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Donaukreuzfahrt mit Hindernissen

Reisebericht: 27.07. – 03.08.2026

Als wir unsere Donaukreuzfahrt antraten, hatten wir eine klassische Route vor Augen, von Budapest sollte es nach Passau gehen, doch die Donau hatte ihre eigenen Pläne.

Sabine Letzybyll

Ein Reisebericht von
Sabine Letzybyll

Ungarn – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Budapest – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Budapest - Kilometer Null – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Budapest - Wasserstadt - Vizivaros - Parlamentsblick – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Legenda - König Stephan – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Budapest - UFO Restaurant – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Abendessen – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Bratislava - im Martinsdom – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Bratislava - im Martinsdom – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Jan Holly - slowakischer Dichter – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Bratislava - Altstadt – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL) Bratislava - Altstadt – © Sabine Letzybyll (Eberhardt TRAVEL)

Montag, 27.07.2026 Mit dem Reisebus von Dresden nach Bratislava

Unsere Reise beginnt nicht erst auf dem Wasser, sondern mit einer abwechslungsreichen Fahrt Richtung Süden. Am frühen Morgen starten wir mit dem Reisebus in Dresden. Die Route führte uns durch die sanften Hügellandschaften Böhmens, vorbei an Prag und weiter über Brno durch das Herz Mährens. Mit jeder Minute und jedem Kilometer wächst die Vorfreude auf das, was uns an der Donau erwarten wird.
Am Nachmittag erreichen wir schließlich Bratislava, wo unser schwimmendes Hotel bereits auf uns wartete: die MS Fidelio.
Nach der zügigen Einschiffung und dem Beziehen der Kabinen heißt es erst einmal ankommen und durchatmen. Beim anschließenden Willkommensempfang werden der Kapitän und seine Mannschaft vorgestellt – ein eingespieltes Team, das uns in den kommenden Tagen begleiten wird.
Den stimmungsvollen Abschluss des ersten Tages bildet ein schmackhaftes Abendessen im Schiffsrestaurant und ein gemütlicher Ausklang bei Musik im Salon.

Dienstag, 28.07.2026 Tagesfahrt nach Budapest mit Stopp in Esztergom

Der Tag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück an Bord der MS Fidelio. Da heute ein ganztägiges Ausflugsprogramm auf dem Plan steht, werden wir bestens versorgt: Mit einem frisch gepackten Lunchpaket im Gepäck steigen wir in den Reisebus und machen uns auf den Weg.
Die rund zweistündige Fahrt vergeht wie im Flug, während draußen die Landschaft an uns vorbeizieht. Unser Ziel ist das Herz der ungarischen Hauptstadt: An der Universität treffen wir auf unsere örtlichen Stadtführer, die uns bereits erwarten, um uns ihre Heimatstadt näherzubringen.
Unser erster Ausstieg führt uns direkt an den Fuß des Burgbergs zum eindrucksvollen Varkert Bazar (Burggarten-Basar). Das zwischen 1875 und 1883 nach den Entwürfen des berühmten Architekten Miklos Ybl im eleganten Neorenaissance-Stil erbaute Ensemble bildet den repräsentativen Abschluss der königlichen Gartenanlagen zur Donau hin.
Besonders beim Durchschreiten der prachtvollen Kolonnaden und Arkaden lohnt sich der Blick nach oben: Die Decken sind mit kunstvollen, ornamentalen Fresken und Malereien verziert, die Ybls Handschrift auf eindrucksvolle Weise widerspiegeln.
Zwischen den Bögen der Arkaden öffnet sich immer wieder ein herrlicher Ausblick auf die Donau und das gegenüberliegende Pester Ufer.
Nach diesem gelungenen Auftakt geht es im Bus weiter. Wir passieren den symbolischen Null-Kilometer-Stein am Adam-Clark-Platz – den Punkt, von dem aus alle Hauptstraßenentfernungen in Ungarn gemessen werden. Gleich daneben spannt sich die weltberühmte Kettenbrücke majestätisch über die Donau und verbindet Buda mit Pest.
Wenig später legen wir einen kurzen Fotostopp am Donauufer ein. Von hier aus bietet sich der wohl schönste Blick der gesamten Stadt: Direkt gegenüber am anderen Ufer erhebt sich das neugotische Parlamentsgebäude in all seiner imposanten Pracht. Ein Fotomotiv, das bei keiner Budapest-Reise fehlen darf.
Die Fahrt geht weiter zum Varosliget, dem weitläufigen Stadtwäldchen von Budapest. Hier empfängt uns eine herrlich entspannte Atmosphäre: Auf dem großen Teich ziehen zahlreiche strahlend weiße Tretboote über das ruhige Wasser – ein idyllisches Bild voller Leichtigkeit.
Durch den Park schlendern wir weiter zur Jaki-Kapolna (Jaker Kapelle). Das romanische Bauwerk mit seinem wunderschön verzierten Rundbogenportal schmiegt sich malerisch in das Ensemble des Vajdahunyad-Schlosses ein und wirkt fast wie aus einem Märchen entsprungen. Ein wunderbarer Ort, um kurz innezuhalten, bevor es weitergeht.
Die Burg Vajdahunyad (auch Schloss Vajdahunyad genannt) ist eine der ungewöhnlichsten und faszinierendsten Sehenswürdigkeiten Budapests. Es liegt direkt im Stadtwäldchen (Varosliget) auf einer kleinen Insel im See. Das Schloss wurde anlässlich der 1000-Jahr-Feier der ungarischen Landnahme nach Entwürfen des Architekten Ignac Alpar erbaut. Ursprünglich war die Anlage nur als temporärer Pavillon aus leichten Materialien (Holz, Gips, Pappe) gedacht. Die Budapester und ihre Gäste verliebten sich jedoch so sehr in den märchenhaften Bau, dass das Parlament beschloss, ihn zwischen 1901 und 1907 aus massivem Stein dauerhaft neu aufzubauen. Das Schloss ist kein klassischer Wohnsitz von Königen oder Adligen, sondern ein Architekturmuseum im Freien. Alpar vereinte darin charakteristische Baustile und Elemente berühmter Gebäude aus ganz historischen Teilen Ungarns. Heute beherbergt der Barockflügel das Ungarische Landwirtschaftsmuseum, eines der größten seiner Art in Europa.
Die Jaki-Kapolna gehört zur romantischen Kulisse des Vajdahunyad-Schlosses. Sie ist eine Nachbildung der berühmten mittelalterlichen Abteikirche St. Georg im westungarischen Jak und gilt als Prachtbeispiel für die ungarische Romanik.
Beeindruckt stehen wir vor dem tiefen Rundbogenportal mit seinen üppigen Ornamenten, Zackenmustern und den im Bogen platzierten Heiligenfiguren. Es ist eine detailgetreue Kopie des Originals aus dem 13. Jahrhundert. Anders als viele andere Nachbauten auf dem Schlossgelände wurde die Kapelle geweiht. Sie ist eine funktionsfähige katholische Kapelle, in der auch heute noch Messen und sehr beliebte Hochzeiten stattfinden.
Auch der Blick ins Innere der kleinen Kapelle lohnt sich: Das einfallende Licht bricht sich in den prächtigen, farbenfrohen Bleiglasfenstern. Sie sind das Werk von Miksa Roth, dem berühmtesten ungarischen Glasmaler der Jahrhundertwende, der auch die Fenster des Parlaments gestaltete. Seine meisterhaften Glasarbeiten verleihen dem romanischen Raum eine wunderbare, stimmungsvolle Atmosphäre.
Den Abschluss unserer Stadtbesichtigung in Budapest bildet der Heldenplatz.
Im Zentrum erhebt sich das 36 Meter hohe Millenniumsdenkmal. Ganz oben thront eigentlich die Statue des Erzengels Gabriel, jedoch ist die Säule leer. Warum? Das erklärt eine Informationstafel am Fuße der Säule. Die fast fünf Meter hohe Bronzestatue und ihr Sockel waren in einem kritischen Zustand und wurden zum ersten Mal seit über 120 Jahren für eine umfassende Restauration abgenommen. Das Original soll nach der Erneuerung im Laufe des Jahres 2026 wieder an seinen gewohnten Platz auf der Säule zurückkehren. Am Sockel der Säule stehen bronzene Reiterstatuen von Fürst Arpad und sechs weiteren Stammesfürsten, die einst die ungarische Landnahme anführten. Und was war das nochmal? Die ungarische Landnahme bezeichnet die Besiedlung des Karpatenbeckens durch die magyarischen Stämme am Ende des 9. Jahrhunderts. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde des heutigen Ungarn und bildet das historische Fundament des Staates. Die Reiternomaden der Magyaren lebten im Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres. Durch den Druck nachrückender Völker sahen sie sich gezwungen, nach Westen auszuweichen. Unter Führung von Fürst Arpad zogen die sieben ungarischen Stämme über die Karpatenpasse in das fruchtbare Tiefland an Donau und Theiß. Die sieben bronzenen Reiterstatuen am Sockel des Millenniumsdenkmals in Budapest stellen genau jene sieben Stammesfürsten dar, die diesen Zug anführten. Hinter der hohen Säule öffnen sich zwei geschwungene, halbkreisförmige Kolonnaden. Zwischen deren Säulen stehen insgesamt 14 Bronze-Statuen bedeutender Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte. Sie erzählen chronologisch die Geschichte des Landes: Vom ersten König, dem heiligen Stephan I., über mittelalterliche Herrscher bis hin zu den großen Freiheitskämpfern der Neuzeit wie Lajos Kossuth. Unter den Statuen befinden sich Bronzetafeln, die jeweils eine besondere Tat oder ein Erlebnis des Helden erzählen. Gegen 15.30 Uhr verlassen wir Budapest und treten die Rückfahrt an. Pünktlich um 17.00 Uhr erreichen wir Esztergom, die historische Bischofsstadt direkt am Donauufer. Wir haben eine Stunde Zeit, um die Basilika von Esztergom zu besichtigen. Im Inneren empfängt uns der Dom mit einer eindrucksvollen Stille und gigantischen Ausmaßen. Ein besonderer Blickfang ist das riesige Altarbild – das größte auf einer einzelnen Leinwand gemalte Kunstwerk der Welt, das die Maria Aufnahme in den Himmel darstellt.
Nach dieser erlebnisreichen Stunde steigen wir wieder in den Bus und treten den letzten Streckenabschnitt an. Auf der Rückfahrt wartet noch ein echtes kulinarisches Highlight der ungarischen Tradition auf uns: Wir verkosten den berühmten Kräuterschnaps Unicum aus dem Hause Zwack. Der Magenbitter mit seiner prägnanten, kugelförmigen Flasche gilt als Nationalgetränk Ungarns. Das streng gehütete Familienrezept basiert auf mehr als 40 verschiedenen Kräutern und Wurzeln und reift mehrere Monate in Eichenholzfässern. Der Überlieferung nach datiert der Likör auf das Jahr 1790 zurück, als der kaiserliche Leibarzt Dr. Zwack den Kräutertrank für Kaiser Joseph II. kreierte – welcher nach dem ersten Schluck begeistert ausgerufen haben soll: „Dr. Zwack, das ist ein Unikum!“ In geselliger Runde genießen wir den charakteristischen, zart-bitteren Geschmack und stoßen auf einen rundum gelungenen Ausflugstag an. Gegen 20.30 Uhr erreichen wir schließlich wieder Bratislava und gehen zurück an Bord der MS Fidelio, wo uns die Crew bereits zu einem verdienten Abendessen erwartet.

Mittwoch, 29.07.2026 Bratislava – Freizeit und Stadtbesichtigung

Der Vormittag steht zur freien Verfügung. So oder so ähnlich könnte er sich zugetragen haben:
Bei einem entspannten Spaziergang erkunden wir die charmante Altstadt mit ihren historischen Plätzen, sakralen Schätzen und originellen Statuen. Unser Weg führt uns zunächst zum Rybne namestie, zum Fischplatz. Hier befindet sich die barocke Dreifaltigkeitssäule, die einst zum Dank für das Ende der Pest errichtet wurde. Direkt neben dem Platz erinnert ein Mahnmal an die einst an dieser Stelle gestandene Synagoge und die Opfer des Holocausts. Wir besuchen den Martinsdom, eine dreischiffige gotische Krönungskirche. Fast drei Jahrhunderte lang wurden hier die ungarischen Könige und Königinnen gekrönt – woran noch heute eine vergoldete Nachbildung der ungarischen Stefanskrone auf der Spitze des 85 Meter hohen Kirchturms erinnert. Beim Betreten des Innenraums empfängt uns eine erhabene Atmosphäre: hohe, schlanke Pfeiler tragen ein meisterhaftes Gewölbe, durch dessen Fenster spärliches, stimmungsvolles Licht auf die Bänke fällt. Ein herausragendes Kunstwerk im Inneren ist die imposante Barockgruppe von Georg Rafael Donner. Sie zeigt den heiligen Martin als ungarischen Husaren hoch zu Ross, wie er seinen Mantel teilt, um ihn einem frierenden Bettler zu schenken.
Direkt beim Dom stoßen wir auf das Denkmal für den bedeutenden slowakischen Dichter und Übersetzer Jan Holly, der im 19. Jahrhundert die slowakische Sprache und Identität entscheidend mitprägte. Gleich gegenüber befindet sich das neu gestaltete Besucherzentrum Martineum. Weiter geht es durch die verwinkelten Gassen der Altstadt. Wir passieren das historische Martinstor, den letzten erhaltenen Torbau der mittelalterlichen Stadtbefestigung, und schlendern vorbei an liebevoll restaurierten Bürgerhäusern und gemütlichen Straßencafés. Auf unserem Weg begegnen uns die charmanten Bronzefiguren, die Bratislava weltberühmt gemacht haben: Der silberne Mann mit Hut: Die elegante Statue stellt Ignac Lamar dar, ein echtes Bratislawer Original, das stets in Frack und Zylinder durch die Straßen spazierte und den Damen freundlich lächelnd seinen Hut entgegen hob. Der Gullymann: An einer Straßenecke lukt der neugierige Kanalarbeiter Cumil schmunzelnd aus einem offenen Gullydeckel hervor – eines der beliebtesten Fotomotive der gesamten Stadt.
Schließlich erreichen wir den großzügigen Hviezdoslav-Platz, an dessen Kopfende das prachtvolle historische Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters im neobarocken Stil erstrahlt. Von hier aus ist es nur noch ein kurzer Katzensprung bis zur sonnigen Uferpromenade an der Donau, wo das Schiff bereits für die Weiterfahrt bereitliegt.
Nach dem Mittagessen folgt eine Stadtrundfahrt mit einem örtlichen Stadtführer, bei der wir auch auf den Burgberg fahren möchten. Allerdings ist der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Muhammad bin Zaid Al Nahjan, zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in Bratislava. Er reist mit einer hochrangigen hochoffiziellen Delegation an, darunter Minister und Regierungsvertreter, weshalb rund um die Regierungsgebäude und den Burgberg entsprechend enorme Sicherheitsvorkehrungen und Straßensperrungen herrschen. Nach einem kurzen geführten Spaziergang durch die Altstadt, verabschiedet sich unser Stadtführer und wir bummeln zum Schiff zurück.
Vor dem Abendessen werden wir unerwartet in den Salon gebeten. Hier ereilt uns eine Botschaft, die wir nicht hören möchten, die wir jedoch befürchtet haben. Unsere Reise geht morgen zu Ende. Es gibt keine Chance, dass sich unser Schiff in den nächsten Tagen bewegt. Das Wasser der Donau ist nach der langen Hitzeperiode so niedrig, dass die Flusskreuzfahrtschiffe nicht mehr fahren können. Also packen wir unsere Koffer und lassen den letzten Abend in Bratislava ausklingen.

Donnerstag, 30.07.2026 Planänderung durch Niedrigwasser und Abschied

So erlebnisreich die Tage an der Donau auch waren, zeigt uns die Natur am Ende ihre eigenen Gesetze: Aufgrund des anhaltenden Niedrigwassers auf der Donau muss die Flusskreuzfahrt mit der MS Fidelio in Bratislava vorzeitig beendet werden. Eine Weiterfahrt auf dem Fluss ist für das Schiff nicht mehr sicher möglich. Wir nehmen Abschied von Schiff und Besatzung, verladen das Gepäck und treten von Bratislava aus die Heimfahrt an. Mit vielen besonderen Erinnerungen, neuen Bekanntschaften und ein wenig Improvisationsgeist im Gepäck erreichen wir schließlich wieder unseren Ausgangspunkt in Dresden. Eine erlebnisreiche Reise geht zu Ende – anders als geplant, aber mit Geschichten, die man so schnell nicht vergisst.


Eine Flusskreuzfahrt ist immer auch eine Reise im Rhythmus der Natur. Dass das Wasser der Donau uns am Ende einen Strich durch den ursprünglichen Fahrplan machte, nahm der Faszination dieser Reise jedoch keinen Abbruch. Ein ganz besonderer Dank geht an euch, liebe Gäste: eure bemerkenswerte Gelassenheit, das große Verständnis für die wetterbedingte Lage und der stets bestehende Optimismus haben diese wenigen Tage geprägt. Danke für die wunderbare Gemeinschaft, die interessanten Gespräche und die schöne gemeinsame Zeit entlang der Donau!
Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Vielleicht nächstes Jahr auf der Donau?
Herzlichst Eure Sabine Letzybyll


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