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Rundreise England – Wales – Schottland

Reisebericht: 29.07. – 09.08.2026

Die Britten sind es gewohnt, Dinge auf ihre eigene Weise zu tun. Zum Beispiel der Linksverkehr, 1835 noch vor der Erfindung des Automobils eingeführt. Warum Linksverkehr? Eine sehr gute Frage...

Dr. Burkhard Herpich

Ein Reisebericht von
Dr. Burkhard Herpich

© Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL) © Burkhard Herpich (Eberhardt TRAVEL)

Anreise nach Calais in Frankreich

In den frühen Morgenstunden brachen sechs Reisegäste mit unserem Bus und Busfahrer Stephan vom Dresdner Flughafen in Richtung Calais auf. Ein weiterer, letzter Reisegast stieg an der Raststätte Teufelstal zu. Jetzt fehlte nur noch der Reiseleiter. Ich stieg am Erfurter Flughafen in den Bus ein. Allerdings fehlten noch weitere zehn Reisegäste. Zwei Reisegäste hatten die Fluganreise gewählt und sollten am nächsten Tag in London sich uns anschließen. Acht weitere Reisegäste waren schon mit einer anderen Eberhardt Reisegruppe in London. Sie sollten am Freitag in Windsor zu uns stoßen.

Wir kamen sehr gut auf der Autobahn gen Westen voran. An der Autobahnraststätte Reinhardshain in Hessen fand unser Fahrerwechsel statt. Ernst hieß unser neuer Busfahrer, der von nun an unseren Bus lenken sollte. Trotz einiger Baustellen und erhöhtem Verkehrsaufkommen sind wir auf unserer Weiterfahrt nach Calais recht gut in unserem Zeitplan geblieben. Bei Aachen haben wir Deutschland verlassen. Wir durchquerten Belgien. Wir kamen gut voran. Dann endlich die französische Grenze! Nun war es fast geschafft!

Unser Bus hielt in Calais direkt vor unserm Hotel. Das Einchecken ging schnell von statten. Kurz darauf haben wir uns zum gemeinsamen Abendessen getroffen. Es gab es ein leckeres 3-Gänge-Menü.

Ein anstrengender langer Tag neigte sich nun wesentlich relaxter seinem Ende entgegen. Wem die nötige Bettschwere fehlte, konnte an der Bar noch einen Absacker nehmen…

Fährüberfahrt nach Dover – Stadtrundfahrt in London – Windsor–Slough

Nach einem recht frühen Frühstück fuhren wir direkt zu Fährhafen. Dort herrschte kaum Betrieb. Die Größe des Fährhafens lässt jedoch erahnen, was zu Stoßzeiten alles los sein kann.

Die französischen und englischen Reisepass- und Sicherheitskontrollen haben wir zu Fuß zügig passiert. Dann ging es weiter mit dem Bus zum Wartebereich für die Fähre. Dort angekommen, war noch Zeit zum Aussteigen. Wer wollte, konnte im Hafengebäude Geld tauschen, was im Duty-Free Shop kaufen oder einfach nur die Seele baumeln lassen und die frische Seeluft schnuppern. Wir hatten sonniges, leicht windiges Wetter. Am Horizont waren die Kreidefelsen von Dover zu erkennen.

Schließlich ging es im Bus auf die Fähre. Auf der Fähre angekommen, mussten wir alle aussteigen. Für die Distanz zwischen Calais und Dover, die ca. 32 km beträgt, ist eine Fahrzeit von ca. 90 Minuten veranschlagt, abhängig vom Wetter und Wellengang. Wir hatten bei sonnigem Wetter eine ruhige Überfahrt nach Dover. Kaum Seegang. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Calais konnten wir sogar Robben sehen, die sich im Sand sonnten. Es war Ebbe.

Die vor uns liegenden Kreidefelsen von Dover werden größer und größer. Hoch oben über Dover thront das mächtige Dover Castle. Das Dover Castle gilt wegen seiner perfekten strategischen Lage an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals als der „Schlüssel zu England“.
Im Fährhafen von Dover angekommen, hieß es im Bus wieder Platz zu nehmen. Wir fahren im Bus von der Fähre.
Und spätestens jetzt nicht vergessen: Die Uhren sind eine Stunde zurückzustellen. Entweder geht das automatisch oder eine manuelle Umstellung muss vorgenommen werden.

Um einen Eindruck von den Kreidefelsen gewinnen zu können, machten wir unweit von Dover einen kurzen Stopp im Samphire Hoe Country Park und atmeten bei bestem Sonnenschein die herrliche Seeluft ein. Unser Stopp war leider viel zu kurz. Wir mussten aufbrechen in Richtung London.

London kam näher und näher. Im Großraum von London konnten wir die Skyline von London bewundern und einen ersten Eindruck vom zähfließenden Londoner Straßenverkehr gewinnen. Trotzdem waren wir etwas früher im Parkhaus unweit des Towers. Unsere Stadtführerin Heike war noch nicht da. So sind wir erst mal allein die wenigen Schritte zum Tower gelaufen und haben uns dort mit einer Portion Fish & Chips gestärkt. Zum vereinbarten Zeitpunkt zurück im Parkhaus trafen wir Heike. Heike stammt aus Deutschland. Ursprünglich als Au-pair für ein halbes Jahr nach England gekommen, lebt sie nun schon seit 17 Jahren in London.

Unsere beiden Reisegäste, die per Flugzeug angereist sind, stießen pünktlich zu uns. Perfekt, die Stadtrundfahrt konnte beginnen. Für unseren Busfahrer Ernst war es keine leichte Aufgabe, unseren Bus durch die Londoner Innenstadt zu manövrieren.
Wir sind zunächst über die Tower Bridge auf die andere Themse-Seite gefahren. Von dort hatten wir einen fantastischen Blick auf den Tower of London, die Tower Bridge und die HMS-Belfast.

An der St. Pauls Kathedrale haben wir unseren nächsten Stopp eingelegt. Hier haben Charles und Diana am 29.07.1981 geheiratet. Am nahegelegenen Einkaufszentrum sind wir mit dem Fahrstuhl bis zur Dachterrasse hochfahren und hatten einen grandiosen Blick auf die St. Pauls Kathedrale und die Londoner Innenstadt. Bevor wir wieder in den Bus einstiegen, sind wir noch zur Millennium Bridge gelaufen.

Visuelle Highlights während unserer Stadtrundfahrt waren u.a. die Fleet Street, der Trafalgar Square mit dem Admiral Nelson Denkmal, Piccadilly Circus, die Parlament Street mit einem kurzen Blick in die Downing Street Number 10, das London Eye, Houses of Parlament mit dem Glockenturm Big Ben, der 2012 anlässlich des diamantenen Thronjubiläums von Elisabeth II. in Elizabeth-Tower umbenannt wurde.

Heike hat uns auch viel über den großen Brand von London im Jahr 1666 erzählt.

Schließlich ging es im Bus in Richtung Buckingham Palast. Am Buckingham Palace sind leider keine Busse erlaubt. Doch Heike kannte etwas abseits eine gute „Insider“ Parkmöglichkeit. Wir sind ausgestiegen. Bei fantastischem Wetter hatten wir einen guten Blick auf den Buckingham Palast. Charles III. war nicht da. Auf dem Buckingham Palast war der Union Jack gehisst. Ist Charles III. da, ist der Royal Standard gehisst.

Am Ende unserer Stadtrundfahrt ging es vorbei am berühmten Hyde Park mit seiner Speakers Corner zur Royal Albert Hall mit dem Albert Memorial gegenüber. In einer Seitenstraße haben wir uns von unserer Stadtführerin Heike verabschiedet.

Nun lag noch eine gute Stunde Fahrt vor uns nach Windsor zu unserem Hotel. Wie nicht anders erwartet, hat auch uns das Stopp and Go zur Rush Hour in London nicht verschont. Wir sind aber dennoch gut vorangekommen.

Ein erlebnisreicher langer Tag neigte sich dem Ende entgegen. Jetzt nur noch im Hotel einchecken, dann entspannt zu Abend essen und den Tag ausklingen lassen…

Windsor Castle – Universitätsstadt Oxford – Coventry

Ein neuer Tag. Heute stand zunächst Windsor mit dem berühmten Windsor Castle auf dem Programm.

Nach einem ausgiebigen Frühstück hieß es Gepäck laden und zu neuen Erlebnissen aufbrechen.

Jetzt sollten auch unsere acht noch ausstehenden Reisegäste aus London zu uns stoßen. Sie kamen und kamen nicht. Ein Telefonat brachte Klärung. Es gab Missverständnisse bezüglich des Transfers von London nach Windsor.
Um Zeit zu sparen und möglichst weit vorne in der Warteschlange am Einlass von Windsor Castle zu stehen, wurde als neuer Treffpunkt der Busparkplatz von Windsor vereinbart.

Der Busparkplatz ist nach kurzer Fahrt erreicht. Hier wird Ernst für die nächsten Stunden parken und auf uns warten. Noch sind nicht ganz so viele Busse da. Das lässt hoffen bezüglich Besuchermengen im Windsor Castle. Glücklicherweise sind auch unsere acht noch fehlenden Reisegäste ein paar Minuten später eingetroffen. Das hat ja noch mal geklappt! Nach einer kurzen Begrüßung brechen wir zu Fuß auf zum Windsor Castle.

Vom Parkplatz laufen wir zunächst über Treppen zur Royal Station. Aus dem Bahnhofsbereich heraus geht es nach rechts vorbei am Königin Victoria Denkmal zum Einlass ins Windsor Castle. Wir waren natürlich nicht die Ersten! Hinter uns wuchs die Schlange. Schließlich wurde Windsor Castle geöffnet. Nach dem Eingangsbereich muss man zunächst durch eine Sicherheitskontrolle, die wir erfreulicherweise recht zügig passiert haben. Routiniertes, sehr freundliches Personal. Jetzt sind wir im Windsor Castle. Weiter ging es gemeinsam zu den Audioguides. Die Kopfhörer gab’s ein paar Meter weiter. Von nun an konnte jeder nach Herzenslust Schloss Windsor nach seinen eigenen Interessen erkunden. Wer wollte, konnte sich mir zum St. George‘s Chapel anschließen. Hier befindet sich u.a. die Vierer-Grabstätte von Prinz Phillip, seiner Gemahlin Queen Elizabeth II. und ihren Eltern George VI. und Elizabeth.
Auf einer im Boden eingelassenen Gedenktafel wird an Heinrich VIII., Jane Seymor, seiner dritten Frau sowie an Charles I., der 1649 im Zuge der englischen bürgerlichen Revolution enthauptet wurde, erinnert. Eine äußerst beeindruckende Kirche. Wer drinnen war, wird es bestätigen.

Mit der Wachablösung (Changing the Guard) hatten wir leider kein Glück. Heute gab es leider keine. Dafür hatten wir bestes Wetter!

Von Windsor Castle aus kann man über die Themse nach Eton mit dem berühmten Eton-College schauen. Prinz William und Prinz Harry besuchten beide das Eton-College.

Vielleicht hat ja doch jemand auf dem Rückweg zum Bus einen kleinen Abstecher zum schiefen Haus und zur Queen Charlotte Street, der mit 15,8 Metern kürzesten Straße in ganz Großbritannien, unweit des Windsor Castles, gemacht?

Weiter ging es nach Oxford, der neben Cambridge weltbekannten Universitätsstadt nördlich von Windsor. Aufgrund von hohem Verkehrsaufkommen kamen wir etwas verspätet in Oxford an. Die Sonne schien und es war recht warm.
Am Märtyrer Memorial erwartete uns bereits Susanne, unserer Stadtführerin. Mit ihrem schier unerschöpflichen Wissensschatz hat sie uns die alt-ehrwürdige Universitätsstadt Oxford bei einem Stadtrundgang zu Fuß nähergebracht. Highlights waren u.a. das Märtyrer Memorial, Sheldonian Theatre, Radcliffe Camera, Bridge of Sighs, Bodleian Library, Christ Church… Susanne hat zum Verweilen fast immer ein schattiges Plätzchen gefunden. Wie unschwer im Straßenbild zu erkennen war, fand am heutigen Tag auch die feierliche Verleihung der akademischen Grade statt. Unzählige Studenten waren in ihrer Robe Academicus (schwarzer Talar und schwarzer, viereckiger Hut mit einer Quaste) unterwegs. Die feierliche Verleihung der akademischen Grade erfolgt traditionell im Sheldonian Theatre.

Etwas geschafft von der interessanten Stadtführung fuhren wir mit unserem Bus weiter nach Coventry, wo wir unser nächstes Hotel hatten. Diesmal für zwei Übernachtungen! Darüber freute sich jeder!

Coventy – Auf Shakespeares Spuren in Stratford–upon–Avon – Cotswolds mit Afternoon Tea

Am heutigen Tag fuhren wir nach dem Frühstück mit unserem Bus zur alten und neuen Kathedrale St. Michaels in Coventry. Unser Bus konnte vor der Kathedrale parken.

Am 14. November 1940 hatten deutsche Bomber in nur drei Stunden die englische Industriestadt bei einem verheerenden Nachtangriff (Deckname „Coventry-Blitz“) mittels einer Kombination aus Brand- und Sprengbomben fast vollständig zerstört. Das Ausmaß der Zerstörung konnten wir bei der Besichtigung der Ruine der alten Kathedrale erahnen. Von der alten Kathedrale blieben nur der Turm und bei paar Mauerreste übrig. Schon einen Tag später wurde beschlossen, die Kathedrale wieder aufzubauen, was natürlich erst nach dem Ende der II. Weltkriegs realisiert werden konnte. Die alte Kathedrale wurde perfekt in den Neubau integriert. Davon konnten wir uns überzeugen.

Doch bevor wir in die neue Kathedrale gingen, machten wir noch einen kleinen Abstecher zur Holy Trinity Church. Obwohl nur einen Steinwurf entfernt von der alten Kathedrale, blieb sie wie durch ein Wunder während des deutschen Bombenangriffs fast völlig unbeschädigt. Was macht diese Kirche so interessant? In der Kirche im Bogenzwickel des Laternenturms befindet sich ein, für England ungewöhnliches, spätmittelalterliches Gemälde mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts. Dieses bemerkenswertes „Doom”-Gemälde aus dem 15. Jahrhundert wurde 2004 wiederentdeckt und restauriert.
Ich hatte im Vorfeld eine Führung in der Holy Trinity Church für uns organisiert. Nick erwartete uns bereits. Nick erzählte uns viel über die Geschichte der Kirchen in Coventry von den frühen Anfängen bis in die Gegenwart. Natürlich erklärte er auch warum das „Doom“-Gemäldes die Reformation und die Zeiten danach überstanden hat. Es war mit weißer Farbe übermalt worden.
Äußerst interessant waren auch seine Ausführungen zu den ersten Bibelübersetzungen vom Lateinischen ins Englische.

Nach der Holy Trinity Church sind wir noch in die neue, sehr beeindruckende und sehr große neue St. Michael‘s Kathedrale gegangen. Besonders beeindruckend sind das Holzkreuz aus zwei verbrannten Dachbalken der alten Kathedrale, das Nagelkreuz aus drei Zimmermannsnägel und die Friedenglocke. Letztere wurde am 14. November 1990 zum 50. Jahrestag des verheerenden deutschen Luftangriffs vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker an Königin Elizabeth, die Queen Mother, übergeben. Sie trägt die Inschriften „PEACE“ und „FRIEDE“ als Zeichen der Versöhnung.

Weiter ging unsere Reise nach Stratford-upon-Avon, Shakespeares Geburtsort und Wohnsitz seiner Kindheit und Jugend sowie seiner letzten Lebensjahre.
Am Busparkplatz angekommen, sind wir zu Fuß aufgebrochen, um Stratford-upon-Avon zu erkunden. Am Informationscenter vorbei, wo es erst mal für alle einen Stadtplan gab, sind wir zur Holy Trinity Church gelaufen. William Shakespeare, gestorben in Stratford im April 1616, wurde hier beigesetzt. Im hinteren Teil der Holy Trinity Church befindet sich Shakespeares Grab. Wir bekamen auch eine sachkundige Führerin zur Hand. Zwar waren ihre sehr detaillierten Erklärungen in Englisch. Ich konnte aber für alle ins Deutsche übersetzen.

Nach dem Besuch der Kirche konnte jeder nach seinem Belieben Stratford-upon-Avon auf eigene Faust entdecken.

William Shakespeare wurde Stratford im April 1564 geboren und getauft. Sein Geburtshaus ist noch recht gut erhalten und kann besichtigt werden. Läuft man durch Stratford, ist Shakespeare allgegenwärtig und wird ordentlich vermarket.

Mit vielen Eindrücken wieder im Bus zurück, ging es weiter nach Stonehouse, einer kleinen Stadt in den Cotswolds. Die Cotswolds sind eine ca. 2.000 m² große ländliche Region mit vielen kleinen Dörfern und Weihern, die auch als das Herz Englands bezeichnet wird.
Im Stonehouse Court Hotel wartete ein typischer britischer Afternoon Tea auf uns. Beim Afternoon Tea handelt es sich um ein britisches Ritual, das es bereits seit ca. 1840 gibt. Im Grunde genommen ist es sich um eine Mini-Mahlzeit am Nachmittag, die den größten Hunger bis zum eigentlichen Abendessen vertreiben soll. Der Afternoon Tea besteht in aller Regel aus drei Gängen. Gang Eins besteht aus Sandwiches, im Gang Zwei folgen Scones mit Clotted Cream und Konfitüre. Im dritten Gang darf man sich über Kuchen, Schokolade oder Kekse freuen. Serviert wurde in Etageren. Jeder konnte sich nach Herzenslust bedienen. Guten englischen Tee, den jeder gerne auch mit Milch trinken konnte, gab es reichlich dazu. Wahlweise Kaffee natürlich auch. So mini war unsere Afternoon Tea Mahlzeit nicht. Ich konnte den ein oder anderen Wunsch nach (leider nicht vorhandenen) Tupperdosen an den Augen förmlich ablesen.

Sehr gut gestärkt ging es weiter mit unserem Bus in den nach Cirencester, der mit ca. 20.000 Einwohnern größten Stadt der Cotswolds.
In Cirencester angekommen, stiegen wir relativ zentrumsnah aus unserem Bus aus und gingen zur beeindruckenden Parish Church St. John Baptist (Kirche St. Johannes der Täufer), die die Ausmaße einer Kathedrale hat. Die Kirche war leider geschlossen. Dann halt eben ein kleiner Abstecher über den Markt. Für sehr viel mehr blieb leider keine Zeit. Der Nachmittag war schon ziemlich fortgeschritten.

Durch die landschaftlich beeindruckenden Cotswolds ging es wieder zurück nach Coventry.
Am Hotel angekommen, waren alle recht froh, mal nicht einchecken zu müssen, sondern gleich aufs Zimmer zu können.

Arley Arboretums & Gartens – Ironbridge – Stadtführung in Chester

Das warme sonnige Wetter der letzten Tage schien sich auch heute fortzusetzen. Nach dem Frühstück ging’s erst mal in die Natur. Der botanische Garten von Arley, 1779 gegründet, stand auf unserem Plan. Dieser botanische Garten ist hauptsächlich ein Baum- und Sträucher-Garten, worauf der Name Arboretum hinweist. Im Arley Arboretum gibt es über 300 (!) verschiedene Baum- und Straucharten. Wer wollte, konnte nach Herzenslust im Arboretum herumschlendern oder im Café am Eingang verweilen.

Weiter ging es zur ersten gusseisernen Brücke der Welt, nach Ironbridge. Sie überspannt seit 1779 den Fluss Severn. Da noch Zufahrtswege gebaut werden mussten, wurde die Brücke erst am Neujahrstag 1781 eröffnet. Der Straßenverkehr über die Brücke wurde bereits 1934 eingestellt. Kurios: Wer über die Brücke als Fußgänger wollte, musste noch bis 1950 ein Wegegeld zahlen. Da haben wir nochmal Glück gehabt!

Nun ging es weiter nach Chester, einer Stadt am Fluss Dee an der Grenze zu Wales, unserem letzten Ziel für den heutigen Tag. Glücklicherweise konnten wir gleich in Hotel einchecken, wieder für zwei Nächte. Klasse!

Unser Stadtführer Peter hat uns in unserem Hotel bereits erwartet. Zu Fuß ging es zum historischen Stadt¬kern von Chester. Wir passierten den Durchgang durch die Stadtmauer, der abends auch heute noch immer verschlossen wird (die Bewandtnis hierzu hat uns Peter erzählt) und gingen durch die Stadtmauer bis hinter die Kathedrale von Chester.

Nach der Kathedrale ging es weiter zu Fuß durch den historischen Stadtkern von Chester. Highlights waren u.a. Chester Cross, natürlich die Rows (aus dem Mittelalter stammende, in Stockwerkshöhe gelegene Fachwerk¬kolonnaden), Eastgate Clock und die Reste eines römischen Amphitheaters. Wie so viele Städte in England geht auch Chester auf eine römische Ansiedlung zurück. Das römische Amphitheater von Chester stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus und ist das größte bisher in Großbritannien entdeckte Amphitheater. Es wurde 1929 zufällig entdeckt und in den 1970er Jahren teilweise ausgegraben.

Zurück bei den Rows endete dieser sehr informative Stadtrundgang. Es war noch etwas zeitlicher Spielraum für eigenes Erkundungen in Chester vorhanden, der dankbar genutzt wurde. Zu Fuß ging es in Eigenregie zurück zum Hotel.

Beim Abendessen konnte man entspannt den abwechslungsreichen Tag noch einmal Revue passieren lassen.

Wales: Küstenort Conwy – Bahnfahrt von Blaenau Ffestiniog nach Porthmadog – Caernarfon Castle – Llanfair PG – Menai Meerenge

Heute sind wir nach Wales bei schönstem Wetter aufgebrochen. In Wales lernt man in der Schule Walisisch. Englisch ist die zweite Sprache. Schon an der Autobahn waren die Ortsnamen zweisprachig ausgewiesen.

Unser erstes Ziel war Conwy, ein kleiner, scheinbar verschlafener Ort an der Nordküste von Wales mit einem beindruckenden Castle aus dem 13. Jahrhundert. An der Uferpromenade konnten wir alle eine Brise guter Seeluft inhalieren. Hier befindet sich auch das kleinste Haus des Vereinigten Königreichs. Wir wollte, konnte gegen einen kleinen Obolus hinein. Bitte nicht drängeln! Und nicht alle auf einmal! Danach war noch etwas Zeit für eigene Entdeckungen.

Conwy kann aber noch mit ganz Anderem aufwarten, nämlich mit Abenteuern für Busfahrer! Ernst musste sein ganzes fahrerisches Können aufbieten, um durch ein enges Stadttor zu fahren, das wir passieren mussten. Wir hatten alle schon Bedenken, wie ein Pfropfen stecken zu bleiben…

Weiter ging unsere Fahrt durch das herrliche Conwy-Tal im Snowdonia Nationalpark auf idyllischen schmalen Sträßchen nach Blaenau Ffestiniog, einer Kleinstadt, bekannt durch ihre Schieferbrüche und ihre Schmalspurbahn.

Dort stand eine Fahrt mit einem historischen Dampfzug-Schmalspurbahn nach Porthmadog auf unserer Agenda. Die Ffestiniog Railway, gegründet 1832, ist die älteste aktive Schmalspurbahn und zugleich die älteste noch existierende private Eisenbahngesellschaft weltweit. Der Erstbetrieb war 1836 und ursprünglich für den Transport von Schiefer (= feuerfestes Dachmaterial) konzi¬piert. Die Spurweite von rund 600 Millimetern kam aus dem Bergbau. Die mit Schiefer beladenden Züge wurden durch Schwerkraft zu Tale gebracht. Die Leer-Züge wurden bergauf mit Hilfe von Pferden gezogen. Die Talfahrt mit zwei Bremsern dauerte ca. 90 Minuten, bergauf hingegen 6 Stunden! In den 1860er Jahren wurde auf Lokomotiv-Betrieb umgestellt. Ein paar Fakten: Die Streckenlänge zur Hafenstation Porthmadog beträgt knapp 22 km. Dabei ist ein Höhenunterschied von 217 m zu bewältigen. Je zwei Schlepptender-Lokomotiven wurden 1863, 1864 und 1867 angeschafft. Der erster offizieller Personentransport fand 1865 statt.

Die Fahrt nach Porthmadog brachte uns den unverfänglich typischen Geruch einer kohle-befeuerten Dampfeisenbahn wieder in Erinnerung und führte uns bei bestem Wetter durch die herrliche Naturlandschaft im walisischen Snowdonia-Nationalpark. Hier ist auch der höchste Berg von Wales zu finden, der Mount Snowdon mit einer Höhe von 1.085 Metern. Für uns war ein Waggon reserviert. Für die Fahrt hatte ich echte walisische Kekse, gekauft in einer Bäckerei in Conwy, besorgt, was gut ankam.

Unser nächstes Ziel w ar das Caernarfon Castle. Ursprünglich als Militärbastion gegründet, wurde im Caernarfon Castle erstmals 1301 der Titel Prince of Wales verliehen. Seit dieser Zeit ist der Titel Prince of Wales der traditionelle Titel des Thronfolgers, in der Regel des ältesten lebenden Sohnes des jeweiligen britischen Monarchen. Der heutige König Charles III. wurde am 26. Juli 1958 als Neunjähriger zum Prince of Wales ernannt, einge¬setzt am 1. Juli 1969 im Caernarfon Castle. Davon zeugt eine Erinnerungstafel im Castle. Prince William, ältester Sohn von König Charles III., wurde von ihm am 08.09.2022 zum Prince of Wales ernannt.

Das Caernarfon Castle und das kleine Örtchen Caernarfon konnten auf eigene Faust erkundet werden. War jemand in der kleinsten Bar von Wales?

Unser nächstes Ziel war die Insel Angelsey, einem Natur- und Vogelparadies, das durch zwei Brücken mit dem walisischen Festland verbunden ist. Wir fuhren über die Britannia-Brücke zunächst zu einer kleinen Bahnstation. Warum gerade hierhin? Was ist das Besondere? Der Ort und damit die Bahnstation heißt mit vollen Namen: Llanfairpwll-gwyngyllgogery-chwyrndrobwll-llantysilio-gogogoch. Ein echter Zungenbrecher! Mit 58 Buchstaben hat dieser Ort den längsten amtlichen Ortsnamen, nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern auch in Europa.

Der Name Llanfairpwll-gwyngyllgogery-chwyrndrobwll-llantysilio-gogogoch bedeutet:
„Marienkirche in einer Mulde weißer Haseln in der Nähe des schnellen Wirbels und der Tysiliokirche bei der roten Höhle.“ Kann da jemand mit was anfangen? Ich jedenfalls nicht!

Oft wird der Ortsname mit Llanfairpwllgwyngyll, Llanfair PG oder Llanfair abgekürzt.
Im 19. Jahrhundert erdachte ein Schuhmacher diesen Zungenbrecher, um den damalige Ort für den Handel attraktiver zu machen und die Eisenbahngesellschaft dazu zu bewegen, an der Hauptstrecke London–Manchester–Holyhead (liegt auf Angelsey, Fährverkehr nach Irland) einen Bahnhof einzurichten. Hat ja auch bestens funktioniert, oder?

Nach unserem Stopp an der Bahnstation Llanfair PG fuhren wir weiter zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir die beiden Brücken, die Britannia Brücke und die Menai-Hängebrücke, die die Menai-Straße überspannen, sehr gut sehen konnten. Die Meani-Straße ist die ca. 25 km lange Meerenge, die die Insel Angelsey vom walisischen Festland trennt.

Nach diesem Fotostopp fuhren wir wieder über die Britannia-Brücke auf das walisische Festland.
Nun hieß es Abschied nehmen von Wales und wieder zurückzufahren zu unserem Hotel nach Chester.
Ein Tag voller Erlebnisse liegt hinter uns.

Bootsfahrt auf dem Lake Windermere im Lake District – Weiterfahrt nach Schottland – Gretna Green – Glasgow

Nach einem ausgiebigen Frühstück luden wir wieder unser Gepäck in unseren Bus.

Heute führte uns unsere Fahrt zunächst in den Lake District National Park nach Bowness-on-Windermere. Obwohl wir keine Messer dabeihatten, wollten heute alle in See stechen, d.h. eine Bootsfahrt auf dem Lake Windermere, dem größten See Englands, unternehmen. Das Wetter passte leider nicht, wolkenverhangen und regnerisch, aber zum Glück kaum Wind. Gut, bei schönem Wetter kann jeder eine Bootstour unternehmen. Jedes Wetter hat seine Reize!

Angekommen in Ambleside, nach einer kleinen Pause, machten wir uns auf dem Weg in Richtung Schottland.
Bis kurz vor Schottland waren die Römer gekommen. Unweit der heutigen Landesgrenze zwischen England und Schottland liegt auf englischer Seite der Hadrianswall, ein römisches Grenz-befestigungssystem. Diese nördliche Grenze des römischen Reiches auf den britischen Inseln hat eine Länge von rund 118 km und reicht von Newcastle im Osten bis zum Solway Firth im Westen.

Unser erster Halt in Schottland war das nahe der englischen Grenze gelegene Gretna Green. Gretna Green wurde bekannt durch seine sogenannten Ausreißer-Hochzeiten.
Lange Zeit galten in England keine festen Regeln zur Schließung einer Ehe. 1753 wurde ein Gesetz beschlossen, das u.a. für eine Heirat zwischen Minderjährigen die Ein¬willigung der Eltern forderte. Dieses Gesetz galt nur für England, nicht aber in Schottland. Dort durften weiterhin Jungen mit 14 und Mädchen mit 12 Jahren eine Ehe ohne elterliche Zustimmung schließen. Diese Regelung sprach sich schnell herum: Viele minderjährige Paare flohen aus England und das erste Dorf hinter der schottischen Grenze war Gretna Green. Das schottische Gesetz verlangte seinerzeit zu einer Eheschließung lediglich eine Erklärung in Anwesenheit von zwei Zeugen, so dass beinahe jeder zur Abnahme einer Ehezeremonie berechtigt war. In Gretna Green hatte sich der Schmied als Amtsperson für die Eheschließung etabliert. Die Hochzeiten fanden in seiner Schmiede statt, und der Amboss bekam bei den dortigen Trauungen eine besondere Bedeutung. Die Trauungen wurden vor dem Amboss durchgeführt und zum Ende der Zeremonie mit einigen Hammerschlägen auf den Amboss bekräftigt. Ein Prominenter, den wir alle kennen, hat seine erste Ehe 1967 auch in Gretna Green geschlossen: unser ehemaliger Außenminister Joschka Fischer.

Weiter ging die Fahrt nach Glasgow, der größten Stadt in Schottland. Dort sind wir zur St. Mungo’s Kathedrale gefahren und ausgestiegen. Die Kathedrale war leider schon geschlossen. Das Bewundern ging also nur von außen. An einer Laterne vor der Kathedrale waren vier Symbole zu erkennen: ein Baum, ein Vogel, ein Fisch mit einem Ring und eine Glocke. Diese Symbole repräsentieren das Leben und die Wunder des Heiligen Mungo, dem Schutzpatron und Gründer der Stadt Glasgow.
Anschließend gingen wir hinauf auf einen Gräber-Hügel, östlich hinter der Kathedrale gelegen, die Necropolis. Einfach beeindruckend! Zentraler und fast höchster Punkt ist das Denkmal des schottischen Reformators John Knox. Oben von der Necropolis hatte man einen wunderbaren Blick auf Glasgow.

Weitere Haltepunkte wie zum Beispiel der George Square mit dem Rathaus und dem Denkmal von Sir Walter Scott waren leider nicht möglich, da das Stadtzentrum von Glasgow derzeit eine einzige große Baustelle ist und deshalb viele Straßen gesperrt sind. Zudem war noch Rush Hour.
Also zum Hotel fahren und möglichst zügig einchecken hieß die Devise und dann zum Abendessen.

Loch Lomond – Glencoe – Loch Ness mit Urquhart Castle

Das Kofferladen nach dem Frühstück war wie immer unproblematisch. Jeder hat sich inzwischen auf das fast tägliche Kofferladen mental eingestellt. Ein langer Fahrtag mit dem Bus lag vor uns.

Der erste Halt unserer heutigen Fahrt in die schottischen Highlands war der kleine denkmalgeschützte Ort Luss, gelegen in einem Naturschutzgebiet am Westufer des Loch Lomond. Hier kann man die pedantisch gepflegten bunten Blumengärten bewundern und die Seele am Seeufer einfach baumeln lassen. Vielleicht hört man ja auch das traditionelle Lied über den Loch Lomond: „The Bonnie Banks o‘ Loch Lomond“? Wir haben diesen Song natürlich im Bus gespielt!

Weiter ging unsere Fahrt durch die herrliche Natur Schottlands nach Glencoe. Wo möglich, wurde unterwegs ein Fotostopp eingelegt. Im Glencoe Visitor Center konnte man sich sowohl über Flora und Fauna, Wandern und Bergsteigen als auch über das Massaker von Glen Coe im 17. Jahrhundert informieren. Das Massaker von Glencoe am 13.02.1692 war ein politisch motiviertes Massaker gegen den Clan der Mac Donalds. Alle Mitglieder des Mac Donald Clans sollten auf Befehl König William III. unter dem kommandierenden Offizier der Regierungstruppen Robert Campbell of Glenlyon bis zu einem Alter von 70 Jahren getötet werden. Ein Mahnmal erinnert heute an das Massaker an den Mac Donalds.

Kurz vor Fort William haben wir durch eine Straßen-Baustelle eine gute dreiviertel Stunde an Zeit verloren. Dennoch haben wir einen Abstecher zur Neptune’s Staircase (Schleusentreppe) gemacht. Diese berühmte achtfache Koppelschleuse im Kaledonischen Kanal nahe Banavie bei Fort Williams ist Großbritanniens längste Schleusentreppe. Erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts überwinden acht Schleusenkammern einen Höhenunterschied von rund 20 Metern auf einer Gesamtlänge von 457 Metern. Für die Passage werden etwa 90 Minuten benötigt.

Immer weiter ging unsere Fahrt hinein in die schottischen Highlands. Der nächste Halt war unweit von Spean Bridge der Parkplatz am Commando Memorial, einem Kriegerdenkmal zu Ehren der britischen Kommandos im Zweiten Weltkriegs. Wir hofften, den Ben Nevis, den mit 1.345 m höchsten Berg sowohl Schottlands als auch des Vereinigten Königreichs, zu sehen. Das Wetter machte uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Tiefhängende Regenwolken! Also weiter zum Urquhart Castle.

Doch bis wir dort ankommen, machten wir noch einen Stopp in Invermoriston an der imposanten Steinbrücke und den Stromschnellen des Flusses Moriston.

Am Nachmittag erreichten wir das direkt am Loch Ness im Great Glen strategisch günstig gelegene Urquhart Castle. Das Wetter war regnerisch. Im Visitor Center konnten wir in einem 8-minütigen Film mit deutschen Untertiteln die Geschichte von Urquhart Castle kennenlernen. Anschließend stand noch genügend Zeit für eigene Erkundungen und den ein oder anderen Schnappschuss im Castle zur Verfügung. Der Regen begann sich zu verziehen. Der Blick auf das Urquhart Castle und den Loch Ness war mystisch. Vielleicht wird doch noch Nessie gesichtet???

Die erste bekannte Erwähnung des Seeungeheuers von Loch Ness ist auf das Jahr 561 nach Christus datiert. Seitdem ist die Legende von seltsamen Lebewesen im Loch Ness über die Jahrhunderte hinweg lebendig geblieben. Der moderne Nessie-Kult beginnt vor knapp 100 Jahren, als Mr. und Mrs. Spicer an einem heißen Julinachmittag im Jahr 1933 am Loch Ness „seltsame, einen langen Hals ähnlich, sich windende“ Kreaturen sahen.

Trotz intensivster Beobachtungen am Loch Ness, konnte keiner von uns Nessie sichten. Sehr sehr schade!

Unsere Fahrt führte uns weiter über Inverness, unserem nördlichsten Punkt unserer Rundreise, nach Aberfeldy in unser nächstes Hotel. Endlich mal wieder für zwei Tage!
Ein sehr langer Tag liegt hinter uns. Wir freuten uns alle auf das Abendessen.

Dundee – Whisky Verkostung in der Kingsbarns Distillery – St. Andrews

Unser erstes Ziel heute war die am Firth of Tay gelegene Hafenstadt Dundee, die viertgrößte Stadt Schottlands. Von alters her war die Fischerei ein Haupterwerbszweig der Stadt. Dundee hatte Mitte der 18. Jahrhunderts einer der größten Walfangflotten. Im frühen 19. Jahrhundert fand man heraus, dass man Jute, mit Walöl behandelt, zu festen Stoffen verarbeiten kann. Dundee entwickelte sich zu einem Weltzentrum der Juteverarbeitung.

Wir stiegen unweit der Hafen-Promenade in der Nähe der RRS „Discovery“ aus. Das Royal Research Ship (königliches Forschungsschiff) „Discovery“ wurde 1901 in Dundee gebaut. Mit der „Discovery“ hat Robert Scott seine erste Antarktis-Forschungsreise von 1901 bis 1904 unternommen. 1979 wurde es vor der Abwrackung gerettet. Nach einer sehr kostspieligen und aufwendigen Restaurierung wurde die „Discovery“ nach Dundee überstellt und liegt dort zur Besichtigung in Kombination mit einer Ausstellung über die Antarktis-Expedition von Robert Scott.

Robert Scott erreichte mit seinen vier Begleitern am 18. Januar 1912 „nur“ als Zweiter den Südpol. Roald Amundsen und seine vierköpfige Mannschaft waren rund einen Monat zuvor am 14. Dezember 1911 am Südpol angekommen. Auf dem Rückweg zum Basislager starben Scott und seine vier Begleiter an Unterernährung, Krankheit, Unterkühlung und Erschöpfung unweit ihres letzten Versorgungsdepots während eines Schneesturms. Was für eine Tragik!

Von Dundee führte uns unsere Fahrt zunächst vorbei an der eindrucks¬vollen kleinen Universitätsstadt St. Andrews, einem der ältesten Bischofssitze Schottlands. Unser Ziel war die Kingsbarns Whisky Distillery in der Nähe von St. Andrews, wo eine Führung mit Verkostung auf uns wartete.

Die Kingsbarns Whisky Distillery wurde 2014 gegründet und ist somit eine noch recht junge Whisky Distillery.
Wir hatten eine sehr gute Führung durch die Destillerie in deutscher Sprache, was mittlerweile sehr selten geworden ist.
Die Whisky-Herstellung kann man in drei grundlegende Prozesse unterteilen: Der erste Prozess ist die alkoholische Gärung. Dabei wird zuerst die Gerste gemälzt. Danach erfolgt das Maischen mit heißem Wasser und schließlich die alkoholische Gärung mittels Hefe zu einer bierähnlichen Flüssigkeit (Alkoholkonzentration unter 10 %). Der zweite Prozess ist die Destillation zur Aufkonzentrierung des Alkohols in Kupferblasen. In der Kingbarns Distillery wird, wie in Schottland üblich, zweifach destilliert. In der zweiten Stufe entsteht ein Alkohol mit einer Stärke von deutlich über 60 %. Im dritten Prozess erfolgt die Reifung (=Lagerung) des farblosen klaren Alkohols in Holzfässern für mindestens 3 Jahre und einen Tag. Erst bei dieser Lagerung erhält der Whisky seine typische Farbe und seinen typischen Geschmack und darf sich Whisky nennen. Je länger man den Whiskey in den Holzfässern lagert, umso mehr Alkohol diffundiert heraus, die sogenannte Angel Share.
Nach der Besichtigung der Destillerie konnten wir zwei unterschiedliche Single Malt Whiskys „mit dem Gaumen erkunden“. Wer wollte, konnte sich anschließend im Verkaufsshop noch mit Whisky eindecken.

Nach der Destillerie fuhren wir zurück nach St. Andrews, das recht schnell nach wenigen Kilometern erreicht war.
Wir stiegen am Golf Museum aus unserem Bus und spazierten bei akzeptablem Wetter, es regnete nicht, an der Uferpromenade entlang zur Ruine der Kathedrale. Die Ruine der Kathedrale ließ die einstige Mächtigkeit und Bedeutung vergangener Tage erahnen. Die Kathedrale wurde in den Wirren der Reformationszeit zerstört. Nur der St. Rules Tower ist nahezu unbeschadet geblieben. Nun war es an der Zeit, die Ruine der Kathedrale, den Strand oder St. Andrews auf eigene Faust zu erkunden.

Die Universität in St. Andrews wurde 1413 gegründet und ist die älteste Schottlands. Neben Oxford und Cambridge ist die Universität von St. Andrews die drittälteste in der englischsprachigen Welt. Berühmtester Student der Universität war Prince William. Hier lernte er die Kunst¬geschichte-Studentin Kate Middleton kennen…Wer war im Café, wo sich beide getroffen haben?

In St. Andrews wurde bereits 1754 ein Golf Club gegründet, der noch heute existiert. Der „Old Course“ ist einer der bekanntesten und zugleich schwierigsten Golf Course der Welt.

An der Ruine der Kathedrale haben wir uns alle wieder getroffen und in unserem Bus den Rückweg nach Aberfeldy angetreten.

Am Abend trafen wir uns alle wieder zum gemeinsamen Abendessen in unserem Hotel.

Schiffshebewerk Falkirk Wheel – Three Bridges Viewpoint am Firth of Forth – Edinburgh – Military Tattoo

Nach einem ausgiebigen Frühstück wieder das obligatorische Gepäckladen. Die Routine lässt grüßen.

Unser erster Stopp heute war das Falkirk Wheel, ein modernes Schiffshebewerk, am 24. Mai 2002 durch Königin Elisabeth II. anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums eröffnet. Die Konstruktion in Form eines Riesenrades ist einmalig auf der Welt. Es wird ein Höhenunterschied von 33,5 Metern überwunden. Wir haben das Schiffshebewerk in Funktion erleben können. Beindruckend! Und es dreht linksherum! Wer hätte das gedacht!

Zurück im Bus fuhren wir weiter in Richtung Edinburgh, unserem heutigen Tagesziel.

Vor Edinburgh machten wir noch einen Stopp, um am Firth of Forth Viewpoint drei Brücken aus drei Jahrhunderten zu bestaunen: die Forth Bridge, eine zweigleisige Eisenbahnbrücke, eröffnet im März 1890, die Forth Road Bridge, eine vierspurige Hängebrücke, eröffnet im September 1964 und die Queensferry Crossing, eine vierspurige Schrägseilbrücke, eröffnet im August 2017.

Weiter ging es nach Edinburgh, mitten hinein ins quirlige Zentrum. Es ist August und Festivalzeit. Im August verwandelt sich Edinburgh in die Welthauptstadt der Kultur und beherbergt gleichzeitig mehrere weltberühmte Festivals. Zu den wichtigsten und größten gehören u.a. das Edinburgh Fringe Festival als weltgrößtes Kultur- und Comedy Festival, das Edinburgh Art Festival, das zeitgenössische Kunst in Galerien und an öffentlichen Plätzen im gesamten Stadtgebiet präsentiert und, nicht zu vergessen, das Royal Edinburgh Military Tattoo, eine spektakuläre Show mit militärischen Musikkorps, Dudelsackspielern und Trommlern direkt auf der Esplanade vor dem Edinburgh Castle. Heute Abend ist die Eröffnungsshow. Einige von uns werden dabei sein.

Am Charlotte Square trafen wir auf unsere Stadtführerin Lydia, eine gebürtige Österreicherin.

Wir fuhren in unserem Bus zunächst erst mal aus dem Stadtzentrum heraus zum Fettes College, gegründet 1870. Das Fettes College gilt heute als eine der renommiertesten Schulen Großbritanniens und wird gelegentlich auch als „das schottische Eton“ bezeichnet. Der ehemalige Premierministier Tony Blair war u.a. Schüler an dieser Schule. Lydia erzählte uns, dass Ian Fleming, der literarische Vater von James Bond, seinen Agenten das Fettes College besuchen ließ, nachdem er zuvor vom Eton College verwiesen worden war. Eine wirklich nette Geschichte!

Der Toilettenstopp am Botanischen Garten wurde dankend angenommen. Wieder im Bus zurück gings wieder ins Stadtzentrum. Unser Busfahrer Ernst kämpfte sich souverän durch das Gewühl. Stationen auf unserer Stadtrundfahrt waren u.a. der Grassmarket und die Royal Mile. Ausgestiegen sind wir in der Nähe von The Hub am oberen Ende der Royal Mile. Am Eingang zum Edinburgh Castle haben wir uns von unserer Stadtführerin Lydia verabschiedet. Das Edinburgh Castle konnte nun jeder nach seinen Interessen erkunden. Wer sich das Gefängnis im Castle angeschaut hat, freute sich sicherlich umso mehr auf unser Hotel. Getroffen haben wir uns alle wieder bei The Hub und sind gemeinsam zur Castle Terrace gelaufen, wo unser Bus schon auf uns wartete.

Gemeinsam wieder im Bus, fuhren wir so schnell es ging in unser Hotel und checkten ein.

Kurz darauf trafen wir uns alle wieder in der Hotel-Lobby. Bevor wir gemeinsam zu einem nicht allzu weit entfernten echten schottischen Pub gelaufen sind, wo wir heute unser heutiges Abendessen hatten, haben Ernst und ich uns von den Flug-Reisegästen verabschiedet. Sie werden morgen im Laufe des Vormittags bzw. am frühen Nachmittag mit Transfers zum Edinburgher Flughafen gebracht.

Unser Pub entpuppte sich als ein uriges Pub mit Live-Musik und einer riesigen Auswahl an Bieren und Whiskys! Das Pub war sehr gut besucht und dementsprechend auch der Lautstärkepegel recht hoch.

Nach dem Abendessen bin ich mit den Reisegästen, die das Military Tattoo gebucht hatten, zum Edinburgh Castle spaziert und haben uns in die Warteschlange eingereiht. Es ging zügig voran und bald schon saßen wir auf unseren Plätzen. Die imposante Show dauerte 90 Minuten. Mein Eindruck, es hat allen riesig gefallen!
Um Mitternacht waren alle wieder wohlbehalten im Hotel.

Leaderfoot Viaduct – Jedburgh Abbey – Carters Bar – York – Nachtfähre nach Rotterdam

Nach dem Aufstehen und dem Frühstück hieß es ein letztes Mal Gepäck laden.

Nun hieß es, zügig aufzubrechen. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns, um die Fähre in Hull rechtzeitig zu erreichen. Das Wetter war durchwachsen, ein bisschen Aprilwetter im August!

Unser erster Halt, das Leaderfoot Viadukt, ein ehemaliges Eisenbahn Viadukt, ist nach einer Stunde Fahrzeit erreicht.
Das 19-bögige Leaderfoot Viadukt über den Fluss Tweed wurde 1863 offiziell eröffnet und ist rund 276 Meter lang. 1965 wurde der Zugverkehr über das Viadukt eingestellt.
Von unserem Parkplatz hatten wir einen fantastischen Blick auf Leaderfoot Viadukt und die beiden anderen Brücken über den Tweed. Die moderne Road Bridge, über die wir gekommen sind, wurde Anfang der 1970er Jahre gebaut. Die ältere Steinbrücke wurde 1779/80 aus Buntsandstein und Basalt errichtet.

Den nächsten Fotostopp legten wir an der Jedburgh Abbey ein. Auch dieser Stopp hat sich gelohnt.

Natürlich hielten wir an der schottisch-englischen Landesgrenze. Das musste einfach sein. Hier war das Wetter besonders ungemütlich. Aber was tut man nicht alles für ein Foto?

In England wartete noch York mit seinem imposanten Münster, einer gotischen Kathedrale, auf uns. Wir hatten wieder Bilderbuch-Wetter. Das York Münster ist die größte mittelalterliche Kirche in England. Auch wenn der Eintritt in das Münster recht teuer ist, lohnt sich ein Besuch auf alle Fälle. Wer drin war, wird dies bestätigen. Es blieb noch genügend Zeit für die anderen Sehenswürdigkeiten von York: Stonegate, Trinity Church und The Shambles.

Zwischenzeitlich habe ich mich telefonisch vergewissert, ob die Flughafen-Transfers zum Flughafen auch wirklich geklappt haben. Haben sie!

Alle waren wieder pünktlich im Bus und wir fuhren unsere letzten Kilometer auf englischem Boden nach Hull zum Fährhafen. Für sechs Reisegäste galt es noch ein kleines Abenteuer zu bestehen – die Sicherheitskontrolle. Von drei Reisegästen wurden die Koffer und von drei weiteren Reisegästen die Rucksäcke kontrolliert. Natürlich ohne Beanstandungen! Nach Erledigung der Passkontrolle und der Bordkarten-Formalitäten ging es mit unserem Handgepäck zu Fuß auf die Fähre. Nach dem Bezug der Kabinen ging es zum Abendessen. Das Büffet ließ wirklich keine Wünsche offen und erinnerte stark, wie das Frühstücks-Büffet am nächsten Morgen, an die wohlbekannten „all you can eat“-Büffets.

An Bord der Fähre musste die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt werden.

Rückreise von Rotterdam nach Dresden

In den Morgenstunden erreichte unsere Fähre pünktlich ihren Bestimmungshafen Rotterdam. Nach dem Frühstück ging es zu Fuß von der Fähre und nach der Passkontrolle zu unserem Bus. Wir traten planmäßig unsere Heimreise an. Vor uns lag ein langer Fahrtag.

Wir kamen gut voran und konnten unseren Zeitplan einhalten.

Alle Reisegäste haben wohlbehalten ihre Heimatorte erreicht, einige leider mit Verspätung.


Eine wunderschöne und abwechslungsreiche Rundreise liegt hinter uns. Wir haben sehr viel gesehen und einen guten Überblick hauptsächlich über England und Schottland erhalten. Wir konnten nur an der Oberfläche kratzen. Jetzt liegt es an jedem selbst, ob er noch tiefer eintauchen möchte…

Na dann, bis zum nächsten Mal!
19.08.2026 Burkhard Herpich


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