Zum Hauptinhalt springen ... Alle Themen & Ziele
  (03 52 04) 92 112 / Mo – Fr: 07:00 – 19:00 Uhr + Sa: 10:00 – 15:00 Uhr
Eberhardt TRAVEL GmbH
Testsieger 2025
Banner-Hero

Färöer – Dänemarks unbekannte Schafsinseln

Reisebericht: 18.07. – 26.07.2026

Die Färöer-Inseln begeistern mit ihrer einzigartigen Naturschönheit, welche geprägt ist von steilen Klippen, grünen Berghängen und der ständigen Präsenz des Meeres mitten im Nordatlantik.

Sinah Witzig

Ein Reisebericht von
Sinah Witzig

Gásadalur im Nebel – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Bøur – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Tórshavn: Tinganes – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Papageitaucher in Gásadalur – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Sandoy: Dalur – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Tangafjørður – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Saksun – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Fährüberfahrt von Nólsoy nach Tórshavn – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Frischer Fisch am Hafen von Leirvik – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Mikladalur – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Wanderung zu den Klippen von Kallur – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Bootsfahrt entlang der Küste von Vágar – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL)

18.07.2026 Anreise nach Kopenhagen

Unsere Reise startet für die meisten Mitreisenden früh morgens am Flughafen in Berlin: gemeinsam fliegen wir mit einer kleinen Propellermaschine nach Kopenhagen. Mit etwas Verspätung nehmen wir unser Gepäck in Empfang, warten noch auf einen weiteren Mitreisenden aus der Schweiz und machen uns dann mit unserem Bus und Fahrer Jonas auf den kurzen Weg zu unserem Hotel im Stadtteil Sydhavn. Hier werden wir schon von den letzten beiden Mitgliedern unserer Reisegruppe empfangen. Da es noch zu früh ist, um in unsere Hotelzimmer einzuchecken, stellen wir erst einmal unser Gepäck unter und nutzen dann die Zeit, uns ein wenig kennenzulernen: insgesamt besteht unsere Reisegruppe aus 13 Personen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands, aus der Schweiz und sogar der Ukraine. Gemeinsam haben alle eine große Neugier auf die Färöer-Inseln und die meisten wünschen sich, der mitteleuropäischen Sommerhitze zu entfliehen.
Am Nachmittag treffen wir dann unseren Stadtführer Paul, der uns in zwei Stunden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der dänischen Hauptstadt näherbringen soll. Zunächst fahren wir zum nahegelegenen Hauptbahnhof, wo wir gegenüber auch den Freizeitpark Tivoli sehen können. Vorbei am Rosenborg Schloss und dem Naturhistorischen- und Kunst-Museum bringt uns Jonas in den Stadtteil Østerbro. An der sternförmigen Festung aus dem 17. Jahrhundert vorbei erreichen wir den Kanal des Kopenhagener Hafens, der die Stadt von der Insel Amager trennt. Recht klein und unscheinbar erwartet uns hier die berühmteste Sehenswürdigkeit der Stadt: die kleine Meerjungfrau. Der Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen schuf die 1913 aufgestellte Skulptur im Auftrag des Kunstmäzens und Sohn des Firmengründers der Carlsberg-Brauerei, Carl Jacobsen. Vorbild war natürlich die gleichnamige Märchenfigur des dänischen Nationalschriftstellers Hans Christian Andersen. Selbstverständlich sind wir nicht die einzigen, die heute unterwegs sind, und wir müssen uns die berühmte Aussicht mit einer ganzen Menge Kreuzfahrttouristen teilen. In der Amalienborg, unserem nächsten Ziel, geht es ein wenig ruhiger zu. Die Kopenhagener Stadtresidenz der dänischen Königsfamilie liegt im historischen Stadtteil Frederiksstaden und besteht aus vier identischen Palais, die im Rokoko-Stil um einen achteckigen Schlossplatz angeordnet sind. Im Zentrum steht das monumentale Reiterstandbild von König Frederik V. Wir sind gerade rechtzeitig da, um eine kleine Wachablösung zu sehen. Die jungen dänischen Soldaten und Soldatinnen sind zwar genauso repräsentativ Ausgestattet wie die Palastwachen vor anderen Königshäusern, hier allerdings gibt es kein Verbot sich zu bewegen - man sollte also nicht versuchen, hier jemanden zu Ärgern. Nach der Zeremonie spazieren wir weiter zum Nyhavn, dem wohl bekanntesten Teil des Kopenhagener Hafens. Hier reihen sich jede Menge historische bunte Häuschen aneinander und er gibt zahlreiche Kneipen und Restaurants, wo am Samstag Nachmittag eine Menge los ist. Vor dem Königlichen Theater am Neumarkt holt uns Jonas wieder ab und wir fahren weiter entlang des Slotsholmkanals zum Schloss Christiansborg und am Nationalmuseum vorbei zurück in Richtung Hauptbahnhof.
Natürlich reichen zwei Stunden nicht, um eine Metropole wie Kopenhagen kennenzulernen, aber ein schöner erster Eindruck ist geblieben. Zurück im Hotel können wir nun endlich in unsere Zimmer einchecken und uns vor dem Abendessen noch ein wenig frisch machen. In geselliger Runde lassen wir dann später den Abend ausklingen und tauschen schon die ein oder andere Reisegeschichte miteinander aus.

19.07.2026 Weiterreise auf die Färöer und Erkundungen auf Vágar

Der nächste Tag beginnt früh, allerdings auch mit großer Vorfreude auf unser eigentliches Reiseziel. Unser Frühstück bekommen wir heute zum Mitnehmen und ein Kaffee ist zum Glück auch noch drin, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Flughafen machen. Früh am Sonntagmorgen dauert die Fahrt nur wenige Minuten und auch der Check In am Automaten verläuft reibungslos. Wir geben unsere Koffer auf und suchen uns dann erst einmal ein halbwegs gemütliches Plätzchen, an dem wir unser Frühstück zu uns nehmen können, bevor wir die Sicherheitskontrolle passieren. Pünktlich erreichen wir später unser Gate und müssen auch gar nicht lange warten, denn das Einsteigen beginnt überpünktlich und schneller als erwartet sitzen wir im Flugzeug. Der knapp zweistündige Flug verläuft sehr ruhig und gespannt landen wir ebenfalls überpünktlich auf der Färöer Insel Vágar. Politisch gehören die 18 vulkanischen Inseln zum Königreich Dänemark, sind jedoch wie Grönland kein Mitglied der Europäischen Union. Geografisch liegt der Archipel etwa auf halber Strecke zwischen Schottland, Norwegen und Island.
Beim Blick aus dem Fenster sehen wir - erstmal nichts. Ganz typisch ist alles in dicken Nebel gehüllt. Aber davon lassen wir uns nicht entmutigen, es ist ja noch früh am Tag. Im kleinen Flughafengebäude nehmen wir unser Gepäck in Empfang und treffen wenig später unseren örtlichen Reiseleiter Bergur sowie unseren Busfahrer Jan. Da wir mit einem Kleinbus unterwegs sein werden, werden unsere Koffer in einen separaten Transporter geladen und direkt zum Hotel in die Hauptstadt Tórshavn geschickt - während wir uns Vágar noch ein wenig ansehen werden. Während unser Gepäck also nach Südosten losfährt, fahren wir zunächst einmal nach Nordwesten. Unser Ziel ist die winzige Ortschaft Gásardalur. Hier leben zwar nur etwa 15 Einwohner, trotzdem ist das Dorf eines der bekanntesten auf den Färöer-Inseln. Woran das liegt? Es galt bis Anfang des 21. Jahrhunderts als einer der isoliertesten Dörfer Europas, da es nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbar war. Dies änderte sich, als im Jahr 2003 der Gásadalstunnel eröffnet wurde - und jetzt kommen sämtliche Besucher in die kleine Ortschaft um den Múlafossur Wasserfall zu sehen, der südlich des Dorfes etwa 30 Meter tief direkt ins Meer stürzt. Als wir Gásardalur erreichen, hängt noch immer dichter Nebel im Tal. Nichtsdestotrotz steigen wir aus und machen einen kleinen Spaziergang - und langsam hebt sich auch der Nebel und wir sehen den berühmten Wasserfall. Auch erste Tierbeobachtungen machen wir: Küstenseeschwalben und die ersten fliegenden Papageitaucher stürzen im Tiefflug an uns vorbei. Über eine kleine Brücke erreichen wir die Nordseite der Schlucht. Von hier aus können wir auch einige Papageitaucher auf den Klippen sitzen sehen. Einige von uns sind erstaunt, wie klein die niedlichen Vögel mit den bunten Schnäbeln sind - und wie zäh und robust - denn sie verbringen fast ihr ganzes Leben auf dem offenen Nordatlantik, nur zum Brüten kommen sie zwischen Ende April und Mitte August an Land.
Unser Weg führt uns anschließend weiter in die Ortschaft Bøur. Auch hier unternehmen wir einen kleinen Spaziergang. Während sich auch hier der Nebel langsam hebt, wird nach und nach die Aussicht auf den Sørvágsfjord und die Inseln Tindhólmur und Mykines besser. Wir machen hier die erste Bekanntschaft mit den Färöer-Schafen und deren vielen verschiedenen Farben, sowie mit den traditionellen Holzhäusern mit begrünten Dächern. Wir genießen die angenehme frische Luft und die Meeresbriese.
Wir verlassen Vágar durch den 2002 eröffneten Vágartunnel, der den Vestmannafjord auf knapp fünf Kilometern unterführt. Auf der Hauptinsel Streymoy angekommen legen wir oberhalb des Dorfes Leynar noch einen Stopp ein und fahren dann über die alte Straße durch die Berge in Richtung Tórshavn. Bei schönstem Wetter erreichen wir am frühen Vormittag die Hauptstadt und verabschieden uns fürs Erste von Bergur und Jan.
Bevor wir in unsere Zimmer einchecken können, nutzen einige von uns die Gelegenheit, die Innenstadt schon ein wenig zu erkunden, bevor wir in zwei Tagen zur Stadtführung wieder in die Altstadt zurückkommen. Nachmittags beziehen wir dann unsere modernen Zimmer im Hilton Garden Inn Hotel und treffen uns später zu einem leckeren Abendessen wieder im Hotel-Restaurant.

20.07.2026 Spontaner Ausflug zum Leitisvatn

Heute hätte eigentlich unser fakultativer Ausflug zur westlichsten Insel Mykines stattfinden sollen, doch schon gestern Abend wurde uns mitgeteilt, dass dieser aufgrund zu hohen Wellengangs ausfallen muss. Als Alternative haben wir uns schließlich dazu entschieden, unseren Bus für heute zu chartern und noch einmal zurück nach Vágar zu fahren, um dort eine Wanderung entlang des Sees Leitisvatn zu machen - der See, der auch als "der See über dem Meer" bekannt ist. Der Großteil der Gruppe hat sich dieser Idee angeschlossen.
Zunächst einmal lassen wir uns allerdings das leckere Frühstücksbuffet schmecken, bevor uns dann unser Fahrer Jan abholt - eigentlich wollte er heute an seinem freien Tag angeln gehen, stattdessen chauffiert er uns heute wieder bestens gelaunt durch die atemberaubend schöne Natur.
Auf der Fahrt erfahren wir, dass Jan auf Vágar lebt und er macht uns Hoffnung auf genauso schönes Wetter wie in Tórshavn. Nach einer etwa 45-minütigen Fahrt erreichen wir Midvágur und das kleine privatbetriebene Besucherzentrum. Auf den Färöer ist fast alles Land in Privatbesitz und anders wie in Skandinavien gibt es hier kein Jedermannsrecht. Man darf also nicht einfach überall hinwandern, sondern man bezahlt eine Wandergebühr - dafür gibt es hier eine tatsächlich sehr gute Infrastriktur und einen gut gepflegten Wanderpfad. Wir verabschieden uns für's Erste von Jan und starten mit einem klaren Ziel vor Augen zu unserer Wanderung. Am Eingang zum Pfad haben wir noch einmal das tolle Foto mit dem Blick von der Trælanípa-Klippe hinüber zum See gesehen. Bei Sonnenschein und leichtem Nebel starten wir - und werden auch relativ schnell mit einem Regenbogen über dem See belohnt. Am Wegesrand beobachten wir Austernfischer, Raubmöwen und Regenbrachvögel mit Küken. Gut gelaunt wandern wir entlang des Leitisvatn weiter, auch wenn der Nebel immer dichter zu werden scheint. Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Klippen im Westen. Von hier aus kann man nun entweder hinauf zur Trælanípa steigen, oder weitergehen bis zum westlichsten Punkt, von wo aus man den Wasserfall Bøsdalafossur ins Meer stürzen sieht. Wir entscheiden uns zunächst für den Wasserfall, denn die Aussicht ist nicht besonders vielversprechend. Nach einigen Minuten erreichen wir die steinige Steilküste oberhalb des Leitisvatn und können im Nebel den Bøsdalafossur erahnen. Einige von uns klettern über die Felsen noch ein Stück weiter hinunter Richtung Wasserfall und tatsächlich klart es zumindest soweit auf, dass wir die Klippen und Felsformationen nördlich des Sees erahnen können. Die Naturgewalten sind definitiv beeindruckend und wir genießen die Aussicht für eine Weile, bevor wir uns entschließen, den Klippen eine Chance zu geben. Trælanípa - die Sklavenklippe - ragt 142 Meter über dem tosenden Nordatlantik. Der Legende nach wurden aufrührerische Sklaven während der Wikingerzeit von dieser Klippe gestoßen. Berühmt jedoch ist die für ihre Aussicht über das Meer hinweg auf den Leitisvatn - sodass es eben aussieht, als länge der See direkt über dem Meer. Leider ist uns diese Aussicht heute nicht vergönnt, nichtsdestotrotz haben wir die Wanderung alle genossen und machen uns auf den Weg zurück zum Besucherzentrum. Unterwegs machen wir noch Bekanntschaft mit einigen freundlichen schottischen Einwanderern - in Form von Highland-Kühen mit Kälbchen. Als wir zurückkommen gönnt sich der ein oder andere noch ein Souvenir oder einen Kaffee und nach einer kurzen Pause auf der Außenterrasse lassen wir uns von Jan, der mittlerweile wieder zurück ist, nach Tórshavn bringen.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit weiteren Spaziergängen und Erkundungen um das Hotel, bevor wir uns zum Abendessen wieder alle im Restaurant treffen.

21.07.2026 Tórshavn, Kirkjubøur und Sandoy

Nach dem Frühstück treffen wir heute Inga, unsere zweite örtliche Reiseleiterin, die uns in den nächsten Tagen begleiten wird. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in Richtung der Innenstadt von Tórshavn. Unser Ziel ist der Hafen. Von hier aus fährt die Fähre Norønna ein mal die Woche nach Island und auf dem Weg zurück weiter nach Dänemark. Außerdem gibt es von hier aus noch Verbindungen innerhalb der Färöer und natürlich auch ein brandneues Terminal für Kreuzfahrtschiffe. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg, um den ältesten Teil der Stadt, Tinganes, zu besichtigen. Bereits in der Wikingerzeit, um 900, versammelten sich hier die freien Männer der Färöer zum Thing. Das Løgting, das heutige Parlament, ist inzwischen etwas weiter nördlich im Stadtzentrum Tórshavns angesiedelt, aber die färöische Landesregierung hat hier nach wie vor ihren Sitz in wunderschönen kleinen roten Holzhäusern mit grün bewachsenen Dächern. Wenn das nicht das schönste Regierungsviertel der Welt ist! Nahtlos reihen sich winzige Häuschen an, die bis heute in Privatbesitz sind. Teilweise sind zwei oder drei miteinander Verbunden, um den Bedürfnissen moderner Familien gerecht zu werden. Dazwischen steht auch die Domkirche, die zweitälteste erhaltene Kirche der Färöer aus dem Jahr 1788. Seit 1990 ist sie der Sitz des Bischofs der Färöer. Wir erreichen das nördliche Ende der Halbinsel - hier war die Stadt noch Ende des 18. Jahrhunderts zu Ende, alles andere ist erst viel später entstanden. Auf der gegenüberliegenden Seite der heutigen Hauptstraße befinden sich das sehr bescheidene Parlamentsgebäude sowie das Rathaus, das im 19. Jahrhunderts aus Basalt gebaut wurde und einmal eine Schule gewesen ist. Zwischen den beiden Gebäuden befindet sich der Anfang der Haupteinkaufsstraße, wo schon seit 1935 Asta's Kiosk befindet - eine echte Institution.
Nach unserem Spaziergang geht es für uns mit dem Bus weiter ganz in den Süden der Insel Steymoy. Unser Ziel ist Kirkjubøur, eines der traditionellsten Dörfer der Inseln, wie uns Inga berichtet. Hier kann man nur wohnen, wenn man einer der hiesigen Familien angehört oder einheiratet. Einst war Kirkjubøur das geistliche und kulturelle Zentrum der Färöer. Ab 1111 war es Sitz des Bistums Färöer. Bis zur Reformation auf den Färöern 1538 residierten hier 34 Bischöfe, der bekannteste von Ihnen war Erlendur der Ende des 12. Jahrhunderts die Magnus Kathedrale bauen ließ, deren Ruinen wir heute noch bestaunen können. Das Bauvorhaben führte allerdings zum Aufruhr der Färinger, da sie die hohen Kirchenabgaben nicht mehr tragen wollten. Erlendur floh und die Kirche wurde vermutlich nie vollendet. Übrig blieb die schon 1250 vollendete, aber viel kleinere Holzkirche, die dem Heiligen Olav geweiht ist. Sie ist der älteste erhaltene Kirche der Färöer. Im Inneren erzählt uns Inga noch einiges mehr über die Geschichte und gibt uns eine färingische Hörprobe aus dem Gesangsbuch. Anschließend besuchen wir den sogenannten Königshof, ein Bauernhaus, das noch zurückgeht auf die Wikingerzeit. Obwohl es schon so alt ist, werden nur einige der Räume öffentlich genutzt, der Rest ist bis heute im Privatbesitz der Bauernfamilie.
Bei herrlichem Wetter genießen wir die Aussicht über den Fjord, auf die nahegelegenen Inseln Koltur und Hestur, sowie Sandoy in der Ferne - unser nächstes Ziel. Durch einen der neuesten Tunnel, den Sandoyartunnel, mit einer Gesamtlänge von 10.785 Meter einer der längsten Unterseetunnel des Archipels, erreichen wir die südliche Insel. Ganz zu unserer Überraschung strahlt die Sonne, als wir auf Sandoy ankommen und wir machen uns auf den Weg ins südlichste Dorf, Dalur. Gerade am letzten Wochenende, erzählt Inga, wurde ein neuer Tunnel eröffnet. Diesen durchfahren wir jetzt und sparen mächtig Zeit, tatsächlich geht es allerdings vor allem um die Sicherheit für die Einwohner, die nun nicht mehr im Winter über die Berge fahren müssen. In Dalur machen wir einen kleinen Spaziergang bevor wir weiter nach Skalavik. Hier erwartet uns im Café Á Mølini ein Mittagsimbiss. Es gibt eine leckere Suppe und das Café verzaubert uns mit seinem unverwechselbaren Charme. Die Möbel, das Geschirr und die vielen Fotos an den Wänden sind alle antik, teilweise bis zu 200 Jahre alt. Es ist so gemütlich, dass wir am liebsten noch länger sitzenbleiben würden, doch das schöne Wetter lockt uns doch wieder nach draußen. Unser letzter Stopp auf der Insel ist Sandur. Hier besuchen wir die kleine Dorfkirche und anschließend ein unerwartetes Highlight: die Kunstgalerie. Das Gebäude wurde von dem Architekten J.P. Gregoriussen entworfen und geht auf eine großzügige Schenkung des lokalen Kunstsammlers Sofus Olsen zurück, der das Museum vor 20 Jahren errichten ließ, um der Gemeinde Werke bedeutender färöischer Künstler zugänglich zu machen. Wir werden herzlich empfangen von Sofus' Schwiegersohn, der uns viel über die lokalen Künstler und auch einige Anekdoten über Sofus selbst erzählt.
Mit vielen Eindrücken fahren wir am Nachmittag zurück in Richtung Tórshavn.

22.07.2026 Klassische Färöer: Bilderbuchdörfer und Folklore

Am nächsten Morgen geht es früher los als den meisten von uns lieb ist, aber wir haben heute eine ganze Menge vor. Zunächst geht es für uns in den Norden Streymoys. Wir folgen der Meerenge Sundini und fahren vorbei an einer ehemaligen norwegischen Walfangstation. Inga erzählt uns einige lustige Anekdoten über die Einwohner der verschiedenen Ortschaften, die wir allerdings für uns behalten sollen. Wir genießen die tollen Aussichten im morgendlichen Sonnenschein. Bei Hvalvik verlassen wir die Küste und fahren durch ein langes grünes Tal, das über und über mit Wollgras bewachsen ist. Schließlich erreichen wir unser erstes Ziel: Saksun. Spektakulär liegt die winzige Ortschaft mit nur noch 11 Einwohnern in einem natürlichen Amphitheater aus steilen Bergen, oberhalb einer Gezeitenlagune mit schwarzem Sand. Wir genießen die Stille, denn außer uns sind nur einige Gänse und ein paar Pferde auf der Weide anzutreffen - doch das ändert sich natürlich relativ bald nach unserem Spaziergang. Unser nächstes Ziel liegt auf der anderen Seite des Berges: Tjørnuvik. Im Vergleich erscheint das Dorf mit 45 Einwohnern schon fast grooß. Es gibt hier einen wunderbaren feinsandigen Strand und die mitunter beeindruckenden Wellen des Atlantischen Ozeans sind auch bei Surfern beliebt. In der Ferne erkennt man am Ende der Bucht die Felsformation "Der Riese und die Hexe" - natürlich handelt es sich dabei um versteinerte Trolle, die beim Versuch, die Färöer-Inseln nach Island zu ziehen, die Zeit vergessen haben und vom Sonnenaufgang überrascht wurden.
Wir spazieren ein wenig durch das pittoreske Dörfchen und lassen uns anschließend den Kaffee schmecken, den Inga für uns von Zuhause mitgebracht hat.
Gegen Mittag wollen wir nach Eysturoy, die große Nachbarinsel, stoppen aber zuvor noch am Fossa Wasserfall. Momentan führt der höchste Wasserfall des Archipels allerdings nicht allzu viel Wasser. Trotzdem ist er ein wunderbares Fotomotiv mit seinen 140 Meter Höhe, die sich auf 2 große Terrassen verteilen. Wir fahren auf die nächste Insel, aber nicht irgendwie, sondern über die Streymin-Brücke, die erste Brücke, die 1973 über den Atlantik gebaut wurde - hier zwischen Streymoy und Eysteroy.
In Varmakelda besuchen wir den Milchbauernhof von Bäuerin Bara und ihrer Familie. Bara nimmt uns in Empfang und serviert uns zunächst eine wunderbare Rindfleischsuppe und selbst gemachte Pana Cotta. Anschließend erzählt sie uns alles zur Landwirtschaft in der Region, ihren Bauernhof und die aktuelle Lage, speziell in der Milchwirtschaft. Bara und ihr Mann gehören zu den 14, noch auf den Inseln produzierenden Milchbauern und von ihren glücklichen Kühen können wir uns direkt durch ein großes Panoramafenster zwischen Gastraum und Stall ein Bild machen. Leider sind die modernen Milchkühe so schwer, dass es unter den aktuellen Gegebenheiten nicht möglich ist, sie im Freien weiden zu lassen - sie würden schlicht im Moor versinken - aber ein Auslauf ist weit oben auf der Liste der geplanten Veränderungen. Nach einer freundlichen Verabschiedung machen wir uns auf den Weg zurück nach Tórshavn für eine kleine Verschnaufpause. Der schnellste Weg führt uns nun zum ersten Mal durch den längsten Unterseetunnel der Färöer, den Eysturoytunnel. Im Jahr 2020 wurde er eröffnet und ist ganze 11,238 Kilometer lang, doch das einzigartigste ist der unterirdische Kreisverkehr, sodass man gleich beide Ufer des Skálafjørður erreichen kann. Jan ist so nett und dreht eine Extra-Runde für uns, sodass wir die Lichtkunst des Künstles Tróndur Patursson richtig bewundern können. Die Skulptur aus einem Stahlring, der zu Menschen geformt ist, die sich die Hände reichen, verändert fortlaufend ihre Farbe und soll mit an die Tradition des färöischen Kettentanzes erinnern. Von diesem werden wir heute noch mehr lernen...
Zunächst machen wir allerdings unsere wohlverdiente Mittagspause, bevor es am Nachmittag dann losgeht in Richtung Gjógv. Dieser kleine Ort ist vor allem bekannt durch seinen Naturhafen, eine Bucht, die dem Ort auch seinen Namen gab. Wir fahren über die engen Straßen Eysturoys in Richtung Funningsfjørður. Die Aussicht ist atemberaubend schön. Auf der Passstraße begegnen wir dann einem großen Reisebus - passenderweise mit der Aufschrift "007 - No Time To Die". Für so ein großes Gefährt sind die Straßen ohnehin schon sehr schmal, die entgegenkommenden Mietwagen machen die Situation allerdings nicht gerade besser und das Vorankommen wird mühsam.
Als wir endlich in der Bucht ankommen, haben wir nicht mehr allzu viel Zeit, bevor unsere Abendveranstaltung beginnt. Schnell machen wir uns auf den Weg zu Marys Bank - einer Bank an einem Felsvorsprung, auf der vor einigen Jahren die damalige Prinzessin Mary, heutige Königin von Dänemark, gesessen und die Landschaft genossen haben soll. Der Ausblick ist tatsächlich atemberaubend: gegenüber kann man die Klippen der Insel Kalsoy sehen - unser Ziel für Übermorgen - und auch ein paar Papageitaucher können wir bei ihren Landemanövern auf der anderen Seite der Schlucht beobachten. Doch wir müssen weiter - das Abendessen wartet und zwar im traditionellen Gasthof. Wir werden begrüßt mit Häppchen von Walfleisch und Speck, Trockenfisch und einem Glas Akvavit. Dann nehmen wir Platz an unseren langen Tischen. Jens, in seiner färingischen Tracht gesellt sich an unseren Tisch, dann wird die Vorspeise serviert: fermentiertes und getrocknetes Lammfleisch. Als Hauptspeise gibt es einen Lammbraten mit Kartoffeln und Wurzelgemüse und als Nachspeise das langersehnte Rhabarberkompott. Nun sind wir so vollgefuttert, dass wir fast platzen wollen. Noch während des Desserts werden uns dänische und färingische Lieder vorgetragen und nachdem alle Schüsseln geleert sind, werden die Tische zur Seite geräumt für den berühmten Kettentanz. Ein Teil unserer Gruppe lässt sich brav instruieren und meistert die Aufgabe mit Bravour, während andere sich hinter ihren Kameras verstecken oder gleich "ganz aus Versehen" einen etwas zu langen Verdauungsspaziergang machen. So oder so sind wir uns einig - es war ein sehr schöner Abend.
Es ist schon relativ spät, als wir uns auf den Rückweg in Richtung Tórshavn machen, doch die Panoramastrecke durch das Gebirge in Richtung Westküste fahren wir trotzdem noch. Wir fahren unterhalb des Slættaratindur, mit 882 Metern der höchste Berg der Färöer, und können nun endlich auch den Gipfel sehen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir einen Aussichtspunkt oberhalb der Siedlung Eiði, von wo aus wir den "Riesen und die Hexe" noch einmal sehen können. Hier legen wir natürlich noch mal einen Stopp ein, bevor es dann nach einem langen Tag zurück zum Hotel geht.

23.07.2026 Gastfreundschaft auf Nólsoy

Am nächsten Morgen dürfen wir glücklicherweise ausschlafen und ganz in Ruhe Frühstücken - und das Wetter hat sich unserem Plan scheinbar angepasst: zum ersten Mal ist so richtig miserables Wetter. Für die meisten von uns bedeutet das also, sich einen gemütlichen Vormittag zu machen, bis Inga gegen Mittag ankommt, um uns abzuholen. Mit Taxis fahren wir zum Hafen hinunter und treffen dort die Mutigen Gruppenmitglieder, die dem Regen zum Trotz am Vormittag in der Stadt gewesen sind.
Gemeinsam gehen wir dann als Fußpassagiere auf die Fähre nach Nolsoy. Die Fährüberfahrt dauert ungefähr eine halbe Stunde und langsam bessert sich auch das Wetter. Nolsoy beheimatet in einem Dorf etwa 220 Menschen, eine davon ist Joan, die ursprünglich aus Tórshavn kommt und einen Nolsoyer geheiratet hat. Wir werden herzlich begrüßt und spazieren gemeinsam in den Ort, wo uns Joan so einiges über das Leben auf der Insel erzählt. Im Dorfkern sehen wir das neue Café, das demnächst eröffnet werden soll, das Besucherzentrum sowie den Dorfladen - das Herz der Insel wo alle sich treffen. Ganz in der Nähe empfängt uns Maud und wir werden Gäste des inzwischen auf Färöer beliebt gewordenen "House Dining", bei dem man seine Mahlzeit in den Wohnräumen der Gastgeber zu sich nimmt. Maud liebt es mit den Zutaten aus ihrem eigenen Garten Gerichte zu zaubern und überrascht uns mit einer leckeren Gemüsesuppe und selbstgebackenem Brot. Zum Nachtisch gibt es Eis und Rhabarberkuchen - alles schmeckt köstlich und Maud ist eine unglaublich herzliche Gastgeberin. Nach dem Essen erzählt sie von ihren Großeltern, von denen sie das Haus geerbt hat - und von ihrer eigenen Familie, denn mittlerweile ist sie selbst Großmutter. Auch ihre Kinder, die gerade aus Dänemark zu Besuch sind, gehen im Haus ein und aus und es fühlt sich an, als wären wir alle adoptiert worden.
Nach dem gemütlichen Mittagessen wird es aber Zeit, etwas mehr von der Insel zu erkunden. Das nächste Ziel ist das Ove Joensen Museum. Der färöische Seemann hat es geschafft, als erster Mensch allein von den Färöer-Inseln nach Dänemark zu rudern. Am 11. August 1986 erreichte er nach einer strapaziösen, 41-tägigen Solo-Fahrt über rund 1450 Kilometer Kopenhagen. Berühmt wurde dabei auch sein symbolischer Kuss für die Skulptur der Kleinen Meerjungfrau direkt nach seiner Ankunft. Ove Joensen hat trotz seines beruflichen Erfolgs nie seine Heimat vergessen und sein Boot, die Diana Victoria, sowie viel Geld für die Gemeinde gestiftet. Gespannt lauschen wir Joans Erzählungen.
Im Anschluss möchten einige von uns noch ein wenig mehr von der Insel sehen, vor allem weil wir gehört haben, dass es hier auch Papageitaucher gibt. Joan zögert zunächst ein wenig, doch nachdem Inga sich bereit erklärt, mit dem Rest im Dorf die Geschäfte und die Kirche anzusehen, stimmt sie schließlich zu. Wir spazieren Richtung Norden aus dem Dorf hinaus und schon alleine für die tolle Aussicht lohnt es sich. Auch hier ist alles Privatbesitz, aber die Schafweiden an den westlichen Klippen gehören glücklicherweise Joans Schwiegervater und so dürfen wir ganz offiziell über den Zaun klettern und unser Glück versuchen - und es lohnt sich. Schon nach wenigen Minuten sichten wir die ersten Tiere und sind begeistert, sie endlich richtig nah sehen zu können. Wir beobachten das Schauspiel der Starts und Landungen an den Klippen eine ganze Weile, bevor wir zurück über den Zaun klettern und zurück in Richtung Dorf spazieren.
Wir treffen den Rest der Gruppe am Hafen und Joan erzählt uns noch die Geschichte der nahegelegenen Ausgrabungsstätte aus dem 14. Jahrhundert. Der Legende nach soll eine schottische Königstochter hierhin mit Ihrem vom König nicht geduldeten Ehemann geflüchtet sein. Nun wird es leider Zeit sich zu verabschieden: von Nólsoy und von Joan - und wenig später im Hafen von Tórshavn auch von Inga, denn auch sie haben wir leider heute das letzte Mal gesehen.

24.07.2026 Die nördlichen Inseln: Kalsoy und Viðoy

Nach dem gemütlichen Tag auf Nólsoy erwarten uns heute noch einmal Abenteuer: es geht in Richtung Nordosten. Zu unserer Freude sehen wir heute Jan wieder und auch Bergur, der uns am ersten Tag begleitet hat, ist heute wieder mit dabei. Unser erstes Etappenziel heute ist Klaksvik, die zweitgrößte Stadt der Färöer. Dafür fahren wir zunächst noch einmal durch den Eysturoy-Tunnel. Bevor wir jedoch in den zweiten Tunnel fahren, machen wir einen kleinen Abstecher nach Leirvik, einer der wichtigsten Fischereihäfen. Hier können wir uns den fangfrischen Fisch ansehen, der laut Bergur schon morgen auf den größten Fischgroßmärkten Europas zu finden sein wird: von Seelachs über Kabeljau und Schellfisch bis zum Seeteufel, alles ist schon feinsäuberlich in große Kisten mit Eis verpackt.
Nach dem kleinen Landeskunde-Stopp geht es dann in den Nordoya-Tunnel. Er verbindet schon seit 2003 die beiden Inseln Eysturoy und Bordoy, und ist ebenfalls bekannt für die Lichtinstallationen des Künstlers Trondur Pattursson mittig am tiefsten Punkt des Tunnels.
Nach einem Fotostopp im Hafen von Klaksvik machen wir uns auf den Weg zur Fähre nach Kalsoy. Unser Bus bleibt im Hafen zurück, unser Fahrer Jan nutzt allerdings die Gelegenheit mitzukommen, denn er sagt, dass er erst ein Mal auf Kalsoy gewesen sei. Nach einer kurzen Überfahrt erreichen wir den Süden der 18 Kilometer langen Insel und steigen um in einen alten Linienbus, gefahren von Magnus, der uns ein wenig an einen maritimen Gartenzwerg erinnert. Insgesamt vier sehr schmale und dunkle Tunnel gibt es auf Kalsoy, die zusammen auch die Blockflöte genannt werden. Sie wurden vom Ende der 1970er Jahre bis zur Mitte der 1980er Jahre gebaut und haben die sonst von der Außenwelt weitestgehend isolierten Dörfer zugänglich gemacht. Heute leben noch rund 100 Menschen auf Kalsoy. Unser erstes Ziel ist Mikladalur, das wir nach dem dritten Tunnel erreichen. Das pittoreske Dorf hat 34 Einwohner und sieht aus wie auf einer Postkarte: Holzhäuschen mit grün bewachsenen Dächern und eine atemberaubende Aussicht auf die Nachbarinsel Kunoy. Die größte Sehenswürdigkeit des Ortes steht jedoch 144 Stufen unterhalb des Dorfes in der Bucht: Kopakanan, die Robbenfrau. In früheren Zeiten glaubte man, dass Robben einst Menschen waren, die freiwillig den Tod im Meer gesucht hatten. Einmal im Jahr, in der Dreikönigsnacht, kamen diese „Selkies“ zurück an Land. Sie durften ihr Robbenfell ausziehen, tanzen und sich zwischen den Menschen amüsieren. Der Legende nach nach stiehlt ein junger Bauer aus Mikladalur einer Selkie ihr Robbenfell, sodass sie nicht ins Meer zurückkehren kann. Er zwingt sie, seine Frau zu werden, und sie bekommen mehrere Kinder. Jahre später findet sie ihr verstecktes Fell und flieht zurück zu ihrer Familie im Meer. Vor einer Robbenjagd warnt sie den Bauern im Traum davor, ihren Robbenmann und ihre beiden Söhne zu töten. Er ignoriert die Warnung, und die Tiere werden getötet. Daraufhin erscheint die Selkie als furchterregender Troll und verflucht die Männer von Mikladalur: Viele von ihnen sollen auf See oder in den Bergen sterben, bis ihre Toten die gesamte Küste Kalsoys umspannen könnten.
Wir sind brav und betrachten die Robbenfrau nur von Weitem, dafür werden wir belohnt, denn wir sehen eine ganze Menge Papageitaucher auf dem Wasser und an den Klippen entlang schwirren.
Nach unserem Besuch in Mikladalur machen wir uns auf den Weg ganz in den Norden, in das Dorf Trøllanes. Hier leben nur zwischen zehn und 20 Einwohner, je nach Jahreszeit. In den letzten Jahren hat die winzige Ortschaft jedoch unproportional viel Zulauf bekommen, nachdem 2021 für den James Bond Film "No Time To Die" auf den Klippen nördlich des Dorfes gedreht wurde. Ein super Marketing-Streich der Landeigner war es, dort einen Grabstein für 007 aufzustellen - denn seither Pilgern die Besucher den Berg hinauf. So auch wir, denn abgesehen von James Bond ist die Natur hier einfach fantastisch. Die Klippen fallen am Leuchtturm von Kallur bis zu 300 Meter steil ab ins Meer. Tatsächlich wurde auch der Wanderweg unlängst erneuert, so schaffen es fast alle aus unserer Gruppe die Wanderung mitzumachen. Oberhalb des 007-Grabsteins haben wir auch die Möglichkeit noch einmal Papageitaucher zu beobachten und beim Blick nach Osten sehen wir die Insel Kunoy mit dem Kunoyarnakkur. Es erreicht eine Höhe von 819 Metern und ist damit eines der höchsten Kaps der Welt. Dahinter liegt Viðoy mit dem Kap Enniberg, welches mit 754 Metern zu den höchsten senkrechten Kliffs der Welt gehört. Es ist zwar ordentlich windig, jedoch hält sich der angekündigte Regen brav zurück, sodass wir auch trockenen Fußes zurück ins Dorf kommen. Dort geht Bergur mit uns nun noch zu einem kleinen Privatgrundstück, von wo aus man auch noch einmal Papageitaucher sichten kann, nach den beiden nahen Begegnungen sind wir nun allerdings ein wenig verwöhnt. Wir statten noch dem Dorfkiosk einen Besuch ab, bevor wir im Café last minute unser asiatisches Mittagessen serviert bekommen. Es ist schon immer wieder ein wenig verrückt, an welch abgelegenen Orten der Welt sich Thais und Filipinos niederlassen. Nachdem wir unser Essen verschlungen haben, geht es mit Magnus und dem Linienbus zurück in Richtung Fähranleger und wir müssen uns von Kalsoy verabschieden. Zurück in Klaksvik steigen wir wieder in unseren Bus und fahren noch weiter in Richtung Osten, nach Viðoy. Mittlerweile hat der Regen uns eingeholt, aber jetzt ist das zu verschmerzen. Bei ordentlichem Wind und Regen begutachten wir wenig später Kap Enniberg und das Dörfchen Viðareiði noch aus der Nähe. Anschließend machen wir uns auf den Rückweg - jedoch nicht, ohne dass Bergur auf die Idee kommt, noch eine Wollfabrik zu besuchen - gesagt, getan. Die flauschigen Souvenirs treffen auf sehr viel Gegenliebe und der ein oder andere Pullover, Decke oder Kissenbezug wechselt den Besitzer.
Am frühen Abend sind wir zurück im Hotel und freuen uns auf unser wohlverdientes Abendessen, welches heute aufgrund einer Hochzeit jedoch recht lange auf sich warten lässt. Wir sind allerdings nach dem schönen Tag gut gelaunt und lassen uns den Abend nun auch nicht vermiesen.

25.07.2026 Vestmanna: Begegnungen mit Wikingern und den Elementen

Unser letzter richtiger Tag auf den Färöer-Inseln begrüßt uns noch einmal mit Regen - doch wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen. Noch einmal werden wir von Bergur und Jan abgeholt und machen uns auf den Weg in den Westen der Insel Streymoy.
Unser heutiges Ziel ist Vestmanna, eine kleine Gemeinde mit etwa 1.200 Einwohnern, die fast alle vom Fischfang leben. Von hier aus wollen wir uns mit dem Schiff die Vogelfelsen an der Küste vom Wasser aus ansehen. Glücklicherweise lässt der Regen etwas nach als wir auf das Boot steigen. Unser Kapitän entscheidet sich für eine südgehende Route, denn nordgehend sind aufgrund des Windes hohe Wellen zu erwarten. Wir queren die Meerenge in Richtung Vágar und fahren dann ganz nah an der Küstenlinie wo Wasserfälle sich ihren Weg in Richtung Meer bahnen. Am meisten bewundern wir die vereinzelten Schafe auf den steil ansteigenden Berghängen. Beinahe ohne Regen bestaunen wir nun die faszinierende Felsküste mit Grotten, Torbögen und märchenhaften Steinformationen. Höhepunkt ist die Sichtung des "Hexenfingers", einer einzigartigen Felsskulptur, die natürlich auch wieder mit der Entführung der Färöer nach Island zu tun hat. Selbstverständlich halten wir auch Ausschau nach Basstölpeln, Küstenseeschwalben, Eissturmvögeln, Möwen, Lummen und natürlich vor allem Papageitauchern. Wir bekommen alle zu sehen, wenn auch nicht unbedingt besonders nah - doch das Gesamterlebnis im wilden Nordatlantik begeistert uns alle.
Dann geht es doppelt so schnell in den Hafen zurück, wo schon die nächsten Touristen auf Ihre Fahrt warten. Wir gehen ein paar Schritte ins Besucherzentrum, wo das Mittagessen schon auf uns wartet: ein abwechslungsreiches Salatbuffet und Fischsuppe. Wir lassen es und schmecken.
Anschließend besteht noch einmal die Möglichkeit Souvenirs zu kaufen, sowie das Saga-Museum im Obergeschoss zu besuchen. Wir bekommen Audioguides und hören zwölf Sagen und Geschichten aus der Region und von den Inseln. Bildhaft begleitet werden die Erzählungen durch Szenendarstellungen mit Wachsfiguren, die zum Teil jedoch sehr blutrünstig sind. Das Mittelalter war wahrlich keine besonders friedliche Zeit.
Am Nachmittag geht es dann zurück in die Hauptstadt, wo mittlerweile die Sonne wieder ihren Weg durch die Wolken gefunden hat. Wir müssen uns nun auch von Bergur verabschieden, bevor die Gruppe für den restlichen Nachmittag auseinander geht. Einige von uns nutzen die Zeit noch für einen Besuch im Museum oder einen Stadtbummel, bevor wir uns zum mittlerweile schon fast obligatorischen gratis Wein vor dem Abendessen treffen. Beim letzten gemeinsamen Mahlzeit lassen wir die Eindrücke der Reise schon einmal Revue passieren und versuchen uns langsam mit dem Gedanken des Abschieds anzufreunden. So wirklich bereit sind wir allerdings noch nicht.
Ein paar von uns entscheiden sich, nach dem Abendessen noch der nahegelegenen Oy-Brauerei einen Besuch abzustatten. Eine positive Überraschung, denn dort herrscht ein wirklich sehr angenehmes Ambiente - und das Bier schmeckt selbstverständlich auch.

26.07.2026 Heimreise

Früh heißt es jedoch am nächsten Morgen Abschied nehmen. Wir können noch ein letztes Mal das üppige Frühstücksbuffet genießen, dann wird es allerdings Zeit, die letzten Dinge zu packen. Jan mit unserem Bus und der Koffertransporter warten schon.
Ein letztes Mal verlassen wir Tórshavn in Richtung Westen. Am Sonntagmorgen ist wenig Verkehr und schnell erreichen wir den Flughafen. Nun heißt es noch einmal Verabschieden. Fast routinemäßig nehmen wir den Check in an den Automaten vor und geben unsere Koffer auf. Die Sicherheitskontrolle ist schnell absolviert und es bleibt noch Zeit, im Duty Free Shop zu stöbern. Die Maschine aus Kopenhagen landet wieder überpünktlich, sodass wir auch bald an Bord gehen können. Hier muss sich nun auch unsere Gruppe von einander verabschieden, denn diejenigen, die nach Berlin weiterfliegen, haben nur wenig Zeit in Kopenhagen.
Glücklicherweise verläuft auch dieser Flug wieder problemlos und mehr als pünktlich, sodass wir alle ohne größere Probleme den Anschluss erreichen - nur die Koffer, stellen wir später in Berlin ernüchtert fest, die haben es nicht alle geschafft.
Nichtsdestotrotz geht die Reise mit vielen schönen Erinnerungen zu Ende, an die wir uns in der nächsten deutschen Hitzewelle sicherlich noch das ein oder andere Mal klammern werden.


Liebe Reisegruppe,
es hat mir riesigen Spaß gemacht, mit Euch die Färöer-Inseln noch einmal neu zu entdecken - auch wenn ich immer noch jedem dazu raten würde im Winter in den Norden zu reisen ;-)
Danke, dass Ihr für gutes Wetter gesorgt und stets gute Laune gehabt habt, auch wenn die ein oder andere Sache manchmal nicht ganz nach Plan gelaufen ist.
Ich hoffe Ihr konntet tolle Erinnerungen mit nach Hause nehmen, die Euch vielleicht auch ein wenig durch die nächsten heißen Tage bringen - und ich würde mich sehr freuen, Euch irgendwann mal wieder zu sehen.
Bleibt gesund und reiselustig,
Eure Sinah


Kommentare zum Reisebericht