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Rundreise Belgien – ein charmantes Königreich

Reisebericht: 01.10. – 10.10.2026

Dieses europäische Nachbarland macht neugierig: Bier, Schokolade, Fritten und Peter Pauls Rubens, mit diesen Vorkenntnissen fahren wir los und sehen in den Tagen so viel Neues und Schönes.

Vivian Kreft

Ein Reisebericht von
Vivian Kreft

Antwerpen, der prächtige Bahnhof – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Antwerpen, die Ankunftshalle im Bahnhof – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Antwerpen, manche Häuser bestehen nur aus Fenstern. – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Antwerpen, Denkmal für Peter Paul Rubens und hinter ihm die Kathedrale – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Waterloo, Souvenirs, Souvenirs – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Brüssel, der Grote Markt – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Gent, der Belfried – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Gent, der alte Hafen – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Brügge, der Grote Markt – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Brügge, die Kanzel der St. Salvatorskathedrale wird mit diesem Geldsack beschwert. Hohe Bildhauerkunst.  – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Brügge, hier wird flämische Spitze angeboten. – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Ypern, das Kriegerdenkmal Meensepoort mit 54.896 Namen. – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL)

Anreise nach Leuven in Belgien

Die Reise ist sehr gut gebucht mit 34 Gästen. In Kesselsdorf starten wir jedoch zunächst mit einer kleinen Schar und laden auf der Strecke nach und nach weitere Reisende dazu. Der letzte Stopp ist in Köln.

Wir nehmen die Route der Handelsstraße Via Regia, die bereits im Mittelalter Moskau und Kiew über Leipzig und Frankfurt mit Rom, Santiago de Compostela sowie Brügge und Antwerpen untereinander verband. Auch wenn es naheliegend ist, dass diese Strecke noch besteht, ist es beeindruckend, auf dieser alten Wegeführung heute mit dem Bus unterwegs zu sein.

Die Sonne leuchtet in das herbstliche Blättergewirr. Die Autobahn führt in leichtem Wellengang, in sanften Kurven durch den Thüringer Wald und das hessische Bergland. Es scheint, als würden die Bäume in den Fahrweg hineinwachsen wollen. So dicht und schön ziehen sich Wälder über die Hügel, nur unterbrochen von Wiesen und abgeernteten Feldern.

Johann Wolfgang von Goethe begegnet uns in Weimar, Jena und Wetzlar, die auf unserer Strecke liegen. Henry van der Velde baute Villen in Chemnitz und Gera und ist erster Bauhausdirektor in Weimar. Die Thermoskanne wurde in Chemnitz entwickelt, das Jenaer Glas im gleichnamigen Ort, die Leica in Wetzlar. Wir fahren weiter - und dann haben wir auf unserer Handelsroute tatsächlich Köln erreicht.
Wer sich heute wundert, wie lange es dauert, etwas zu bauen, blicke auf den Kölner Dom, der 600 Jahre von Baubeginn 1248 bis zu seiner Vollendung ausgeharrt hat.

Um 18 Uhr sind wir dann in Leuven. Sergey, unser wunderbarer Busfahrer, hat das Hotel schnell gefunden, lässt uns aussteigen und fährt dann den Bus auf den Parkplatz auf der anderen Seite der Stadt. Für ihn ist der Tag noch nicht zu Ende.

Wir freuen uns auf unser Hotelzimmer, das wir bis Donnerstag in Beschlag haben. Es ist schön, den Koffer ausräumen zu können und nicht morgen gleich weiterziehen zu müssen.

An drei langen Tischen essen wir zu Abend. Das Bier holen wir uns an der Bar. In Leuven ist der größte Bierbrauer Belgiens zu Hause: Stella Artois. Das Bier ist süffig und tut gut nach dem langen Reisetag. Der freundliche italienische Kellner ist so nett, uns den Fernsehkanal umzustellen und so sehen wir das dritte Länderspiel Deutschland gegen Serbien. Darauf noch ein Bier.

Stadtführung in Antwerpen und Spaziergang durch Leuven

Unser erstes Städtehighlight auf dieser Reise ist Antwerpen, das wir bei herrlichem Sonnenschein besuchen.
Stadtführer Hermann wartet schon an der Bordsteinkante auf uns und hüpft in den Bus, da wir zunächst eine Stadtfahrt machen. Ein Stück die Schelde entlang, ein Gezeitenfluss, der mal höher, mal tiefer steht, geht es vorbei an der Lotsenverwaltung, das in seiner Prächtigkeit eher an ein Rathaus erinnert. Der Hafen war schon immer groß und wichtig und wird mit der Architektur zum Ausdruck gebracht. Heute ist es der zweitgrößte Hafen nach Rotterdam in Europa.

500.000 Einwohner zählt die Stadt, davon sind 20.000 Niederländer, 20.000 Chinesen, 20.000 Juden, von denen die Hälfte ultraorthodox sind. Die Zahlen lassen sich sehr leicht merken. Von den Antwerpenern haben 53% fremdländische Wurzeln – Hafenstadt eben. Multikulti scheint hier wirklich zu leben. „Mehrheit in der Minderheit“, nennt Hermann das.

Wir halten vor dem prächtigen Bahnhof, eine Kathedrale der Mobilität. Hier möchte man gerne ankommen und abfahren. Vom nahen Dachfirst schaut ein lebensgroßes Dromedar auf den großen Bahnhofsplatz herab, auf dem wir stehen. Der Knabe auf dem großen Tier kam von Afrika nach Antwerpen und ihm wurde damit ein Denkmal gesetzt. Zudem werben die zwei auch gleich noch für den Zoo auf der anderen Seite des Bahnhofs.

Es geht weiter – durch das Judenviertel mit Bäckereien und ausgesuchten Läden. Ein Jüngling mit weißen Strümpfen und einem schwarzen, bademantelähnlichen Mantel fährt mit dem Roller an uns vorbei. Seine Schläfenlocken wehen im Wind. Ein Bild wie aus der Zeit gefallen.
In einer Seitenstraße sehen wir auf die Schnelle die Synagoge von 1920, die unbeschadet die Zeit überdauert hat.

Juden waren im Diamanthandel tätig, für den Antwerpen bekannt ist, seit 1447. Gerade gegenüber vom Bahnhof reihen sich Schmuckgeschäfte aneinander. Vier Diamantbörsen gibt es in der Stadt.

Kurz vor Ende unserer Fahrt kommen wir am neuen Gerichtsgebäude vorbei. Eine 300 m lange Fassade, die größtenteils aus Glas besteht. Hier wird transparent gearbeitet, ist die Botschaft. Bekrönt wird das Dach von dreieckigen Segeln. Wie Zuckertütchen sehen sie aus oder wie Frittentüten, sagt der Belgier. Ein eindrucksvoller Neubau wie auch die neugebauten Wohnungen, die wir auf unserem Weg sehen, hochwertig und attraktiv aussehen, mit großen Balkonen, die Platz bieten und nicht 0815 an der Fassade kleben wie bei uns.

Die Fahrt im Bus ist sehr angenehm, da auch die Stadt selbst und der Straßenverkehr so ruhig wirken.
Wir kommen an unserem Ausgangspunkt wieder an und treffen hier auf Sabine. Nun ziehen wir in zwei Gruppen durch die Gassen und landen auf dem Grote Markt, umstanden von Häusern, eines schöner als das andere. Der Brabo-Brunnen zeigt die Gründungslegende: Der Held Silvius Brabo wirft die abgehackte Hand des terrorisierenden Riesen Druon Antigoon in die Schelde. Keine schöne Geschichte, doch ein umwerfender Brunnen, der mit seinen Bewegungen von Mensch und Tier Brabo nach oben schraubt.

Wir lernen so ganz nebenbei von Sabine, dass die Schokolade am besten ist, die uns am besten schmeckt. Und die Belgier sind Genießer und trinken nicht etwa eines ihrer rund 2000 Biere, sondern – genießen!

Drei Höfchen hintereinander, zweimal rechts gedreht, wie ein Schneckenhaus, malerisch und verträumt – hier laufen wir durch und kommen hinten wieder raus, gegenüber der Liebfrauen-Kathedrale, der größten gotischen Kirche Belgiens. Fünf Kirchenschiffe, mehr als 100 Pfeiler, eine große Aufgeräumtheit und Ruhe geht von dem Raum aus. Und Helle strahlt durch die großen Fenster. Auf der linken Seite im Querschiff Rubens dreiteilige „Kreuzaufrichtung“– wild und gewaltig in den Körpern, den Farben – auf der rechten Seite die „Kreuzabnahme“, ebenfalls mit Seitentafeln – ruhig, innig. Gerade mal zwei Jahre liegen zwischen den Werken.

Am Nachmittag fahren wir zurück nach Leuven und laufen vom Beginenhof zu unserem Hotel, quer durch die Stadt. Die Beginen sind eine Gemeinschaft christlicher Laiinnen, die sich selbst organisierten und selbstbestimmt lebten. Der Große Beginenhof in Leuven ist mit drei Hektar bebauter Fläche einer der größten noch bestehenden Beginenhöfe in Flandern. Seit 2000 gehört er zum Unesco-Weltkulturerbe. Er entstand im frühen 13. Jahrhundert und erlebte seine zweite Blütezeit gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als die Zahl der Beginen auf über 360 anstieg. Die letzte Begine starb hier 1988. Es ist eine Kleinstadt, durch die wir laufen, Gassen ohne Autoverkehr. Ein junger Mann, den ich anspreche, erzählt, dass man sich auf die Wohnungen bewerben könne, um hier seine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen. Der Blick zum Fenster heraus mag den Geist auf das Eigentliche lenken.

Der Oude Markt ist das Wohnzimmer der Stadt. Über 40 Bars und Cafés reihen sich aneinander. Hier und da, überall setzen Leute und unterhalten sich angeregt. Jetzt hier etwas zu trinken, wäre schön, doch wir müssen weiter.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit Löwens, das gotische Rathaus, ist von einem Baugerüst verhangen. Es gilt als eines der schönsten Bauwerke der Spätgotik in Europa und ist eines der berühmtesten Rathäuser der Welt. Nun ist die ganz Schönheit auf die Planen gedruckt.

Die St. Peterskirche ist leider geschlossen. Hier hängt von Dirk Bouts das „Letzte Abendmahl“, eine Kostbarkeit, für die wir ein andermal vorbeischauen müssen.

Im Hotel angekommen bleibt kurze Zeit zum Verschnaufen, bevor wir uns zum Abendessen wiedersehen.

Waterloo – Schiffshebewerk Strepy Thieu – die Zitadelle von Namur

Das gute Wetter ist mit uns und die Sonne scheint über Waterloo, wo am 18. Juni 1815 die Schlacht stattfand, die Europa eine neue Raumordnung gab und zur Legende wurde.

Wir haben zwei Museumsführer, die uns in zwei Stunden den Schlachtenverlauf erläutern, mit uns das Rundpanorama des französischen Militärmalers Louis Dumoulin besichtigen, das die Schlacht um 17 Uhr zeigt. Kurze Zeit später war der Kampf zu Ende.

124.000 Franzosen, 97.000 Briten und Verbündete unter Wellingtons Führung und 117.000 Preußen mit dem 73-jährigen Blücher an der Spitze. Um11.30 Uhr begann die kriegerische Auseinandersetzung, denn der Boden war feucht gewesen und bis dahin ein wenig getrocknet. Die Kugeln von Napoleons Artillerie blieben jedoch in der Erde stecken und so verpuffte ihre schreckliche Wirkung, erklärt uns Ellen, die ehrenamtlich hier arbeitet und den Verlauf dieses Tages beschreibt, als sei sie dabei gewesen. Der Plan Napoleons war, mit seinem kleineren Heer durch Schnelligkeit Wellington zu überrumpeln und Blücher nicht herankommen zu lassen. Doch er hatte einiges an diesem Tag falsch eingeschätzt. Und bekam damit einen neuen Wohnsitz auf St. Helena im Atlantik.

Dann ersteigen wir über 226 Stufen den Leeuwenheuvel, den Butte du Lion und stehen 40 m oberhalb des Schlachtfelds, wie ein Feldherr. Unser Blick schweift weit über die Felder, Wege und Höfe und mit der Erklärung von Ellen, die uns anzeigt, wo die Stellungen lagen, können wir die Dimensionen der damaligen Auseinandersetzung annähernd verstehen. Der große gusseiserne Löwe auf seinem Sockel blickt nach Süden, von hier aus kamen die Franzosen.

Das moderne, interaktive Museum „Memorial 1815“ ist gut gemacht und reicht über zwei Stockwerke in die Erde. Mit den deutschen Beschriftungen ist es leicht, zu folgen. Für den 3D-Film auf einer 26 m² großen Leinwand reicht die Zeit noch. Für die Darstellung über Europa Anfang des 19. Jahrhunderts, die Akteure und die Entwicklung leider nicht mehr.
Mit 45.000 Getöteten und Verletzten steht Waterloo an dritter Stelle der blutigsten Schlachten Napoleons, nach Leipzig (110.000 Tote) und Moskau (90.000 Tote). Zehn Stunden dauerte das Gefecht und hinterließ im wahrsten Sinn des Wortes ein Schlachtfeld.

Das Gehörte und Gesehene nimmt uns schon ein wenig mit und so hängen wir unseren Gedanken nach auf der Fahrt zum Schiffshebewerk Strépy-Thieu. Es ist das größte Europas und gilt als eines der größten der Welt. 2002 - nach 20 Jahren Bauzeit - war es das letzte Teilstück des neuen Canal du Centre zwischen Maas und Schelde. Die internationale Wasserstraße E70 verbindet Antwerpen in Belgien mit Klaipėda in Litauen. So wie unsere Via Regia schon im Mittelalter Länder miteinander verband, tun das nun auch internationale Wasserwege.

Dieses technische Wunderwerk liegt wie ein Ufo in der Landschaft. Die Schiffe werden in zwei Trögen, die 1350 Tonnen schwere Wasserfahrzeuge fassen können, nach oben oder nach unten befördert – über 73 Meter Höhenunterschied. Seit 2002 hat sich das Verkehrsaufkommen am Hebewerk von rund 30.000 Tonnen pro Monat auf 200.000 Tonnen pro Monat erhöht (+6,5-fache). Diese Menge entspricht etwa 150 Europaschiffen pro Monat, wodurch rund 13.500 LKW-Fahrten eingespart werden.

Es ist alles so ruhig, man sieht keinen Mitarbeiter, keine Infotafel weist auf diese Riesenmaschine hin. Wir gucken und schauen und essen dabei unsere Eberhardt-Würstchen und – da! – es ertönt ein Signal und eine weibliche Lautsprecherstimme spricht. Und dann tatsächlich, setzt sich die Wanne rechts in Bewegung, ganz langsam. Schnell noch die Wurst gegessen, um die Hand zum Fotografieren frei zu haben. Und das Schiff schwebt durch die Luft und setzt 73 Meter weiter unten auf.

Wie das Schiff nun die Wanne verlässt, das sehen wir leider nicht. Denn zum einen verdecken Büsche die Ausfahrt, zum anderen sitzen wir im Bus und eilen zur nächsten Besichtigung, denn nun sind wir mit unserem ausführlichen Gegucke ein wenig verspätet.

Sergey fährt uns nach Namur, in die Hautstadt von Wallonien, dem französischsprechenden Teil Belgiens. Die Stadt liegt malerisch am Zusammenfluss von Maas und Sambre und war somit schon früh ein attraktiver Siedlungsstandort. Natürlich musste man den Ort verteidigen, der vielen attraktiv schien, und baute eine Festung. Diese wurde immer wieder verteidigt und eingenommen. In acht Jahrhunderten wurde sie zwanzigmal belagert. Die neuen Machthaber besserten sie aus, verstärkten ihre Mauern, vergrößerten das Areal, so dass sie nun mit 80 ha als eine der größten Verteidigungsanlagen in Europa gilt.

Unsere Stadtführerin Marion sammeln wir an einer Bushaltestelle ein und fahren geradewegs auf die Zitadelle. Auf dieser Fahrt sehen wir, wie groß sie ist. Heute ist die Zitadelle friedlich „besetzt“. Pfadfinder und Familien bevölkern das Gelände mit schönem Baumbestand, Schafe grasen zwischen den starken Mauern.

Eine Parfümerie hat eines der wenigen Häuser der Festung bezogen, in dem früher Schießpulver gelagert wurde. Heute „reift“ in den gut temperierten Gängen das Parfüm und entwickelt über Monate seinen Duft. Eine große Duftorgel, an der wir vorüberziehen, hat Ähnlichkeit mit einem Heiligenschrein. Wir werden in die Kopf- und Herznote eingeführt und über die Qualität der Düfte aufgeklärt. Denn hier werden nur ätherische Öle verwendet. Für ein Liter Lavendel braucht es 3.500 kg Blüten. Das hat seinen Preis und dann sind wir überrascht, dass es so teuer doch gar nicht ist.

Die Stadt ist mit der Zitadelle über eine Seilbahn verbunden, die wir nach unten nehmen und über den Fluss Sambre hinüberfliegen. Gerne würden wir in Namur noch ein wenig verweilen, die Stadt ist einladend und wirkt entspannt. Doch die Zeit ruft und so machen wir uns zurück nach Leuven.

Auf der Fahrt kommt mir dann aufgrund des heute Gesehenen und Gehörten der Gedanke: Die Schlacht um die Vorherrschaft in Europa wurde zwischen Nachbarn geführt: Frankreich gegen England, Preußen, Österreich. Die Zitadelle in Namur wurde stetig vergrößert, weil auch hier Nachbarvölker Begehrlichkeiten entwickelten. Und nun leben die europäischen Nationen ohne kriegerische Auseinandersetzungen bald 90 Jahre nebeneinander. Möge es so bleiben.

Atomium und Stadtführung in Brüssel

Sonntagsausflug nach Brüssel. Um 10 Uhr stehen wir vor dem Atomium, dem Wahrzeichen Brüssels, das für die Weltausstellung 1958 errichtet wurde. Diese Weltausstellung war die erste nach dem Zweiten Weltkrieg und ein Riesenerfolg mit 35 Millionen. Besuchern. Man hatte wieder Vertrauen in die Zukunft gefasst, man sah sie regelrecht vor sich. Und so gab es hier das erste Softeis außerhalb Amerikas und den ersten Farbfernsehen.

Das Atomium ist ein auf der Ecke stehendes Modell einer Elementarzelle von Kristallen und besteht aus neun Atomen. In dieser regelmäßigen Würfelform kristallisiert Eisen. Und da Wallonien bis zum Zweiten Weltkrieg zweitführende Stahlindustrie in Europa war, erinnert diese 165-milliardenfache Vergrößerung daran. Das Atomium wurde als Symbol für das Atomzeitalter und die friedliche Nutzung der Kernenergie errichtet.

Nachdem wir das hübsche Atom von allen Seiten fotografiert haben, einige von uns besuchen es auch von innen, treffen wir auf Sascha und Kerstin, unsere beiden Stadtführer.
Auf dem Weg ins Zentrum erfahren wir, dass Brüssel Stadt 180.000 Einwohner hat, jedoch mit 19 selbständigen Gemeinden und ebenso vielen Bürgermeistern zu 1,2 Mio. Einwohnern herangewachsen ist. Und es gibt 19 verschiedene Regeln zu Baurecht, Grundsteuer, Elektrorollern…

1835 fuhr hier die erste Eisenbahn auf dem Kontinent. Denn nach der Abspaltung Belgiens von der Niederlande 1830 verboten die Niederländer die Durchfahrt auf der Schelde. Doch die Belgier haderten nicht lange, sondern bauten die erste Eisenbahnstrecke auf dem Kontinent und transportierten ihre Güter auf dem Landweg. Wer hats initiiert? Der König der Belgier, der die Eisenbahn in England kennengelernt hatte. Er hat sich vom Nachbarn abgeguckt, was gut funktioniert. Das sollte auch heute häufiger passieren.

König der Belgier, hier liegt der wichtige und feine Unterschied, denn er vertritt nicht das Land, sondern sein Volk.

Brüssel ist zudem Hauptstadt von Belgien, Hauptstadt von Flandern und Hauptstadt Europas. Und jede Hauptstadt hat ihre Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Dafür wurden alte Viertel durch gesichtslose Bürogebäude ersetzt. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört – und kriegt es jetzt ganz alleine hin. So wurden Stadtviertel abgerissen, um die Autobahn London – Paris wie eine Schneise durch die Stadt zu legen. Nun steht hier Gestaltloses.

Das war auch schon mal anders. Sascha hat eine wunderbare Art, zu erzählen. König Leopold II., „der mit dem Baufimmel“, machte keine kleinen Sachen und gab den Auftrag zur fünftgrößten Kirche der Welt, die sich an Sacre Coeur anlehnt – die Nationalbasilika des Heiligen Herzens.
Auch das Justizgebäude ist recht groß geworden, größer als St. Peter in Rom.

Auf unserer Fahrt kommen wir auch an vielen Grünanlagen vorbei. So ist im früheren Botanischen Garten, der nun zu einem verkehrsumbrandeten Park geworden ist, im 19. Jahrhundert der Chicorée gezüchtet worden. Lieben die Belgier Fritten, so lieben sie ebenso dieses Gewächs.

Brüssel ist die Stadt mit dem höchsten Steuereinkommen und so ist es zum Schmunzeln, dass vor dem belgischen Finanzministerium eine Skulptur steht, die zwei sich umarmende nackte Frauen zeigt. Haben sie ihr letztes Hemd verloren, stellt Sascha die Frage? Das Kunstwerk heißt „Âme Sentinelle“ (zu deutsch Wächterseele), ist inspiriert von einer Zeile aus Arthur Rimbauds Gedicht „Âme sentinelle“ und steht symbolisch für Abschied, Aufbruch oder Trost für diejenigen, die das Ministerium verlassen. Warum brauchen jene, die das Ministerium verlassen, Trost, wäre da die nächste Frage.

„Schauen Sie links, schauen Sie rechts“, die Fahrt ist gut für unsere Nackenmuskel und weiter geht’s durchs Europaviertel, das wir aus Tagesschaubildern kennen. Es liegt auf dem Gebiet der Zuständigkeit von vier Bürgermeistern! In den 1950-er Jahren wurde damit begonnen, das Viertel mit altem Baubestand „aufzuräumen“ und für Größeres vorzubereiten. Und Platz braucht man, denn wie verstörend zu hören, dass alle unsere 16 Bundesländer eine Vertretung in Brüssel haben. Und in Baden-Württemberg haben auch Bosch und Würth ein Büro. Da lässt sich Politik und Lobbyismus kaum voneinander trennen. Die Bayerische Landesvertretung ist die schönste und trägt den Spitznamen „Neuwahnstein“. Es ist schon ein bisschen verrückt hier.

Dann steigen wir aus, vor der Kathedrale, Sergey darf mit dem Bus sogar hier bleiben – mitten in der Stadt – und muss nicht wieder wegfahren. Unser Weg führt durch die Galeries Saint-Hubert, über den Grand-Place, einen der schönsten Marktplätze Europas, umgeben von prachtvollen Zunfthäusern und dem gotischen Rathaus. Leider steht eine große Tribüne davor, auf der die Studenten ihren Uniabschluss überreicht bekommen. Das ist ein großer Tag für die Beteiligten, der Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben.

Weiter zum Manneken Pis. Der kleine Kerl ist mit Mäntelchen und Mütze angetan und bekommt von der Bruderschaft „Chevaliers de Saint-Michel“ ein Ständchen gespielt. Größer als die Figur ist ihr Kleiderschrank: 1000 Kostüme hängen bei Manneken Pis zu Hause im Schrank, denn jeden Tag wird er mindestens einmal an-, um- und ausgekleidet. Dafür gibt es sogar eine Website mit Kalender. An dieser kleinen Kreuzung ist immer viel los und die Eckkneipe ist hochfrequentiert.

Nun ist freie Zeit und so entscheidet sich eine Gruppe, den Alten Meistern im Königlichen Museum der Schönen Künste einen Besuch abzustatten. Meisterwerke flämischer und europäischer Malerei, darunter Werke der belgischen Maler Rubens, Bruegel und Magritte möchten betrachtet werden.

Nachdem wir viel gesehen haben, geht es zurück ins Hotel und dann zum Abendessen in die Brasserie Kosmopol, wo Schweinebacken und Lachs den Tag beschließen.

Die Grotten von Remouchamos – Stippvisite in einer Schinkenräucherei – Besuch der Schokoladenmanufaktur Darcis

Nach dem Frühstück führt unsere Reise in die Ardennen. Die Landschaft ändert sich, die gerade verlaufenden Autobahnstrecken weichen sanften Hügeln und reichem Baumbestand. Die Ardennen kennen keine Grenzen und reichen rüber zu Deutschland – sowohl zum Rheinischen Schiefergebirge wie auch zur Eifel – sowie nach Frankreich und Luxemburg.

Früher sehr abgelegen, sind die Ardennen heute ein attraktives Erholungsgebiet. Es finden sich Waldgebiete, riesige Höhlen mit Tropfsteinen und ein Hochmoorgebiet.
Den Hauptreichtum bilden die Wälder, doch manche Bereiche wurden mit Nadelbaum-Monokulturen bepflanzt, vor allem die Randgebiete des Hohen Venns, in dem es in diesem Sommer brannte.

Die größte wirtschaftliche Bedeutung hatte der Steinkohlebergbau, der Belgiens Metallverarbeitung und bedeutende Industrien begründete. Bis in die 1960er Jahre, dann war Schluss. Der dadurch verursache Strukturwandel war eine schwere Belastung für die regionale Wirtschaft, wie auch bei uns. Seit den 1980er Jahren wächst der Tourismus stetig und gibt der Region eine neue Bedeutung.

Wir Deutschen verbinden das Gebiet mit der Ardennen-Offensive. Im Zweiten Weltkrieg begann am 10. Mai 1940 die Offensive des Deutschen Reiches gegen die Benelux-Länder und später Frankreich. Die Wehrmacht umging die alliierten Hauptstellungen und erzwang in der Schlacht bei Sedan im Mai 1940 den Übergang über die Maas. Damit gelang der Einmarsch in Frankreich und läutete die Niederlage Frankreichs, Belgiens und der Niederlande ein.
Einen ähnlichen operativen Gedanken verfolgte die Wehrmacht bei der Ardennenoffensive, die am 16. Dezember 1944 begann. Sie wollte durch die Ardennen vorstoßen, die britischen und amerikanischen Verbände spalten und den strategisch wichtigen Nachschubhafen Antwerpen einnehmen. Nach anfänglichen Geländegewinnen blieb der deutsche Vormarsch nach wenigen Tagen stecken. Treibstoffmangel, hartnäckiger alliierter Widerstand und das aufklarende Wetter, das der alliierten Luftwaffe den Einsatz ermöglichte, waren die Gründe. Bis Mitte Januar 1945 waren die Landgewinne der Deutschen wieder verloren. Die Kämpfe forderten auf Seite der Alliierten über 10.000 Tote und auf deutscher Seite über 12.000 Tote sowie zehntausende Verwundete und zivile Opfer.

Die beiden Weltkriege werden uns auch noch am vorletzten Reisetag beschäftigen.

Die Grotten von Remouchamps zählen zu den beeindruckendsten Tropfsteinhöhlen Europas. Im vorderen Raum fanden schon Menschen der Steinzeit Schutz, später war es ein Weinkeller. Im Krieg fand die Zivilbevölkerung hier Zuflucht. Die Felsformationen sind bizarr, wir durchschreiten große Hohlräume und staunen über die Schönheit, die das kalkhaltige Regenwasser über Jahrtausende hier entstehen lässt. Bis zu acht Zentimeter wachsen die Stalaktiten in 100 Jahren. Ein faszinierendes unterirdisches Höhlensystem. Wir haben diese Wunderwelt ganz für uns alleine und setzen voller Staunen einen Schritt vor den anderen.

Dann geht es eine gusseiserne Wendeltreppe, die seit 1912 hier steht, nach unten zum Bootsanleger. Der unterirdische Fluss, der in Anlehnung an den römischen Grenzfluss Rubikon genannt wird, speist sich allein aus Regenwasser. Das Wasser wird über eine Sperre reguliert und fließt in die Amel und dann weiter in die Maas.
Eine rund 700 Meter lange Bootsfahrt, die längste unterirdische Flussfahrt der Welt (!), bringt uns zum Ausgang zurück.
Was dann jedoch passiert, hat auch keiner der drei Mitarbeiter erwartet: Das zweite Boot ist zu schwer und steckt fest. Es wird geschoben und gestakt, bis wieder Wasser unterm Kiel ist. Aufgrund des trockenen Sommers fehlt auch hier unten Wasser, rund 20 Zentimeter. Was mag der Klimawandel für Auswirkungen auf die Unterwelt haben, wenn das kalkhaltige Wasser weniger wird, um Stalaktiten zu formen? Kann man womöglich den Fluss dann zurückwandern, wenn er kein Wasser mehr führt?

Unsere Bootsmänner haben Stöcke, mit denen sie die Boote mal links, mal rechts die Wände entlangführen. An einer breiteren Stelle wird umgeladen und da wir leichter sind, bekommen wir mehr „Fracht“ an Bord. Dann fahren wir durch einen sehr engen Tunnel, der kaum Platz an den Seiten lässt, und an eine Speiseröhre erinnert. Wir kommen alle heil wieder ans Tageslicht und freuen uns an dem Erlebten.

Es geht weiter zur Schinkenräucherei Montenauer, die für ihren original Ardenner Schinken überregional bekannt ist. Dieser Aufenthalt ist jedoch enttäuschend. Die Manufaktur mag traditionsreich sein und ihre Meriten haben, doch Gastfreundlichkeit sieht anders aus: Zum Verkosten wird gereicht 1/3 Salamischeibe, eine Scheibe Mettwurst und ein Stück Schinken. Nicht mal eine ganze Scheibe pro Person. Und das Wenige ist abgezählt!

Sergey holt die Reserve an Bockwürsten aus dem Bus und so kommen wir nach dem Frust zu einem unverhofften Picknick bei schönstem Sonnenschein.

Weiterer Trost ist nahe und sehr gelungen: Wir besuchen die Schokoladenmanufaktur von Maître Chocolatier Jean-Philippe Darcis in Verviers und werden gleich sehr nett in Empfang genommen mit Audioguide und drei Pralinen, die wir auf unserem Rundgang durchs Museum nach und nach genießen. Die Welt ist wieder in Ordnung und der Museumsrundgang kurzweilig und informativ. Von der Entdeckung der Kakaobohne über die Trinkschokolade, die Tafel Schokolade, die 1846 in England erfunden wurde, hin zu Vollmilchschokolade und Pralinen – am Ende haben wir erfahren, wie feinste belgische Schokolade entsteht. Und dass die Praline eine Erfindung von Jean Neuhaus ist, der 1884 in Brüssel sein Geschäft eröffnete. 1905 gibt es 50 Chocolatier in Belgien. Was man nicht glauben sollte, die Schachtel für die Pralinen wurde drei Jahre nach der Praline selbst „erfunden“ – um diese vor Schaden zu bewahren. Aus der Pralinenschachtel entwickelte sich nach und nach eine Marketingstrategie, um den Verkauf anzukurbeln.

Im hauseigenen Café zu sitzen, eine Schokolade zu trinken, ein Schokoladeneis zu schlecken oder eines der leckeren Törtchen zu schnabulieren, das tut jetzt gut.

Und so fahren wir stillvergnügt zurück nach Leuven.

Die Gärten von Annevoie – Dinant und eine Bootsfahrt auf der Maas – Bierverkostung

Sonne, Sonne, Sonne – fünf Tage hintereinander. Morgen könnte es mit der Freude ein Ende haben, daher genießen wir diesen Tag umso mehr und er macht es uns so einfach.

Die Fahrt geht ins Maastal, eine der schönsten und abwechslungsreichsten Regionen Belgiens. Die hiergelegenen Gärten von Annevoie, im 18. Jahrhundert angelegt, sind die einzigen Wassergärten in Belgien und gehören zu den schönsten in Europa. Das Wasser fließt hier dank des natürlichen Gefälles vom Grand Canal in die über 50 Springbrunnen, Wasserfällen, Kaskaden und Wasserbecken. Das lebendige Wasserspiel, das sich harmonisch in die Gartenarchitektur einfügt, ist bezaubernd. Und so laufen wir den 2 km langen Rundgang nur zu gerne – mit Zeit und Ruhe. Das ausgeklügelte System aus unterirdischen Kanälen und natürlichen Zuläufen speist alle Wasserspiele.

Das Schloss, das heute einer Stiftung gehört, ist leicht geschwungen und folgt damit der Landschaft des Rouillon-Tals, in dem die Gärten liegen. Wie kommt man auf die Idee, dem Gebäude diese Kurvatur zu geben? Der geneigte Besucher erkennt, der Garten ist nicht daraufhin angelegt, laut zu imponieren, sondern man muss genau hingucken und sich dann beeindrucken lassen. Das tun wir.

In dem kleinen Museum wird die Geschichte des Ortes und der Gartenanlage dargestellt. Faszinierend sind die verschiedenen Wasserdüsen, die in der Praxis einen Strahl schießen oder das Wasser wie einen Fächer verströmen lassen.

Es gibt ein Café mit Terrasse in der Sonne und Blick auf den Garten. So schön.

Weiter geht es nach Dinant zum nächsten Vergnügen. Das charmante Städtchen ist malerisch eingebettet zwischen den steilen Felsen und der Maas. Hier machen wir eine Mittagspause und besteigen dann ein Schiff, das uns die Maas hoch und runter fährt, mit bestem Blick auf die beiden nahen Uferseiten. Die Zitadelle über dem Ort, die zwischen Maas und Zitadellenfels eingeklemmte Stiftskirche Notre-Dame de Dinant, mit dem markanten Westwerk und dem Zwiebelturm – was eigentlich nicht zusammenpasst – das hat schon William Turner angesprochen, der die Szenerie mehrfach gemalt hat.

Adolphe Sax ist hier 1814 geboren worden. Sein Vater war Instrumentenbauer und der Sohn folgte ihm und entwickelte das Saxophon, weshalb das Instrument viele Stellen in der Stadt schmückt, selbst auf der Brücke.

Der dritte Punkt ist der Besuch der Privatbrauerei „La Houppe“. Die erreichen wir über Straßen, die nur nüchtern zu fahren sind. Am Ende stehen wir vor einer großen Lagerhalle auf einer Anhöhe. Sind wir hier richtig?

Kevin empfängt uns und führt uns launig durch die Geschichte des Standorts und des hier produzierten Bieres. Die Halle war von 1970 – 2019 eine Auktionshalle für die hier wachsenden berühmten Erdbeeren aus Wépion. Jede Beere, die im Umkreis von 40 km um die Erdbeerhauptstadt von Belgien herum wächst, ist eine Wépion-Erdbeere und die haben einen ausgezeichneten Ruf. In einem Teil war der Kühlraum mit den köstlichen Früchten, die versteigert werden sollten. Wir sitzen bei der Erklärung auf Bänken, die uns eher an die Schule erinnern. Doch hier saßen die Bieter und boten über den Zeiger einer Uhr, die rückwärts zählte, was man eine Rückwärtsauktion oder Holländische Auktion nennt. Sie begann bei 100 und zählte 99, 98, 97. Wer die Erdbeeren mit einer bestimmten Auktionsnummer haben wollte, sollte nicht allzu lange warten, sondern bieten. Doch die Produzenten hatten auch ein Mitsprachrecht und drückten auf rote Knöpfe an ihrer Schulbank, wenn der Preis ihnen für ihre Beeren zu niedrig erschien.

Parallel dazu machte 1990 die letzte Brauerei im nahegelegenen Namur dicht. Unsere Brauerei mietete sich dort 2013 ein, doch da die Räume zu klein waren, zog sie 2024 nach Wépion um. Da diesen Ort jedoch kaum jemand mit Bier in Verbindung bringt, ist die Ortsbezeichnung für das Bier die Stadt Namur, das noch nahe genug dran liegt, um die Herkunft des Bieres so bezeichnen zu können. Was der Erdbeere Wépion, ist dem Bier sein Namur.

Wie groß ist unser Staunen, als Kevin voller Stolz erzählt, dass das belgische Bier seit 2016 als immaterielles Unesco-Kulturerbe der Menschheit anerkannt ist, da es vier Gärungsverfahren kennt (obergärig, untergärig, spontan oder gemischt). Da steht uns in Deutschland das Reinheitsgebot im Weg. Zudem trinken die Belgier ihr Bier in kleinen Mengen. Kevin war gerade auf dem Oktoberfest und schüttelt sich bei dem Gedanken an die Maß Bier.

Er führt uns in die Produktionshalle, die jedoch mit ihren Stahltanks keinen Charme hat. Wir waren jedoch aufmerksam, haben seine Fragen beantwortet, die Gäste haben mir geholfen, den Gärprozess zu verstehen und so haben wir uns ein Bier verdient, das frisch gezapft wird. Da der Hopfen aus USA stammt und eine Zitrusnote hat, riecht das Bier ein wenig nach Maracuja und hat einen besonderen frischen Geschmack. Interessant für die einen, lecker für die anderen.
Mit einigen Flaschen unter dem Arm kommen wir wieder zum Bus zurück. Sergey hat nicht einmal ein alkoholfreies Bier trinken wollen und so fährt er uns behände nach Leuven zurück. Auf der Strecke noch ein Toilettenstopp, der musste sein.

Stadtführung in Gent und über Damme nach Brügge

Das heutige Tagesziel, die mittelalterliche Hafen- und Tuchstadt Gent, war und ist eine der bedeutendsten Metropolen Flanderns.

Wir treffen Helga und Jo zur Stadtführung und erfahren, dass Gent das Stapel- und Zollrecht für Getreide hatte und damit wohlhabend wurde. Dieses kam aus Frankreich, musste in Gent auf andere Kähne umgeladen werden – wofür man Leute brauchte und Miete zahlen musste – dann zahlte der Händler für die Lagerung und die Zollgebühr. Es gab eine Zunft der Getreidemesser, die sicher gut zu tun hatten. Denn es gab 100 bis 150 Speicher in der Stadt alleine für das Korn.

Von der Uferseite Korenlei am alten Hafen haben wir besten Blick auf die gotischen Zunfthäuser an der anderen Seite. Wo schwer gearbeitet wurde, kam auch das Vergnügen nicht zu kurz. Und so schauen wir auf die Fassade uns gegenüber und auf die zwei Schwäne, die voneinander wegschwimmen. Hier war das Freudenhaus und die Tiere signalisieren „hier gibt es keine Treue“. Heute hat ein Hotel das Haus bezogen und als wir Helga hineinfolgen, stehen wir inmitten einer großen überglasten Lobby.

Helga hat Freude, uns zu überraschen. Das Design Museum ist brandneu, ein Neubau inmitten alten Bestands. Auch hier treten wir ein und laufen in den Innenhof eines Privatpalastes mit Kontor und Lager. Denn hier residierte ein Leinenhändler, der seine Ware in die Niederlande, bis nach Spanien und sogar in die spanischen Kolonien nach Mittel- und Südamerika vertrieb. Nun gehört das schöne Gebäude der Stadt, die es zum Kunstgewerbemuseum machte, aus dem sich das Design Museum entwickelt hat.

Wir laufen zur Gravensteen (Grafenstein), eines der größten und wichtigsten profanen Bauwerke im Zentrum. Sie wurde von 1180 bis 1200 unter dem Grafen von Flandern, Philipp von Elsass gebaut, im Stil einer syrischen Kreuzritterburg. Sie ist die einzige in Flandern erhaltene mittelalterliche Burg romanischen Stils mit noch relativ intakten Verteidigungswerken. Auf der mittelalterlichen Enthauptungsbrücke wurden bis ins 16. Jahrhundert Hinrichtungen vorgenommen. Zunächst Residenz der Grafen, verblieben Verwaltung, die Münze und der Gerichtshof darin, bevor ein Privatmann die Burg kaufte und eine Baumwollspinnerei darin einrichtete mit Wohnungen für die Arbeiter. Nun gehört die Burg der Stadt und man kann sie besichtigen.

Die Fischhalle hat ein prächtiges Portal, das eine Menge zu gucken gibt, bekrönt von Neptun. Die große Fleischhalle ist nicht weit entfernt, wird gerade renoviert und künftig ein Parkhaus für Fahrräder sein.

Über die neue Stadthalle, die mehr ein Dach für Veranstaltungen bietet, erreichen wird das überreich geschmückte spätgotische Rathaus. Das nimmt eine Straßenecke ein und wurde zunächst nicht weitergebaut. Und als man den Bau weiterführte, hatte sich der Baustil verändert, so dass der Anbau nun im Stil der Renaissance dasteht.

Wir stehen vor dem Belfried, der zum Bild vieler Städte gehört. Dieser hohe Glockenturm (fläm. Belfried, frz. beffro) steht für den Bürgerstolz, das Selbstbewusstsein einer Stadt, die durch Tuche und andere Waren zu Wohlstand gekommen ist. Von hier aus hielt ein Türmer Ausschau nach Bränden und möglichen Feinden und die Schatzkammer, das Archiv oder das Gefängnis fanden hier Platz. Hing ursprünglich im Turm nur eine Glocke, hat sich daraus ein ganzes Glockenspiel entwickelt, das auch heute noch regelmäßig erklingt – mitunter alle 15 Minuten wie in Gent. Ein Song von David Bowie ist hier einprogrammiert, man geht mit der Zeit.
Immer bilden die Belfriede den Gegenpart zu einem Kirchenturm.

Und richtig - gegenüber antwortet die St. Bavo-Kathedrale mit ihrem in den Himmel sich reckenden Kirchturm. Hier steht der berühmte „Genter Altar“ von Jan van Eyck, dessen Besuch sich einige von uns nicht entgehen lassen. Die Restaurierung der Altarblätter ist zum Frühjahr 2027 abgeschlossen. Die Farben der bereits restaurierten Tafeln strahlen. Der Künstler revolutionierte die Kunstgeschichte, indem er trocknende Öle wie Lein- oder Walnussöl verwendete, die er mit Naturharzen kochte. Seine Zeitgenossen hingegen malten vor allem mit Eitempera und mischten die Pigmente mit Eigelb und Wasser.

Wir durchmessen die Stadt auf eigene Faust, schauen hier, schauen dort, bevor wir an einer öffentlichen Bushaltestelle Sergey mit dem Bus erwarten und auf dem Weg nach Brügge in Damme Halt machen.

Denn Brügges direkter Zugang zum Meer versandte, so dass man auf Damme auswich. Beide Orte sind über die Damse miteinander verbunden und so wurde Damme eine Zeitlang der Vorhafen von Brügge. Doch Damme verlor dann auch gegen Ende des Mittelalters durch die Versandung der Meeresbucht Zwin an Bedeutung.

Die Fahrt über Land ist sehr reizvoll. Laut Navi von Sergey soll es außerhalb des Ortes einen Busparkplatz geben, doch scheint dieser noch nicht eingerichtet zu sein. Und so kommen wir in den Ort, wo wir den Bus vor einem Wohnhaus parken, um nach einem Busparkplatz zu fragen. Sergey und ich betreten ein Friseurgeschäft, Kundin und Friseurin in angeregter Plauderei, während die Farbe aufgetragen wird. Ich frage in Englisch und Französisch nach einem Busparkplatz und mit Zeigen auf die Uhr und Verständigung mit den Händen dürfen wir 30 Minuten hier stehenbleiben. Prima.

So laufen wir durch den Ort, der hübsch sein könnte. Doch es ist ein Durchgangsort mit Verkehr. Es gibt Leerstand und keine Läden, die zum Verweilen einladen. Im Rathaus heirateten 1468 der Herzog von Burgund, Karl der Kühne, und Margareta von York. Doch sieht man von dem Bau wenig, er ist eingerüstet.
Der Schriftsteller Charles de Coster ließ im 19. Jahrhundert seinen Roman „La Légende de Thyl Ulenspiegel“ (Die Legende von Till Eulenspiegel) in Damme spielen, so dass es auch ein Till-Eulenspiegel-Museum gibt.

Wir laufen zurück zum Bus, vor dem mittlerweile ein alter Herr mit Stock steht. Er wohnt hier im Haus, vor dem wir stehen und wollte einmal schauen, was der Bus vor seiner Haustür macht. Unser kurzer Stopp hat doch Aufsehen gemacht, wir danken für die Gastfreundschaft und fahren durch den Ort, die Damse entlang, nach Brügge in unser Hotel.

Nachdem wir die Zimmer bezogen haben, fängt es an zu regnen. Der Regen steigert sich jedoch und weht in Böen über den großen vor dem Hotel liegenden Platz. Da ist keiner mehr draußen unterwegs – weder mit dem Rad noch zu Fuß. Was für ein Guss! Möge es sich über Nacht ausregnen und morgen wieder schön sein.

Stadtrundgang und Grachtenrundfahrt in Brügge

Heute können wir länger schlafen und werden von den beiden Stadtführern Chris und Joseph im Hotel abgeholt. Es ist trocken, worüber wir uns sehr freuen. Doch nach kurzer Zeit nehmen wir den Regenschirm zur Hand. Das ist heute Wetterprogramm: zehn Minuten Husche, 20 Minuten Sonne.

Obgleich wir erst in einer der Ladenstraßen sind, gibt es schon allerhand zu gucken: Hauszeichen der Bäcker, Zunfthaus der Schuhmacher, ein Stadtpalais im eklektischen Stil. Und als wir auf dem Großen Markt sind, steht dort ein Haus schöner als das andere.
Brügge - eine Stadt mit unvergleichlichem mittelalterlichem Flair. Auch hier steht ein Beginenhof, um einen großen Hof herum angelegt. Ein Haus ist geöffnet und zeigt, wie man in den drei Zimmern gewohnt hat. Ein Garten und ein Brunnen gehören dazu und weisen darauf hin, dass diese Wohnung eine wohlhabendere Bewohnerin gehabt haben muss.

Bei einer Grachtenfahrt sehen wir die Stadt auch von der Wasserseite aus. Wobei zunächst die Sitze vom Regen getrocknet werden müssen, Schirme mit Klarsichbespannung werden ausgegeben, so dass wir auch nach oben gucken können. Schnell hinsetzen auf den trockenen Platz, bevor er wieder nass wird. Auf geht’s zu einer kleinen Runde. Hin und wieder heißt es, Köpfe einziehen, da die Durchfahrt so niedrig ist. Boote mit farbigen Regenschirmen kommen an uns vorbei. Wie lustig sehen wir wohl aus mit unseren Jacken in Farben wie aus dem Tuschkasten und den durchsichtigen Schirmen? Schirm auf, Schirm zu. Kopf hoch, Kopf runter.

Am frühen Nachmittag dann strahlend blauer Himmel, kurze Zeit später ein Regenschauer. Die Lust an eigenen Entdeckungen mindert es nicht und so ziehen wir los und schauen uns eigenständig um.

Am Abend wartet das Hotel mit einem Rinderfilet auf, das auf der Zunge zergeht.

Westflandern–Rundfahrt mit Veurne, Ypern und Kortrijk

Der letzte Besichtigungstag hat es in sich. Wir fahren nach Westflandern, wo im Ersten und Zweiten Weltkrieg die Westfront verlief und somit viele Kampfhandlungen hier stattfanden.

Wir starten in Kortrijk, wo uns Christine und Frank in Empfang nehmen und durch die Stadt führen. Zum ersten Mal besuchen wir ein Rathaus, wo wir den Ratssaal von 1526 und den Gerichtssaal anschauen. Beide Räume haben prächtige Kamine mit einem Skulpturenschmuck, der auf die jeweilige Funktion der Säle hinweist. So sind im Ratssaal die Tugenden und Laster zu sehen, das Jüngste Gericht und in der Mitte thront Karl V. An den jeweiligen Ecken die Allegorien für Frieden und Gerechtigkeit. Die Balkenböden sind mit mehrfarbigen allegorischen Darstellungen verziert, die sich auf Texte aus der Bibel und der klassischen Literatur beziehen zum Thema „Der unselige Einfluss der Frauen auf die Männer“.

Im früheren Schöffenzimmer im Erdgeschoss regierten die Schöffen bis 1787. Heute wird es als Hochzeitssaal genutzt. Auch hier ein bemerkenswerter spätgotischer Kamin, der u.a. den ungläubigen Thomas zeigt. Ohne Beweise keine Verurteilung, soll das heißen.
Die Balkenböden der Holzdecke zeigen hier allegorische Darstellungen, in der Frauen die Gerechtigkeit personifizieren.

Die Stadt erinnert an unsere deutschen Städte, deren durch den Krieg geschlagenen Lücken mit gesichtslosen Häusern aus den 50-er, 60-er Jahren aufgefüllt werden. Gerade einmal 25 Kilometer entfernt ist Ypern.
So ist es kaum zu glauben, dass der Preis für Leinen weltweit in Kortrijk bestimmt worden ist, wie uns Frank versichert. Ab dem 14. Jahrhundert erlebte die Stadt eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, die mit der Entwicklung der Textilindustrie zusammenhing. Sie war nun ein Mittelpunkt der flandrischen Tuchherstellung.

Der Beginenhof ist besonders schön, 1242 gestiftet von Johanna von Konstantinopel, der Gräfin von Flandern. 42 weiß getünchte Häuser verlaufen entlang von Gassen und haben Gärten, die an die Umgrenzungsmauer reichen. Das Haus der „Grootmeesteres“, jener Frau, die sich um die Geschäfte kümmerte und für diese Aufgabe von den anderen Bewohnerinnen gewählt wurde, ist größer als die anderen und hat einen doppelten Treppengiebel.

Weiter geht es ins Epizentrum der Kriegszerstörung – nach Ypern. Hier reiben wir uns verwundert die Augen. Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt im Verlauf der vierjährigen Stellungskämpfe fast vollständig dem Erdboden gleichgemacht. Und nun laufen wir durch eine sehr schöne Einkaufsstraße und stehen dann vor der Tuchhalle – im Flämischen heißt sie Lakenhal. Sie ist eine der größten profanen gotischen Gebäudekomplexe Europas mit einem 70 Meter hohen Belfried, der zum Unesco-Welterbe gehört, mit 49-teiligem Glockenspiel. Wow!

Ypern gehörte mit Gent und Brügge zu den drei bedeutendsten Städten Flanderns. Und diese wunderbare Tuchhalle, die größte und schönste Belgiens, steht für diese Blütezeit. „Nur“ ein Nachbau.

Im Ersten Weltkrieg lag Ypern direkt an der Westfront. Deutsche Truppen versuchten mehrmals, die Stadt einzunehmen und wurden zurückgeschlagen. Im April 1915 setzten deutsche Truppen dann erstmals Chlorgas ein.

Im Zweiten Weltkrieg fanden rund um Ypern während des deutschen Westfeldzugs erneut schwere Kämpfe statt. Nach der Kapitulation der belgischen Armee im Mai 1940 wurde es kampflos von Truppen der Wehrmacht besetzt. Und im September 1944 von vorrückenden westalliierten Truppen befreit.
Nach dem Krieg wurde die stark zerstörte Stadt wieder aufgebaut. Winston Churchill wollte, dass die Ruinen als Denkmal bestehen bleiben. Doch wer möchte in einer solchen Stadt wohnen?
Die wichtigsten Bauten, wie die Stadtkirche und die Tuchhalle, wurden originalgetreu rekonstruiert, die meisten anderen Häuser aber frei historisierend neu errichtet. Historisches Bewusstsein und Erinnerungen nehmen seitdem viel Raum ein in der Geschichtsschreibung und Kultur der Stadt.

Die klaren Proportionen der Sankt-Martins-Kathedrale, der gotischen Bischofskirche des ehemaligen Bistums Ypern, erinnern an die großen französischen Kathedralen. Die Glasgemälde sind ein Geschenk Großbritanniens zur Erinnerung an die Verluste durch den Krieg.

Unser Rückweg führt uns wieder durch den Ehrenbogen des Kriegerdenkmals Meensepoort. Hier sind die Namen der 54.896 in den drei Flandernschlachten des Ersten Weltkriegs gefallenen und verschollenen Briten zu lesen. Zur Erinnerung an diese Opfer und daran, dass Ypern deutscher Besetzung standhielt, wird hier seit 1929 jeden Abend um 20 Uhr „The Last Post“ geblasen; seit fast 100 Jahren „Der letzte (Wach-)Posten“, ein traditionelles militärisches Trompetensignal.

Wir fahren nun nach Veurne, nicht weit von der Küste. Dieser schmucke Ort hat ein einen großen rechteckigen Marktplatz – auf dem leider Autos parken – mit einem Belfried, der auch das Unesco-Welterbe-Label trägt, ein Rathaus mit Gerichtsgebäude und eine Fleischhalle, alle aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Gleich dahinter steht die St.-Walburgakirche. Der Vorgängerbau wurde bereits im 9. Jahrhundert erbaut. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde mit dem Bau einer größeren Kirche im gotischen Stil begonnen. Man betritt sie durch den Südeingang und wundert sich, gerade vor dem Altar zu stehen. Ein Blick nach links zeigt, hier fehlt etwas. Und richtig, realisiert wurden nur der Chor, zwei Joche des Langhauses und die Basis des Turmes. Das tiefe Fundament des Turmes wurde dann als Zisterne für Brauch- und Löschwasser genutzt. Das neugotische Querhaus wurde dann erst 1907 fertiggestellt.

Ein großer Aufsteller weist darauf hin, dass der Turm der St. Nikolauskirche bestiegen werden kann – kostenlos. 214 Stufen sind zu schaffen und so geht es erst eine Stahltreppe hoch, dann eine Wendeltreppe, wo ein Seil Halt gibt. Vorbei an den Glocken, wo ein netter Hinweis hängt, man möge das Blaulicht beachten. Das geht an, kurz bevor die Glocken anschlagen, und dann sollte man sich in sicherer Entfernung halten. Die letzten Stockwerke dann über eine steile Treppenleiter, die man am besten rückwärts wieder hinunternimmt. Jetzt sind wir aber erst einmal oben und schauen auf Marktplatz, Kirche und haben alles Schöne im Blick. Warum ist dieser Stadt kaum etwas passiert? Warum steht sie so schmuck da in ihrer Backsteinrenaissance? Zum Glück steht sie so da.

Unseren letzten Abend verbringen wir in der Brügger Bierbrauerei De Halve Maan – Der Halbmond. Alle sind mit dabei und so sitzen wir an runden Tischen und wählen zwischen hellem, dunklen oder Rosébier aus. Das Rindergulasch kommt in großen Schüsseln auf den Tisch, wie bei einer Großfamilie. Es ist ein schöner Abschiedsabend und die meisten kommen auch trocken noch vor dem großen Guss wieder ins Hotel. Dann schüttet es aus Kübeln.

Rückreise nach Deutschland

Um drei Uhr klappert was auf dem großen Platz vor dem Hotel. Werden schon die ersten Vorbereitungen für den Marathon am Sonntag getroffen? So früh?
Um fünf herrscht Klarheit dank der Obst- und Gemüsekisten: Ein Wochenmarkt wird aufgebaut.

Und als wir dann gegen 8 Uhr mit unseren Koffern Richtung Bus stiefeln, breitet sich vor uns der schönste Markt aus. So appetitlich ist das Warenangebot in den Marktwagen drapiert, die warme Beleuchtung lädt ein, näherzutreten. Von gegenüber weht der Duft von Hähnchen, die am Rost drehen. Was für ein Angebot beim Bäcker. Und ein ganzer Stand nur mit Nüssen und Trockenfrüchten!

Auf, auf in den Bus und nach Hause. Zunächst kommen wir auch gut voran, doch am Brüsseler Ring ist ganz plötzlich die Autobahn für uns gesperrt. 3,5 Tonnen und eine Höhe von 3 Metern, da passen wir nicht durch. Sergey befragt das Navi und gibt mir den Auftrag, mich mit flämischen Umleitungsschildern vertraut machen. Das ist ein Spezialgebiet, über das der schlaue Mr. Google nicht so ohne weiteres Auskunft gibt.

Wir machen noch eine kurze Stadtrundfahrt entlang des Königlichen Botanischen Gartens, der ganz schön groß ist, und lassen dann die belgische Hauptstadt hinter uns.

Die Autobahn von Brüssel zur Grenze ist fad, wie der Österreicher sagen würde, es gibt kaum etwas zu gucken. Und wie freut sich das Auge, als wir durch das Bergische Land und das Sieger Land fahren. Sonne satt, die farbigen Blätter hängen alle noch an den Bäumen wie vor 10 Tagen. Es geht rauf und runter. Wie schön ist unser deutscher Wald, wie üppig wächst er, wie schön, dass wir ihn haben.

Und vorbei an der Wartburg und den Drei Gleichen, die wie von Scheinwerfern angestrahlt auf ihren Felsen stehen, geht es über Jena, Gera und Chemnitz nach Kesselsdorf, wo wir mit einer Stunde Verspätung ankommen. 13 Stunden Strecke. 3106 Kilometer liegen zwischen der Abfahrt vor zehn Tagen und heute.
Nun sind wir bald wieder zu Hause, packen Schokolade, Bier und Schinken aus und freuen uns an unseren Fotos und Erinnerungen.


Liebe Gäste,

es waren leichte und heitere Tage mit Euch.

Ich danke Euch für Eure Begeisterungsfähigkeit und Euer Interesse an allem, was diese schöne Reise uns geboten hat. Wir haben ein stolzes Pensum absolviert.

Unser Busfahrer Sergey hat uns mit guter Laune jeden Tag sicher und entspannt von einem Ort zum anderen gebracht, sich um volle Kühltruhen mit Getränken und starken Kaffee gekümmert.

Ich wünsche Euch alles Gute, Gesundheit und schöne Reiseerinnerungen und freue mich, wenn es ein Wiedersehen gibt,

Eure Vivian


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