicht nur der fast unverhüllte kleine und große Ararat beeindrucken uns. Wir haben uns der türkischen Grenze bis auf wenige Meter genähert. Früher gab es 100m Niemandsland zwischen den Ländern. Heute gestattet man den benachbarten Kurden in diesem Gebiet Landwirtschaft zu betreiben.
In Jerewan angekommen erleben wir das selbe Spektabel wie in Tiflis: Megastau.

Stadtrundgang Jerewan

Wir starten zu Fuß. Das erste Ziel ist der unmittelbar neben dem Hotel gelegene Markt mit dem ungewöhnlichen Namen Vernissage. Hier bieten die Händler nicht nur typische Andenken an sondern auch künstlerisch geprägte Produkte. Wir halten uns hier nicht lange auf, zu neugierig sind wir auf die Stadt. Jerewan zählt zu den ältesten Städten der Welt und zählt heute 1,2 Mio Einwohner. Die strategisch wichtige Lage weckte in der Vergangenheit so manche Begehrlichkeit. Mal gewannen die Araber die Oberhand, mal die Osmanen, zuletzt die Russen. Heute ist man stolz Bestandteil der Republik Armenien zu sein.
Den nächsten Halt machen wir auf dem Platz des Friedens, vormals Leninplatz. Das monumentale Lenindenkmal ist längst abgebaut und aus der russischen Zeit sind lediglich Bauwerke der Stalinarchitektur übrig geblieben. Ehemalige staatlich genutzte Gebäude sind heute Hotels. Die Straßen und Gassen laden zum Bummeln und Verweilen ein, es ist überwiegend sehr sauber in der Stadt.
Doch uns zieht es weiter, wir fahren Metro, 38 Cent kostet die Fahrt bis zum Hauptbahnhof. Ein gigantisches Gebäude, was von der Zugfrequenz schon andere Zeiten erlebt hat. Die Fahrten in die Nachbarländer, wie z.B. die Türkei, sind momentan nicht möglich. Wir besichtigen ein Eisenbahnmuseum, wo doch eine Diesellok V110 und etliche Reichsbahnwagen auf der Modeleisenbahnplatte ihre Runden drehen.
Klimatisch ist Jerewan bemerkenswert. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen streuen von fast Minus 10 Grad bis fast 40 Grad. Die Sonne scheint viel, 7,4 h durchschnittlich am Tag (Vergleich Dresden: 3,4 h). Dafür regnet es (leider) nicht all zu viel. Es sind nur 277 mm im Jahr (im Vergleich Dresden 547 mm).
Wir bummeln noch über einen Markt am Bahnhof, wo Händler ihre landwirtschaftlichen Produkte anbieten. Angereist wird mit dem Zug vom Sewansee oder den fruchtbaren Tälern der Umgebung.
Der Bus nimmt uns auf und uns erwartet noch ein schweres Thema: der Genozid. Ausgehend von den Herrschern des osmanischen Reiches wurden zuerst die Eliten des Landes massakriert um dann zum Massenmord überzugehen . Die Zahlen variieren stark, jedoch sind mehrere Hunderttausend Opfer erwiesen. Wir gedenken den Opfern in Stille und besuchen das sehr gut gestaltete Genozidmuseum.
Der weitere Weg führt uns nach Etschmladsln, dem Sitz des geistigen Oberhaupts Armeniens. Nach einem kurzen Stadtrundgang besuchen wir den armenischen Vatikan.
Den Abschluss des Tages bildet der Besuch einer Einrichtung mit mehreren künstlerischen Werkstätten, in denen auch Behinderte integriert sind.

Ausflug in die Umgebung

Wir wollen den allmorgendlichen Stau aus dem Wege gehen und so starten wir nicht all zu früh. Unsere Fahrt führt uns Richtung Garni. Unterwegs steigt der regionale Wanderleiter zu uns in den Bus und alsbald erreichen wir den Ausstieg.
Wir wandern zuerst durch Felder, vorbei an einer Baustelle für ein neues Hotel und steigen dann ins Tal, der Schlucht von Asat ab. Der Weg führt uns am Fluß entlang, vorbei an vielen Datschas und kleinen Ferienobjekten. Bald erreichen wir das eigentliche Ziel unserer Wanderung, die Basaltsäulen, auch die schönsten Orgelpfeifen aus Stein genannt. Die Säulen aus Lavagestein sind bis 50 Meter hochbund so gleich geformt, dass man denken könnte, sie sind von Hand geformt. Das nächste Ziel ist der 2000 Jahre alte Tempel. Er thront nah an der Abbruchkante des Tales und wirkt sehr imposant mit seinen 24 ionischen Säulen. Hier befand sich auch die Sommerresidenz des armenischen Königs.
Wir kehren nach Jerewan zurück und machen uns zu Fuß zum abschließenden Abendessen auf den Weg. Fast 30 Minuten dauert der Weg und wir erkunden dabei neue Ecken der Stadt.
Es gilt Abschied zu nehmen. Tural, Christine und zuletzt Harut haben uns ihre Länder sehr gut näher gebracht, deshalb gilt allen, genauso wie den Busfahrern, unser besonderer Dank.
Ein Schmakerl hat Harut noch für uns. Ein Umweg Richtung Hotel führt uns zum Radio Armenien. Wir alle kennen ihn als Sender Jerewan und es gibt natürlich vor dem Rundfunkgebäude auch ein entsprechendes Denkmal, bei dem ein Lautsprecher in Form eines Radios auf Dauersendung ist. Die obligatorischen Sender Jerewanwitze dürfen natürlich nicht fehlen und wieder neigt sich ein rundum gelungener Tag dem Ende zu. Wie leider auch die gesamte Reise….

Schön war’s, aber heut geht’s heim…

Schlafen lohnte sich nicht, 1:30 holt uns Varo unser treuer Begleiter der letzten Tage mit seinem Bus ab. Die Fahrt zum Flughafen dauert kaum 30 min und die Hektik des Flughafens erreicht uns. Aber es geht schnell und freundlich zu, dass wir uns nach dem Check In und der Sicherheitskontrolle im „Wartebereich“ nieder lassen. Fast pünktlich geht es 4:55 Uhr los. Die Lufhansa macht es uns nicht einfach: Extrem enge Bestuhlung und eine Rückenlehne, die sich nicht verstellen läßt. Seis drum, den Schlaf finden wir fast alle. pünktlich 7:01 Uhr landen wir nach reichlich 4h Flug in Frankfurt. Jetzt heißt es sich zu verabschieden. Die Anschlussflüge nach Basel, Berlin, Leipzig und Dresden erreichen alle. Auch alle Koffer erreichen den Heimatflughafen.
Es ist mir an dieser Stelle ein Bedürfnis mich auch bei allen Mitgliedern der Gruppe zu bedanken. Ihr habt mir die Arbeit leicht gemacht und so war es mir eine große Freude euch begleiten zu dürfen.
Nun heißt es sich auszuruhen und die vielfältigsten Eindrücke zu verarbeiten. Mal sehen, wo es uns als Nächstes hinzieht? Vielleicht nach Usbekistan (?).


Eine unglaubliche Reise durch drei Länder des Kaukasus durften wir erleben. Ein Resümee fällt schwer, zu vielfältig waren die Eindrücke. Was alle drei Länder eint, ist das Gefälle zwischen Stadt und Land und die Angst vor Putins Rußland. Erwähnenswert ist der Stolz auf ihre Unabhängig, die Offenheit gegenüber uns Mitteleuropäern und ihre Gastfreundschaft. Trotzdem spürten wir, dass es teilweise noch ein weiter Weg zu Wohlstand ist und die Eindrücke dieser Reise machen uns auch in gewisser Weise etwa demütig.


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