Rundreise Schottland für Zugliebhaber
Reisebericht: 20.08. – 29.08.2026
Auf den schönsten Bahnstrecken unterwegs in Schottland - und das mit herrlichstem Sommerwetter. Was kann es besseres geben?
Ein Reisebericht von
Sinah Witzig
20.08.2026 Anreise nach IJmuiden und Fährüberfahrt nach Newcastle
Unsere Reise startet schon früh morgens in Kesselsdorf, denn das Tagesziel ist der Hafen von IJmuiden bei Amsterdam. Entlang der A4 geht es zunächst in Richtung Süden durch Sachsen, dann durch Thüringen weiter bis nach Weimar. Hier ist unsere Reisegruppe fürs Erste komplett, morgen in Edinburgh werden weitere Gäste zur Gruppe stoßen. Bei Eisenach verlassen wir die Autobahn und fahren über verschlafene hessische Dörfer, bis wir den neuen Teil der A44 erreichen. Von hier ist es nun nur noch eine kurze Fahrt bis nach Kassel. Über A44, A2 und A3 geht es nun durch Nordrhein-Westfalen.
Ohne größere Zwischenfälle erreichen wir gegen Mittag die Grenze zu den Niederlanden. Wenig später lassen wir dann auch den Verkehrsknotenpunkt Utrecht beinahe straufrei hinter uns und erreichen pünktlich den Hafen von IJmuiden. Auch das Check In-Prozedere geht heute schnell von statten und so dauert es nicht lange, bis wir es uns auf der Princess Seaways gemütlich machen können. Kurz nachdem wir das großartige Abendbuffet eröffnen dürfen, legt unser Schiff schon überpünktlich ab – Schottland wir kommen! Beim Abendessen werden nun schon allerlei Reiseerfahrungen ausgetauscht und man lernt die Mitreisenden so langsam kennen. Alle sind sich sicher: tolle Tage stehen uns bevor.
21.08.2026 Beamish Museum und Royal Edinburgh Military Tattoo
Pünktlich erreichen wir am nächsten Morgen den Hafen von Newcastle. Auch das Ausschiffen geht relativ zügig und schon bald sind wir unterwegs - jedoch führt uns unsere Reise zunächst nicht in Richtung der schottischen Grenze, sondern erst einmal nach Süden. Etwas südlich von Newcastle befindet sich nämlich eines der berühmtesten Freilichtmuseen Großbritanniens. Das North of England Open Air Museum - oder kurz Beamish Museum - zeigt die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Nordosten Englands im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Also genau die Zeit, die für die Ära der Industrialisierung und der goldenen Zeit der Eisenbahn besonders entscheidend ist.
Besonders interessant ist für die meisten von uns der Transport über das 120 Hektar große Gelände: Man kann zwar selbstverständlich zu Fuß gehen zwischen den verschiedenen Bereichen, jedoch verkehren auch historische Busse und Tram-Bahnen. So geht es bequem vorbei an einer alten Kohlemine, einer nordenglischen Kleinstadt, einem Dorf, einem Bauernhof und einem historischen Bahnhof - und wie im Nu sind drei Stunden Zeit verflogen. Nun wird es aber auch wirklich Zeit, nach Schottland zu kommen. Entlang der Ostküste fahren wir bei schönstem Wetter endlich in Richtung Norden. Nach etwa einer Stunde Fahrt ist die Gezeiteninsel Lindisfarne oder auch Holy Island zu erkennen und wenig später überqueren wir bei Berwick-upon-Tweed den ehemaligen Grenzfluss zwischen England und Schottland.
An der heutigen Grenze machen wir natürlich einen Stopp, um unsere Ankunft auch gebührend Wertzuschätzen.
Am frühen Abend erreichen wir unser Hotel mitten in der schottischen Hauptstadt und haben ein klein wenig Zeit uns frischzumachen, bevor wir zum Abendprogramm aufbrechen. Unsere übrigen Mitreisenden, die sich für eine Fluganreise entschieden haben, stoßen nun auch zu uns und gemeinsam geht es wenig später zum Abendessen im geschäftigen Zentrum Edinburghs.
Das eigentliche Highlight kommt jedoch nach dem Abendessen: fast alle Reisenden haben sich für den Besuch des Royal Edinburgh Military Tattoo entschieden. Zu Fuß geht es also nach dem Essen weiter durch die Altstadt hinauf zum Edinburgh Castle. Gespannt nehmen wir unsere Plätze auf den Tribünen ein und warten auf den Beginn der Vorstellung. Die Vorführung ist wie jedes Jahr ein großes Spektakel und lässt jeden mit großer Begeisterung zurück. Euphorisch treten wir am späten Abend den Rückweg zum Hotel an und verabschieden uns in eine kurze Nacht.
22.08.2026 Forth Bridges, Glamis Castle und die Caledonian Railway
Am nächsten Morgen müssen wir Edinburgh leider schon wieder verlassen - doch der kurze erste Eindruck hat doch einigen Lust gemacht, noch einmal wieder zu kommen. Unser erstes Ziel ist ein Aussichtspunkt, der direkt am Firth of Forth liegt, einem etwa 80 Kilometer langen Meeresarm, der den Süden Schottlands vom Norden trennt. Um diese große Wassermasse zu überqueren, wurden früher Fähren genutzt, als jedoch die Eisenbahn auch den Norden Schottlands erschließen sollte, musste eine andere Lösung gefunden werden. Im Jahr 1882 begann man schließlich mit dem Bau einer monumentalen Auslegerbrücke, die 1890 vollendet wurde. Fast 30 Jahre lang blieb die Forth Bridge für Brücke mit der längsten Spannweite der Welt und fasziniert bis heute mit ihrer markanten roten Farbe Technikbegeisterte aus aller Welt. 1965 und 2017 folgten dann zwei Brücken für den Straßenverkehr, die ebenfalls die über zwei Kilometer lange Strecke überbrücken. Wir nutzen die Gelegenheit die drei Brücken aus der besten Perspektive zu fotografieren, bevor wir unsere Fahrt nach Norden fortsetzen.
Durch das Kingdom of Fife geht es nun für uns weiter in Richtung Dundee. Wir überqueren den Firth of Tay - hier wurde, noch zwölf Jahre vor der Forth Railway Bridge, die erste schottische Eisenbahnbrücke monumentalen Ausmaßes errichtet: die mehr als drei Kilometer lange Firth-of-Tay-Brücke. Ihre Geschichte ist ein Lehrstück über den extremen Technikoptimismus des viktorianischen Zeitalters, wirtschaftlichen Druck und fatale geologische Überraschungen. Was als das logistische Meisterwerk des Jahrhunderts geplant war, endete in einer der größten Katastrophen der Moderne: Während eines schweren Sturms stürzte der Mittelteil der erst 19 Monate zuvor eröffneten Eisenbahnbrücke ein, als ein Passagierzug sie überquerte. Alle 75 Insassen des Zuges kamen dabei ums Leben. Das Desaster erschütterte das Vertrauen der viktorianischen Gesellschaft in die Ingenieurskunst nachhaltig. Dem Bauleiter Sir Thomas Bouch wurde die alleinige Schuld zugesprochen; er verlor seinen Ruf und starb nur wenige Monate nach dem Urteil. Als direkte Konsequenz wurden die Sicherheitsstandards für britische Brückenbauwerke drastisch verschärft, was sich kurz darauf beim Bau der extrem massiven, bis heute bestehenden Forth Bridge zeigte.
Unweit der Universitätsstadt Dundee befindet sich unser erstes Ziel für heute: Glamis Castle. Seit über 650 Jahren ist das Schloss im Familienbesitz der Familie Lyon, Earls of Strathmore. Bekannt ist das beeindruckende Anwesen vor allem als der Ort, an dem Elizabeth Bowes-Lyon, die spätere Königin Mutter aufgewachsen ist und auch ihre zweite Tochter, Prinzessin Margaret, zur Welt gebracht hat. Bei einer Führung dürfen wir uns einen Großteil der Wohnräume ansehen. Dabei hören wir allerlei Interessantes - die Geistergeschichten sind dabei natürlich das Spannendste. In der Privatkapelle hören wir dann auch von der grauen Lady, die hier ihren eigenen Stuhl hat, auf dem niemand außer ihr sitzen darf – fast gespenstisch, dass sich ausgerechnet auf diesen Stuhl wirklich niemand von uns gesetzt hat.
Auf dem weitläufigen Gelände um das Castle bietet sich nach dem Besuch noch die Gelegenheit zu einem Spaziergang. Das Highlight dabei sind selbstverständlich die höchstfotogenen Highland-Rinder auf ihrer Weide.
Nach der Mittagspause machen wir uns auf den Weg nach Brechin, um dort unsere erste Eisenbahnfahrt anzutreten. Die Caledonian Railway besaß einst ein Steckennetzwerk von über 1800 Kilometern und war damit der zweitgrößte Betreiber Schottlands. Im Zuge der Umsetzung des Railways Act 1921 ging die Caledonian Railway am 1. Januar 1923 in der neuen London, Midland and Scottish Railway auf. Heute wird unter dem Namen ein kleiner stillgelegter Abschnitt von etwa 6 Kilometern zwischen Brechin und Bridge of Dun wieder betrieben. Der originale Bahnhof aus der Viktorianischen Zeit ist in Brechin noch erhalten geblieben und wir können die Einfahrt der historischen Diesellok der British Rail Class 26 miterleben, bevor wir selbst in den Zug steigen. Auf dem Abstellgleis können wir die Dampflokomotive 419 der CR-Klasse 439 sehen, die für den morgigen "Steam Sunday" angeheizt wird.
Die alten Wagons unseres Zuges geben einem das Gefühl als wäre man plötzlich in einem Harry Potter-Film gelandet und unser sehr charismatischer Zugbegleiter George trägt mit sehr viel Humor zur positiven Stimmung an Bord bei. Die kurze Fahrt geht vorbei wie im Flug und nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir den Bahnhof in Bridge of Dun, wo uns Jan mit dem Bus erwartet.
Wir verabschieden uns von George und machen uns auf den Weg in Richtung Cairngorms Nationalpark.
Mit 3800 km² ist der zweitjüngste Nationalpark auch gleichzeitig der größte des Vereinigten Königreichs und wurde 2003 gegründet. Die Landschaft wird geprägt vom Gebirgszug der Cairngorms, einem Teil der Grampian Mountains, heidebewachsenen Hochmooren und zahlreichen Seen. Neben etwa 20.000 Rothirschen lebt auch eine halbwilde Rentierherde im Nationalpark.
Im kleinen Städtchen Newtonmore beziehen wir am Abend unsere Zimmer im urigen Balavil Hotel und freuen uns nach dem langen Tag auf unser wohlverdientes Abendessen.
23.08.2026 Cairngorms Nationalpark mit Strathspey und Keith and Dufftown Railway
Unser erster richtiger Tag in den Highlands beginnt untypisch wieder mit strahlendem Sonnenschein. Da heute Morgen alle überpünktlich im Bus erscheinen, können wir uns noch einen kleinen Extrastopp auf dem Weg nach Aviemore leisten. Wir fahren zu den Ruthven Barracks, äußerst pittoreske Ruinen von dem, was im 18. Jahrhundert einmal ein Militärlager der königlichen Truppen gewesen ist. Anschließend geht es weiter zur größten Ortschaft in der Region. Sehr früh erreichen wir den historischen Bahnhof von Aviemore, wo uns unsere erste Eisenbahnfahrt des Tages und unsere erste Dampfbahn erwartet. Unbewusst widersetzen wir uns der strengen Bahnhofsvorsteherin und erwarten gespannt die Einfahrt der Dampflok der LMS-Reihe 5MT No. 5025, kurz Black Five.
Die Strathspey Railway verkehrt seit 1978 wieder auf der 16 Kilometer langen Strecke bis nach Broomhill. Die ursprüngliche Strecke wurde in den 1860er Jahren gebaut und schloss die Region an das britische Schienennetz an. Wichtige Güter wie Whisky und landwirtschaftliche Erzeugnisse wurden so transportiert. Die reguläre Bahnlinie wurde durch die staatlichen britischen Eisenbahnen 1965 stillgelegt.
Unsere Fahrt führt etwa eine Stunde gemächlich vorbei an grünen Wiesen und goldenen Gerstenfeldern vor dem herrlichen Hintergrund der Cairngorm Mountains. Angekommen in Broomhill haben wir noch einmal die Möglichkeit, die Lokomotive und den kleinen Bahnhof zu besichtigen, bevor wir uns dann auf den Weg nach Grantown-on-Spey machen, wo wir die Mittagspause verbringen.
Anschließend fahren wir weiter durch die Speyside, die bekannteste Whisky-Region Schottlands. Hier befinden sich nicht nur etwa 50 verschiedene Brennereien, sondern auch zahlreiche Mälzereien, Abfüllanlagen und Küfereien, die essentiell für die gesamte Industrie sind. Kein Wunder also, dass die Keith and Dufftown Railway, die heute auf unserem Nachmittagsprogramm steht, den Spitznamen "Whisky-Express" bekommen hat. Einst 1862 gegründet, führte die Bahnstrecke von Aberdeen über Keith nach Elgin und versorgte dabei auch die zahlreichen Destillen. 1991 wurde sie stillgelegt. Bahnliebhabern gelang es, mit örtlichen Unternehmen und der damals noch möglichen Förderung durch die EU, die Strecke als Museumsbahn mit historischen Diesellokomotiven wieder zu beleben. Im Jahr 2000 fuhr die Bahn dann wieder von Dufftown nach Drummuir, ab 2001 auch bis Keith. Wir besteigen den Zug, der mittlerweile angekommen ist, und schon bald beginnt unsere Fahrt zwischen Wäldern, goldgelben Gerstenfeldern und Teichen. Nach 18 Kilometern und einer Dreiviertelstunde erreichen wir Dufftown, wo Jan uns mit dem Bus erwartet.
Durch die wunderbare Natur der Cairngorms, wo die Heide in dieser Jahreszeit wunderschön lila blüht, geht es nun für uns zurück in Richtung Aviemore wo schon bald das Abendessen wartet.
24.08.2026 Cairngorm Mountain Railway und auf historischen Spuren rund um Newtonmore
Am nächsten Morgen steht die Fahrt mit der einzigen Standseilbahn Schottlands auf dem Plan. Der Nebel hängt noch tief im Tal als wir frühstücken, aber wir bleiben positiv. Auf dem Weg zur Cairngorm Mountain Railway fahren wir durch das Glenmore, wo noch vor Kurzem ein verheerender Waldbrand gewütet hat. Von der Straße aus sieht man nichts davon, allerdings sind auf der nördlichen Straßenseite alle Abzweige gesperrt.
Pünktlich erreichen wir unser Ziel und langsam hebt sich auch der Nebel. Wir reihen uns schon gleich ein, um mit der ersten Bahn hinaufzufahren zur Ptarmigan Top Station auf 1097 Metern Höhe. Historisch ist die höchstgelegene Bahnstrecke Großbritanniens wahrlich nicht, erst seit 2001 ersetzt die Cairngorm Mountain Railway den ehemaligen Sessellift, aber seither gab es zahlreiche Probleme und die Strecke war immer wieder geschlossen - also können wir froh sein, dass wir heute überhaupt in den Genuss der Bahnfahrt kommen, ganz abgesehen von der Aussicht. Dann geht es los: in nur etwa acht Minuten überwindet die Standseilbahn den Höhenunterschied von 462 Metern auf einer durchgehenden Strecke mit einer kurzen Ausweichstelle, wo der Gegenzug unsere Kabine passiert.
An der Gipfelstation angekommen, machen wir uns zunächst auf Erkundungstour auf der Aussichtsterrasse und freuen uns über die fantastische Aussicht. Dann warten ein Dokumentarfilm über den Nationalpark, sowie selbstverständlich auch ein Souvenirshop auf uns.
Am späten Vormittag machen wir uns dann auf den Weg nach Kingussie. Hier besuchen wir Schäfer Neill und seine Border Collies. Wir lernen wie die Hunde über einfache Kommandos eine ganze Herde von Schafen in die richtige Richtung treiben können und somit die Arbeit des Schäfers ungemein erleichtern. Außerdem zeigt Neill, wie man ein Schaf schert und erzählt allerhand über seine Tiere. Die absoluten Stars sind allerdings die sieben Wochen alten Hundewelpen, die es wirklich jedem von uns angetan haben. Und selbst in diesem jungen Alter zeigt sich schon ganz deutlich, welcher Hund einmal ein großartiger Herdenhund wird, und welcher vielleicht doch nur Flausen im Kopf hat.
Am Nachmittag sind wir dann zurück in Newtonmore. Hier wollen wir das Highland Folk Museum besuchen, welches als erstes Freileichtmuseum Großbritanniens gilt. Die Ethnografin Isabel Frances Grant begann schon in den 1930er Jahren, Alltagsgegenstände zu sammeln, von denen sie erwartete, dass sie bald aus dem Gebrauch verschwinden würden. 1943 erwarb sie schließlich ein Gelände in Kingussie, welches später vergrößert werden musste und nach Newtonmore umgezogen ist. Wir haben die Möglichkeit uns hier die Lebensumstände und Wohnverhältnisse in den schottischen Highlands vom 18. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ansehen und sind vor allem von den sogenannten Blackhouses fasziniert, kleinen Stein- und Torfhütten, die noch bis ins letzte Jahrhundert in entlegenen Gebieten bewohnt wurden. Den restlichen Nachmittag verbringen wir mir Spaziergängen in der Sonne, bevor wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Hotel wieder treffen.
25.08.2026 Whisky, Loch Ness und Isle of Skye
Unsere Zeit im Balavil Hotel ist leider schon zu Ende und nach dem Frühstück heißt es Koffer packen. Unser Weg führt uns dann in Richtung Inverness, die „Hauptstadt der Highlands“. Von hier aus überqueren wir die Kessnock Bridge über den Moray Firth auf die Black Isle-Insel. Hier widmen uns einem durchaus wichtigen Thema auf jeder Schottland-Reise: dem Whisky. Wir besuchen heute die Glen Ord Distillery, eine von drei Brennereien, die heute unter dem Namen The Singleton verkaufen. In Glen Ord wird ein fruchtiger und leichter Whisky, vorwiegend für den asiatischen Markt, hergestellt.
Bei einer Führung durch den Betrieb lernen wir nun wirklich wie die Herstellung des schottischen Single-Malt-Whiskys abläuft und unter welch strengen Auflagen er danach mindestens drei Jahre lang fassgelagert werden muss, um sich überhaupt so nennen zu dürfen. Die meisten Whiskys werden sogar noch viel länger gelagert, was dann natürlich auch die höheren Preise verständlich macht. Bei The Singleton ist eines der Verkaufsargumente, dass man sich bei vielen Prozessen mehr Zeit lässt als üblich, als Konsequenz wird hier kein Whisky unter 12 Jahren in Flaschen abgefüllt. Die Kostprobe schmeckt uns gut und lockert die Stimmung für das weitere Tagesprogramm.
Gegen Mittag geht es dann zurück in Richtung Inverness und dann haben wir auch schon bald das Südende des sagenumwobenen Loch Ness erreicht. Die Geschichten über das Monster im See sind jahrhundertealt. Aufgrund der bis heute unbekannten Tiefe des Sees und des trüben und kalten Wassers sind um Loch Ness schon zu keltischen Zeiten Mythen um Kelpies und andere Wesen entstanden. Frühchristliche Missionare wollen dann im 8. Jahrhundert ein Seeungeheuer gesichtet haben und seit dem ersten Foto von „Nessie“ aus den 1930er Jahren versuchen immer wieder neue Glücksritter es hier zu Ehre und Reichtum zu bringen – bisher vergeblich.
Wer weiß, vielleicht schaffen wir es ja heute? Nach einer kurzen Mittagspause starten wir zu unserer Schifffahrt auf dem berühmten See und landen - leider ohne Sichtung eines Seeungeheuers - eine gute halbe Stunde später an der bekanntesten Ruine Schottlands, Urquhardt Castle. Aufgrund der strategisch günstigen Lage direkt am See ist es über Jahrhunderte stark umkämpft gewesen. Bereits der Heilige Columban soll auf seinen Missionarszügen hier Unterschlumpf gefunden haben, der Clan Urquhardt ließ sich dann nieder und erbaute ein Lager, das dann im 14. Jahrhundert befestigt und vom Clan MacDonald verwaltet wurde. 200 Jahre später hatte die Burg an Bedeutung verloren und wurde schlussendlich von ihren Besitzern, den Grants, zerstört, damit sie nicht als Unterschlupf im Kampf der Jakobitern dienen konnte.
Nach unserer Besichtigung geht es dann mit dem Bus weiter entlang des Great Glen. Das Tal teilt die schottischen Highlands in die Northwest Highlands und die Grampian Mountains und wird durchzogen von den Seen Loch Ness, Loch Oich und Loch Lochy. Ebendiese Seen hat man zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter der Leitung Thomas Telfords zum Kaledonischen Kanal verbunden. Nur ein Drittel des 97 Kilometer langen Kanals mussten so künstlich geschaffen werden. Nichtsdestotrotz ist er ein technisches Meisterwerk, denn man musste eine Scheitelhöhe von 42 Metern mit insgesamt 29 Schleusen überwinden. Die beeindruckendste Schleusentreppe werden wir noch auf unserer Reise zu sehen bekommen.
In Invermorriston verlassen wir die A82 in Richtung Westen. Schon bald umgeben uns die hohen Berge von Kintail und wenig später erreichen wir Loch Duich. Hier befindet sich eine der berühmtesten Burgen Schottlands, das Eilean Donan Castle. Bekannt wurde die Burg aus dem 13. Jahrhundert vor allem durch ihre pittoreske Lage auf einer kleinen Landzunge, die bei Flut zu einer Gezeiteninsel wird und dann nur noch über eine steinerne Brücke zu erreichen ist. Eilean Donan Castle war einst der Stammsitz des Clan Mackenzie sowie der Macrae. Während der Jakobiten-Aufstände wurde die Burg zerstört und erst im 20. Jahrhundert restauriert und in den vermeintlichen Originalzustand des 18. Jahrhunderts zurückversetzt. Natürlich müssen wir hier noch einen Fotostopp einlegen bevor wir weiter zu unserem Hotel auf der Isle of Skye fahren.
Obwohl Skye die größte Insel der Inneren Hebriden ist, ist sie die am leichtesten zugängliche schottische Insel, denn seit 1995 sind die Orte Kyle of Lochalsh und Kyleakin mit einer Brücke verbunden und die Fährüberfahrt über den engen Sund ist nicht mehr nötig. Unser Hotel für die Nacht liegt unweit der Skye Bridge, direkt am Wasser - perfekt für einen Spaziergang nach dem Abendessen.
26.08.2026 Isle of Skye und Jacobite Steam Train
Wenn wir schon auf der Isle of Skye sind, dann müssen wir uns doch zumindest das ansehen, was man an einem Vormittag sehen kann - und vielleicht ein wenig Inspiration sammeln für die nächste Reise.
Nach dem Frühstück machen wir uns mit gepackten Koffern auf den Weg in die Inselhauptstadt Portree. Unterwegs genießen wir die fantastische Aussicht auf die Küste, hinüber zur Insel Raasay und zum schottischen Hauptland. Etwa auf halber Strecke legen wir einen Stopp ein an der alten Brücke von Sligachan. Es wird erzählt, dass diese einst mit Hilfe von Feen erbaut worden sein soll und wenn man sein Gesicht sieben Sekunden in das Wasser des Flüsschen Sligachan hält, soll man mit ewiger Schönheit gesegnet werden. Alte Mythen und Legenden haben bis heute große Präsenz auf Skye, genau wie die gälische Sprache, die hier auch im Alltag noch von vielen Einwohnern genutzt wird.
Wir erreichen Portree zeitig, sodass man noch ganz in Ruhe ein wenig Bummeln kann. Immerhin etwa 2000 Einwohner zählt das Hafenörtchen mit den bunt angemalten Fassaden und es gibt allerlei zu entdecken.
Nach einer guten Stunde machen wir uns dann auf den Weg zurück in Richtung Kyle of Lochalsh. Ein Stück fahren wir den gleichen Weg wie gestern, noch einmal vorbei am Eilean Donan Castle, durch Kintail und vorbei am Loch Cluanie, dann biegen wir ab in Richtung Invergarry. Hier treffen wir wieder auf den Kaledonischen Kanal. In Spean Bridge legen wir unsere Mittagspause ein, bevor es weitergeht auf eine der schönsten Panoramastraßen Schottlands, die sogenannte Route to the Isles.
Die A830 verläuft etwa 70 Kilometer fast parallel zur Trasse der West Highland Line und führt von Fort William, vorbei an Loch Eil, Loch Shiel und Locht Eilt bis nach Mallaig.
Bekannt geworden ist die Strecke vor allem aufgrund der Harry Potter-Verfilmungen, denn auf der Bahnstrecke verkehrt im Sommer auch der Jacobite Steam Train, besser bekannt als Hogwarts Express. Herzstück der Bahnstrecke ist das 30 Meter hohe und 380 Meter lange Glenfinnan-Viadukt, das zwischen 1897-98 erbaut wurde.
Glenfinnan ist allerdings auch historisch sehr spannend, denn hier soll Bonnie Prince Charlie während des letzten Jakobiten-Aufstandes 1745 angeblich das schottische Festland erreicht haben, vermutlich auf selber Strecke floh er auch, nicht einmal ein Jahr später, nach seiner Niederlage in Culloden und wurde von Flora MacDonald nach Skye gebracht. Daher hat der Zug auch seinen aktuellen Namen.
Wir sind natürlich rechtzeitig da, um unsere Beobachtungsposten für die Ankunft es Zuges zu beziehen und sind damit wahrlich nicht alleine. Relativ pünktlich kündigt sich dann auch der Dampfzug an. Wie er sich erst langsam und dann immer schneller über das 380 Meter lange Viadukt schiebt und dann nur wenige Meter unter uns vorbeirauscht ist wirklich ein tolles Erlebnis – eigentlich fast besser als drin zu sitzen.
Anschließend geht es entlang der Küste weiter für uns, auf einer der schönsten Strecken, die Schottland landschaftliche zu bieten hat. Angekommen in Mallaig können wir am Horizont noch einmal die Südküste von Skye sehen. Dann wird es Zeit, selbst in den Jacobite Steam Train einsteigen, um zurück nach Fort William zu fahren. Aufgrund anhaltender Streitigkeiten bezüglich der Sicherheit des historischen Zuges werden leider zum Teil Wagons eingesetzt, die neuer sind und bei denen sich die Fenster nur ein kleines Stückchen öffnen lassen. Wie gut, dass wir im Zug sitzen, und den schöneren Zug vorhin fotografieren konnten. Mit Argusaugen werden wir von unser Zugbegleiterin überwacht, dass auch bloß niemand seine Kamera auch nur einen Millimeter zu nah an die Fensteröffnung hält.
Nichtsdestotrotz genießen wir die tollen Aussichten auf unserer Fahrt und werden schlussendlich sogar noch mit einem grandiosen Blick auf den vollkommen wolkenfreien Ben Nevis belohnt. Was für ein gelungener Tag!
Am Bahnhof in Fort William erwartet uns Jan und wir treten die letzten Meter fahrt zu unserem Hotel an, wo schon das Abendessen auf uns wartet.
27.08.2026 Glen Coe, Inveraray und Loch Lomond
Bevor wir Fort William verlassen, machen wir am nächsten Morgen noch einmal einen kurzen Abstecher zur Schleusentreppe "Neptune's Staircase" am Beginn des Kaledonischen Kanals. Um alle acht Schleusen zu durchfahren, braucht man in etwa 90 Minuten und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 20 Metern. Auch Ben Nevis ist heute Morgen noch einmal in voller Schönheit zu sehen.
Unser Weg führt uns nun in Richtung Süden, entlang des Loch Linnhe, bis nach Onich. Hier überqueren wir die Ballachulish Bridge und legen eine kleine Versorgungspause ein, bevor uns das nächste Highlight erwartet.
Das Glen Coe ist eines der typischen, in der letzten Eiszeit geformten Täler. Aufgrund seiner tragischen Geschichten von Clanfehden, Intrigen und Verrat wird Glencoe auch das „Tal der Tränen“ genannt. Durch die dramatisch abfallenden Berge gibt es hier bei jeder Wetterlage faszinierende Spiele aus Licht und Schatten. Wir nutzen jede Möglichkeit die wir bekommen für Fotostopps entlang der nur etwa 12 Kilometer langen Durchfahrt und werden gleich beim Ersten von einem Bagpiper überrascht. Besser kann man gar nicht in den Tag starten.
Unsere Mittagspause legen wir in Tyndrum ein, wo wir zahlreiche Wanderer treffen, die auf dem West Highland Way unterwegs sind. Vorbei geht es dann am Loch Awe mit Blick auf die Ruine des Kilchurn Castle. Das ehemals fünfstöckige Towerhouse gehörte einst dem Clan Campbell, bevor es 1760 vom Blitz getroffen wurde und daraufhin niedergebrannt ist.
Am Nachmittag besuchen wir eines der un-schottischsten Castles Schottlands: Inveraray Castle, Sitz des Duke of Argyll und Clanchefs der Campbells seit dem frühen 15. Jahrhundert. Es erinnert eher an ein französisches Schlösschen mit seinen spitzen Türmen. Wir können uns in Ruhe die Innenräume, die Küche und den Garten ansehen.
Durch die herrliche Landschaft entlang der Meeresarme Loch Fyne und Loch Long erreichen wir später den Loch Lomond and the Trossachs Nationalpark. Nach einer letzten Fahrt durch die Berge geht es wieder hinunter ins Tal und wir erreichen mit dem Loch Lomond den größten See Großbritanniens. Auch der 974 Meter hohe Ben Lomond gut zu sehen, einer der 282 Munros in Schottland. Munros sind Berge, die über 3000 Fuß hoch sind und sie alle zu besteigen ist schottischer Nationalgeist schlechthin. Es wird langsam Zeit für uns, sich von den Highlands zu verabschieden - selbstverständlich mit dem dazugehörigen Parting Glass.
Unsere Weiterfahrt verläuft leider recht zäh, denn das Wetter und der nachmittägliche Berufsverkehr sorgen für ordentlich Verzögerung auf unserer Strecke. Schlussendlich erreichen wir jedoch am frühen Abend unser letztes Hotel in Peebles. Das Schlosshotel bietet einen gebührenden Abschluss für unsere gemeinsame Reise und wir lassen uns das Abendessen in schönem Ambiente gut schmecken.
28.08.2026 Abschied von Schottland: Durch die Borderlands zurück nach England
Mit dezimierter Passagierzahl verlassen wir am nächsten Morgen Peebles bei endlich mal richtig schottischem Wetter. Auf der alten Hauptverkehrsstraße durchqueren wir noch mehrere Kleinstädte mit der Auszeichnung Royal Burgh. Sie waren einst die Zwischenstationen, wo Reisende eine Mahlzeit und einen Schlafplatz finden konnten. Eine davon ist Melrose, bekannt vor allem wegen seiner Abtei, die im 12. Jahrhundert auf Wunsch des Königs David I. durch den Orden der Zisterzienser errichtet wurde. Wir wandeln weiter auf den Spuren des Nationaldichters Sir Walter Scott. Der in Edinburgh geborene Schriftsteller wählte die Borderlands um Melrose herum als seine Heimat und ließ sich in Abbotsford ein prächtiges Herrenhaus erbauen. In die umliegenden Hügel des Tweedtals kam er um sich inspirieren zu lassen. Am sogenannten Scott's View genießen auch wir den Blick in die herrliche Landschaft und können nachvollziehen, warum sich der Dichter entschieden hat, auch in dieser Landschaft seine letzte Ruhe finden zu wollen. Unweit liegt nämlich die Ruine eines weiteren Klosters, Dryburgh Abbey. Die Reformation überlebte auch das ehemalige Prämonstratenser-Kloster nicht, es wurde zunächst enteignet, dann geschliffen und schlussendlich dem Verfall überlassen. Noch heute zeugen die erhaltenen Ruinen von der einstigen Pracht des Klosters. Doch obwohl es längst in Ruinen lag, wollte Sir Walter Scott genau hier beigesetzt werden - und sein Wunsch wurde verwirklicht. So können wir nicht nur die pittoreske Ruine besuchen, sondern auch das Grab des Nationaldichters.
In Jedburgh legen wir später einen letzten Stopp ein bevor wir uns gegen Mittag von Schottland verabschieden müssen. Am Grenzstein an der Carter Bar halten wir ein letztes Mal an und werden auch prompt vom lokalprominenten Dudelsackspieler Alan überschwänglich begrüßt. Auch wenn er mittlerweile merklich Probleme mit dem Dudelsack spielen hat, ist seine Herzlichkeit noch immer dieselbe. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge und einem Rucksack voller Erinnerungen geht es nun durch die Hügellandschaft Norththumberlands in Richtung Newcastle. Der Check In an der Fähre verläuft relativ problemlos und so können wir schon bald unsere Kabinen auf der King Seaways beziehen. Beim letzten gemeinsamen Abendessen lassen wir noch einmal die Reise Revue passieren und es werden schon die ein oder anderen Pläne für das nächste Jahr geschmiedet.
29.08.2026 Heimreise
Am nächsten Morgen erreichen wir pünktlich den Hafen von IJmuiden. Das Verlassen des Schiffes und das Einreisen in die EU geht relativ zügig und schon nach wenigen Minuten sitzen wir im Bus in Richtung Heimat. Wir durchqueren die Niederlande in zähem Verkehr und am Mittag erreichen wir endlich die Grenze zu Deutschland. Es geht weiter durch Nordrheinwestfalen und Hessen über Kassel nach Thüringen. Gegen Abend verabschieden wir unsere ersten Mitreisenden in Weimar und Jena, dann ist es bis nach Sachsen nicht mehr weit. Die Ersten sehnen sich schon zurück nach Schottland, denn selbst gegen Abend sind die Temperaturen immer noch sommerlich. Wie heißt es so schön? Nach der Reise ist vor der Reise – und mit schönen Erinnerungen lässt sich doch wunderbar der nächste Urlaub planen.
Liebe Reisegäste,
wir möchten uns ganz herzlich bedanken, dass Sie sich entschieden haben, mit uns nach Schottland zu fahren. Es hat uns wie immer viel Freude beschert, Ihnen eine unserer liebsten Destinationen näherzubringen und wir hoffen, dass Sie schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen haben.
Wir würden uns freuen, wenn wir uns bei einer nächsten Reise wiedersehen und wünschen allen alles Gute und das nötige Quäntchen Reiselust.
Herzlich,
Sinah und Jang
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