Unterwegs zwischen Saarland, Hunsrück, Eifel und Luxemburg
Reisebericht: 20.09. – 27.09.2026
Eine Woche voller Wege, Begegnungen und kleiner Glücksmomente
Ein Reisebericht von
Nadine Fiedler
Ankommen im Saarland
Nach einer längeren Anreise erreichten wir am Abend unser Hotel in Weiskirchen. Beim gemeinsamen Abendessen begann das erste Kennenlernen – noch vorsichtig, noch ein wenig neugierig aufeinander und auf das, was die kommenden Tage wohl bringen würden.
Wir werden eine gemeinsame Woche verbringen und in dieser Woche wird uns unser Weg durch Wälder und Felsenlandschaften, über Höhen und entlang alter Pfade führen. Wir werden Kelten und Römern, Industriekultur und Klostergeschichte, kleinen Städten und großen Ausblicken begegnen. Und irgendwo zwischen all diesen Erlebnissen wird oft aus einer Gruppe von Reisenden eine Gemeinschaft.
Schon am nächsten Morgen hieß es dann: Wanderschuhe an und los.
Unser erster Weg führte uns nach Mettlach. Rund um die Abtei tauchten wir ein in die Geschichte des Ortes, spazierten vorbei am Alten Turm und an der Lutwinuskirche und begegneten natürlich auch einem Namen, der mit Mettlach untrennbar verbunden ist: Villeroy & Boch.
Danach wartete einer dieser Ausblicke auf uns, die man nicht so schnell vergisst: die Saarschleife. Vom Baumwipfelpfad aus öffnete sich der Blick weit über die Landschaft. Später ging es auf dem Cloefpfad hinein in die Natur. Acht Kilometer, einige Höhenmeter und zum Schluss noch einmal ein knackiger Anstieg – gemeinsam und mit kleinen Pausen aber wunderbar zu schaffen.
Oben angekommen durfte der Körper nach der Anstrengung wieder weich werden: Mit einer kleinen Yogaeinheit ließen wir die Wanderung ausklingen.
Ein schöner erster Tag – und vielleicht auch der Moment, an dem wir langsam wirklich auf unserer Reise ankamen.
Zwischen Industriekultur und Heilwald
Am nächsten Tag zeigte sich das Saarland von einer vollkommen anderen Seite.
Die Völklinger Hütte beeindruckte uns nicht nur durch ihre gewaltige Architektur. Unser junger Gästeführer erzählte so lebendig und persönlich von der Geschichte dieses Ortes, dass aus Stahl, Hochöfen und Industriegeschichte plötzlich Geschichten von Menschen wurden. Manches stimmte nachdenklich, manches berührte – und vieles blieb im Gedächtnis.
Am Nachmittag wechselten wir noch einmal die Welt. Vom Stahl hinein in den Wald.
Ein Teil unserer Gruppe machte sich gemeinsam mit mir auf den Weg in den Heilwald von Weiskirchen. Wir nahmen uns Zeit für Achtsamkeit, Balance und Entspannung, spürten unseren Körper, die Natur und den Boden unter unseren Füßen. Zum Abschluss durfte natürlich auch eine kleine Kneipp-Runde nicht fehlen.
Vielleicht war gerade dieser Kontrast so besonders: morgens die mächtigen Zeugnisse menschlicher Industrie – nachmittags die Stille des Waldes.
Auf den Spuren der Kelten
Am Mittwoch wartete einer unserer großen Wandertage.
Vom Keltenpark führte unser Weg über den Mannfelsen zum beeindruckenden Hunnenring, weiter über den Dollberg – den höchsten Punkt des Saarlandes – und schließlich hinunter zum Züscher Hammer und zur Nonnweiler Talsperre.
Schritt für Schritt bewegten wir uns durch eine Landschaft, in der Geschichte und Natur ganz selbstverständlich miteinander verschmelzen.
Wie mögen die Menschen hier vor mehr als zweitausend Jahren gelebt haben?
Welche Geschichten würden diese alten Steine erzählen, wenn sie sprechen könnten?
Nach der Wanderung blieb noch Zeit für den Keltenpark, eine wohlverdiente Kaffeepause und später für einen Besuch der Abtei Tholey mit ihrem Klostergarten.
Den Abschluss bildete der Schaumbergturm – noch einmal Weite, noch einmal Aussicht, noch einmal tief durchatmen.
Ein langer Tag. Aber einer dieser Tage, an denen man am Abend angenehm müde ins Bett fällt und weiß: Heute habe ich richtig viel erlebt.
Römerwege, geheimnisvolle Höhlen und ein Nachmittag in Trier
Am nächsten Morgen führte uns unsere Reise noch einmal weit zurück in die Vergangenheit. Auf dem Römerpfad durch das Butzerbachtal tauchten wir ein in eine Landschaft, in der sich Natur und jahrtausendealte Geschichte auf ganz besondere Weise miteinander verbinden. Unser Weg führte uns vorbei an einem römischen Kupferbergwerk und einem antiken Steinbruch. Wir entdeckten einen Teil der spätrömischen Langmauer und immer wieder gab es unterwegs Spuren einer längst vergangenen Zeit zu entdecken. Besonders eindrucksvoll waren die Höhlen, die sich zwischen Felsen und Wald vor uns auftaten. Für eine kurze Zeit hielten wir uns in der Genovevahöhle und der Klauenhöhle auf. Kühl war es dort. Geschützt. Ein wenig geheimnisvoll.
Und unweigerlich kam die Frage auf:
Wie mag es wohl gewesen sein, an solchen Orten Schutz und Unterkunft zu suchen?
Für einen Moment standen wir einfach dort, umgeben von Fels und Dunkelheit, und versuchten uns vorzustellen, welche Menschen vor uns diese Orte betreten hatten und welche Geschichten sich hier wohl abgespielt haben mögen.
Weiter führte uns unser Weg zur Burg Ramstein, die dem Trierer Erzbischof zugeschrieben wird. Hier legten wir unsere Pause ein, ließen die besondere Atmosphäre dieses Ortes auf uns wirken und sammelten neue Kraft für den Rückweg. Und auch dieser hatte noch einmal seinen ganz eigenen Zauber.
Auf unserem Weg zurück nach Butzweiler kamen wir an kleinen, fast verwunschen wirkenden Orten vorbei – zwischen Felsen, Wald und alten Pfaden. Orte, an denen man automatisch etwas langsamer wird, genauer hinschaut und für einen Moment vergisst, wie schnell sich die Welt außerhalb des Waldes eigentlich dreht.
Es war eine Wanderung, die nicht nur durch eine wunderschöne Landschaft führte, sondern immer wieder kleine Türen in die Vergangenheit öffnete.
Und dann wechselten wir am Nachmittag die Wanderschuhe gegen Stadtgeschichte.
In Trier bekamen wir zunächst vom Bus aus einen ersten Eindruck von Deutschlands ältester Stadt. Amphitheater, Kaiserthermen und schließlich ein Aussichtspunkt oberhalb der Stadt – der Petrisberg - dieser Blick von oben war etwas ganz Besonderes.
Danach ging es zu Fuß weiter.
Unsere Stadtführerin verstand es wunderbar, Geschichte lebendig werden zu lassen. Nicht trocken und voller Jahreszahlen, sondern mit Geschichten, Bildern und kleinen Anekdoten.
Eigentlich hätten wir alle gerne noch ein bisschen mehr Zeit gehabt. Aber vielleicht ist genau das manchmal das Schönste an einer Reise: einen Ort mit dem Gefühl zu verlassen, noch nicht alles gesehen zu haben und irgendwann wiederkommen zu wollen.
Ein kleiner Hauch von Abenteuer in Luxemburg
Einer meiner persönlichen Höhepunkte wartete am Freitag. Über Schengen ging es nach Luxemburg-Stadt.
Schon beim ersten Blick wurde deutlich, warum diese kleine Hauptstadt so viele Menschen begeistert. Brücken, Schluchten, historische Mauern und moderne Architektur liegen hier dicht beieinander.
Nach einer lebendigen Stadtführung zog es uns jedoch wieder hinaus in die Natur.
Und was für eine Natur!
Von Berdorf aus tauchten wir ein in die Felsenwelt des Müllerthals – die sogenannte „Kleine Luxemburger Schweiz“.
Plötzlich waren wir umgeben von riesigen Sandsteinformationen, Höhlen, schmalen Felsspalten und geheimnisvollen Wegen.
An der Breechkaul wartete eine kleine Überraschung auf die Gruppe: Madeleines von Lea Linster. Ein kleiner Genussmoment mitten im Wald.
Vielleicht braucht es manchmal gar nicht viel für ein echtes Reise-WOW: einen schönen Ort, liebe Menschen, etwas Leckeres und diesen einen Augenblick, in dem man einfach nur denkt:
Wie schön ist das gerade bitte?
Danach wurde es abenteuerlich. Wir passierten die Hohllay, zwängten uns durch enge Felsspalten, begegneten Felsen mit Namen wie Perekop, Labyrinth und Chipkapass und durchquerten schließlich gemeinsam die beeindruckende Wolfsschlucht.
Am Ende führte uns der Weg nach Echternach mit ihrer Basilika und einem kleinen süßen Städtchen zum Verweilen.
Müde Beine, viele Eindrücke – und ganz sicher die eine oder andere Geschichte, die später noch erzählt werden wird.
Noch einmal gemeinsam auf den Berg – und auf den Spuren Vaubans durch Saarlouis
Viel zu schnell war unser letzter gemeinsamer Reisetag gekommen.
Am Vormittag führte uns unsere Wanderung auf die Litermont-Gipfeltour.
Noch einmal hieß es gemeinsam losgehen. Noch einmal Waldwege, Höhenmeter, Gespräche, kleine Pausen und schließlich dieses schöne Gefühl, oben angekommen zu sein.
Auf dem Gipfel nahmen wir uns Zeit.
Zeit zum Sitzen.
Zeit zum Schauen.
Zeit zum Durchatmen.
Und vielleicht auch, um die vergangenen Tage schon ein wenig Revue passieren zu lassen.
Anschließend ging es weiter nach Saarlouis, wo ich die Gruppe selbst durch die Stadt führen durfte. Unsere kleine Entdeckungsreise begann am Großen Markt mit der St. Ludwig Kirche und dem Rathaus. Hier erzählte ich von der Entstehung der Stadt und von den Menschen, die ihre Geschichte geprägt und an ihrer Entwicklung mitgewirkt haben.
Von dort aus machten wir uns auf den Weg zu den Kasematten und weiter zum Deutschen Tor und zur Schleusenbrücke. Schritt für Schritt wurde dabei sichtbar, wie sehr die Geschichte von Saarlouis bis heute im Stadtbild lebendig geblieben ist.
Anschließend führte uns unser Weg entlang des Saaraltarms. Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage tat es gut, noch einmal gemeinsam am Wasser entlangzugehen.
Unser Ziel war die Vauban-Insel – noch einmal ein Ort, an dem die besondere Vergangenheit von Saarlouis spürbar wurde.
Von dort schlugen wir langsam den Rückweg ein und kehrten zurück in die Altstadt.
Und dort durfte unsere gemeinsame Woche ganz entspannt ausklingen: Es blieb noch freie Zeit, um durch die Straßen zu schlendern, einen Kaffee zu trinken oder sich für die Rückfahrt zum Hotel noch einmal zu stärken.
Vielleicht war gerade dieser letzte Tag ein schöner Abschluss unserer Reise: noch einmal Natur erleben, gemeinsam unterwegs sein, Geschichte entdecken und anschließend einfach ein wenig das Leben genießen.
Und plötzlich war da dieses leise Gefühl: Morgen fahren wir schon wieder nach Hause.
Was von einer Reise bleibt
Wenn ich an diese Woche zurückdenke, sehe ich natürlich die Saarschleife vor mir.
Ich denke an die mächtigen Anlagen der Völklinger Hütte, an den Hunnenring und die alten Geschichten der Kelten. An Trier und Luxemburg. An die Felsen des Müllerthals, an die Wolfsschlucht und an unsere Madeleines mitten im Wald.
Aber das ist nur ein Teil dessen, was diese Reise ausgemacht hat.
Was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, sind die Menschen.
Die Gespräche unterwegs. Über das Leben. Über Berge und Reisen. Über Geschichte und Natur. Über Dinge, die uns beschäftigen, und über Dinge, die uns zum Lachen bringen.
Beim Wandern passiert etwas Besonderes. Wir gehen nebeneinander her, ohne uns ständig ansehen zu müssen. Wir teilen einen Weg, einen Anstieg, einen Ausblick. Und manchmal entstehen dabei Gespräche, für die im Alltag kaum Raum bleibt.
Vielleicht ist genau das der Zauber solcher Reisen.
Wir fahren los, um Landschaften und Orte kennenzulernen – und kommen manchmal mit ein bisschen mehr zurück.
Mit Erinnerungen.
Mit neuen Begegnungen.
Mit Geschichten.
Und vielleicht auch mit dem Gefühl, wieder ein Stück mehr von der Welt gesehen – und gleichzeitig ein kleines Stück mehr bei uns selbst angekommen zu sein.
Danke an all die wunderbaren Menschen, die diese Woche mit Leben, Offenheit, Humor und so vielen schönen Gesprächen gefüllt haben.
Vielleicht kreuzen sich unsere Wege irgendwann wieder.
Irgendwo auf einem Wanderweg.
Auf einem Berg.
In einer kleinen Stadt.
Oder bei einer Tasse Kaffee nach einem langen Tag.
Bis dahin bleibt die Erinnerung an eine wunderbare Woche – und an viele gemeinsam gegangene Wege.
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