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Rundreise Normandie und Bretagne

Reisebericht: 12.09. – 20.09.2026

Eine Reise in den Westen Frankreichs bietet faszinierende Küsten, üppige Vegetation, alte Dörfer und Städte und reiche Kunst und Kultur.

Lutz Finkler

Ein Reisebericht von
Lutz Finkler

© Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL)

12.9.2026 In Paris

Da ein Großteil unserer Kunden bereits früh in Paris angekommen war, machten wir uns gleich vom Flughafen Charles de Gaulle mit Pierre Philippe und seinem Bus auf zu einer Stadtrundfahrt durch Paris. Es ging durch die im 19.Jahrhundert durchs alte Paris gezogenen Boulevards des Baron Haussmann mit ihrer prächtigen Randbebauung. An den Knotenpunkten entstanden so spektakuläre Bauten wie die Oper, und auch die Kirche Madeleine wurde in die Achsen einbezogen. Die großen Bahnhöfe wurden zu den Kathedralen jenes Jahrhunderts. Wir genossen das fantastische Stadtbild an der Seine, gestaltet durch den Louvre, die Grand und Petit Palais, die vielen Brücken, den Eiffelturm - um schließlich die wieder erstandene Kathedrale Notre Dame zu passieren. An der Place Vendome und auf den Champs Elysées schlug uns die ganze Pracht der Stadt entgegen.

13.9.2026 Rouen, Honfleur, Calvados

Diese Reise durch den Westen und Nordwesten Frankreichs führte uns zunächst in die Normandie. Wie der Name schon sagt, war diese abwechslungsreiche Landschaft normannischen Herzögen und Königen untertan, Nordmännern - den Nachfahren der Wikinger also. Später waren es die Normannen selbst, die sich zeitweise gegen Skandinavier wehren mussten. Schillerndster Vertreter der Normannen im 11.Jh. war Wilhelm der Eroberer. Unter ihm wurden die Kathedralen von Rouen und St.Etienne in Caen gegründet. Er wird aber in erster Linie mit der Eroberung von England verbunden. Wilhelm ließ sich Weihnachten 1066 in Westminster krönen und regierte fortan von dort. Folglich war die Normandie nur noch ein Teil seines Reiches. Im 13. Jahrhundert wurde und blieb schließlich die Normandie französisch. Sie wurde anfangs wie ein erobertes Gebiet behandelt, bewahrte aber ihr ausgeklügeltes Rechts- und Verwaltungssystem.
Ab der Mitte des 14.Jh. herrschte der 100jährige Krieg zwischen Frankreich und England. In diese Zeit, Anfang des 15.Jh., fällt die Geschichte von Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orleans, die Frankreich den Engländern entriss, dann aber an dieselben verraten und 1431 als 19Jährige auf dem Scheiterhaufen in Rouen verbrannt wurde.
Mit ca. 30.000 qkm ist die politische Normandie etwas kleiner als NRW und Katalonien, 3 1/2 Mio. Menschen leben in ihr. Es herrscht ein mildes Meeresklima. Das strahlende Grün der Landschaft lässt auf reichlich Feuchtigkeit schließen. Selbst bei bedecktem Himmel aber scheint die Luft zu leuchten- das haben die Impressionisten, die sich oft hier aufhielten, schnell bemerkt.
Das Landschaftsbild wird (wie übrigens auch in der Bretagne) von der Bocage geprägt. Wo ausgedehnte Wälder waren, die v.a. für den Schiffbau (auch für den Kathedralenbau!) abgeholzt wurden, entstand ein Geflecht von Steinwällen, auf die Bäume und Büsche gepflanzt worden. Sie sind Jahrhunderte alt. So gibt es hier keine ausgedehnten Wälder, aber Millionen von Einzelbäumen.
Die Küche der Normandie ist mehr kräftig und bodenständig als raffiniert. Fleisch und Milchprodukte werden vorrangig hier erzeugt. Die Butter aus Isigny ist weltberühmt, beim Käse ist es das „Dreigestirn“ Camembert, der quadratische Pont l’Éveque und Livarot, das herausragt. Aus Millionen von Äpfeln entstehen die hiesigen Spezialitäten Cidre und Calvados. Wenn man in Frankreich „unzählig“ illustrieren will, dann sagt man: mehr als Äpfel in der Normandie. Drei große französische Schriftsteller haben die Normandie in ihren Werken verewigt: Flaubert (Mme Bovary), Maupassant (Bel Ami) und Proust (In Swanns Welt).

Wir fuhren zunächst von Paris nach Rouen.
Rouen ist heute der fünftgrößte Hafen Frankreichs, auf der ausgebaggerten Seine können bis hier Schiffe mit bis zu 140.000 BRT fahren. In Seine-Nähe und vor allem im Industriegebiet links des Flusses gab es im 2.Weltkrieg große Zerstörungen. Auch die Altstadt war betroffen, ist aber in einzigartiger Weise wieder restauriert worden.
St. Maclou, dessen ganze Umgebung ein Zeugnis der Restaurierungen eines ganzen Stadtviertels ist, ist ein Paradebeispiel für den spätgotischen Flamboyant (Flammen-)-Stil. Die Kirche entstand, nachdem ein Vorgängerbau 1432 eingestürzt war, bis 1521 durch die Spenden des reichen Bürgertums. Im Tympanon sieht man das Jüngste Gericht, bemerkenswert sind die an ein Diadem erinnernde Vorhalle und die Türschnitzereien. Unweit befindet sich das „Atrium St. Maclou“, ursprünglich war hier, außerhalb der Mauern, ein Pestfriedhof.

Die Kathedrale, deren Vorgängerbau 1060 von Wilhelm dem Eroberer geweiht worden war, erhielt ihre Fassade bereits ab 1170 – damit rückt sie zeitlich in die Anfänge von Notre Dame de Paris und Chartres. 1247 war der Bau vollendet. Das linke Fassadentympanon zeigt den Tanz der Salome, mehr akrobatisch als erotisch. Im Inneren des Baues gibt es wertvolle Gräber und das Herz des Richard Löwenherz. Nach einem Brand des Vorgängers entstand 1825 der gusseiserne, 151 m hohe Vierungsturm, zu seiner Zeit sehr umstritten.
Berühmt ist die Kathedrale natürlich auch durch die insgesamt mehr als 35 Bilder, die Claude Monet zu allen Tageszeiten von ihrer filigranen Fassade gemalt hat - das Licht-und Schattenspiel war besonders interessant für einen Impressionisten. Er hatte sich im Hotel gegenüber eingemietet. Die meisten dieser Bilder sind im Musée d’Orsay in Paris zu sehen, einige sind aber auch in Amerika gelandet.

Auf dem Weg durch die Stadt kommt man an die Gros Horloge, die „dicke Uhr“. Sie wurde ab 1527 errichtet. Technische Kunstwerke dieser Art waren der Stolz der Städte (vgl. Auxerre).

Als im frühen 15.Jh. die Normandie von den Engländern besetzt wurde, ereignete sich die Geschichte von Jeanne d’Arc aus Lothringen, die dem späteren französischen König Karl VII gegen die mit den Engländern verbündeten Burgunder zu Hilfe kam. Sie wurde Weihnachten 1430 bei dem Versuch, das von den Burgundern besetzte Compiègne zu befreien, gefangen genommen. Eigentlich hatte sie längst „abgeschworen“, doch die Engländer kauften ihre Gegnerin für 10.000 Franken, um sie am 30.Mai 1431 auf dem alten Marktplatz von Rouen hinrichten zu lassen. Sie wurde später nicht nur rehabilitiert, sondern auch heiliggesprochen. Was dieses 19jährige Mädchen angetrieben und so gestärkt hat, dass Mächtige auf sie aufmerksam wurden, ob Gott ihr befahl, - all das bleibt im mythischen Dunkel. Zahlreiche Rezeptionen dieser Geschichte gibt es im Film, Theater, in der Musik, in der Literatur und in Computerspielen.
Wo früher eine Markthalle stand, ragt seit 1977 eine der Heiligen gewidmete Kirche in modernen Formen auf.

Nun ging es weiter Richtung Meer. Die Pont de Normandie (1988-94), die letzte Überquerung der Seine vor ihrer Mündung in den Ärmelkanal, ist eine Schrägseilbrücke von 2141 m Länge. Die über 200 m hohen Pylone sind weithin sichtbar. Die längste Stützweite der Brücke beträgt 856 m, das ist europäischer Rekord.

Unweit dieser Brücke befindet sich Honfleur. Seine alten Häuser um das Hafenbecken trugen dazu bei, dass der Ort „schönster Hafen der Normandie“ genannt wird. Den konnten wir zudem bei schönstem Sonnenschein genießen.

In Cambremer, inmitten schönster normannischer Bocage-Landschaft, befindet sich die Destillerie Huet, wo wir nicht nur eine Einführung in die Produktion von Cidre und Calvados erhielten, sondern die Getränke dann auch probieren konnten.

14.9.2026 Caen, die Landungsstrände und das Museum Dior

Caen, die Stadt an der Orne, wird die zweite Hauptstadt der Normandie genannt und gehörte 1944 zum Frontgebiet. Entsprechend groß waren die Zerstörungen. Wie in Le Havre und Brest gab es einen Wiederaufbau im modernen Stil, in Caen aber um die restaurierten historischen Monumente herum.
Wilhelm der Eroberer gründete auf dem Plateau oberhalb des Flusses das Chateau (richtiger: eine Festung). Durch die Zerstörungen des Krieges entstand hier der Platz für den weiten Park, in dem sich die Museen der Normandie und der Beaux Arts befinden.
Kunsthistorisch am bedeutendsten sind die Klöster mit ihren Kirchen. Das Männerkloster mit der Kirche St.Etienne und das Frauenkloster Ste. Trinité befinden sich jeweils am westlichen und am östlichen Rand der Altstadt. Sie wurden von Wilhelm dem Eroberer (Männerkloster) und dessen Frau und Cousine Mathilde (Frauenkloster) gestiftet, um den Papst, der gegen diese Ehe war, zu besänftigen.
Die romanische Kirche Saint Etienne hat zwei schlanke Fassadentürme von 80 und 82 m Höhe, die Vorbilder waren für etliche Kirchen der Normandie. Das gleiche gilt für die monumentale harmonische Fassade, die zum Teil ursprünglich erhalten ist. Innen finden wir eine sog. „fette Wand“, die durch Reihen übereinander gestellter Arkaden entsteht (vgl. Mt.St.Michel). Der Chor und die Turmhelme sind gotisch. Ein Blick von Osten auf diese vom Stilwillen geprägte Klosterkirche über den Chor mit seinen vielen Türmchen gehört zum Schönsten, was die Normandie zu bieten hat.

Wir fuhren nun an die Küste, die nicht zufällig Cote du Debarquement heißt. An diesen Stränden begann die Operation Overlord, die Landung der Alliierten ab dem 6.Juni 1944, die 12.000 Befreiern das Leben kostete. Die Landungsabschnitte (O nach W) heißen u.a. Sword Beach, Juno Beach, Normandy Beach, Gold Beach und Omaha Beach. An letzterem (b. St. Laurent de Mer) und im 20 km östlich liegenden Arromanches liegen bis heute die schwimmenden Landungshäfen Mulberry A und B.. Auf der Landzunge Pointe du Hoc kann man weitere Bunker und Bombenkrater sehen, die einem noch heute einen Schauer über den Rücken jagen.

Eine längere Fahrt brachte uns auf die andere Seite der Halbinsel Cotentin, nach Granville.
Das malerische Seebad beherbergt das Haus, in dem der Couturier Christian Dior aufwuchs. Es ist seit 1997 Museum, das einzige in Frankreich, das einem Couturier gewidmet ist. Das Leben und die Karriere des 1905 in Granville geborenen Künstlers werden auf drei Etagen beleuchtet. Auch für nicht Modeinteressierte dürften die ausgestellten Créations, die Elisabeth II, Evita Peron und Marlene Dietrich schätzten, Wirkung ausüben. Die rosafarbene Villa „Les Rhumbs“ (Windrose) wurde 1938 von der Stadt gekauft. Sehenswert ist auch der englische Garten über dem Meer, den die Mutter, Madeleine Dior, entworfen hat.

15..9.2026 In Saint Malo und auf den Chausey–Inseln

Während einige Gäste den Tag in Saint Malo verbringen wollten, fuhren die anderen wieder nach Granville, von wo aus die Überfahrt zu den Chausey-Inseln begann. Chausey besteht aus 22 Inseln, die 25 km westlich der westnormannischen Küste liegen. Nur die Grand-Ile ist bewohnt. In den wenigen Häusern leben 30 Bewohner, jährlich besuchen die Insel aber 200.000 Touristen, die zum Leuchtturm gehen, auf kleine Rundwege und in die beiden Lokale. Die Tide ist durch Level-Unterschiede bis zu 14 m gekennzeichnet. Ein erholsamer Tag mit viel Meeresluft- eine Entschleunigung in diesen mit Sehenswürdigkeiten vollgepackten Tagen.

16.9.2026 St.Malo, Austern in Cancale und der Mont St.Michel

Die Führerin Alexandra zeigte uns die Stadt St.Malo und hatte eine Fülle von Geschichten zu Herzogin Anne, Freibeutern und Wetterkapriolen parat. Die graubraune Stadt in imposanter Lage ist von drei Seiten vom Meer umgeben. Die Altstadt intra muros, innerhalb der dicken Mauern, wurde zu 80 Prozent im alliierten Bombenhagel zerstört. Wie Le Havre und Brest ist St. Malo ein wichtiges Zeugnis des Wiederaufbaus. 33 verlorene Gebäude wurden kopiert. Insgesamt wirkt die Stadt kühl, aber sehr beeindruckend.
Die Burg von 1415 ist heute Rathaus. Überrest des Mittelalters ist auch die Kathedrale St.Vincent. Ein Muss ist der Rundgang über die Festungsmauern.

Im malerischen Hafenstädtchen Cancale, Zentrum der Austernproduktion(6000 t im Jahr), machten wir auf den Hafentreppen mit eben diesen Austern, Brot und Wein Picknick bei einem Wetter, das schöner nicht zu denken war.

Mont St.Michel
Die letzten zwei Tage standen bereits unter dem Einfluss des weithin sichtbaren Berges des Heiligen Michael. Dieses „Wunder des Abendlandes“, „Leuchtturm der Christenheit“, ist nach dem Eiffelturm Frankreichs meistbesuchtes Denkmal und ein Höhepunkt jeder Normandiereise. Vom Andrang sollte man sich nicht schrecken lassen, sondern sich diesen in dem Ausmaß bereits im Mittelalter vorstellen. Der Deich von 1877, der den Zugang ermöglichte, ist aus Renaturierungsgründen großteils durch eine Stelzenbrücke ersetzt worden.
97 ha misst die Inselanlage, ab 80 m Höhe hat man den Level der Abteikirche erreicht, 157 m über dem Meer erreicht der markante Vierungsturm, der übrigens, wie auch die Michaelsskulptur darauf, aus dem 19.Jahrhundert stammt.
Für so eine imposante Anlage gibt es natürlich einen Gründungsmythos. 708 wurde Bischof Aubert von Avranches vom Erzengel Michael aufgefordert, auf dem Berg eine Kirche für ihn zu gründen. Der Bischof ist seinen Träumen gegenüber aber skeptisch, so dass der Erzengel handgreiflich werden muss und das Haupt Auberts „berührt“. Dieses Haupt, das sich als Reliquie in Avranches befindet, zeigt eine runde Öffnung in der Schädeldecke.
Der Bau der Abtei ging sehr langsam voran wegen technischer und statischer Schwierigkeiten. Immer wieder gab es Einstürze und obendrein Brände. Erst um 1150 konnte die Kirche vollendet werden.
Durch Anstrengungen des französischen Königs Philippe Auguste kamen weitere Klosterbauten hinzu, zusammengefasst in dem gotischen Anbau und Wunderwerk La Merveille auf der dem Meer zugewandten Seite: ganz oben befindet sich der Kreuzgang wie ein hängender Garten, von dort aus geht es in das Refektorium 1220, darunter befinden sich große Säle.
Im 14.Jh. musste die Abtei im 100jährigen Krieg viele weitere Angriffe der Engländer über sich ergehen lassen. Es ist die Zeit, in der die Anlage zur Festung ausgebaut wird. Mont St.Michel wird zum Symbol des Widerstandes. Außerdem musste nach Einsturz des romanischen Chores ab 1448 auch hier ein Neubau erfolgen. Der jetzige Chor, fertig erst 1513, ist elegant im Pariser Stil des 13. Jahrhunderts gestaltet und fast doppelt so hoch wie das romanische Langhaus.
Nach der französischen Revolution war der Mont St. Michel für Jahrzehnte ein Gefängnis. 1872, im Zuge des aufkommenden Denkmalgedankens, begannen erste Restaurierungsarbeiten.
Der Mont St. Michel ist also nicht nur eine außergewöhnliche Landmarke, sondern zeigt auch, dass Zeugnisse des Mittelalters durch Kriege, Brände und Einstürze verändert wurden, niemals homogen sind, sondern ihre Veränderungsgeschichten selbst typisch.

17.9.2026 Cap Fréhel, Guimilhau und Quimper

Über den Damm des Gezeitenkraftwerks der Rance fuhren wir Richtung Dinard, das der Stadt St. Malo gegenüber liegt.
Unter dem Staudamm bewegen sich 18.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das ist die 1961 gebaute „usine maremotrice“. Sie zeugt von der Fortschrittsgläubigkeit der 1960er Jahre und hat keine Nachfolger, da hohe Betriebskosten das Werk unwirtschaftlich machen und die ökologischen Schäden immens sind.
Dinard hat noble Villen, viele von reichen Engländern Ende des 19.Jh. gebaut. Am Strand steht eine Statue von Alfred Hitchcock, der, in Anspielung auf einen seiner bekanntesten Filme, von Vögeln bedrängt wird. Seit 30 Jahren gibt es hier das im September stattfindende Festival des britischen Films zu sehen.

Am Kap Fréhel fällt das Hochufer aus rosa Granit 70 m hinab. Wir machten einen schönen Spaziergang über die Landzunge zum alten Leuchtturm, ein Bau des Festungsbaumeisters Vauban aus dem 17.Jh. Bald sah man das Fort La Latte, ebenfalls von Vauban modernisiert. Es bewacht den Eingang zur Baie de la Frenaie.

Nun war wieder Fahren angesagt, um in den Westen der Bretagne zu gelangen.

Die Bretagne, südwestlich an die Normandie anschließend und wie ein Horn aus dem französischen Geografiekörper hervorstehend, ist mit 27.000 qkm 1/10 kleiner als jene. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 104/qkm. Die Bretagne ist die ertragreichste Region für Gemüse (z.B. kommen 87 Prozent der frz. Artischocken von hier), Geflügel und Meeresfrüchte. Wirtschaftlich spielt der Tourismus eine große Rolle- die Region ist die am zweithäufigsten besuchte.
150 x 250 km Fläche werden von 1200 km Küste umrandet, deren Schärfe von der Eiszeit geformt wurde. Je nach Messung kommt man auch auf 2.500 km. Im Ärmelkanal im Norden und dem Atlantik im Süden gibt es 800 Inseln, von denen die meisten unbewohnt sind. Nirgends außer in Japan finden sich solche Tide-Rekorde wie hier, der Unterschied kann bis zu 14 m betragen. Gneis, Sandstein und Schiefer finden sich auch in den Bauwerken wieder. Die höchste Erhebung beträgt lediglich 384 m. Das war vor 300 Mio. Jahren anders, da gab es Gipfel bis zu 4000m Höhe, das Armorikanische Gebirge. Das Klima ist mild im Winter (6-8- Grad), die Durchschnittstemperatur im Sommer liegt zwischen 16 und 18 Grad, und es gibt viel Sonne (2200 Stunden/Jahr).
In geschichtlicher Frühzeit war die Bretagne von Wald bedeckt. Heute findet er sich nur noch auf 5 Prozent der Fläche – ein Tiefstand im französischen Vergleich-, was u.a. an Abholzungen für den Schiffbau liegt. Die Landschaft nennt man Bocage, was wir schon von der Normandie kennen: grün, viele bewachsene Steinwälle, reich an Einzelbäumen.
Die Bretonen sind Nachfahren von keltischen Einwanderern von den britischen Inseln und Irland. Sie brachten die keltische Sprache mit, auf der das Bretonische basiert und das man heute wieder studieren kann. ¼ der ländlichen Bevölkerung sprach vor 25 Jahren noch Bretonisch. Irish Pubs gibt es überall. Heute sind die Bretonen streng katholisch. Es gibt eine rekordverdächtige Anzahl bretonischer Heiliger. Die Vorurteile der Pariser über die Bretonen: sie sind Raufbolde wie Asterix und Obelix, haben das Herz auf dem rechten Fleck – die Deutschen kennen so etwas von den Ostfriesen oder Bayern. Die Bretonen gelten als gastfreundlich. Viele Fremde renovieren die Häuser derer, die Teil der Landflucht wurden.
Das Herzogtum Bretagne erlebte im 14. und 15.Jh. ein goldenes Zeitalter. Mit einer Niederlage gegen den französischen König endete die bretonische Souveränität. Herzogin Anna, „la petite brette“, musste 1491 den französischen König ehelichen und nach dessen Tod seinen Nachfolger Ludwig XII. Die Tochter Claude musste Franz I heiraten. So wurde durch Zwang die Bretagne französisch, blieb aber als Herzogtum privilegiert.

Guimiliau
Das Léon ist Frankreichs „Wilder Westen“. Reich geworden durch Tuchhandel mit England, Leineweberei und Gerberei, entstanden hier, in Konkurrenz zueinander, die berühmten umfriedeten Pfarrbezirke. Diese „Enclos paroissial“ des 15. bis 17. Jahrhunderts sind ein Sonderfall der Kunstgeschichte. Neben den Kirchen entstanden hinter Mauern prachtvolle Beinhäuser und Bildstöcke (calvaires) mit Szenen aus dem Leben Jesu, zu denen ein Triumphtor Einlass vom Profanen ins Sakrale gewährt. Es sind theatralische Bilderbücher. In Guimiliau entstand der Enclos nur 5 km entfernt zur Konkurrenz in St. Thégonnec. Auf dem Triumphtor befinden sich zwei Reiter, auf dem Kalvarienkreuz sieht man Tumultszenen: eine wohl 200köpfige Schar begleitet Christus auf seinem Leidensweg.

Quimper
Der Name der 60.000 Einwohner zählenden Stadt leitet sich vom bretonischen „kemper“ ab, was „Zusammenfluss“ bedeutet. Es fließen hier die Steir und der Odet zusammen. Die Cornouaille, grünster Landstrich der Bretagne mit Blumen und Palmen, heißt auf Englisch „Cornwall“ und verdeutlicht auch sprachlich die Übereinstimmungen mit SW-England.
Quimper ist eine Bischofs- und Fachwerkstadt, die durch die bleigraue Kathedrale St. Corentin geprägt wird, deren Turmhelme aus dem 19.Jh. stammen. Der Chor driftet leicht links ab, aus Rücksicht auf eine ältere Kapelle. Zum Odet gibt es Reste der Stadtmauern. Interessant sind die Fachwerkviertel um die Rue Kéréon und der Place Terre au Duc.

18.9.2026 Pointe du Raz, Concarneau, Carnac

Zur Pointe du Raz („Messerklinge“) fährt man von Quimper fast 1 1/2 Stunden durch schönste meeresnahe Landschaft. Weiß und grau sind die kleinen Orte, ganz anders als die hellbraunen Orte der Normandie.
Es ist ein wildes Kap von 72 m Höhe über dem Meer. Hier führen über schroffe Klippen die Fernwanderwege E5 und GR 34 herum. Seit einiger Zeit ist hier eine „Grand Site National“ mit besonderem Schutz. Man bedenke, dass hier einmal ein Atomkraftwerk entstehen sollte!

In Concarneau muss man auf den Stadtmauern der Ville Close gehen. Auch hier war Festungsbaumeister Vauban tätig. Man hat einen guten Blick auf die Hafenpromenade, wo sich auch das L’Amiral, das Lieblingslokal des Fernsehkommissars Dupin befindet. Am Belfried am Eingang zur Ville Close befindet sich eine Sonnenuhr, auf der steht: "die Zeit vergeht wie der Schatten".

Hinter dem Ortsausgang von Erdeven kann man an der D 781 gut halten für einen Fotostopp für die Alignements de Kerzerho, Steinreihen von Menhiren. Die größten ragen 6 m auf.
Menhire nennt man die hoch aufragenden Einzelstücke (es gibt in der Bretagne insgesamt 5000), Dolmen sind Ganggräber aus geschichteten Steinen (etwa 1000). Wer sie errichtet hat und was ihre Bedeutung ist, bleibt rätselhaft. Reliefs von Schlangen, konzentrischen Kreisen, Krummstäben, Dolchen und Beilen sind an einigen Orten festzustellen.
Niemand stellt sich die Bretagne ohne ihre Megalithkultur vor. Ihre imposanten Steinreihen und-anhäufungen entstanden 4000 – 2000 vor unserer Zeitrechnung und gehören somit der Jungsteinzeit an. Damals sollen hier 100.000 Menschen gelebt haben. Von denen weiß man aber trotz ihrer vielen steinernen Zeugnisse wenig. Es ist zu vermuten, dass diese mit Astrologie, Sonnenkult, Begräbnis- und Fruchtbarkeitsriten zu tun haben. Die Intensität, die sie ausstrahlen, ist nicht zu verkennen und lässt einiges an gestalterischer Kraft vermuten.
In Carnac ist alles auf die Eigenschaft als „Hauptstadt der Megalithkultur“ ausgerichtet. Dolmen und Menhire gaben der ganzen Küste Cote des Megalithes den Namen. 2935 Menhire in O-W-Ausrichtung gibt es hier. In Menec hat man gute Sicht auf das größte Feld.

19.9.2026 Paimpont, Rennes, Chartres

In Paimpont, mitten im Wald von Brocéliande, gibt es ein Kloster, das bis auf das 7.Jh. zurückgeht. Es ist ein Ausgangspunkt für Erkundungsgänge in den Wald, dem einzigen in der Bretagne – ein kläglicher Überrest dessen, was Lancelot und Merlin, sollte es sie denn gegeben haben, gesehen haben könnten. Magische Quellen und grüne Tümpel ziehen viele Menschen, auch Gralssucher, an. Die Artussage, wohl zu keltischer Zeit über den Ärmelkanal getragen, wird literarisch behandelt im 12. Jh. von Geoffrey of Monmouth und 1803, mitten in der Zeit der Romantik, von Dorothea Schlegel ins Deutsche übertragen.
Die Universitätsstadt Rennes, Hauptstadt des Departements Ille-et-Villaine sowie die Hauptstadt der Bretagne mit 200.000 EW, beeindruckt sowohl als mittelalterliche Fachwerkstadt, besonders um die Kathedrale, als auch als „Klein-Paris“ mit Boulevards und Prachtbauten (La Ville classique). Letztere entstanden dort, wo die Zeugnisse des Mittelalters einem großen Brand im Jahre 1720 weichen mussten- verheerend und zugleich mit innovativen Folgen. Prachtvoll ist die Place de la Mairie mit dem Rathaus von 1734-42, gegenüber die Oper von 1831, unweit nordöstlich der Palaisplatz, gestaltet von einem Pariser Architekten. Im Norden der Altstadt befindet sich die Place Ste. Anne, wo sich die Kapelle erhalten hat, in der Anne 1491 zur Ehe mit dem französischen König gezwungen wurde.

Chartres
Wie eine Glucke thront die Kathedrale Notre-Dame über der kleinen Altstadt. Sie ist in jeder Hinsicht besonders. Da Chartres nie zerstört wurde, haben wir hier noch fast denselben Blick wie unsere Vorfahren vor 750 Jahren. Der plastische Schmuck und fast alle Fenster sind original! Insofern gilt das Bauwerk als DIE Kathedrale schlechthin, als „Urbild der Kathedrale“. Rodin nannte sie die „Akropolis Frankreichs“. Der Grund für diesen Bau in einer „Kleinstadt“: man war im Besitz einer überaus wertvollen Reliquie, des Gewandes Mariens.
Seit 1194 wurde hier gebaut und 1260 war der Bau bereits im Großen und Ganzen fertig. Die Architektur wirkt innen lediglich wie ein Gerüst, wie ein Schrein für die 176 fantastischen Fenster. Durch diese entstand der Begriff „Bleu de Chartres“, besonders an der Fassadenseite innen ist der Eindruck überwältigend.
Doch nicht nur die romanische Krypta verdeutlicht, dass Teile der Kathedrale älter sind als der gotische Bau. Die Figuren des Königsportals, also des Mitteleingangs der Hauptfassade, entstanden bereits 1145-50, also fast 50 Jahre vor dem Neubau. Wann sie nach dem Brand der Vorgängerkirche hierher versetzt wurden, ist umstritten. Sie sind die ältesten gotischen Figuren der Kunstgeschichte. Eine Mandorla zeigt das Jüngste Gericht, eine sog. Majestas Domini, die Figuren auf den rechten Gewänden sind vermutlich David, Bathseba und Salomo. Das linke Portal zeigt die Himmelfahrt Christi, flankiert von Tierkreiszeichen-Darstellungen und solcher von Monatsarbeiten. Das rechte Portal zeigt Maria auf dem Thron der Weisheit, umgeben von Figuren des Wissens und der Artes liberales. Bemerkenswert die Darstellung der Grammatik: sie hat eine Rute in der Hand, mit denen sie zwei Schülern wortwörtlich etwas einbläuen kann.


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