Sardinien – eine Reise voller Farben, Genuss und unvergesslicher Eindrücke
Reisebericht: 22.09. – 01.10.2026
Von Nord nach Süd haben wir Sardinien entdeckt: Küsten, Berge, Nuraghen, kleine Orte und Cagliari – begleitet von sardischer Küche, Wein, Gesang und vielen Begegnungen.
Ein Reisebericht von
Anette Rietz
Ankommen in Sardinien
Endlich war es so weit: Unsere Reise nach Sardinien begann. Nach dem Flug nach Olbia wurden wir bereits am Flughafen von unserem örtlichen Busfahrer Giancarlo erwartet und zu unserem ersten Hotel an der Costa Smeralda gebracht.
Schon während der Fahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von der Schönheit der Insel. Das mediterrane Licht, die üppige Vegetation und die ersten Blicke auf das Meer ließen die Vorfreude auf die kommenden Tage noch größer werden.
Nach dem Einchecken wartete auf uns das gemeinsame Abendessen. Danach setzen wir uns an die Poolbar, genossen den lauen Sommerabend, lernten unsere Mitreisenden besser kennen und stießen auf die bevorstehenden zehn Tage an. Wir waren gespannt, was uns auf dieser abwechslungsreichen Reise von Nord nach Süd erwarten würde. Das Wetter war jedenfalls schon mal herrlich.
Ajò! Die Costa Smeralda
Nach unserem ersten Frühstück auf Sardinien trafen wir unsere örtliche Reiseleiterin, nahmen die Audiogeräte entgegen und machten uns auf den Weg zu einem der berühmtesten Küstenabschnitte der Insel: der Costa Smeralda.
Schon bald verstanden wir, woher die „Smaragdküste“ ihren Namen haben könnte. Das Wasser leuchtete in verschiedenen Türkis- und Grüntönen, dazu kamen helle Sandstrände und die charakteristischen, vom Wind geformten Granitfelsen. Die Landschaft wirkte fast unwirklich schön. Allerdings soll diese namentliche Herkunft nur eine Legende sein, klärte uns unsere Reiseleiterin Rebecca auf, denn der Käufer dieses vor 60 Jahren noch ursprünglichen Küstenabschnitts, kein geringerer als Prinz Kamir Aga Khan IV., soll den Namen nach einer seiner geliebten Frauen, Esmeralda, gewählt haben.
Zu Beginn unserer Panoramafahrt ging es nach San Pantaleo. Das kleine Dorf, eingerahmt von mächtigen Granitfelsen und bekannt für sein Kunsthandwerk und die schönen Geschäfte, empfang uns bei herrlichem Sonnenschein. Die Bäume blühten noch in voller Pracht. Wir machten gemeinsam einen Stadtrundgang, besuchten die kleine Kirche Santa Lucia und hatten anschließend Freizeit für einen ersten Cappuccino oder ein bißchen stöbern in den exklusiven Geschäften.
Dann fuhren wir weiter nach Porto Rotondo, ebenfalls sehr mondän, aber noch nicht ganz so exklusiv wie Porto Cervo, wurde uns gesagt. Porto Rotondo lebt vor allem Sommer, wenn die Yachten vor dem Ort liegen. Wir machen eine Spaziergang durch den Ortskern mit seinen kleinen Plätzen und Cafés. Heute ist die besondere Kirche San Lorenzo geöffnet, die aus Murano-Glas und mit aus Holz gearbeiteten Figuren verziert ist, ein einzigartiges Kleinod. Die venezianischen Grafen Donà delle Rose, Gründer von Porto Rotondo, wollten den Ort zu einem Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler machen und ließen den Innenraum mit Bibelgeschichten aus ungewöhnlichen Holzskulpturen und Glas gestalten.
Über die Panoramastrasse fahren wir anschließend nach Porto Cervo. Die Saison ist bereits vorbei, aber trotzdem liegen im Hafen von Porto Cervo noch elegante Yachten. Wir starten unsere Besichtigung mit einer Bimmelbahn, die uns durch den Ort und vorbei an den schlicht-eleganten Villen der Reichen und Schönen führt. Auffallend sind hier die schön gearbeiteten Eingangstore aus Wachholderholz. Prinz Karim Aga Khan war es sehr wichtig, dass sich der Ort gut in die Landschaft einfügte und keine Häuser über die Macchia, die typische Landschaft Sardiniens, herausragen. Wer Lust hatte, machte mit der Reiseleiterin noch einen Spaziergang durch Porto Cervo, vorbei an vielen kleinen Plätzen und größeren Plätzen und eleganten Geschäften. Die anderen fuhren mit der Bimmelbahn hinauf zum Parkplatz.
Von hier fuhren wir weiter ins nahe Baja Sardinia, der letzte Halt am heutigen Tag. Wir hatten bis zum späten Nachmittag Freizeit am Strand oder im Ort für ein Mittagessen, Eis oder Aperitif und konnten das hervorragende Wetter ganz in Ruhe genießen. Nachmittags war dann noch Zeit, um am Pool den Tag ausklingen zu lassen bis zum gemeinsamen Abendessen im Hotel.
Inselwelt La Maddalena und der Bärenfelsen
Heute wartete ein ganz besonderes Erlebnis auf uns: Wir fuhren von Palau mit der Fähre in das Inselarchipel La Maddalena.
Die kurze Überfahrt war bereits ein Erlebnis. Je näher wir den Inseln kamen, desto intensiver leuchtete das Wasser in Blau- und Türkistönen. Vom Hafen fuhren wir zunächst über eine schmale Straße nach Caprera. Die Insel ist eng mit dem italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi verbunden, der hier seinen Alterssitz hatte - heute ein Museum. Auf der Fahrt erzählte uns unsere Reiseleiterin von der Bedeutung Garibaldis für die Einheit Italiens. Bei unserer anschließenden Inselrundfahrt über La Maddalena konnten wir die ursprüngliche Landschaft genießen. Immer wieder öffneten sich herrliche Ausblicke auf kleine Buchten, Felsen und das Meer. In einer schönen Bucht mit mehreren kleinen Stränden legten wir einen Badestopp ein. Anschließend erkundeten wir den Hauptort La Maddalena. Rund um den Hafen herrschte mediterranes Leben: Boote lagen vor Anker, Cafés und kleine Geschäfte luden zum Verweilen ein. Einige von uns nutzten die Gelegenheit, um die sardische Pasta Fregula mit Meeresfrüchten zu probieren. Anschließend fuhren wir mit der Fährer wieder zurück nach Palau.
Auf dem Rückweg erwartete uns noch der Capo d’Orso, der berühmte Bärenfelsen. Der mächtige Granitfelsen erinnert aus der Ferne tatsächlich an einen Bären. Wir stiegen ein paar Kurven hinauf, von wo aus sich herrliche Ausblicke auf die Küste und die besonderen Felsformationen boten. Mitten im Felsen befindet sich ein Loch, ein sehr besonderes Fotomotiv. Nachdem wir die Felsen von allen Seiten fotografiert hatten, sind wir die Stufen wieder nach unten gestiegen.
Mit vielen Fotos und noch mehr Erinnerungen kehrten wir am Abend zum Hotel zurück. Wir aßen gemeinsam im Hotelrestaurant und ließen den letzten Abend in diesem Hotel noch gemeinsam an der Poolbar ausklingen.
Durch die Gallura nach Castelsardo und Alghero
Heute hieß es Abschied nehmen von unserem ersten Hotel. Mit unseren Koffern machten wir uns auf den Weg in Richtung Westen. Unsere Route führte uns zunächst durch die Landschaft der Gallura mit ihren zahlreichen Korkeichen. In Calangianus erfuhren wir mehr über die traditionelle Korkproduktion und konnten dabei in einem Familienunternehmen sehen, wie aus dem natürlichen Rohstoff verschiedene Produkte entstehen. Schon Sandras Vorfahren arbeiteten mit Kork. Ihr Vater hat ein Blumenmuster entworfen, das sich die Familie patentieren ließ. Sie zeigte uns vom Rohmaterial bis zur fertig mit dünnem Korkstoff beklebten Vase ihr Handwerk.
Danach ging die Fahrt weiter nach Tempio Pausania. Bei einem Rundgang durch das Granitstädtchen entdeckten wir die besondere Atmosphäre des Ortes und seine typische Architektur. In anderen Dörfern haben die Bewohner ihre Häuser bunt bemalt. Dieser Ort war mit den charakteristischen Granitfassaden belassen. Die Sarden kommen gerne hierher, da Tempio Pausania etwas höher liegt und damit etwas kühler ist im Sommer. Auch der italienische Liedermacher Fabrizio de Andŕe aus Genua hatte hier in der Nähe schon in den 70er Jahren einen Wohnsitz. Die Gassen von Tempio Pausania zierten daher viele Zeilen seiner berühmten Liedtexte. Hier besuchten wir noch ein weiteres Geschäft, das Haute Couture aus Korkstoffen fertigte. Die Qualität des sardischen Korks ist sehr hoch, da die Bäume nur alle 10 Jahre geschält und traditionell behandelt werden. Daher ist Kork aus Sardinien auch beispielsweise in Frankreich und auf Zypern gefragt.
Unser nächster Höhepunkt war Aggius. Auf einem traditionellen Bauernhof erwartete uns ein Mittagessen, das zu einem der kulinarischen Erlebnisse unserer Reise wurde. Zuppa Galluresa, sardische Wurst, hausgemachte Pasta, Gemüse, Käse und Fleisch – dazu Wein und zum Abschluss ein Digestif. Hier konnten wir Sardinien buchstäblich schmecken. Die Hauptweine heißen als Weißwein Vermentino und als Rotwein Cannonau. Morgen werden wir das Weingut besichtigen, von dem uns schon einige Weine ausgeschenkt wurden.
Gut gestärkt fuhren wir weiter nach Castelsardo. Das malerisch am Meer gelegene Städtchen mit seiner Burg lud zu einem Bummel durch die engen Gassen ein. Immer wieder boten sich uns schöne Ausblicke auf das Meer. Wer wollte fuhr per Shuttlebus mit unserer Reiseleiterin bis hinauf zur Burg, besichtigte eine Kirche und schlenderte die schönen Gassen wieder zum Treffpunkt hinab. Tolle Aussichten auf das blaue Meer boten sich von hier oben.
Am Abend erreichten wir Alghero und unser neues Hotel. Den Sonnenuntergang haben wir heute knapp verpasst, aber wir sahen noch die schönen Farben, als wir in unser Hotel eincheckten. Wir gingen direkt zum Abendessen und ruhten uns anschließend aus.
Nuraghen, Weinpioniere und die Korallenküste
Heute tauchten wir tief in die Geschichte Sardiniens ein. Unser erstes Ziel war die Nuraghe Palmavera. Diese prähistorische Anlage gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der sardischen Frühgeschichte. Zwischen den alten Steinmauern konnten wir uns vorstellen, wie das Leben auf Sardinien vor mehreren tausend Jahren ausgesehen haben könnte.
Anschließend führte uns die Fahrt zum Capo Caccia. Die markante Landzunge ragt weit ins Meer und bot uns einen beeindruckenden Fotostopp. Darunter liegt die Neptungrotte, die wir am Nachmittag mit einer Bootsfahrt besuchen können.
Nach diesen schönen Küstenausblicken wurde es genussvoll: Wir besuchten die bekannte Weinkellerei Sella & Mosca. Gegründet wurde das Weingut von zwei Unternehmern aus der Genussregion Piemont, die allerdings Pioniere im Weinanbau in Sardinien waren. Sie entwickelten den Weinbau mit ihrem technischen Wissen immer weiter. Bei einer Führung durch den historischen Keller aus dem Jahr 1903 erfuhren wir viel über die sardische Weinkultur. Das Weingut produziert den bekannten Rotwein Anghelu Reju, benannt nach einer der wichtigen Nekropolen Sardiniens, die wir anschließend besuchen werden. Natürlich durfte auch die Verkostung nicht fehlen. Verschiedene sardische Weine wurden uns zusammen mit Wurst, Käse und weiteren regionalen Spezialitäten serviert.
Am Nachmittag besuchten wir die Nekropole Anghelu Ruju. Die zahlreichen in den Sandstein geschlagenen Felsengräber vermittelten uns einen faszinierenden Einblick in die frühe Geschichte der Insel. Einige von uns sind durch die kleinen Eingänge hineingegangen, um sich einen Überblick über die hinterbliebenen Verzierungen zu verschaffen.
Wer wollte, konnte anschließend noch einen Ausflug zu den Neptungrotten unternehmen. Unser Fahrer brachte uns zum Hafen von Alghero, wo wir das Ausflugsboot bestiegen. Der Weg entlang der Korallenküste und die beeindruckende Tropfsteinhöhle boten ein weiteres Naturerlebnis. Ansonsten gab es die Möglichkeit, den Nachmittag am Hotelstrand oder am Pool oder in der Altstadt von Alghero zu verbringen. In der Neptungrotte angekommen, stiegen wir aus und stiegen in die Grotte hinauf und wieder hinab. Das Innere gleicht einer riesigen, unterirdischen Kathedrale. Über feuchte, künstlich angelegte Pfade führt der Weg vorbei am Lago Lamarmora, einem der größten unterirdischen Salzwasserseen Europas. Das Wasser ist so glasklar, dass sich die gigantischen Tropfsteinformationen spiegelglatt darin verdoppeln. Überall ragen zentnerschwere Stalaktiten von der Decke, während ihnen mächtige, meterhohe Stalagmiten wie versteinerte Säulen entgegenwachsen. Die geschickte, warme Beleuchtung setzt die bizarren Kalksteinformationen perfekt in Szene und lässt die Grotte wie eine surreale Märchenlandschaft wirken.
Am Abend begaben wir uns gemeinsam in ein Restaurant in der Altstadt von Alghero. Bei einem reichhaltigen sardischen Abendessen mit Fisch, Gemüse, Käse, Pasta, Wein und vielen regionalen Spezialitäten ließen wir den erlebnisreichen Tag ausklingen.
Mit dem Trenino Verde fast bis nach Tresnuraghes
Heute wartete eines der besonderen Erlebnisse unserer Reise auf uns: eine Fahrt mit dem historischen Trenino Verde. Zunächst fuhren wir mit unserem Bus nach Macomer. Dort bestiegen wir den nostalgischen kleinen Zug. Langsam setzte er sich in Bewegung und führte uns durch die sardische Landschaft. Wir konnten die Landschaft ganz entspannt an uns vorbeiziehen lassen. Ab und an stiegen die Zugbegleiter aus, um den Verkehr zu regeln, wenn unser kleiner Zug eine Straße überquerte.
Unterwegs hielten wir und besichtigten die mittelalterliche Zisterzienserabtei Santa Maria di Corte. Danach ging die Fahrt weiter bis Tresnuraghes. So hieß es jedenfalls, denn: Ein Feuer schwelte im Geäst und ein verbrannter Stamm lag quer auf den Gleisen vor uns. Die Feuerwehr wurde alarmiert und unser Zug fuhr kurzerhand zurück zur Abtei, wo uns unser Fahrer Giancarlo mit dem Bus abholte. Die Fahrt setzen wir nun oberhalb der Schienen fort und fuhren zunächst durch Sindia, ein kleiner Ort, der für sardische Pferdezucht bekannt ist. Schließlich erreichten wir Tinnura. Der beschauliche Ort liegt mitten in der Malvasia-Weinregion. Wir stärkten uns bei der Verkostung von regionalen Produkten wie Käse und Wurst. Anschließend durften wir typisches Gebäck aus Sardinien bei einem Glas Malvasia-Wein probieren. In Tinnura bestaunten wir bei einem Spaziergang die großflächigen Murales. Die Wandmalereien erzählen Geschichten aus dem sardischen Alltag und machten den Ort zu einer kleinen Freiluftgalerie.
Danach fuhren wir weiter nach Bosa. Das farbenfrohe mittelalterliche Städtchen am schiffbaren Fluss Temo gefiel uns besonders gut. Wir schlenderten durch die verwinkelten Gassen von Sa Costa, bewunderten die bunten Häuser und genossen die sonntägliche Atmosphäre - die ganze Stadt schien auf den Beinen zu sein. Nach der Mittagspause gab es die Möglichkeit, mit unserer Reiseleiterin einige Straßen hinauf in Richtung Festung zu gehen oder die Fußgängerzone "Corso" entlang zu spazieren.
Zurück in Alghero blieb noch Zeit für einen Stadtspaziergang - wer Lust hatte. Auch heute war es wieder sehr heiß, weshalb auch der Hotelstrand oder der Pool einige von uns lockte. Eine kleine Gruppe besichtigte mit unserer Reiseleiterin die katalanisch geprägte Altstadt mit ihren engen Gassen, historischen Gebäuden und dem kleinen Markt, auf dem viele handwerklich gearbeitete Produkte verkauft wurden.
Den Abend verbrachten wir alle gemeinsam bei einem köstlichen Abendessen im Hotel.
Orgosolo und ein Mittagessen bei den Hirten mit Tanz und Gesang
Heute verließen wir Alghero und zogen zu unserem nächsten Hotel weiter. Nach dem Frühstück fuhren wir ins Landesinnere nach Orgosolo. Der Ort überraschte uns sofort mit seinen zahlreichen Wandmalereien. Die Murales bedecken ganze Hausfassaden und erzählen von Politik, sozialen Themen, sardischer Identität und der Geschichte der Menschen hier. Bei unserem Rundgang entdeckten wir immer wieder neue Bilder und Botschaften. Für unsere Gäste haben wir hier noch einen Überraschungstermin geplant: Wir durften einer der letzten Handwerkerinnen der Seidenspinnerei über die Schulter gucken, das war höchst interessant, da dieses feine Handwerk in Europa so gut wie nicht mehr vertreten ist. Es wird von Generation zu Generation an die Frauen der Familie weitergegeben.
Danach erwartete uns das nächste besondere Erlebnis: ein traditionelles Mittagessen bei den sardischen Hirten. Auf langen Bänken unter schattenspendenden Bäumen sitzend, probieren wir zahlreiche sardische Spezialitäten. Ricotta, Salami, Speck, Schafskäse, Lammfleisch, Spanferkel, Fladenbrot und weitere Köstlichkeiten wurden auf unserem Brettchen aufgetischt. Dazu gab es sardischen Rotwein oder Wasser - je nach Lust und Laune. Doch das eigentliche Highlight kam nach dem Essen: Die Hirten stimmten ihren traditionellen vierstimmigen Gesang, den Canto a Tenore, an. Der archaisch klingende Gesang erfüllte das Gelände und sorgte bei uns für einen ganz besonderen Moment. Anschließend wurde noch ein traditioneller Tanz aufgeführt. Wer mochte, konnte mittanzen.
Gut gestärkt setzten wir am Nachmittag unsere Fahrt Richtung Süden fort. Spät am Tag erreichten wir unser Hotel und bezogen für die letzten drei Nächte unser Quartier im Süden der Insel. Nach dem Einchecken trafen wir uns direkt draußen auf der Terrasse zum gemeinsamen Abendessen. Das Meer rauschte herrlich im Hintergrund, denn das Hotel befindet sich direkt am Strand.
Die Insel San Pietro und Carloforte
Unser vorletzter großer Ausflug führte uns auf die Insel San Pietro. Vom nächsten Fährhafen aus setzten wir mit unserem Bus über. Wir saßen bei herrlichem Wetter fast alle draußen auf den Bänken und genossen die Landschaft. Nach rund 40 Minuten erreichten wir Carloforte. Das bunte Städtchen ist stark von ligurischen Einflüssen geprägt. Seine Geschichte geht auf Fischer aus Ligurien zurück, die einst hier siedelten. Rund um den Hafen lagen Boote und Yachten, während in den Straßen das typisch mediterrane Leben zu spüren war. Zunächst machten wir mit unserem Bus eine Rundfahrt auf der Insel und fuhren zu einem herrlichen Strand, an dem der Musiker Gianni Morandi Filmszenen gedreht hat. Seit dieser Zeit ist der bekannte italienische Sänger Ehrenbürger von San Pietro. Viele Urlauber nutzen das hervorragende Wetter, um heute am Meer zu baden. Etwas neidisch stiegen wir wieder in den Bus und fuhren zu einem schönen Fotostopp an einem der Leuchttürme. Von hier hatten wir einen fantastischen Blick auf die hohe Küste, das grüne Hinterland und die kleinen Buchten - und natürlich auf den Leuchtturm.
Zum Mittagessen erwartete uns ein echtes kulinarisches Highlight unserer Reise: ein Thunfischmenü. Da rund um San Pietro traditionell Thunfisch gefangen wird, gehört er zu den Spezialitäten der Insel. In einem ausgezeichneten Restaurant beginnt das Menü mit einer abwechslungsreichen Folge feiner Thunfisch-Vorspeisen. Thunfischmousse, geräuchterte Thunfischscheiben, in deren Rolle Ricotta gefüllt wurde, Brotsalat Caponata (Cappunedda) - jede Vorspeise zeigt den Fisch von einer anderen Seite. Danach folgt eine hausgemachte sardische, hausgemachte Pasta mit Thunfisch. Als Hauptgang kommt Tagliata di Tonno: ein in Scheiben geschnittenes Stück Thunfisch, außen kurz und kräftig angebraten, innen noch saftig und zartrosa. In feine Scheiben geschnitten und mit etwas Olivenöl, grobem Meersalz und Rucola serviert, schmeckt das Gericht einfach köstlich. Zum Abschluss darf ein feines Dessert nicht fehlen und ein kräftiger Espresso macht uns wieder munter.
Nach dem herausragenden Essen an der Promenade von Carloforte hatten wir noch ein wenig Zeit, das Städtchen auf eigene Faust zu erkunden. Wir schlenderten durch die Straßen, genossen die Atmosphäre und stiegen dann auf die Fähre, die uns zurück zur Insel brachte. Zurück im Hotel nutzten einige von uns den hoteleigenen Strand oder Pool. Zum Abendessen auf der Terrasse mit Meeresrauschen fanden wir uns später wieder zusammen. Wer mochte, genoss noch ein gemeinsames Getränk am Pool.
Cagliari – sardisches Stadtleben und schöne Ausblicke
Heute stand Cagliari, die Hauptstadt Sardiniens, auf unserem Programm. Zunächst führte uns unser Weg entlang der Salinen bis zur Basilika. Die Basilika Nostra Signora di Bonaria in Cagliari ist einer der bedeutendsten religiösen Orte Sardiniens. Viele Päpste waren schon hier, deren Bildnisse auf der Eingangstür ausgestellt sind. Die Basilika liegt auf einer Anhöhe über dem Meer und ist besonders durch ihre Verbindung zur Seefahrt bekannt. Die imposante Kirche wirkt von außen hell und schlicht, während der Innenraum eine feierliche, ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Hohe Gewölbe, kunstvolle Altäre und religiöse Kunstwerke prägen das Innere. Im Mittelpunkt steht das verehrte Bildnis der Madonna di Bonaria, einer Marienstatue, die der Überlieferung nach im 14. Jahrhundert auf wunderbare Weise an die sardische Küste gelangte. Viele Gläubige schreiben der Gottesmutter eine besondere Fürsprache bei Krankheit, Leid und persönlichen Problemen zu. Sie kommen deshalb zur Basilika, um zu beten, Kerzen anzuzünden oder für eine erhoffte Genesung zu danken.
Anschließend erkundeten wir das historische Zentrum von Cagliari. Wir machen auf dem Weg einen Fotostopp oberhalb des alten Steinbruchs mit Blick über die gesamten Salinen und die Stadt Cagliari. Von hier fahren wir zum Markt von Cagliari, um uns mit typischen Produkten einzudecken, etwas zu verkosten oder nur bunte Fotos zu machen. Nach der kurzen Freizeit spazieren wir durch den Park Parco della Musica zu unserem Bus. Der moderne Park bietet frische Luft, ruhige Plätze zum Verweilen und einen kleinen Fluß mit riesigen Albatrossen. Danach geht unsere Fahrt weiter hinauf nach Casteddu, dem alten Festungsviertel Cagliaris.
Von oben betreten wir Casteddu durch eines der alten Stadttore. Hinter dem Tor beginnt eine Welt aus engen, steinernen Gassen, hohen Häusern und jahrhundertealten Mauern. Die Straßen führen zunächst durch das mittelalterliche Herz des Viertels, vorbei an kleinen Plätzen, Kirchen und alten Palazzi. Wir besichtigen die Kathedrale Santa Maria mitten im historischen Viertel Casteddu auf der Piazza Palazzo. Schon von außen fällt ihre helle, reich verzierte Fassade auf, die wie ein heller Steinvorhang vor dem mittelalterlichen Castello steht. Durch das Portal betritt man einen überraschend prächtigen Innenraum. Hohe Bögen, farbige Marmorarbeiten, kunstvoll gestaltete Kapellen und eine reich geschmückte Decke verleihen der Kirche eine feierliche und zugleich elegante Atmosphäre.
Nach dem Spaziergang durch die verwinkelten Gassen erreicht man schließlich den Bastione di Saint Remy. Er liegt wie eine große Terrasse mitten im historischen Viertel und öffnet die zuvor engen Straßen plötzlich wieder zum weiten Horizont. Über die monumentale Treppe und die weißen Bögen gelangt man auf die Bastion. Hier verändert sich der Blick vollkommen: Unter einem liegt Cagliari, dahinter schimmert das Mittelmeer. Die Dächer der Stadt breiten sich bis zur Küste aus, und bei klarem Wetter reicht der Blick weit über die Bucht. Vom Fotostopp Saint Remy geht es anschließend wieder durch die alten Gassen weiter. Schritt für Schritt verlässt man die erhöhte Festungsstadt und gelangt durch weitere Tore und Treppen hinunter in die lebendige Fußgängerzone Cagliaris. Hier haben wir etwas Freizeit, bevor wir wieder ins Hotel fahren. Der Wunsch unserer Gäste ist heute - am letzten Tag - etwas mehr Zeit für ein Bad im Meer oder im Pool. Wer möchte, kauft sich in einer Paninoteca noch eine köstliche Focaccia für den Strand. Anschließend fahren wir mit dem Bus zurück ins Hotel, um den Nachmittag nach eigenen Wünschen entspannt ausklingen zu lassen.
Zum gemeinsamen Abendessen auf der Terrasse trafen wir uns wieder, um unseren letzten Abend gemeinsam zu genießen.
Überraschungsausflug zu den Salinen und Abendflug zurück in die Heimat
Nach dem Frühstück checkten wir in aller Ruhe aus und steigen in den Bus, denn ein Überraschungsausflug von Eberhardt TRAVEL stand noch auf dem Programm. Unsere Flüge waren erst später am Nachmittag geplant. Vier Gäste haben sogar eine Verlängerung ihres Urlaubs auf Sardinien gebucht und wurden an ihren Chauffeur übergeben, als der Rest der Gruppe zum Flughafen fuhr. Unser Fahrer brachte uns heute ganz nah zu den Salinen vor den Toren von Cagliari. Statt Strand und Meer erwartet uns zunächst eine ganz andere Seite Sardiniens: eine beeindruckende Landschaft aus Salzbecken, Lagunen und riesigen weißen Salzbergen. Zunächst fuhren wir mit dem kleinen Zug durch die weitläufige Landschaft und können dabei die verschiedenen Becken beobachten. Das Wasser schimmert je nach Salzgehalt in unterschiedlichen Farben, während in der Ferne die großen Salzberge in der Sonne leuchten. Während der Fahrt erfahren wir, wie das Salz hier gewonnen wird. Meerwasser wird in die großen Becken geleitet und durchläuft mehrere Stationen. Die intensive sardische Sonne und der Wind lassen das Wasser nach und nach verdunsten. Dadurch steigt die Salzkonzentration immer weiter an, bis schließlich Salzkristalle entstehen. Es war faszinierend zu sehen, wie viel Platz und Zeit dieser natürliche Prozess benötigt. Die Salzgewinnung wirkt gleichzeitig traditionell und modern – und sie findet bis heute statt. Ein besonderes Highlight unserer Zugfahrt sind die rosa Flamingos. Zwischen den Salzbecken entdecken wir immer wieder Gruppen dieser eleganten Vögel. Sie stehen im flachen Wasser, suchen nach Nahrung. Neben den Flamingos können wir auch zahlreiche andere Wasservögel beobachten. In den historischen Gebäuden der Saline erfuhren wir anschließend mehr über die Geschichte der Salzgewinnung und das Leben der Menschen, die hier früher gearbeitet haben. Alte Maschinen, Werkzeuge und Dokumente geben uns einen interessanten Einblick in die Vergangenheit. Zum Abschluss dieses interessanten Erlebnisses wurden wir zu einem Aperitif mit sardischen Snacks eingeladen. Im Museumsgeschäft ließen sich noch letzte Souvenirs einkaufen, bevor wir dann zu einem weiteren Highlight der Stadt Cagliari und Umgebung fuhren: der insgesamt bis zu rund 8 bis 10 Kilometer lange Sandstrand il Poetto. Was gibt es Schöneres, als den Abschluss einer Insel-Reise am Meer zu begehen. Wir stiegen direkt am Strand aus und gingen - vom Wind begleitet - über den breiten Sandstrand bis zum Meer. Der Strand wird auch die Copacabana Sardiniens genannt, da er nah an der Stadt liegt und sehr breit ist. Wir ließen uns in einer der Strandbars nieder und genossen die letzten Stunden in Sardinien. Am Nachmittag trennten wir uns von den vier Verlängerern, die noch eine Woche Badeurlaub und private Besichtigungen vor sich hatten. Wir anderen fuhren zum Flughafen in Cagliari und begaben uns auf den Rückweg Richtung München, Frankfurt, Düsseldorf, Dresden, Leipzig und Berlin. A presto, Sardegna!
Wir haben Sardinien von Nord nach Süd bereist und dabei ganz unterschiedliche Seiten der Insel kennengelernt: von der Costa Smeralda und La Maddalena über die Gallura, Castelsardo und Alghero bis zu den Nuraghen, Bosa, Orgosolo, Carloforte und schließlich Cagliari. Dabei ging es uns nicht nur um Sehenswürdigkeiten. Wir haben Landschaften, Geschichte und sardische Küche erlebt, Wein probiert und viele interessante Begegnungen gehabt. Besonders in Erinnerung bleiben uns das türkisblaue Meer, der Duft der mediterranen Landschaft, der Gesang der Hirten und eine kleine, aber bemerkenswerte Beobachtung: Sarden hupen nie! Unsere Reise hat uns ein Sardinien gezeigt, das sich in vieler Hinsicht vom italienischen Festland unterscheidet – mit einer eigenen Geschichte, Kultur und Identität.
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