West–Kanada intensiv – Rundreise mit Bärenbeobachtung in Alaska
Reisebericht: 20.08. – 04.09.2026
Die Aussicht auf dramatisch schöne Berge, türkisblaue Gletscherseen sowie Hirsche, Elche, Bären und Wale lockt uns in die endlosen Weiten Westkanadas.
Ein Reisebericht von
Dr. Andreas Wolfsteller
1. Tag (Donnerstag, 20. August 2026): Flug nach Kanada – Orientierungsfahrt in Calgary
Den ersten beiden Bären begegnen meine Gäste schon auf dem Frankfurter Flughafen am Gate C20. Max und Jacques begleiten mich auch diesmal nach Kanada. Natürlich besteht die große Hoffnung, dass es nicht die einzigen beiden Exemplare bleiben werden. Immerhin steht ja auch die Bärenbeobachtung in Alaska auf dem Programm. Der LH-Flug nach Calgary wird auch dieses Jahr wieder von discover airlines durchgeführt. Das soll uns erstmal nicht stören – die Crew ist nett und freundlich (und spricht sogar die Fremdsprache Kölsch) und der Service ist gut. Außerdem verläuft der Flug über den Nordatlantik und Grönland ausgesprochen ruhig. So können wir doch ein bisschen die Augen schließen, denn dank acht Stunden Zeitverschiebung steht uns ein langer Tag bevor. Die Einreiseformalitäten an den Terminals sind schnell erledigt und auch die Koffer kommen schnell. Etwa eine Stunde nach der Landung sitzen wir schon abfahrbereit bei unserem Fahrer Nelson im Bus. Er fährt uns in Schleifen durch die Innenstadt von Calgary, sodass wir einen guten Eindruck von der recht modernen (aber auch ein bisschen unattraktiven) Downtown erhalten. An der Saddledome Arena machen wir trotz einsetzenden Regens einen Fotostopp, denn hier wurde schließlich deutsche Olympiageschichte geschrieben. (Nichtsdestotrotz droht ihr der Abriss.) Unser Hotel liegt nicht weit von der Fußgängerzone entfernt. Die Zimmer (= Ferienwohnungen) sind großzügig bemessen und modern eingerichtet. Glücklicherweise ziehen die Regenwolken schnell über Calgary hinweg. Der Abend wird noch einmal sehr schön und sonnig. Auch das erste gemeinsame Abendessen des HP-Pakets ist sehr gut, obgleich die Portionen jeweils für 2–3 Personen reichen würden – willkommen in Kanada!
2. Tag (Freitag, 21. August 2026): Banff–Nationalpark in den Rocky Mountains mit Lake Louise
Unsere tollen Hotelzimmer und auch das gute Frühstücksbuffet würden wir gern einpacken und als ständige Begleiter mit auf die Reise nehmen. Doch dafür hat Nelson leider keinen Platz, obwohl unser Bus schon großzügig bemessen ist. Das ehemalige Olympiazentrum mit Bobbahn, Skisprungschanzen und dem Jamaika-Bob aus Cool Runnings ist unser erstes Tagesziel und liegt noch am Stadtrand von Calgary. Da Ferien sind, herrscht Hochbetrieb. Große und kleine Kinder suchen auf der Sommerrodelbahn oder mit ihren Mountainbikes nach dem nächsten Adrenalinkick. Und in den Eishockey-Arenen trainiert der Nachwuchs auch im Sommer für den Traum von Olympia. Anschließend fahren wir auf den Trans-Canada Highway. Mit dem Banff-Nationalpark in den Rocky Mountains wartet heute gleich der erste große Höhepunkt der Reise auf uns. Das schöne Wetter wird nur durch den leichten Dunstschleier getrübt, der über allem liegt. Die Asche der vielen Waldbrände in British Columbia wird vom Wind auch nach Alberta hineingetragen. Am Lake Louise fällt er weniger stark auf. Den berühmtesten Gletschersee Kanadas steuern wir gleich heute an und erfreuen uns an der türkisblauen Farbe. Auch zum Moraine Lake dürfen wir heute freundlicherweise fahren und klettern dort auf den Geröllhügel. Von hier oben lassen sich die schönsten Fotos machen. Am Seeufer sorgen die kleinen Erdhörnchen (genaue Bezeichnung dieser speziellen Unterart: Goldmantel-Ziesel) für die ersten Tierbegegnungen. Leider sind sie an die Touristen gewöhnt und immer auf der Suche nach Futter. Nach der späten Mittagspause im Lake Louise Village begeben wir uns auf den Rückweg nach Banff. Doch wir fahren nicht direkt durch, sondern machen einen Abstecher zum Johnston Canyon. Gerade am Nachmittag sorgt die Sonne für tolle Farbenspiele an den steilen Felswänden, während das Zirpen der Ziesel auf unserem Spaziergang zum ersten Wasserfall für die passende musikalische Begleitung sorgt. Nelson holt uns dann am Parkplatz wieder ab und fährt uns nun wirklich nach Banff, wo noch eine „Hotelbesichtigung“ (Banff Springs Hotel von außen) sowie ein Fotostopp an den Bow River Falls ansteht. Unser Hotel liegt dann direkt im Zentrum an der Banff Avenue. Nur ein kleiner Fußmarsch trennt uns vom besten Steak in Kanada im Restaurant El Toro. Danach können wir gut schlafen und freuen uns auf den zweiten Tag in den Bergen.
3. Tag (Samstag, 22. August 2026): Yoho–Nationalpark – Icefields Parkway – Athabasca–Gletscher
Nach ein paar Metern sehen wir heute schon die ersten Tiere! Ein paar Maultierhirsche (einschließlich Jungtier) kreuzen die Straße zur Surprise Corner. Die namensgebende Überraschung ist jedoch die Aussicht auf das gegenüberliegende Banff Springs Hotel. Am Bahnhof von Banff halten wir kurz danach erneut, um Fotos vom Schriftzug zu machen. Hier fallen dann schon die ersten Regentropfen, was wir aber durchaus begrüßen, denn wir hoffen darauf, dass der Regen die Asche aus der Luft wäscht und für bessere Sichtverhältnisse sorgt. Hinter der Grenze zum Yoho-Nationalpark merken wir allerdings nicht mehr viel vom Regen, während es weiterhin diesig bleibt. Das tut der Schönheit des Emerald Lake aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Atmosphäre wirkt geradezu mystisch und geheimnisvoll. Der etwas zeitigere Aufbruch hat sich übrigens gelohnt, denn Nelson bekommt die Pole Position in der Busspur und gewinnt durch sein regelkonformes Parken gleich einen neuen Freund. Auf dem Rückweg nach Alberta bzw. in den Banff-Nationalpark halten wir noch an der Natural Bridge über den Kicking Horse River. Nachdem wir auf den Icefields Parkway abgebogen sind, wird die Luft dann tatsächlich deutlich klarer. So bekommen wir im Vorbeifahren einen guten Blick auf den Bow Lake und Bow Glacier (das Anhalten ist heute leider nicht möglich). Besonders freue ich mich für meine Gäste, dass sie für unseren Aufenthalt am Peyto Lake das perfekte Wetter haben und die besondere Farbe des Sees voll zur Geltung kommt. Nach einer kurzen Pause am Rastplatz Sasketchewan Crossing erfolgt ein weiterer Fotostopp, bei dem wir nicht nur ins Tal zurück-, sondern auch ein unerschütterlich ruhiges Dickhornschaf erblicken. Anschließend wartet das große Gletscher-Abenteuer auf uns. Mit einem Terrabus genannten Ungetüm von einem Bus, der sich allerdings nur im Schneckentempo bewegt, fahren wir auf den Athabasca-Gletscher. Auf dem dicken Eispanzer können wir uns in einem gesicherten Bereich bewegen und uns taufrisches Gletscherwasser abfühlen. Dann klettern wir zurück in den Gletscherbus und begeben uns wieder auf die langsamste Achterbahnfahrt der Welt – nur diesmal eben die Seitenmoräne hinauf statt hinab. Welches Glück wir bis hierhin hatten, wird uns während der Weiterfahrt nach Jasper bewusst. Anstatt Sonnenschein begleitet uns ein heftiges Gewitter bis zu den Becker‘s Chalets, unseren urigen Unterkünften am Athabasca River. Bei unserer Ankunft lässt der Regen allerdings nach. Vom gemeinsamen Abendessen wird uns vor allem der mächtige Schokoladenkuchen in Erinnerung bleiben, den kaum jemand ganz schafft.
4. Tag (Sonntag, 23. August 2026): Jasper–Nationalpark mit Maligne Lake
Wir genießen die Aussicht beim Frühstück auf den Fluss (und natürlich auch das Frühstück selbst) und freuen uns, dass heute ein entspannterer Tag vor uns liegt. Das Wetter ist besser als vorhergesagt – und vor allem ist die Sicht besser als gestern Abend, dem Regen sei Dank. Unsere heutige Erkundung des Jasper-Nationalparks beginnen wir mit einem Abstecher zum Pyramid Lake und zum Patricia Lake, wo nicht nur die Berge, sondern auch Max und Jacques für Fotos posieren. Bärenbeobachtung abgehakt! Bevor es ans Abhaken weiterer Tiere geht, erfolgt ein Aufenthalt im Ort Jasper für Besorgungen und/oder die zweite Dosis Kaffee. Zum Glück haben die meisten Gebäude im Ortskern und auch der historische Bahnhof das verheerende Feuer von 2024 überstanden. Gut gestärkt und mit einigen Souvenirs als Beute geht es nun auf die Maligne Lake Road. Beim Fotostopp am Medicine Lake sehen wir tatsächlich die nächsten Tiere, nämlich ein Murmeltier und kleine Pfeifhasen. Aber vielleicht geht ja noch mehr. Während ich uns für die spätere Bootstour zur Spirit Island einchecke, können meine Gäste schon das Ufer des Maligne Lake erkunden. Tatsächlich wird mir ein schönes Exemplar eines Maultierhirschs in Form eines Fotobeweises präsentiert. Und kaum haben wir die Anlegestelle an Bord der Chaba III verlassen, präsentiert uns die Crew (ein Geschwisterpaar aus Halifax) eine Elchkuh am Ufer. Wird ja immer besser! Und auch wettertechnisch haben wir großes Glück, denn das angekündigte Gewitter setzt erst ein, nachdem wir mit vielen tollen Fotos von der Spirit Island und dem Tal der Götter im Gepäck sowie einer großen Kugel Eis im Bauch wieder zufrieden bei unserem Nelson im Bus sitzen. Während der Rückfahrt nach Jasper halten wir weiterhin Ausschau nach Tieren. Bären und Wapitis fehlen schließlich noch auf der Liste. Und zumindest in Sachen Wapitis werden wir an zwei Stellen fündig: Zunächst erblicken wir noch auf der Maligne Lake Road einen prächtigen Wapitihirsch und schließlich auf dem Schlenker zum Fairmont-Hotel von Jasper (seine?) drei Damen. In Sachen Glück können wir uns also heute wirklich nicht beklagen. Und glücklicherweise dürfen wir ja noch eine weitere Nacht in den Becker‘s Chalets übernachten und auch ein zweites Mal ein leckeres Abendessen genießen.
5. Tag (Montag, 24. August 2026): Auf dem Yellowhead Highway von Jasper nach Prince George – Mount Robson – Ancient Forest
Nachdem das Geburtstagskind mit einem Ständchen im Bus begrüßt wurde, verabschieden wir uns mit einem Abstecher zur Talstation der Jasper Skytram vom Jasper-Nationalpark. Für eine Fahrt hinauf auf den Whistlers Mountain fehlt leider die Zeit; wir begnügen uns mit der tollen Aussicht, die sich uns schon von hier aus bietet, machen ein Foto mit dem Bärenmaskottchen und zählen Eisenbahnwaggons. Am Yellowhead Pass überqueren wir endgültig die Grenze nach British Columbia und stellen die Uhren zurück. Das Geburtstagskind und seine Gäste bekommen also heute quasi alle eine Stunde geschenkt. Danach haben wir großes Glück, dass wir die Spitze des Mount Robson sehen. (Und überhaupt ist das Wetter heute großartig.) Wir machen hier am höchsten Berg der kanadischen Rocky Mountains gleich eine zeitige Mittagspause und erfreuen uns an der Kulisse. Mit viel Geduld und scharfen Augen können wir anschließend an den Rearguard Falls ein paar wenige Königslachse springen sehen. Viel Wasser rauscht – trotz fortgeschrittener Jahreszeit – immer noch den Fraser River hinunter, viel Gischt spritzt auf, erschwert uns die Sicht und den Lachsen das Vorankommen. Das große Geburtstagsdrama entfaltet sich dann am Nachmittag in McBride, denn es gibt bei Uncle Mark‘s heute keine Icecream Sandwiches. Gegen die getrübte Stimmung helfen weder die Sonne, noch das Magnum, noch die teilvergoldeten, frisch renovierten Waschräume im historischen Bahnhof. Bedröppelt dreinschauend kehre ich zum Bus zurück, den Nelson auf dem Planetenweg elegant zwischen Venus und Erde geparkt hat. Der Waldspaziergang durch den Ancient Forest sorgt dann nicht nur von den Temperaturen her, sondern auch gedanklich ein bisschen für Abkühlung. Auch wenn der Weg einige von uns Überwindung und etwas Anstrengung kostet, lohnt der Anblick der tausend Jahre alten, moosbewachsenen Baumriesen alle Stufen. Nach dem intensiven Waldbaden geht es zurück auf den Yellowhead Highway und weiter nach Prince George. Dort endet der Tag für das Geburtstagskind schließlich überraschend doch noch versöhnlich mit einem schokoladigen Geburtstagskuchen.
6. Tag (Dienstag, 25. August 2026): Prince George bis Smithers – Fort St. James
Ein weiterer sonniger Tag bricht über Prince George herein. Es soll noch einmal sommerlich warm werden, weshalb wir später auch am Stuart Lake ein Picknick machen wollen. Deshalb halten wir in Vanderhoof an einem Supermarkt und versorgen uns mit Salaten, Obst und Sandwiches. Dann biegen wir auf die Stichstraße zum Fort St. James ab und erblicken nach wenigen Minuten eine Gruppe Maultierhirsche rechts im Gebüsch. Auch im Fort St. James geht es tierisch weiter, denn wir werden gleich zum Hühnerrennen geschickt. Diesmal lassen mich meine Favoriten aber jämmerlich im Stich. Kein einziger richtiger Tipp – hatte ich das überhaupt schon mal? Einige meiner Gäste hatten einen besseren Riecher und können sich ihre wohlverdienten Chicken Bucks abholen. Nachdem sich die Aufregung gelegt hat, beginnen wir mit der Erkundung der einzelnen Häuser und starten im alten Lager. In jedem Haus treffen wir auf verkleidete Gästeführer, die uns von der Geschichte der Pelzhandelsgesellschaften erzählen und die Vergangenheit damit für uns zum Leben erwecken. Wir dürfen sogar selbst im rustikalen „Sessel“ Platz nehmen und ein Gewehr in die Hand nehmen. Ein gut gemachtes Video rundet unseren Besuch im Fort St. James ab (auch wenn es die Mitarbeiterin nicht schafft, den Vollbildmodus zu aktivieren). Nur ein Stück weiter nördlich vom Fort liegt der Picknickplatz. Gern würden wir hier nach der Verpflegungspause noch länger weilen, uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und die Aussicht auf den See genießen. So herrlich schön ist heute das Wetter – da kommt wirklich Urlaubsfeeling auf. Doch leider, leider müssen wir weiter. Bis Smithers brauchen wir immerhin noch vier Stunden. Und ich habe ja entlang der Strecke zwischen Fort Fraser und Burns Lake drei Schwarzbären postiert, die extra am Straßenrand auf uns warten! Einer guckt sogar neugierig und beobachtet den vorbeifließenden Verkehr. In Burns Lake wird uns von einer einheimischen Familie während der Pause spontan getrockneter Lachs zum Probieren angeboten – ein typisch kanadisches Erlebnis, das zeigt, wie freundlich und kontaktfreudig die Kanadier im Allgemeinen sind. Wie prognostiziert erreichen wir unser Hotel in Smithers dann gegen 18 Uhr, können uns frischmachen und den Tag anschließend beim Abendessen auswerten.
7. Tag (Mittwoch, 26. August 2026): Smithers bis Stewart – Ksan Historical Village
In der Nacht ist ein heftiges Gewitter durch Smithers gezogen, doch am Morgen wirkt das Wetter geradezu lieblich. Nach einer halben Stunde fahrt erreichen wir schon unseren ersten Stopp. Die Fischer der Wet‘suwet‘en sind bereits aktiv und holen mit ihren Keschern am Witset Canyon jede Menge Stahlkopfforellen aus dem schäumenden Wasser des Bulkley River. Teilweise haben sie Probleme, die prall gefüllten Netze voller zappelnder Fische überhaupt zu tragen, so groß ist deren Gewicht. Wir schauen eine Weile zu und setzen dann unsere Fahrt fort. Am Hagwilget Canyon hinter New Hazelton wartet dann eine Mutprobe auf meine Gäste, denn wir überqueren (wer möchte) die Hängebrücke über den Bulkley River zu Fuß. Der erste Weißkopfseeadler wird gesichtet und auch ganz allgemein sorgen Landschaft und das schöne Wetter für gute Laune. In Old Hazelton treffen wir dann erstmal auf den mächtigen Skeena River, dem wir auf unserer weiteren Reise noch mehrmals begegnen werden. Viel Betrieb herrscht nicht in diesem kleinen Ort, der mit seinen Häusern gut und gerne als Kulisse für einen Western herhalten könnte. Aber wir sind in der Gegenwart und werden in den beiden (einzigen) Cafés sehr freundlich bedient. Schließlich ist die Zeit für unsere Führung durch das Ksan Historical Village gekommen, das nur wenige Minuten entfernt liegt. Der eingesprochene deutsche Text entführt uns durch die Nebel der Zeit in die Vergangenheit und lässt das Leben der Ureinwohner an der Westküste auf unserer Reise durch die drei Langhäuser wieder aufleben. Für die Mittagspause kehren wir nach New Hazelton zurück, um uns für die lange Fahrt nach Stewart an der Grenze zu Alaska zu stärken. Wir hangeln uns von Tankstelle zu Tankstelle bis zur Meziadin Junction, wo wir den Cassier Highway verlassen. Am Bear River Glacier machen wir einen letzten Fotostopp und bewundern das schöne blaue Eis. Unser Hotel in Stewart mag zwar keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber die Betreiber sind – typisch kanadisch – sehr freundlich und das Essen ist wirklich sehr gut. Das fängt beim Salatbuffet an und endet beim Zitronenkuchen. Und es ist wieder viel zu viel für uns ungeübte Europäer, die an kanadische Portionsgrößen nicht gewöhnt sind. Stewart mag ein winziges Nest sein, doch die Kulisse ist traumhaft. Die steilen Berge um den Fjord ragen majestätisch empor, auf den Gipfeln dekoriert mit etwas Schnee und ein bisschen Gletschereis. Meinen Lebensmittelpunkt würde ich zwar nicht hierher verlagern, doch die raue Wildnis hat durchaus ihren Charme.
8. Tag (Donnerstag, 27. August 2026): Bärenbeobachtung am Fish Creek in Alaska und Ausflug zum Salmon Glacier
Guter Dinge und voller Elan treten wir die Fahrt über die Grenze nach Hyder an. Die Stimmung erhält einen ersten Dämpfer, nachdem wir sehen, welche Lücke die Flutwelle im Juli in die Beobachtungsplattform gerissen hat. Die Ranger am Fish Creek im Tongass National Forest begrüßen uns freundlich und in Plauderlaune und hoffen mit uns auf das baldige Auftauchen eines Bären. Der erste Beobachtungsaufenthalt endet jedoch ohne Sichtung. (Immerhin sehen wir Weißkopfseeadler!) Vielleicht haben wir später mehr Glück? Zwei Versuche stehen ja noch aus! In der Zwischenzeit machen wir einen Ausflug über die Schotterstraße zum Salmon Glacier – eine kleine Herausforderung für Nelson, die er aber mit Bravour meistert. Es geht höher und höher hinauf, bis wir die Gletzscherzunge erblicken können. Passenderweise taucht auch sogleich ein Aussichtspunkt auf, der Beweisfotos ermöglicht. Das eigentliche Ziel und der Umkehrpunkt liegen jedoch noch höher. Und da landen wir dann leider nicht über, sondern inmitten der Wolken, sodass vom mächtigen Gletscher nichts zu sehen ist. Da hilft nur ein Trostwässerchen! Es wird also ein Bergfest-Picknick im Nebel, der jedoch nach dem Konsum meines Zauberwassers immerhin so weit aufreißt, dass die schneebedeckten Gipfel der Berge deutlich zu sehen sind. Und auf der Rückfahrt können wir immerhin die untere Hälfte des Gletschers sehr gut sehen und bei einem weiteren spontanen Halt auch sehr gut fotografieren. Besser scheint unser Glück jedoch nicht zu werden, denn auch die zweite Bärenbeobachtung am Fish Creek verläuft bärentechnisch ereignislos. So müssen wir uns an anderen Dingen erfreuen, wie zum Beispiel der freundlichen Besitzerin des Souvenirladens in Hyder oder dem sehr leckeren zeitigen Abendessen beim Mexikaner in Stewart. Essenstechnisch fühlen wir uns überhaupt nicht wie am Ende der Welt, im Gegenteil! Nachdem uns schon das gestrige Buffet positiv überrascht hat, können heute auch das Lunchpaket und das mexikanische Restaurant punkten. Jetzt muss nur noch die Natur mitspielen und uns ein Erfolgserlebnis gönnen … Aber auch unsere dritte Bärenbeobachtung am Fish Creek am Abend ist leider nicht von Erfolg gekrönt (gleichwohl während der Hinfahrt von einigen Gästen ein Schwarzbär am Ufer des Salmon River gesichtet wird), zumal sich das Wetter zusehends verschlechtert und wir dann auch angesichts das heftigen Regens ziemlich geknickt die Rückfahrt zum Hotel antreten. Nun liegt alle Hoffnung auf dem morgigen Tag.
9. Tag (Freitag, 28. August 2026): Stewart bis Prince Rupert – Skeena River
Trotz aller Bemühungen kriegen wir auch am zweiten Morgen in Stewart unser Frühstücksbuffet nicht leer. Sehr gut gesättigt (aber immer noch ein bisschen geknickt) treten wir die Rückfahrt zum Highway 16 an. Wir halten nochmals am Bear River Glacier, der sich beim heutigen Mix aus Morgensonne und Nebelschwaden noch einmal ganz anders präsentiert. Das Aufreißen der Wolkendecke lässt schon den ersten Stein vom Herzen des Reiseleiters plumpsen. Der zweite von der Größe des Mount Everest fällt am Hannah Creek, als wir doch noch nicht nur auf einen, sondern gleich zwei Grizzlys stoßen, die für uns am Straßenrand auf den Betonblöcken balancieren (und dabei auch mal tolpatschig abrutschen), die Straße überqueren und fotogerecht posieren. Ein Jubel geht durch den Bus und auch Nelson ist sichtlich erleichtert. Kurz vor Erreichen des Yellowhead Highway machen wir eine Pause an der Sammlung von Totempfählen in Gitanyow, dann geht es weiter nach Terrace. Hier legen wir eine längere Einkaufs- und späte Mittagspause ein, damit wir uns nochmal ein bisschen die Beine vertreten und die Sonne genießen können. Von Terrace aus folgen wir dem Skeena River nun weiter nach Westen. Ein windiger Fotostopp am Telegraph Point inmitten der beeindruckenden Coast Mountains unterbricht die Fahrtstrecke bis Prince Rupert, das wir am Nachmittag erreichen. Nelson zeigt uns dort das alte Hafenviertel Cow Bay und sein Lieblingslokal für Fish & Chips, bevor wir unsere Gäste zum Hotel fahren. Nelson und ich fahren dann noch weiter zum Fährhafen, um uns alle für die morgige Fahrt durch die Inside Passage einzuchecken. Unser HP-Abendessen finden dann in einem Restaurant am Meer statt, von wo aus wir einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten können. Am besten fotografieren lässt er sich allerdings dann doch draußen am Ufer. Wir müssen nur rechtzeitig zum Dessert wieder am Tisch sitzen!
10. Tag (Samstag, 29. August 2026): Durch die Inside Passage von Prince Rupert bis Port Hardy
Ich bin immer froh, wenn (a) ich an diesem Tag nicht verschlafe und (b) auch alle meine Gäste im Frühstücksraum treffe, wo wir zumindest einen Kaffee oder Tee trinken, um munter zu werden. Nachdem wir im Fährhafen angekommen sind, beginnt das große Warten. Draußen wird es nun langsam hell, aber leider regnet es ein bisschen. Schließlich geht es an Bord der Northern Expedition, einer sehr schön gestalteten, in Flensburg gebauten modernen Fähre, die durch den Panamakanal nach Kanada überführt wurde. Wir suchen uns schöne Sitzplätze mit Aussicht und erkunden das Schiff. Am wichtigsten ist natürlich die Lokalisation der Cafeteria. Sie befindet sich auf Deck 4 am Heck und hat auch schon geöffnet – die Verpflegung ist also gesichert! Dann legen wir ab und beginnen mit der wohl längsten „Walbeobachtungstour“ der Welt durch die Inside Passage. Und tatsächlich sehen wir ab dem späten Vormittag immer mal wieder Buckelwale, die manchmal sogar aus dem Wasser springen. Einigen Gästen gelingt das große Kunststück, diese seltenen Momente mit der Kamera festzuhalten! Am Nachmittag dürfen wir freundlicherweise in zwei Gruppen die geräumige Brücke besuchen und bekommen die Instrumente erklärt, während uns die Kapitänin vom Sessel aus zuwinkt. Später erfolgt dann ein Zwischenstopp in Bella Bella, um weitere Autos und Passagiere einzuladen. Gegen 20 Uhr sehen wir nochmals Wale und in der Ferne eine Gruppe Delfine, die freudig aus dem Wasser springen. Allmählich wird es dunkel und auf der Fähre kehrt Ruhe ein. Bis zur Ankunft in Port Hardy versuchen wir, ein bisschen vorzuschlafen, denn die geplante Ankunft ist erst um 01:00 Uhr und dann müssen wir ja noch ein kurzes Stück bis zum Hotel fahren. Glücklicherweise kommen wir aber zeitiger an und sind dann gegen 01:15 Uhr schon im Hotel. Auch wenn eine schöne Überfahrt hinter uns liegt und wir auch viele Wale gesehen haben, freuen wir uns nun auf unsere Betten.
11. Tag (Sonntag, 30. August 2026): Vancouver Island von Port Hardy bis Victoria – Wandgemälde in Chemainus
Nach einem leider recht chaotischen Frühstück mit überforderter Bedienung brechen wir mit etwas Verspätung aus Port Hardy auf und treten die lange Fahrt nach Victoria an. Zum Glück konnten wir aber ein paar Stunden schlafen und können uns bis zum ersten Stopp auch noch ein bisschen ausruhen. Den machen wir in der beschaulichen Telegraph Cove und bewundern dort die historischen Häuser um die Bucht, die von einer Fischfabrik/einem Sägewerk zu einem schicken kleinen Resorthotel umfunktioniert wurden. Bei unserer späten Mittagspause in Campbell River essen wir in einem Restaurant am Hafen leckere Fish & Chips und/oder testen eine der kleinen Bäckereien mit leckeren Croissants. Etwas mehr als die Hälfte der Strecke, die weitestgehend durch dichte Wälder geführt hat, liegt da schon hinter uns. Bis Nanaimo darf Nelson sogar fast durchgängig 110 fahren – die höchste erlaubte Geschwindigkeit in ganz Kanada. Noch rechtzeitig vor Ladenschluss der Eisdiele trudeln wir dann in Chemainus ein. Aber offiziell sind wir natürlich hier, um uns die über 40 Wandgemälde anzuschauen, die eindrucksvoll die Geschichte des Örtchens und der Ureinwohner erzählen. Über den Malahat Pass – eine landschaftlich noch einmal sehr reizvolle Strecke – erreichen wir am Abend die Saanich Peninsula und nähern uns mit einem Umweg durch die älteste Chinatown Kanadas unserem Hotel am Hafenbecken. Gerade als wir das Empress Hotel passieren, werden die 30.000 Lampen am Parlament eingeschaltet. Perfekt abgepasst, würde ich sagen! Unser Hotel liegt direkt neben dem Parlamentsgebäude und erlaubt uns deshalb, nach dem Einchecken auszuschwärmen, um die einmalige Abendstimmung in der Hauptstadt von British Columbia zu genießen.
12. Tag (Montag, 31. August 2026): Stadtrundfahrt Victoria – Freizeit in Victoria – fakultative Walbeobachtung
Auf dieser Reise haben wir erstmalig zwei Übernachtungen in Victoria im Programm, wodurch wir viel mehr Zeit für die Stadtrundfahrt und Zeit für eine fakultative Walbeobachtungstour haben. Noch dazu ist das Wetter besser als vorhergesagt. Statt einer dicken Wolkendecke finden wir einen weitgehend blauen Himmel mit ein paar weißen Flocken vor. Wir halten diesmal nicht nur am Mile Zero Monument im Beacon Hill Park, von wo aus wir bis zu den Olympic Mountains im US-Bundesstaat Washington blicken können, sondern laufen zusätzlich auf der Kaimauer zum Leuchtturm am Kreuzfahrthafen. Außerdem machen wir einen Fotostopp am Songhee Viewpoint, wo wir landende Wasserflugzeuge und die kleinen Wassertaxis beobachten. Nachdem uns Nelson nach etwas mehr als zwei Stunden am Museum abgeladen hat, darf er für heute auch schon wieder Feierabend machen. Den freien Nachmittag hat er sich nach den vielen langen Fahrtagen auch verdient. Wir anderen sind noch nicht ganz am Ende unserer Stadterkundung, denn ich möchte meinen Gästen abschließend noch das Helmcken House am Royal Museum of British Columbia sowie das Empress Hotel zeigen. Acht Gäste haben für den Nachmittag die fakultative Walbeobachtung gebucht und kehren mit zufriedenen Gesichtern zurück, denn sie haben Orcas sehen und fotografieren können. Ich selbst darf leider nur bezahlen, aber nicht mit an Bord, weshalb ich mir anschließend als Entschädigung in Chinatown ein Eis gönne, bevor es wieder an die Büroarbeit geht. Am Abend kommen wir im Milestones Restaurant am Inner Harbour wieder zusammen, werten unsere Erlebnisse aus (ein Ehepaar hat auch einen Rundflug gemacht) und genießen ein gutes Menü mit Blick auf Parlament und Empress Hotel.
13. Tag (Dienstag, 01. September 2026): Victoria bis Vancouver – Butchart Gardens – Stadtrundfahrt Vancouver
In Victoria hat es uns sehr gut gefallen, weshalb wir traurig sind, dass wir diese schöne Stadt verlassen müssen. Zum Glück bleibt uns das gute Wetter auch für den Besuch der Butchart Gardens erhalten, die etwa auf dem halben Weg zum Fährhafen liegen. Am frühen Vormittag ist es auch noch sehr ruhig, sodass der Spaziergang durch den Senkgarten, Rosengarten, Japanischen Garten und Italienischen Garten besonders viel Spaß macht. Auch mich erfreut die Blumenpracht bei jedem Aufenthalt aufs Neue. Nur die Tatsache, dass die Gelateria erst 15 Minuten nach unserer Abfahrt öffnet, bricht mir am Ende das Herz. Doch es hilft ja nichts, wir müssen schließlich die Fähre nach Vancouver kriegen! Die legt nämlich pünktlich ab, fährt zunächst durch die vorgelagerten Gulf Islands und dann quer durch die Strait of Georgia bis zum Fährterminal Tsawwassen auf dem kanadischen Festland. Von hier aus geht es unter dem bzw. über den Fraser River entlang/hinweg bis in die eigentliche Stadt Vancouver. Durch den südlichen, flacheren Teil der Metropole an der Westküste quälen wir uns durch den städtischen Verkehr bis zur Granville Island. Wir können hier für eine Weile das erste Mal Großstadtluft atmen, doch noch ein leckeres Eis essen und über das Wasser des False Creek hinweg die ersten Hochhäuser der Downtown fotografieren. Die anschließende Fahrt durch Chinatown ist sowohl interessant als auch ein bisschen beklemmend, da einige Drogensüchtige und Obdachlose unterwegs sind. Während der Stadtrundfahrt passieren wir natürlich auch das neue Heimstadion von Thomas Müller und sind pünktlich zur vollen Stunde an der Dampfuhr im Altstadtviertel Gastown. Der Olympic Cauldron am Hafen ist leider eingerüstet und auch unser erster geplanter Stopp im Stanley Park an den Totempfählen muss aufgrund von Bauarbeiten entfallen. Dafür können wir am Prospect Point nicht nur die berühmte Lions Gate Bridge, sondern auch zwei große Feuerwehrtrucks fotografieren. Und wir bleiben weiterhin vom Regen verschont, der offenbar keine Lust hat, uns diesen abwechslungsreichen Tag zu verderben. Unsere Freude wird nur durch den Abschied von Nelson getrübt, dessen Zeit mit uns am Sheraton Hotel leider zuende geht. Immerhin hat er jetzt auch drei Tage frei und darf sich von den vielen Kilometern erholen. Etwa 3.000 Kilometer haben wir mit dem Bus durch den Westen Kanadas zurückgelegt (und ca. 500 Kilometer mit der Fähre durch die Inside Passage). Nachdem wir unsere Zimmer im zentral gelegenen Hotel bezogen haben, schwärmen wir individuell aus in die Nacht und erkunden die Umgebung auf eigene Faust. Einige Gäste zieht es noch hoch hinaus (ins Drehrestaurant), andere eher ans Wasser (zum Kreuzfahrtterminal). Aber alle sammeln spannende Eindrücke von dieser tollen Stadt.
14. Tag (Mittwoch, 02. September 2026): Freizeit in Vancouver – Abschiedsabendessen
Einen ganzen Tag lang dürfen meine Gäste auf eigene Faust Vancouver erkunden. Der Wettergott meint es weiterhin gut mit ihnen und hält den angekündigten Regen noch so lange wie möglich zurück – bis die Wolken platzen müssen. Ob Flyover Experience, Gemäldegalerie, Stanley Park oder Hop On Hop Off Bus, alle haben sich etwas vorgenommen oder lassen sich spontan treiben, z. B. zum Besuch des Gerichtshofs auf Einladung des Sheriffs. Auch die Souvenirläden werden noch besucht, um letzte Mitbringsel oder Aufmerksamkeiten für die Nachbarn einzukaufen, die auf Haus, Wohnung, Hof, Blumen und/oder Tiere aufpassen. Am späten Nachmittag öffnen sich dann aber doch die Schleusen, und ein geplanter Rundflug über Vancouver mit dem Wasserflugzeug, zu dem ich mich spontan auch mit eingeklinkt hatte, fällt kurzfristig wortwörtlich ins Wasser. Da stehen wir nun wie begossene Pudel, kriegen aber das Geld erstattet und netterweise trotzdem unser gratis Getränk – sowie freundliche Worte und eine Dosis typisch kanadischen Smalltalks obendrauf. Das Wetter präsentiert Vancouver nicht von seiner besten Seite, die Herzlichkeit der Einheimischen aber schon. Am Abend hat der Regen schon wieder nachgelassen und wir kommen als ganze Gruppe zum großen Abschiedsabendessen zusammen. Zwei Wochen waren wir gemeinsam in Kanada unterwegs. Zwei Wochen in denen wir viel erlebt, viel gelernt, uns viel unterhalten und sehr viel gelacht haben. So verbringen wir auch diesen Abend bei gutem Essen und guten Gesprächen, bekommen den wohl besten Schokoladenkuchen der Reise serviert – und ziehen anschließend noch in einen Pub um die Ecke weiter.
15. Tag (Donnerstag, 03. September 2026): Abschied von Vancouver – Rückflug nach Deutschland
Während bis jetzt organisatorisch alles geklappt hat auf dieser Reise, sorgt die Lufthansa am Morgen noch vor dem Frühstück mit einem Flugzeugwechsel und damit verbundenen Änderungen der Sitzplätze für Unruhe. Wir versuchen trotzdem, das tolle Buffet und die letzten Stunden in Vancouver und Kanada zu genießen. Das Abholen der Koffer von den Zimmern klappt sehr gut und auch unser Bus trifft (fast) pünktlich um kurz nach 12:30 Uhr ein. Auch die Wolkendecke reißt nun wieder auf, sodass wir darauf spekulieren, vom Flugzeug aus einen schönen Blick auf die Stadt und die Berge erhaschen zu können. Aufgrund des Flugzeugtauschs verzögert sich leider auch der Abflug um eine Stunde. Immerhin ist es dann eine modernere Version der 747, mit der wir über Vancouver und die Berge in Richtung Heimat aufbrechen.
16. Tag (Freitag, 04. September 2026): Ankunft in Frankfurt und Heimreise
So modern wie gedacht, ist die Maschine dann aber auch wieder nicht. Das Bordunterhaltungssystem hat seine Macken und ist gefühlt mindestens 20 Jahre alt. Während des Fluges kommt es ab und zu zu Turbulenzen, die ganz hinten im Heck besonders deutlich zu spüren sind. Nichtsdestotrotz kann ich ein paar Stunden schlafen — und habe auch noch keinen Hunger, als kurz vor dem Landeanflug das Frühstück serviert wird. Vielleicht haben wir einfach in Kanada viel zu viel (und zu gut) gegessen … Mit noch etwa 20 Minuten Verspätung setzen wir (hinten wieder gut durchgeschüttelt) in Frankfurt auf. Busse bringen uns von der Außenposition zum Terminal. Dort werden wir sehr zügig und mit viel Nachdruck (an der Grenze zur Unfreundlichkeit) durch die Passkontrolle geschleust. Beides sorgt dafür, dass wir uns leider schnell aus den Augen verlieren, obgleich ich dann doch viele meiner Gäste vor der Gepäckausgabe noch einmal abpassen kann. Während sich die „Berliner“ nun sputen müssen, um den Anschluss zu bekommen, haben die „Leipziger“ und „Dresdner“ einige Stunden Zeit. Apropos Zeit: die nehmen sich unsere Koffer und machen es damit wieder spannend. Doch am Ende erreichen wir — mit unseren Koffern — zu sechst rechtzeitig unseren ICE nach Erfurt/Leipzig/Dresden. Bis Leipzig kommt er gut durch, verliert nur vier Minuten unterwegs. In meiner Wahlheimat steige ich aus, womit eine weitere schöne Kanadareise zu Ende geht.
Meine liebe Reisegruppe „Bärensuche“,
an dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei euch allen für die schönen gemeinsamen Tage in West-Kanada bedanken. Wir hatten eine lustige Zeit, meist gutes Wetter, haben viel gesehen, viel erlebt, viel gegessen und viel gelacht. Unser Fahrer Nelson hat uns mit seiner kleinen Auswahl an Hüten erheitert und immer sicher ans Ziel gebracht.
Nun scharrt schon die nächste Gruppe mit den Hufen und muss in eure großen Fußstapfen treten. Ich freue mich schon sehr darauf, euch allen bei einer anderen Eberhardt-Reise oder in eurer Lieblingseisdiele zu begegnen.
Herzlichst
Euer Andreas Wolfsteller
(Gesichtete Bären insgesamt: mindestens 3 Schwarzbären am Yellowhead Highway, 1 Schwarzbär am Salmon River, 2 oder 3 Grizzlys am Hannah Creek.)
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