Rundreise im Traumland Kroatien
Reisebericht: 06.09. – 16.09.2026
Reichen die einzigartigen Naturlandschaften und das vielseitige historische Erbe aus, um Kroatien zum Traumland zu machen? Wir wollen es selbst erfahren und brechen auf ins ehemalige Jugoslawien.
Ein Reisebericht von
Saskia Pinnow
1. Tag – Sonntag, 06.09.2026: Anreise nach Maribor / Slowenien (826 Bus–km)
Wow, ist heute was los am Dresdener Flughafen! Sechs Reisen starten in die verschiedensten Ecken Europas. Da ist es gar nicht so einfach den richtigen Bus zu finden und unser Anfahrer Dirk sitzt bis zum Eintreffen der Reiseleitung hinter geschlossenen Türen, da er noch nicht weiß, welche Gäste zu seiner Tour gehören. Zum Glück sind alle Transferfahrzeuge frühzeitig da und wir können pünktlich um sechs Uhr unsere Reise in den Süden beginnen. Ohne weitere Zustiege geht es zur ersten Pause auf der Raststätte Vogtland Nord. Hier wird unsere Gruppe für den Tag vollständig und unser Fahrer Max steigt zu. Seine Zirkelordnung haben wir schon durcheinander gebracht, indem wir unterwegs die Kaffeebecher aus der falschen Klappe gefischt hatten, aber Kaffee am frühen Morgen, das muss einfach sein. Durch die bayrische Oberpfalz setzen wir unseren Weg fort nach Regensburg und weiter entlang der Donau in Richtung Passau. Eine Sperrung der Autobahn zwingt uns eine Schleife über Deggendorf zu fahren. Mittag gibt es schon jenseits des Inn, in Österreich, auf der Raststation Aistersheim. Über die A9 „Phyrn Autobahn“ fahren wir entlang der Kalkalpen von Oberösterreich in die sattgrüne Steiermark. Lange Tunnel verhindern, dass wir große Steigungen in Kauf nehmen müssen. Graz lassen wir links liegen und folgen dem Tal der Mur bis zur slowenischen Grenze. Hier biegen wir noch einmal ab, denn wir wollen heute an die Drau nach Maribor. Um kurz vor fünf treffen wir bei unserem Hotel am Fuße des Pohorje-Gebirges ein. Vor dem Abendessen bleibt Zeit durch das gut besuchte Naherholungsgebiet zu spazieren, in der Wellness-Oase abzutauchen oder die Jagd auf die slowenischen Euro-Münzen zu eröffnen.
2. Tag – Montag, 07.09.2026: Zagreb mit Stadtführung (130 Bus–km)
Wir frühstücken und fahren nach Zagreb. In der kroatischen Hauptstadt empfängt uns Marija am Hauptbahnhof und nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch die lebendige Stadt. Als erstes lernen wir König Tomislavs kennen, der 925 die Kroaten in einem ersten unabhängigen Staat vereinte. Dann geht es weiter zu einem Denkmal aus der Hand des Bildhauers Ivan Meštrović gewidmet Josip Juraj Strossmayer, einem katholischen Bischof und kroatischen Politiker des 19. Jh. Vorbei an der Büste von Nikola Šubića Zinski, einem kroatischen Ban, der im 16. Jh. erfolgreich gegen die Osmanen kämpfte, kommen wir zum gleichnamigen Park, in dem der älteste Brunnen der Stadt steht. Ein Parkplatz in bester Wohnlage markiert die Lücke, welche die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Synagoge hinterlassen hat. Auf dem Hauptplatz ist heute Blumenmarkt, die blauen Straßenbahnen fahren und vom Reiterdenkmal grüßt seit 1990 wieder der Nationalheld Ban Josip Jelačić, der im 19. Jh. zugunsten Wiens gegen die Vorherrschaft Ungarns in Kroatien agierte. Nach einer kurzen Toilettenpause nehmen wir den Weg in die Oberstadt, zuerst zur Kathedrale. Im März 2020 vom Erdbeben beschädigt, wird sie wie viele Gebäude in der Stadt immer noch renoviert. Im Innern sehen wir das Grab von Erzbischof Alojzije Stepinac (1898 - 1960) und die 1941 zum 1.300-jährigen Jubiläum der Christianisierung der Kroaten angebrachte Inschrift in Glagolica, der Schrift, in der die Kroaten einst die kirchenslawische Sprache schrieben, in der sie mit einer Ausnahmegenehmigung des Vatikans die römisch-katholische Messe lasen. Wir sehen den Eingang eines im Zweiten Weltkrieg als Bunker angelegten Tunnels und durchqueren das Steinerne Stadttor aus dem 13. Jh., das den verheerenden Stadtbrand von 1731 als eines der wenigen Bauwerke überlebt hat. Die neben dem Parlamentsgebäude stehende St.-Markus Kirche ist seit einem im Oktober 2020 erfolgten Anschlag für die Öffentlichkeit abgeriegelt. Der Kirchplatz dient den Abgeordneten als Parkplatz und ein Besuch der Messe ist nur gegen Vorlage des Personalausweises möglich. Besucherfreundlicher ist die griechisch-katholische Kirche mit der reichbemalten Ikonostase, die dank einer hölzernen Dachkonstruktion wenig vom Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wie viele Gebäude in Zagreb wurde auch sie vom deutsch-französischen Architekten Hermann Bollé entworfen, der 1878 nach Zagreb kam und nach dem Erdbeben von 1880 der Stadt seinen Pinselstrich verlieh. Nach einem Gang durch die im Jugendstil erbaute Oktagon-Passage endet die Stadtführung auf dem Blumenplatz. Es locken die Kaffeehäuser, die Museen oder doch die Standseilbahn. Um 17 Uhr holt Max uns vom Bahnhof ab und bringt uns zum Hotel im Vorort Buzin, wo wir auf die mit dem Flugzeug angereisten Gruppenmitglieder treffen und uns ausruhen fürs nächste Abenteuer.
3. Tag – Dienstag, 08.09.2026: Nationalpark Plitvicer Seen (132 Bus–km)
Nach der wuseligen Stadt steht heute endlich Natur auf dem Programm. Erwartungsvoll steigt unsere 24-köpfige Gruppe in den Bus. Entlang der Autobahn geht es bis Karlovac, kurz tanken und abbiegen ins dünnbesiedelte Waldland. Einen ersten Stopp machen wir in Rastoke. Hier mündet der Bach Slunjčica über natürliche Kalkterrassen fließend in den Fluss Korana und bot einst ideale Bedingungen zum Ansiedeln von Wassermühlen. Speicherruinen aus der Zeit der französischen Besatzung zeugen davon, dass sogar Napoleon hier Getreide mahlen ließ. Das Dorf diente auch als Kulisse für den Winnetou-Film „Schatz im Silbersee“. Der Original-Totem-Pfahl steht noch hier. Wir sehen ihn von Weitem, doch leider reicht die Zeit nicht aus um zwischen den vielen Privatwegen den Zugang zum Pfahl zu finden, denn wir haben einen Termin am Nationalpark Plitvicer Seen. Unser Guide Emanuel nimmt uns am Eingang 1 in Empfang. Nach der Ticketkontrolle haben wir gleich Aussicht auf den großen Wasserfall. Wir steigen ins Tal hinab, bewundern den Fall auch von unten und spazieren dann entlang der unteren Seen bis zum Rastplatz. Emanuel vermittelt uns in seinem sympathischen Deutsch mit St. Galler-Akzent und südslawischer Melodie eine Menge Wissen zum Park, den Winnetou-Drehorten und Anekdoten aus seinem Leben als Touristenführer. Mit dem Elektroboot fahren wir über den Kozjak und erwandern dann die oberen Seen. Hier wird das Mikrofon ausgeschaltet und die Natur darf ganz für sich allein sprechen. Faszinierend sind die arenenförmigen, mit Moos behangenen Kalksteinwände, über die sich das Wasser ständig neue Wege sucht, aber auch Kleinigkeiten ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich, wie die flinken Fische im Wasser oder die wilden Zyklamen im Wald. Hundert Fotos später erreichen wir wieder unser Boot und schleppen uns nach der Überfahrt die letzte Anhöhe zum Hotel hoch, wo Max mit den Koffern bereits auf uns wartet. Schön war’s, aber auch anstrengend. Gut, dass wir morgen nicht so weit wandern müssen.
4. Tag – Mittwoch, 09.09.2026: Split mit Stadtführung (458 Bus–km)
Ein weiter Weg liegt vor uns und so sind wir heute um halb sieben die ersten am Frühstücksbuffet. Kurz vor acht schaltet Max den Motor ein, noch schnell die Box mit den Zimmerschlüsseln an der Rezeption abgeben und los geht die Fahrt weiter durch den ursprünglichen Buchenwald, der im Jahrhunderte alten Grenzgebiet erhalten geblieben ist. Die in Bosnien wütenden Waldbrände trüben den Himmel ein. Die Löscharbeiten gestalten sich als schwierig, denn im Gegensatz zu Kroatien ist das Nachbarland noch nicht minenfrei. Der Tunnel „Sveti Rok“ führt uns unter dem Velebit-Gebirge hindurch vom kontinentalen ins mediterrane Klima. Die Landschaft wird karger. Das Meer erscheint. Wir stoßen an auf die Reise und unsere beiden Geburtstagskinder. Nach einer Mittagspause mit Verpflegung aus Max Zaubertopf erreichen wir Split, die heimliche Hauptstadt Dalmatiens, Heimat des Fußballclubs „Hajduk Split“ und größter Fährhafen des Landes. Dijana hat für uns schon den Ausstiegsplatz am Busbahnhof klar gemacht und so kann es gleich losgehen in die Altstadt, die fast zur Hälfte aus der Altersresidenz des römischen Kaisers Diokletian besteht. Dijana führt uns routiniert durch die Gruppen der Kreuzfahrttouristen und erzählt humorvoll die Geschichte des unbarmherzigen Herrschers, dessen Christenfeindlichkeit die römisch katholische Kirche bis heute gegen die jährlich stattfindenden „Tage des Diokletians“ protestieren lässt. Vorbei an der Bronzestatue des im 10. Jh. zum Bischof ernannten Gregor von Nin mit dem goldenen Zeh gelangen wir durch die venezianische Altstadt zurück zur künstlich aufgeschütteten Seepromenade „Riva“. Dijana zeigt uns noch, wo es das beste Eis gibt und entlässt uns in die Freizeit. Es locken die kleinen Geschäfte und Marktstände, der Springbrunnen am Ende der Promenade und für die Fans das Museum von „Game of Thrones“. Die kleine Synagoge im ehemaligen Ghetto erinnert an die Geschichte der sephardischen Juden, die nach ihrer Vertreibung von der iberischen Halbinsel infolge der Reconquista im 16. Jh. entlang der Adria eine neue Heimat fanden. Wir fahren weiter auf der Küstenstraße, durchqueren die verbrannte Landschaft bei Omiš und machen einen Fotostopp oberhalb der Vruja-Bucht. Durch das Biokovo-Gebirge erreichen wir die Autobahn und biegen kurz vor der bosnischen Grenze ab ins Neretva-Delta. Über die im Sommer 2022 eröffnete Pelješac-Brücke, dank der die ehemalige Republik Ragusa endlich ohne bosnische Grenzkontrolle erreichbar ist, gelangen wir schließlich zur gleichnamigen Halbinsel auf der sich im Badeort Orebić unser Hotel für die nächsten drei Nächte befindet.
5. Tag – Donnerstag, 10.09.2026: Dubrovnik mit Stadtführung
Heute erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Reise: Dubrovnik, die Hauptstadt der einst unabhängigen Republik Ragusa (1358-1808), bekannt als „Perle der Adria“. Seit Beginn der Dreharbeiten zur weltweit erfolgreichen Serie „Game of Thrones“ 2011 kämpft die UNESCO-Weltkulturerbestätte mit Übertourismus. Inzwischen werden die Besucherströme konsequent gelenkt. So ist die Anzahl der täglich anlegenden Kreuzfahrtschiffe begrenzt und auch wir haben nur ein bestimmtes Zeitfenster, in dem unser Bus ins Zentrum fahren darf. Für das erfolgreiche Besuchermanagement wurde die Stadt 2026 von der EU-Kommission mit dem Titel „Europäischer Grüner Vorreiter für intelligenten Tourismus“ ausgezeichnet. Die 800 ständigen Einwohner danken es, von denen unsere Stadtführerin Indira eine ist. Sie führt uns durch die berühmte Stadtmauer auf den Stradun, die Flaniermeile der Altstadt, und zeigt uns das Franziskaner-Kloster, die Eisdiele, in der einheimische Kinder umsonst bedient werden, und die weltweit älteste Babyklappe aus dem 15. Jh. Am Haus des Künstler Ivo Grbić erinnern Fotos an die Belagerung der Stadt zu Beginn des Jugoslawienkrieges 1991/92. Die serbisch-orthodoxe Kirche, erbaut 1877, ist das jüngste Gebäude innerhalb der Stadtmauer. Indira legt uns noch den Markt am Fuße der Jesuiten-Treppe ans Herzen, auf dem Einheimische lokale Produkte verkaufen, und bringt uns dann zum alten Hafen, wo bereits ein Rundfahrt-Boot für uns reserviert ist. Der Kapitän fährt ungeachtet der Wellen schnurgerade entlang der Mauer bis zum Fort Lovrijenac und dreht dann ab zur Insel Lokrum. An Land sehen wir die Ruine des 1985 erbauten und im Krieg zerstörten Hotel Belvedere und das französische Fort auf dem 415 m hohen Berg Srđ, in dem die kroatischen Soldaten ihre Unabhängigkeit im Jugoslawienkrieg erfolgreich verteidigten und wohin heute eine Seilbahn fährt. Um halb vier holt Max uns wieder am Pile-Tor ab und wir machen noch einen Abstecher nach Ston zu den Salinen, welche die Republik Ragusa einst reich und frei gemacht haben. Wir fotografieren die mit 5,5 km längste Befestigungsmauer Europas und feiern noch ein Geburtstagskind, bevor wir nach Orebić zurückkehren.
6. Tag – Freitag, 11.09.2026: Insel Korčula mit Stadtführung und Freizeit in Orebić
Der Bus hat frei und wir begeben uns zu Fuß auf den Weg zum Hafen. Die Strandpromenade birgt unvorhergesehene Stolperfallen, so dass unsere Gruppe leider leicht dezimiert beim Bootsanleger ankommt. Die Überfahrt zur Insel Korčula dauert nur sieben Minuten, zu kurz um seekrank zu werden. Eigentlich war Regen vorhergesagt, aber der starke Südost-Wind pustet alle Wolken weg. Am Pier erwartet uns Neda, die Stadtführerin mit deutschen Wurzeln. Sie nimmt uns mit in die kleine venezianische Altstadt, in der einst Marko Polo geboren worden sein soll. Sie erklärt uns, wie die Straßen nach den Winden ausgerichtet wurden, was zuoberst in den Gebäude war (wissen wir schon) und wozu die typischen Vorrichtungen mit den ringförmigen Löchern an den Fenstern dienten. Am Schluss zeigt sie uns die Kapern-Pflanze, der wir auf unserer Reise noch öfter begegnen werden und die zwar leckere Früchte bietet, aber auch die Bausubstanz der Mauern bedroht, an denen sie wächst. Es bleibt Zeit die Stadt selbst zu erkunden, auf den Kirchturm zu steigen und vielleicht eine Spezialität der Insel zu probieren, wie Korčulanski klašuni, Plätzchen mit Nussfüllung, Rosinen und Orangenschale oder Cukarin, ein Mürbegebäck. Zurück in Orebić erwartet uns ein Nachmittag ohne Programm. Endlich baden und schnorcheln, gemütlich ein Aperitif genießen oder bergauf wandern zum Franziskaner-Kloster, von wo aus die Republik Ragusa die Tätigkeiten auf den venezianischen Werften Korčulas beobachtete. Heute zeugen in Orebić nur noch der Kapitänsfriedhof, ein paar verschlafenen Villen und das Seefahrer-Museum von der historischen Bedeutung Ragusas Mittelmeerflotte.
7. Tag – Samstag, 12.09.2026: Trogir mit Stadtführung (276 Bus–km)
Geweckt vom Zirpen der Zikaden fahren wir ein letztes Mal entlang der aussichtsreichen Panoramastraße über die Halbinsel Pelješac. Ob es die Wildschweine hier wirklich gibt, vor denen immer wieder mittels Verkehrsschildern gewarnt wird? Angeblich sollen sie die Weinberge plündern und sogar in der Adria schwimmen. Auf dem Weingut Matuško in Potomje sind sie kein Thema. Die Produktion scheint zu florieren. 2.500 m² umfasst die Fläche des 1997 eröffneten und vor zwei Jahren erweiterten Kellers. Neben den Traditionsweinen Plavac Mali und Dignač werden hier auch andere Rot- und Weissweine hergestellt, die nicht nur in die EU sondern auch in die USA und nach China exportiert werden. Noch ein Foto von der Brücke und wir verlassen Ragusa, das mich einfach nur an einen Schokoriegel der Firma Camille Bloch erinnert. Im Neretva-Delta halten wir an einem der Obststände an und decken uns ein mit Proviant für den Tag. Neretva-Mandarinen, Limoncello oder Arancini (ausgekochte und in Zucker eingelegte Orangenschalen), die Wahl ist schwer. Am Mittag verpflegt uns Max Küche und gut gestärkt erreichen wir den Busbahnhof von Trogir, wo wir uns mit Dijana über das Wiedersehen freuen. Die Altstadt von Trogir ist kompakt auf einer Insel gelegen, verlaufen ausgeschloßen. Dijana zeigt uns den Palast einer kroatischen Familie, eine Rarität, den nur wenigen Slawen gelang es in der venezianischen Stadt Karriere zu machen. An der Riva liegen die Schiffe kleiner Familienunternehmen, die Fahrten inklusive Verpflegung zu den Inseln anbieten. Wir suchen Schatten in der Loge am Hauptplatz. Hier wurde früher Recht gesprochen, aber der Richter konnte nicht ganz frei entscheiden, denn eine am Ćipiko-Palast gehisste Flagge zeigte ihm, ob der Angeklagte zu verurteilen war oder nicht. Die Kathedrale des hl. Laurentius wird uns mit der Kombination aus verschiedenen Baustilen und dem begehbaren Turm nachhaltig in Erinnerung bleiben. Auch den Geschmack des typischen Rafioli nehmen ein paar von uns mit auf den weiteren Weg entlang der Küste. Ein kurzer Fotostopp oberhalb Primošten und ein besorgter Blick auf die riesige Wolke über dem Waldbrandgebiet auf der für ihren Kalkstein bekannten Insel Brač bevor wir gegen 18 Uhr unser Hotel im Amadria Resort bei Šibenik erreichen. Das schöne Abendlicht über dem Wasser lässt heute einige den Beginn des Abendessens verpassen. Gut, dass das Buffet bis um 21 Uhr zur Verfügung steht.
8. Tag – Sonntag, 13.09.2026: Nationalpark Krka und Zadar mit Stadtführung (270 Bus–km)
Die Wanderschuhe geschnürt brechen wir auf zum 1985 gegründeten Nationalpark Krka. Das Schutzgebiet erstreckt sich entlang des 45 km langen Karstflusses von der bosnischen Grenze bis zur Adria. Max fährt uns bei Lozovac hinunter ins Tal, an den Start eines zwei Kilometer langen Holzbohlen-Rundwegs, der um den größten Wasserfall im Park herum führt. Am Skradinski Bug stürzt das Wasser auf einer Länge von 800 m über 17 Kaskaden in die Tiefe und wird bis heute zur Energiegewinnung genutzt. Bereits 1895 ging hier ein auf Nikola Teslas Erfindung basierendes Wechselstrom-Kraftwerk in Betrieb, das die Straßenlaternen von Šibenik mit elektrischem Licht versorgte. Nach zwei Stunden holt der Bus uns wieder ab und bringt uns nach einer kurzen Pause am über dem tiefblauen Krka-Fluss thronenden, zum 1.100-jährigen Jubiläum der Gründung des kroatischen Königreichs 2025/26 errichteten Denkmal „Ankunft der Kroaten an der Adria“ nach Zadar. In der zentralen Hafenstadt empfängt uns Meri und nimmt uns mit zum Forum, an dem sich die beiden Hauptstraßen der einst römischen Stadt rechtwinklig kreuzen. Eine römische Säule hat die Zeit überdauert, weil sie im Mittelalter als Pranger diente. Ebenfalls am Forum steht die ehemalige Kirche des hl. Donatus aus dem 9. Jh., deren Bau durch die Pfalz-Kapelle Karls des Großen (heutiger Aachener Dom) inspiriert worden sein soll. Und sonst gibt es hier viel Platz, der gerne für Theateraufführungen und Open-Air-Konzerte genutzt wird. Auch die Riva lädt zum Verweilen ein. Auf den Klaviertastenbänken sitzend lauschen wir den Klängen der von Nikola Bašić entworfenen Meeresorgel. Leider ist die Zeit zu knapp um sich richtig auf die ungewohnten Töne einzulassen, aber auch die venezianische Altstadt will entdeckt werden. Die Führung endet am Narodni trg (Volkplatz), auf dem neben anderem das 1934 erbaute Rathaus steht, mit Reliefs aller wichtigen Städte an der kroatischen Adriaküste, welche die Italiener gerne kontrolliert hätten. Aber der Krieg ging anderes aus. Zadar wurde von den Alliierten 1943/44 zerbombt und von Jugoslawien wieder aufgebaut. Die städtische Architektur gilt heute in der Fachwelt als ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von Historik und Nachkriegsmoderne. Knapp 130 km Küstenstraße trennen uns noch vom Fährhafen Stinica, von wo aus wir auf die Insel Rab übersetzen. Während wir den Bilck aufs Velebit-Gebirge, das Meer und die Insel Pag genießen, sagt Max, er werde nachts von den vielen Kurven träumen...
9. Tag – Montag, 14.09.2026: Insel Rab mit Stadtführung und Rundfahrt (36 Bus–km)
Frau Bobana holt uns um neun Uhr am Hotel zum Stadtspaziergang ab. Von der nachträglich aufgeschütteten Promenade steigen wir die Treppen hoch in die Oberstadt. Dort sehen wir die Ruinen der Kirche des hl. Johannes und den Glockenturm, der zu vier Türmen gehört, die das Wahrzeichen der Stadt ausmachen. Vom Freiheitsplatz genießen wir die Aussicht auf die Bucht von Kampor und entdecken die Seeigel im Meer, die ein Indikator für gute Wasserqualität sind. Im einst für unverheiratete Töchter erbauten Benediktiner-Kloster St. Andreas leben bis heute einige Nonnen, die sogar einen eigenen Laden betreiben. Daneben ist der Eingang zum höchsten Glockenturm von Rab, der dem englischen Architekten T. G. Jackson Ende des 19 Jh. als Vorbild für die Fertigstellung des Turms der St. Anastasia-Kathedrale in Zadar diente. Durch den Park mit der Skulptur des hl. Marin, der einst als Christ vor den Römern nach Italien floh und dort den Stadtstaat San Marino gründete, erreichen wir die Einkaufsstraße und schlendern jeder in seinem Tempo zurück zum Hotel, von wo aus wir um elf Uhr zur Inselrundfahrt aufbrechen. Frau Bobana lotst Max zuerst ins fruchtbare Kampor-Tal und dann nach Lopar, wo die Insel nicht aus Kalk- sondern aus Sandstein besteht und wir entlang des Paradies-Strandes spazieren können. Sie erzählt uns von der Landwirtschaft und dem Schulwesen auf der Insel. Es gibt gerade viele Kinder auf Rab, die wenn sie auch zum Lernen nach der 8. Klasse weggehen müssen, hoffentlich wiederkommen und das Leben hier weiter gestalten werden. Nach einer kleinen Stärkung am wunderschönen Aussichtspunkt fahren wir zurück nach Rab und freuen uns auf einen freien Nachmittag. Noch einmal baden, bummeln und Geld für Souvenirs ausgeben. Auch nach dem Abendessen lockt das Städtchen mit schöner Beleuchtung, einem geöffneten Glockenturm und gemütlichen Cocktail-Bars, kein Wunder also, dass die Bewohner ihrem Zuhause mit auf den Stromverteilerkästen aufgemalten Liebesbekundungen huldigen.
10. Tag – Samstag, 15.09.2026: Rückreise nach Slowenien und Freizeit in Bled (284 Bus–km)
Viele verlassen die Insel Rab an diesem Morgen mit der 08.45 Uhr Fähre. Die Einweiser stapeln die Fahrzeuge so eng, dass sich die Türen des Busses nicht öffnen lassen. Ein Ausstieg wäre nur über die Dachluke möglich, aber die Vernunft siegt über den Wunsch, der liebgewonnen Insel zum Abschied zu winken. Am Festland folgen wir erneut der Küste Richtung Norden. Zu unseren Füßen liegt Goli Otok, die nackte Insel, auf der Jugoslawiens Präsident Tito nach dem diplomatischen Bruch mit der Sowjetunion 1948 seine politischen Gegner internieren ließ und die noch bis 1988 als Gefängnis fungierte. Es folgt Krk, die größte kroatische Insel. Oder ist etwa doch die langgezogene Gänsegeier-Insel Cres dahinter größer? Wir halten an der Uskoken-Festung Senj. Von hieraus verteidigten Grenzsoldaten im 16. Jh. die Kvarner Bucht gegen osmanische Angriffe sowie venezianische Begehrlichkeiten und garantierten ihren Habsburger Herren erfolgreich den Zugang zum Meer. Es entstehen Erinnerungsfotos mit leuchtenden Farben, alten Kanonen und durchgepusteten Frisuren. Wir fahren weiter nach Rijeka, der Stadt, die bis 1945 Fiume hieß, und heute Kroatiens wichtigster Handelshafen ist. Nach jahrelanger Stagnation entwickelt sie sich seit kurzem zu einer relevanten Drehscheibe für den europäischen Import asiatischer Elektroautos. Schweren Herzens lassen wir das Meer und die Halbinsel Istrien links liegen, aber es ruft Slowenien mit seinen lieblich grünen Landschaften und schroffen Gebirgen. Wir schauen uns nicht das Sabotage U-Boot P-913 Zeta im Militärmuseum Pivka an, besuchen auch nicht Postojnska jama, die größte Tropfsteinhöhle Europas, oder Ljubljana, die Hauptstadt des Landes. Nein, es zieht uns an den Bleder See, in dem sich das meist fotografierte Motiv Sloweniens befindet, die Insel mit der Wallfahrts-Kirche Mariä Himmelfahrt. Und wir sind nicht enttäuscht, das Licht ist wunderbar, egal ob wir die Insel mit dem Boot oder zu Fuß umrunden, und die legendäre Kremšnita schmeckt lecker. Jetzt wissen wir, weshalb auch Tito gerne hierher in die Sommerfrische gekommen ist. Als seine Residenz fungierte das jetzige Luxushotel „Vila Bled“.
11. Tag – Sonntag, 24.05.2026: Heimreise nach Dresden (863 Bus–km)
Gestern haben wir bereits Abschied genommen von unseren Fluggästen, die heute ab Ljubljana nach Hause fliegen und entsprechend später frühstücken können. Der einzige Fahrstuhl im Hotel ist vor unserer Abreise leicht überlastet, weil heute früh nicht nur wir aufbrechen wollen. Treppensteigen ist mit dem Koffer aber auch wirklich keine Option und so muss Max kurz warten bis alle Gepäckstücke verstaut werden können. Trotzdem kommen wir pünktlich los und singen noch einmal Happy Birthday. Die neue Münzsammlung ist fast komplett, es fehlt nur die Ein-Euro-Münze mit dem slowenischen Reformator Primož Trubar drauf, der als Begründer der slowenischen Schriftsprache gilt. Beeindruckend, dass es in einem katholischen Land ein Protestant auf diese Münze geschafft hat. Ob das wohl ihren Seltenheitswert erklärt? Im Kreisverkehr am Ortsausgang von Bled steht ein Akkordeon, das an den Komponisten Slavkso Avsenik (1929 - 2015) erinnert, der die heute so populäre Oberkrainer Musik entworfen hat, eine Kombination aus Volksmusik, Jazz und Klassik. Durch die acht Kilometer lange, eben erst neu eröffnete, zweite Röhre des Karawanken-Tunnels erreichen wir Kärnten. Über die Tauernautobahn fahren wir bei wunderschöner Sicht durch die österreichischen Alpen nach Salzburg und weiter über die deutsche Grenze entlang des Chiemsees Richtung München. Zum Mittag bietet Max Suppe an. Der Kreis unserer Reise schließt sich in Regensburg. Ein bisschen Wehmut kommt auf und es fängt an zu regen, das erste Mal auf unserer Fahrt. Aber beim Ausstieg in Vogtland scheint schon wieder die Sonne. Max wird von Stefan abgelöst, der uns nach Dresden fahrend darauf hinweist, dass auch die nähere Umgebung Sehenswertes zu bieten hat. Aber eben kein blaues Meer und keine frische mediterrane Küche. Und so werden wir hoffentlich noch lange zehren von unseren in vielen Bildern festgehaltenen Urlaubserinnerungen...
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